Alle, die einen Garten ihr eigenen nennen, wissen wie das NACH eines richtigen Landregens aussieht: man möchte wie ein Fräse durch den Garten kurbeln, man wünschte sich mehrere Arme wie die Göttin Shiva, man hätte gerne eine Armada an Wichteln und Zwerge als Verbündete, auf die man GENAU JETZT zurückgreifen könnte.
Alles will gleichzeitig gemacht werden: GENAU JETZT, wenn sich das Unkraut butterweich aus dem Boden ziehen lässt und die vorgezogenen Pflänzchen in krümmeligen Boden gesetzt werden wollen und die Aussaat die richtige, anhaltende Feuchtigkeit hat. Ich rechne dann meine Gartenarbeit gar nicht in Stunden sondern in *Grünabfall-Säcken*. Meine Hände sind noch weniger als sonst vorzeigbar und schon überhaupt (und sowieso nie) etwas für künstliche Fingernägel.
Obendrein ist GENAU JETZT die Zeit, in der das Trocknen von Heilpflanzen wieder beginnt (Anfang machten u.a. Melisse, Rotklee und Borretsch). Echt, man möchte sich vierteilen können! Abends liegt man dann im Bett und gerne dürfte ein könnender Physio die erdverbogenen Glieder an ihren ursprünglichen Platz in der Horizontalen erinnern. Und doch fühlt man sich gebraucht, nützlich, als Teil vom Ganzen und sieht das Tageswerk befriedigend vor Augen. Tsss, das bißchen Muskelkatze - je m'en fou!
Ich liebe die Gartenarbeit im Mai. Unser Garten ist nie schöner, ein Stück Paradies, ein Baden in Fruchtbarkeit, Düften, Farben, Blumen und Kräutern. Wer GENAU JETZT durch unseren Garten läuft und nix Schönes entdeckt, dem fällt auch sonst nichts auf, was sein Wohlgefallen findet. Ja, logo, bin ich selbstverliebt, wenn ich von unserem Garten rede. *Der Hass ist parteiisch, aber die Liebe ist es noch mehr!* (Goethe)
Daher könnt ihr bestimmt nachvollziehen, dass dem Garten gerade jetzt meine ganze Aufmerksamkeit gewidmet ist. Aber gekocht wird ja doch. Teils aber in Waldfeen-Tempo - wie bei diesem Gericht, bei dem ich auf Vorräte in der Tiefkühle zurückgreifen konnte. Dann ist das Essen *husch-husch* und unkompliziert auf den Tisch gebracht.
Grünen Spargel im Ofen zu garen, ist sowieso meine liebste Zubereitung für grünen Spargel. Den Hummus mache ich nur großportionsweise - Hummus bereichert viele Gerichte. Und die confierten Kirschtomaten zählen schon lange zu meinen Einmach-Standarts - sie sind auf diesem Teller schwer verzichtbar, da sie einen ausgesprochen feinen Kontrapunkt kreiieren! Die fermentierte Bärlauch-Sauce schmeckt, finde ich, etwas edler als Pesto - aber ganz wie ihr wollt, ganz wie ihr könnt.
Kichererbsen am Abend zuvor mit ausreichend Wasser bedecken und quellen lassen.
Quellwasser
der Kichererbsen abschütten, mit neuem Wasser aufsetzen und weich garen - dauert ca. 45min
(m: mit einem Stück Kombu-Alge). Kochwasser auffangen und aufbewahren -
Kichererbsen häuten (dafür diese zwischen den
Handflächen hin-und herrollen - dabei löst
sich die Schale - nun zurück in eine Schale mit Wasser geben, dabei
schwimmt die Schale oben an der Wasseroberfläche und die Kichererbsen
sinken nach unten).
Alle Zutaten in einem Mixer geben und so cremig und glatt wie möglich pürieren. Mit den restlichen Zutaten würzig abschmecken - mit dem aufgefangenen Kochwasser zur gewünschten Konsistenz bringen.
Den Ofen
auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen.
Kartöffelchen waschen, trocken tupfen, Rosmarin fein hacken, alles in einer Schüssel mit 2 EL Olivenöl, Paprika-Pulver und fleur de sel mischen, in eine ofenfeste Form geben und - je nach Größe - für etwa 25-30min in Ofen geben.
Das Ende des Spargels abschneiden und das untere Drittel schälen, mit Olivenöl bestreichen und
salzen, pfeffern, sowie mit einer Prise Zucker würzen. Für insgesamt ca. 15-17
Minuten im Ofen garen - entsprechend nach den Kartoffeln in den Ofenschieben, damit beides gleichzeitig fertig wird. Die Kirschtomaten auf die schnelle Variante (ebenfalls mariniert in Olivenöl, einer fein gehackten Knoblauchzehe, gesalzen und gezuckert) mit den Spargel zusammen im Ofen rösten.
Hummus auf einen Teller anrichten, Kartoffeln und Spargel darauf verteilen und die Kirschtomaten zuletzt dazwischen setzen. Servieren.
*Anmerkung m: üblicherweise confiere ich unsere Kirschtomaten für den Froster länger bei weniger Hitze (man kann für dieses Gericht aber auch den Turbo einlegen)/ für das Hummus gleich mehr Kichererbsen einweichen und eine größere Menge machen - Rest einfrieren
Marcon
hat in gewohnt kurzfristiger Manier bekannt gegeben, wie der Stufenplan
in Frankreich aussehen soll zum Ausstieg aus dem Lockdown. Es ist - wie
sollte es anders sein - kompliziert.
Die
Außengastronomie wird ab dem 19.Mai wieder öffnen dürfen. Eine (sich
mehr und mehr verkürzende) nächtliche Sperrstunde bleibt uns vorest
erhalten. En detail kann man das bei Hilke auf *Mein Frankreich*
nachlesen, die sich den französischen Covid-Auflagen in ihrer ganzen
Aktualität und Genauigkeit von Beginn an angenommen hat.
Für uns
bedeutet das, dass wir im Mai die Türen unserer Ferienwohnungen wieder öffnen werden. Für alle Naturlustigen: Bienvenue! Wir werden die Saison schon schaukeln!
