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Sonntag, 19. August 2018

Oben ohne: Spaghetti mit Coeur de Boeuf-Tomatensauce


Mit der Freundin-Abreise komme ich wieder zum Bloggen und ich knüpfe direkt wieder an meine TV-Erlebnisse an. Im Ausland mag durchaus erstaunen, was mit den üppigen GEZ-Einnahmen an Bildungsauftrag umgesetzt wird. Oder sieht das jemand weniger mager? Bon, jedenfalls habe ich doch tatsächlich durch deutsches Fernsehen etwas dazu gelernt. Allerdings bei den Privaten und während einer Sendung, bei der ich beim Durchsnappen hängenbliebt: *Die Höhle der Löwen* (für die, die das Format nicht kennen sollten: vor einem vierköpfigen Tribunal *erfahrener Unternehmer* bemühen sich Erfinder um Förderung ihres Startups). Zu Monsieur Marschmeier vermeide ich einfach jeden Kommentar - ich übe mich ja in der französischen Coquetterie, die en général direkte Kritik vermeidet. Nun, jedenfalls weiß ich seither, was das betriebswirtschaftliche Wort *Marge* meint. GANZ wichtig, ja elementar in Umsatzfragen.

Die Marge legt den entscheidenden Grundstein, wie gut meine Firma einnehmen wird, beziehungsweise ob sich die Geschichte überhaupt rechnet. Die Marge benennt die Gewinnspanne zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis. Je billiger ich produziere und je teurer ich verkaufe - also je höher die Marge - umso bessere Zahlen schreibt mein Unternehmen.

Das fiel mir wieder ein, als die Pressemitteilung durch die Medien ging, dass Kylie Jenner zur jüngsten Selfmade-Millardärin nicht nur von Amerika sondern der Welt und aller Zeiten gekrönt wird. Und wie das? Mit einer Firma die sich Kylie Cosmetics nennt und hauptsächlich Lippenstifte verkauft.

Gut, dem Erfolg zuträglich waren auch die richtige Herkunft (jüngstes Mitglied einer amerikanischen Reality-TV-Familie), das moderne Vertriebssystem (Instagram), sowie die Zuneigung zu allem Künstlichen - prima erklärt hier in der SZ. Aber das Hauptgeschäft macht der Lippenstift. Mit meinem neu erworbenen Margen-Wissen frage ich mich jetzt natürlich: *Was bitte für einen überteuerten Mist schmieren sich hunderttausende von Frauen damit auf die Lippen?* Und: *Wie kann man so blutjung schon eine lebende Kunstfigur repräsentieren und dabei obendrein zum Schönheitsideal mutieren* Oder: *Soll der Übergang von traurig und hübsch gezielt verwischt werden?*

Die Yellow-Press versäumt ihre beinahe aufklärerische Aufgabe nicht, in dem sie sehr gerne Fotos von den Instagram-Accounts der Stars aufgreift, die die Berühmtheiten mit dem Hashtag *oben ohne* versehen hatten. Dadurch wird darauf hingewiesen, dass sie sich Make-up-frei ablichten ließen. Ich als Aussenstehende, Instanichtgrammerin und Unangemalte finde ja in den allermeisten Fällen, dass den Mädels der pure Look besser steht - so wie ich mir selbst  so ebenfalls besser gefalle, sonst würde ich ja zu Pinseln greifen.

Weiter knüpft sich eine Maurerlehrlingsgeschichte meines Habibs an, der gerne die Kollegen von einst zitiert, wenn ein sehr Fassaden betontes Exemplar an uns vorüber zieht: *Die gehört mal an den Haaren durchs kalte Wasser gezogen*. Was in keinster Weise eine frauenfeindliche Äußerung darstellen will, sondern lediglich die Neugier artikuliert, wie eben diese Frau #oben ohne (ungeschminkt) aussehen könnte - wenngleich etwas grob formuliert (Bau halt).

Viele Gerichte steht eine gewisse Natürlichkeit genauso gut zu Gesicht. Das war jetzt vermutlich ein groß gezogener Bogen, um hier rauszukommen. Nämlich bei einem der schlichtesten Essen überhaupt: Spaghetti und Tomatensauce. Jedoch in der de luxe-Variante - mit selbstgemachten Nudeln und einem Sugo aus Ochsenherzen-Tomaten, Knoblauch und Rosmarin. Keinerlei Firlefanz, ohne unnötiges Klimbim und turbo lecker! Quasi Spaghetti und Tomatensauce abgeschminkt...


Zutaten 2P:

Spaghetti:
110g Mehl (m: D1050)
90g Hartweizenmehl
2 Eier
Salz
1 EL Öl

Sauce:
500g Coeur de Boeuf-Tomaten
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
2 Zweige Rosmarin, fein gehackt
2 Lorbeerblätter
Olivenöl
eine Prise Zucker
Salz, Pfeffer
frisch gehobelter Parmesan
einge Oliven, grün/ schwarz

Zubereitung:

Auf den Zutaten für den Nudelteig mit Geduld und Sorgfalt einen geschmeidigen Teig kneten, in Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kalt stellen. Mit der Nudelmaschine bis Stufe 5 von 7 auswellen, dazwischen gut bemehlen und zuletzt zu Spaghetti schneiden. In Nestern auf ein Küchentuch ausbreiten und mit einem weiteren Tuch abdecken und so vor dem Austrocknen schützen.

TIPP: Beim Auswellen und Ausbreiten der Nudeln mit Hartweizenmehl arbeiten: das Verhindert das Zusammenkleben - auch später beim Kochen!

Die Tomaten kurz in kochendes Wasser legen, häuten und in kleine Würfel schneiden. Den fein gehackten Knoblauch kurz in etwas Olivenöl anschwitzen, die Tomaten zufügen, ebenfalls die Gewürze und etwa so lange erhitzen, dass die Tomatensauce etwa 5min köchelt. Die Lorbeerblätter entfernen.

Die Spaghetti in reichlich Salzwasser kürzer als al dente garen, gut abschütten und weitere 2min in der Sauce köcheln lassen. Die Spaghetti auf zwei Teller verteilen und diese zum Garnieren mit Harissa-Öl, Parmesan und einigen Oliven garnieren.






