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Sonntag, 21. Oktober 2018

Jamais deux: Kürbis-Serviettenknödel


Über unseren Mechaniker lasse ich nichts kommen. Im französischen Outback ist eine gute Werkstatt fast ebenso wichtig wie ein fähiger Hausarzt. Ohne Auto ist man im wilden Frankreich völlig aufgeschmissen. Ja, eigentlich braucht man zwei Autos, sollte eines mal ausfallen. So siehts aus.

Unser Garagiste ist ein richtiger Old-School-Schrauber, einer, der einem zur Begrüßung den Ellenbogen hinhält, weil die Hände stets schwarz verfärbt sind, in dessen Werkstatt - wie meine Großmutter so hübsch zu sagen pflegte -  sieben Katzen keine Maus finden würden, der aber selbst das klapprigste Vehikel wieder zum Laufen bringt. Bref: einen Mann, den man brauchen kann.

In kurzem Abstand standen wir nun vor seiner Tür. Der Habib lachte und meinte, tja, erst sieht man sich monatelang gar nicht und dann in kürzester Zeit gleich zwei Mal hintereinander - immer mit einem Reifen unterm Arm, der Luft verliert. Verschmitzt antwortete Monsieur A. mit einem tiefgründigen Schnauber, ben, c'est la série de loi, jamais deux toujours trois!

Wir staunten ihn mit offenem Mund an. Wohl kannten wir den Spruch *Was ein Mal passiert, kann auch ein zweites Mal passieren. Was aber zwei Mal passieren, WIRD ein drittes Mal passieren.* In Frankreich war er uns seither noch nicht begegnet. Im Netz machte ich mich sofort an eine kleine Recherche und stieß auf diese Seite:  jamais deux sans trois. Da schau' her: diese Redewendung gibt es weltweit!

Was eine schöne Gemengelage, in der die Phänomenologie der Erfahrung auf fehlende, wissenschaftliche Beweise stößt. Und nun? Wie bewerten? Handelt es sich hierbei um eine globale Einbildung? Verblendung mit enormem territorialem Ausmaß? 

Eindeutig liegt für eine solche Triple-Serie von gleichen Ereignissen keine wissenschaftliche Absicherung inklusive methodischer Erhebung vor. Reicht dann die Überprüfbarkeit durch eigenes Erleben? Ganz vom Tisch kann man eine derart gängiges Sprichwort wohl nicht wischen, aber mit welchen Normen, Tests und Gutachten will man den Wahrheitsgehalt eines solche Redewendung absichern? Sollte es soetwas wie ein geistiges Gesetze geben, müsste es derer dann nicht noch viel mehr geben? Muß man - weitergedacht - also von einer ganz großen Ordnung ausgehen oder ist am Schluß doch alles nur Willkür? Hach, es ist schwierig mit der Wahrheitsfindung... vorallem, wenn man mit Werkzeugen für Maß und Zahl versucht an Qualität zu schrauben.

Nachdem sich rausstellte, dass es sich bei dem Kürbisknödel-Wunsch nicht um eine kartoffelige sondern eine brotlastige Version handelte, machte ich mich umgehend ans Werk. Nicht rund geformt, sondern als Serviettenknödel - damit kenne ich mich schließlich aus. Sowieso schmecken diese Knödel in Scheiben geschnitten und von beiden Seiten angebraten am allerbesten! Ist mir ausgesprochen gut gelungen, der Kürbis-Serviettenknödel, nicht zu fest, nicht zu weich mit schöner Kürbisnote - die kommen in meinen Standart! 


Zutaten

250g Baguette, klein gewürfelt
250g Kürbis (m: Butternut)
2 Eier
160ml Milch
Salz, Pfeffer
1/4 TL Kurkuma
1 Schalotte
2 EL Petersilie, fein gehackt
1 Stück Butter, walnussgroß
Butterschmalz, einige Blätter Salbei

1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
150g Spitzkohl
200g Kürbis (m: Butternut)
200g Mangold
1 Schuß Rotwein
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 EL Crème fraîche
Olivenöl/ Butterschmalz

Zubereitung:

Schalotte fein würfeln. In Butter glasig dünsten - kurz vor Ende die fein gehackte Petersilie zufügen. In die Schüssel mit dem gewürfelten Baguette geben. Eier verquirlen.

Butternut schälen, in ca. 0,5-1cm große Würfel schneiden und in 2-3 EL Gemüsebrühe weichkochen - gen Ende sollte der Kürbis leicht anhängen ohne Farbe anzunehmen, die Flüssigkeit sollte gut verdampft sein. Den Kürbis nicht zerdrücken, sondern einfach die Milch dazu schütten samt Kurkuma und aufkochen lassen. Mischung über das Baguette geben, mischen, zufügen und ebenfalls untermischen - am besten mit Hilfe eines Löffels ohne die Masse zu sehr zu zermatschen. Ca. 15min ziehen lassen.

2 Bahnen vorbereiten von je einer großen Alufolie über die Klarsichtfolie gebreitet ist. Die Hälfte der Masse auf die Klarsichtfolie geben und zu einer Rolle formen. Enden zuzwirbeln wie ein Bonbon. Mit der Alufolie zusätzlich umwickeln. (Anstelle der Kombi Folie-Alu geht natürlich das klassische feuchte - allerdings gut ausgewrungene Geschirrtuch -hier müssen die Enden mit Küchengarn zusätzlich geschlossen werden/ zum Einfrieren ist ersteres aber idealer).

In einen großen Topf (m: Bräter) reichlich Wasser zum Kochen bringen, die Rollen hineinlegen und in dem leicht siedenden Wasser 30min (gut) köcheln lassen. Abkühlen lassen, in 1cm-breite Scheiben schneiden und in einer Pfanne in etwas Butterschmalz zusammen mit einigen Blättern Salbei goldbraun braten.

Die rote Zwiebel sowie den Knoblauch fein hacken. Mangoldgrün von Stielen trennen - Stiele je nach Größe von Fäden befreien. Spitzkohl ebenso wie Mangoldgrün in dünne Streifen schneiden, die Stiele fein würfeln. Kürbis zu kleinen Würfeln von ca. 1cm schneiden. 

Zwiebeln mit Knoblauch und Mangoldstielen in Olivenöl anbraten. Spitzkohl und Kürbiswürfel zufügen, kurz mitbraten, dann Ofentomaten und den Schuß Rotwein anschütten, Deckel auflegen und bei kleiner Flamme ca. 10 min köcheln lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Zucker und Piment. Mangoldgrün untermischen und weitere 3-4min köcheln lassen - je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Gemüsebrühe zugeben. Die Crème einrühren und nochmals abschmecken. Zusammen mit den Serviettenknödel servieren.