Ich scheine - tout un coup - einen guten Draht zum Wettergott zu haben, ja, ich grüble, ob ich möglicherweise fähig bin, Regen mit Süßkram herbeizubacken??! Das wärs ja!! Auf jeden Fall haben wir seit diesem Post den schönsten, fruchtbarsten Landregen, den man sich nur ausmalen kann. Man möchte vor Freude nackig im Garten tanzen, denn man kann den Pflanzen wirklich beim Wachsen zusehen. Ideale Bedingungen, um sich unabgelenkt und mit Hingabe ein feines Mittagessen zu kochen. Ein absolutes Dream-Team ist für mich Spargel, Estragon und Orange! So gut, dass der nächste Schwung Spargel in ähnlicher Kombi auf den Tisch gebracht wurde.
Französischer Estragon zählt sowieso zu den Tipps, die ich unseren Feriengästen gerne gebe: geht in eine Gärtnerei und nehmt ein Töpfchen Estragon, Verveine und thym au citron (Zitronenthymian) mit. Das Warum wird sich von ganz alleine erklären, denn leichter kann man sich keine Prise Frankreich mit nach Hause nehmen!
Glücklicherweise gibt es in Frankreich keine Spargel-Mafia. Spargel hat Saison, wenn er Saison hat. Und überhaupt das frankreichbeste am Spargel: Spargelköpfe werden hier als Bruchspargel verkauft - also besonders billig. So kann man (wie könnte man auch nicht???) ganz dekadent ohne Reue zuschlagen. Nicht dass ihr denkt...
Zutaten:
Gnocchi: 400g Kartoffeln (mehlig kochend) 100-120g Hartweizengrieß, fein 100g Ziegenfrischkäse 2-3 EL Estragon (m: ca. 30g) 1 Eigelb Salz
500g Spargel
Sauce: 1 Eigelb 90g Butter 4 EL Orangensaft, frisch Zesten, einer Orange Salz, Pfeffer 2 EL Gemüsebrühe 1 EL Noilly Prat
Zubereitung:
Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen, schälen und noch warm durch die Presse drücken. Mit den restlichen Zutaten zu einem homogenen, kaum noch klebenen Teig verarbeiten (nicht überkneten, sondern nur bis der Teig sich gut verbunden hat). Auf einer mit Hartweizengrieß bestreuten Arbeitsfläche zu fingerdicken Strängen rollen. Von den Rollen etwa 1-2cm dicke, längliche Stücke abschneiden, nochmals über die Schnittkante rollen (oder in eine andere gewünschte Form bringen)
Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Gnocchi im Wasser so lange garen, bis sie an die Oberfläche steigen. Aus dem Wasser heben und warm stellen.
Parallel den Spargel auf den Weg bringen. Spargel putzen (ich koche IMMER aus den Spargelschalen einen Sud, dazu
zwei Prisen Zucker, eine Prise Salz und einen Schuß Apfelessig), in
Stücke schneiden und im Spargelsud weich garen. Spargelsud auffangen. Spargel warm stellen.
Zuletzt die Sauce zubereiten. Dafür in einer
Wasserbadschüssel das Eigelb mit dem Orangensaft samt Zesten, dem Noilly dem Orangensaft und der Brühe (in Spargelsud gelöst), sowie etwas Salz und Pfeffer mit dem Schneebesen gut verrühren. Gleichzeitig Butter schmelzen.Die
Eimischung auf ein heißes Wasserbad geben und weiter cremig-dicklich
aufschlagen, während man eßlöffelweise die flüssige Butter unterzieht bis eine schön-cremige Sauce entsteht. Salzen, pfeffern und sofort mit Gnocchi und Spargel servieren.
Anmerkung m: ich rate, den Spargelsud einzufrieren - für die nächsten Spargel! Will man die Gnocchi anbraten, dann sollten sie gut abgetrocknet sein - sonst neigen sie dazu, in der Pfanne anzuhängen - dafür könnte man sie bereits am Vortag zubereiten...
Mir gelüstete sehr nach deutschem Kuchen. Streuselkuchen um genau zu sein und zwar mit Rharbarber. Nur mit Rhabarber ist das in Südfrankreich so eine Sache. Mit dem Rhabarber, den wir dieses Frühjahr erneut gesetzt haben, starten wir den ich-weiß-gar-nicht-wievielten-Versuch, ihn bei uns heimisch zu machen. Er will einfach nicht. Wenn ich mich da an das Ungetüm im Garten meiner Großmutter erinnere... Aber als Kind mochte ich Rhabarber überhaupt nicht. Wegen dem pelzigen Mundgefühl und so. Tja, und nun, wo er sich so rar macht, wird er auf einmal begehrlich.
Doch selbst auf dem Markt ist allerseltenst welcher aufzutreiben. Erst im Schickimicki-Gemüseladen, die ALLES haben (also auch alle Früchte sämtlicher Kolonien - wie etwa die Combava) bin ich fündig geworden. Sogar im *Sale*, weil sie ihren Rhababer nicht losgeworden sind. Die Verkäuferin stapelte mir also etwa 700g auf die Waage und schlug 6 Euro als Sonderangebot vor. Hmmm, ich schaute sie skeptisch an. 6 Euro - schon noch viel Geld für ein bißchen Rhabarber. Rarität hin oder her. Aber wir müssen hier in Südfrankreich nur übers Meer und sind im Maghreb: hier weiß man zu handeln. Und der Rhabarber musste schließlich weg. Sie schaufelte mir ein paar zusätzliche Stangen obendrauf und schaute mich lächelnd-fragend an. Und ich lächelte zurück. Es wird also zwei Kuchen mit Rhabarber geben.
Wobei ich schon verstehen kann, wieso die säuerlichen Stangen hier ein solcher Ladenhüter sind: warum sollte man Rhabarber kaufen, wenn man für weniger Geld bereits die süßen Erdbeeren aus Carpentras erbeuten kann? Dafür muss man wohl wie ich ursprünglich aus kälteren Gefielden stammen und/ oder deutschen Kuchen im Kopf haben!
Man könnte mir vorwerfen, dass wenn es nur geht, ich meinen Süßbäckereien mein Sugar-Spice unterjuble. Aber hey, ich steh' einfach drauf! Ich finde, nahezu jeder Kuchen bekommt damit das gewisse Eßwas!
Und SO oft backe ich für uns beide gar keinen Süßkram. Wenn dann backe ich vor allem für unsere Feriengäste, um ihnen ihren Aufenthalt bei uns zu versüßen - vorzugsweise an Regentagen. Doch momentan muss ich mir dafür andere Anlässe suchen, wo doch weder das eine noch das andere stattfindet (einzelene Tropfen werden nicht gezählt). Doch Herrschaften, ich kann auch anders, also habe ich uns selbst vorbildlich den Tag verstreuselt - ist mir SUPER gelungen! Unten ein fluffig-saftiger Boden, samt süß-säuerlichen Rhabarber (auf den ich so juchtig war) plus meinem DUBB-Gewürz = deutscher Obst-Streusel-Himmel.
