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Dienstag, 19. Juni 2018

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Auf den Tag sieben Jahre ist dieses Blog nun alt - und ich gebe freimütig zu, dass mich selbst überrascht, wie weit mich meine Motivation schon getragen hat!

Das ein oder andere Mehr als nur eine Idee zum Kochen habe ich Preis gegeben und so entwickelte sich *grain de sel - Salzkorn* eben nicht als reine Sammelei von Rezepten, damit andere sich an meiner Gartenküche inspirieren können, sondern zu einem *unklassischen* Foodblog. Oder einem Foodblog Plus. Oder einem *französischen Küche-Garten-Leben-Blog*. Oder ihr nennt es wie ihr wollt... 

Fakt ist: die reinen Zahlen repräsentieren einen Fundus von über 1300 Rezepten. Eintausenddreihundert!  Das ist jetzt nicht der Kilimandscharo, geht aber für meine Begriffe schon Richtung Mont Blanc! Ein Kochbuch, das wohl in Papier nur sehr ungemütlich auf die Knie zu legen wäre...

Ansonsten bleibt das Wesentliche ganz beim Alten: über nichts freue ich mich mehr, wenn ich mal einen Blick hinter *die Maske* meiner Leserschaft erhasche und Feriengäste über das Blog zu uns den Weg nach Frankreich finden - eine Möglichkeit zum echten Austausch!

In diesem Sinne, liebe Leserschaft, bleiben Sie mir gewogen!

Sonntag, 17. Juni 2018

Bugs Bunny's Energie Balls


Nicht, dass ich den Eindruck hätte, Bugs Bunny würde an Energienot leiden, aber wenn - einfach mal angenommen - dann wären diese Häppchen mit Sicherheit die Droge seiner Wahl. Wobei sie nicht ganz so üppig sind (kalorientechnisch) wie der Titel verspricht. Aber hey, den Hasen will ich sehen, der nicht auf Karotte anspringt!

Nicht selten geht ja ein Hauen und Stechen los, wenn man ein vegetarisches - hier gar ein veganes - Gericht mit *falschen Namen* betitelt. Ach, wären doch alle Streitereien so unbedeutend wie eben solche Auseinandersetzungen - man würde sich ja regelrecht bemühen, sich mit anderen in die Wolle zu bekommen. Sich ein bißchen kitzeln und dann gegenseitig mit Karotten-Falafel oder Möhren-Bällchen füttern. Zum Runterkommen oder weitermachen.... je nach dem... Weitermachen könnte man - by the way - ganz fantastisch in beiderlei Hinsicht mit den herrlichen Möhren-Krokketen... nur damit die Munition nicht ausgeht.

Ich kann sie euch nur wärmstens empfehlen, diese Bugs Bunnys. Ich habe sie nun bereits zum zweiten Mal zubereitet, weil ich sie so köstlich finde. Und auch kalt kann man sie sich in den Mund schieben ganz in der Manier der Raffaelo-Werbung. Gut, etwas angezogener ginge auch. Aber durchaus mit einem einzigen Happs. Lecker! Mit dank an Charlotte für die Inspiration!


Zutaten - ca. 24 Stück:

2 Schalotten
1 Frühlingszwiebeln
2-3 Knoblauchzehen
1 EL Öl
4-5 mittelgroße Möhren (m: ca 450g)
100 g Haferflocken oder Semmelbrösel
(m: 60g Haferflocken/ Haferkleie, ca. 30g Semmelbrösel
50 g Cashewkerne
1 EL Paprikapulver
1 EL Koriander
1 EL Kreuzkümmel
1/2 EL Rohrzucker
1/2 EL Salz
1/2 EL Pfeffer
Piment d'Espelette
2 EL fein gehackter frischer Koriander

Sesamsauce
2 EL Tahini
2 EL Wasser
ein Spritzer Olivenöl
etwas Zitronensaft
1 Prise Salz

Zubereitung:

Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen.Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln. Möhren schälen und grob raffeln. Öl in einer Pfanne erhitzen und Zwiebel- und Knoblauchwürfel darin andünsten. Karottenraffeln zugeben und unter Rühren einige Minuten mitschwitzen.
Haferflocken und Cashews in einem Alleszerkleinerer geben und nicht zu fein mahlen. In eine Schüssel geben und mit Möhrenmix und Gewürzen vermengen. Masse mit dem Pürierstab etwas zerkleinern, anschließend mit feuchten Händen etwa golfballgroße Kugeln formen und auf das Backblech setzen. Im Ofen 15 – 20 Minuten backen, dabei nach der Hälfte der Zeit einmal wenden.

Inzwischen Zutaten für Sesamsauce in einer Schüssel verrühren und z. B. einen grünen Salat vorbereiten – hier mit gebratenem Tofu - den braucht es nicht dazu, der mußte aber weg

Quelle: Charlotte aka Milchmädchen (nach Mia Frogner *Green Bonanza*)


Dienstag, 12. Juni 2018

12 von 12 - Juni 2018











1. ---- Aprilwetter, schon den ganzen Mai - genau dieses *Allesdrin* verspricht der Morgen. Gewitter wieder angesagt, Regenbogen vorprogrammiert...

2. ---- der alltägliche Start in den Tag - unser Porridge - schmeckt noch besser mit Früchten aus dem Garten (für mich gerne mit geschroteten Leinsaaten, Walnüssen und Honig - minimale Änderungen...). Irgendwann esse ich mittags und abends auch nur noch das Gleiche... wäre am Schluß nicht das Schlechteste...

3. ---- Kurz nach Crest zum Einkaufen auf den kleinen Markt und einen kleinen café

4. ---- vorbei an den diesjährigen Kanonen von Bocksriemenzungen - so groß habe ich diese Wildorchidee noch selten gesehen...

5. ---- wieder stehen die Geier über dem Haus. Übrigens auch der Schlangenadler - das Bild wurde aber nur mittelprächtig. Ach, Vögel sind so schwer zu fotographieren. Sensationelle Fotos von Geiern hat gerade ein äußerst sympathischer Feriengast von uns geschossen - zum Bestaunen auf *Sonne und Lavendel*

6./ 7. ---- Mittagessen und Dessert. Der Blattsalat auf dem Garten bleibt außen vor. Tja, ansonsten: Erdbeerzeit... muß man lieben. Super Ernte diese Saison! Ein paar Gläschen Erdbeermarmelade sind bereits eingekocht - um mit etwas Quark zu essen im Winter beispielsweise. Marmeladenbrote ißt hier niemand...

