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Dienstag, 29. September 2020

Pasta-Maniac: Cavatelli mit sahnigem Zitronen- Zucchini


Bei dem umfassenden Thema *frische Pasta* bin ich ja äußerst empfänglich für sämtliche Inspirationen. In meiner Welt kann man sich nicht verlässlicher das Leben ein Quäntchen schöner kochen als mit selbstgemachten Nudeln. Ja, ihr wißt es: ich bin ein Pasta-Maniac!

Hinzu kommt, dass ich außerdem Handwerkerin bin. Das Schöne für mich am Kochen ist, dass alles wie in der Bildhauerei durch die Hände geht - was ist das haptisch, was ist das sinnlich! Ganz klar, so weit es mir möglich ist, mache ich am liebsten alles von Hand und verzichte auf Strom. Als Susanne das tönende Loblied auf die Cavatelli-Maschine Demetra anstimmte, mußte ich mir die auf jeden Fall genauer anschauen. Und ehe ich das noch konnte, überraschte mich der Habib - der Wind davon bekommen hatte - damit als Geschenk.

Nun zählen zu meinen Besitztümern, mit denen Pasta herzustellbar ist - neben klassischem Nudelholz und Holzbrett, Gnocchibrett, Raviolibrett, Spätzle-Brett, Knöfli-Sieb, Ravioli-Ausstecher, einer Marcato und der Regina - also neuerdings die hübsche Cavatelli-Maschine.

Und um mein Urteil vorweg zu nehmen: sie macht Spaß, aber man braucht sie nicht im Fundus. Warum? Ich finde sie zu teuer, dafür dass man im Prinzip mit ihr nur eine Sorte Pasta - Cavatelli - machen kann. Das heißt, wer sich diesen Apparat anschafft, sollte großer Fan von eben dieser Nudelform sein. Gut, wenn man sie auseinander fummelt, dann sind es Orcchiette - aber die mache ich vermutlich fast schneller von Hand, da hatte ich den Bogen wirklich schnell raus. Weiteres Minus: für den Preis erwarte ich, dass sie mit einer (kleinen) Gebrauchsanweisung ins Haus kommt und nicht mit fünf langweiligen, italienisch-sprachigen Rezepten, die man eh direkt wegwirft. Fakt ist: ich musste mich im Inet über die Handhabung schlau machen. 

Dann steht die Maschine auf meinem Untergrund nicht richtig fest - ich werde mal noch versuchen, den Boden etwas anzufeuchten, vielleicht hilft ja das. Aber wenn die Maschine wackelt, dann fehlt eine dritte Hand. Denn mit einer hält man bereits den Teigstrang und mit der anderen betätigt man die Kurbel. Größtes Manko: gerät der Teig etwas zu feucht, dann verklebt die Walze - und das Putzen davon gestaltet sich fürchterlich, weil man den Apparat nicht auseinander nehmen kann. Mit einem Schaschlik-Spiß war ich genötigt, länger darin rumzustochern, als ich Geduldsspiele lustig finde.

Jetzt ist die Demetra aber nun mal in meinem Sortiment - und ich werde in Zukunft darauf achten, dass ich den Nudelteig eher etwas zu fest knete als zu weich. Dann purzelt die filigrane Pasta wirklich schnellgemacht auf den Tisch. Und ihr werdet wohl nun öfters Gerichte mit Cavatelli hier präsentiert bekommen. Aussehen tun sie doch super, oder?

 

Der Einstieg mit der Demetra lief problemlos. Die Schwierigkeiten hatte ich dann beim zweiten Mal mit dem zu weichen Teig, just als wir Gäste erwarteten. Wie gut, dass ich ein erfahrener Hase bin und mit Nerven aus Drahtseilen (also fast) in der Not auf Maltagliat, was soviel bedeutet wie die schlecht geschnittene Nudel, umschwenkte und das gemeinsame Essen sowie meine Foodie-Ehre retten konnte.

Bei diesem Teller zeigt sich, wie wenig es braucht, um mit frischer Pasta kulinarisch glücklich zu machen. Zumindest mich. So einfach - so gut!

 

Zutaten 2P:

100g Hartweizenmehl
70g Kamut-Vollkorn, fein gemahlen
90ml Wasser

200g Buschbohnen (m: gelb/ grün)
200g Zucchini (m: gelb)
2 Knoblauchzehen
2 TL Thymian*
1 Salz-Zitrone
1 Zitrone, Schale davon
Noilly Prat
100ml Sahne*
150ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer 
Piment d'Espelette 
Olivenöl
Parmesan, gerieben 

 


Zubereitung:

Für die Pasta das Mehl in eine Schüssel geben. Eine Mulde in die Mitte machen und das Wasser angießen.  Langsam Mehl und Wasser vermischen, und den Teig gut kneten: er soll nicht kleben und schön elastisch sein. Wenn nötig, nach etwas mehr Wasser einarbeiten. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und bei Zimmertemperatur mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen (m: meinen Teig im Kühlschrank 2 Stunden ruhen lassen).

Dann die Pasta zu Teigsträngen von ca. 1,5cm Durchmesser rollen und durch die Demetra-Walze kurbeln. Auf einem sauberen Küchenhandtuch auslegen.

Buschbohnen gipfeln, in kürzere STücke schneiden und in Salzwasser al dente garen. Mit kaltem Wasser abschrecken und zur Seite stellen.

Knoblauch fein hacken, Zucchini in kleinere Stifte schneiden. In Olivenöl beides zusammen mit dem Thymian anschwitzen. Von der Salz-Zitrone das Fruchtfleisch auslösen, entsorgen und nur die Schale in feinste Streifchen schneiden. Von der Zitrone die Schale abreiben. Mit Noilly die Pfanne ablöschen. Sahne und Brühe angießen, beide Zitronenschalen zufügen, ebenso die Bohnen. Salzen, pfeffern und mit Piment würzen. Mit aufgelegtem Deckel ca. weitere 5min sanft köcheln lassen - die Zucchini sollte noch Biss bewahren. Wer mag gibt zuletzt etwas Zitronensaft dazu und kann die Sauce zusätzlich etwas sämiger machen mit einer Roux (kleiner Mehlschwitze, die man klümpchenfrei in die köchelnde Sauce einrührt).

