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Spargelsalat mit Blogbuster-Radieschenblätter-Pesto, Ziegenfrischkäse und Radis

Freitag, 11. Mai 2012

Für mich ist ein wesentlicher Teil des Foodbloggens, auf die Damen und Herren Kollegen zu verweisen, die mich zu einem Gericht angestiftet haben. Und dass man sich rechts und links in der Foodblogszene Anregung holt, müßte wohl zwangsläufig beim Lesen anderer einschlägiger Blogs passieren.

Durch das gegenseitige, stetige, Untereinander-Aufeinander-Verlinken, so und zwar nur so und nicht anders, wird die stetig wachsende Foodblog-Szene ein warmes Miteinander und den von Frau Kaltmasell erwähnten Flausch bewahren.

Ein gutes Beispiel gibt mir hierfür Juliane, die die lange Liste derer aufzählt, die an Nickys Pesto nicht vorbei gekommen sind und diese Liste ist mittlerweile bestimmt gewachsen - etwa um Margit . Soetwas nennt man dann Blogbuster: ein Gericht, welches die Runde durch die Blogs macht und wie eine kleine Homage ist an den Urheber. Juliane hat mir das Pesto erneut in Erinnerung gebracht, daher würde ich sie als Anregung zu meinem Salatdressing bezeichnen.

Und mit diesem Vorzeige-Post nehme ich selbstredend an einem Blogevent Teil, um damit das wollig-wuschige *Wir-sind-eine-funktioniert-Patchwork-Familie-Dings* auch komplett durchzuziehen. Klingt nach Strebern? Also ich bin in der Schule immer ganz hinten links gesessen.
Zutaten:

1 Bund Spargel, grün oder weiß (500g)
1 kleiner Salatkopf
1 Bund Radieschen
1 echalotte
1 Ziegenfrischkäse

1 EL Radieschenblätter-Pesto
 2 EL Rapsöl
 1 EL Haselnussöl
 1 EL gemahlene Haselnuss
 Salz, Pfeffer
 Blätter von Radieschen

2EL Weißweinessig
(1 TL Holunderblütenessig)
2 EL Olivenöl

Zubereitung:

Salat waschen, trocken schleudern und in mundgerechte Stücke rupfen. Radieschen waschen und in feine Scheiben schneiden ebenso die échaotte. Den Ziegenfrischkäse in Scheiben schneiden.

Die Vinaigrette aus Öl, Essig und dem Pesto anrühren, eventuell mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Wer gerne eine dezente Süße in der Salatsauce hat, gibt noch etwas Holunderblütensirup dazu. Salat anrichten und genießen.

Wir haben den Salat mit einem Walnussbrot mit Butter als Mittagessen genossen.

Es ist zwar kein Radieschenevent, aber zu meiner Verteidigung domiert im richtigen Leben das Hellgrün des Blattsalats - wirklich; )
HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors
weitere bereits entdeckte Blogbuster:

äußerlich grün: Tarte mit Spargel, Erbsen, Ziegenkäse und Pesto

Montag, 30. Mai 2016

Die Erwartungshaltung, dass Schule vorbereiten soll, das Leben eigenverantworlich in Freiheit zu führen, wie man es sich wünscht, hat sich für mich nicht erfüllt. All die vielen auswendig gelernten Details, die zusammengesetzt kein Ganzes, noch nicht ein mal ein Puzzel ergeben - ein mosaikhaftes Stückwerk ohne roten Faden. Danach hatte ich die Schnauze so richtig dicke von aller Theorie. *Was man schwarz auf weiß besitzt, dass kann man getrost nach Hause tragen*. Und dort zum anderen Papier im Regal einsortieren. Ich wollte Praxis.

Dass mich das Leben nach vielen Kurven dennoch an die Uni verfrachtete, überraschte niemanden mehr als mich. Und neben der Erfahrung, dass mir studieren um Welten einfacher fiel als die Schullaufbahn, verdanke ich der Zeit dort vor allem aber eines: ich bin gefeit vor allem Dünkel! Kein Professorentitel noch eine andere here Auszeichnung vermag mir seither Hochachtung oder Ehrfurcht einzuflößen. 

