Posts für Suchanfrage iran werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage iran werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen

Traumwelt: persischer Reis-Spinat-Auflauf

Donnerstag, 26. November 2020


Wenn ich erzähle, dass ich in einem Garten lebe, in dem Feigen und Granatäpfel wachsen, dann klingt das nicht nur paradiesisch, das ist auch schöner, als ich es mir je hätte ausmalen können.

In einem (unvergessenen) Traum irrte ich umher, bis ich ein Haus betrat. Dort leitete mich der goldene Sonnenschein, der durch die offenen Terrassentüren fiel. Mein Herz begann schneller zu schlagen, weil ich schon erkennen konnte, dass ich in Süfrankreich sein muss: die Farben, das Licht! Und als ich dann im Garten unter dem Feigenbaum stand, fing ich vor Erleichterung und Freude an zu weinen. Was ein guter Traum! Und wer das Symbol des Feigenbaums zu deuten weiß, wird umso mehr meine Ergriffenheit nachvollziehen können.

Den Granatapfel verbinde ich in Gedanken zuerst mit Persien. Jede Reise, die man vor der großen Zäsur 2020 gemacht hat, wiegt nun doppelt. Um jede einzelne Reise bin ich nun noch dankbarer als eh schon. Der Iran flashte mich vor allem als unfassliche Kulturhochburg: ein Unesco-Weltkulturerbe neben dem nächsten. Es gab so viel zu entdecken. Wer von Iran nicht begeistert ist, muss ein dummer Mensch sein.

Besonders angetan hatte es mir die traditionelle Bauweise der Häuser in  der Wüstenstadt Yazd im Zentraliran. Von außen in den Gassen sahen die Lehmbauten ähnlich glanzlos und nichtssagend aus. Aber öffnete sich die schwere Holztür, dann offenbarte sich ein unvorhersehbarer Zauber. Um einen orientalischen, grünen Innenhof mit Wasserbecken in der Mitte reihen sich Zimmer, von denen oft kunstvoll verzierte Türen mit bunten Glasscheiben nach innen führen. Der Garten ist Herzstück des Hauses. Ein größeres Wohnidyll ist nicht möglich und mehr als ein Mal haben wir bedauert, im Winter im Iran unterwegs zu sein. Fasziniert hat mich zudem, wie man die wuchtige Tür von innen mit einem mächtigen Holzpfahl verriegeln kann. Innen und außen sind zwei voneinander entschieden getrennte Welten.

 

 

Nun, allein ein Granatapfel-Sirup von einem iranischen Bazar ist jede Reise! Wobei die Granatapfel-Kerne im Salat lediglich die Deko ausmachen. Das eigentliche Rezept stammt aus dem ansprechend-sinnlichen Kochbuch *Veggiestan* (coucou Christine), das beim Blättern nicht nur wegen der Inspiration Spaß macht, sondern auch weil die Rezepte so herrlich beschrieben sind. Wie etwa dieses:

*Der persische Reis-Spinat-Auflauf ist bei uns zu Hause ein Favorit. Scheinbar sind wir nicht die Einzigen, die es mögen. Sogar der große Abbas, Schah von Persien, hatte eine Schwäche dafür. Es ist die Art von Gaumenkitzel, von der man nicht lassen kann* stellt Sally Butcher dieses Gericht vor. Da kann man doch kaum an sich halten, zur Tat zu schreiten, oder? Susanne aka Magentratzerl ist übrigens auch ganz begeistert von diesem Buch!

 

Zutaten ca. 4P*: 

400g Basmati-Reis (m: Vollkorn)
100g Butter oder Ghee, plus Butter zum Einfette
Salz
1/4 TL Safranfäden, zerstoßen, in heißem Wasser eingeweicht
1 große Zwiebel
1kg Spinat, gewaschen, gehackt
2 Eier, verquirlt
500g dicker Vollmilch-Joghurt
500ml Gemüsebrühe
1/2 TL schwarzer, gemahlener Pfeffer

 

Zubereitung:

Den Reis auf üblicheweise in Salzwasser aber mit 100g Butter garen.  Sobald er gar ist, den Safran untermischen und zur Seite stellen.

Die Zwiebel in Öl glasig braten, den Spinat untermischen und zusammefnalls lassen.

Die Eier mit dem Joghurt vermengen und unter stetigem Rühren 150ml Brühe zufügen. Pfeffern. Die Masse sorgfältig unter den Reis ziehen.

Ofen auf 190°C vorheizen.

Eine gläserne Auflaufform (sie sollte mindestens 5cm tief sein) buttern und die Hälfte der Reismasse einfüllen. Den Spinat darauf verteilen und mit dem restlichen Reis bedecken. Die Form mit gut gefetteter Alufolie zudecken und den Auflauf 30min backen. Die Hitze auf 180° reduzieren eine weitere Stunde backen. Der Reis sollte sichtbar gebräunt sein (die braune Kruste!).

Die restliche Gemüsebrühe erhitzen und dazu servieren.

*Anmerkung m: ich habe für uns das Rezept halbiert und in einer großen Terrineform mit Deckel (Füllmenge gute 1,5l) gemacht. Das reicht sehr gut auch für 3 Personen. Als Tipp fügt Sally Butcher hinzu, dass man anstelle einer großen Auflaufform auch kleine Förmchen verwenden kann (etwa, wenn man den Auflauf als Vorspeise oder als Menu-Begleitung servieren möchte). 

Ich habe keine Brühe dazu serviert, sondern einen großen Salat (ebenfalls eine Empfehlung von Sally wie etwa auch Prickles) und süß-sauer eingelegte Zucchini - ein Glas, das ich von einer Freundin geschenkt bekommen hatte.