Parallel die Pasta in reichlich Salzwasser al dente garen und abschütten (je länger Zeit die Pasta zum Trocknen hatte, um so länger braucht sie später beim Kochen). Diese unter das Gemüse mischen. Nochmals abschmecken und zum Servieren mit Parmesan bestreuen.

*Anmerkung m: schmeckt auch gut nur mit Zucchini oder nur mit Bohnen/ Thymian läßt sich prima mit Bohnenkraut austauschen/ wers sahniger mag, darf die Sahnemenge nach oben schrauben.

 

Dazu spiele ich euch noch das passende Gute-Laune-Lied ein:


Sonntag, 27. September 2020

Entzauberung - afrikanischer Eintopf


*Entzauberung* gehört zu den Erfahrungen, die mir nicht oft passieren - aus dem einfachen Grund weil schnell enflammbare Strohfeuer, die ebenso rasch wie sie auflodern ihr Licht, ihre Wärme und ihren Glanz verlieren, nicht meiner Art entspricht. Umso erstaunter bin ich von mir selbst, dass mir das dieses Jahr mehrfach passierte.

Angefangen hatte es, dass ich in einer dieser Tausch-Buchhandlungen in Thailand *Das Hotel New Hampshire* von John Irving entdeckte und mich daran erinnerte, wie sehr ich es einst mochte. Also eingesteckt und diesen Sommer wieder aufgeschlagen, um nach einem Viertel der Lektüre gernervt aufzugeben. Keine Ahnung, was mich damals faszinierte, jetzt konnte meine Begeisterung so gar nicht geweckt werden. Warum nur hatte mir das Buch beim ersten Mal Lesen gefallen? Vielleicht wäre der gute Teil noch gekommen?

Oder aber Guido-Maria, der meine *zu Tisch mit -Serie* begründete, weil er mich mit seiner fröhlichen, Menschen zugewandten Art, seiner guten Beobachtungsgabe und seinem Mutterwitz zu erheitern wußte. Doch schon bevor das Studio von Shopping-Queen bei Guido-Maria zuhause im Erdgeschoß eingezogen ist, hat sich für mich das Format samt seiner Gallionsfigur tot gelaufen. Der Esprit ist einfach nicht mehr der gleiche...

Anfang des Jahres verlinkte ich auf den Virologen Drosten, den mittlerweile in Deutschland wohl jeder kennt. Ich kann es gar nicht richtig erklären, weshalb ich ihm mein Vertrauen entzogen habe. Frei und unabhängig sollte mein idealer Wissenschaftler arbeiten können - doch jemandem der derart unter Beobachtung der Öffentlichkeit steht, dürfte das wohl schwerlich möglich sein. Mais bon, das dürfen andere gerne anders sehen - das ist lediglich mein subjektiver Eindruck aber eben der Grund, warum ich ihm keine Aufmerksamkeit mehr schenke.

Besonders überraschte mich, wie sehr sich meine Rezeption des Films *Die wunderbare Welt der Amélie* veränderte, den ich mal richtig super fand. Ja, die Hauptdarstellerin Audrey Tautou ist immer noch süß, ebenso hat der Soundtrack gute Momente oder kann man einzelne gute Ideen rauspicken, aber sonst...??? Der Film ist doch völlig überfrachtet, überladen, konfus, voller versprenkelte, verschnörkelte Details, die die eigentliche Geschichte totally erschlagen, vom Hauptgeschehen ablenken und Empathie unmöglich machen. Als wäre der Regisseur ein Messi, der jahrelang wild verschiedenste Schnipsel gesammelte hatte, nichts wegwerfen konnte, um dann ALLE mit Gewalt und wahllos in einem Film unterzubringen.

In dem Moment des erneuten Anguckens kam mir auch, dass ich einen weiteren Film dieses Regisseurs kenne - was mir bis dahin gar nicht bewußt war. Und das sogar von einer Vor-Premiere an einem lauen Sommerabend in einem Nachbarort von uns mitten auf dem idyllischen Dorfplatz (weil der Film teils dort gedreht wurde), und zwar unter der Anwesenheit eben dieses Herrn Regisseurs. Ein Film mit Sophie Marceau (genau, die von *La boum*), der auf deutsch *Vergiß mich nicht* heißt. Genauso überfrachtet, genauso verkopft, genauso an den Haaren herbeigezogen, genauso blutleer, genauso ohne wärmendes Gemüt. Ja, sogar noch etwas schlimmer.

Hey, aber umgekehrt *Verzauberung* hatte ich dieses Jahr auch - was ja nun mindestens den gleichen Seltenheitswert hat. Aber dazu ein anderes Mal...

 

 

Keine Woche ohne Eintopf, das unverzichtbare Durcheinander im Kochtopf, das immer gelingt, immer schmeckt und immer wärmt. Nix Zauber sondern schöner Alltag.


Zutaten 2P:

2 Karotten
1 Süßkartoffel
200g Buschbohnen
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 EL Erdnussbutter
150ml Mandelmich
150g Tomaten-Sugo*
200ml Gemüsebrühe
1 Stück Ingwer, Walnuss-Größe
1 TL Kreuzkümmel
1 TL Paprika-Pulver  
1-2 TL Senf (m: Savora)
Harissa
1 EL Mango-Chutney
Salz, Pfeffer

 
Deko: gehackte, gesalzene Erdnüsse

Zubereitung:

Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln, Karotten und Süßkartoffel klein schneiden. Die Buschbohnen gipfeln, kleiner schneiden und separat in Salzwasser al dente kochen. Mit kaltem Wasser abschrecken und beiseite stellen.

Parallel die gewürfelte Zwiebel in Kokos-Öl anbraten. Kreuzkümmel und Paprikapulver kurz mitrösten. Passierte Tomaten, feinst gewürfelter Inger, Mandelmilch und Brühe hinzugeben, außerdem die Karotten und 5 Minuten kochen lassen. Dann die Süßkartoffeln zufügen und weitere 10-15min sanft köcheln. Erdnussbutter unterrühren zusammen mit dem Senf.