Es wird überall nur mit Wasser gekocht. Und gerade der Status höherer Bildung dient leichterdings und hervorragend zur schmucken Maskarade. Und geht zudem nicht zwangsläufig einher mit überlegener Intelligenz. Über diesen Mehrwert des Studiums bin ich froh. Ich gebe zu, das klingt nahezu blasphemisch. Doch eben diese Erkenntnis birgt für mich eine größere Freiheit, ja Unbefangenheit im Umgang mit Menschen. Äußerlichkeiten vermögen mich weder einzuschüchtern noch mich zu einem Urteil zu verleiten, welches an irgendeinen gesellschaftlichen Rang geknüpft ist. Das Maß aller Dinge kann doch nur das Wesen, der Charakter sein.

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.

Wenn's deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht'ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können. 
(Theodor Fontane)

Die Ausbildung zur Anständigkeit, Redlichkeit, Wahrhaftigkeit, die Herzensbildung bleibt gänzlich *dir* überlassen und kann keine Universität, keine Institution, keine Gesellschaftsform noch eine Gemeinschaft für *dich* übernehmen. Was ich übernehmen kann, ist einen kleinen Vorschlag für eine weitere Tarte zu liefern -  so grün wie der grünste aller Monate, der Mai: mit grünem Spargel, Erbsen und dicken Bohnen. Verfrischt mit frischem Grün als Pesto aus Minze und Radieschenblätter.
Zutaten - längliche Tarteform 34cm x 11cm:

Tarteteig
100g Dinkel 1050
60g Dinkelvollkorn
80g Butter, in kleinen Flöckchen
Salz
2 EL Quark oder Joghurt
etwas kaltes Wasser

1 Ziegenfrischkäse (ca. 120g)
100g Erbsen
50g fêves (gepuhlt, geschält)
500g grüner Spargel
1/2 Limette, Abrieb davon
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
3 EL geriebener Parmesan
etwas Öl

3 Zweige Minze
1/2 Bund Radieschen
1 EL Holunderblütensirup
etwas Limettensaft
Salz, Pfeffer
2 EL Sonnenblumenöl
2 EL Haselnussöl 

Zubereitung:

Die Zutaten für den Tarteteig homogen verkneten und mindestens 1 Stunde eingewickelt im Kühlschrank ruhen lassen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und die gebutterte Form damit auskleiden. Für 20min in die Tiefkühltruhe stellen. Den Spargel putzen und schälen.

Den Ofen auf 200° vorheizen. Den Spargel mit Öl bepinseln und für ca 10min im Backofen garen. Währenddessen die Crème aus Ziegenfrischkäse, Erbsen und dicken Bohnen herstellen. Dazu alle Zutaten fein pürieren und mit Salz, Pfeffer, Zucker, Piment d'Espelette und Limettenschale würzen.

Den Tarteboden mit der Crème bestreichen. Die Spargelstangen dicht an dicht darauf verteilen und den Parmesan darüber streuen.

Im 190° heißen Ofen ca. 40min backen (falls die Tarte von oben zu dunkel werden droht: abdecken). Parallel dazu das Pesto zubereiten. Dafür das Radieschengrün zusammen mit den Minzblättern, Sonnenblumenöl, Holunderblütensirup und Limettensaft pürieren. Salzen, pfeffern und das Haselnussöl untermischen. Einige Radieschen fein würfeln.