Möglicherweise würde ich beim nächsten Mal etwas weniger Brühe zu der Joghurt-Ei-Mischung nehmen - dann sollte die Reiskruste auch richtig knusprig werden

 

Geier - gebackenes Blumenkohl-Sandwich mit Spinat/ Lauch und Käse

Mittwoch, 15. April 2020


Der Geier ist bei uns der größte Vogel im Himmel mit einer Flügelspannweite von beinahe 3 Metern. Und wo ein Geier ist, da ist normalerweise auch ein zweiter. Wenn im Frühling die Schafe im Tal verteilt auf den Wiesen stehen, dann lassen sich die Geier von der Terrasse beobachen. Und eine ganze Kolonie von Geiern - über 40 Stück - die in mächtigen Spiralen der Thermik folgen, ist großes Kino, ist ein eindruckvolles Spektakel!

Ich denke, wenn ich die Geier sehe, an die Pyramiden, die wir in Ägypten besuchten, deren Türstürze oft mit Geier-Hieroglpyphen geschmückt sind, so dass man, um von einem Raum in den anderen zu gelangen, unter ihnen hindurch muß. Wer es versteht: tief symbolisch.

Und mir fallen die Himmelsbestattungen ein, die uns in Tibet begegneten. Und zuletzt im Iran in Zusammenhang mit dem Zoroastrismus, wo wir die *Türme des Schweigens* begutachteten, der Ort an dem die Tote den Geiern übergeben wurden. Gut, müsste (!) ich mich jetzt entscheiden, wo ich lieber Bestatter wäre, dann wohl eher in unserem Kulturkreis. Denn für die Geier müssen die Leichen von den Ragyapas - Gebete rezitierend - entsprechend zerstückelt und die Knochen gar mit Hämmern pulverisiert werden. Auf diese Weise wird der Tote restlos von den Vögeln in den Himmel getragen. Eigentlich ein schöneres Bild.

Für den Toten selbst sollte die Art der Bestattung gleich sein. Egal ob als spiritueller Mensch oder nicht. Denn geht der eine davon aus, dass der Geist samt Bewußtsein ohne Körper fortlebt und die Hülle dann eh nicht mehr gebraucht wird, so hat sich für den Atheisten mit dem Tod ja sowieso alles komplett erledigt. Ein Gedankenspiel, das gut passt zum Fest der Auferstehen, das wir gerade gefeiert haben. 

Nur wurde mir jüngst wieder vor Augen gehalten, dass die Mehrheit der Menschen einfach nullkommanull Vorstellung von *Geist* hat. Ein  Wort, das wohl nur mit Mühe mit Inhalt gefüllt werden kann. Das hat mir die Sendung über Hexenverfolgung regelrecht demonstriert (unterirdisch in dem Zusammenhang auch das Thema der Denunziation - welches, wie ich erschüttert registriere, eine Renaissance erlebt). Aber worauf ich eigentlich rauswollte: im Mittelalter wurden die bereits verschacherten Leichen der *Hexen* wieder ausgegraben, um ihnen dann die Gliedmaßen abzutrennen, damit diese Teufel nicht in ihren Körper zurückkehren und Rache nehmen können. Da schlägt man sich doch die Hand vor den Kopf. Aber soviel weiter sind wir seither nicht gekommen. Ehrlich, kein Wunder kapieren die wenigsten Polarität - oder die Tiefe von Homöopathie...

Nun, um alle meine Geier-Assoziationen loszuwerden, verweise ich euch noch auf den alten, Schwarz-Weiß-Film *Die Geierwally*. Dieser Film war wiederum die Empfehlung eines französischen Freundes, der definitiv mein Telefonjocker für Geschichte und bewegte Bilder wäre. Ein ganz tolles cineastisches Zeitzeugnis!

Zuguterletzt muss ich euch noch die Geschichte von meinem sensationellen Geier-Foto erzählen. Erkennt ihr auf dem einen Bild die Feder, die der Geier im Flug verliert? Exakt diese habe ich später ganz am Rande unseres Gartens in einer Hecke gefunden. Hätte ich keine Beweis-Dokumente - das würde mir doch kein Schwein glauben, oder?!


Zurück zum Teller. Wir essen nachwievor viel Kohl, weil ich uns damit auf einen Einkaufsschlag mit viel Gemüse eindecken kann. Und das Einkaufen von Lebensmitteln war noch nie freudloser wie momentan. 

Die Blumenkohlscheiben halten gebacken gut zusammen. Wir haben diese Sandwiches schon gegessen in der Spinat-Wildkräuter-Edition (jedes frische Kraut erhält gerade seine Extra-Aufmerksamkeit - das werdet ihr in den kommenden Rezepten sehen) und in der Variante mit Lauch (der nun bald anfangen wird zu schießen und runter muss vom Feld). Wir bevorzugten als Füllung den Lauch, der sich geschmacklich besser ins Gesamte einfügt. Wirklich lecker, die knusprige untere Blumenkohl-Scheibe, der zerlaufene Käse... nicht von ungefähr habe ich dieses Gericht bald wieder auf den Tisch gebracht.

Zutaten 2P:

1 Blumenkohl (600g)
2 Frühlingszwiebeln
(oder junger Knoblauch)
4 EL Butter
Salz, Muskat
2 Eier (M)
40g Einkorn-Vollkornmehl
50g Semmelbrösel
200 g Blattspinat/ Wildkräuter
(oder besser: 2 Stangen Lauch)
125 g Raclettekäse in Scheiben
Butter/ Öl

Zubereitung:

Blumenkohl in Röschen teilen (m: über Wasserdampf al dente gegart) und im Universalzerkleinerer oder in einem guten Mixer fein mixen - allerdings nicht zu völligem Mus.