Montag, 13. August 2018

12 von 12 - August 2018


1. Es ist spät geworden - fange ich gleich von hinten und mit der Rechtfertigung an, warum meine 12er erst am 13. August erscheinen. Jeden Sonntag findet hier in der Gegend ein *Guingette* statt - etwas, das man mehr schlecht als recht mit Ausflugslokal übersetzen könnte. Es beginnt nachmittags mit einem Spektakel für Kinder und der Abend klingt aus mit einer Band und geschwungenem Tanzbein. Eine ausgesprochen fröhliche, erheiternde Veranstaltung - wieder ein Mal für Jung und Alt... schließlich machen die Fränzis - wie ich gerne sage - Kinder wie die Katzen. Zumindest auf der campagne - es ist bekannt: wir haben hier ja sonst nix...


2. Begonnen hat der Tag als frischer Sommermorgen. Nach dem Gewitter, das in der Ardèche mit deutlich mehr Krawumms runter ging als bei uns (wenngleich auch in einem Nachbarort ein Mini-Tornado Verwüstungen anrichtete) strahlt alles wieder wie blankgeputzt.


3. Endlich ist Gartenarbeit wieder möglich. Das habe ich ausführlich - wenngleich auch noch nicht ausreichend - getan. Sonntag lassen wir heute Sonntag sein. Ich gehe lediglich Tomaten und Auberginen aus dem Treibhaus ernten, solange es noch so angenehm kühl ist.


4. Wir lassen es entspannt angehen - mit auswärtigem Café. So wie Madame. Diese ist hier nicht am Singen von einem Notenblatt, wie man annehmen könnte, es ist der Ausläufer eines Morgengähners. Hektik findet anderswo statt...


5. Der Morgen-Café wird in diesem Jahr sehr oft in Spatzenbegleitung getrunken. Wir teilen brüderlich unsere Croissants. Wie bei Frau Kaltmamsell und Monsieur Buddenbohm scheint es europaweit (?) mit der Spatzenpopulation wieder aufwärts zu gehen. Bitte schön, die (sehr) gute Nachricht zum Sonntag nachgereicht...


6. Bemerkenswert, wie sehr wirklich alle ganz entzückt darauf reagieren, wenn Spatzen um sie herumhüpfen. Es wird zugezwitschert und entgegengesäuselt. Ein Lächeln entlocken sie immer. Spatzen scheinen echte Stimmungskanonen zu sein. Hunde allerdings zeigen sich entschieden unbeeindruckt...


7. Und ein allerletztes Spatzenbild, weil sich am Sonntag zum ersten Mal ein Spatz von Hand von mir füttern ließ. Er flatterte vom Boden hoch und holte sich sein Stück Croissant aus den Fingern ab. Drei Mal! *Ohhh*, rief ich völlig hingerissen, *ein Dressur-Spatz*!


8. Auf der Rückfahrt - pittoresk, das kann die Drôme!


9. Gegessen wurde natürlich auch. Das Porridge verlinke ich nun definitiv nicht mehr - ich langweile mich ja selbst. Mittags gabs Zaalouk - die Idee mit den geschälten, in Scheiben geschnittenen Auberginen, die im Ofen geröstet werden, wende ich nun öfters an. Super Idee! Abgeschmeckt wurde bei uns mit Granatapfel-Sirup. Allein für diesen Einkauf lohnt sich eine Iran-Reise!


10. Ich buk noch einen Kuchen: Haselnuss-Tonka-Tarte mit Aprikosen und Mirabellen - wird vermutlich verbloggt - um eine Freundin standesgemäß begrüßen zu können. Leider zog sich die Warterei etwas. Sie kam mit Verspätung. Aber besser spät als nie... Und dann fuhren wir auch schon los.... Richtung Ausflugslokal.


11. Neben vielen bunten Lichterketten, Essensständen wie Pommes oder einem Foodtruck (schon erstaunlich, wie sehr diese Foodtruck-Geschichte eine weltweite Bewegung wurde, oder?) gibt es viele kleine Angebote für Kinder (Basteln, Schminken, Spiele)


12. Das Miteinander ist alleine deshalb so angenehm, weil das Gelände großzügig und weitläufig ist. So läßt sich prima miteinander festeln... Unter vielen Sternschnuppen dank dem Durchströmen der Perseiden!

... mehr 12er wie stets und monatlich bei Mme Kännchen!

Donnerstag, 9. August 2018

10 Punkte: Panzanella


Mit Einzug des Fernsehers guckte ich eine Weile sehr gerne *Das perfekte Dinner*. Ich fand es spannend, Hobbyköchen in ihrer eigenen Küche auf die Finger zu sehen, wie sie für Fremde ein Menu zusammenstellen.

Mit der Zeit nutzt sich die Sendung etwas ab, mehr allerdings schreckte mich das häufige Gebaren der Teilnehmer. *Ihhhh* dachte ich schon oft und es schüttelte mich vor Fremdschämerei wie sich an dem Wort *perfekt* abgearbeitet wird. *Es fehlte eine Prise Salz* oder *Das Essen wurde nicht ganz warm auf den Teller gebracht* oder *Rote Bete esse ich einfach nicht so gerne* - DIESE Art von Verhalten. Tja, der Maßstab ist nun mal *p-e-r-f-e-k-t*!

Ungeachtet bleibt in dem Moment die Qualität der Produkte, die Mühe und der Aufwand, den sich ein Gastgeber macht, die Kreativität der verschiedenen Gänge, die Stimmung am Tisch. Nein, das alles fällt dann bedeutend weniger in die Waagschale bei der Bewertung, für die dann *liebgemeinte 7 Punkte* gezückt werden wegen... eben. Wobei ich bei dem *liebgemeint* schon einen Würgereflex unterdrücken muß, weil dieses Wort bereits vorausschickt, dass unverhältnismäßig Punkte (leider - und man verzieht dabei bedauernd das Gesicht) abgezogen werden müssen, um seine eigenen Gewinnchancen nicht zu gefährden (das wird - bien sûr - verschluckt).