Die Buschbohnen in den Topf geben, salzen und pfeffern. Mit Mango-Chutney und Harissa abschmecken. Hier kann man - wenn man den Eintopf flüssiger mag - noch etwas Brühe anschütten. Zum Servieren mit gehackten Erdnüssen bestreuen. 

*Anmerkung m: bei uns gab es dazu gekochte Hirse. Wer mag kann die Buschbohnen mit Kidney-Bohnen austauschen. Mais macht sich ebenfalls gut in diesem Eintopf - so wie auch etwas fein gehobelter Weißkohl.



Mittwoch, 23. September 2020

Voll ernst gemeint - Tarte aux ognions de Roscoff, fourme d'ambert et figues


Meine Schreibanlässe finden sich von ganz alleine. Im Gespräch oder beim Lesen - stets dann, wenn in meinem Kopf etwas angestoßen wird. Dann rattert's, die Synapsen sind magnetisch aufgeladen und ziehen weitere zum Thema passende Puzzlesteine ins Kleinhirn. Dieses Mal steuert mir Herr Buddenbohm mit seinem finalen Satz: “Ihr werdet es euch ein Leben lang fragen, was ernst gemeint ist“ die passende Überschrift dazu bei.

Ich fände es ja bedeutend klüger, diesen seinen letzten Satz als Frage an sich selbst zu stellen statt sie ans außen zu richten. Und zwar immer wieder zwischendrin sich selbst mal auf die Füße stehend und penetrant nachspürend: *Meine ich das, was ich da sage/ arbeite/ schreibe/ lebe/ vorgebe wirklich ernst?* Wie sehr folgt man seinem Inneren, seiner Neugier, seinen eigenen Interessen, befriedigt seinen höchstpersönlichen Erlebnisdrang? Das ist die Schau nach innen. Umgekehrt, was die Außenperspektive betrifft, ist einem manchmal gar nicht mal bewußt, für was man den Stellvertreter macht, für was man Beispiel lebt.

Und um noch kurz auf das von Maximilian beschriebene vor Zorn explodierene Mädchen einzugehen, so finde ich ja spannend zu beobachten, warum ein Kind derart tobt. Und dabei lässt sich sehr gut unterscheiden, ob ihm etwas fehlt oder schmerzt. Oder ob ihm einfach nur etwas gegen den Strich geht und der Terror deshalb angezettelt wird, um sich aller Aufmerksamkeit gewiß zu sein und schlußendlich damit seinen Willen gegen die Eltern durchzusetzen. Ist gar nicht schwer. Und dann gibts noch eine kleine Gruppe der sogenannten Schwererziehbaren, bei der ich manchmal den Eindruck habe, dass die mit ihrem Betragen der Gesellschaft exakt diese Frage spiegeln: *Meint ihr das eigentlich ernst, was ihr uns da vorspielen wollt?* Doch, die Frage ist schon in beide Richtungen nicht schlecht.

Direkt klebte sich ein weiterer Mosaikstein ins Gesamtbild mit dem kleinen Beitrag im ZDF, in dem die Zirkus-Pädagogin Geraldine vorgestellt wird: als Schaustellerkind im Wohnwagen aufgewachsen und nach dem Abi unterwegs in der Welt als Reisende und Lebenskünstlerin. Nun lebt sie in einem Planwagen bei Freiburg mit ihrem Freund zusammen und sagt über sich selbst, dass das was sie durch ihre Arbeit gerne weitergeben möchte immer getragen sei vom gleichen Leitmotiv: *Gehe deinen eigenen Weg, finde eine eigene Art an die Dinge ranzugehen, lerne selbstständig denken, folge dem, was du magst und dich interessiert - auch wenn es so gar nicht zusammenpasst, versuche es trotzdem mal und verbiete dir nichts.* Hat mich beeindruckt.

Außerdem fiel mir in diesem Zusammenhang eine meiner Lehrerinnen ein. Frau Legeland: streng, kompetent, strukturiert, gefürchtet, klein, untersetzt, mit toupierter Föhnfrisur - eine unangefochtene Autorität. Sie unterrichtete Deutsch, Latein, Geschichte und Politik. Einige ihrer rot umrandeten Merksätze schafften es ins Ultralangzeitgedächtnis. Gerne hakte sie im Stehen eine Hand in der Knopfleiste ihres Kostüms ein - was sehr militärischer wirkte und irgendwie an Napoleon erinnerte. Selbst die Oberstufe spritze von den Stühlen hoch, wenn sie das Klassenzimmer betrat, um im Chor: *Guten Morgen, Frau Legeland* zu rufen. Ohne, dass das von ihr je so eingeführt worden wäre. Und sie war definitiv nicht die Type, deren Mund Sätze wie: *Das meine ich jetzt ganz ernst!* verließen. Ob man sie mochte oder nicht, aber ihre Haltung gab eine unmissverständliche Marschrichtung vor.

Zu meiner Freude kann ich am Schluß noch meinen Goethe hinzuziehen, denn in *Die Wahlverwandtschaften* findet sich doch zu allen Themen eine bereichernde Notiz: 

*Man nimmt in der Welt jeden, wofür er sich gibt; aber er muss sich auch für etwas geben. Man erträgt die Unbequemen lieber als man die Unbedeutenden duldet.*

 

 

Die Feigen sind mit der Hitze und Trockenheit gut zurecht gekommen - zumindest besser als die meisten anderen Bäume. Für all jene, bei denen keine Feigen vor der Haustür wachsen, können diese ersetzen durch Birnen-Schnitze. Was sich nicht einfach austauschen läßt, ist der großzügige Einsatz von Kräutern wie Thymian und Rosmarin (ersteren sammle ich hier wild auf den umgebenden Wiesen). Das gibt der Tarte erst diesen Schmelz, der mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Dazu einen großen Salat - franchement, wie Gott in Frankreich! Mir hat die Tarte ja derart gefallen, dass es bald darauf wieder eine gab. Für euch folgt dann also in Kürze ebenfalls die nächste.