Frühlingszwiebeln (oder junge Knoblauchstangen) putzen und in feine Ringe schneiden und diese kurz in etwas Butter schwenken. Mit wenig Salz und Muskat würzen. Abkühlen lassen.

Den Ofen auf 220 Grad vorheizen (Umluft 200 Grad).

Blumenkohl mit Eiern, Zwiebeln und Mehl und Bröseln mischen, abschmecken. Die Masse soll so fest sein, dass man sie gerade gut formen kann. Ein Backblech buttern (besser auf Backpapier) oder mit einer Silikonmatte auslegen.
Die Blumenkohlmasse darauf zu 4 Rechtecken formen, die an Toastscheiben erinnern. Mit jeweils ein wenig Bröseln bestreuen.

Im Ofen etwa 20 Min. backen, dann herausnehmen und abkühlen lassen.

TK-Spinat einfach auftauen lassen und dann gründlich ausdrücken. Oder frischen Spinat waschen und in reichlich kochendem Salzwasser einmal aufwallen lassen, dann abgießen, abschrecken und ebenfalls ausdrücken. Ein paarmal durchschneiden, dann leicht salzen. (im Falle von Lauch: diesen in Butter kurz rösten, 3-4 EL Gemüsebrühe dazugeben, mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen und weich garen).

Butter in einer Pfanne aufschäumen lassen, alle 4 Blumenkohl-Scheiben mit der Bröselseite nach unten einlegen (ging in meiner größten Pfanne nur nacheinander - also jeweils 2 Scheiben), das geht am besten mit einem breiten Pfannenwender.

Zwei Scheiben mit Spinat belegen, 2 Min. backen. Spinat mit Käse belegen und mit Pfeffer bestreuen.

Mit den beiden anderen Blumenkohlscheiben belegen (m: Deckel auflegen), noch kurz durchwärmen und dann auf Teller setzen.
 
Quelle: SZ-Magazin










Zwiebel-Hallelujah: Zwiebelfladen auf Kartoffelboden

Mittwoch, 6. November 2019


Isabel von Lecker Lezmi hat in der Kiste aller guten Erinnerungen einen festen Platz. Dank ihrer Empfehlung wohnten wir während unseres Zwischenstopps Richtung Iran im (ganz bestimmt) schönsten Viertel Istanbuls. Die knappe Woche dort reichte aus, um großer Istanbul-Fan zu werden, und das obwohl uns die Stadt frostig empfing und einen halben Meter Schnee vor die Füße schmiß. Ich war ganz begeistert von den kleinen Läden, Cafés, Restos, den vielen Katzen samt der Freundlichkeit der Menschen. Und nach all den Jahren Wühlen in der Kunstgeschichte war es für mich ein großer Moment leibhaftig in der Hagia Sophia zu stehen (deren Statik by the way bis heute nicht ganz geklärt ist!).

Passend holte ich mal wieder Isas Kochbuch *Yemek* vor, aus dem ich bereits diese Linsensuppe ausprobiert habe und feststellte, dass dort noch einiges nachgekocht werden will...

Mit Isabel spielte ich zu ihrer *aktiven Bloggerzeit* mal Triko-Tausch. Dabei stellte sie mir unter anderem die Frage: Ein total unterschätztes Lebensmittel ist... - wozu mir damals rein gar nix einfiel. Ein kleinwenig zeitverzögert weiß ich jetzt eine Antwort: *die Zwiebel*. Die gute Zwiebel ist doch das kleine, unauffällige Stiefmütterchen in der Gemüsekiste, oder? Alleine für unseren jährlichen Zwiebelverzehr würde unsere Gartenfläche in keinster Weise ausreichen. Ich müßte wirklich mal vom wöchentlichen Verbrauch hochrechnen, wieviel Kilos wir zu zweit im Jahr verzehren! Vermutlich würde eine erstaunliche Zahl herauskommen...

Mit Zwiebel-Anschwitzen beginnt zwiefelsohne nahezu alle Küchenmagie, nur um dann sämtlichem anderen Gemüse den Steigbügelhalter zu machen. Dabei kann Zwiebel auch Solo-Künstler und stellt alle anderen in den Schatten, greife ich als Beispiel mal heraus:

* als Topping auf der Mejara
* oder so unverzichtbar in den Käse-Knöpfle 
* wie auf diesem Flammkuchen

Und dann gibt es ja ungeheuer schöne Zwiebeln. Gerade bin ich regelrecht verknallt in die rosa-bronzefarbenen Rocodoro, die mein Markt-Dealer feil bietet. Sie brachten mich auf die Idee, mal wieder die Zwiebel in den Mittelpunkt zu stellen. Außerdem hatte ich just diese Pinsa Romana von Robert aus dem Ofen gezogen - so wie die Synchron-Gruppe - und war wieder begeistert, was einen tollen Knusper-Effekt etwas Reismehl bringt!


Zutaten:

Vorteig:
50g Dinkel-Vollkorn
50g Wasser
1g Hefe (frisch)

Hauptteig:
Vorteig
130g Kartoffeln, gekocht
130g Dinkel 630
20g Reismehl
8g Hefe
1 Pr Zucker
1/2 TL Salz
1 1/2 EL Olivenöl
80-90ml Wasser

Belag:
ca. 400g Zwiebeln (m: Rocodoro)
3 TL Thymian
50g Radicchio
100g Bleu de Brebis, gewürfelt
(oder fourme d'Ambert)
1/2 Birne
(oder ein Schuß weißer Port)
Salz, Pfeffer 
Sonnenblumenöl


Zubereitung:

Am Abend zuvor den Vorteig klümpchenfrei verrühren, bei Raumtemperatur mindestens 1 Stunde anspringen lassen, dann in den Kühlschrank stellen. 