8./ 9./ 10./ 11. ---- an unserem Lindenbaum hängen geblieben. Nicht nur, um Lindenblüten für zukünftigen Tee zum Trocknen auszulegen (kann man aber auch prima zu Sirup oder Gelee verarbeiten). Es riecht so gut. Es brummt so schön. Es ist so lebendig. Es gibt soviel zu beobachten. Insektensterben? Scheint weit entfernt, wenn man in einer blühenden Linde steht...

12. ---- *Säen ist nicht so beschwerlich als ernten* sagt Goethe. Darüber denke ich immer wieder nach. Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Säen - wenn alles derart Handarbeit ist wie bei uns - finde ich durchaus auch sehr mühsam. Aber am Schluß hat Goethe wohl recht... wie immer. Erbsen tragen ebenfalls gut (schön beidhändig abrupfen), Himbeeren machen RICHTIG Freude (mit viel Fingerspitzengefühl abziehen) und die werde ich nun mit den Johannisbeeren zu meinen Pflichtgläsern Marmelade für die Linzer (brauche ich einfach auf Vorrat dafür - wer bisher nachgebacken hat, weiß warum) einkochen.

Wischen in einer Ferienwohnung, Yoga und - bien sûr - Unkrautrupfen erhalten keine Bilder - die Linde hatte schlicht den Zuschlag erhalten... 

... mehr Fotos zum 12. des Monats wie stets bei Mme Kännchen...


Montag, 11. Juni 2018

Erdbeerbomber: Erdbeer-Charlotte


Mich ganz auf die klassischen Aufgaben eines typischen Food-Blogs besinnend, gibt es heute ein Erdbeer-Rezept zum Angeben. Ich finde ja, dass die Charlotte ordentlich was hermacht. Und so aufwenig herzustellen, wie man meinen möchte, ist sie gar nicht.

Ihr kennt ja die Kategorie von Pâtisserie, in der ich mich bewege: ich hänge im Anfänger-Modus fest. Vermutlich wird sich das nie ändern - Süßbäckerei ist einfach nicht meine Kernkompetenz. Und dafür - kommt Leute, jetzt mal ehrlich - macht die Charlotte mords was her. Im Grunde genommen ist dieser Kuchen nichts anderes wie eine Erdbeer-Crème zusammengesetzt mit einem Biskuit (und beim Biskuit habt ihr im gleichen Zug eine ganze Fülle hochkarätiger Erdbeer-Rezept-Ideen).

Für meine Charlotte habe ich eifrig recherchiert, damit ich sie so basteln kann, wie ich sie mir vorstelle. Gerade als Dessert für eine größere Runde an Gästen halte ich sie für ideal. Gut, und auf der Sonntagskuchentafel wird sie an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit allem anderen Gebäck die Schau stehlen.

Beim Machen habe ich mich ganz an das Prinzip *Never-change-a-winning-team* gehalten. Ich glaube, das ist ja auch der Grund, weshalb ich Backen (ausgenommen Brot) nicht so mag: man ist so ganz gezwungen, sich an die Zahlen zu halten, sonst kann man es vermasseln. Kochen hingegen bleibt ein kreativer und veränderlicher Prozess, auf den man bis zum Schluß Einfluß nehmen kann. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: mit dieser Charlotte kann rein gar nix schief gehen, haltet ihr euch an die Vorgaben. Dann ist das sogar ein waschechter Anfänger-Kuchen.

Gerade bei Biskuitrollen, bzw. Biskuit-Rouladen ziehen viele schnell den Kopf ein. Ich kenne die Probleme ja ebenfalls (s. Biskuitrolle). Aber ähnlich wie bei Gnocchi kommt es nur auf ein gutes Rezept an und dem Gelingen steht nix im Weg. Und die Biskuit sowie die richtige Festigkeit der Mousse sind die eigentlichen Herausforderungen der Charlotte. Mit beidem bin ich hier sehr zufrieden: die Biskuit wurde herrlich locker und ließ sich wieder easy aufrollen und die Erdbeer-Crème war leicht, cremig, erdbeerig und von der Konsistenz comme il faut. Fertig ist der perfekte Angeber-Kuchen! Applaus vorprogrammiert...



Zutaten - 1 Schüssel von 2l Fassungsvermögen:

Biskuitrolle:
4 Eier
150g Rohrzucker
120g Mehl
30g Speisestärke
1/2 TL Backpulver
1/2 Zitrone, Schalenabrieb
1Pr Salz

200g Marmelade (m: Kirsche-Limone)

Füllung:
400g Erdbeeren
500g Joghurt
250g Mascarpone
100ml Kefir
60g Zucker*
20 Verveine-Blätter
1 Vanilleschote, das Mark davon
9 Blatt Gelatine


Zubereitung:

Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Den Ofen auf 190° (O/U-Hitze) vorheizen.

Die Eier trennen. Die Eigelb mit 30g Zucker und den Zitronenschalen mit einem Schneebesen gut verrühren. Mehl, Backpulver und Speisestärke zusammen in eine Schüssel sieben. Den Eischnee mit dem restlichen Zucker von 120g und der Prise Salz steif schlagen. Eischnee und Mehl-Mischung abwechselnd mit dem Schneebesen unter das Eigelb ziehen - darauf achten, dass die Masse luftig bleibt. Glatt und gleichhoch auf der ganzen Größe des Backpapiers verstreichen. Für ca. 12min backen.

Biskuit mit Kristallzucker bestreuen, ein zweites Backpapier auflegen, beide Papiere greifen und das Biskuit drehen und so zugedeckt auf dem Backblech auskühlen lassen. Dann mit der Marmelade bestreichen, einrollen und in ca. 22 Scheiben von einem guten 1cm Dicke abschneiden. Die Schüssel relativ glatt mit Klarsichtfolie auslegen und dann dicht an dicht und so eng wie möglich mit den Biskuitscheiben belegen.

Für die Füllung die Erdbeeren waschen, klein schneiden und 250g davon pürieren. Mascarpone mit dem Joghurt und dem Erdbeer-Pü verquirlen. Ebenfalls Zucker, das ausgekratzte Vanillemark und den kleingeschnittenen Verveine untermischen. Die Gelatine 10min einweichen, gut ausdrücken und bei kleiner Flamme in einem Topf mit dem Kefir auflösen. Mit 2-3 Eßlöffen der Joghurtmasse mischen, dann Topf- und Schüsselinhalt sorgfältig miteinander vermengen. Die Füllung im Kühlschrank etwa 10min anziehen lassen, dann die kleingeschnittenen Erdbeeren unterheben und die Füllung auf die Biskuitscheiben gießen und mit den restlichen Scheiben abdecken (ich habe - s. Foto - für den Boden zwei restliche Scheiben, die ich nicht untergebracht hätte, klein geschnitten und in die Lucken gedrückt). Die Schüssel so mindestens für 4 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen. 