Donnerstag, 18. Oktober 2018

lesen


Sommer ist in Südfrankreich die Zeit zum Feiern. Dann finden überall gleichzeitig Feste satt, so dass man sich klonen müßte, wollte man auf allen Hochzeiten tanzen - jetzt werden veranstaltungstechnisch die Gehwege wieder hochgeklappt. Prima Gelegenheit mit Muse nach einem Buch zu greifen...

Nach meinen Post #12Monaten12Bücher spiele ich mit der Idee, eine weitere Liste mit *BücherZumReinenVergnügen* zusammenzustellen. Kommen Regen- und Wintertage, kommt möglicherweise Gelegenheit.

Bis dahin habe ich euch hier 8 Bücher unter den jüngst gelesenen ausgewählt. Lieblinge davon sind 3, 5 und 6 - in genau dieser Reihenfolge (hinter jedem Bild versteckt sich der Link dazu (kein Affilate-Link)):


https://www.rowohlt.de/buch/Wolfgang_Herrndorf_Tschick.2856971.html

*Tschick* wurde kürzlich von Fatih Akim verfilmt und deshalb fiel meine Aufmerksamkeit wieder auf das Buch. So weit ich weiß, ist *Tschick* mittlerweile Schullektüre und das Buch passt als kleiner Abenteuer-Antihelden-Roman auch sehr gut in dieses Alter. Mich hat Sprache wie Geschichte sehr amüsiert - ein äußerst kurzweiliges Lesen und der *Kevin-Kuranyi-Bart* bleibt mir ewig!


http://www.diogenes.ch/leser/titel/ian-mcewan/abbitte-9783257233803.html
Erstaunlich wie sehr sich *Abbitte* und *Solar* unterscheiden - wären es Gemälde, ich hätte bezweifelt, dass sie vom gleichen Maler stammen. Ich brauchte daher etwas, um reinzufinden. Elke Heidenreich zieht in ihrer Rezension wieder die ganz großen Register: „Als es mir wirklich schlecht ging, habe ich Abbitte gelesen. Ich habe gelesen und war gerettet“  - ich bleibe in meinem Urteil etwas zweigeteilt.

Begeistert hat mich an diesem Roman besonders seine Architektur. Selten hatte ich derart den Eindruck, dass eine Geschichte wie eine Partitur durchkomponiert wurde. Wie etwa dieser sensationelle stilistische Kniff: ein unglaublich malerischer Vergleich ließ mich beim ersten Lesen direkt aufmerken und der Autor zwang mich nach Dreiviertel-Lektüre des Buches an eben jene Stelle zurück. Sehr imponierend!

Gleichzeitig macht für mich die größte Stärke von *Abbitte* auch die größte Schwäche aus: es ist mir ZU konstruiert und dadurch verlor ich unterwegs die Empathie für die Figuren... Bref: *Solar* hat weiterhin die Nase deutlich vorn.


Wir sehen uns am Meer

Dieses Buch war unter meinen Tauschbüchern und ein absoluter Treffer. Große Empfehlung! *Wir sehen uns am Meer* erzählt die Geschichte einer Israelin und eines Palästinenser, die sich in New York kennen- und lieben lernen. Die Sinnlichkeit berührt mich und die Wärme, mit der in vielen arabischen Familien miteinander umgegangen wird. In intensiven Farben macht Rabinyan deutlich, wie ein nun 70jähriger Konflikt die dort lebenden Menschen traumatisiert: die Zäune ziehen sich längst nicht nur durch Territorium, sie sind mittlerweile fest in den Köpfen der Menschen installiert. So gerne würde man trotzig den Kopf in den Nacken werfen und rufen *Liebe überwindet alles*. Hier werden die Grenzen aufgezeigt.

Was mir bei der Lektüre ebenfalls zum allerersten Mal klar wurde ist, dass die Zwei-Saaten-Lösung schon längst keine Lösung mehr darstellt - dafür ist die israelische Siedlungspolitik viel zu weit fortgeschritten: die okkupierten Gebiete durchzwirbeln den Gazastreifen und das Westjordanland wie das Fett das Fleisch durchzieht. Diese zwei Staaten lassen sich nicht mehr (und nie wieder) auseinander dividieren. Daher kann Palästina (und die Welt) nur auf einen bipolaren Staat hoffen.


https://www.amazon.de/Die-Satteltasche-Bahiyyih-Nakhjavani/dp/3442750342

Wer  an dem Buch *Der Alchimist* Freude hatte, der wird auch *Die Satteltasche* gerne lesen. Eine schöne, poetische Parabel auf das Leben, die märchenhafte Wüstenwelt mit arabischer Mystik verbindet. Es braucht allerdings die Hinwendung zu einer höheren Macht, den Glauben an Sinnhaftigkeit und die Überzeugung, dass man seinem Schicksal nicht entfliehen kann - ansonsten sollte man die Finger davon lassen... 

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Dieser Buch stand nicht umsonst monatelang auf der Bestseller-Liste von Portugal. *Am Äquator* ist ein opulenter Roman mit klassischer Sog-Wirkung beim Lesen: der Lissaboner Lebemann Luis Bernardo Tavares wird 1905 von seinem König als Gouverneur in die am Äquator gelegenen portugiesischen Kolonien São Tomé und Príncipe geschickt. Knapp beschrieben könnte man es auf die Themen Kolonialismus, Sklaverei, Moral und Leidenschaften runterkürzen, aber das wird der Wucht, der Lebendigkeit und der Intensität der Figuren wie Geschichte nicht gerecht - es gilt: mittendrin statt nur dabei!

Tavares zitiert Victor Hugo aus einer Rede vor dem französischen Parlament, einen Satz, den ich mir aus dem Buch rausgeschrieben habe: *Natürlich wird es immer Unglückselige geben, aber es ist doch möglich, dass es keine Elenden mehr gibt*. Wo wäre die Welt, gäbe es mehr Politiker, die diese Marschrichtung ausweisen und umsetzen würden?


https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Suite-francaise/Irene-Nemirovsky/btb-Taschenbuch/e295062.rhd

Die Geschichte des Buches spielt im deutsch-besetzten Frankreich des 2.Weltkrieges - mit autobiographischen Elementen. Die Schriftstellerin mit jüdischen Wurzeln, Irène Némirovsky, wird im Konzentrationslager sterben. Erst die Töchter veröffentlichen 60 Jahre nach dem Tod den Roman ihrer Mutter, dessen letzten Seiten aus Tagebuch-Einträgen von Irène bestehen.