Zutaten - 1/2 Blech (30 x 20cm):
Streusel: 75g Mehl 25g Haferflocken 25g Haselnuss, geröstet, eher in Krokant-Größe gemahlen 50g Rohrzucker 60g Butter, kalt 1 TL Sugar Spice 1 Pr Salz
Kuchenteig: 140g Mehl 1/2 Päckchen Weinstein-Backpulver 60g Haselnuss, geröstet, eher in Krokant-Größe gemahlen 60g Marzipan 50g Rohrzucker* 125 Butter, weich 2 Eier 50ml Milch 1 EL Crème fraîche
600g Rhabarber 100g Himbeeren
Zubereitung:
Mit den Händen die Zutaten für die Streusel zu einem krümeligen Teig verarbeiten. Kalt stellen.
Marzipan kurz in den Froster legen. Den Ofen auf 190 Grad (Umluft 170 Grad) vorheizen. Rhabarber putzen und zu Stücke von etwa 2-3 cm schneiden. Butter samt Zucker hell cremig aufschlagen. Dann ein Ei nach dem anderen sorgfältig unterrühren. Mehl mit Backpulver vermengen. Marzipan rob raspeln. Mehl abwechselnd mit Milch untermischen - ohne dabei zu lange zu rühren. Zuletzt kurz Crème und Marzipanraspeln unterheben.
Den Teig gleichmäßig auf eine gefettete (oder mit Backpapier belegtes) Form verteilen und glatt streichen. Rhabarber und Himbeeren damit belegen, die Streusel darüber streuen und im heißen Ofen auf der mittleren Schiene
35-40 Minuten backen.
*Anmerkung m: ich gebe immer noch ein paar meiner tiefegefrorenen Himbeeren dazu - wegen der schöneren Farbe (kann man auch weglassen)/ Marzipan ist ebenfalls ein Goodie, das durch 40g mehr Zucker ausgetauscht werden kann/ Probleme mit Nuss: dann Haselnuss in den Streuseln mit Haferflocken und im Kuchenteig mit Mehl ersetzen/ wenn man die Zutaten verdoppelt, füllt man direkt ein ganzes Blech (40 x 30 cm).
Sich selbst gegenüber ist man geschlagen von einer veritablen
Betriebsblindheit. Aber mir ist gerade etwas
über mich klar geworden: ich stand schon immer am Rand.
Drängte mich meine
Familie unfreiwillig in die Außenseiterrolle, so wählte ich diese
Position später mit Absicht. Die Zeit im Handwerk, dann die Jahre, in denen
ich am Theater als Bühnenplastikerin gearbeitet habe und später mein
Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie, machten mir bewußt, dass
ich unter jenen meinen Platz gefunden hatte. So habe ich die direkte
Sprache der Handwerker schätzen gelernt, bei denen ohne jeden Knoten
Scheiße *Scheiße* heißt, ebenso wie ich mich im
chaotisch-bunten-unangepassten Kosmos der Künstler wohl fühlte - denn er
schenkt mir Raum für Selbstbestimmung. Für diese gewonnene Freiheit
verzichte ich gerne auf das mollige Gefühl, in der Masse untertauchen
zu können. Ich habe kapiert, dass es die kleine Gruppe gibt, denen
Freiheit alles bedeutet, und die andere, größere, die nichts mehr
scheut als Selbstverantwortung und deshalb sehnlichst nach Vorgaben
aller Art ruft (s. dazu Dostojewskis *Der Großinsquisitor*).
Ja,
tatsächlich war das einer der Gründe, wieso ich mich so jung habe
tätowieren lassen: wenn mich wegen ein bißchen Farbe euer bürgerliche Maßstab der
Äußerlichkeiten verurteilt, dann sortiert ihr euch von alleine aus -
dann brauche ich euch nicht! (In der Jugend besteht die
Welt ja voller Sätze mit Ausrufezeichen, die Fragezeichen kommen erst
mit dem Alter hinzu). Hey, und damals galt ein Tattoo noch als richtiges
Statment, man mischte sich unter Matrosen, Knaxis und die Outlaws -
nicht wie heute, wo jeder Assi und Fußballspieler zugetackert ist. Dass
sich die Geschichte mal so drehen würde, wer hätte das damals für
möglich gehalten?!
Naja, und gegen die hochgehaltene Fassade
meines Sparkassen-Vaters konnte ich nebenbei auch hervorragend
rebellieren, die ganz den deutschen Konformismus repräsentierte, das
unausgelöschte, still weiterlebende Erbe des dritten Reichs. Vielleicht
hat es der Mainstream in Deutschland deshalb so leicht.
Vielleicht weil man es ja bereits von der Schule kennt: Musterschüler
spült es
leichter nach oben. Als Jugendliche habe ich darüber gekotzt, dass in
Deutschland
Frauen ab einem gewissen Alter alle im gleichen Einheitslook unterwegs
waren mit Nylonstrümpfen und der Standart-Oma-Dauerwelle auf dem Kopf!
Nun
lebe ich - wie vor vielen Jahren so lustig ein Paketzusteller meinte -
am Ende der Welt in einem kleinen, französischen Dorf (wieder an dessen
Rand) in Beziehung mit einem Mann, der deutlich älter ist, und wir
pfeifen dabei auf die für andere so wichtigen Konventionen. Wer sich
nicht einfühlen kann, dem empfehle ich einen konsequenten Alkohol-Verzicht für wenigstens 1-2 Jahre: auf diese Weise wird von ganz allein gelehrt, wie
leicht einem ohne jedes Verschulden der Platz als Gast am Zaun zugeteilt
wird...