Zutaten - längliche Tarteform oder Durchmesser von 24cm* - 2/3P:

70g Dinkel 1050 
80g Einkorn-Vollkorn
4 Zweige Rosmarin, fein gehackt
75g Butter, kalt, in Flöckchen
1 EL Crème fraîche
fleur de sel
Chili-Flocken
Muskatnuss-Abrieb
2 EL Parmesan, gerieben
etwas kaltes Wasser

500g rosa Zwiebeln (m: ognion de Roscoff)*
100g fourme d'Ambert (m: 25g davon ersetzt durch einen Bleu)
100g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
1 Ei
1 Bund Thymian, die Blättchen davon
1/4 TL Kreuzkümmel*
Olivenöl
weißer Portwein

einige Feigen

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Boden zügig einen homogenen Teig kneten, in Folie wickeln und mindestens eine halbe Stunde (oder gar Stunde) kühl stellen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn auswellen und eine gefettete Tarteform mit Rand auskleiden. Mit einer Gabel den Boden mehrfach einstechen. In eine Tüte packen und eine halbe Stunde in der Tiefkühle parken.

Die Zwiebeln schälen, halbieren und in dünne Streifen schneiden. In Olivenöl mit Geduld und dem Tyhmian schön glasig braten, so dass sie eben beginnen, leicht Farbe anzunehmen (dauert etwa 10-15min). Salzen, pfeffern, mit Kreuzkümmel würzen und kurz vor Ende mit dem Port ablöschen.

Ofen auf 200° vorheizen (m: Intensivbacken).

Den Käse klein schneiden. Ei mit der Crème verquirlen, mt Käse und den Zwiebeln mischen und auf den Tarteboden füllen und noch mit einigen Thymianblättchen bestreuen. Für 25min in den Ofen schieben. Dann den Ofen auf 180° runterstellen, die Tarte aus dem Ofen nehmen, die Feigenscheiben auf der Tarte verteilen, und für weitere 15-20m Minuten fertig backen.

*Anmerkung m: die Roscoff-Zwiebeln ist eine rosa-Sorte mit Anbaugebiet in der Bretagne. Der Kreuzkümmel hilft, die Zwiebeln etwas besser zu verdauen. 

Zu der Süße der Feigen ist ein Käse mit Charakter nötig. Der fourme d'Ambert passt prima. Aber auch ein Blauschimmelkäse harmonisiert in dieser Tarte gut. 


Feigen habe ich schon oft mit Käse gepart:

 

**** mit Gorgonzola in der Pasta

**** mit Raclette-Käse auf Kartoffel-Talern sogar schon 2 Mal

**** logo, mit Ziegenkäse

**** mit Mozzarella

**** mit Bleu auf Topfen-Blätterteig

**** und hier wäre Münster-Käse auch super


Freitag, 18. September 2020

der kleine Finger: türkische Auberginen-Käse-Buletten


 *Und danach wußte ich, wofür ich meinen kleinen Finger habe* während dieses Satzes hält der Habib demonstrativ seinen kleinen Finger nach oben in die Runde. So schließt er den Bericht über seine erste Reise stets, wenn er erzählt, wie er hitchhiking als völliger Jungspund auszog in die Welt, mit 150 Mark in der Hosentasche und über ein Jahr später zurückkehrte mit 270 Mark. *Und das*, setze ich betonend hinzu, *lange bevor Trampen überhaupt erfunden war.* Seinerzeits war die Erde noch ein unentdeckter Ort mit weißen Flecken auf der Landkarte. Ja, man kann es sich kaum vorstellen, aber damals waren Abenteuer noch richtige Abenteuer.

Der Habib macht nie ein Geheimnis daraus, dass Reisen für ihn einem Emanzipationsprozess gleichkam, eine Emanzipation vom Elternhaus - das in erster Linie -, aber im Anschluß daran ebenso den eigenen Kulturkreis betreffend. Mit seinen ersten Reisen hat der Habib zu sich selbst gefunden. Seitdem ist er ein Mann, der sich an sich selbst hält, bei sich bleibt, für sich steht. In aller Konsequenz. Nur so geht Selbstverantwortung.

Nun war der Habib von kleinauf jemand, mit besonders interessiertem Naturell, der wissen wollte, wie die Dinge funktionieren, forschte, ausprobierte, ganz genau hinschaute und es dabei nicht beließ, der Radios auseinanderschraubte und wieder zusammensetzte, Uhren undsoweiterundsofort. Eine allumfassende Neugier auf die Welt - bis heute. Wobei ihn das wohl besonders macht und mit einer der Gründe ist, warum ich so besonders in ihn verliebt bin.

Ich komme darauf, diese Geschichte über den Habibs zu erzählen, weil ich Johannes *Polemik gegen die Regelwut* gerade las, in dem Johannes sich die folgende Frage stellt: Ist es der richtige Weg, Regeln in einer Gesellschaft auf den auszurichten, der eventuell dümmstmöglich handelt, und damit alle zu entmündigen? Seinen Blog *Reisedepeschen* schätze ich schon ewig, ich konnte mitverfolgen wie sein Blog - samt Johannes - reifer und erwachsender wurde, ohne dabei seine Wander- und Lebenslust einzubüßen. Gerne möchte ich mich seinem Menschenbild anschließen, nämlich exactement: Hirnaktivität und selbstständige Entscheidungen darf man erwarten! Und, füge ich noch an, die darf ich auch nicht aus der Hand geben, sonst ist Mensch kein Mensch sondern lediglich dumpfer Befehlsempfänger, Sklave von Vorgaben anderer. Und dann haben wirs mal wieder über eine innere Instanz und Werte, denen man sich freiwillig unterstellt...

Ach, und weil auch diese Anekdote so gut dazu passt, hefte ich auch sie noch dazu. Des öfteren diskutierten wir diese Saison auf der Terrasse mit Feriengästen über die Phase des Lockdowns. Viele Deutsche zeigten sich dabei recht zufrieden mit der deutschen Regierung, gerade im Vergleich zu Frankreich. Man hatte das Gefühl in Entscheidungen mit einbezogen zu werden, zumal ja eben kein hartes confinement wie in Frankreich gefahren wurde.