Ich bin ja mal angeschrieben worden, ob ich Lust hätte, beim Perfekten Dinner mitzumachen. Hätte ich nicht schon so viele Folgen gesehen, hätte ich vielleicht zugesagt. Aber warum soll ich mich in die Küche stellen für Menschen, die nachher nur danach suchen, wo und wie sie meine Teller runterputzen können. Naja, es sind ja nie ALLE so, aber wer die Serie kennt, weiß, dass die anderen in der Minderheit sind. Nun, und umschreibe ich es so: die Type, die die Kamera braucht, um so richtig aus sich raus zu gehen, bin ich auch nicht...

Bon, worauf ich eigentlich hinaus will, ist dieser Brotsalat. Den nahm ich mit aus einer Runde von Deutsch-Italienern. *Mama*, meinte die kleine Tochter der Gastgeberin, *hebst du mir etwas vom Brotsalat auf?* Und die Gäste nachher alle so: *Also der Brotsalat - an dem hätte ich mich satt essen können*. Unisono! Klar, den musste ich dann unbedingt ausprobieren. Gefallen hat mir, dass das Brot im Ofen geröstet wird und zwar zusammen mit etwas Fenchelsaat. Ändern würde ich nur, dass ich den gewürfelten Knofi erst kurz vor Schluß untermischen würde - der wird nämlich sonst zu dunkel, während das Brot noch Röstaromen vertragen kann. Ist der nun perfekt? Bitte - an euch, Punkte zu verteilen...

Mit diesem Rezept spiele ich mal wieder bei Zorra mit, wo gerade Christine von Anna Antonia für den Blog-Event CXLIV – altbacken {Resteküche für altes Brot} Rezeptideen sammelt. Zorra selbst hat bereits einen Brotsalat vorgestellt - aber davon kann man eigentlich nie genügend Vorschläge haben - hier übrigens ein Salat, der in die ähnliche Richtung geht...


Zutaten:

1/2 Baguette
(m: Hälfte Altbrot vom Vortag/ frisches Baguette aus der Bäckerei,
die gerade den ersten Preis machte für das beste Baguette der Drôme)
15 Cocktail-Tomaten
1 Bund Frühlingszwiebeln
1 EL Fenchelkerne
(m: grob geschrotet)
3 Knoblauchzehen
8 EL Olivenöl
2 EL Essig (m: Cidre-Essig)
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Das Baguette in Würfel schneiden und vermengen mit Olivenöl, Fenchelkerne und Knofi (m: besser Knoblauch erst später - kurz vor Ende der Röstzeit untermischen). Im Backofen bei 250° rösten bis das Baguette eine schöne, goldbraune Farbe hat.

Die Cocktailtomaten halbieren, die Frühlingszwiebeln in Röllchen schneiden und alles miteinander vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Anmerkung m: Kleinigkeiten habe ich - wie ihr rauslesen könnt - verändert. Die Geschichte mit dem Knoblauch, ebenfalls das Mischen mit Altbrot sowie das Schroten der Fenchelsaat - ganze Fenchelkörner konnte ich mir einfach nicht richtig im Salat vorstellen. Aber vielleicht sollte ich das mal ausprobieren...)

Quelle: Vox - Eva


Montag, 6. August 2018

Was schön war #4: Om


Ganz für mich alleine stehe ich mit den Füßen im klaren Wasser. *Ohhhhmmmm* rufe ich und meine Lippen vibrieren leicht elektrisiert aufeinander. *Ohhhhmmm* rufe ich ein zweites Mal und ich höre wie das *Ohhh* tief und rund meiner Brust entsteigt. *Ohmmmm*  rufe ich ein drittes Mal und  die Gervanne gluckert und gluckst und übergurgelt alle Geräusche. Ich merke wie ich innerlich lächle ohne dass sich mein Gesicht dazu bewegt. Alles ist im Einklang. Alles ist gut. 

Oha, jetzt kippt sie esoterisch vorneüber, sorgt ihr euch. Aber ich bin noch nicht fertig. Denn drei Minuten nach meinem Om-Trompeten tauchen drei Rehe auf um am Bach zu trinken. Micha, die Rehflüsterin! Tssss, höre ich mein imaginäres Publikum machen und die Augen verdrehen. In einem Film wäre diese Szene eindeutig drüber, weil zu sehr auf die Eins: Jahaaa, wir habens ja kapiert. So wie Maximilian bereits über die Überzogenheit der Realität stoplerte - aber die scheut sich nun mal überhaupt nicht, plakativ zu sein.

Und ich erzähle meine kleine *Was schön war*- Geschichte nicht, um mich zur hellsten Leuchtboje am Firmament zu machen, nein, sondern weil ich in dem Augenblick gestaunt habe. Mehr über mich als über die Rehe. Denn ich kenne den Weg bis dahin höchstpersönlich. Hätte mir DEN Moment jemand mal vorher gesagt. Damals als gar nichts gut war. Damals als junge Frau mit eckigen Bewegungen, und der Neigung, schnell und leicht 180° im Schatten anzuzeigen, einem Mund, der begann schräg zu stehen, manchmal zitternd ängstlich und besorgt, zutiefst verunsichert, unausgefüllt, mit einem entschiedenem Hang zum Betäuben und einen Wimpernschlag davon entfernt, freiwillig aus dem Leben zu gehen... Das glatte Gegenteil von Ommm...

Wie sehr Leben umschlagen kann. Und zwar nicht immernur zum Nochschlechteren sondern auch zum Guten. Meine große Erkenntnis: nirgendwo liegen Fluch und Segen so nahe beeinander wie in einer Beziehung - in ihr liegen verborgen Gesundwerdung oder Krankheit, Heimat oder Gefängnis. Der Habib ist (m)eine Himmelsgabe. *Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand und wie wäre der möglich ohne Liebe* sagt mein Goethe. Für mich beinhaltet diese Aussage auch die Verbindung nach drüben - aus freien Stücken.