Die Tarte nach dem Backen kurz ruhen lassen und mit einem scharfen Messer in Stücke schneiden. Gemeinsam mit dem Pesto servieren und die feingewürfelten Radieschen darüber streuen.
Inspiration: Britta von Karmafoodra

clichés franco-allmands: Kohlrabicremesuppe mit Radieschen

Mittwoch, 3. März 2021


Verallgemeinernde Urteile stimmen ja selten bis nie. Und kurioserweise ist ab und zu doch was dran. Als die Hälfte eines Paars mit Altersunterschied kenne ich mich damit aus, denn ich bin äußerst geübt im Umgang mit den stets gleichen Vorurteilen. Funktioniert wie ein Idiotendetektor - ich hatte es davon - oder wie ein grobes Raster, durch das all jene sausen, die nicht richtig hinsehen wollen und/ oder sich von ihren liebgewonnenen, vorgestanzten Bildern halt nicht trennen können.

Was will man auch machen? *Die Welt urteilt (nun mal) nach dem Scheine* (Goethe). Und außerdem macht es manchmal einfach Laune, in hohen Bögen gedanklich zu pauschalisieren ohne Rücksicht auf einzelne Befindlichkeiten - das sei allen gegönnt. Klischées entstehen durch eine gewisse Befremdung und werden getragen durch eine anhaltende Distanziertheit. Entschieden muss man für sämtliche Klischées alles Individuelle rigoros herauskürzen. Ich behalte mir vor, höchstpersönliche Eindrücke zu schildern, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben (sonst heißt es nachher noch, ich wäre tendenziös ;O).

Aber versuchen wir es zu Anfang unbedarft. Besonders gut lassen sich Urteile nämlich dann fällen, wenn man etwas/ oder jemand frisch kennenlernt. Zuerst fällt immer das ins Auge, was anders ist. Gerade im Vergleich.

Gelten die Fränzis aus deutscher Sicht als lockerer, chaotischer, lebendiger, lebenslustiger und mit ausgesprochenem Hang zum Protestieren, so werden umgekehrt die Deutschen als eher steif, kühl, kleinkariert, streng und Regel affin wahrgenommen. Wer Lust hat, sich in die Materie ein wenig einzuhören, dem empfehle ich den Youtube-Kanal Easy French und zum einschlägigen Thema deren Filme Was Franzosen über Deutsche denken und umgekehrt Was Deutsche über Franzosen denken.

Mir kam zum Thema deutsch-französisches Verhältnis mein Ex-Freund in den Sinn. Als mich mein strahlender Surferboy zum ersten Mal am Theater abholte, meinte eine Kollegin ganz beeindruckt: *Da hast du dir ja einen richtigen Sunnyboy geangelt*. Attraktiver Lausbub halt! Eine Freundin, die mit uns im Auto unterwegs war, als er hinterm Steuer saß, nannte ihn anschließend *Sorry*, weil er lächelnd  und beständig in alle Richtungen winkend die Verkehrsordnung zu seinen Gunsten auslegte und für all jene, denen er damit die Vorfahrt nahm, ein freundliches *Sorry* hatte. Wieder eine andere Freundin gab ihm den Spitzname *Easy*, weil er ohne Schwierigkeiten in lässiger Achtlosigkeit über alles hinweg sehen konnte - schlicht weil er nur sich selbst ernst nahm. Nie war das Ressonanz-Prinzip anschaulicher, wie wenn er sich im Bach vor den huschenden Wasserläufern vor Ekel nur so schüttelte. Er kam - wenn überhaupt - nie pünktlich, hielt Abmachungen aller Art etwas für Kleingeister, war unordentlich und maximal unzuverlässig, dabei meistens gut gelaunt, verschwenderisch und sehr spontan. Ein Flatteur, der es liebte in etwas zu schwelgen oder für etwas zu schwärmen und es ablehnte, sich einzufügen, unterzuordnen oder zu bescheiden. Ein eloquenter Redner mit Witz und Schlagfertigkeit, ein arbeitsscheuer Berufsurlauber, ein Pfuscher, ein Hochstapler und Schmarotzer, ein Chameur mit Klavierspielerhänden und Käsefüßen. Tja, und ich kann mir nicht helfen: er versprühte irgendwie südfranzösisches Flair...

