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Sonntag, 31. Oktober 2021

Kürbis-Falafel oder Kugeln aus Kürbis und Kichererbsen

 

Gibt dir das Leben *Kürbis*, dann mache eben nicht die immer gleiche Suppe daraus, sondern einfach mal kleine, orangene Kugeln. Wobei kein Protest meinerseits gegen Kürbissuppe - keine Suppe bereite ich öfters zu. Ihr wißt schon: mit Kokokscrème, frischem Ingwer, vielleicht einer Karotte, Lorbeerblatt, ähnlichen Gewürzen wie heute... Wie man halt eine gute Kürbissuppe macht!

Und nein, nicht nur weil ein einmal angeschnittener Kürbis für mehr als ein Rezepte reicht und dann verschafft werden muss. Alles fängt an mit der Wahl des richtigen Kürbis und da nehmen es die Fränzis sehr genau: Courge, Potiron, Potimarron, Hokkaido, Butternut... letzteren sprechen sie mit einem unwiderstehlich charmanten Akzent aus.  Bestimmt mit deshalb mein bevorzugter Kürbis, der Butternut. Und wegen seiner anderen Vorteile: er ist handlich von der Größe, ist so schön orange wie alle anderen Kürbisse, aber er schmeckt besonders gut und wird besonders cremig. Viele seiner Kollegen sind viel wässriger.

Da zu den besten kulinarischen Trios dieser Welt für mich Küribs-Mangold-Ziegenkäse zählt, habe ich diesen Kürbisfalafel das entsprechende Risotto-Bett gerichtet. Die Kürbis-Falafel passen aber selbstredend ebenfalls ganz prima in eine dieser Bowls, die es mir dieses Jahr so angetan haben. Definitiv ein Keeper, diese Kugeln, denn sie sind schnell und unkompliziert zubereitet und vielseitig zu anderen Gerichten einsetzbar.

Soll einer sagen, es fehele ihm an Ideen was machen mit Kürbis!

 

Geschwister im Blog-Universum: Kürbis-Risotto mit bulettes des légumes d'été

 



Kürbis-Falafel - ca. 18 Stück

250g Kürbismus
100g Kichererbsen, gegart
2 EL Kichererbsenmehl (ca. 25g)
1 EL Tahini
Salz, Pfeffer
Chili
1/2 TL Ras el hanout
1/4 TL Ingwer, gemahlen
1/4 TL Nelke, gemahlen
1/4 TL Zimt, gemahlen

Zubereitung:

Ofen auf 180°C (Umluft) vorheizen.

Kürbis (etwa 350-400g) - je nach Sorte - schälen oder nicht (Hokkaido), in nicht zu dicke Streifen schneiden und ca. 15min garen, etwas abkühlen lassen.

Ofen auf 200° (O/U-Hitze) umstellen.

Alle Zutaten außer dem Kichererbsenmehl vermengen und mit dem Blender mixen. Mit dem Kichererbsenmehl die Konsistenz steuern - je nach Sorte braucht es etwas mehr oder weniger, um die Mass gut zu binden. Schön würzig abschmecken. Mit freuchten Händen zu kleinen Bällchen formen auf geölte Ofenform/ oder Backpapier setzen. Etwa 15 bis 20min im heißen Ofen backen.

 

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Entscheidungsfreudig: Schwarzwälder Zupflinzer

Wie entscheidungsfreudig seid ihr? Geht euch leicht von der Hand? Nich so euer Ding? Ich glaube selbstbeobachtungstechnisch folgendes Schemata bei mir erkannt zu haben: je bedeutungsloser und konsequenzärmer eine Entscheidung ist, um so schwerer fällt sie mir. Klaro und eine große Auswahl macht es mir auch nicht leichter...