Ich brauchte etwas, bis ich mich richtig eingelesen hatte, aber gen Ende des Buches ergriff es mich mehr und mehr. Das zeigt sich vorallem an den vielen, vielen Zitaten, die ich mir aus diesem Buch extra notierte. Außerdem gab mir die Lektüre eine winzige Vorstellung, wie überleben aussehen kann in Zeiten von Krieg - eine Frage, die mir eigentlich unvorstellbar bleibt und doch finde ich hier kluge, klare, nüchterne, scharf beobachtete Antworten.

*Schließlich beurteilt jeder die Welt nur nach seinem eigenen Herzen. Nur der Geizige sieht den Eigennutz, nur der Lüstling die Begehrlichkeiten der Menschen*.

*Ernste Ereignisse, ob glücklich oder unglücklich, verändern die Seele eines Menschen zwar nicht, lassen sie jedoch deutlicher hervortreten, so wie ein Windstoß, der die toten Blätter hinwegfegt, die Form eines Baumes enthüllt; sie beleuchten, was im Dunkeln geblieben war; sie lenken den Geist in die Richtung, in der er in Zukunft wachsen wird*

*Die Gewißheit meiner inneren Freiheit [...], dieses unverwüstliche Gut, das zu verlieren oder zu bewahren einzig und allein bei mir liegt. Dass die bis zum äußersten getriebenen Leidenschaften, wie wir sie heute beobachten, am Ende erlöschen. Dass alles, was einen Anfang hatte, auch ein Ende finden wird. Mit einem Wort, dass Katastrophen vergehen und dass man versuchen muss, nicht vor ihnen unterzugehen, das ist alles. Zuerst also leben: primum vivere. In den Tag hinein. Überdauern, warten, hoffen.*


https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Seethaler_REin_ganzes_Leben_159102.jpg

Mich hat die sehr aufs Existenzielle heruntergebrochene Biographie eines Bergbewohners nicht mitgenommen. Die körperliche Ebene wird mir zu überbewertet, ebenso wie der stoische Umgang mit Schmerz und Leid: eine archaische, raue, gewalttätige Welt, die es duldsam zu ertragen gilt. Duldsamkeit mag als Gegenentwurf zur heutigen Anspruchshaltung durchaus nachdenklich stimmen - richtig mit dem Hauptprotagonisten mitschwingen wollte ich dennoch nicht. Fazit: dieses Buch wurde nicht für mich geschrieben...


Léon und Louise

Trotz großer Begeisterung vieler Rezensenten (s. etwa bei Amazon) muß ich mich in die kleine Gruppe einsortieren, die mit dem Buch *Léon und Louise* nicht warm wurden: eine verschlungene Liebesgeschichte beginnend im 2. Weltkrieg. Die einen finden Capus Sprachstil gekennzeichnet durch eine *wunderbare Leichtigkeit* - für mich nivilliert er die unterschiedlichsten Qualitäten zu nettem Einerlei: Leidenschaft, Freundschaft, Neigung, Entbehrung, Trennung verschmelzen zu einem einzigen, heiteren Bild. Bref: ich hatte bei dieser Geschichte den Eindruck, das seichte Gewässer niemals zu verlassen, sondern sprachgewandter Oberflächlichkeit zu folgen...


https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Odins-Insel/Janne-Teller/btb-Taschenbuch/e374040.rhd

Von dem Titel *Odins Insel* versprach ich mir eine ordentliche Portion Mystik, was ich tatsächlich bekam, war eher das Gegenteil: Entmystifizierung von menschlichem Miteinander. Die Eckdaten des Romans sind eindeutig frei erfunden, ansonsten beschäftigt sich Janne Teller vorrangig mit durchaus realistischer Kritik an unserer heutigen Gesellschaft samt Politik. Sie zeigt auf, wie schnell etwas/ oder jemand instrumentalisiert und verfremdet werden kann aus Eigennutz einzelner Personen oder Gruppen. Missbrauch bezweckt Vorteile. Nichts leichter als verblendete Menschen - durch welche Ideologie auch immer - gegen einander aufzuhetzen. Und wie schnell dabei gesunder Menschenverstand, Logik und Toleranz über Bord geworfen werden.

Schön karikaturiert wird die Handlung durch die Weihnachtszeit, vor welchen Hintergrund diese Geschichte gestellt wird. Das Buch stand übrigens lange auf den Bestsellerlisten Dänemarks... Mal weiter rein hypothetisch: besiedelten hauptsächlich Individualisten diesen Planeten - derlei wäre nicht möglich; die wollen nämlich im Wesentlichen eines: ihre Ruhe.

Montag, 15. Oktober 2018

Von olls a bisserl: das Rummel-Brot


Menschenansammlungen, große Menschenansammlungen und ich passen nicht mehr zusammen. Du meine Güte, da klebt man möglicherweise an Typen, die man sonst mit der Bohnenstange von sich fern halten würde. Dieses Aufeinanderdraufstehen macht mir nicht nur Unwohlsein in ausgeprägtem Stadium, es macht mir obendrein scheußlich schlechte Laune,

Rummel, Kirmes oder Jahrmarkt - wie auch immer - scheiden daher ebenfalls aus. Obendrein dieser Radau, das Geschrei, die komische, anstrengende Musik, überall blinkende Lichter und das klebrige-fettig-fleischige Essen. In einer Menschenmenge! Wirklich lieber nicht.

Fasching ohne Alkohol ist wie Bahnfahren ohne Ticket - nur dass man bei ersterem als Schwarzfahrer sofort auffliegt. Das liegt wohl an einer leichten Verkleidungsmuffeligkeit, vorallem aber an der Verweigerung zur Gruppenekstase.

Bref, Oktoberfest und ich - das wird in diesem Leben nix mehr. 

Wobei ich beim Drüberschauen über die Zahlen und Statistiken gestaunt habe, weil nach meiner Vorstellung das Oktoberfest mehr etwas für Karnevalisten denn für Traditionalisten ist. Nix, was annährend so bekannt wäre und verbunden wird mit Deutschland wie das Oktoberfest - rund 90% aller Menschen weltweit ist das Oktoberfest ein Begriff. Unterwegs auf Reisen bestätigt sich das - nur Hilter ist populärer. Daher war mein Tipp, dass die Amis die stärkste Besuchergruppe von den insgesamt über 6 Millionen ausmachen - so angezogen von einer großen Kostüm-Alk-Sause mit einem Hauch Kultur. Tatsächlich aber füllen die Zelte in den zwei Wochen hauptsächlich Einheimische: 72% sind Bayern davon 60% Münchener. Nur 19% der Besucher kommt aus Ausland. Da habe ich mich also mit meinem Faschingsdirndl geirrt - viel mehr scheint der Geist des Oktoberfests *Mia san mia* zu sein.