Stürzen und gut gekühlt servieren.

*Anmerkung m: ausgemachte Süßmäuler nehmen eventuell noch etwas mehr Zucker für die Erdbeer-Crème (ich mags ja generell nicht zu süß).

Unnötig zu erwähnen, dass es jede Menge an Variationsmöglichkeiten für die Charlotte gibt, wenn man nur das Obst und die Marmelade austauscht. Ich will dieses Jahr noch eine Aprikosen-Charlotte werkeln!


Samstag, 9. Juni 2018

#12Monate12Bücher... Nr.1


In Thailand hatte ich viel Zeit. Dort fing ich auch bereits an, mit der Idee zu spielen, eine Bücherlieblingsliste zusammenzustellen. Ganz im Stil von 7Tage7songs - eine schöne Aufgabe.

Als eines dieser typischen Lesekinder hatte ich sehr schnell herausgefunden, dass man sich mit Lesen aus dem Jetzt und Hier shutteln kann. Flucht aus der Realität. Droge. Konsum, der ablenkt. Bis heute kann ich in ungeheuerem Tempo Bücher inhalieren. Lesen bereichtert den Wortschatz, ganz bestimmt, aber alles in allem halte ich Lesen für überbewertet.

Stellt mich vor eine Wand mit all den Büchern, die ich Zeit meines Lebens bisher gelesen habe, zieht eines raus und fragt mich nach dem Inhalt. Wohl könnte ich antworten, welches mir gefiel und welches nicht. Aber Einzelheiten? Der Ablauf der Geschichte? Namen? Mag sein, dass andere ein bedeutend besseres Gedächtnis haben, doch fest steht für mich: Lesen ist Theorie, ist nicht gelebtes Leben. Es fehlt das Erlebnis, es fehlen die Sinneseindrücke, es fehlt die Erfahrung - und genau deshalb verflüchtigen sich die Erinnerungen so schnell. Totes schwarz auf weiß.

Genau das machte es so interessant, in mich zu gehen und mir zu überlegen, welche Bücher wirklich eine Rolle für mich spielten, mit größerem Wert, die eine Botschaft in sich trugen, die in mir etwas zum Klingen brachten, die mehr, viel mehr als reines Lesevergnügen waren. Und so schwer die zu benennen, war es gar nicht, denn alle davon habe ich mindestens zwei Mal gelesen. Und sie befinden sich (bis auf eines) in meinem Besitz - im Gegensatz zu der überwiegenden Mehrheit an Büchern, die ich unterwegs eingetauscht habe.

*Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst* (Goethe *Wahlverwandtschaften*).

Welche Bücher verknüpfen mich also mit meinem Leben? Für diese 12 Bücher habe ich mich entschieden, um mit ihnen ein Jahr zu füllen, ein Buch für jeden Monat - für mich allerdings die Ausbeute von Null bis jetzt... in willkürlicher Reihenfolge. Die treue Leserschaft wird Altbekanntes wiederentdecken. Für einige davon habe ich hier schon applaudiert und den Link im Blog dazu entsprechend gesetzt! Ansonsten verlinke ich über das Titelbild zum Buch - nein, keine Affilate-Links:

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Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins 









Das Kundera-Buch hat mir sehr überrascht, weil ich etwas anderes erwartet hatte. Viele seiner Gedanken über Beziehung und Menschheit waren aus einem für mich oft unerwarteten Winkel beobachtet und daher für mich im wahrsten Sinne *merkwürdig*. Schein und Scheinheiligkeit mag er nicht: *Wer seine Intimität verliert, der hat alles verloren, denkt Sabina. Und wer freiwillig darauf verzichtet, der ist ein Monstrum* - kitschbefreit und damit realitätsnaher, so wie Madagaskar, eine Art Bewußtseinskeule. Vielleicht hat der Zeitpunkt die Lektüre zusätzlich intensiviert. Aber wie heißt es so schön: *Jedes Buch kommt zur richtigen Zeit*.


https://www.rowohlt.de/taschenbuch/philip-roth-der-menschliche-makel.html









Das Roth-Buch habe ich ja just gerade erst mit viel Jubel hochgehalten. Nun ist Philip Roth letzten Monat gestorben - der Deutschlandfunk bietet einen sehr bereichernden Nachruf. Schreiben, sagte Roth, sei die Erzählung des Lebens "in seiner ganzen schamlosen Unreinheit". Unmoralisch? Nein, vielleicht spürt er genau deshalb einem eigenverantwortlichen Gewissen nach. In *Der menschliche Makel* findet sich by the way auch eine Referenz zu Kundera (wie überhaupt zum Literaturbetrieb als solchem). Und - um noch einen weiteren Aspekt aus dem Roth Buch herauszugreifen: auf einer einzigen Seite beschreibt er das unfasslich lapidare Wesen der Verleumdung. Hätte ich es nicht selbst erlebt, ich hätte nicht geglaubt, dass Verleumdung (wohl prinzipiell) so einfach funktioniert. Nun, ich bin nach diesem Einstieg in das literarische Werk von Roth schon auf weitere Bücher von ihm gespannt und schwanke als nächstes zwischen *Jedermann* und *Amerikanisches Idyll*.


Bildergebnis für das bildnis des dorian grey buch

Oscar Wilde hätte ich  zu Lebzeiten bestimmt angeschwärmt (# Fangirl) mit all seinen herausragenden Eigenschaften, ein wunderbarer bester Freund zu sein: vorneweg seinen Witz (*von der Schönheit abgesehen ist sie ein Pfau in allem*), seine Nonchalence, seine Konsequenz dem Schönen-Wahren-Guten zu folgen genauso unkonform wie den Gesetzen seiner eigenen Moral. Ein Vorreiter für alle Individualisten. Ansonsten habe ich *Das Bildnis des Dorain Gray* hier für mich weitergedacht - und ich könnte noch schier endlos Sätze herauspicken: *Gut sein heißt mit sich im Einklang sein*/ * Die Trennung von Geist und Materie war ein Geheimnis und die Einheit von Geist und Materie war ebenfalls ein Geheimnis.*/ * Treue ist für das Gefühlsleben, was Konsequenz für das geistige Leben ist* ...