Ich lachte dann gerne und präsentierte meine These. Man dürfe die kulturellen Unterschiede als größeren Kontext nicht vergessen, meinte ich dann. Die Fränzis sind als Volk -  das wissen wir alle - schon immer deutlich renitenter als die artigen Deutschen. So wie in der Schule: da gibts die, die in den vorderen Reihen sitzen und die, die die hinteren Reihen füllen. Die Länder-Verteilung in diesem Beispiel dürfte klar sein, oder? Paris ist halt weit weg -  ich hatte es davon... Doch niemand veranschaulicht besser, was ich meine, als der deutsch-französische Komiker Alfons, der ganz wie Johannes die roten Ampeln als Parade-Beispiel nimmt (ich habe euch das Youtube-Filchmchen auf diese Stelle gespult ;).

 


Ein Altweibersommer wie im Bilderbuch. Eigentlich bin ich ja am liebsten alleine an *meinem Bach*. Doch beim letzten Mal teilte ich mir die Badestelle mit sechs anderen Mädels. Es fühlte sich ein bißchen an wie Frauentag im Hamam. Eine Dreier-Gruppe sang zusammen Kanon, den die Gervanne immer wieder übergluckste und überrauschte. Danach hüpften sie Nymphen gleich barbußig ins  aquamarinfarbene Wasser. Es hätte mich nicht gewundert, wenn Hylas gleich ums Eck gekommen wäre...
 
Dazu ein Essen, wie ich es im Sommer liebe: eine Gemüse-Frikadelle und ein bunter Salat dazu (hier zuätzlich mit ein paar Bratkartoffeln). Das ist nun die dritte Version einer Auberginen-Bulette. Bei dieser fiel mir die ungewöhnliche Zubereitung sofort auf - allerdings kann ich euch nicht mehr sagen, woher ich die Anregung aufgriff. Ich kann nur weitergeben, dass ich Auberginen-Frikadellen einfach besonders gerne mag.

Zutaten 2P:

500g Aubergine
20g Einkorn-Vollkornmehl*
30g Semmelbrösel* 
1 Ei
2 Knoblauchzehen
70g Comté*
2 TL Thymian
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Die Auberginen in 1cm-Würfel schneiden und in einen Topf mit kochendem Wasser geben, das Wasser wieder aufwellen lassen und 5-6min kochen lassen. In ein Sieb abschütten, salzen und etwa 30min abkühlen und abtropfen lassen. 

Dann die Auberginen mit den Händen sorgfältig ausdrücken, so dass so viel Flüssigkeit wie möglich herausgepresst wird. Nun sämtliche Zutaten miteinander vermengen und daraus 6 Buletten formen. Auf eine Platte legen, abdecken und wenigstens 30 min im Kühlschrank ruhen lassen (kann man auch auf 1 Stunde ausdehnen). 

In Öl von beiden Seiten golden und knusprig braten.

*Anmerkung m: das Vollkornmehl und die Semmelbrösel kann man auch durch 1-2 Scheiben eingeweichtes, ausgedrücktes Brot ersetzen. Anstelle des Thymians ist als Würze Basilikum und etwas Minze eine tolle Alternative.

Für solche Frikadellen verwende ich auch sehr gerne Käse-Reste, die aufgebraucht werden wollen



Dienstag, 15. September 2020

Gastbeitrag von Hannah: Tomaten mit Kräuterfüllung


Anfang Juli – zum Glück vor der großen Hitzewelle - verbrachten wir eine Woche bei Micha und Fried / „Sonne und Lavendel“. Als kleine Ergänzung zu Michas „Herbergsmutterreihe“ möchte ich hier von der anderen Seite aus berichten, zumal das Wetter hierzulande jetzt glücklicherweise etwas auf „goldenen Spätsommer“ umgeschlagen hat, und ich gestimmt bin den Sommer Revue passieren zu lassen.
 
Und jaa, und was bringt man so aus dem Urlaub mit - neben Urlaubsbräune, Entspannung und vielen Eindrücken? Souvenirs. Quasi auf der Hand liegt ja, dass „Souvenir“ dem Französischen entlehnt ist, wörtlich übersetzt ein Erinnerungsstück. Etymologisch noch weiter gegraben hat se souvenir seine Wurzeln im Lateinischen und ist da eine Zusammensetzung aus den Wörtern sub (=von unten) und venire (=kommen).  Ein Souvenir „zieht“ also Erinnerungen von unten herauf.

Dabei können Souvenirs unterschiedlicher Art sein: Es kann sich dabei um Gegenstände handeln, die man mitgebracht hat, oder es können im übertragenen Sinne auch Eindrücke sein, die sich fest im Gedächnis verankert haben und untrennbar mit dem Ort des Erlebens verknüpft sind. Bilder, Gerüche und – für die meisten Leser hier – sicher auch Geschmäcker.

Logisch – und Micha erinnert auch nochmal daran - nimmt man aus einem Urlaub im Dep. Drome ganz handfeste Souvenirs wie Lavendelhonig, Einkorn, lila Knoblauch und natürlich guten Käse mit, schließlich werden alle diese Naturprodukte hier angebaut beziehungsweise produziert. Und wenn noch Platz im Auto ist, packt man noch sonnenverwöhnte Tomaten, Melonen und Pfirsiche dazu. Daheim angekommen tafelt man mit diesen Köstlichkeiten und erinnert sich.

Als weitere schöne Souvenirs brachten wir Lorbeer aus Micha und Frieds reichhaltigem Kräutergarten mit und Lavendel, abends auf der Terrasse zu festen duftenden „Knüppeln“ gebunden, ein sommerliches Kleidchen für unsere Tochter, das Lieblingskleid dieses Sommers, benannt nach dem Namen der Stadt, wo wir es kauften: „Das Die Kleid“, einen schönen Sonnenhut für meinen Mann, dem ersten Sonnenbrand am Kopf geschuldet und eine neue Lieblingssommerhose für mich – meiner Vorliebe für Second Hand Läden / Dinge mit Geschichte geschuldet, genauso wie drei kleine Tässchen für die Spielküche aus dem „Mitnahme-nicht-nur-Bücher-Häuschen“ im malerischen Piégros-la-Clastre.