Ich bin Mädchen, ich mag Klamotte. Das hat ein bißchen was vom Verkleidenspielen als Kind, sich hübsch machen und sich künstlerisch ausdrücken. I like. Auch, weil ich einfach anziehe, was mir gefällt. Und wie ihr wisst, bin ich schon seit vielen Jahren überzeugte Vintage-Shopperin. Mindestens 90 Prozent meines Kleiderschrankes ist gebraucht gekauft. En guter Teil meiner Anziehsachen ist bestimmt schon 20 Jahre in meinem Besitz und wird weiterhin gerne getragen. Manchmal braucht es eine kleine Pause - aber kein Grund, sie deshalb gleich mit Verbannung zu belegen. Manche Teile sind mit Erinnerungen behaftet - und das macht sie mir dann noch wertvoller. 

Aber nur weil diese Stücke günstig in der Anschaffung sind, schlage ich nicht direkt zu. Darüber muss ich meistens mehrere Nächte drüber schlafen. Mit *brauchen* im Sinne von *bedürftig* hat das schließlich nichts zu tun. Dieses *Haben-Wollen* ist eine reine Luxusabwägungsgeschichte. Und das dauert bei mir und dauert und dauert...

Ähnlich geht es mir, wenn ich Süßkram backe. Wie mich auf einen bestimmten Kuchen festlegen, wo es doch so viele zuckrig-verlockende Möglichkeiten gibt? Und sehrsehr oft kommt dann als Resultat meiner Überlegungen ein Kuchen wie heute raus: sauber gepuncht - von allem etwas. Einfach weil ich mich nicht entscheiden konnte, wollte ich mal wieder am liebsten alles auf einmal: Streusel, Schokolade, Nuss, Obst, Quark. Aber was dann backen? Käsekuchen? Die beste aller Linser? DEN Schokokuchen? Doch was fürs Blog, was ich noch nicht ausprobiert habe?



Angefeuert wurden die Pläne, weil wir am Wochenende ein Dorffest besuchten mit klassischer Ausstattung: kleiner Streichelzoo (Hasen, Ziegen, Esel, Schweine, Kühe), jede Menge Traktoren, Clairette-Verkostung.... und ein Kuchenstand der Grundschule um ein bißchen Geld in die Kasse zu spülen. Aber ehrlich: doch nicht mit grandios langweiligen, staubtrockenen, flachen, farblosen Rührkuchen. Null Ehrgeiz, die Mädels, ehrlich! Gibt es denn gar keine Hausfrauenehre mehr? Ich denke da stets zurück an die Kuchentheken der Dorffest meiner Kindheit. Volles Feuerwerk! Die haben sich damals wirklich überschlagen. Jede Menge Torten, die alle aussahen wie vom Konditor. Gut Torten backe ich nun nicht, aber im Vergleich zu den Fränzis: das kann ich ohne jede Bescheidenheit besser!

Ganz simple könnte man sich heute um den Clou bringen - Gewürze, Nuss und Kirschen rauskürzen - und schwupps: fertig ist ein klassischer Zupfkuchen mit einer verschlankteren Quarkfüllung. Aber eben keine Schwarzwälder Zupflinzer. Sowieso bin ich großer Fan, ein Glas Schattenmorellein in Kuchenware zu verbasteln - deshalb habe ich euch 4 Vorschläge aus meinem Sammelsurium herausgesucht.
 
Meine Geschmackssynapsen waren bei der Verkostung übrigens mehr als zufrieden mit mir: super lecker - immer noch das Beste, wenn man selbst bäckt! 
 
Geschwister im Blog-Universum für alle Käsekuchen-Nicht-Muffel sind by the way:


Zutaten - 1 Springform:

Teig:
200g Mehl*
100g gemahlene Mandeln
30g Kakao
150g Butter, kalt
120g Rohrzucker
2 TL Back-Pulver
1 Ei
1 Pr Salz
1/4 TL Nelke, gemahlen
1 TL Zimt, gemahlen
1/4 TL Kardamom
2 EL Kirschwasser

Quarkfüllung:
300g Quark
100g Crème fraîche
2 Eier
20g Speisestärke
80g Rohrzucker
1P Vanillezucker

4 EL Kirsch-Marmelade 

1 Glas Schattenmorellen, gut abgetropft

Zubereitung:

Schattenmorellen gut abtropfen lassen.