*Ermangelung ist Weisheit* erklärt der
Masai-Stammesälteste in *Down to earth* (einen Film, den ich nicht oft
genug empfehlen kann). Wie recht er hat! So wurde mir erst mit dem
vergangengen Jahr bewußt, WIE sehr ich mich der Guilde der Künstler
zugehörig fühle (und gärtnern, kochen, fotographieren und schreiben ist
nur ein kleines Ventil - irgendwann, das weiß ich, werde ich in der
Bildhauerei wieder Zuflucht nehmen). Wir Künstler kommen damit zurecht,
dass andere anders sind. Wir leben ganz selbstverständlich in einer
heterogenen Gesellschaft (das inspiriert!), aber versuchen mit unserer
Tätigkeit unseren friedlichen Teil zum Ganzen, zum Miteinander
beizutragen: die Nahrung fürs Gemüt (#Pazifismus, #Non, je ne suis pas
Charlie, #für Kunst, die dem Schönen, Wahren, Guten verpflichtet ist)!
Dafür
braucht es einen gewissen Abstand zu dem Großteil der Bevölkerung, denn
nur aus der Distanz läßt sich gut beobachten. Ich
staune gerade selbst über mich, wie sehr mich die Flashmobs berühren - es gibt sie noch, die anderen, meine kleine Zunft.
*Danser encore* flattert weiter und weiter: in den Gare de l'Est von
Paris (vorangesellt der Satz: *la peur de la mort n'empêche pas de mourir mais elle empêche de vivre!*), nach La Chapelle en Vercors (ein Steinwurf von uns entfernt, und
wißt ihr, wen ich dort entdeckt habe? Den Vater von meinem Birk!), nach
Zürich, Brüssel, Berlin, Freiburg, Bologne, Barcelona... Das Herz geht mir auf,
wenn ich die Menschen singen und tanzen sehe! *Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst!* (Goethe)
Wie untrennbar Gesellschaft, Kunst und Kultur zusammengehören gilt es aktuell ganz neu zu
denken und sich vorzustellen anhand einer Holzskulptur, die sich im Museum Jekaterinburg befindet: sie wurde als
älteste, menschliche Holzskulptur von
Wissenschaftlern nun auf ein Alter von sagenumwobene (!) 12 000 Jahre
datiert - was unser Bild einer Gemeinschaft aus Jägern und Sammlern
revolutionieren muss! Tja, wer Kunst und Kultur nicht entsprechend
wertzuschätzen vermag, der hat nicht nur vom Menschsein nichts
verstanden, sondern der darf sich geistig noch nicht mal zu den
Neandertalern ans Feuer setzen!
Lahmacun wird klassisch mit Hack gemacht - ich habe bereits hier mal eine vegane Version vorgestellt. Nun biete ich euch eine weitere, vegetarische Variante an.
Zutaten 2-4P:
Vorteig: 75g Einkorn-Vollkorn 75g Wasser 1g Hefe
Hauptteig: 175g Mehl (m:T65) 90-100ml Wasser (m: davon ein Schuß Milch) 1/2 TL Salz 7g Hefe 1 EL Öl
Vorteig am Abend zuvor ansetzen: Zutaten vermengen, Teig bei Raumtemperatur etwa eine halbe Stunde anspringen lassen, dann abgedeckt in den Kühlschrank stellen.
Dann alle Zutaten für den Hauptteig vermengen, ins warme Stellen, abdecken und aufgehen lasen, bis er sich sein Volumen verdoppelt hat (dauert etwa 1 Stunde).
Parallel den Belag zubereiten. Ofen auf 220° vorheizen - direkt mit Pizzastein. Blumenkohl im Hexler kleiner schreddern (nicht zu muß, soll stückig sein), in eine ofenfeste Form geben, mit 1-2EL Olivenöl und Thymian vermengen und im Ofen rösten, bis er Röstaromen angenommen hat (dauert etwa 15min - zwischendrin wenden).
Für die Sauce Gemüse putzen und klein würfeln. Zuerst die Schalotte in Olivenöl andünsten, dann Knofi zugeben und Lauch und Pilze und weitere 5min mitbraten. Ofentomaten, Tomatenmark, Gewürze und den Ofen-Blumenkohl unterrühren und bei kleiner Hitze ca. 5min köcheln lassen. Salzen, pfeffern, würzig abschmecken mit Harissa und Tamari.
Den Teig vierteln und daraus vier dünne Fladen ausrollen. Die Sauce auf die vier Fladen verteilen und je zwei hintereinander auf dem heißen Pizzastein backen.
Währenddessen die Joghurt-Sauce zusammenrühren und den Belag richten
Zum Servieren mit zerkrümmelten Feta, in Streifen geschnittenen Salat, Zwiebelringe und Paprika-Würfel belegen.
*Anmerkung m: als Variante kann man die Fladen noch dünner als Flammkuchen wellen und backen, so dass man sie zum essen Wickeln kann wie ein Yufka.
Wobei ich einschränkend hinzufügen muss, dass ich schon begünstigt mit allen zehn Fingern auf solche Aussagen zeigen kann. Ich bin nicht im Home-Office (oder immer - je nachdem von welcher Perspektive aus man das betrachten will), ich muss mich nicht zusätzlich um eine Rasselbande in Home-Schooling kümmern, ich leide in keinster Weise unter Terminstress, mit dem Habib habe ich eine Perle als Gegenüber - er schenkt mir mit seiner Aufmerksamkeit und Achtsamkeit stets viel Wertschätzung - und ein südfranzösischer Garten gleicht einem Joker im Zutatenblatt. Bref: ich habe WIRKLICH leicht reden.
Trotzdem gefällt mir diese Botschaft natürlich. Denn der Alltag ist ein gefräßiges Monster, das jeder Beziehung zusetzt. Die Momente, in denen man sich bewußt begegnet, muss man bewußt schaffen. Von nix kommt nix. Das gilt vorneweg für alles Gute. Der Scheiß schleicht sich schon von ganz alleine ein - um den muss sich keiner mühen.
Tatsächlich ist für mich der Eßtisch das Herzstück einer jeden Wohnung. Und vielleicht ist es deshalb auch wegweißend für alle anderen Bereiche, was dort geschieht. Ich finde auch nicht, dass man da jeden Tag Feuerwerke abfackeln muss. Im Gegenteil, das dokumentiere ich mit diesem Blog ja. Gartenküche: spektakulär-unspektakulär. Was in meiner Welt eine ähnlich hohe Auszeichnung ist wie rustikal-romantisch.