 



Nun, es ist das eine, eine stürmische Affaire zu leben, das ganz andere ist der Alltag einer Beziehung (das warf ich schon Anna Gavalda vor in *Ich habe sie geliebt*). Oder eben auch etwas anderes, als miteinander zu arbeiten: *je vous appellerai* etwa nutzt man geschäftlich im Sinne von *Auf Wiedersehen*!

So ist es ganz normal, dass es einen riesigen Unterschied macht, sich mit anderen deutschen Expats über Fränzis zu unterhalten (derer es hier wie überall auf der Welt sehr viele hat) oder mit unseren Feriengästen. Unsere deutschsprachige Feriengäste sind die zauberhaftesten Frankreich-Fans, die man sich vorstellen kann, und deren Begeisterung durch den zusätzlichen rosa Urlaubsbrillenfilter nur verstärkt wird.

Aber um mal ein paar Stereotypen aufzubrechen (ich will ja schließlich auch meinen Spaß), so sind wir Deutschen allgemein toleranter und aufgeschlossener gegenüber anderen Kulturen, die unsere Sprache nicht sprechen - da können Fränzis ja gewaltig die Nase nach oben strecken. Außerdem sind wir sehr wendig im empathischen Mitdenken. Bürokratie ist in beiden Ländern ähnlich umfangreich wie lästig - nur kann man in F auch mal Fünfe gerade sein lassen. In Deutschland spricht man die Dinge direkter an sans tourner autour du pot/ ohne um den heißen Brei zu reden, wies die Fränzis gerne machen - aber auch, weil die französische Sprache reicher ist in ihrer finesse du detail (weshalb sie so schwer zu erlernen ist). Gerade Fränzis aus dem Süden können selbst mit Wildfremden direkt losplaudern, während wir Deutsche deutlich länger brauchen, um *zwischenmenschliche Betriebstemperatur* zu erreichen. Französische Beziehungsfilme sind irgendwie immer anstrengend und ziehen ihre Inspirationen aus Chauvinismus und überreizter, weiblicher Hysterie (nicht von ungefähr zählt F zu den führenden Länder im Bedarf für Psychopharmaka). Zum elitären, nationalen Selbstbewußtsein wird in Frankreich unverholender gestanden, erreicht aber die gleiche Höhe wie das der Deutschen, die damit nur gschamiger umgehen. Und für mich besonders überraschend: Fränzis selbst bezeichnen ihre Landsleute gerne als Volk der Dauernörgler.

Um aber keine Zweifel offen zu lassen - Muttersprache hin oder her - : ich lebe VIEL lieber und VIEL freier in Frankreich! Nicht nur wegen dem gepflegten Durcheinander, all den öffentlichen Klohäuschen, dem entspannten Einkaufen, der Minute mehr für die Begegnung oder der fratérnité mancher. Ganz (un)parteiisch schwärme ich, dass Frankreich einfach unglaublich schöne Landschaften beheimatet, die sensationelle, regionale Produkte hervorbringen! Und ich bin mittlerweile so gut akklimatisiert, dass auch ich ohne mit der Wimper zu zucken über rote Ampeln gehe, wenn nirgends ein Auto zu sehen ist. Nicht zu vergessen die französische Kleinkunst und die wundervollen, französischen Chansons. Vielleicht muß man dafür mal auf einem französischen Dorffest gesessen haben, wenn alle zusammen in einen der vielen Chansons einstimmen, die Volksgut sind und die mit der Mutterbrust aufgesogen werden - das sind magische Momente mit Gänsehaut-Garantie. 

 


 

Die Radieschen stammen erkennbar aus dem Treibhaus: ihr Grün ist dadurch besonders zart.  Denkt also bei einem schönen Bund Radieschen momentan auch an das feine Pesto, das man aus seinen Blättern machen kann! 

Die süßsauren Radieschen bilden einen schönen Kontrast zu der lieblichen Kohlrabicremesuppe - das passt super. Unser Kohlrabi musste dringend geernet werde: zum einen, weil der drauf und dran ist zu schießen, zum anderen weil er der Erbsensaat weichen sollte! Ansonsten gilt: darauf achten, dass die Konsistenz stimmt - nix wichtiger bei einer guten Suppe, als dass sie weder zu dünn noch zu sämig ist!