Auch sonst beeindrucken die Zahlen: 1 Millarde Euro Umsatz schreibt die Wirtschaft gut, was  bedeutet, dass umgerechnet ein Besucher im Schnitt und Tag 63 Euro Ausgaben ausgibt. Wirklich alle trinken - statistisch gesehen - mindestens eine Maß Bier: 7,5 Millionen Maß Bier werden bei einem Fest etwa ausgeschenkt (davon erleiden nur läppische 700 Besucher eine Alkohol-Vergiftung). Dazu verspeist man sehr viel Tiere: knapp 367 000 Brathähnchen, 116 Ochsen und 58 Kälber. Von Enten, Schweinen und Brezeln habe ich keine Zahlen gefunden. Beende ich das Zahlenspiel mit dieser: 900 Tonnen Restmüll sammeln sich nach den zwei Wochen an.

Aber wie pfegte der bayrische Großvater einer Freundin zu sagen: *Im Krieg is mehr hi worn*. (Im Krieg ist mehr kaputt gegangen).  Soll heißen: ich kann wirklich in keinster Weise nachvollziehen, warum man auf das Oktoberfest gehen sollte, aber gerade das macht das Phänomen sowie das Beobachten der anderen beim anders sein so spannend... aus der Entfernung!

Bei meinem Brot konnte ich mich nicht entscheiden, was ich als Zutat noch in den Teig geben wollte: Bier, Kefir, Mohn, Kartoffeln, Quinoapops, Dinkel. Von olls a bisserl halt - oder ein echtes Rummel-Brot. Das zweichnet weiter aus eine guter Frischhalte-Qualität, eine einfache Sauerteig-Führung und eine längere, kalte Führung. Wer hier schon länger mitliest, wird nicht überrascht sein.


Zutaten :

Sauerteig - ca. 14 Stunden bei 24
160g Dinkel-Vollkorn
160g Wasser
12g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Hauptteig:
Sauerteig
200g Dinkel-Vollkorn
30g Roggen-Vollkorn
100g Dinkel 1050
300g Weizen T65 (550)
250ml Bier
200g Kartoffeln, gekocht
150gml Kefir
25g Mohn

16g Salz
30g Quinoa-Pops
+/- 30ml Kefir

Zubereitung

Sauerteig rechtzeitig auffrischen. Den Sauerteig für das Brot am Nachmittag zuvor (m: ca. 16 Uhr) ansetzen.

Am nächsten Tag (m: ca. 8 Uhr) die Kartoffeln kochen, schälen, und fein reiben. Die erstgenannten Zutaten kurz miteinander vermengen und 40min zur Autolyse stellen.

Nun die anderen Zutaten (Salz und schluckweise Kefir) dazugeben und ca. 10-12min kneten, bis der Teig anfängt zu glänzen und die Gluten sich gut entwickelt haben (Fensterscheibentest). Erst kurz vor Ende die Pops untermischen (letzte Minute).

In eine geölte große Schüssel geben, den Teig direkt 1 x falten und abdecken. Nun drei weitere Male falten, alle 30 Minuten. Nach 2 Stunden sollte der Teig mit der Blasenbildung begonnen haben. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche teilen und rund wirken und mit dem Schluß nach oben in vorbereitete Gärkörbchen setzen. Weitere 30min abgedeckt ruhen lassen, dann in den Kühlschrank verfrachten für etwa 5-7 Stunden. 

Ist währenddessen der Teigling deutlich aufgegangen, dann direkt in den vorgeheizten Ofen (nach dem Einschneiden) einschießen. Diese Entwicklung hängt immer mit den Tagestemperaturen zusammen während des Faltens. Sind die Teiglinge nicht deutlich sichtbar aufgegangen, dann lasse ich sie noch etwa 40min akklimatisieren, bevor ich sie in den Ofen gebe.

Ofen auf 240° vorheizen, mit Dampf einschießen und fallend auf 200° etwa 45min backen (Klopftest). Weitere 5min bei leicht geöffneter Tür und Umluft gebacken.


Freitag, 12. Oktober 2018

12 von 12 - Oktober 2018














Viele Gartenbilder können das Hauptgeschehen des Tages nicht verheimlichen: umstechen, rechen, Senf einsäen, Quitten ernten - bei seltsam unpassenden Temperaturen. Aufräumen gehörte auch zu. Tsss, kams mir währenddessen - das war einst EXAKT der Grund, wieso ich keinen Bock mehr auf WG hatte: diese ewige Diskutiererei, wer mit dem Putzen dran ist. So grün war ich hinter den Ohren, dass ich tatsächlich glaubte, das Thema *Ordnung machen* hätte sich mit Auszug aus der letzten WG von selbst erledigt... Echt, volle *tsss*...

Von den vielen schönen Quitten (ich mache ein paar Gläschen Gelée und vielleicht en plus Quittenschnitten) bekommt die Nachbarin etwas ab - die, bei der wir unsere Eier holen und bei der die Flauschis zu bewundern sind. Und zwar auf dem Weg ins Nachbardorf zur Post. Apropo Post. Wir werden immer wieder darauf angesprochen, wieso eigentlich ein so pupsig kleines Dorf wie Gigors überhaupt eine Marie (Bürgermeisterei) hat (wenngleich auch keine Post). Tjaha, blödes Vorurteil - flächenmäßig leben wir in einer der größten Gemeinden Frankreichs und die Häuser liegen lediglich gut verstreut.

Und wenn wir schon bei falschen Bildern sind, deren Enttarnung ebenfalls wiederholt auf Erstaunen stößt: auch wenn hier alles so ursprünglich, wild und weltvergessen wirkt, gibt es den berühmten Ziegenstall zum echten Schnapperpreis schon lange nicht mehr. Au contraire - die Drôme zählt zu den teuersten Pflastern. Außerdem gibt es das Problem vieler ländlicher Regionen hier überhaupt nicht: Abwanderung und Veraltung der Gesellschaft. Viele Familien mit noch mehr Kindern füllen die Kindergärten und Schulen allerortens... So, wäre das ebenfalls geklärt...

Bemerkt? Kein Bild weder vom Porridge noch vom hulahupsen oder café (den gabs natürlich wie so oft in Beaufort). Dafür wie immer der Blick ins Tal. Gleich zwei Mal. Wie spät die Sonne aufgeht - nach 8 Uhr. Zum nachmittäglichen, süßen Zusammensitzen fabrizierte ich eine schnelle, französische Knabberei: Palmier. Auch bekannt als Schweineohren. Logo, aus selbstgemachtem Blätterteig (griffbereit aus der Tiefkühle). Eigentlich durchaus ein bißchen WG-mäßig, dieses *Fastzusammenleben* mit Gästen und die damit einhergehenden Gespräche mit bunt gemischten, unterschiedlichen Menschen dank der Ferienwohnungen...