Aus den Zutaten für den Schokoteig mit den Knethaken des Rührgeräts einen homogenen Teig kneten und eingewickelt kurz kühl stellen, bis er sich leichter verarbeiten lässt. Eine Springform buttern. Die großzügigere Hälfte des Teiges (m: etwa 300g Teig habe ich für die Streusel übriggelassen) auswellen und die Springform mit Rand damit auskleiden. Springform für ca. 10min in die Tiefkühle stellen, den Streuselteig kalt stellen.

Ofen auf 180 (O/U-Hitze) vorheizen.

Währenddessen die Quarkmasse zubereiten. Dafür alle Zutaten klümpchenfrei und sorgfältig verrühren.

Den Boden des Kuchens mit Marmelade bestreichen. Die abgetropften Kirschen darauf verteilen. Die Quarkmasse gleichmässig darauf verteilen und etwas glatt streichen. Den restlichen Streuselteig in großen Stücken abzupfen und auf der Kuchenoberfläche verteilen.

1 Stunde backen.

Dann in der Form auskühlen lassen. Dann aus der Form lösen und mit Puderzucker bestäuben. Der Kuchen schmeckt (mir) am besten gekühlt.

Anmerkung m: Ich habe 25g des Mehl mit Haferflocken ersetzt - damit die Streusel später crunchy werden - muss man aber nicht machen. Der Kuchen funktionert auch, wenn man ihn ohne Kirschen backt. Wer mag, kann auch anstelle des Teiges die Kirschen mit Kirschwasser marinieren. Und wenn man die Nüsse im Teig durch Mehl ersetzt, wird der Kuchen auch gut - nur anders.


 

Kuchen backen leicht gemacht mit einem Glas Schattenmorellen:


      

      

Sonntag, 24. Oktober 2021

l'été indien









Ähnlich wie im Frühling hat man stets den Eindruck, dass man SO einen Herbst noch nie erlebt hat: SO leuchtend, SO warm, SO bunt! Dieser Herbst kommt mir völlig einmalig und gänzlich unverwechselbar vor! Episch schön - gerade nach den vergangenen Wochen!

Alle Sinne springen an bei Veränderungen. Wenn im Juli das Termomether beharrlich um die 28 Grad pendelt oder im Februar um Null, dann zuckt man nur noch mit den Schultern. Das Dilemma mit der Wahrnehmung - sie kann nur Veränderung anzeigen nicht aber Konstante oder gar *Nichts*. Einen gesunden Körper spürt man nicht. Ein funktionierendes Bein suggeriert dem Gehirn nicht immer wieder: läuft alles rund bei mir - ihr versteht, was ich meine. Deshalb ist ja auch Zufriedenheit *nicht wahrnehmbar*. Dafür braucht es eine Transferleistung der Sinne. Mit Hilfe der Bewußtheit muss die Aufmerksamkeit gezielt darauf gelenkt werden. Krass,oder? Schon eine Fehlkonstruktion, der Mensch...

Bien, ich trage allgemein gerne Farbe, aber lieber als die Pastellfarben sind mir die warmen Herbstfarben. Und es ist ein hartes Hin-und-Hergrübeln, ob nun der Frühling vielleicht im Beliebtheitsranking bei mir doch die Nase vorne hat. Aber dann siegt gerade die herrschende Saison - der aktuellen Eindrücke wegen. Dieser Indian Summer ist einfach voller Zauber. Und er währt dieses Jahr so lange, anhaltend, wie mit Nachdruck.