So passen diese in Würstchenform gerollten Bohnen-Rote-Bete-Haferflocken-Buletten hervorragend in meine mit beiden Füßen am Boden verankerte Vegie-Küche. Ich war sofort begeistert sowohl was Geschmack (würzig-scharf) wie vor allem das Mundgefühl (ungewöhnlich, nicht zu trocken-krümelig) angeht. 10 Würstchen kommen bei einer Portion raus - das bedeutete für uns round about 3 Portionen, die bereits alle weggefuttert sind. Und dieses Wochenende mache ich wieder Nachschub. Sehr praktisch nämlich, wenn ich auf die einfach zurückgreifen kann - drumherum ist schnell ein Essen kreiert. Die Dingerchen sind zwar nicht aufwendig zu machen, aber sie benötigen Zeit. Und die hat man ja bekanntermaßen nicht immer, wenn man hungrig ist.
Meinen Homies sollte reichen, dass ich DUBB übertitelt habe: dicke Empfehlung also!
Zutaten 10 Stück:
100g rote Bohnen, gekocht 100 g Haferflocken(mehl) 100 ml Rote Bete Saft 40 g Quinoa 120 ml Gemüsebrühe 4 EL Hefeflocken 40 g Kichererbsenmehl 2 EL Tomatenmark 2 TL Harissa-Paste 2 EL Olivenöl 1,5 EL Kreuzkümmel 1,5 TL Koriandersamen 1,5 TL Bockshornklee 2 TL Gemüsebrühe-Pulver 3 Knoblauchzehen, fein gehackt 2 TL geräuchertes Paprikapulver (Pimenton dela verra) 1 TL Salz (m: Bärlauch-Salz)
Zubereitung:
Quinoa in der Gemüsebrühe ca. 12min bei geschlossenem Deckel köcheln - zwischendurch umühren - , dann weitere 10 min ohne Hitze ziehen lassen.
Die Haferflocken im Hexler zu Mehl fein zerkleinern. Die gekochten Bohnen zusammen mit dem Rote-Bete-Saft fein pürieren. Das Haferflockenmehl zum Bohnenmus geben, ebenso das Kichererbsenmehl und die Hefeflocken. Die Gewürze (Koriander, Kreuzkümmel und Bockhornklee-Samen) fein zermörsern und ebenfals zufügen. Desweiteren den fein gehackten Knofi, das Tomatenmark, Harissa und sämtlichen restlichen Gewürze. Zuletzt Quinoa und Öl untermischen.
Daraus eine homogene Masse formen und für 30min im Kühlschrank ruhen lassen. Den Teig in 10 gleichgroße Portionen (oder wer mag, formt größere oder kleinere Würste) teilen und mit feuchten Händen länglich rollen. Hier wickelt der Orginalkoch Ken die Würschen jeweils in Alufolie und dreht sie zu länglichen Bonbons, dann schichtet er sie übereinander in den Dampfeinsatz - uneingewickelt muss man die Würstchen nebeneinander legen und kann sie halt nicht stapeln. Aber mit Alufolie kann man mich jagen (wen das WARUM interessiert darf Alufolie in Zusammenhang mit Demenz in die Suchmaschine eingeben).
Nebeneinander - ohne dass sie sich berühren - in den Dampfeinsatz setzen und die Würstchen ca. 25min dämpfen (m: 2 Dampfsiebe verwendet). Das ging sehr gut, das Einwickeln stellte sich wirklich als unnötig heraus. Auskühlen lassen und dann in Olivenöl rundherum anbraten.
Anmerkung m: bei uns gab es eine Art Kartoffel-Gulasch dazu, aber quasi jeder Eintopf passt prima dazu/ wer wie ich dafür Rote-Bete-Saft gekauft und nicht extra dafür entsaftet hat, darf seinen Saft aufbewahren: ein weiteres Rezept damit wartet in der Halte...
Und wenn uns morgen eine Pandemie dahinrafft, dann haben wir heute noch gut gelebt! Mit nichts läßt sich dieser Fatalismus besser verwirklichen, als sich an meine Erkenntnis sowie außerdem an mein Blog-Motto zu halten: *Man kann sich das Leben etwas schöner kochen. Und wenn es nur ein Quäntchen ist - ça suffit!* Diese Aussage gilt immer, diese Aussage funktioniert immer. Selbst wenn das Boot hart auf Kante segelt. Nehmen wir jedes Essen als Henkersmahlzeit und das Jetzt und Hier wird wieder zum Fest! Oder auch: wie man das Selbstverständliche zum Besonderen macht - Zauberei für Fortgeschrittene!
Davor kann man in der Küche der Welt den Rücken zukehren und einfach vergessen, was im Draußen tobt. Man besinnt sich auf das Existentielle, man spielt in kleinsten Tönen Alchemie und hebt Zutaten in einen neuen Seinszustand.
Was bietet denn der Alltag an besseren Möglichkeiten, um mit seinen Liebsten einen guten Moment zusammenzuverbringen, als gemeinsam am Eßtisch eine anständige Mahlzeit zu teilen?
Die Notwendigkeit, essen zu müssen, kann auf diese Weise umgewandelt werden von reiner Pflichtveranstaltung zur Kürinszenierung. Und es ist gleichzeitig die Umsetzung einer meiner liebsten Kalendersprüche (von all den unzähligen, die im Laufe eines halben Lebens zu mir gefunden haben): *Die Dinge sind nie so, wie sie sind sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht!* (Jean Anouilh).
Dabei sehen die Ravioli aufwendiger aus, als sie sind. Trotzdem war das natürlich Sonntagsküche bei uns: das ist die kulinarische Ostermontag-Nachlese - ich gehöre ja nun auch nicht zu den Geduldigsten auf diesem Planeten. Aber wer noch eines draufsetzen und weitergehen will, der darf daraus gerne winzige Tortellini-Artefakte basteln... man kann sich schon zusätzliche Schikanen einbauen... also so ist das nicht... Im Vergleich verkünstelte ich mich auf jeden Fall deutlich mehr an den Trofie - nur so als kleine Leitlinie!
Ansonsten handelt es sich um eines dieser Gerichte, die ich deshalb so mag, weil es eigentlich ein arme Leute Essen ist: nicht die Exklusivität der Zutaten macht den Genuß, sondern die zugewandte Zubereitung. Teuerste Zutat (also im Ranking von Mehl, Kartoffeln, Eier und Kräuter) wird wohl der regionale Ziegen-Käse *Saint Félicien* gewesen sein - einen Käse, den ich sehr gerne für Füllungen aller Art verwende, weil er schön cremig ist und Charakter hat!