Jetzt bin ich müde gearbeitet - die Restenergie reicht gerade, um die 12er noch fertig zu machen. Und bei den anderen zu gucken, die wie jeden 12. bei Mme Kännchen in ihren Tag blicken lassen... Kommentare beantworte ich lieber morgen... frisch...

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Melancholie: DUBB-Bienenstich-Apfelkuchen


Manchmal tut mir alles weh. Bei Sonnenschein und körperlicher Gesundheit. Dann weiß ich mich schlecht zu erklären. Wobei eigentlich ein einziges Wort ausreicht: Melancholie. Alles scheint schwer. Und nein, nicht wegen ein bißchen Herbst.

Mittelalt - oder mitteljung (je nach dem von welcher Seite man das Glas betrachtet) - bin ich jetzt. Und gefühlt bin ich schon einen weiten Weg gegangen. Doch wie heißt es in der Bibel: *Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.* Das leuchtet mir durchaus ein. Warum auch Kraft vergeuden für Dinge, die hinter einem liegen und eh nicht mehr zu ändern sind. Es war trotzdem anstrengend bis hierher.

Und wende ich meinen Blick auf die Welt, dann müßte ich eigentlich an dem allgegenwärtigen Elend zusammenbrechen. Für was oder wen die Hölle noch erfinden? Aber ich bin kein Christopherus. Und zu glauben diesem Außen könnte ich nur ansatzweise gerecht werden, ist völlige Anmaßung. Oder Scheinheiligkeit. So viel Mitgefühl habe ich noch nicht einmal ansatzweise theoretisch. Wer traut sich überhaupt wirklich dorthin zu denken?

So seufze ich über die Erdenschwere. Sie drückt uns alle. Und heute besonders mich. Der Buddhismus fasst das wohltuend klar in Worte in seiner Auffassung der edlen vier Wahrheiten - darin zentral: das Entstehen von Leid. Ich finde Trost allein in der Möglichkeit, dass man Leiden vermeiden kann durch einen anständigen Lebenswandel. Ja, man kann so lange dem Heilsein entgegen streben, bis man aus dem Rad der Inkarnation aussteigen darf. Das Ende allen Leidens. Was eine Hoffnung: Nie wieder Erde!

Alleine die Vorstellung, dass alles wieder auf Anfang gedreht werden könnte; ein ganzes Leben wieder von vorne beginnen. Nochmals all die bitteren Erkenntnisse, die Lügen, die Dummheiten, der Betrug, die Enttäuschungen, die Trauer, der Verlust, die Schmerzen!? Wie kann man in Anbetracht dessen auch nur einen einzigen Tag jünger sein wollen?

Vielleicht - wenn es keinerlei spirituellen Überbau gibt - vielleicht reichen dann Träume von Jugend, Reichtum und Schönheit aus, um sich zu sättigen, abzulenken, zu illusionieren. Dass andere SO anders sind... Auch manchmal schwer auszuhalten: die Einsamkeit, die damit einher geht. *Es schwindelt mir, es brennt die Eingeweide, nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.*

Kuschel ich mich an den Habib. Schmiege ich mich etwas in die arabische Musik, deren Poesie so tief schwingt zwischen all den Gegensätzen dieses Planeten. Dafür spiele ich euch die Algerierin Souad Massi ein, der ich schon live zuhörte, während der Habib in der Wüste verschwand. Zuckere ich uns das Leben ein bißchen auf mit Apfelkuchen. Vielleicht - ein Versuch ist es wert - läßt sich so all das wegschieben, was gerade schwer wiegt.

Blinder Verlaß war auf Evas Empfehlungen. Ja, das ist ein DUBB im engsten Sinne. Genau so wie ihr dunkler Kirschkuchen. Winzige Änderungen: heißer gebacken und weniger süß. Ein kleiner Stoßdämpfer für melancholische Momente!


Zutaten:

Teig:
250g Mehl(m: D630)
50g Zucker (m: selbstangesetzter Vanillezucker)
125g Butter
1 EL Quark
1 Pr Salz
etwas kaltes Wasser

Füllung:
1 kg Äpfel (Boskop oder Elstar)
300 ml Apfelsaft
1 Päckchen Puddingpulver 'Vanille-Geschmack' (zum Kochen) 
1 Stück Ingwer, walnussgroß, feinst gehackt

4 EL Zucker 

Topping:
1 Prise Salz
75g Butter 
60g Zucker
1 EL flüssiger Honig
150 g Mandelblättchen
3 EL Milch

Fett für die Form

Zubereitung:

Für den Teig: Mehl, 50 g Zucker, Salz, Quark, etwas kaltes Wasser und 125 g Butter in Flöckchen erst mit dem Knethaken des Rührgeräts, dann mit den Händen zum glatten Teig verkneten. Teig in einer gefetteten Springform (Durchmesser 26 cm) zu einem Boden mit ca. 3 cm hohen Rand andrücken. Mit einer Gabel einstechen und ca. 30 Minuten kalt stellen. (m: Tiefkühltruhe)

Für das Topping: Für den Bienenstich-Guss 75 g Butter, 50 g Zucker, Honig und Mandeln unter Rühren aufkochen, bis die Masse leicht bräunt. Vom Herd ziehen und Milch unterrühren.

Für die Füllung: Äpfel schälen, vierteln, entkernen und grob würfeln. 250 ml Saft aufkochen. Puddingpulver, 4 EL Zucker, gehackter Ingwer und 50 ml Saft glatt rühren. In den Saft rühren, kurz aufkochen, Äpfel zugeben. Masse in die Form füllen

Ofen auf 190° (O/U-Hitze) vorheizen

Backen: 1 Stunde - im vorgeheizten Backofen auf der untersten Schiene ca. 20 min backen. Temperatur runterstellen auf  175°. Die ersten 30 Minuten ohne Bienenstich-Guss, dann den Guss auf dem Kuchen verteilen und weitere 30 min zu Ende backen. Auskühlen lassen. 

Anmerkung m: die ersten 15min, die der Kuchen MIT Bienenstich-Guss buk, hatte ich den Ofen auf Umluft 180° - das halte ich für die größte Schwierigkeit dieses Kuchens: man muß seinen Ofen etwas kennen, damit der Boden durchgebacken ist und der Guss golden. Original: U-/Oberhitze: 175°C/Umluft: 150° C

Zum besseren Anschneiden sollte der Kuchen durchgekühlt sein - die Bienenstichkruste läßt sich nicht besonders glatt schneiden, dafür bleibt sie selbst am nächsten Tag noch knusprig...



Donnerstag, 4. Oktober 2018

Wunschkonzert: Kürbis-Knödel mit Mangold-Gemüse


Wie oft stehe ich in der Küche und weiß' nicht recht, was kochen. Ein echtes Luxus-Problem. Der Habib ist meistens keine Hilfe, denn sein Beitrag in solchen Situationen lautet üblicherweise: Alles recht.