Eines weiß ich heute ebenfalls: dieses so hart errungene Selbstwertgefühl, welches nur nach innen zeigt und nicht mehr abhängig ist von außen, dieses Vertrauen in mich selbst, das werde ich mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, zu verteigen wissen: mit der Gerissenheit eines Schakals und der Verschlagenheit einer Hyäne, mit der Durchtriebenheit eines Koyoten und der Arglist eines Krokodils, mit dem Mut eines Bären und der Angriffslust eines Nilpferdes, mit der Aufmerksamkeit einer Antilope und der Entschlossenheit eines brünstigen Hirsches... iss klar, was gemeint ist. Das lasse ich mir nicht mehr wegnehmen - das ist mein von nun an sorgsam gehütetes Leben, mein Tresor. Darüber werde ich auch nicht mehr reden: es soll nur all jenen Mut machen, denen wie mir einst das Om im Hals stecken blieb...




an meiner geheimen Badestelle am Biberdamm

Samstag, 4. August 2018

Sommerzenit: gekeimter Linsensalat


Wenn die Sonnenblumenfelder die Landschaft in warmes Gelb tauchen, dann ist für mich der Höhepunkt des Sommers erreicht. Sonnenblumen - die Krönung der wärmsten Jahreszeit. Jetzt schon, einige Tage nachdem ich die Fotos gemacht habe, lassen ob der anhaltenden großen Hitze und Dürre die Sonnenblumen ihre Köpfe bereits hängen und die gelben Blätter kräuseln sich um den braunen Blütenstand wie die schütteren Haare um den Kopf eines Greises. So schnell geht es diesen Sommer... Es war eine kurze Pracht, ein kurzes Zenit-Plateau.

Noch verharren wir während der größten Hitze hinter heruntergelassenen Rolläden und geschlossenen Türen, während die Touristen an den Flüssen Linderung suchen. Alles geht langsamer, ruhiger, gemächlicher zu. Alle hoffen, dass sich das Jahr nun wieder gen Herbst dreht... schon allein der Natur und dem Garten zuliebe. Essen mag man mittags nicht viel. Und kochen auch nicht.
Linsensalate finden sich auf dem Blog einige, wie dieser mit Feigen oder jener mit Ras el Hanout. Wer mit dem gekeimten Linsensalat auf gleicher Höhe mithalten kann, ist definitiv dieser Linsensalat mit Avocado und Mango - den habe ich ebenfalls sehr geliebt. Ansonsten sollte man sich die gekeimte Linse im Salat merken. Gekochte Linsen neigen zu einer gewissen Trockenheit (etwas, das man gerade nicht noch zusätzlich brauchen kann) und dazu, die Gewürze nur so zu inhalieren. Die gekeimten Linsen hingegen sind frisch und knackig und von nussigem Geschmack - richtig köstlich also. Dicke Empfehlung - wirklich einer der besten Linsensalate, wenn nicht sogar der beste (den anderen mit Avocado und Mango muß ich nun zuerst nochmals mit gekeimten Linsen zubereiten...)


Zutaten 4P:

250g gekeimte Linsen
2 Schalotten (m: Frühlingszwiebeln)
100g getrocknete Tomaten
125g Stangensellerie (m: etwas mehr)
6 EL Olivenöl
2 EL Apfelessig
1 EL Agavendicksaft (m: weggelassen)
Salz
(m: Pfeffer/ Chili-Pulver)
2 TL getrockneter Basilikum (m: weggelassen)
(m: 1/2 Bund Schnittlauch)

Zubereitung:

Linsen zuerst keimen lassen: 12 Stunden wässern, dann etwa 3-4 Tage keimen lassen - dabei ständig mit Wasser spülen (m: in der Hitze keimten die Linsen sehr schnell: bereits an Tag 2 waren sie gut ausgetrieben).

Frühlingszwiebeln (das Weiße davon) fein würfeln, Tomaten in dünne Streifen schneiden. Den Stangensellerie ebenfalls in dünne Stücke schneiden und unter die Linsen mischen.

Aus Öl, Apfelessig und Agavendicksaft eine Vinaigrette mischen, mit Salz abschmecken (m: würzen) und mit den restlichen Zutaten vermengen. Den Salat marinieren lassen - am besten für mehrere Stunden (m: über Nacht). Vor dem Servieren das Grün der Frühlingszwiebeln sowie den Schnittlauch in Röllchen schneiden und unter den Salat geben.

Quelle:  *Was dein Herz begehrt* von Ute Ludwig und Achim Sauerberg aka *Nordisch Roh*





Montag, 30. Juli 2018

sonnige Rouladen = Sommerrollen


Je älter meine Großmütter geworden sind, um so mehr einte sie eine Beschäftigung: in dem Ortsblättchen ihres jeweiligen Heimatdorfes, in dem sie beide von Kindheit an lebten, studierten sie mit größtem Interesse die Todesanzeigen. Mit wem zusammen war man nach wie vor am Start und wer überlebt wen - schien mir damals einigermaßen skurril...

So den ersten Hauch von Vorstellung, wie sich das anfühlen könnte, bekomme ich nun in meinem achten Bloggerjahr... Immer deutlicher wird mir, dass von meiner ursprünglichen Foodblog-Gang, mit der ich mal zusammen angetreten bin, kaum noch jemand bloggt. Lediglich eine kleine handvoll davon ist übrig geblieben. Was bin ich froh, dass meine Säulenfiguren Petra und Robert wenigstens fest stehen - ohne die ginge mir wohl die Orientierung in Foodistan verloren! Ansonsten kann ich gerade zusehen, wie mein Foodie-Hausen an schleichender Abwanderung leidet, ausdünnt, aufgibt, aufhört und ein kärglicher Rest das Rad von heimischen Online-Rezepten versucht weiterzudrehen. Mein Blogroll besteht hauptsächlich aus Foodblogs, die nicht mehr aktiv sind. Wenn das nicht nostalgisch macht...

Klar, nachgewachsen sind genügend andere. Vielleicht sollte ich nicht so fremdeln. Hierzu passt hervorragend dieser Artikel zur Einwanderung, der mit viel positiver Energie aufzeigt, dass nun die Chance besteht, Deutschland, pfffhhh... Europa ganz neu zu denken. Alles auf Neustart - man muß nur mit der Zeit gehen...