Zutaten 2P:

Süßsaure Radieschen:
6 Radieschen
1 TL Zucker
4 EL Rotweinesig
2 TL Grenadine 
 
Suppe:
1 Schalotte
350g Kohlrabi
1 Stich Butter
100ml Portwein (oder Noilly Prat) 
300ml Gemüsebrühe (evt. plus) 
80ml Sahne
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Muskatnuss-Abrieb
etwas Zitronensaft
1 Pr Zucker
etwas Haselnuss-Öl
 
 
Zubereitung:

Die Radieschen vom Grün befreien (aufbewahren für Pesto oder Salatbereicherung) und mit dem V-Hobel in feine Scheiben hobeln. In einem kleinen Topf Rotweinessig und Zucker kurz aufkochen, damit sich der Zucker auflöst, dann das Grenadine zufügen und noch warm über die Radieschenscheiben geben. Mindestens eine halbe Stunde marinieren lassen, währenddessen immer mal wieder mischeln.

Dann die Suppe auf den Weg bringen. Dafür die fein gewürfelte Zwiebel in der Butter glasig dünsten. Den Kohlrabi schälen und in etwa 2cm große Stücke schneiden und ebenfalls kurz mit der Zwiebel zusammen mitdünsten. Mit Portwein ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Gemüsebrühe zufügen und bei sanfter Hitze etwa 15min bei geschlossenem Deckel gut weich köcheln lassen. Sahne zufügen und weitere 3-4min kochen. Nun sehr fein pürieren (wer mag, streicht die Suppe zusätzlich durch ein Sieb/ m: nicht gemacht). Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Piment, eine Prise Zucker, Muskat und Zitronensaft.

Die Suppe auf zwei Teller verteilen und mit den Radieschen garnieren. Zusätzlich mit etwas Haselnussöl (oder Kürbiskernöl) beträufeln. (m: getoppt mit etwas Knoblauchgrün)

 
Inspiration: Essen und Trinken
 
 


Um sich zumindest ein bißchen einfühlen zu können, stelle ich euch einen Lieblingschanson des Habib unten ein, den ich auch absolut spitze finde... wie vemutlich fast ausnahmslos alle Franzosen.

 

Frühlingsbote: Radieschensalat mit Mohndressing

Sonntag, 18. März 2018


Eigentlich ist es schon noch ein bisserl früh für die weltersten Radieschen 2018. Und diese da sind definitiv keine Outdoor-Knirpse - das habe ich ihnen sofort angesehen. Aber weil man sie mit Haut und Haaren essen kann, wollte ich beim letzten Marktbesuch nicht widerstehen, als sie so fröhlich unter all dem Kohl hervorlächelten.

Und gerade das zartere Grün, das nie von echten Stürmen vor der Haustür geschüttelt wurde, sondern immer in der warmen Stube des Gewächshauses bleiben durfte, bietet sich hervorragend an für das Blog-Buster Radieschenblätter-Pesto - wozu es selbstredend verwandelt wurde und auf das ich jährlich zurückgreife.

Als Auftakt für diese Radieschen-Saison habe ich mir diesen Salat ausgesucht, den Susanne vor kurzem vorgestellt hat. Schlicht, fein, harmonisch, ungewöhnlich. Jetzt muß sich nur noch der Frühling durchsetzen!


Zutaten 3-4P:
200 g Radieschen
fleur de sel

Dressing:

2 EL kalt gepresstes Rapsöl
1 TL Zucker
1 EL Zitronensaft, plus ggf. etwas mehr
1/2 TL Dijonsenf
1/2 EL Mohnsaat
Salz, Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Für das Dressing alle Zutaten in einer kleinen Schüssel verrühren; dabei nur leicht salzen - später wird mit dem fleur de sel noch gesalzen.