Oft gucke ich mich dann im eigenen Fundus um. Dieses Risotto mit dem ersten Kürbis des Jahres gabs gerade wieder. Ebenso wie die Tarte Tatin Surprise. Und wie den Evergreen-Rotweinkuchen. Oder die Kürbis-Spätzle mit Linsen. Ist ja nicht so, dass ich gar keine Ideen hätte. Nur eben nicht täglich. Oder ich koche uns etwas ganz einfaches. Wie Bratkartoffeln mit Rahm-Spinat und Spiegelei. Herje, ein Kindheitslieblingsessen, was immer lecker bleiben wird!

Perfecto fand ich, wie an einem solchen *Hach, was-kredenze-ich-uns-Tag* die Inspiration ins Haus flog. In Form einer lieben Feriengästin als auch Blogleserin (Coucou Sylke). Sie fragte mich hier nach einem Rezept für Kürbisknödel. *Ohhh, Kürbisknödel*, dachte ich sofort, eine super Idee und ich wußte direkt, wie ich sie machen wollte - und zwar in Anlehnung an diese Kürbis-Gnocchi.

Gut, Ganzgenaue könnten jetzt einwerfen, grundeigentlich handelt es sich um Kürbis-Kartoffel-Knödel. Wollte man reine Kürbisknödel machen - siehe etwa diese Kürbisgnocchi - dann ist das mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Also ich kann mit dieser Paarung gut leben. Sehr gut sogar. Wir haben richtig zugeschlagen. Gerade wenn die Knödel noch knusprig gebacken wurden, sind sie völlig unwiderstehlich.

Die Konsistenz des Teiges könnte misstrauisch machen. Aber auf meine Rezepte ist Verlaß - nur Mut! Die Knödel lassen sich nur mit feuchten Händen formen und 100% rund bekommt man sie auch nicht (weil der Teig eben etwas zu weich dafür ist). Aber aus geschmacklichen Gründen wollte ich nicht mehr Mehl zufügen (was ihr natürlich machen könnt, wenn ihr auf die ideale, runde Form besteht). Für den Zusammenhalt der Knödel sowie einen schönen Biss braucht es nicht mehr.

Herrlich fand ich ein Mal mehr die Verbindung von Kürbis und Mangold. Das gewisse Eßwas machte mein geschätzter Noilly Prat - der drehte ein einfaches Essen ins Besondere! Echt, volle Begeisterung! Und weil das nun eine ausgesprochen befruchtende Geschichte war, rufe ich hiermit laut nach mehr! Ja, ich starte *das Wunschkonzert*! Liebe Leserschaft, ihr sucht schon eine Weile nach einem gelingsicheren Rezept für ein bestimmtes Gericht - dann wenden Sie sich vertrauensvoll an mich. I will try my very best!


Zutaten 2-3P:

300g Kürbis (m: Butternut)
200g Kartoffeln
100g Mehl (m: Dinkel-Vollkorn)
1 Ei
1/2 TL Koriander, frisch gemahlen
70g Ziegenfrischkäse
Salz
1 Schalotte
1 EL Petersilie, fein gehackt
Butterschmalz

250g Mangold
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
ein großzügiger Schuß Noilly Prat
1 EL Mascarpone
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl 

frisch gehobelter Parmesan

Zubereitung:

Die Kartoffeln in einem Topf knapp mit Wasser bedecken und weich garen. Abgießen, noch warm pellen und direkt durch die Kartoffelpresse drücken. (Der Teig sollte noch warm vermengt werden).


Den Kürbis waschen, entkernen und grob würfeln. Einen Topf mit etwa 2cm hoch Wasser füllen, die Kürbiswürfel darin bei geschlossenem Deckel weich garen. Das Wasser soll dabei komplett verdampfen und so am Topfboden hängen bleiben, dass der Kürbis dabei noch keine Farbe angenommen hat. Den Kürbis in ein Tuch geben und gründlich auspressen (m: war bei mir nicht notwendig). Kürbisfleisch mit Hilfe einer Küchenmaschine  zusammen mit dem Ei fein pürieren (meinen Kürbis konnte ich mit dem Löffel zerdrücken). Die Schalotte fein würfeln in etwas Öl glasig dünsten, kurz vor Ende die fein gehackte Petersilie zufügen.

Die durchgepressten Kartoffeln mit dem Kürbispüree, dem Mehl, dem Ziegenfrischkäse, der Schalotte und den Gewürzen zu einem glatten Teig mischen. Salzen, pfeffern. Mit nassen Händen ja 12-13 Knödel formen. Reichlich Salzwasser zum Sieden bringen und die Knödel darin so lange garen, bis sie an die Wasseroberfläche steigen (dauert einige Minuten). Mit einer Schöpfkelle herausholen und auf einer Platte zwischenlagern. Etwas abkühlen und abtrocknen lassen. Dann halbieren und in Butterschmalz auf der Schnittfläche goldig braten.

Parallel den Mangold auf den Weg bringen. Mangold waschen, Stiele von Blättern trennen. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. In Olivenöl beides glasig dünsten, dann die fein gehackten Mangoldstiele zufügen und weitere 5min braten. Weiter den in feine Streifen geschnittenen Mangold zufügen. Den Mangold zusammenfallen lassen. Dann mit einem schönen großen Schluck Noilly ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Mit Salz, Pfeffer und Mascarpone sowie Piment abschmecken. Zusammen mit den Knödel servieren. Mit gehobeltem Parmesan servieren.


Montag, 1. Oktober 2018

Schicksalstag: Schneewittchen-Torte


Was ist Wahrheit? Was ist Liebe? Was Schicksal? Was Zufall? Was Gott?

Das sind eigentlich alles keine Fragen, die als Diskussionsgrundlage dienen könnten. Es kommt halt drauf an...