Fürs Bloggen bedeutet das für mich, dass ich mich wohl wieder öffnen sollte für neue Foodblogs - auch wenn ich meine alten Homies vermisse.... Habt ihr Ideen und Vorschläge, wem ich mehr auf den Teller schauen sollte? Mein Klausel ist: so wenig Werbung wie nur möglich - dafür lese ich nunmal keine Blogs, meine Zeit möchte ich mit anderen Inhalten und Anregungen füllen...

Weiterhin gilt für mich (Gruppe hin oder her): Social Media ist nicht mein Kontent. Die müssen dort ohne mich klarkommen. Aber ich spiele mit einer Veränderung (nach der Datenreform). Ich überlege nämlich, die Kommentarfunktion abzuschalten. Zum einen wäre ich damit rechtlich auf der sicheren Seite - ich hab's satt, mich für derlei technischen Firlefanz um die Hilfe anderer zu mühen, die mir bei der Umgestaltung helfen müssten (jaja: jedem seine Demütigung). Zum anderen nimmt die Kommentarlust sowieso exponentiell ab... Tja, und grundeigentlich kann man mich ja weiterhin über Mail  (salzkorn@email.de) erreichen für alle Korrekturen, Nachfragen, Anregungen, für jedes von mir so geschätzte Feedback und bereichernde Weiterdenken meiner Gedanken. Auch zu diesem Thema hätte ich gerne eure Meinung: was sagt ihr?

Passend zu der Dauerhitze gibt es ein weiteres schönes Sommeressen. Ich aß die Salatrollen, die in Reispapier eingewickelt sind, zum ersten Mal in Kambodscha. Und gar nicht viel später fand ich allerortens Rezepte dazu. Meine Variante ließ sich sehr von les Gourmandises vegetariennes inspirieren - seit jeher ein Blog mit vielen tollen Rezept-Ideen... auch wenn sich Melissa ebenfalls sehr rar macht.


Zutaten 2P:

6 runde Blätter Reispapier
6 (kleine) Blätter Blattsalat 

plus etwas Salat in Streifen
Koriander
Gurke, in Stiften
Karotte, in dünnen Stiften

(m: Karotten in allen Farben)
Kohlrabi, in dünnen Stiften
Avocado, in Streifen
Thai-Basilikum

weitere Möglichkeiten:


50g Glasnudeln, nach Packungsangabe zubereitet und abgeschreckt 
ca. 150g Tofu (hier: bereits marinierter)
kurz gedünstetes oder gebratenes Gemüse
wie Brokkoli, Zucchini, Paprika
Sprossen aller Art
Mango, in Stiften
Chinakohl/ Weikohl/
Rotkohl in Streifen - mit etwas Salz weichgeknetet
Frühlingszwiebeln
Minze


Zubereitung:

Zuerst all die Rohkost als mise en place richten. Dann das Reispapier kurz rundherum in lauwarmes Wasser tauchen (auch wenn es sich noch nicht richtig weich anfühlt, reicht es das Papier in 2 Umdrehungen zu befeuchten). Dann idealerweise das Reispapier glatt auf ein Holzbrett auslegen. (ganz mit Melissa: das Brett saugt noch etwas Flüssigkeit auf und verhindert so, dass das Papier zu weich und damit rissig wird.)

Belegt wird lediglich die untere Hälfte - dabei die Ränder frei lassen. Melissa verlinkte für die Technik dieses Video (durchaus hilfreich für all jene, die zum ersten Mal wickeln). Ich habe als verstärkende Unterlage mit einem Stück Salatblatt begonnen - zur Zierde bereits darunter etwas Koriander oder Borretschblüten. Dann all die klein geschnittenen Rohkost darauf setzen und dabei achten, die Rolle nicht zu überfüllen. Das Reisblatt samt Füllung eng bis zur Mitte wickeln, dann beide Seiten zur Mitte einschlagen und fertig rollen.


Sauce:

2 EL Sojasauce (m: Tamari)
2 EL Wasser
2 TL Limettensaft
1 TL Wasabi
1 Zehe Knoblauch, fein gehackt


Quelle: Melissa aka les gourmandises vegetariennes




Europas einziger ursprünglicher Wildwasserfluß: la Drôme

Donnerstag, 26. Juli 2018

WG-Eis... oder so


Hätte ich ein Kind haben wollen, dann hätte ich mir alle Daumen gedrückt, dass mir ein solches wie der Sohn von Ute und Achim zugeteilt wird. Eines, das mit roten Backen zuhört, wenn etwas erklärt wird oder sich mit großer Begeisterung auf die Vogelwelt stürzt und Fragen über Fragen hat... Ich bin eindeutig verknallt.

In Beschäftigung mit ihrem Buch habe ich mich quer auf dem Insta-Kanal von *Nordisch Roh* durchgeklickt - etwas was ich äußerst selten mache (bekanntermaßen bin ich auf den Social-Media-Kanälen nicht aktiv). Das konnte meine Faszination für das Leben der beiden als Kleinfamilie nur verstärken. Gerade erst gaben sie ihre wunderhübsche Dorfschule auf, um sich ins Abenteuer Leben zu stürzen auf der Suche nach gemeinschaftlichem Leben mit anderen. Mir wurde dabei bewußt, dass ich als Kinderlose mit dem Thema *Zukunft* anders umgehe. Mit Kindern streckt man seine Fühler zu einer weiterreichenden Horizontlinie, sucht Perspektiven ganz anderer Art. Nicht alle, bien sûr, aber manche...

Der Habib und ich haben uns friedlich, natürlich und zurückgezogen eingerichtet und solange wir zwei miteinander so gut sind, gibt es keinerlei Gründe, irgendetwas ändern zu wollen... bis ans Ende unserer Tage quasi. Obwohl wir durchaus - und zwar bishin zu sehr konkreten Überlegungen - den Gedanken durchgespielt hatten, eine Lebensgemeinschaft zu gründen.