Füllung: 250g Kartoffeln (m: mehlig, am Vortag gekocht) 120g Saint Félicien 40g Bergkäse (m: Tomme de Brebis) 2 EL Kräuter-Pesto (m: Bärlauch, Melisse, Minze, Verveine, Petersilie) Salz, Pfeffer Piment d'Espelette
Butter feine Petersilien-Blättchen, Pimpinelle...
Zutaten:
Aus den Zutaten für den Nudelteig einen homogenen, elastischen Teig kneten, der nicht zu fest und nicht zu weich ist. In Folie wickeln und im Kühlschrank wenigstens 1 Stunde ruhen lassen.
Die Kartoffeln mit einer Gabel fein zerdrücken, mit den restlichen Zutaten vermengen und gut würzig abschmecken.
Dann mit Hilfe der Mercato auswellen. Teig vierteln und die Teigbahnen bis Stufe 6 von 7 auswellen. Dann jeweils eine Teigbahn glatt auslegen, auf die Hälfte legen, so dass sich eine deutlich sichtbare Bruchkante ergibt. Einen Pinsel nehmen und die Bahnen bis zur Falz (also Hälfte) mit etwas Wasser anfeuchten und mit feinen Kräuterblättchen belegen (m: Petersilie, Pimpinelle). Blättchen dann nochmals ein wenig von oben anfeuchte, Teigbahn zusammenklappen und wieder von vorne (also bei Stufe 2) durch die Marcato drehen bis Stufe 6. Dabei darauf achten, dass man mit der Bruchkante (zusammengeklappten Mitte) zuerst durch die Maschine dreht. Ansonsten gilt wie immer: schön mit Hartweizenmehl (feinem Grieß) arbeiten, sonst kleben die Ravioli nachher im Wasser zusammen.
Dann jeweils eine Teigbahn nehmen, zur Hälfte anfeuchten, im Abstand von 5cm in 2 Reihen ein Löffelchen Füllung setzen, die andere Hälfte Teigbahn darüberklappen, ringsherum um die Füllung gut andrücken und Quadrate schneiden. Nebeneinander auf ein mit Hartweizenmehl ausgelegtes Küchentuch auslegen und mit einem weiteren abdecken.
Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Ravioli darin 2-3min garen.
Gleichzeitig in einer breiten, tiefen Pfanne einen guten Stich Butter zum Schmelzen bringen. Die Ravioli aus dem Wasser heben und direkt in der geschmolzenen Butter schwenken. Mit etwas frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen und servieren.
*Anmerkung m: wichtig ist bei einer solch verzierten Pasta, dass man nur zarte, dünne Blättchen verwendet - auf keinen Fall mit Stielen: die Teigbahnen werden schließlich sehr dünn ausgewellt und sollen nachher beim Ravioli-Basteln nicht reißen!
Wenn wir schon dabei sind: prima eignen sich solche verzierten Teigbahnen, um daraus Cannelloni (hier mit Kerbel und Spargel) herzustellen - als weiterer Anreiz für Küchenfummeleien
Erst die Kraft eigener Erfahrung füllt graue Theorie mit Farbe und Leben. So kann jeder entsprechend seiner Biographie mitreden: wer an Bulemie leidete, kann was zum Thema Eßstörung beitragen, wer eine schmerzhafte Trennung hinter sich hat, weiß auch etwas über Liebeskummer zu erzählen, jede Mutter kann Tipps zur Schwangerschaft raushauen ectpp. Eben so fühle ich mich als Botschafterin, wenn es um Rufmord geht. Rufmord habe ich am eigenen Leib erfahren, so dass ich nur zu gut weiß, wie niederschmetternd und entwürdigend diese Erfahrung ist, der man machtlos ausgeliefert ist und nichts entgegen stellen kann. Und das obwohl die Empörung über diese verlogenen Unterstellungen das Blut zum Kochen bringt. Je mehr man versucht, sich zu verteidigen, umso mehr gibt man den Affen Zucker.
Brilliant in alle Facetten ausgeleuchtet hat Philip Roth in *Der menschliche Makel* das Thema Rufmord. Keiner stellt die einfachsten Fragen - schon gar nicht in der Öffentlichkeit, schreibt er: *Das Vorbringen der Anschuldigungen dient schon als Beweis. Man hört die Behauptung und glaubt ihr. Der Täter braucht kein Motiv, Logik und vernünftige Erklärungen sind entbehrlich. Man braucht nur ein Edikett.* Es gibt kein Gegengift gegen Rufmord, Bildung und Erziehung bieten kein Gegengewicht, weil den Menschen nichts *vor den niedrigsten Gedanken schützen* kann. Die Selbstgerechtigkeit der Masse wird getragen von Klatsch, Neid, Niedertracht, Langeweile und Lügen: *das Zeichen der Bösartigkeit der Menschen.* Wenn jemand an den Pranger gestellt wird, wollen alle mitspucken.
*Lerne, sagte er zu sich selbst, lerne, bevor du stirbst, jenseits der Jurisdikation, ihrer empörenden, ekelhaften, dummen Anschuldigen zu leben*, ist das Fazit des Hauptprotagonisten von *Der menschliche Makel* - was by the way ebenfalls mein eigenes ist.
Niemand, der Misshandlung erleben musste (egal ob körperlich, psychisch oder mental), wird nach dieser Erfahrung je wieder dem Irrglauben einheim fallen können, dass alle Menschen gut sind. An dieser Erkenntnis gibt es anschließend nichts mehr zu rütteln.
Das schicke ich als Erklärung voraus, warum mir das Diskretitieren von ganzen Menschengruppen nahe geht. Ich wieß bereits auf diese zunehmende Tendenz in unserer Gesellschaft hin. Zumal das Prinzip dahinter zu leicht zu durchschauen ist - spalte und herrsche - und der bösartige Diskurs gegen all jene, die nicht der Regierungsmeinung folgen, zu offensichtlich ist. Sie werden gebrandmarkt mit Begriffen wie *Verschwörungstheoretiker, Querdenker, Corona-Leugner, Aluhut-Träger, Maßnahmen-Verweigerer, Antisemiten, Covid-Idioten, Reichsbürger oder gar Nazis...* - die unterschiedlichsten Zutaten werden in einen Topf geschmissen und püriert. Und moralisch exekutiert. Bref: Rufmord.
Mag ich für einige eine skurrile Person sein, weil mir die Natur samt einem Schöpfer Sinn ergibt, so staune ich über Menschen, die nach ALL DEM, WAS BISHER GESCHAH, immernoch ihr Vertrauen in die Politik setzen. Das geht mir nicht ins Hirn.