Einer meiner *zu Tisch mit...*-Erlesenen, Moritz Bleibtreu, gab dieses Jahr in einem Interview folgende Antwort: *Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Allerdings verachte ich die Kirche. [...] Ich habe unlängst mit meinem neunjährigen Sohn über Gott geredet. Und da sagte ich ihm, dass ich es toll fände, wenn jeder für sich seinen eigenen Gott definieren würde. Da wäre doch die Welt viel schöner und bunter. Da könnten wir uns doch alle untereinander austauschen.*

Mir hat sofort gefallen, dass Moritz seinen eigenen Weg sucht und sich nicht an Vorgaben oder Trampelwegen orientiert. Exakt mein Ansatz, nämlich der der Individualität und damit der Freiheit. So nur dürfen andere anders sein. Überhaupt bin ich fest davon überzeugt, dass genau das der Schlüssel zu nahezu allem ist: die höchstpersönliche, individuelle Erfahrung. Die eigene Neugier. Ohne die fehlt einem das nötige Erlebnis und die damit einhergehende Einsicht. Ohne eigene Erfahrung kann einem - ganz wie es etwa die Esoterik so hübsch betreibt - jeder alles erzählen. Es reicht einfach nicht, über die Liebe ein Buch gelesen zu haben. Es braucht die Erfahrung. Bon, vermutlich muß man dennoch kategorisch zwischen zwei Typen Mensch unterscheiden. *Es gibt nur zwei Arten zu leben. Entweder so als wäre nichts ein Wunder oder so als wäre alles ein Wunder*, sagt Einstein. Nicht alle Türen stehen allen offen.

Die Begegnung mit dem Habib war mein Kismet. Maktub. Eine feste Säule. Die große Wende. Ich wußte es sofort, weil mir das erste Zusammentreffen den Atem nahm. *Du bist atemberaubend* - das habe ich nur ein einziges Mal in meinem Leben erlebt. Und ich bin SO froh, dass auf meine Sinne Verlaß war. Keinen Wimpernschlag zögerte ich, alles Vertrauen auf diese eine Person zu setzen. Man hielt mich damals für verrückt.

Selbst wenn ich versuchen kann, Erklärungen zu finden, nötigt mich meine eigene Geschichte immernoch zum Staunen. Eben weil ich erlebt habe, dass es eine viel größere Weisheit gibt, als die, die ich nur erahnen kann, die des Magnetismus. *Magnetes Geheimnis, erkläre mir das! / Kein größer Geheimnis als Lieb und Haß* (Goethe). Wie konnte es sein, dass ich mich in den Habib verliebte? Hinweg über die Konvention, dass man sich einen Partner ungefähr gleichen Alters sucht. Ihr entschuldigt, aber auch dafür lasse  ich mir wieder helfen. *Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe (Goethe). Herz zieht mit Kopf am gleichen Tauende.

Was lasse ich mir gerne Kennenlerngeschichten erzählen. Sie sind so vielfältig, so unendlich unterschiedlich, so schicksalshaft, so unerklärlich. Zwei sich kreuzende Wege, die für zwei Menschen Epoche machen. Märchenhafter Zufall. Oder wie nennt ihr das?

Logisch, dazu braucht es einen süßen, ebenfalls märchenhaften Support: die Schneewittchen-Torte, die so rot wie Blut, so weiß wie Schnee und so schwarz wie Ebenholz ist. Es ist eine Torte für Einsteiger, eine Torte für Unambitionierte, für Blender, für Angeber ohne viel Können - also die perfekte Torte für jemanden wie mich. Ich hob sie mir auf, für eine kleine deutsche Kuchentafel hier in Frankreich. Wohlwissend, dass die Fränzis die *Kaffee-und-Kuchen-Exotik* sowieso nicht zu schätzen wissen. Den Boden kennt ihr ähnlich bereits: es ist eine Abwandlung von diesem Blog-Buster-Marmorkuchen. Eine grundsolide, geschichtete Kombi, machbar selbst mit zwei linken Händen und ohne eine einzige Tülle aber mit Effekt auf dem Teller. Wer mag mit Assoziation zur legendären Schwarzwälderkirsch...



Zutaten - Springform /Tortenring:

150g Mehl
1 TL Back-Pluver
1 Pr Salz
125g Butter
125g Zucker
3 Eier (klein, oder 2 große)
60ml Sahne
2 EL Nutella
1 EL Kakao
50g gehackte Schokolade (70%)
Tonka-Bohne
1 Msp Nelke, gemahlen
1/2 TL Kardamom
1 Glas Sauerkirschen
1 EL Kirsch

200g Sahne
400g Quark
50g Mascarpone
50g Puderzucker
5 Blatt Gelatine
4 EL Orangensaft, frisch

250ml Kirschsaft (von Kirschen im Glas)
1 Päckchen roter Tortenguß

Zubereitung:

Ofen auf 175° (O/U-Hitze) vorheizen.
Kirschen abschütten und gut abtropfen lassen. Saft auffangen und für später zur Seite stellen. Wer mag mariniert die Kirschen mit 1-2 EL Kirsch-Schnaps.

Mehl, Backpulver und Salz durchsieben und beiseite stellen. Schokolade hacken. Eine Springform von 26cm Durchmesser buttern und mehlen.

Butter, Zucker und Tonkabohne schaumig rühren. Eier nacheinander einrühren bis die Masse hellcremig ist. Sahne einrühren. Mehlmischung gerade so lange einrühren, bis ein homogener Teig entstanden ist.

Den Teig auf 2 Schüsseln aufteilen. In die eine Hälfte das Nutella, das Kakao-Pulver, die Schokoladenstückchen und den Kardamom sowie die Prise Nelkenpulver einrühren.  In die Springform zuerst den hellen, dann den dunklen Teig einfüllen - zuletzt die Kirschen darauf verteilen und die Oberfläche glatt streichen (dabei die Kirschen etwas in den Teig drücken). Etwa 35-40 Minuten backen. Auskühlen lassen.

Den Kuchen auf eine Platte umsetzen und mit einem Springring versehen. Die Gelatineblätter in Wasser einweichen. Die Sahne steif schlagen. Quark mit Mascarpone und Puderzucker verrühren. Die Gelatine ausdrücken und mit dem Orangensaft auf kleiner Flamme in einem kleinen Topf auflösen. Zuerst mit 2-3EL Quark gut vermengen, dann mit dem restlichen Quark. Zuletzt die Sahne untermischen.

Nun nur noch nach Packungsanweisung den roten Tortenguß mit dem Kirschsaft herstellen, etwas abkühlen lassen, dann mit einem Eßlöffel auf der Quarkmasse verteilen und glatt streichen. Kühl stellen - am besten über Nacht. Um den Tortenring zu lösen, mit einem Messer daran entlang fahren. Zum Aufteilen der Kuchenstücke habe ich ein entsprechendes Kuchengitter auf den ausgekühlten Torgenguß gedrückt.

Inspiration: CK


Sonntag, 30. September 2018

abgefärbt: mediterrane Spätsommer-Ravioli


Bestimmt sind wir uns einig, dass die Umgebung auf uns abfärbt. Nach 13 Jahren hier in Südfrankreich merke ich, wie ich mich an das ein oder andere angepaßt habe.