Zusammen ist man weniger allein

Elke Heidenreich greift gerne ganz hoch, wenn es um das ihr so heilige Lesen geht, redet von lebensrettender Wirkung oder etwas tiefer angesetzt: *Das Lesen heilt nichts und verändert die Lebenssituation nicht, aber es gibt Kraft für drei, vier Stunden.* Und genau das erlebte ich bei dem Gavalda-Buch. Wir befanden uns auf den Philippinen - für mich aus persönlichen Gründen eine finstere Zeit. Und dann kreuzte dieses Buch meinen Weg. Es funktionierte wie eine Wärmflasche für meine ausgekühlte Seele, tröstete mich und schenkte mir wieder ein Fünkchen mehr Lebensfreude. Toll eigentlich, wenn ein Buch das vermag! Ich verschenke *Zusammen ist man weniger allein* daher gerne als Medizin.


Altes Land

Zu dem Dörte-Buch habe ich sowohl hier wie hier alles gesagt - begeisterter kann man nicht sein, inhaltlich wie sprachlich. Ein Buch, das für die heutige Literatur Maßstäbe setzt.


Bildergebnis für der leibarzt des dalai lama buch insel

Das Buch von Tenzin Choedrak habe ich euch ebenfalls bereits empfohlen - schon vor 6 Jahren. Anders als man voraussetzen könnte, handelt es sich nicht um eine reine Biographie, sondern schildert (mir) vorallem eindrücklich, wie man sich gelebten, praktizierten Buddhismus im Alltag vorzustellen hat. Mit Esoterik hat das rein gar nichts zu tun - da stimmt mir der Deutschlandfunk zu, wo man einen groben Umriß zu dem Inhalt des Buches findet. Tenzin Choedrak ist für mich seitdem ein spirituelles Vorbild.


9783426875285

Mein Interesse für den tibetischen Buddhismus begann nach unserer Reise nach Tibet und dem Besuch im Jahr darauf des exil-tibetischen McLeodGanj in Indien. Die dort gemachten Eindrücke gingen tief. 

 *Es ist offenkundig, dass unser Geist eine entscheidende Rolle spielt, wenn es darum geht, unser Leben glücklicher zu gestalten und mit mehr Sinn zu erfüllen. Das hat nichts mit dem Vollbringen spiritueller Meisterleistungen zu tun, es ist eine Frage des elementaren, gesunden Menschenverstandes* habe ich auf diesem Blog den Dalai Lama bereits zitiert

Und der gesunde Menschenverstand meint nochmal etwas anderes wie Intelligenz. Er geht von funktionierenden Sinnen, einer funktionierenden Wahrnehmung aus, von geistiger Lebenstüchtigkeit, davon, dass man logisch denken kann und gleichzeitig mit dem Herzen. In vielen Büchern zum tibetischen Buddhismus finde ich praktische Anleitungen oder Gedanken, die aus dem Leben gegriffen sind, um das zu üben. Dieses Buch ist mir aus eben diesen Gründen wertvoll - wie ihr bereits wißt.
 

Bildergebnis für der alchimist

In unzählbarer Menge stehen in den Bücherregalen der Guesthäuser dieser Welt Coelho-Bücher. Viele davon habe ich daher fast schon zwangsläufig gelesen, so dass ich mit Fug und vorallem viel Überzeugung sagen kann: ich hasse Paulo-Coelho-Bücher. Ich erinnere mich sogar, wie ich das letztes Buch, das ich von ihm begonnen hatte (irgend einen Schwachmatosenf zum Thema Sadomaso) bewußt zuklappte und offiziell mit Coehlo Schluß machte. Wegen unüberbrückbarer Differenzen. Er hätte es einfach bei diesem einen Buch *Der Alchimist* lassen sollen und danach nie, wirklich nie wieder schreiben. *Der Alchimist* ist eine wunderschöne Parabel auf das Leben, schnörkelfrei, schlicht, wie aus einer Form gegossen, wie Coelho in die Finger diktiert (vermutlich ;). Für alle, die ihrem Herzen folgen wollen, für alle Suchenden.


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Über das Mikroskop gebeugt in unserem Botanik-Kurs eröffnete ich meiner Freundin, dass ich nun wisse, wie ich meinen Sohn nennen würde: Fjodor. Sie fing hysterisch an zu kichern. Ja, okay, es ist mit Abstand betrachtet ein kleinesbißchen peinlich, aber ich war nach dem Lesen von *Der Großinquisitor* so begeistert von Dostojewski, ich dachte, das wäre das Mindeste an Hommage.

Dostojewski läßt in das Spanien zur Zeiten der Inquisition Jesus ein zweites Mal auf der Erde erscheinen. Er wird nichts reden und auch nichts tun, er macht lediglich das Gegenüber für den Monolog des alten Großinquistors. Brilliantere Gedanken zum Thema Christentum habe ich nie gelesen. Es ist für mich als Reisende die beste aller Erklärungen, warum ausgerechnet die Menschen in christlich geprägten Ländern besonders verkommen sind: die Freiheit ist eine Bürde!
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Mein erstes Buch von Remarque. Und vielleicht sogar das letzte. Jede Zeile wiegt so schwer; ich weiß nicht, ob ich mehr ertrage. Ich war tief erschüttert
*Träume braucht man nicht zu retten*
*Doch* sagt Gräber. *Was denn sonst?*
*Glauben. Träume bilden sich neu*.

Das verstärkte, tiefer verinnerlichte Fazit nehme ich mit: der Abstand zwischen Krieg und mir kann nicht groß genug sein.


https://www.amazon.de/M%C3%A4rchen-Johann-Wolfgang-von-Goethe/dp/3491962579

Im Begleitbrief zu diesem Text schrieb der Autor Goethe dem Herausgeber Schiller: „Ich hoffe, die 18 Figuren dieses Dramatis sollen, als soviel Rätsel, dem Rätselliebenden willkommen sein.“ Was die einzelnen Figuren und ihre Handlungen bedeuten, darüber hat Goethe zeitlebens geschwiegen und die rätselnden Freunde immer wieder auf den Text zurückgewiesen

Seit das Märchen 1795 erschienen ist, sind unzählige Interpretationen entstanden, die sich nicht selten grundlegend widersprechen. Goethe schrieb also eine Geschichte, die sich wie alle Märchen der Symbolsprache bedient:
 *Wieviel Geheimnisse weißt du*
 *Drei* versetzte der Alte
 *Welches ist das wichtigste?* fragte der silberne König
 *Das offenbare* versetzte der Alte
(Zeitgleich bemühten sich übrigens auch die Gebrüder Grimm um alte Volksweisheit, in dem sie die über Jahrhunderte tradierten Märchen sammelten sowie das umfassende Ethymologische Wörterbuch begannen.) 

Blöd halt nur, wenn man die Symbole nicht auflösen kann. Dann bleibt es ein Text, der prima als Einschlafgeschichte für Kinder taugt. Der Sinn bleibt verschlossen. Doch anders herum, wenn man den passenden Schlüssel dazu in Händen hält, dann ist *Das Märchen* von Goethe eine Offenbarung: eine neue Dimension eröffnet sich! Er erklärt nichts anderes wie die Entwicklungsgeschichte des einzelnen Menschen.