Das hängt bestimmt damit zusammen, dass ich in einer Hochburg der Resistence lebe, in der die Vergangenheit der Nazis allgegenwärtig ist. Außerdem triggert man als deutscher Reisende in der Welt in verlässlicher Wiederkehr die Assoziation *Hitler*. Mir fallen wenig Völker dieser Erde ein, die aufgrund ihrer jüngsten Vergangenheit ähnlich gute Gründe hätten, ein äußerst distanziertes Verhältnis zu ihren Machthabern beizubehalten wie die Deutschen.
Hier will ich das
Online-Nachrichten-Magazin *Nachdenkseiten* heranziehen. Das Motto der
Journalisten dort lautet: *Glaube nichts, hinterfrage alles, denke
selbst*. Das kommt meiner eigenen Denkweise sehr entgegen. Herausgeber
ist Albrecht Müller,
ein alter Hase was das politische Geschäft angeht, da er selbst viele
Jahre für die SPD unter Willy Brandt in vorderster Reihe im Wahlkampf und als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit tätig war. Er weiß also aus Interna, worüber er schreibt. Albrecht Müller
ist bekennender Pazifist, Sozialist und überzeugter Demokrat. Und gerade
weil er ein glühender Verfechter der Demokratie ist, ist eines seiner Hauptanliegen,
seine Leser auf deren mögliche Gefährdungen hinzuweisen. Dennoch wird diese Webseite leichtfüßig in die *Verschwörungstheoretiker-Ecke*
geschoben. Es scheint auszureichen, dass die Artikel
dort abweichen von dem, was die Massenmedien schreiben.
Ich frage mich eh, was an dem Prädikat *querdenken* so viel Ressonanz heraufbeschwört. Jetzt ohne Partei zu ergreifen - einfach nur das Wort betreffend. Denn macht nicht genau das kreative Intelligenz aus, dass jemand in der Lage ist Brücken zu schlagen hin zu fachfremden Gebieten, über die facheigene Welt hinauszudenken, verschiedene Sparten zu vernetzen? Und was bitte ist soziales Intelligenz anderes als Empathie: sich hineindenken können in die Beweggründe anderer. Ja, das kann soweit gehen, das polare Gegenüber mitzudenken (einst im Mittelalter - als Polarität eine große Selbstverständlichkeit war - übrigens gängiger Usus). Nur derjenige, der das vermag, kann jovial sein - und sich geistig weiterentwickeln.
Ich weiß, das politische Gedächtnis der Bürger ist kurz. Und man muss die Motivation der Demos in Stuttgart definitiv nicht unterstützen. Aber die Stuttgarter haben mit Stuttgart 21 sehr aktuell vor der Nase, was Politik verbrechen kann - hervorragend nachzusehen in *Die Anstalt vom 29.01.2019*. Das verschnupfte Verhältnis zur Obrigkeit sollte für Außenstehende dadurch zumindest nachvollziehbar sein. Und ganz ehrlich: ich habe Menschen schon für blödere Dinge auf die Straße gehen sehen als für ihre Freiheitsrechte (dazu: auf Phoenix - Rechtswissenschaftler Prof. Uwe Volkmann)
So lange in großen Unternehmen wie in Fleischzerlegungsbetrieben oder Amazon-Logistik-Zentren wiederholte Superspreader-Orte festgemacht werden, müssen zumindest diese Last die Demonstrierenden wie Mallorca-Touristen nicht alleine tragen.
Und diese verquere Logik konnte mir bisher auch noch niemand richtig erklären, wenn als Totschlagargument gegen diese Demos aufgeführt wird, dass sich unter die Demonstrierenden Rechtsextreme mischen. Wenn vor dem Kühlregal im Supermarkt ein Nazi neben meiner Freundin steht, dann teilt sie seine Ideologie deshalb noch lange nicht. Oder wie sonst ist diese Aussage zu verstehen?
Warum ist eigentlich ausnahmslos jedwede Kritik an den Corona-Maßnahmen verboten? Nehmen wir als kleines Fallbeispiel die FFP2-Masken, die in Deutschland Pflicht sind. Warum nur in Deutschland? Wenn diese Maske doch um ein vielfaches mehr Schutz bietet, warum pfeift dann Frankreich darauf. Honi soit qui mal y pense und gedanklich bei der Masken-Affaire landet. Sehr erheiternd in Szene gestetzt vom *Browserbalett* (via philuko). Oder ist das zu naheligend? Oder bin dann auch ich ein Querdenker, wenn ich versuche eins und eins zusammenzuzählen?
Ich habe keinen blassen Dunst von Epidemologie. Also bin ich darauf angewiesen, dass mir das Experten näher bringen. Darf ich trotzdem bitte zur Kenntnis nehmen, dass die Meinungen dieser Experten eklatant (!) auseinander gehen. Ich habe nicht nur Prof. Dr. Drosten zugehört, sondern wie wohl viele, die versuchen kritisch mitzudenken, ebenso auch Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi (seine Expertise: Facharzt für Mikrobiologie und
Infektionsepidemiologie, Professor em. der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz, von 1991 bis 2012 Leiter des dortigen
Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Begründer und Vorsitzender der
MWGFD e.V - Mediziner für Gesundheit, Freiheit und Demokratie). Wer bin ich, dass ich beurteilen kann, wer nun die Wahrheit spricht und wer nicht? Wie ein Extremo oder Terrorist erscheint mir Herr Bakdhi nun nicht. Eine Meinung traue ich mir nicht zu bilden - ich stelle unvereinbare Widersprüche fest. Darum bleibe ich abwartend und skeptisch.
*Sagte nicht Rosa Luxemburg, „Freiheit ist immer Freiheit der
Andersdenkenden“? Wurde Voltaire von seinem Biographen nicht das schöne
Zitat zugeschrieben: „Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis
auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen“. [...] Ist es wirklich zu viel verlangt, sich zu wünschen, dass auch die
„Maßnahmen-Befürworter“ einmal in sich gehen und auch andere Meinungen
akzeptieren und respektieren … sie müssen sie ja um Himmels Willen nicht
teilen. Aber man sollte als aufgeklärter, zivilisierter Mensch
Andersdenkenden doch bitte zumindest das Recht zugestehen, eine andere
Meinung zu haben. Oder ist das wirklich zu viel verlangt? Wollen wir
wirklich eine gleichförmige – ja gleichgeschaltete – Debattenkultur, in
der nur erlaubt ist, was regierungskonform ist und nicht vom Mainstream
abweicht?*
Andere dürfen nicht nur anders sein, andere MÜSSEN anders sein!