Das abwertende Wort *Altweibersommer* mag ich hingegen überhaupt nicht. Diesem Wort wurde alles Konfetti und aller Glitzer (völlig zu unrecht) entzogen. Denn das fühlende Wesen ist alterslos: *Nirgends, Geliebte, wird die Welt sein, als innen.* (Rilke)! Dickes Ausrufezeichen! Auf einer Datingplattform soll sich laut Werbung alle fünf Minuten ein Single verlieben. Wenns nur so wäre! Was großer Humbug! Wer soll das glauben? Man wird ja so oft belogen gerade. Und müsste sich für das vollkommene Liebesglück nicht paarweise verliebt werden?

Ein weiteres falsches Gerücht ist, dass die Jugend die schönste Zeit im Leben sei. Ich fühle mich mit mir heute VIEL wohler als damals! Frischhaut hin oder her! Was war ich lange unglücklich - und zwar auf eine Art, wie man es nur sein kann, wenn sich für ein unbeschriebenes Blatt alle Hoffnungen nicht erfüllen wollen, während für Geduld kein Raum ist. Ich erinner mich ganz genau daran, wie ich dann - endlich-irgendwann - einen unbeschreiblichen Glücksmoment erlebte. Ich war so glücklich, dass ich in diesem Augenblick mir selbst sagte, so, ab jetzt kann ich jederzeit sterben, das geht völlig in Ordnung, ich habe ein Mal ein solches Glück erlebt, ich bin mit meinem Leben nun im Reinen. Vielleicht erleben das andere nie. (?)

Elke Heidenreich, die Gute, fällt mir dazu ein, wie sie bei Lanz einen grandiosen Rundumschlag vollzog gegen nahezu alle aktuelle Themen. Mein Lieblingssatz gen Politik: *Wo sollen eure jungen Köpfe sein? Philipp Amthor? Der ist ja jetzt schon älter als ich. Und ich bin 80!* Sehr gut gebrüllt. Manche Jugend ist nie jung. Und ganz wenige erhalten sie sich bis ins Alter, das Jungmädchenhafte, den Lausbubencharme. Denkt noch jemand wie ich direkt an den wunderbaren Film *Harold and Maude*, in dem Maude von Ruth Gordon so herzerfrischend verkörpert wird. Obendrein unterlegt von Cat-Stevens-Musik. Ach, ein schöner Film!

Erhält nicht alles eine andere Bedeutung, wenn es durch die Endlichkeit bedroht wird. *Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.* Vergänglichkeit - auch so was, das man gerne verdrängt. Aber nur so entsteht Romantik. Zusammen mit dem Wissen, dass das Pendel mit gleicher Kraft von einer Seite auf die andere schwingt: *Doch laß den Kummer kommen, So sehr er mag: wiegt er die Freuden auf, Die mir in ihrem Anblick eine flücht'ge Minute gibt?* Soweit die Romeo-und Julia-Theorie. Nur loslassen will doch keiner freiwillig. *Leben und Liebe endet. Warum, oh Parze, schneidest du nicht beide Fäden zugleich.* (wieder Goethe). Echte Gefühlstiefe will Ewigkeit! Was Materie niemalsnie bieten können wird sondern nur der Geist.

In Angesicht des Verlusts tritt der (gerne verdeckte) Wert von allem zu Tage. So wie der Herbst die Fülle der Natur, die ganze Kraft von Werden und Vergehen verdeutlicht. Das hat so gar nichts mit der Leichtigkeit des Frühlings zutun (alles liegt noch vor uns), das hat das volle Gewicht des Augenblicks - und macht ihn dadurch besonders eindringlich! Das Staunen mag im Frühling ähnlich sein, aber nie lebt es sich intensiver, wie wenn sich mit einem Wimpernschlag alles drehen kann, wenn die bunten Blätter an seidenen Fäden hängen, wenn der Wind von Abschied erzählt.