Was ich noch mitnahm war das Vorhaben ein Rezept für gefüllte Tomaten zu entwickeln. Micha und ich hatten einen Versuch unternommen, der zwar durchaus gut schmeckte, aber noch nicht in Gänze „blogwürdig“ erschien. Daheim angekommen unternahm ich einen nächsten, der mir allein, weil er etwas ganz Anderes ist, auf jeden Fall mal zu notieren wert ist. Die Fotos sind leider nicht so toll geworden, aber das machen die Souvenir Fotos hoffentlich wieder wett. Ich servierte die gefüllten Tomaten – genauso wie Micha - mit dieser Zucchini-Tarte  - auch diese schöne Kombi war mir in guter Erinnerung geblieben. Als das Essen so auf dem Tisch stand, fragte unsere Tochter: „Hat das die Micha gekocht?“. So funktionieren Souvenirs.

Zutaten 4P:

6 mittelgroße Fleischtomaten
100 g frische Brennesselblätter
5 Zweige Basilikum
5 Zweige glatte Petersilie
30 g Frühlingszwiebeln
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
1 Ei
6 eingelegte Kirschpepperoni
2-3 EL Semmelbrösel
60 g kräftiger Hartkäse – z.B. Comté / Ziegen- oder Schafskäse ist ebenso eine gute Alternative!
20 g Zedernnüsse oder Pinienkerne
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 200° C Umluft vorheizen.
Brennnesseln waschen und gut abtropfen

Tomaten waschen, waagerecht halbieren und das Fruchtfleisch aushöhlen. (Dieses wird hier nicht weiter verwendet, natürlich schmeißen wir es aber nicht weg, sondern verwenden es anderweitig – z.B. im Gazpacho, in einer Tomatensoße oder auch einfach gewürzt und mit Basilikum und Parmesan und einigen weiteren Tomaten kalt zu Pasta.)

Zedernnüsse in einer Pfanne ohne Fett leicht bräunen. Beiseite stellen
Nun etwas Olivenöl in die Pfanne und darin die feingewürfelte Schalotte und den ebenso fein gewürfelten Knoblauch sowie die Frühlingszwiebeln in Ringen andünsten.

Derweil die Brennnesseln, Basilikum und Petersilie fein hacken. Kirschpepperoni klein schneiden.

Käse reiben. 20 g davon beiseite stellen

Nun alle Zutaten für die Füllung mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Füllung in die Tomatenhälften geben. In eine Auflaufform stellen und mit dem restlichen Käse bestreuen und mit etwas Olivenöl beträufeln. Im Ofen ca. 25 Minuten backen.


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.
 
 

Samstag, 12. September 2020

12 von 12 - September 2020











Samstag ist Markttag in Crest - und den lasse ich wenn möglich nie sausen. Grund, zeitig aufzustehen und spätestens die Mara des Bois, die Königin unter den Erdbeeren, sind Motivation und Belohnung in einem für die frühen Vögel. Wobei ich meine südfranzösischen Märkte liebe - das nutzt sich nie ab. Der Weg über den Markt führt an meinen Lieblingsbaguettes vorbei: wenn Baguette, dann aus dieser Bäckerei. Wir kehren zu einem petit crème im John-Irving-Café ein. Der Habib kennt zu gut meine Freude über Spatzen-Gesellschaft dabei. So überraschte er mich mit einem kleinen, aufziehbaren Blechvogel, damit ich nie wieder ohne meinen Kaffee trinken muss. Ganz wird der kleine Hüpfer seiner Kindheitserinnerung (vor allem was die Bewegung angeht) nicht gerecht - ich habe mich natürlich trotzdem sehr gefreut!

In der letzten Zeit musste der Marktbesuch schnell von statten gehen, denn Samstag ist gleichzeitig der Tag an dem Gäste abreisen und neue Ferienlustige ankommen. Nun hat die aus der Luft gegriffene, deutsche Willkür letzteren alle Pläne zunichte gemacht. An dieser unvorhersehbaren-vorhersehbaren Ungerechtigkeit hatte ich die letzten beiden Tage zu knabbern. Wie man eben an Lügen immer zu beißen hat  (Lüge, der grundsätzliche Stoff aus dem alle Unruhe, aller Unfrieden besteht). Ich hatte mich auf die *Baby-Fraktion* gefreut, mal wieder meinen Hütetrieb ausleben zu können und außerdem hatte ich im Gefühl, dass sich die Neuankömmlinge untereinander prima verstehen würden - was ich besonders mag, wenn das unter den Gästen auch noch matched. Mais bon, ärgerlich, aber es gibt Schlimmeres. Krieg, Vertreibung, Hunger, Elend uswusf. DAS ist schlimm!

Ansonsten fing der Tag wie immer an. Alleine das Porridge ist für mich die einfachste Erklärung, warum ich lebe, wo ich lebe. Ein Morgen kann für mich nicht besser beginnen als so.

Außerdem wollte ich dringend mal demonstrieren, wie sehr ich mit Büchern verwöhnt wurde (das Buch mit dem Milchsauer eingelegten Gemüse schmuggelte sich aus dem Stapel - wohl um auf sich aufmerksam zu machen). Und wie schön war der Austausch mit euch dadurch! Viele, viele bises nochmals durch den Äther an euch *knutschknutsch*!!! Das vertreibt doch gleich alle Wolken! Und dank meiner neuen Lektüre entdeckte ich im eigenen Garten die Goldrute, von der ich bis dahin gar nicht wußte, dass sie bei uns wohnt...

Ansonsten habe ich mir den Tag erfolgreich schöner kochen können - eigentlich backen und zwar mit Pizza Magherita de luxe mit dem bewährten und stets gelingendem Wild-Yeast-Teig. Alles andere ist natürlich auch faite-maison!