Keine Ahnung, welche Techniken die Freimaurer zur Initiation zur Verfügung hatten und wie Goethe zu seinen Zugängen kam. Tiefe Wahrheit derart in Bildern zu verkleiden, so dass nur der Eingeweihte versteht, was gemeint ist, kann man einzig und allein aus eigenem Wissen und Erleben. Woher ich das weiß... tja, ein weiteres Rätsel für euch... Aber sagen wir mal so: ich sitze an der Quelle...


Coverbild Die Wahlverwandtschaften von Johann Wolfgang von Goethe, Erich Trunz (Hrsg.), ISBN-978-3-423-12403-4

Kein Buch liegt mir näher. Fast blind kann ich mein kleines Reclam-Büchlein aufschlagen und finde die Zitate, die ich suche. Es liegt immer griffbereit. So viel Weisheit alleine in einzelnen Sätzen. Goethe ist für mich das hellste Gestirn am Schriftsteller-Firmament.

Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Chemie zu einer exakten Naturwissenschaft und die Faszination über die neuen Erkenntnisse schlagen sich in diesem Buch nieder. Wie der Titel des Buches verät, macht sich Goethe darüber Gedanken, wie man die Gesetze der Chemie auf den Menschen übertragen kann. Wirkt die Chemie auf den Menschen?

Und wenn die Chemie Einfluß auf menschliches Handeln hat, in wie weit ist der Mensch frei? Kann er wirklich frei wählen? *Jede Anziehung ist wechselseitig*/ * Wer widersteht dem Strome seiner Umgebung*.
 
Es geht also übergeordnet um Magnetismus, es geht um geistige Felder, es geht darum, welche chemischen Elemente sich verbinden oder gegenseitig auflösen, wie Moleküle Menschen in Schwingung versetzen. Oder nochmals anders: es geht darum, wie chemischen Gesetze Menschen zu ihren Spielbällen machen, weil unumstößliche Gesetze wirken. Bref, es geht um nichts anderes wie Homöopathie samit ihrer konstitutionellen Mitteln, die wie zufällig zur gleichen Zeit von Hahnemann entdeckt und begründet wurden. Wozu Goethe sagt: „Ich glaube jetzt eifriger als je an die Lehre des wundersamen Arztes (Dr. Hahnemann) seitdem ich die Wirkung unserer allerkleinsten Gabe so lebhaft gefühlt und wieder empfinde.“ 

Goethe beschäftigt sich in den Wahlverwandtschaften mit Einflüssen, die den meisten nicht bewußt sind, oder sogar so fremd, dass man sie verleumdet oder verklärt: *Es sind gewisse Dinge, die sich das Schicksal hartnäckig vornimmt. Vergebens, dass Vernunft und Tugend, Pflicht und alles Heilige sich ihm in den Weg stellen; es soll etwas geschehen, was ihm recht ist, was uns nicht recht scheint; und so greift es zuletzt durch, wir mögen uns gebärden wie wir wollen.

Nur weil uns manche Gesetzmäßigkeiten (noch) nicht bewußt sind, bedeutet das nicht, dass wir ihnen nicht unterliegen. Zweifelsohne gibt es aber *Dinge*, auf die wir keinen Einfluß nehmen können, egal wie wir sie drehen und wenden: *Durch Überlegung wird so etwas nicht geendet; vor dem Verstande sind alle Rechte gleich, und auf die steigende Waagschale läßt sich immer wieder ein Gegengewicht legen.* Auf mentaler Ebene gibt es keine Lösung, keine Erklärung, kein besseres oder schlechteres Argument.

Wir reden über die Ebene darüber. Über unsichtbare Kräfte, die wirken. Schult man die Wahrnehmung, werden sie zunehmend offenbar. Wenn auch nicht für alle. Nun, oft erscheint es uns, als würde man Blinden von den Farben erzählen. Damit müssen wir leben - es gilt unerschütterlich: *Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdets nicht erjagen*. 

Meine große Neugier für den Mensch, seine inneren Beweggründe, seine Entwicklungsfähigkeit verbindet mich so innig mit Goehtes Gedanken, die in vielerlei Hinsicht erhellend auf mich wirken und unterstützend: *Dem Einzelnen bleibt die Freiheit, sich mit dem zu beschäftigen, was ihn anzieht, was ihm Freude macht, was ihm nützlich deucht; aber das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch*.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Machete: mediterraner Nudelsalat


Die Monsun-Pausen nutzen wir in Südfrankreich neuerdings wie die sonnenverwöhnten nordeuropäischen Länder: wir grillen. Verdrehte Verhältnisse. So langsam dürfen bei uns Regenschirme und Gummistiefel ausverkauft ein.

Jaja, gerade eben habe ich noch lustvoll geseufzt *wie entzückend fruchtbar* alles ist, und jetzt würde ich den Wasserschlauch gerne mal wieder abstellen und für später aufheben. Für dann, wenn die Sonne so brät wie letzten Sommer etwa. Nur schwer vorstellbar während man in einer dampfenden Wolke und explodierendem Unkraut lebt...

Bis dahin muß ich mich wohl auch nach neuen Gartengeräten umschauen. Bedauernd erinnere ich mich an die vielen Arten von Macheten, die in Thailand auf dem Markt angeboten wurden. DAS wärs jetzt. Denn wenn das so weitergeht, dann schwingen wir uns in Kürze von Liane zu Liane von Dorf zu Dorf. Was durchaus ein Gedanke wert wäre, wenn Macron weiterhin die Benzinpreise anhebt. Der soll nur so weitermachen. Dann gehts nicht mehr lange, und die Fränzis zeigen ein Mal mehr, wie Generalstreik geht. Also Protest - das können sie! Chapeau! Auf obrigkeitshörig sollen dann andere machen. Diese eine gelungene Revolution, das haben sie uns Deutschen einfach voraus.

Aber politische Themen versuche ich ja an meinem Eßtisch zu vermeiden. Ihr wißt: der Stimmung wegen. Und wegen nichts kann man sich schneller in die Wolle bekommen als über Politik. Schlimm. Nein, das mögen wir nicht mit Messer und Gabel in der Hand.

Foukus liegt also ganz auf diesem Nudelsalat. In Pasta könnte ich ja prinzipiell baden und bei diesem Nudelsalat hätte auch nicht viel gefehlt. Zwei Nudelsalate kann ich bereits anbieten. Dieser mit Lauch und Schinken aus den Anfängen dieses Blogs sowie den Klassiker mit ohne Dosen-Erbsen-Möhrchen. À vous à choisir!