Wie schnell man an den Rande einer Gesellschaft gedrückt wird, ist mir klar geworden, seit ich keinen Alkohol mehr trinke - wohl bemerkt weder aus Gründen der AA, einer Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme sondern rein aus der konsequenten Entscheidung heraus, ohne Rauschmittel durchs Jetzt und Hier tingeln zu wollen (den Artikel dazu schiebe ich schon so lange - zu gut weiß ich, dass ich mir damit genau zero Sympathiepunkte einfange...). Hinzu kommt unsere Hinwendung zur Homöopathie, die mit einer eigenen Art des Denkens einher geht - aber deshalb noch lange nicht zu einem Schulterschluß mit anderen Homöopathen führt, denn darunter gibt es (leider) entschieden zu viel Scharlatanarie, Halbwissen und Wichtigtuer! Und dann kommt noch unser unübersehbarer Altersunterschied und unsere vielen Auslandsaufenthalte. Bißchen viel *unkonventionell* was wir anderen zumuten... iss klar.

Fakt ist, dass wir mittlerweile unser ganz eigenes Modell von Lebensvorstellung verwirklichen konnten,  was ich für einen großen Segen halte. *Distanz schafft klare Gedanken* heißt es und ich möchte behaupten, die haben wir sowohl zu Gesellschaft, Kultur und dem Zeitgeist. Selbstgewählt und eben als Außenseiter. Dabei wird Systemkritik leichter und scheint gar notwendig. Kapitalismus, Materialismus und Stress sind (für mich) keine guten Ingredienzien für ein anständiges Leben. Das aber gibt der Mainstream so vor. Im übrigen - das wollte ich schon immer mal loswerden - gibt es überall Spinner, Extremos und Orthodoxe - themen-, alter-, herkunftsunabhängig. Aber finden sich die meisten Radikalen nicht gerade in der Mitte des Mainstreams, weil sie sich im ganz großen Maßstab bestätigt fühlen? Eine Randgruppe braucht vorneweg Toleranz - die weiß, dass sie nur eine Minderheit ausmacht...

Nun, wir sind weiterhin überzeugt, dass eine Lebensgemeinschaft eine gute Möglichkeit ist, nach selbstgewählten Werten zu leben. Und vielleicht wird eine solche Nische sogar die einzige Alternative, sich in Zukunft den Vorgaben der Masse entgegen zu stellen. Ein Verbund mit anderen bringt viele Vorteile mit sich, von denen man als Einzelkämpfer nur träumen kann. Allerdings bleibt es eine große Herausforderung - und das meine ich nicht nur mit meinen Jahren WG-Erfahrung im Nacken. Es braucht eine Vision und die richtigen Menschen dafür... Ute und Achim haben viel in die Waagschale geworfen und ich wünsche ihnen nicht nur das Beste - ich bin sehr gespannt, wie ihr Weg weitergeht. Vielleicht begegnen wir uns ja mal...

Und nun noch ein paar Zeilen zum Rezept - obwohl man dem Eis ja bereits ansieht, dass es super schmeckt. Ich habe hierfür zwei Rezepte zusammengesetzt: *das Vanille-Eis* und *das Erdbeer-Vanille-Eis am Stiel*. Den Mixer habe ich nach Zubereitung für das Vanille-Eis genauso ausgeschleckt wie die Kinder auf dem kürzlich verlinkten Bild. *Probier' mal*, bin ich damit (brav teilend) zum Habib, *schmeckt das nicht köstlich?!*



Zutaten - 8 Eis à ca. 80ml Füllmenge (zwei 4er Eis-am-Stiel-Formen):

2 kleine, reife Bananen*
(ca. 250g mit Schale)
200g Aprikosen
200g Erdbeeren
200g Cashew-Kerne, 2 Stunden eingeweicht*
30g Ahornsirup
(plus 1 EL)
Vanille-Pulver
(m: noch aus Madagaskar)

Zubereitung:

Die Cashew mit der Vanille und 30g Ahornsirup pürieren. Früchte vorbereiten (entstrunken, entsteinen). Je kleingeschnittenen Erdbeeren und kleingeschnittene Aprikosen mit jeweils 2 TL von dem Cashew-Mus pürieren. Die Aprikosen brauchten bei mir noch etwas Süße - ihnen fügte ich den Eßlöffel plus Ahornsirup zu). Den Rest des Cashew-Muses mit der Banane pürieren (m: ich habe mit dem Pürieren der Banane begonnen, damit mir die anderen Fruchtmuse nicht *verfärben*). Dann abwechselnd in die Eis-Form schichten und in der Tiefkühltruhe gefrieren lassen.

*Anmerkung m: Man kann die Bananen dafür auch einfrieren - dann geht es mit der Eisherstellung schneller; so braucht es dafür allerdings einen Hochleistungsmixer (den ich ja - noch - nicht habe).

Zum Umgang mit Nüssen gibt es ein eigenes Kapitel in dem Buch - die müssen bei einem so gesteigerten Verzehr wie in der Rohkosternährung nämlich stets eingeweicht und wieder zurückgetrocknet werden: um Phytinsäure abzubauen - näheres dazu s. *Rohkostlady*.

Quelle: *Was dein Herz begehrt* von Ute Ludwig und Achim Sauerberg aka *Nordisch Roh*


Dienstag, 24. Juli 2018

Grundsätzlich: Rote Bete Gazpacho


Eigentlich muß man es doch faszinierend finden - so von außen betrachtet - dass einem menschlichen Körper die Zufuhr von Rohkost ausreicht, um die Maschinerie in Bewegung zu halten.

Derlei Probleme wie Menschen, die zuviel verarbeitetes Fleisch zu sich nehmen, sollten die Rohköstler schon mal definitiv nicht haben (und gerade das dabei hervorgehobende Problem des menschlichen Körpers mit Nitrat ist zeitgleich auch ein Problem des Grundwassers... ich wollte es nur angemerkt haben).

Mir fällt ja direkt als prominentes Beispiel Nena ein, die bekennende Rohköstlerin ist. Und die sieht lässig hundert Jahre jünger aus als sämtliche ihrer Altersgenossinnen. Bon, glatt übertrieben, ich gebs ja zu. So wie es eben auch viele für übertrieben halten, nur um dem Faltenwurf der Haut zu trotzen, lediglich noch eine handvoll Nahrungsmittel zu essen. Älter werden trotzdem alle - so oder so. Die Frage bleibt das Wie.