Die Weite, die Stille, die Größe, die mit unserem Blick ins Tal einher geht, setzt vieles in andere Relationen. Mikrokosmos-Makrokosmos scheinen sich  bei uns in der Horizontlinie zu berühren. Das nivelliert doch einiges von ganz alleine - vorneweg  die Emotionen, mit denen die Medien versuchen, eine Nation zu füttern. Was hat das mit uns zu tun? Allermeistens rein gar nichts. Wenn, dann lasse ich es durch die Flimmerkiste in meine Nähe tragen und lasse zu, dass ich mitschwinge.

Unser Frieden tüncht alles in einen Heile-Welt-Modus. Das mag etwas abgekitscht klingen, ist aber genau so. Ausgewildert und ausgenüchtert schauen wir uns an, andere und in die Ferne. Doch, ich kanns nur bestätigen: in der Ruhe liegt die Kraft. Etwas feinfühliger wird man dabei wohl - das läßt sich nicht vermeiden. Sowas kommt von sowas.

Alles wird schnell intensiver: jeder Geruch, jedes Wort, jedes Lied, jede Miene. Wie bei einem ruhigen See. Da macht eben der kleinste Kieselstein sofort Wellen. Ganz à la *Beachte das Was, mehr beachte das Wie* (Goethe).  In die Ecke der Hochsensibelen wollen das manche gerne drücken. Aber dagegen wehre ich mich entschieden. Nein, nein. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. 

Ich vergleiche die Sinne gerne mit einem fein eingestellten Radio. Je weniger Rauschen umso deutlichere Signale, bzw. gut funktionierende, klare Sinne. Oder: Ohren, die hören können und Augen die sehen können. Im Gegensatz zu Hochsensiblen, die ja überfordert sind von der Sinneswahrnehmung und diese - für mein Dafürhalten - überdrehen, überbewerten oder falsch einsortieren.

Nun, das Kuriose ist allerdings, dass das leider nicht gleichzeitig bedeutet, dass wenn die Sender des Radios ein Mal gut auf Empfang gedreht sind, dass das dann so bleibt. Es gilt: je lauter und hektischer die Umgebung, umso mehr sind meine Sinne übertönt. Kann man sich ja leicht vorstellen am Beispiel Geruch: sind davon viele starke in einem Raum, überlagert einer den anderen und sie verschwimmen zu einem Grau wie die Wasserfarben im Glas für den Malpinsel.

Aber auch Südfrankreich wabbert in mich über. So bin ich schon um Welten besser geworden, im Fünfe gerade sein lassen. Das *tant pis* (was soll's) rutscht mir mittlerweile ganz lässig über die Lippen. *Pffffhhh* schnaube ich, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das ist das Savoir-Vivre. Warum die Dinge so streng und eng nehmen. Manchmal hilft es - wie die Südfränzis - mehr die Schulter zu zucken und ein wenig Abstand einzunehmen.

Oder mein Knoblauchverzehr. Der hat sich exponential vermehrt in den letzten Jahren. Logisch, reden wir von dem schönen, lila Knoblauch, für den die Drôme Anbaugebiet ist und nicht von dem weißen mit den kleinen, fisseligen Zehen. Kein Gericht ohne einen ordentlichen Schwung an Knoblauch. Ja, hier glaubt man fast, Knoblauch könne Wunder wirken. Im Prinzip wird er als Heilmittel für alles außer Liebeskummer eingesetzt. Und noch nie, wirklich noch nie ist mir passiert, dass jemand nachhakte, ob Knoblauch im Essen ist - wegen einer Gefährdung des Atems oder anderer Bedenken.

Heute feiere ich nochmals den Spätsommer - möglicherweise mit der letzten Zucchini des Jahres. Zumindest in Keulengröße. Und ich feiere wieder die Tomatenbutter in einer neuen Variante. Was kommt die seit ihrer Entdeckung gut an. Bon, man könnte sich jetzt streiten, was zuerst war: das Angebot oder die Nachfrage. Aus einer Kreuzung der Tomatenbutter mit diesen Ravioli bastelte ich diese Füllung. Ein voller Erfolg also. Wie könnte es anders sein samt dem Blog-Buster-Zucchini-Rezept...


Zutaten 2P:

Pastateig
100g Dinkel 630
90g Hartweizenmehl
2 Eier
Salz
Öl

Füllung
100g Ziegenfrischkäse, cremeux
45g Tomaten, getrocknet
1 EL Crème fraîche
2 Knoblauchzehen
1/2 Zitrone, Abrieb davon
2 EL Basilikum, fein gehackt

1 Blech: Keulenzucchini
mit Olivenöl
und Oregano
(m: gelb/ grün)

200g Kirschtomaten
ein Stich Butter
Vanille-Zucker (m: selbst angesetzt)
Salz, Pfeffer
Thymian

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Pastateig sorgfältig einen homogenen Teig kneten, in Folie einwickeln und mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Für die Füllung die getrockneten Tomaten in kochendem Wasser einweichen (Einweichwasser von getrockneten Tomaten nicht entsorgen - wird später gebraucht für Kirschtomaten in Pfanne). Dann alle Zutaten miteinander vermengen, fein pürieren und würzig abschmecken (dabei leicht überwürzen, denn die Intensität wird sich als Ravioli gegart etwas verlieren). In eine Spritztülle (oder einen kleinen Gefrierbeutel mit abgeschnittener Ecke) füllen.

Den Pastateig dünn auswellen (m: Marcato - Stufe 6 von 7), auf das Raviolibrett passend zuschneiden und dann nacheinander füllen. Vor dem Auflegen der zweiten Pastaplatte die Zwischenräume mit Hilfe eines Pinsels mit Wasser bestreichen. Das Raviolibrett mit Schwung wenden, gut festdrücken und in Ravioli schneiden. Auf ein mit Hartweizenmehl bestreutem Küchentuch auslegen und mit einem weiteren abdecken. So weitermachen bis Platten wie Füllung verbraucht sind.

Die Zucchini in dünne Scheiben hobeln. Ein Backblech mit Backpapier auslegen und dünn mit Olivenöl einpinseln. Die Zucchini-Scheiben dachziegelartig darauf setzen. Nochmals mit Olivenöl bestreichen. Dann salzen, pfeffern und mit getrocknetem Oregano bestreuen. Bei 220° für ca. 25-30min in den Ofen schieben, bis die Zucchini deutliche Bräunung aufweisen kann.

Parallel die Kirschtomaten halbieren und in Butter zusammen mit dem Vanillezucker und dem Thymian schwenken. Etwas von dem Einlegewasser der getrockneten Tomaten zufügen und salzen und pfeffern.

Gleichzeitig reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Ravioli darin al dente kochen. Die Zucchiniplatte in Streifen schneiden. Diese als erste zum Anrichten auf den Teller setzen, die Ravioli darüber geben, dann die Kirschtomaten und mit etwas frisch gehobeltem Parmesan bestreuen.