Dazu habe ich euch ein Lied herausgesucht von dem neuen Album *Isa* von ZAZ, die mir bereits bekennend ein Lebenslied geschrieben hat mit *je veux*. Ihr neuer chanson *les jours heureuses* hat Passagen, die mich an Enya erinneren (was mich verwebt mit meiner belasteten Jugend). Und ich mag den Text, weil auch ich gerne etwas in die Welt zurückschicken möchte von meinem Glück meinem Habib begegnet zu sein. Denn allem Elend zum Trotz: es gibt sie... crois moi, crois moi... 



Samstag, 16. Oktober 2021

WBD - Vollkornkasten mit Karotten und Kürbiskernen


 *Der Ausnahmezustand gehört nicht zu Madagaskar, der Ausnahmezustand IST das madegassische Leben*, so stand es sinngemäß damals in unserem Reiseführer. In Madagaskar fehlen alle Strukturen, wie wir sie von Europa gewohnt sind: keine richtigen Straßen, keine (verlässliche) Stromversorgung, keine Supermärkte, Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen...

In Europa hingegen scheint alles sehr gut durchgetaktet. So sehr, dass ein Bus oder ein Zug mit fünf Minuten Verspätung für Erregung sorgen kann. Nicht von ungefähr glauben wir also, wir könnten uns vor dem Leben absichern: mit noch mehr Regeln, noch mehr Vorschriften, noch mehr Standartisierung, noch mehr Restriktionen, noch mehr Richtlinien. Aber - wie spielte mir dieser Tage ein Film so hübsch zu: *Das Leben ist eine sexuell übertragbare, tödliche Krankheit!* Egal was wir tun, wir können uns vor den Unabwägbarkeiten nicht schützen. Jede Vorstellung von Kontrolle ist Illusion.

Das ängstigt - also versucht man sich abzulenken, zu verdrängen, sich zu betäuben. Würde ich noch Alkohol trinken, dann hätte ich in der letzten Zeit darin gebadet. Und es hätte mir nichts geholfen. Im Gegenteil. Denn je mehr es strudelt, umso mehr bedarf es funktionierende Sinne - und das ist eine Kunst, wenn alles in einem Alarm schlägt.

Rat suchte ich u.a. mal wieder beim Dalai Lama. Der meinte: *Beten alleine genügt nicht - man braucht auch einen ruhigen Geist!*. Und wie man sich gegen negative Einflüsse von Emotionen schützt, gehöre seiner Meinung nach eh zu jeder Schulausbildung. Denn der Dalai Lama wäre nicht der Dalai Lama hätte er nicht praktische Hilfestellung dazu parat wie eine Atemübung sowie das Bündeln der Sinne durch die Konzentration auf eine Visualisierung (je nachdem, an welchem geistigen Vorbild man sich orientiert). In Panik und Ängste zu verfallen - ein Sog, der umso stärker wird, je mehr man zum Nichtstun verdammt ist - hilft niemalsnie...

Was bleibt in Anbetracht einer unberechenbaren Komponente, die größer und einflußreicher ist als all unser Sinnen, Denken und Trachten? Sich diesen größeren Mächten ausliefern - nicht kopflos, nicht blind, sondern mutig und demütig, mit Urvertrauen, wissend um die eigene Begrenztheit und dass manche Dinge einfach unabänderlich Maktub sind... Ob man darin mit den Jahren, Erfahrung, dem Alter besser wird?



Und sich mit alltäglichen Dingen beschäftigen dürfen gibt ebenfalls Halt, wenn der Boden erkennbar wackelt. Wie Brotbacken. Heute ist World-Bread-Day, einen Tag den Zorra seit gefühlt Anbeginn der Foodbloggerei zum Event erhoben hat. Und ein Event, an dem ich mich seit Jahren beteilige.