Zutaten:

200g Pasta
1 Fenchelknolle
150g Tomaten, in Öl eingelegt
200g Oliven, entsteint, grün/ schwarz
4-5 confierte Knoblauchzehen*
2 EL Kapern
1 Bund Rucola
1 TL Rohrzucker
Noilly Prat
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl
Zitronensaft

Zubereitung:

Den Fenchel putzen, halbieren, den Kern keilförmig rausschneiden, vierteln und in dünne Streifen schneiden. In etwas Olivenöl anbraten, nach 3-4min den Zucker darüber karamellisieren lassen und weiter braten. Salzen, pfeffern und mit einem guten Schuß Noilly ablöschen. Solange weiterdünsten, bis der Fenchel gar ist.

Nun die Salzzitrone halbieren, vom Fruchtfleisch befreien und nur die Schale in sehr dünne, kurze Streifen schneiden. Die Tomaten klein schneiden klein schneiden. Knoblauch und Oliven fein hacken. Alles zusammen mit dem Fenchel in eine Schüssel geben.

Die Nudeln in reichlich Salzwasser al dente garen und beim Abschütten eine Tasse Nudelwasser auffangen. Die noch heißen Nudeln direkt mit den Zutaten in der Schüssel vermengen, großzügig Olivenöl anschütten, sowie etwas von dem Nudelwasser. Die Kapern untermischen, salzen, pfeffern und mit Zitronensaft abschmecken. Wnigstens eine Viertelstunde marinieren lassen. Dann gegebenenfalls nochmals nachwürzen und erst kurz vor dem Servieren den Rucola untermischen.

*Anmerkung m: Den confierten Knoblauch werde ich wohl in Kürze als Rezept vorstellen - kaufen kann ich ihn in Frankreich am gleichen Stand wie ich Oliven und eingelegte Tomaten erwerbe. Ansonsten ersetzt ihn durch normale Knoblauchzehen.

Inspiration: Christina von NewKitchontheblog


Freitag, 1. Juni 2018

Zufriedenheit: grüner Ofenspargel mit Zitronen-Püree


*Ich bin eine 9* sagt die Mutter meiner Kindergartenfreundin über sich. Die Neun ist zudem ihr Lebensmotto. Und ich zweifle keine Sekunde, dass sie nicht nur schönfärbt. Sie war mit Abstand die fröhlichste Person, die ich in meiner Kindheit kannte. Sie IST eine 9.

Die Zahl bringt dabei zum Ausdruck, wie zufrieden man ist mit seinem Leben, auf  der klassischen Skala von 0 bis 10 bewertet, in der 0 die minimalste und 10 die maximalste Menge darstellt, die man erreichen kann, iss klar...

Mit eben dieser Freundin hatte ich es bei unserem letzten Treffen wieder über die Zufriedenheit. Sie erzählte mir von einer Studie, die herausgefunden haben will, dass jeder Mensch seine feste Zahl hat für sein halb volles oder halb leeres Glas. Eine Konstante quasi. Da können Schlaglöcher kommen oder Glückspakete, wie auch immer, spätestens nach etwa einem halben Jahr hat man sich wieder eingependelt bei seiner Zahl. Ausnahmen stellen die ganz großen Schicksalschläge dar wie starke, chronische Schmerzen oder der Verlust eines geliebten Menschen. Ansonsten trägt jeder wie eine Art Triko-Shirt mit eben seiner Zufriedenheitszahl. Faszinierend, oder?

 *Ich glaube*, entgegnete ich, *dass man zur Zufriedenheit auch ein gewisses Talent braucht. Nicht alle Menschen kann man zufrieden machen.* Regelmäßig schaue ich in Gesichter - überwiegend im mittleren Alterssegment sowie darüber hinaus - deren Ausdruck ich nur als *enttäuscht* beschreiben kann. Manchmal sogar bishin zu verbittert. Und ich glaube nicht, dass das Leben allein dafür verantwortlich ist. Gut, machen wir uns nix vor: es KANN ungeheuer viel Scheiße in einem einzigen Leben passieren. Aber dann wedle ich mit der T-Shirt-Zahl und addiere die Fähigkeit, seinem Leben auch einen/ seinen Dreh zu geben. Wie in dem Fanta 4-Songtext: *Du bist der Hauptdarsteller, Regisseur und Kameramann, und du bist ganz nah bei dir und machst, was dir gefällt* (ich werde es als Spoiler unten einspielen, logo)

Oder Stichwort *Vision* (Klappe, die 3te). *Wie hättest du dein Leben denn gerne?* Die Frage muß man sich schon gefallen lassen. Und es sollte einem tunlichst etwas dazu einfallen. Ich halte die Wahrscheinlichkeit für enorm groß, dass man ansonsten spätestens in der Mitte des Lebens generalhadert. So, als hätte einen das Leben um etwas betrogen. Einem etwas vorenthalten. Die passenden Angebote nicht hingehalten. Ja, als hätte das Leben einen vergessen und nur andere bedient. Der Anspruch, dass die Muttersau einen versorgt und die Zitzen hinhält. Und genau das passiert nicht.

Wo bleibt das eigene Zutun, der Wille? Ich bin überzeugt, dass man in sich Andock-Stellen basteln muß mit einer Art von magnetischen Verbindungsstellen, die anziehen, was man sich wünscht. Die Gefahr, dass von alleine rein gar nix passiert, ist herzlich groß. Oder eben, dass man wie eine Amöbe in seichten Gewässern vor sich hin dümpelt. Oder voll die Plankton-Rolle übernimmt. Nur verantwortlich, dass alles nicht so supi läuft, das sind die anderen. Nee, ehrlich, so wird kein Schuh draus!

*Eine weitere Möglichkeit*, meint meine Freundin, *um zu überprüfen, wie es mit der Zufriedenheit steht, sei die Frage: *Wie sehr entspricht dir dein Leben?*
Aber wie gut kennst du dich?

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass das nicht mein letzter Aufruf sein wird in punkto *Lausche in dich hinein* - jedes Blog hat ja so seine Steckenpferd-Themen. Ich reite auf diesem rum. Last call hingegen wieder für den Spargel dieses Jahr. *Kirsche rot - Spargel tot* - fiel hier ebenfalls schon, bedeutet aber, dass man langsam leise Servus Richtung Spargel sagen darf... Das Pü von Nigel Slater gefiel mir so gut, dass ich es bereits zum zweiten Mal zubereitet habe. Ich mache ja alles händisch und rühre dieses Pü so lange mit viel Kraft und Ambition cremig, bis es von der Farbe etwas aufhellt. Tja, und das schmeckt man dann auch...