Die Kartoffeln als Pellkartoffeln garen, abschütten, pellen etwas abkühlen lassen und fein reiben. Die Hefe im Wasser zusammen mit dem Zucker auflösen. Alle Zutaten für den Teig mit Hilfe einer Küchenmaschine (Handkneter...) zu einem homogenen, geschmeidigen, leicht klebrigen Teig kneten - mindestens 6 Minuten. An einem warmen Ort zugedeckt den Teig gehen lassen bis er sich verdoppelt hat.

Zwiebeln schälen, je nach Größe vierteln oder halbieren und in feine Streifen schneiden. In dem Öl mit Thymian mit Geduld golden rösten. Kurz vor Ende entweder mit Port ablöschen oder die in der Länge nach feine Streifen geschnittene Birne untermischen. Zuguterletzt den ebenfalls in Streifen geschnittenen Radicchio untermengen.

Backofen mit Pizzaofen 240° vorheizen (m: Instensiv-Backen). 

Den Teig halbieren und zu zwei Fladen formen (m: dafür bereits auf Backpapier verfrachtet) und eine weitere Viertelstunde gehen lassen. Dann mit den Zwiebel-Mischung belegen und den Käse darauf verteilen. Zusammen oder nacheinander (selon le goût) im heißen Ofen knusprig backen.

Geschwister im Blog-Universum:



Paris ist weit weg III: Butterrüben-Risotto mit Falafel-Tofu

Mittwoch, 23. Oktober 2019


An Fynn - das wißt ihr - gefiel mir so einiges gut. Eigentlich wäre er auch ein Wunsch-Kandidat für meine #zu Tisch mit...- Reihe gewesen. Aber der Fynn ist ja so umtriebig, der hat ja nie Zeit...

In diesem Podcast mit Fynn erklärt er wirklich prima, wie Politik auf dem Dorf von statten geht - das scheint sich im ländlichen Raum überall sehr zu gleichen. Und zwar kann man sich wundern, dass in dem einen Dorf nahezu alle rechts wählen und im anderen Dorf alle grün - obwohl sie nur zwei Kilometer auseinander liegen. Als würde sich polititsche Gesinnung nach Ortschaft aufteilen und beieinander siedeln. Aber, so meint Fynn, hinter diesem Phänomen verbirgt sich meist eine einzige Familie, ein großen Hof (aus mehr besteht ein Dorf ja nicht ;), mit dem man es dann parteiisch hält. So von Gartenzaun über Gartenzaun...

Klar, logo, tendenziös gezeichnet, natürlich findet sich auch dörfliche Diversität, trotzdem offenbart sich gerade im Kleinen, wieviel Politik mit Stimmungsmache gemein hat. Und dass dieses Emotionalisieren von Menschen in beide Richtungen funktioniert: sowohl für mehr Miteinander oder mehr Gegeneinander.

Meine nächste Geschichte zum Thema *Paris ist weit weg aka französisches Landleben* spiegelt genau das. Der Umgang mit Jurten (für alle, die kein Bild vor Augen haben: hier der Jurte-Link) bietet nämlich ein anschauliches Beispiel. Jurten (übrigens ähnlich wie roulottes - Planwägen ) erfreuen sich hier auf dem Land zunehmender Beliebtheit. Aus dem einfachen Grund, weil Wohnraum (egal ob zur Miete oder Eigentum) immer teurer wird, ja zunehmend unbezahlbar für einige.

Jurten sind weder ein fixes Haus noch ein klassisches Zelt - bref: quelque chose entre les deux, irgendetwas dazwischen. Somit quasi gleichzeitig eine Art juristischer Graubereich. Ben, machen wir uns nix vor, sowas gibt es im (über)reglementierten Europa schon lange nicht mehr. Jurten sind also grundeigentlich verboten.

In Deutschland werden bei Gesetztesverstoß umgehend Vollstrecker ausgesendet, die solche Zuwiderhandlung wieder begradigen. Aber in Frankreich kommt es halt darauf an... Wie ich ja bereits schrieb: rechts und links findet der Fränzi gerne noch ein Schlupfloch. Ganz nach dem altbekannten Spruch: *Wo kein Kläger da kein Richter.* In einem Dorf zwei Täler weiter siedeln mittlerweile drei Jurten. Sie werden von der ganzen Gemeinde inklusive Bürgermeister toleriert - man lässt sie (wieder einmal stillschweigend) einfach gewähren. Keiner fühlt sich gestört - warum auch? Und von was? Einer Jurte?!

Hingegen die Jurte in einer Nachbarortschaft stand nur ein dreiviertel Jahr. Ich gebe es unumwunden zu: ihr Verschwinden war mir ein Ärgernis. Der Jurten-Bewohner ist vraiment un brave type, ein junger, wilder Naturbursche, hilfsbereit und freundlich, aus einer alteingesessenen, französischen Familie von hier, Mitglied der Jäger und des Fußballvereins, der auf eigenem Grund und gut versteckt seine Jurte aufgestellt hatte. Ich (so als Zugewanderte) dachte eigentlich, dass er damit (also Herkunftskarte samt den Mitgliedsausweissen) auf dem Land soetwas wie Diplomaten-Status hätte - immun und gefeit vor allem nachbarschaftlichem Unbill. Doch das téléphone arabe (die Flüsterpost)  munkelt, dass er mit seiner Jurte den Argwohn ausgerechnet der reichsten Familie des Dorfes auf sich zog - von denen keiner auch nur eine Woche in einer Jurte leben wollen würde (und bei der mir stets Hauffs *kalte Herz* einfällt). 