Was mir sonst noch an letzten Restbeständen schräg in der Luft hing, konnte ich mit entspannendem Feigen- und Brombeerpflücken auflösen. Tatsächlich koche ich mittlerweile hauptsächlich Marmelade für unsere Gäste. Früher haben der Habib und ich uns immer über eine Nachbarin lustig gemacht, die ihre Marmelade nur für andere zubereitete und selbst nichts davon anrührte... tssss, aber ja, unsere Urlauber lieben nun mal Feigenmarmelade. Und einen Teil Schlecksel geht auch an mich. Mit verbliebenen Gästen habe ich die Feigenernte redlich geteilt - sie kocht gerade ebenfalls Marmelade samt Verveine-Kitzel als Mitbringsel für zuhause.

Für die Yoginis und Yogis habe ich eine neue Entdeckung: Travis Eliot - heute mit diesem Flow. Mit ihm stand ich die letzten Tage in unterscherschiedlichen Unterrichtseinheiten fast ausschließlich auf der Matte, denn ich mag seine Art, Yoga zu lehren sehr. Und das passiert mir bekennenderweise ja nicht oft. Aber dieser Mix aus Cardio, Wiederholungen, Ruhe und Flow läuft mir total rein. Und endlich mal längere Yoga-Einheiten und nicht immer nur diese 15 Minuten-Dinger....

... so, und jetzt ist Shavasana total angesagt. Letzter Akt heute Blog bespielen und die 12er für Mme Kännchens Event zusammenzurichten. Schönes Wochenende!

Donnerstag, 10. September 2020

das neue Anders: Karamell-Zwetschgen-Eis mit Lavendel


*Bevor das hier Hotspot wird, war die ganze Welt vorher Risikogebiet*, lachte ein Feriengast in die Weite unseres Tals . Er lachte erleichtert. Denn was alle eint, bevor sie zu uns aufbrechen - egal ob von Deutschland, Österreich oder der Schweiz - sind Bedenken. Ja, was wenn diese Region zum Risikogebiet erklärt wird oder gar das ganze Land in Sippenhaft genommen wird und man vielleicht anschließend in Quarantäne muss. Keiner kann das vorher sagen, keiner kann eine Garantie geben - und wenn es nur für eine Woche im voraus ist: nichts Genaues weiß man nicht.

Manche rufen vorher an und hätten gerne, dass jemand anstelle von ihnen die Verantwortung übernimmt. Denen gibt der Habib stets die gleiche Antwort: *Wenn ihr Angst habt, dann müsst ihr zuhause bleiben.* Die Entscheidung, ihren Urlaub anzutreten oder nicht, können wir niemandem abnehmen. Auch wir wissen nicht, was das Virus und/ oder die Politik spielen. Zeit der Unsicherheit. Zeit der Willkür. Zeit der selbständigen Entschlüsse.

Keiner jedoch hatte seither Angst, ausgerechnet hier an dem Virus zu erkranken. *Also wenn du dich hier irgendwo ansteckst, dann sollst du diesem Virus nicht entkommen, dann war das Karma* sagte ein anderer Feriengast. Denn was allen - bereits durch die Homepage - klar ist: mitten im Naturschutzgebiet gibt es deutlich mehr Natur als Menschen. Wir wissen ja schon lange, warum wir das Verhältnis Mehr-Natur-als-Menschen schätzen. Doch dieses Jahr können wir wie eine Art allgemeiner Rückbesinnung miterleben. Noch nie habe ich unsere Feriengäste so dankbar in der Natur alle Viere von sich strecken sehen wie dieses Jahr. Als würde sich mancher selbst wieder neu in der Natur entdecken, eine neue Wertschätzung, weil 2020 irgendwie nichts mehr normal, nichts mehr selbstverständlich ist und Anker neu gesetzt werden. In der Natur DARF und KANN man gerade durchatmen. Unisono erzählen sie: ich vergesse bei euch zwischendurch tatsächlich immer wieder Covid. Selbst an die Maske müssen wir uns erinnern, wenn wir aus dem Auto aussteigen. Das scheint hier alles so weit weg. Am liebsten würde ich das Smartphone ganz auslassen. Als wäre es noch nie so wichtig wie dieses Jahr gewesen, diese Momente der Unbeschwertheit und Losgeslöstheit - selbst wenn sich die dunkle Wolke Corona nicht in Luft auflöst.

In meinen Augen ist mit einer solchen Renaissance in all dem Durcheinander, in all der Unsicherheit etwas gewonnen: man setzt gerade wieder bewußt auf die heilende Kraft der Natur. Hinterwäldlertum wird wieder en vogue - wer hätte das gedacht. Gut, aber das gilt ja auch für Schrebergärten. Doch, mir gefällts, ist ja nie alles schlecht. 

UPDATE: wie ich gerade erfahren habe, wurden neue Tatsachen geschaffen und die Region *Auvergne-Rhone-Alpes*, zu der wir auch gehören, ist seit gestern abend zum Risiko-Gebiet erklärt worden. Das neue Anders: ein Blogartikel kann am gleichen Tag des Erscheinens zur eigenen Persiflage mutieren und prophetisch klingen. Die Weite unseres Tals touchiert das alles nicht. Ins Fach der Zahlenspielerei übersetzt bedeutet das: für das gesamte Département Drôme insgesamt 42 Personen, die positiv auf Covid getestet wurden. Es bleibt dabei: das Virus ist das eine - die Politik das andere...

 

So lange ich barfuß laufen kann, ist für mich Sommer. Die Karamell-Zwetschgen gehen noch auf Mme Ziii zurück, die ich sehr gerne zubereite (auch einmache), so bald unser Baum voller Zwetschgen hängt. Aber man kann ebenso ganz wunderbar ein Eis daraus herstellen. Von mir bekam es zusätzlich noch eine Lavendel-Note verpasst - einfach weil ich diesen Geschmack sehr mag. Die Skeptiker dürfen diesen südfranzösischen Dreh rauskürzen.

Zutaten:

400g Karamell-Zwetschgen (Version mit Zimt und Grand Manier)
200g Crème fraiche
100ml Sahne
2 Eigelb 
2 TL Lavendel, feinst geschnitten
(optional 25g LavendelHonig)*

Zubereitung:

Die Karamell-Zwetschgen pürieren - wer mag streicht sie noch durch ein Sieb (habe ich nicht gemacht).