Mir leuchtet es durchaus ein, dass so weit als möglich frische, unverarbeitete und pflanzliche Nährstoffe zu sich zu nehmen, der Gesundheit nicht abträglich sein können. Für den Gedanken muß wohl kaum jemand tiefer in sich gehen und meditieren. Das liegt auf der Hand. Bücher, wie das von Dr. Bruker versuchen aufzuzeigen, wie sehr unser Essen unser Leben bestimmt. Es gibt sogar Untersuchungen, die soweit gehen wollen, dass eine bestimmte Ernährung im Krankheitsfall durchaus als (begleitende) Therapie funktionieren kann - wie beispielsweise das Buch *Krebszellen mögen keine Himbeeren*.

Das uralte Sprichwort *Du bist, was du ißt* klingt in meinen Ohren bei Rohkost in besonders hellen Tönen. Wir sind uns bestimmt einig, dass dieser Satz nicht nur auf Äußerlichkeiten abzielt. Schon allein beim Kauen wird eine Substanz in ihre größtmöglichen Einzelteile zerlegt. Dabei vergrößert sich die Oberfläche - ein äußerst spannendes Phänomen, das Prinzip der Oberflächenvergrößerung, auf welches übrigens auch die Homöopathie zurückgreift. Mit der Vergrößerung  der Oberfläche verstärkt sich gleichzeitig die Wirkung. Aus homöopathischer Sicht kann man dieses Sprichwort also nur unterstreichen.

Bref, nur weil ich mal einen Smoothie getrunken habe, maße ich mir - logo - nicht an, eine echten Ratschluß zur Rohkosternährung fällen zu können. Dafür fehlt mir schlicht die Erfahrung.  Aber ich bin angefixt. Ich habe mir fest vorgenommen, mal im Selbstversuch 10 Tage roh-vegan zu essen. Mal schauen, was für Eindrücke mir das bringt...

Zur Gazpacho, dem ersten Rezept aus *Was dein Herz begehrt*, muß ich bestimmt nicht viel mehr zu sagen: ein schönes, frisches Sommeressen, dass gerade wenn es so heiß ist wie zur Zeit in jeder Hinsicht befriedigt: schnell auf dem Tisch gebracht, ohne schwer im Magen zu liegen samt dem Gefühl, genug Energie für einen Sonnentag zu haben....


Zutaten 2P:

300g Tomaten
1/2 Paprika (m: rot)
1/2 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe (m: zwei)
1 mittelgroße Rote Bete
2 EL Olivenöl
1 Avocado
1 handvoll Pekannüsse (m: Pinienkerne), gehackt

Zubereitung:

Alle Zutaten in einen Mixer geben und zu einer homogenen, cremigen Masse verarbeiten. Auf zwei Schüsseln verteilen und nach Geschmack verzieren. (m: mit Salz und Pfeffer sowie etwas Chili abgeschmeckt) 

Quelle: *Was dein Herz begehrt* von Ute Ludwig und Achim Sauerberg aka *Nordisch Roh*

einer meiner liebsten Gartenblumen: la rose trémière/ die Stockmalve

Montag, 23. Juli 2018

Was dein Herz begehrt [Rezension]


Angefangen hatte alles damit, dass ich dicke Arme machen wollte. Ich wollte schon was raushauen, wenn ich auftischte. Gut, auch traditionelle und typische französische Gerichte wollte ich kochen können, aber vorneweg wollte ich angeben. Und damit auch dem Klischee gerecht werden, wenn andere sagen: *Die kann gut kochen*.

Nach und nach kam das Umdenken (eben ganz mit Milan  Kundera) und die Umsetzung dazu. *Il faut reculer pour mieux sauter* (Man muß zurücktreten, um besser springen zu können). So habe ich nach und nach begonnen an unserer Ernährung zu feilen. Weniger ist mehr: weniger Fleisch, weniger Milchprodukte, weniger weißes Mehl, weniger Zucker... Süßes etwa gibt es immer noch relativ viel bei uns - zumindest verwende ich Rohrzucker - aber der Weg ist das Ziel. Prinzipiell bin ich mit unserer vegetarischen Ernährung mit Hang zur Vollwertküche zufrieden, denn es fühlt sich wohlig an. Nur in Punkto *Rohkost* möchte ich mich noch deutlich mehr strecken. Ein Vorsatz, der in die Tat umgesetzt werden will! Mehr Obst und Gemüse gehen schließlich immer!

Hier kommt Utes und Achims Buch *Was dein Herz begehrt* ins Spiel. Ihren Blog *Nordisch Roh* verfolge ich schon eine Weile und bin fasziniert von ihrer Lebensführung (dazu komme ich noch). *Was dein Herz begehrt* ist also das Buch zum Blog.



Um es gleich vorweg zu schieben: die Rezepte sind Genuß pur! Der Linsensalat, den ich daraus nachgemacht habe, war ohne Untertreibung der beste ever. Ich weiß ja, was den meisten im Kopf rumschwebt, sobald sie das Wort *Rohkost* hören - und genau daraus besteht dieses Kochbuch - sie denken an *Verzicht*! Und: *die esse ja fast nix mehr*. Aber hey, man kann das auch umdrehen. Ich etwa lebe monogam, habe aber nicht den Eindruck, dass ich deshalb auf alle anderen Männer verzichte, sondern ich habe mich lediglich für den besten entschieden... Und wenn vier Kinder derart damit beschäftigt sind, den Mixer auszuschlecken, kann Rohkost SO schlecht nicht schmecken!

In das Buch fließt sowohl Utes Wissen als Ernährungsberaterin mit Schwerpunkt Rohkost ein, sowie ihre und Achims langjährigen Erfahrungen und Spielereien mit Rohkost-Ernährung. Das Buch ist mit appetitlichen Photos bebildert und mit äußerst praktischer Ringbindung ausgestattet, sodass man sich die Rezepte immer aufgeklappt in die Küche legen kann. Es wendet sich inhaltlich sowohl an Einsteiger, Integrative (wie mich) oder Pros: so finden sich viele Tipps und Erläuterungen (beispielsweise: Sprossentabelle/ Küchenausstattung/ Grundlebensmittel...) und neben Basics inspirieren wirklich ungewöhnliche Rezepte wie Burger, Wraps oder Lasagne. Ganz besonders angetan haben es mir Utes Kuchen - die sehen allesamt zum Reinbeißen aus! Unterteilt ist das Buch in Frühstück, Hauptspeisen, Salate, Suppen, Kuchen, Brot, Desserts, Naschereien, Käse/Quark&Co, Pflanzenmilch, Pesto/Saucen/Dips, süße Auftrische & Saucen, Schokolade, Knabbereien, Eis, Getränke. Das liste ich schon deshalb auf, um die große Bandbreite aufzuzeigen, mit der dieses Buch aufwartet.