So wurde von deren Anhängerschaft mit viel Prass argumentiert, dass wir schließlich alle unsere taxe d'habitation (Haussteuer) und taxe fontière (Grundsteuer) zu zahlen hätten, die Jurte vermutlich noch nicht einmal mit einer richtigen Sanitäranlagen ausgestattet wäre und zuguterletzt schlicht illegal steht, wo sie steht. Diese eine Familie im Dorf reichte als Aufhetzer aus. Womit wir wieder bei dem ungerechten, irdischen Ungleichgewicht angekommen wären. Ein Unkräutlein im Topf und der ganze Inhalt kippt. Die (meine) Moral von der Geschicht': Bösartigkeit wurde noch gar nie dank der Freundklichkeit anderer kuriert (leider!). Und Toleranz beziehungsweise Intoleranz ist Charaktersache...


Erneut stelle ich euch begleitend einen Fusionsküchen-Teller vor (holt man den Fusion-Begriff überhaupt noch vor oder ist der schon voll old-school? Egal). Die Navets (Butterrübchen) gehören seit ich in Südfrankreich bin zu dem gängigen Sortiment auf den Markttischen. Ich kannte sie von zuhause aus nicht - schätze aber ihren Geschmack sehr. Gut erinnere ich mich, wie sie mir zum ersten Mal von unserer Pariser Nachbarin serviert wurden: mit Geduld einfach in der Pfanne golden geröstet. Ich hätte die komplette Portion alleine verdrücken können. So ähnlich werden die Navets auch zum Großteil für dieses Risotto zubereitet.

Das i-Tüpfelchen macht der Falafel-Tofu, für den ich mir wie so oft Inspiration von Susanne mitgenommen habe. Was bin ich froh, dass es *Magentratzerl* gibt - für mich ein steter Quell an erfrischender und ungeheuer breitgefächerten kulinarischer Muse! Das ergab als Topping für dieses Risotto einer der besten Tofu-Bratwürfel, die ich je zubereitet habe. Voll Top :)

Ach, und alleine für das wunderherrliche Granatapfel-Sirup lohnt sich die Reise in den wunderschönen Iran!

Zutaten 2P:

140g Rundkorn-Reis (m: Halb-Vollkorn)
5 Navets (ca. 450g Butterrübchen)
1 Schalotte
1 Schuß Noilly Prat
Gemüsebrühe
1 EL Tahini (Sesampaste) 
2 EL Petersilie, fein gehackt*
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft 
Sonnenblumenöl

100g Tofu
2 EL Sonnenblumenöl
1 Knoblauch, feinst gehackt
1/2 Kreuzkümmel
1/2 TL Koriander
1/2 TL Salz
1/4 TL Sumac
2 Msp Ras el Hanout
Chili

1 TL Reismehl
1 TL Speisestärke
1 EL Sesam
Sonnenblumenöl

Granatapfel-Sirup

Zubereitung:

Den Tofu zwischen Küchenkrepp setzen, beschweren und so die überschüssige Flüssigkeit herauszupressen (m: etwa 1 Stunde so stehen lassen). Den Tofu in 1cm Würfel schneiden. Eine Marinade aus Öl, Knoblauch, Koriander, Kreuzkümmel, Salz, Sumac, Chili und Ras el Hanout herstellen und die Tofu-Würfel darin marinieren (m: 2 Stunden - oder über Nacht).

Die Navets schälen. 2 Navets fein würfeln (ca. 0,5cm), Schalotte ebenfalls fein hacken. Schalotten- und Navetswürfel in dem Öl andünsten. Den Reis ebenfalls kurz mitbraten. Mit Noilly ablöschen. Dann Gemüsebrühe anschütten und unter Rühren stets soviel weitere Brühe zufügen wie sie das Risotto schluckt.

Parallel die restlichen Navets in dünne Scheiben schneiden und mit Geduld in etwas Öl Farbe annehmen lassen (dauert ca. 15-20min).

Gen Ende der Garzeit des Risottos die Tofu-Würfel in der Mischung aus Reismehl, Speisestärke und Sesam wenden. So lange in heißem Öl braten bis die Würfel außen knusprig sind.

Vor dem Servieren die seperat gebratenen Navets untermischen - zusammen mit der Tahini und der Petersilie. Abschmecken mit Salz und Pfeffer.

Zum Anrichten das Risotto in tiefe Teller geben, mit den knusprigen Tofu-Würfel toppen und mit Granatapfel-Sirup garnieren.

*Anmerkung m: die Tofu-Würfel stelle ich mir auch super zu dem Karotten-Pü vor!



12 von 12 - August 2018

Montag, 13. August 2018


1. Es ist spät geworden - fange ich gleich von hinten und mit der Rechtfertigung an, warum meine 12er erst am 13. August erscheinen. Jeden Sonntag findet hier in der Gegend ein *Guingette* statt - etwas, das man mehr schlecht als recht mit Ausflugslokal übersetzen könnte. Es beginnt nachmittags mit einem Spektakel für Kinder und der Abend klingt aus mit einer Band und geschwungenem Tanzbein. Eine ausgesprochen fröhliche, erheiternde Veranstaltung - wieder ein Mal für Jung und Alt... schließlich machen die Fränzis - wie ich gerne sage - Kinder wie die Katzen. Zumindest auf der campagne - es ist bekannt: wir haben hier ja sonst nix...