Die Sahne mit den Eigelben, dem Lavendel (und dem Honig) über Wasserbad zur Rose aufschlagen, dann in Eiswasser weiterrühren (m: Schüssel mit sehr kaltem Wasser genügt normal auch).

Nun alle Zutaten mittels eines Zauberstabs miteinander vermengen und in einer Eismaschine zu Eis gefrieren lassen. Vor dem Portionieren etwas vorher aus der Tiefkühle holen.

*Anmerkung m: Ich finde, die Karamell-Zwetschgen bringen bereits genügend Süße für das Eis mit - die Süßschnäbel dürfen aber noch zusätzlich mit Honig süßen/ die Karamell-Zwetschgen bereite ich mittlerweile mit weniger Zucker zu - ca. 50g pro Pfund

Zum Eis passen warme Karamell-Zwetschgen selbstverständlich hervorragend...

Samstag, 5. September 2020

Je ne suis pas... - Parmigiani-Lasagne


Non, je ne suis pas Charlie Hebdo! Zum zweiten Mal in diesem Jahr kriselt es zwischen meiner Wahlheimat und mir. Was soll das? Erneut diesen Müll zu drucken, der für so viel Entrüstung gesorgt hatte? Und ein Staatspräsident, der hinsteht und verkündet: *Blasphemie ist Teil unserer Freiheit!* Das ist ja interessant (alamierend): Respektlosigkeit wird neuerdings also unter Freiheit einsortiert?! Vergessen wir Europäer mit der Lust an der Gotteslästerung im gleichen Moment auch unseren Humanismus?

Versteht mich nicht falsch. Selbstverständlich rechtfertigen geschmacklose Karikaturen keine Morde! Aber das zu beleidigen, was anderen lieb und teuer, ja gar heilig ist, entspricht nicht meinem Wertekanon! Ganz im Gegenteil: da schäme ich mich für meine Kultur in Grund und Boden! Religionen eint, dass sie versuchen Wege aufzuzeigen, wie friedliches Miteinander möglich ist. Und ja, Religion kann missbraucht werden. Zweifellos. Das hat die Geschichte mehrfach gezeigt. So, wie alles verdreht und missbraucht werden kann. Für mich sind diese Karrikaturen Missbrauch der Freiheit. Und Missbrauch der Kunst. 

Mit Freiheit muss man umgehen können. Freiheit unterliegt nämlich unbedingt Regeln und Gesetzen - das ist kein heiloses Durcheinander, keine Willkür und hat nichts gemein mit Anarchie. So wie sich in meinem Kunstverständnis ebenfalls die Kunst bestimmten Werten zu unterwerfen hat. *Takt ist der Verstand des Herzens* trifft es Karl Ferdinand Kutzkow so schön. Sind wir dazu nicht mehr fähig? Sind wir so sehr abgestumpft? Sind uns die verletzten Gefühle anderer einfach egal? Haben wir unsere Empathiefähigkeit verloren, eingebüßt, verkauft?

Was ist das überhaupt für eine Doppelmoral? Gegen Hass und Hetze im Internet will man gesetzlich vorgehen, aber in der Politik gehört es zum alltäglichen Geschäftsgebaren? Die eigentliche Absicht hinter dieser erneuten Schmähung ist doch nur zu offensichtlich: ein Mal mehr wird der arabischen Welt von uns Weißen der Mittelfinger gezeigt. Wir sind die Moderne, der Fortschritt, die Leitkultur, bref: *wir sind richtig - ihr seid falsch.* Dass man die Eitelkeit eines Volkes so tumb am nationalistischen Bauch kraulen kann. Ach, diese blinde, dumme, eingefleischte Hybris schmerzt mich umso mehr, als dass ich gerade (zutiefst beeindruckt) *Americanah* lese (FETTE Empfehlung!). Und man fragt sich automatisch, wieviel weitere Jahrhunderte diese Gattung Mensch braucht, um sich dort einzuordnen, wo sie hingehört.

Ich bin und bleibe Micha. Weltenbürgerin. Pazifistin.


Zuerst schleckte ich mir alle 10 Finger nach dieser Lasagne, dann habe ich den Klassiker *Parmigiani di Melanzane* auf den Tisch gebracht. Die Vorzeichen mehren sich, dass die Aubergine mein Lieblingssommergemüse 2020 wird! Und mit frisch zubereiteter Pasta aller Art kann ich mich bekanntermaßen ja stets kulinarisch verwöhnen.

Zutaten 2P:

50g Einkorn-Vollkorn
50g Dinkel 630
1 Eigelb
1 EL grüne Oliven-Tapenade
etwas Olivenöl

1kg Tomate
3 Knoblauchzehen
Thymian
1 Aubergine (ca. 400g)
2 EL grüne Oliven-Tapenade
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
2 TL Oregano
1 Mozzarella
80g Tomme de Chevre
Olivenöl

Zubereitung:
 
Die Tomaten überbrühen, häuten, halbieren, in eine ofenfeste Form setzen, mit Olivenöl beträufeln, mit kleingewürfeltem Knofi, Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und Thymian würzen und bei 220° (Umluft) ca. 45min in den Ofen schieben (quasi Ofentomaten - nur ein wenig kürzer und unpüriert ;)
 
Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 5 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Die Aubergine der Länge nach in Scheiben hoben (m: Börner - zweitdünnste Stufe), nebeneinaner auf ein mit Olivenöl bestrichenes Backpapier auf einem Backblech auslegen. Mit Olivenöl bepinseln und etwas getrocknetem Oregano bestreuen. Ebenfalls für 20min in den Ofen schieben. Alternativ kann man die Auberginen-Scheiben auch in der Pfanne braten.

Mozzarella in kleine Würfel schneiden.

Die Kastenform buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von den Ofen-Tomaten, Lasagneblatt mit etwas Tapenade besteichen, ein Viertel von den Auberginen-Scheiben, ein wenig Mozzarella, Tomatensauce, Lasagneblatt... das 3x wiederholen - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas Ofentomaten, dem geriebenem Tomme-Käse, getrocknetem Oregano und etwas Olivenöl. Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.
 

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