Wie ich im Nachhinein feststellte, buk ich ein sehr ähnliches Brot bereits zu letztem WBD: vollkornig mit Saaten und Karotten, locker und mit sehr guter Frischhaltequalität. Manche Vorlieben ändern sich nicht. Dieses Brot habe ich mir so zurecht gebastelt, dass ich es zusammen mit dem Mittagessen zubereiten konnte, da ich morgens keine Zeit hatte. Und der Sauerteig wird schön mild durch die lange Gehzeit. Wer die Menge des Anstellgutes im Sauerteig erhöht, verkürzt damit die Gehzeit dadurch - als Tipp, um sich seinen Zeitfahrplan selbst optimieren zu können. Auch kann man den Dinkel komplett mit Einkorn ersetzen oder umgekehrt.

 

Zutaten für 2 kleine Backformen (750g-Formen):

Sauerteig - 18h (Anfangstemperatur um die 30°, dann auf Zi- Temp. abfallen lassen):
200g Roggenvollkorn
100g Roggen, grob
350g Wasser
10g Roggen-ASG, aufgefrischt

Quellstück - zeitgleich ansetzen mit dem Sauerteig und kalt stellen:
100g Einkorn, grob
140g Kürbiskerne, geröstet
22g Salz
30g Zuckerrübensirup 
400g Wasser (m: 200ml Kefir)

Hauptteig:
Sauerteig
Quellstück
300g Dinkelvollkorn
110g Dinkel 1050
50g Wasser
8g Hefe
100g Möhre, grob geraspelt 

Zubereitung:

Den Sauerteig und das Quellstück am Vortag ansetzen.

Am Backtag Sauerteig, Quellstück und die übrigen Zutaten des Hauptteiges etwa 5min kneten.  Eine halbe Stunde abgedeckt zur Teigruhe stellen, erneut kurz 4min kneten und nochmals 30min ruhen lassen. Den weichen Teig in die vorbereiteten, gefetteten Formen löffeln, glatt streichen (wer mag, mit Saaten bestreuen) und  2 Stunden gehen lassen. (je nach Sauerteig-Aktivität und Temperatur schneller oder langsamer).
 
Die Brote mit nahezu voller Gare backen - dazu die Brote stippen und bei 240° in den Ofen schieben, dann fallend auf und auf 200° insgesamt 1 Stunde backen. (m: die letzten Minuten ohne Form gebacken bei leicht geöffneter Ofentür).
Klopfprobe.

*Anmerkung m: Falls nur eine 1kg Form befüllt wird, alle Zutaten mit 0,7 multiplizieren - bei viel Vollkorn empfehle ich aber bevorzugt 2 kleinere Brote zu backen
 


 

**** Vielen herzlichen Dank für all die einfühlsamen Mails - ich bin sehr berührt von dem breiten Rückhalt, den ihr mir zukommen lasst! ****

Dienstag, 12. Oktober 2021

12 von 12 - Okotober 2021

 



Vormittags einkaufen auf dem kleinen Markt in Crest - auch bei Nachbar Bertrand von Paruel - Wartezeit, während der Habib einen Termin hatte, in der Altstadt verbummelt, Mittagessen Orcchiette mit Artischocken und Oliven in Paprikasauce (Frühstück bleibt sich gleich), nachmittags im Garten, abends Yoga, zuletzt Fotos gerichtet fürs Bloggen...


Einblicke in den 12.Tag im Monat mittels 12 Bildern sammelt seit vielen Jahren Caro von *Draußen nur Kännchen* rundherum in Blogistan.

Sonntag, 10. Oktober 2021

Uhrenabgleich: Chutney aus grünen Tomtaten II

 

Es ist die Zeit der dramatischen Sonnenaufgänge und meiner Lieblingswolken, die im mittleren Himmel schweben. Es ist die Zeit, in der in den frühen Morgenstunden strahlend Orion mit gespanntem Bogen am Fenster vorbeizieht, wenn ich vom Bett aus ins Universum blicke. Wenn sich die Gottesanbeterinnen tagsüber ausgewachsen in der Sonne räkeln, der letzten üppigen Blumensträuße aus dem Garten, der Feigen und um sich vom Strauch die Herbst-Himbeeren in den Mund zu schieben oder ein paar vergessene, süße Trauben einzusammeln. 