2. Begonnen hat der Tag als frischer Sommermorgen. Nach dem Gewitter, das in der Ardèche mit deutlich mehr Krawumms runter ging als bei uns (wenngleich auch in einem Nachbarort ein Mini-Tornado Verwüstungen anrichtete) strahlt alles wieder wie blankgeputzt.


3. Endlich ist Gartenarbeit wieder möglich. Das habe ich ausführlich - wenngleich auch noch nicht ausreichend - getan. Sonntag lassen wir heute Sonntag sein. Ich gehe lediglich Tomaten und Auberginen aus dem Treibhaus ernten, solange es noch so angenehm kühl ist.


4. Wir lassen es entspannt angehen - mit auswärtigem Café. So wie Madame. Diese ist hier nicht am Singen von einem Notenblatt, wie man annehmen könnte, es ist der Ausläufer eines Morgengähners. Hektik findet anderswo statt...


5. Der Morgen-Café wird in diesem Jahr sehr oft in Spatzenbegleitung getrunken. Wir teilen brüderlich unsere Croissants. Wie bei Frau Kaltmamsell und Monsieur Buddenbohm scheint es europaweit (?) mit der Spatzenpopulation wieder aufwärts zu gehen. Bitte schön, die (sehr) gute Nachricht zum Sonntag nachgereicht...


6. Bemerkenswert, wie sehr wirklich alle ganz entzückt darauf reagieren, wenn Spatzen um sie herumhüpfen. Es wird zugezwitschert und entgegengesäuselt. Ein Lächeln entlocken sie immer. Spatzen scheinen echte Stimmungskanonen zu sein. Hunde allerdings zeigen sich entschieden unbeeindruckt...


7. Und ein allerletztes Spatzenbild, weil sich am Sonntag zum ersten Mal ein Spatz von Hand von mir füttern ließ. Er flatterte vom Boden hoch und holte sich sein Stück Croissant aus den Fingern ab. Drei Mal! *Ohhh*, rief ich völlig hingerissen, *ein Dressur-Spatz*!


8. Auf der Rückfahrt - pittoresk, das kann die Drôme!


9. Gegessen wurde natürlich auch. Das Porridge verlinke ich nun definitiv nicht mehr - ich langweile mich ja selbst. Mittags gabs Zaalouk - die Idee mit den geschälten, in Scheiben geschnittenen Auberginen, die im Ofen geröstet werden, wende ich nun öfters an. Super Idee! Abgeschmeckt wurde bei uns mit Granatapfel-Sirup. Allein für diesen Einkauf lohnt sich eine Iran-Reise!


10. Ich buk noch einen Kuchen: Haselnuss-Tonka-Tarte mit Aprikosen und Mirabellen - wird vermutlich verbloggt - um eine Freundin standesgemäß begrüßen zu können. Leider zog sich die Warterei etwas. Sie kam mit Verspätung. Aber besser spät als nie... Und dann fuhren wir auch schon los.... Richtung Ausflugslokal.


11. Neben vielen bunten Lichterketten, Essensständen wie Pommes oder einem Foodtruck (schon erstaunlich, wie sehr diese Foodtruck-Geschichte eine weltweite Bewegung wurde, oder?) gibt es viele kleine Angebote für Kinder (Basteln, Schminken, Spiele)


12. Das Miteinander ist alleine deshalb so angenehm, weil das Gelände großzügig und weitläufig ist. So läßt sich prima miteinander festeln... Unter vielen Sternschnuppen dank dem Durchströmen der Perseiden!

... mehr 12er wie stets und monatlich bei Mme Kännchen!

Nouruz - As-e-Reshteh

Dienstag, 20. März 2018


In Iran ist uns der Zoroastrismus zum ersten Mal begegnet. Ja, sogar eine deutschsprachige Reisegruppe, die rein auf den Spuren der Zarathustrier unterwegs waren, kreuzte uns. Und jetzt auch in meiner Lektüre in Thailand tauchten sie immer wieder auf. Eines dieser Bücher (ich werde noch darauf zurückkommen) brachte mich auch auf das Neujahresfest Nouruz, das Frühlingsfest oder auch das Fest der Tag- und Nachtgleiche, das seinen Ursprung findet in in der "heidnischen" Religion des Zoroastrismus, und das am heutigen Tag  gefeiert wird.

In dem Buch werden nicht nur die Zeremonien beschrieben, die symbolische Tischdekoration und die verschiedenen Gerichte, sondern auch die religionsübergreifende Gesinnung, mit der Nouruz gefeiert wird. *Heute sind wir weder Muslime noch Juden noch Christen* heißt es in diesem Buch *heute sind wir alle Brüder! Heute sind wir Zoroastrier*. 

Grundsätzlich beten die Zoroastrier das Licht an und gehen - wie eigentlich alle Religionen - von einem Dualismus aus, also dass die Erde sowohl das Gute wie das Böse beheimatet: zwischen dem Herrn des Lichtes und jenem der Finsternis tobt ein Kampf, dessen Schauplatz die Erde ist. In eben diesem Gegensatz ist der Mensch gestellt.

Oder um es mit Nietzsche zu formulieren (*Also sprach Zarathustra*):
*Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden? Alle Wesen bisher schufen Etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser grossen Fluth sein und lieber noch zum Thiere zurückgehn, als den Menschen überwinden.*

Doch wie geht *menschliches Wachstum*? Gehen wir davon aus, dass jeder Mensch individuell ist. Jeder hat seine Vorlieben und seine Abneigungen. Ein  Konzept also, zu dem wir 100 prozentig stehen. Aber jedes Konzept hat immer ein polares Gegenüber, mit dem wir uns sehr schwer tun. Wer die Wärme liebt, freundet sich erst einmal mit der Kälte schwer an.