Deshalb muss man Ansichten anderer nicht zwangsläufig übernehmen, aber man sollte sie respektieren. Oder zumindest stehen lassen können. Ich muss schließlich auch aushalten, dass es anscheinend in einem demokratischen Europa eine Mehrheit dafür gibt, dass man Menschen in Not in Flüchtlingslager wie Moria steckt oder im Mittelmeer ertrinken lässt - obwohl ich das eigentlich unterträglich finde.
Aber Leute - ganz unmissverständlich zum Mitschreiben: Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was ich zu denken und zu empfinden habe! Wo kommen wir denn da hin! Das verbiete ich mir a-u-s-d-r-ü-c-k-l-i-c-h! Im Gegenzug habe ich nicht vor, an anderen herumzudoktorn. Egal unter welcher Fahne, egal welche Farbe gerade das politische Mikrophon in der Hand hält, mit diesem Credo falle ich ins Grab:
Wißt ihr, warum Bärlauch Bärlauch heißt? Mir wars bisher nicht bekannt. Der Name ist dem Volksglauben entlehnt, dass Bärlauch angeblich so kräftigend ist, dass er selbst klapprige Bären nach ihrem Winterschlaf wieder in Top-Form bringt! Jetzt wißt ihr Bescheid! Und auch warum kein Weg am Bärlauch vorbei führt!
Mag ja sein, dass jetzt nicht jedem Bärlauch richtig super schmeckt. Aber das gleicht er mit all seinen umwerfenden Vorteilen lässig aus. So stärkt er das Immunsystem, schützt vor freien Radikalen, er gilt als entzündungshemmend und antibakteriell, senkt den Blutdruck, sorgt für eine gute Darmflora, bref: er wirkt wie ein natürliches Antibiotika. Ich bin geneigt zu behaupten, Bärlauch ist das Lebertran der Pflanzenwelt.
Bon, ist vielleicht ein bißchen übertrieben, aber die grobe Richtung stimmt! Darauf, dass Bärlauch ein Frühlings-Booster ist, darauf einigen wir uns bestimmt!
Für mich gehört er als Frühlingsbote unbedingt auf den Teller. Zu meinen bisherigen Standarts wie Pesto und Öl kommt nun noch die fermentierte Bärlauch-Sauce hinzu, zu der mich *Buschfunkistan* angestiftet hat. Denn hier potenzieren wir die Heilwirkung von Bärlauch noch zusätzlich durch das Fermentieren, wodurch der Bärlauch obendrein probiotisch wird.
Wie lange diese Sauce hält, kann ich euch nicht sagen. Aber ich merke schon: bei mir kommt sie schnell weg. Bereits bei den fermentieren Rote Beten (dazu komme ich noch), habe ich festgestellt, dass die Fermentation die geschmacklichen Kanten etwas runder schleift. Schmeckt die Rote Bete fermentiert weniger erdig, so schmeckt der Bärlauch weniger nach Knoblauch. Ich habe die Sauce bereits in eine Salat-Vinaigrette gemischt, in eine Quiche versteckt und als Topping eines Bärlauch-Risottos verwendet. Eine echte Bereicherung, die Sauce wird in diesem Haushalt definitiv ein Keeper!
Ach, und für alle, die man wie mich nicht mehr überzeugen muss von der Heilkraft von Mutter Natur, für die habe ich noch einen Tipp, den ich wiederum erhielt von einer lieben Leserin (coucou Lisa) - und den ich gemäß meinem neuen*Beeing a funghi in the forest*-Prinzip auch mit euch teilen will.
Noch hat die Pharma-Industrie keine Medikamente für Covid-Erkankte an der Hand, so dass sich einige in Selbsthilfegruppen organisieren - gerade wenn es um die Suche nach Therapie-Ideen rund um Langzeitfolgen geht. Hier kommt Artemisia unnua ins Spiel, der einjährige Beifuß. Populär ist er schon lange in Madagaskar und anderen afrikanischen Staaten, wo man erfolgreich Malaria damit behandelt (eine Entdeckung, die immerhin mit dem medizinischen Nobelpreis ausgezeichnet wurde). Erste Laborstudien zeigen sich vielversprechend ebenfalls Covid betreffend.
Und eine weitere Empfehlung kann ich euch direkt hinterherschieben. Und zwar haben wir das durch und durch sympathische Familienunternehmen *Kasimir und Lieselotte* entdeckt, mit deren Online-Handel wir die besten Erfahrungen gemacht haben - falls ihr euch entsprechend eindecken wollt. Bitte schön! Gerne geschehen!
Zutaten - 1 Glas:
150g Bärlauch 2 TL Steinsalz Abrieb einer halben Zitrone Wasser (optional Glasgewicht)*
Zubereitung:
Das Glas inklusive Deckel sterilisieren (m: mit kochendem Wasser). Die Kräuter waschen und in das vorbereitete Glas stopfen
Nun Wasser-Füllmenge und Kräutergewicht addieren und die exakte Salzmenge zum Fermentieren errechnen = 2 Prozent. Das Wasser sollte die Kräuter komplett bedecken, damit kein Sauerstoff an den Bärlauch gelangt. Deshalb kommt ein Glasgewicht (ebenfalls sterilisiert) zum Einsatz (m: ersetzt durch kleines Glasgefäß, das ich mit Wasser füllte und mir als Gewicht im Glas ausreichte).
Eine Woche fermentieren lassen - gut zu erkennen an aufsteigenden Bläschen.
Dann die Lake zum guten Teil abschütten und den Bärlauch in einem Hochleistungsmixer feinst pürieren. Zur gewünschten Konsistenz wieder etwas Salz-Lake zufügen. Wieder in sterilisierte Gläser/ Flaschen/ Behälter füllen. Um den weiteren Fermentationsprozess zu verlangsamen, diese dann im Kühlschrank aufbewahren.
*Anmerkung m: ich habe das Glasgewicht durch ein mit Wasser gefülltes Gläschen ersetzt, welches in mein Füllglas passte/ ich habe mich wie Buschfunkistan nicht streng an die 2%-Regel gehalten - daher keine Gramm-Angaben
150g Bärlauch sind lediglich ein Richtwert - logo, könnt ihr auch mehr auf einen Schlag fermentieren!