Die Zeit gehört nochmals dem Garten, dem Rückschnitt all der Pflanzen, die sich reckten und streckten, blühten und verblüten, der Senfeinsaat und dem Richten der Winterbeete.

Es ist die Zeit um sich die Nägel zu ruinieren, um die frischen Nüsse aus ihrem grünen Mantel zu befreien, die nasse Schale zu knacken und die Haut abzuziehen bis eine schneeweise Nuss daraus hervorschlüpft, der ersten Kürbissuppen und Zwiebelkuchen, der Tarte aux Pommes und dem karamellisierten Ofenapfelmus, der Schüsse, die durchs Tal hallen, der nun wiedereröffneten Jagd, der sich verabschiedenden Schwärme von kleinen Mücken und Schwalbenkolonien, der sich in bunten Farbverläufen musternden Blättern an Bäumen und Sträuchern, den über die Strasse flitzenden Eichhörnchen und den aus der Versenkung wieder auftauchenden Rotkehlchen.

In anderen Zeiten pflückten die französischen Großmütter jetzt die unreifen, grünen Tomaten von den in sich verharrenden Stauden damit nichts verkommt, das die Natur herorgebracht hat, aus denen sie dann die confiture de tomates vertes kochten, von der ihre Enkel viel später noch schwärmen sollten. 

Es bleibt die Zeit von Wahlkämpfen, Haarspaltereien, Umweltkatastrophen, Vereinsamung und nicht enden wollenden Pandemien. Und es ist die Zeit, in der das für uns alles nur zum Hintergrundrauschen wurde.

 


Wenn das Leben über einen hinwegbricht, wird alles daneben unbedeutend und klein. Alles gerät ins Hintertreffen - übrig bleibt ein zitternder, innerer Kern. Und mit einem Schlag rufen all die klugen, weisen Sätze zur Abfrage in der Praxis: *Spar dir deine Kräfte für Turbulenzen. Denn wenn die Prüfungen des Lebens kommen, wirst du deine ganze Energie brauchen, um sie zu bestehen.* Die Stromschnellen reißen einen mit in einer wortlosen Urgewalt, du verlierst die Orientierung, weißt nicht mehr, wo oben, unten, rechts und links ist, ohne jede Kontrolle, die Strudel spielen mit dir Kreisel, die Intensität scheint dich zum Bersten zu bringen, haltlos, ohnmächtig, ausgeliefert - hoffend, dass du irgendwann wieder an Land gespült wirst. Hoffend dass dann, wenn du wieder festen Boden unter den Füßen spürst, ein Lichtstreifen den Horizont markiert und die geschlagenen Wunden ein Gegenmittel erhalten. Niergendwo ist Alltag, nichts bleibt übrig von dem Menschen erfundenen Wort Normalität, und doch versucht man sich genau das mit aller verbliebender Kraft zurückzuerobern. So wie ich heute mit ein bißchen Bloggerei.

 

Ein sauer-süß-scharf-würziges Chutney aus grünen Tomaten stelle ich euch heute vor, mit Äpfeln, Ingwer, roten Pfefferbeeren sowie Goji-Beeren und Basilikum. Lange waren mir Chutneys egal. Zu Käse esse ich einfach NIE Chutney - vielleicht muss man dazu Alkohol trinken, ich weiß es nicht -, aber zu den bunten, veganen Bowls mag ich Chutney plötzlich gerne. Das ist Version I von Chuntney aus grünen Tomaten und Äpfeln, die heutige (wenngleich ähnlich) liegt im Ranking nach meinem (momentanen) Geschmack vorne.