Zutaten 2P:

250g grüner Spargel
Rapsöl
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
850g Kartoffeln
1 Zitrone, Abrieb und Saft
(evt. plus)
Salz
300ml Vollmilch
5 EL Olivenöl
etwas Basilikum zum Toppen

Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen, in große Stücke schneiden und in einem Topf leicht gesalzenen Wassers zum Kochen bringen. In ungefähr gar 20 Minuten kochen lassen, bis eine Messerspitze leicht eindringt. Die Schale der ganzen Zitrone fein abreiben und beiseitestellen.

Die Milch in einem kleinen Topf erhitzen und vom Herd nehmen. Die Zitrone auspressen (Nigel nimmt 1/2 Zitrone mehr - mir ist der Saft einer ganzen Zitrone bereits etwas zuviel). Die Kartoffeln abgießen, gründlich abtropfen lassen und in die Schüssel einer Küchenmaschine mit Flachrührer geben (oder halt wie ich mit Liebe und Hingabe von Hand). Die Kartoffeln auf langsamer Stufe schlagen und dabei langsam die warme Milch und den Zitronensaft zugießen, bis ein ziemlich lockeres Püree entstanden ist; dann das Olivenöl unterschlagen. Das Püree sollte sehr weich und cremig sein, ohne Klumpen.

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. Den Spargel mit Olivenöl bestreichen und salzen, pfeffern, sowie mit einer Prise Zucker würzen. Für ca. 10 Minuten im Ofen garen (geht aber wie Nigel vorschlägt auch sehr gut in der Pfanne).

Das Püree auf zwei Teller verteilen und den Spargel darauflegen. Spargel und Püree großzügig mit Olivenöl beträufeln und mit dem Zitronenabrieb garnieren.

Anmerkung m: Bei uns gab es dazu noch confierte Kirschtomaten auf der Kühlreserve - einfach, weil ich sie im Vorrat habe.../ Die Sommervariante ist mit den famosen Ofen-Zucchini und einer Erbsen-Zugabe fürs Pü. 

Quelle: Nigel Slater 
 

 ... der angekündigte Song um den Juni hier blogstandesgemäß einzuläuten, sowie eine Empfehlung obendrauf: Fees Glückstexte lohnen alle - aber ihre Gedanken dazu mag ich besonders...



Mittwoch, 30. Mai 2018

Ungestüm: Sonnenblumenbrot mit Chia und Bier


Selten, dass das Wetter für Gärtner so ist, wie man es sich wünscht. Meistens gibt es ein Zuviel des einen und ein Zuwenig des anderen. Und die Dosen, beziehungsweise die Perioden stimmen auch nicht. Wenn ich gerade aus dem Fenster schaue, dannn müßte die Natur eigentlich Schmatz-Geräusche machen vor lauter Saftigkeit. So grün und fruchtbar habe ich die Frühlinge in Südfrankreich noch selten erlebt. Diese wunderbaren Gewitterschauer immer wieder.

Kennt ihr eigentlich die Sage von dem Bauern, der stets unzufrieden mit dem Wetter ist und von Gott den Wunsch gewährt bekommt, ein Jahr selbst das Wetter machen zu dürfen? Nun, die Geschichte ist schnell zusammengefaßt: in schönstem Reigen wechselt er Sonne und Regen ab. Doch als es ans Ernten und Dreschen der Ähren geht, mußt der Bauer feststellen, dass alle Ähren taub sind. Er hatte beim Wettermachen den Wind vergessen.

Ich kenne die Geschichte sogar noch ein wenig anders, nämlich dass den Halmen bereits der Halt und die Stärke fehlt und ein Regenschauer alle platt und leer zu Boden drückte. Aber egal, so oder so, den Wind als Teil eines notwendigen Klimas für die Erde hätten wohl die meisten vergessen. Mit ihm verbindet man eher unangenehme Dinge oder auch eine Kraft, die man nicht kontrollieren kann: *Wer Wind sät, erntet Sturm*. Verhältnisse, die sich drehen können, unerwartete Veränderungen, Gegenwind. Oder gar ganze Charaktere, Typ Luftikus, Windbeutel, Windhund, jemand, der *sein Fähnchen mit dem Wind dreht*. Aber auch in Geschwindigkeit steckt der Wind, ebenso wie in überwinden. Der Wind beeinflußt viel mehr, als uns bewußt ist - siehe nur allein diesen Berg an Redensarten zum Thema Wind - etwas, das ich mir sehr gerne genauer anschauen, findet man in ihnen wie in Märchen alte Volksweisheit.

Tja, und ich habe Wind bekommen, dass Dietmar ein schönes Brotrezept veröffentlicht hat, mit einer Brotzutat, von der ich so begeistert bin wie von Dietmars Broten: Chia-Samen. Ganz im Stiel der Marie Antoinette könnte ich zum heutigen Brot sagen, wenn ihr kein Wasser zum Brotbacken habt, dann nehmt doch Bier. In Gigors sitzt man gar für beides an der Quelle. Unser Leitungswasser wird von der Bergquelle gespeist und die Gemeinde beheimatet zudem eine junge Brauerei (von wegen, die trinken in Frankreich nur Wein): Les Trois Becs - benannt nach dem markanten Berg, der uns auf der Terrasse direkt gegenüber steht. Ein kühles Helles (in diesem Fall eher ein angewärmtes) habe ich mit in das Brot von Dietmar fließen lassen. Ein so saftiges Brot wie gerade unser Garten und ich weiß jetzt bereits, welches Rezept von Dietmar als nächstes auf meine To-Do-Liste wandert.


Zutaten - 2 kleinere Kastenformen à 20cm Länge:

Dinkel-Vorteig:
130g Dinkel-Vollkornmehl 
130g Wasser
1-2g Hefe
Hefe zuerst im Wasser auflösen und anschließend mit dem Mehl ordentlich verrühren. Zugedeckt 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen.
 
Roggen-Sauerteig:
65g Roggen-Vollkornmehl
50g Wasser
6g Roggen-ASG
Anstellgut im Wasser auflösen und anschließend mit dem Vollkornmehl ordentlich verrühren. Zugedeckt neben dem Poolish 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen.
Quellstück:
300g Bier, ca. 50° (m: Blonde des trois Becs)
50g Chia-Samen
50g Sonnenblumen
15g Leinsaat
15g Dinkelflocken
Alles gut verrühren und bis zur Weiterverarbeitung im Kühlschrank lagern. 