Die Radieschen putzen und dann in feine Scheiben schneiden - idealerweise mit einem Geüsehobel (ich stehe auf den von Börner).

Radieschen auf einem Teller auslegen und das Dressing darüber träufeln. Alles mit Salzflocken bestreuen. Eine Scheibe probieren, und, wenn nötig noch etwas Salz und/oder Zitronensaft zugeben. Man kann den Salat gleich essen oder 15 min ziehen lassen.



Umstellung: Gänseblümchen-Gnocchi

Sonntag, 22. März 2020


Als würden die Insekten gerade in ein Mikrophon summen. Man hört sie viel deutlicher. Es ist ruhiger geworden in unserem Tal. Noch ruhiger - man kann es sich kaum vorstellen. Eine Dimension stiller. Shavasana für alle. Es blöcken die frisch geschlüpften Lämmer auf der Weide, es ruft der Steinadler und in der Ferne spielt eine zaghafte Trompete, durch die offenkundig seit langem keine Luft mehr durchgepustet wurde. Sonst nichts. Großes Durchatmen. Ich säe Radieschen, Schwarzwurzel, Erbsen und Petersilienwurzel, verbuddle die ersten Setzlinge Kohlrabi, während der Habib Tomaten, Basilikum und Bechermalven im Treibhaus in Töpfchen drückt. Dazu vorsommerlicher Sonnenschein und Mirabellenblütenduft.

Wenn SO Ausgangssperre geht, komme ich gut damit zurecht.

Allem Anfang wohnt... doch der Zauber verbleibt im Garten. Wir versuchen wie alle anderen uns in der neuen Situation zurecht zufinden. Dementsprechend gibt es viel zu erzählen: Wie erlebst du diese Umstellung gerade - bei mir läuft es so... Das Internet ist voller solcher Geschichten. 

Ich freue mich sehr, dass sich Crest kurzfristig dazu entschieden hat, seinen Samstagsmarkt stattfinden zu lassen. Als Gemüsejunkie hänge ich an meinen Dealern. Zuerst irren wir mit einigen anderen durch das leere Innenstädtchen. Der Markt wurde verlegt, wird mir in der Bäckerei erklärt, auf einen großen Parkplatz. Wir finden ihn leicht, er ist eingezäunt und an seinem Eingang steht Polizei. Sie verlangen unseren Passierschein - bei Christine, die aus Cannes bloggt einzusehen. Wir hatten unsere im Auto liegen lassen. Für mich nicht ganz nachvollziehbar, warum ich mich erklären muss, dass ich einkaufen will, wenn ich direkt auf Gemüse zulaufe. Aber es geht wohl um den erlaubten Radius, den man auf dem Land drehen darf. Wobei dafür keine klaren Regularien existieren. Die Dörfer liegen hier weit verstreut, die Wege zum nächsten Supermarkt sind nicht ums Eck.

Auf dem Markt überall auf dem Boden markierte Distanzlinien, ungelenke Verkäufer, linkische Kunden, einige mit Handschuhen, wenige mit Mundschutz. Selbstbedienung ist offiziell nicht mehr erlaubt. Uraufführung einer lückenhaft vorgeschriebenen Choreographie. Und doch genießt man ein Stückchen Normalität: man plaudert mit Abstand miteinander - über ein einziges Thema. Es herrscht eine freundliche, zugewandte Stimmung. Die Sonne scheint, umgeben von viel Platz und frischem Essen. Noch ist alles nur anders. Noch touchiert das Virus kaum jemand unmittelbar.  Hauptsache die Infos sind so gesichert wie der Klo-Papier-Vorrat (herrlicher Link)

Vor den Lebensmittelläden bilden sich Schlangen - es gibt unterschiedliche Begrenzungen, wie viele Personen gleichzeitig einkaufen dürfen. Die gleichen Lücken wie überall (Mehl, Nudeln, Reis, Öl...) - fast alle hamstern. Fünf Wochen sind eine schwer zu überschauende Dauer. Man weiß nicht, was noch kommt. Die Stellschrauben können jederzeit enger gedreht werden (siehe Nizza mit seiner nächtlichen Ausgangssperre couvre-feu). Aus Verunsicherung will sich jeder versorgt wissen. Ich kann das verstehen.