Drei Rezepte werde ich euch vorstellen - ich allerdings werde mich mit viel Begeisterung weiter durch das Buch arbeiten. Ja, ich bin *ready for more* (Ein Hochleistungsmixer muß her!)! Fazit: Große Begeisterung! Samt dicker Empfehlung an alle, die wie ich mehr Frische in ihr Leben bringen wollen. Und passen solche Rezepte und neue Erfahrungen nicht gerade super zu Sommer und Hitze?





Herzlichen Dank an Ute und Achim, die mir auf meine Anfrage hin ein Rezensionsexemplar zugeschickt haben - ich bin noch viel mehr in Wallung als vorher...


Donnerstag, 19. Juli 2018

der Schuh


*Wie man's im Hirn hat* grinst der Habib.
*Auf jedem beschissenen TukTuk kleben die Tiger, nur ich bekomme den Aufkleber nirgends aufgetrieben* schimpfe ich. *Dabei sehe ich überall Tiger: auf Shorts, Bikinis, Tunikas, Regenschirmen, Sarongs - überall Tiger* (zugegeben: im Reich der Mode vereinige ich Tiger und Leopard großzügig zu einer Wildkatze).
*Hat man den Hammer in der Hand, ist die Welt voller Nägel* grinst der Habib noch breiter zurück. 
*Wie bei unserer Stadtrundfahrt. Erinnerst du dich?*
Ja, unser Bild von der Sightseeing Bus-Tour durch Paris. Alle gucken durchs Fenster auf Paris, und doch sieht jeder etwas anderes. Zusammen fahren sie durch die gleiche Stadt und doch ist es nie dasselbe Paris. Sie, die frisch Getrennte, sieht nur verliebte Pärchen, er, der seine geschriebenen Postkarten in der Tasche mit sich trägt, sucht nebenher nach Briefkästen und eins weiter hinten träumt die Nächste von ihrem Kleid *gekauft in Paris*, mit dem sie so gerne zuhause groß aufschlagen möchte. Uswusf.

Dabei stolpert mein Blick über einen einzelnen, blauen Kinder-Crock-Schuh mit Spiderman vorne auf der Kappe. Er liegt verloren und einsam auf dem Gehweg. *Zwingt man jetzt schon Kinder in diese abartigen Plastikhufe* denke ich. Und: *Wahrscheinlich einfach vom Fuß des Kindes gerutscht als es auf der Hüfte seiner Mutter/ seines Vaters saß*.
Ich deute auf den Kinderschuh und frage mehr mich selbst als den Habib:
*Siehst du diese einzelnen Schuhe eigentlich auch oder fallen die immer nur mir auf?* Gefühlt könnte ich einen ganzen Tieflader, pfffhhh... Schiffscontainer füllen mit einzelnen Schuhen, die mir seit JAHREN in die Augen springen.  Allein von unseren zig Fahrten zwischen Frankreich und Deutschland die Autobahn hoch: immer die Hälfte eines ehemaligen Schuhpaares - auf der Mittelbahn oder entlang dem Seitenstreifen. *Tssss...* habe ich schon so oft zum Habib gemacht und dabei den Kopf geschüttelt, *wie bitte, sag mir WIE kann man auf der Autobahn einen Schuh verlieren?*

Es durchzuckt mich und ein Gedanke blitzt auf. Als hätte ich auf einen Schlag die zweite Memorie-Karte in der Hand zu einem bestimmten Bild-Set.
*Weißt du, was mir gerade einfällt? Der Traum meiner Mutter. Der Traum, der sich wiederholt, von dem sie weinend aufwacht und den du ihr über mich gedeutet hattest!*


Der Alp, der meine Mutter nachts nötigt, quält so:
In einem kleinen, muffig-stickigem Ziruszelt sitzt meine Mutter neben meinem Vater und beide starren Richtung Manege. Der Zirkus scheint schon bessere Zeiten gesehen zu haben. Schlecht besucht ist übertrieben. Außer meiner Mutter und meinem Vater gibt es überhaupt keine Zuschauer. Und dann diese Aufführung! Der Clown  wiederholt immer den gleichen Nonsense. Wieder und wieder. Immer das gleiche Stück. In Endlosschleife das gleiche Kasperlestheater. Es hört und hört nicht auf. Es ist krotesk. Ein Irrsinn. Nein, es ist schlimmer: es ist unerträglich. Meine Mutter steht abrupt auf. Keine Sekunde länger. Mit ihr mein Vater. Kaum sind sie aus dem Zirkuszelt getreten, ist von meinem Vater keine Spur mehr. Meine Mutter indes weiß genau, wohin sie will. Sie geht direkt zur Bushaltestelle. Wo ihr viel Geduld abverlangt wird. Sie muß lange warten. Sehr lange. Dann, endlich-endlich, kommt der ersehnte Omnibus. Und er ist bis zum Dach gefüllt mit einzelnen Schuhen. Meine Mutter stürzt hinein. Sie wühlt und gräbt, sie pflügt sich durch die Schuh... und wacht schluchzend  auf: ihr zweiter Schuh ist nicht dabei.


Ich schlucke. Meine gesammelten, einzelnen Schuhe. Meine Schuh-Kollekte. Und der Traum meiner Mutter. Es klingt wie das verschachtelte Motiv eines Romans. Aber ich verstehe die Symbolik dahinter - und was uns beide, meine Mutter und mich, verbindet und trennt in der Ausrichtung unseres Lebens...


... zuerst übertitelt mit *Kettenreaktion II* - anknüpfend an *Unbewußte Feuerwehrleiter innerhalb der Familie*