Brotteig:
Sauerteig
Vorteig
Quellstück 
190g Dinkelmehl 630
170g Roggenmehl 997
65g Einkorn-Vollkornmehl
14g Salz
3g Hefe
120ml Wasser (etwas Wasser zurückbehalten, denn die Wasseraufnahme kann durch das Quellstück oder der Mehle etwas unterschiedlich ausfallen)


Zubereitung:


Alle Zutaten vom Hauptteig 8 Minuten langsam kneten. Anschließend wird der Teig so lange am schnellen Gang geknetet bis sich dieser vollständig von der Kesselwand löst. 

Anschließend in einer geölten Wanne 60 Minuten reifen lassen (nach 30 Minuten einmal falten).

Danach wird der Teig in 4 gleich große Stücke geteilt und zu runden Laiben geformt.

Nach dem Formen mit Wasser bestreichen und in einer Saatenmischung (Sesam/Leinsamen) wälzen. Danach in Kastenformen von 20cm Länge legen und auf die Gare stellen. 

Bei voller Gare mit kräftigen Schwaden bei 250°C in den Ofen schieben. Nach 10 Minuten Backzeit die Backtemperatur auf 200°C reduzieren.
Gesamtbackzeit der Brote ca. 50 Minuten (Schwaden erst gegen Ende der Backzeit ablassen).

*Anmerkung m: ich hatte die Brote mit etwas mehr Teig gebacken (Originalrezept von Dietmar x 0,725) - da hatte der Teig allerding etwas zu wenig Entfaltungsfreiheit - beim nächsten Mal dann so 


Sonntag, 27. Mai 2018

la simplicité: Karotten-Tarte


*Das lebendige Leben muß etwas unglaublich Einfaches sein. Und deshalb gehen wir an ihm vorüber, ohne es zu bemerken* sagt Dostojewski. Und das klingt doch sehr ähnlich wie das, was ich aus *Das tibetische Buch vom Leben und Sterben* rausgepickt habe: *Wenn wir die Natur des Geistes verwirklichen, so sagen die Meister, erweist sie sich als unerwartet gewöhnlich.* Spätestens bei dem Spruch *Keep it simple* nicken alle halb gelangweilt mit dem Kopf - kennt man, nix Neues, hat man schon mehrfach gehört.

Warum nur läßt sich das Einfache so schwer umsetzen? Eigentlich müßte es doch entlastend sein, mit weniger Schub nach vorne unterwegs zu sein. Einfach nur den Rückwärtsgang einlegen. Energie drosseln. Fertig. Schon angekommen in Simplicité.

Gäbe es da nicht den Energieerhaltungssatz, ein großes Phänomen unumstößlicher Wahrheit: Jede Energieform, jedes System ist auf Erhaltung aus, das heißt, die Hauptenergie jedes Systems fließt in den eigenen Systemerhalt. Darüber kann man ruhig mal tiefer grübeln. Gerade wenn man weiter denkt Richtung Beziehungsgeflechte aller Art. Wirklich SEHR spannend!

Und durchaus eine gute Erklärung, warum bei aller Veränderung, die Leben mit sich bringt, es dennoch Konnstanten gibt. Und dass Vereinfachung sich selbst bei Überlastung nicht wie von alleine einstellt, weil nun mal ein Energieverlust nicht toleriert wird. Ist doch faszinierend, oder? Andersherum gedreht: wenn jede Energieform sich automatisch erhält und sich dadurch stabilisiert, für was braucht es dann einen Willen?

Solche Gedanken kann ich mir wunderbar beim Kochen machen, wenn ich uns wieder eine neue Form von Tarte auf den Tisch bringe. Für mich wie eine Fingerübung: Immer wieder ähnlich, immer wieder ein bißchen anders. Bestimmt keine Weltneuheit, eher ein *Keep-it-simple-Gericht*. Aber eines, das so gut ist, dass es bei uns mindestens zwei Tartes pro Monat gibt. Ist ja nicht umsonst die Pizza der Franzosen...



Zubereitung - Tarteform 23cm/ ca. 3P:

Tarteteig:
100g Dinkelvollkorn-Mehl
120g Dinkel 1050
110g Butter, kalt
1 EL Quark
Salz 
1 1/2 TL Koriander, frisch geschrotet
20g Sesam
Chili-Flocken
etwas kaltes Wasser

450g Karotten*
2 junge Knoblauchstangen
5 Kumquats*
Butter
1-2 TL Rohrzucker
Salz, Pfeffer
1 TL Thymian
1 TL Kreuzkümmel
1 Ziegenfrischkäse (ca. 110g)
50g Crème fraiche
2 Eier
Deko: etwas schwarzer Sesam 

Zubereitung:

Die Butter in kleinen Flöckchen in das Mehl/ Salz/ Gewürze einarbeiten - dabei die Flöckchen zwischen den Fingern etwas verreiben - dann Quark und Wasser zufügen und zügig zu einem homogenen Teig verkneten. In Folie einwickeln und mindestens 1 Stunde kühl stellen.

Die Karotten sauber bürsten und in Ringe schneiden, die Kumquats von den Kernen befreien und klein schneiden, den Knoblauch ebenfalls kleiner schneiden. Alles zusammen inklusive Thymian mit einem Stich Butter und dem Kreuzkümmel sowie dem Zucker anschwitzen. Salzen, pfeffern, 1-2 EL Gemüsebrühe zufügen, Deckel auflegen und bei kleiner Hitze garen. Etwas abkühlen lassen und für die Verzierung ein paar Karottenringe zur Seite nehmen. Den Rest pürieren und nochmals abschmecken. Mit den Eiern, der Crème und dem Ziegenkäse vermengen.

Eine Tarteform vorbereiten, den Teig auswellen (m: mit einem etwas höheren Rand), den Boden mit einer Gabel mehrfach einstechen (wer mag stellt den Teig nochmals für 20min in die Tiefkühltruhe - verhindert das Hochkommen des Bodens während dem Backen - die anderen müssen sonst während dem Backen mit einer Gabel nochmals 2-3Mal mit einer Gabel dort vorsichtig einstechen, wo der Boden sich beginnt zu heben).

Die Füllung auf dem Tarteboden verteilen, glatt streichen, mit den Karottenscheibchen und schwarzem Sesam dekorieren.

Den Backofen auf 200° Umluft vorheizen und die Tarte ca. 20min backen, dann auf O/U-Hitze 190° umstellen und weitere 25min backen. Kurz ruhen lassen vor dem Anschneiden. Schmeckt warm und kalt.

*Anmerkung m: ich habe diese Tarte auch schon mit hälftig Kürbis gemacht (nur als Inspiration). Und die Kumquats kann man (wenn auch nicht ganz adequat) mit Orangenschalenabrieb und etwas Saft davon ersetzen.