Räumlich fühlen wir uns kaum eingeschränkt. Spaziergänge können wir in alle Richtungen unternehmen. Der große Garten ist jedes Jahr gleich arbeitsintensiv und fordert viel Aufmerksamkeit. Nur Feriengäste werden vorerst keine kommen - auch wenn für Ostern unsere gîtes wie immer frühjahresgeputzt glänzend bereit stehen. Weitere Gedanken dazu legen wir lieber auf Eis. 


Die Frage, wie man die Zwangspause nutzen kann, stellt sich uns also nicht vorrangig. Man könnte es Isaac Newton gleichtun, der,  nachdem die Universtät von Cambrigde im 17. Jahrhundert wegen der Großen Pest über ein Jahr geschlossen wurde, in dieser Zeit auf dem Land die entscheidenden Grundlagen legte für seine Theorie zum Licht und der Gravitationstheorie (via Dirk Müller). Wollen wir hoffen, dass sich für ähnlich geniale Köpfe die Home-Office (sehr witzig in der Heute-Show karikiert) entsprechend einrichten lässt...

Wir haben gestern auf der Terrasse den ersten Spargel der Saison gegessen. Da nichts gerade selbstverständlich ist, wurde er umso mehr genossen. Und zwar zusammen mit einer großen Portion Gänseblümchen - einer Inspiration, die ich von Petra mitgenommen habe. Zwar haben Gänseblümchen keinen großen Eigengeschmack (den verleiht meinen Gnocchi das Pesto), aber sie geben einen guten Biss. Und beim Gänseblümchenpflücken bin ich ganz und gar Kind - total alterslos, völlig aus der Zeit. Im Flow nennt man das heute - wenn man sich unbewußt als klitzekleiner Teil von etwas viel Größerem fühlt...   

Zutaten 2P:

100g Ziegenfrischkäse
80g Gänseblümchen
30g Parmesan, frisch gerieben
2 Eier, klein
40g Pesto (m: Bärlauch-Radieschenblätter)
90g Toastbrot, fein zerbröselt (m: Baguette-Semmelbrösel)

Zubereitung:

Ricotta, Parmesan, Spinat und Eier verrühren, die Brotbrösel untermischen und zum Schluss die Gänseblümchen (m: kleiner geschnitten) unterheben. Den Teig portionsweise auf die mit nicht zu wenig Weizendunst bemehlte Arbeitsfläche geben, zu einer Rolle formen, von dieser Stücke abschneiden und kleine Gnocchi abdrehen.

Die Gnocchi in leicht kochendes Salzwasser geben, die Hitze reduzieren und etwa 5 Minuten ziehen lassen.

Die Gnocchi mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser nehmen, in Butter schwenken und auf vorgewärmten Tellern anrichten, mit Parmesan bestreuen und mit Gänseblümchen dekorieren.

*Anmerkung m: ich habe die Gänseblümchen kleiner geschnitten, weil mir sonst der Teig nicht zusammengehalten hätte - dann funktioniert das Rezept aber gut. Möglicherweise musste das sein, weil ich nicht wie Petra Toastbrot sondern Semmelbrösel verwendete.

Bei uns gab es einen Salat dazu.



From nose to tail: Hirse-Puffer mit jungen Mairübchen

Samstag, 30. Mai 2020


Das erste frische Gemüse des Jahres liegt in knackigen Bündeln auf den Markttischen: Radieschen machen den Anfang, gefolgt von Spargeln, Navets (Kohl- oder Mairübchen), Rote Bete, Kohlrabi und Karotten. Und wie man das als leidenschaftlicher Vegie so macht, versucht man das Grün nicht verkommen zu lassen. Im Zweifelsfall wird es in einen der wöchentlichen Eintöpfe mit reingeschnippelt. Das Karottengrün kann man zu Pesto verwandeln - wie eigentlich alles ungiftige, frische BioGrün mit Geschmack. Und für die Navets habe ich heute einen Vorschlag, womit ihr einen solchen Bund mit Haut und Haaren verspeisen könnt.