Und wir sind aufgefordert, das Gegenüber zu integrieren! Das ist nicht leicht, kostet Kraft, Überwindung, tut weh, macht Angst....

Wenn uns diese Integration aber geling, so erweitert und vergrößert sich unser Konzept, wir wachsen in jeder Hinsicht zu einem neuen, besseren Konzept, zu einem neuen, erweiterten Menschen. NUR- dieses neue Konzept hat auch wieder ein Gegenüber, ein anderes, neues Gegenüber, und dieses gilt es wiederum zu integrieren, immer und immer wieder neu - so geht die menschliche Evolution!

Meine Brüder, zur Nächstenliebe rathe ich euch nicht: ich rathe euch zur Fernsten-Liebe.“ (nochmals Nietzsche *Also sprach Zarathustra).

In Yazd - einer iranischer Stadt, in der wir uns länger aufgehalten haben - finden sich noch einige kultische Bestattungsorte der Zarathustrier wie *Türme des Schweigens*. In dem Silk Road Hotel fühlten wir uns warm willkommen und ebenso allerköstlichst bekocht. Die As-e-Reshteh aßen wir dort besonders gerne.

Nouraz ist nationaler Feiertag in vielen Ländern und wird etwa gefeiert in: Iran, Aserbaidschan, Afghanistan, Kasachstan, Kirgisistan, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, in der Türkei, in Usbekistan, Georgien (ein Tag) und Indien bei den Parsen als Jamschidi-Fest (siehe auch Holi). 

Einen schönes, neues Jahr zum dritten Mal (nach diesen und diesen Wünschen) und euch allen viel Licht und Lust am Streben danach!



Zutaten 2P - Schnellvariante:

150g weiße Bohnen, gekocht*
100g Linsen, gekocht*
100g Saubohnen, gefroren*
1 Bund Petersilie
150g Spinat
2 Zwiebeln
1/2 TL Kurkuma
120g Pasta (m: kurze Penne)
600ml Gemüsebrühe
1 TL Sumac
Sonnenblumenöl
2 TL getrocknete Minze
etwas Zitronensaft
Deko
Joghurt
Safran-Wasser
Minzöl

Zubereitung:

Die Zwiebeln schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden. In 2 EL Öl zusammen mit dem Kurkuma in ca. 10-15min goldbraun rösten. Mit etwas Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen. Zur Seite stellen.

5 EL Sonnenblumenöl erhitzen, die getrocknete Minze unterrühren, kurz rösten, vom Feuer ziehen und zur Seite stellen.

Den Spinat waschen, von den Stielen befreien, abtropfen lassen und sehr fein hacken. Petersilie waschen, ebenfalls von den Stielen befreien und gleichfalls fein hacken.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Pasta darin al dente kochen - abschütten und zur Seite stellen.

Die Linsen zusammen mit den weißen Bohnen mit 300ml Gemüsebrühe 5-10min  köcheln lassen. Petersilie und Spinat zufügen und weitere 15min köcheln lassen. Mit 1 Teelöffel Minzöl, Salz und Pfeffer würzen. Pasta und restliche Brühe anschütten, Saubohnen unterrühen und weitere 2min köcheln lassen. Salzen, peffern und mit Zitronensaft abschmecken.

Die Suppe auf zwei Teller verteilen. Zum Servieren mit den Kurkuma-Zwiebeln, Joghurt, Minzöl und Safranwasser dekorieren und mit Sumac besträuen.

*Anmerkung m: Im Original-Rezept werden getrocknete, weiße Bohnen sowie getrocknete Saubohnen verwendet und diese mit den Linsen mit Wasser bedeckt und ca. 1 Stunde 15min köcheln gelassen. Ich würde - für diesen Weg - sowohl die Bohnen wie die Saubohnen am Abend zuvor in Wasser quellen lassen: das verkürzt die Kochzeit und die Verträglichkeit. Das gemeinsame, lange Kochen - im Gegensatz zu meiner Schnellvariante - macht den Eintopf sämiger und schlonziger, weil die Hülsenfrüchte fast musig zerfallen. Die etwas längere Zubereitungszeit lohnt also durchaus!

 Inspiration: Tasting Table


Jahresrückblick 2017

Donnerstag, 28. Dezember 2017


* Seit Iran kann ich mit Händen fassen, dass wir auf Leitkultur gedrillt werden. Woanders - also wirklich überall - ist schlechter. Angeblich. Als wir Europäer noch auf den Bäumen saßen, herrschte in Persien bereits eine Hochkultur. Auch lehrte mich die Iran-Reise, dass zwischen Realität und Berichterstattung zunehmend eine *tendenziöse* Kluft zu überspringen ist... Reisen bildet.

* Was eine Invasion! 2017 stand unter der Auswirkung der Heuschreckenplage in Gestalt von 2 Zyklen Buchsbaumzünsler. Im Frühling noch bin ich durch duftig-blühenden Buchs gelaufen, wenig später hörte ich die Raupen darin schmatzen. Unvergessen: wie der Habib an der blühenden Linde wackelt, die darauf zur Zünsler-Wolke explodiert - im Herbst ist der uralte Buchs-Bestand der Drôme braunes, totes Gerippe.


* Trocken und sonnig - außer den zwei zu kaltem Wochen im Mai - ein Endlos-Sommer. Das Gartenjahr beginnt mit der besten Erbsenernte ever. Ab dann fehlt der Regen. Die Feriengäste sind begeistert - wir sind spätestens im Oktober ob des lächerlichen Dagegenhaltens mit Gießen im Garten am Rande eines Nervenzusammenbruchs...