 


Zutaten - etwa 5 Gläser:

1kg grüne Tomaten
2 Äpfel (m: einer eher süß, anderer eher sauer)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Selleriestange
1 EL Fenchel
1 Stück Ingwer
1-2 Chili-Schoten 
80ml Apfelessig (evt. plus)
80g brauner Zucker (evt. plus)
1-2 TL Salz
1 handvoll (großzügig) Goji-Beeren
1 handvoll Basilikum (oder Thai-Basilikum)
1 Zitrone, Saft davon
1 Orange, Saft davon
2 EL roses baies (rosa Pfefferbeeren)

Zubereitung:

Äpfel entkernen und schälen und in ca. 1cm große Stücke schneiden. Tomaten entstrunken und ebenfalls in kleine 1cm Würfel schneiden. Zwiebel klein schneiden, Knoblauch, Sellerie, Fenchel und Ingwer kleinst hacken. Chili von den Samen befreien und ebenfalls klein schneiden.

Alle Zutaten außer 1 EL rosa Pfefferbeeren, dem Orangensaft und dem (Thai) Basilikum in einen Topf geben und ca. 30min köcheln lassen - das Chutney sollte nicht zu Brei verkocht, sondern noch ein wenig stückig geblieben sein. Kurz vor Ende die restlichen Zutaten - Orangensaft, 1 EL rosa Pfefferbeeren und den fein gehackten Basilikum - untermischen und kurz mitkochen. Nochmals abschmecken mit Salz, Pfeffer, Essig und Chili. Sofort in vorbereitete, sterilisierte Gläser abfüllen und umdrehen.

Chutney hält sie gefühlt ewig - auch angebrochen im Kühlschrank.

Anmerkung m:  In diesem Chutney sind relativ viel Zutaten, aber ich finde, dass ein Chutney mit Raffinesse punkten muss, schließlich soll es nachher auf dem Teller mit einem kleiner Löffel davon mithalten und gegenüber dem Rest bestehen können...

Zucker- wie Essigmenge kann man erhöhen - ich wollte das Chuntey weder zu süß noch zu sauer haben. Nachwürzen geht immernoch.


 

 

Ihr zuzuhören hat mir Ruhe geschenkt, während mir Angst und Bedrohung ins Knochenmark drückten. Ich habe ihre Worte so gut verstanden: Stolz überwinden, nichts beweisen und nichts leisten müssen, offener werden, froher, gelassener, vertrauender, in sich Ruhe einkehren lassen und die Stille aushalten, zu seinem Selbst finden um überhaupt beziehungsfähig zu werden... Ich habe mir diese kleine Doku schon mehrfach angeschaut und bestimmt nicht das letzte Mal. Komisch, dass im größten Sturm und in der tiefsten Stille die eigenen Schwächen und Schatten am deutlichsten zu Tage treten, kein Platz mehr ist für Selbstverblendung oder Hochmut. Wenn alles schwankt, wenn alle Fäden wie sinnlos ineinander verstrudeln, gibt es nur noch eine Feste, bleibt ein roter Faden, den man nicht aus den Händen verlieren darf: Allahu akbar.

Wie schrieb in in dem Buch *Americanah*, das ich letztes Jahr las, Chimamanda Ngozi Adichie mehr als Feststellung denn als Frage: Es gibt so viel Arten arm zu sein - gibt es nur eine Art reich zu sein?* Ich füge nun hinzu: Wenn wir glücklich sind, dann sind wir es nahezu alle auf die gleiche Art - aber gibt es nicht eine schier unendliche Vielfalt an Leid und Elend? Und ich schließe ab mit den Habib-Gedanken, nämlich dass die eigentliche, harte Währung diese Planeten nun mal das Leid ist; darin liegt die meiste Erkenntnis (rückblickend) verborgen - und  das ist doch das Ambrosia nach dem Suchende tauchen.

 


**** All jenen, die mir tastend-fragende, freundlich-mitfühlende Zeilen in den vergangenen Wochen zukommen ließen, schicke ich verbundene Grüße! Vielen Dank für euren Beistand - in Zeiten, die einen bedrücken, wiegen solche Gesten viel! Ich wünsche euch, dass dieser Bumerang zu euch zurückkommt, wenn euch das Leben in die Mangel nimmt! ****


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