Die jungen Mairübchen sind so zart, dass die Versuchung groß ist, sie einfach so zu verdrücken. Sie erinnern an Kohlrabi, nur dass sie etwas schärfer sind, insbesondere dann, wenn man sie nicht schält. Was absolut nicht notwendig ist - sitzen doch die meisten Vitamine immer dicht hinter der Schale. Und die hobelt man ja schließlich nicht einfach runter, wenn man nicht zwingend muss.

Ansonsten heißt es mal wieder *Keep it simple* - ein weiteres Motto dieses Blogs - nicht nur, was die Alltagsküche betrifft. Dieses Essen war gar nicht geplant fürs Verbloggen. Dann hatte es mir aber - in seiner Einfachheit - so gut geschmeckt, dass ich es direkt zwei Mal hintereinander zubereitet habe. Und beim zweiten Mal habe ich es dann auch fotographiert, damit ich das Rezept hier festhalten kann. Ein wunderbares Gericht gerade für alljene, die täglich kochen...

... und apropo Puffer: da gäbs hier noch ein paar hauseigene Ideen... 


Zutaten 2P:

1 Schalotte
100 g Hirse
250 ml Gemüsebrühe
2-3 EL Mehl (m: Einkorn-Vollkorn)
Mairübchen-Grün*
2 junge Knoblauchzehen 
1 Ei
1/2 -1 TL Ras el Hanout*
1/2 Salzzitrone
(optional ca. 100g gewürfelter Käse)*

4 Mairübchen
2 Karotten
1 Stich Butter
Salz, Pfeffer
eine Prise Rohrzucker 

Zubereitung:

Das Grün von den Mairübchen abreißen (oder wegschneiden). Mairübchen schrubben, Grün waschen und trocken schleudern.

Das Grün fein schneiden und in etwas Öl kurz andünsten, bis es etwas zusammengefallen ist. Den Knoblauch fein hacken. Die Salzzitrone vom Fleisch befreien, das entsorgen und die Schale in feinste, kleine Streifen schneiden.

Die ebenfalls fein gewürfelte Schalotte in etwas Olivenöl anschwitzen, die Hirse zufügen und mit der Brühe übergießen, aufkochen und ca. 20 Min. bei schwacher bis mittlerer Hitze zugedeckt köcheln lassen, bis die Hirse weich und die Brühe eingekocht ist (aufpassen und nachschauen, dass zwischendurch nichts anhängt - gegebenenfalls etwas Brühe nachschütten). Haferflocken und Mehl unterrühren und alles auf der ausgeschalteten Herdplatte zugedeckt noch 10 Min. quellen lassen.
 
Mairübchen-Grün, Hirse, Ei, Knofi, Salzzitrone und Käse unter die Hirsemasse mischen. Diese salzen und pfeffern. Öl in einer Pfanne erhitzen. Aus der Hirsemasse mit feuchten Händen acht flache Bratlinge formen und in zwei Portionen im heißen Öl in je 5 Min. von beiden Seiten knusprig golden braten.

Parallel Mairübchen und Karotten sauber schrubben, in dünne Scheiben schneiden und so lange in einer Pfanne mit Butter dünsten, bis das Gemüse weich ist, aber nicht zerfält. Leicht würzen mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker.

*Anmerkung m: man kann das Ras el Hanout auch durch Curry austauschen. Wer nicht an solches frische Mairübchen mit Grün kommt, kann das Grün etwa durch 2-3 Frühlingszwiebeln ersetzen und die Schalotte dann aber rauskürzen. Die Käsewürfel sind eine prima Gelegenheit um Käserestchen aus dem Kühlschrank zu verarbeiten...


Hummelschwärmer an roter Spornblume