* viele Outtakes sammeln sich in meiner Foodbilder-Galerie. Entweder stimmt das Foto nicht oder das Rezept. Oder beides. Im Falle der Erbsen-Tarte bin ich mal wieder auf ein französisches Rezept in einer Zeitschrift reingefallen. Resultat: verbacke NIEMALS Erbsen in einer Tarte! Es sei denn, man möchte tatsächlich die Zartheit der Erbse mit Gewalt bis zur Unkenntlichkeit treten

* Wahljahr - hüben wie drüben. Politische Themen machen an unserem Tisch zumeist schlechte Stimmung. Eigentlich immer.


* Wohnzimmer-Zugewinn des Jahres: die blitzpräsente Frau Novemberregen mit ihrem sonnigen Gemüt sowie das poetische Fräulein Readon, deren Texte zwischen Phantasie und Realität zu schweben scheinen. Letztere möglicherweise 2018 vergüldet - ebenso wie Mme Kaltmamsell - ich drücke beiden herzlich die Daumen

* meine Stimme hätte in eben dieser Verleihung obendrein Das Nuf mit ihrem auch für mich inspirierenden Text: wer hält schon an Schönheit und Jugend fest und warum?

* Badesommer - ich gehe ständig, oft, dauernd baden. Die Füße im kalten, klaren Wasser - so lässt sich die Hitze am besten aushalten. Am meisten bin ich an der geliebt-vertrauten Gervanne... Viele laue Nächte unter bunten Lichterketten. Das Besondere für mich dieses Jahr: in Gesellschaft einer alten Freundin, die mich besuchte.


* ein neuer Teich-Mitbewohner - scheu aber schmuck! Ob er uns nächstes Jahr wieder mit seiner Zierde erfreut?

* auf der Matte gestanden, sehr regelmäßig und fast ausschließlich mit dem Angebot für Fortgeschrittene von Mady Morrison. Dicke Empfehlung für alle, die beim Yoga lieber schwitzen als atmend Lebensberatung erhalten. Dank ihrer klaren, ruhigen und sehr verständlichen Anweisungen nutzen sich ihre Flows auch beim xten Mal nicht ab

* wieder ein bißchen an Kippen gezogen und es auch wieder gesteckt. Rauchen ist irgendwie toll und am Schluß eben doch echter Mist.


* ein Lied bleibt eine Stimmung, bleibt eine Eselsbrücke... und wird zum ineinanderlaufenden Vorboten. Eine freudige Zufallsbegegnung! Volle!

sieben all-time favorite songs gabs obendrauf...

* fast hätte ich mein Blog verkauft für 90 Mille - bis ich den Enteignungsvertrag in Händen hielt. Ähm doch nicht: Versuchung vom Haken gesprungen. Irgendwie kein WinWin...


* auffallend: dieses Jahr flattern weniger Schmetterlinge und brüten deutlich weniger Vögel in unserem Garten - leider keine rein subjektive Wahrnehmung: alamierender Vogelschwund allerortens

* endlich eine Wanderung abgehakt, die schon lange auf der TO-Do-Liste stand - obendrein in illustrer Begleitung. Sie arbeitet als Bio-Journalistin und ich bin nach jedem Gespräch um mindestens eine Illusion ärmer.  So sehe ich ab sofort im Wind schwingende Ähren-Felder mit neuen Augen. Oder hat ihr schon mal etwas von *Halmverkürzer für Getreide* gehört? Zum Glyphosat-Thema sage ich erst gar nix...


* Typ-Veränderung für das Blog -  YEAH! Kaum Spam ist nur einer der vielen Vorteile! Ein-zwei Kleinigkeiten hätte ich gerne noch verändert, kommt Zeit, kommt Spitzen schneiden.... oder so...

* große Neuerung: unsere neue Home-Page *Sonne und Lavendel* - YEAH zum Zweiten. Ich bin immernoch ganz verzückt: handgemacht, viele Fotos und dabei kein bißchen *overstyled* - das passt zu uns

 

* Stimmt die Gesinnung überdauert die Freundschaft wie in der Konserve - eine der schönsten Erfahrungen das Jahres. Oder mit Goethe *Jugendfreundschaften wie Blutsverwandtschaften haben den bedeutenden Vorteil, daß ihnen Irrungen und Mißverständnisse, von welcher Art sie auch seien, niemals von Grund aus schaden und die alten Verhältnisse sich nach einiger Zeit wieder herstellen. - Ein Hoch auf alle Wahlverwandtschaften!


* so alles in allem war 2017 gut zu mir: ich fühle mich fit - auf allen Ebenen. Das darf man eigentlich nur flüstern - die bösen Geister hören immer mit... da bin ich ein wenig abergläubisch. Einen großen Wunsch an 2018 hätte ich trotzdem - den behalte ich aber für mich, weil... ihr wißt ja...


* Lieblingsrezepte 2017 - etwas wahllos rausgegriffen, irgendwie sind doch alles meine Kinder, nennen wir es Lieblingsvorschläge:

eindeutig der Veggie-Jus - den habe ich mehrfach eingesetzt
Schupfnudeln - ein Kindheits-Lieblingsessen in einfach jeder Variante
wer diesen Mohn-Streusel-Beeren-Stückchen nicht verfällt, dem kann ich nicht helfen  
Shashuka - so einfach, so gut
wie bedienten uns den ganzen langen Sommer an einem hüfthohen Basilikum-FELD und wem könnte Basilikum aus den Ohren kommen?
klaro, die Lebkuchen - die gibts nun jede Adventszeit