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Roule ta boule - Spezial und Dubb-Tofu-Bällchen

Sonntag, 9. Januar 2022


Die Überschrift *Roule ta boule* habe ich geklaut und zwar heißt eine neueröffnete, kleine Handwerksbäckerei hier so. Noch kann ich nichts über ihre Sachen sagen, denn ich habe dort seitdem nicht eingekauft. Zum einen backe ich bekanntermaßen selbst, zum anderen ist die Konkurrenz groß. Beinahe jedes Dorf hat seinen eigenen Bäcker. Doch eine Chance muss ich ihr trotzdem geben!

Dieses, nein, letztes Jahr, habe ich unsere Feriengäste alle zwei Dörfer weitergeschickt, um das prämierte Croissant (ich erzählte) zu verkosten - das darf man sich ja nicht entgehen lassen. Aber ich wieß auch stets darauf hin, dass sie sich deshalb in ihrem Urteil nicht direkt voreinnehmen lassen sollen. Denn nachdem nun Jérémie aus Gigors, vraiement un brave mec,  vor wenigen Monaten ein Dorf weiter seine Bio-Bäckerei *Miche et Baguette* aufgemacht hat, ist für mich der Pokal für das beste Croissant Frankreichs schon wieder weitergewandert. Ich finde Jérémies Corissants sensationell! Aber Gleiches gilt für Baguettes. Ich kann locker drei Boulangerien aus dem Ärmel schütteln, alle dicht beeinander, und ein Baguette besser als das andere. Ich wüßte wirklich nicht, warum ich Baguettes oder Croissants backen sollte - zudem ich die Meister hier definitiv nicht überflügelt bekäme.

Aber ich schweife ab. Denn eigentliches Thema sind die kleinen Kugeln, die jeden Teller um einen schönes, kulinarisches Amuse Gueule bereichern. Gerade für die veganen/ vegetarischen Bowls sind solche Bällchen für mich das i-Tüpfelchen, DIE Aufwertung jeden Gemüsetellers. Abgesehen davon habe ich sowieso einen ausgeprägten Hang für Puffer aller Art. Deshalb heute zusätzlich ein kleines Spezial für euch.

Gnocchi, der nächste feine Fetisch, kann man prinzipiell rund rollen - daher habe ich euch mal zwei aus meinem Sortiment herausgesucht. Knödel wie Serviettenknödel sind traditionell gekugelt und kommen daher meiner einschlägigen Lust sehr entgegen. Aber heute habe ich mich auf die kleineren Kügelchen konzentriert.

Diese Tofu-Bällchen, die im Original * Vietnamese Style Meat-Balls* heißen, habe ich nun schon öfters zubereitet, weil: DUBB. Ihr wißt Bescheid! Ich finde die richtig super, gelingsicher, köstlichst, knusprig - bref: kann man eigentlich nicht viel besser machen. Besonders gut gefällt mir die Zitronengras-Note in den Gewürzen (coucou Kerstin). Dank des Original-Titels zählen sie außerdem zu meiner vegangen *Schlachtplatte* - eine Kategorie auf die ich in Kürze wieder zurückkommen werde und die mir viel Spaß bringt. Aber jetzt erst einmal Daumen hoch für diese Tofu-Bällchen - wie immer leicht abewandelt von mir!

 

 Zubereitung:

200g Tofu
1 TL Harissa
1 handvoll Koriander, gehackt
1 TL Thai-Basilikum*
1 EL Zitronengras-Paste*
1 EL Sesam
1 TL Tomatenmark
2 Knoblauchzehen, fein gehackt (oder Knofi-Pulver)
1 TL Salz
 ca.  1 EL Buchweizenmehl 

Dressing:

60ml Soja-Sauce 
100ml Wasser
2 TL Sriracha-Sauce
3 TL Ahorn-Sirup
2 TL Ketchup
2 TL Knoblauchpulver

Zubereitung:

Den Tofu aus der Verpackung nehmen und ca. 1/2 Stunde zwischen Küchentüchern beschweren und so etwas auspressen.

Ofen auf 180°C vorheizen - klappt aber genauso einwandfrei, die Bällchen mit Geduld in der Pfanne zu braten - up to you!

Den Tofu entweder per Hand fein zerkrümmeln oder mit Hilfe des Zauberstabs (letzteres hat sich bei mir durchgesetzt, weil schneller). Nun mit allen restlichen Zutaten für die Bällchen gut vermischen. Je nachdem noch etwas Buchweizenmehl wenn nötig zufügen.

Zum Formen die Hände leicht bemehlen (habs aber auch schon mit feuchten Händen gemacht - schau, was besser für dich funktioniert), einen Löffel der Mischung auf die Hand geben und rund rollen. So fortfahren, bis alle geformt sind.

Nun, original eine unbeschichtete Pfanne über mittlerer Flamme erhitzen und die Bällchen darin 3 min golden braten, auf ein Backblech mit Backpapier umsetzen und im vorgeheizten Ofen 15 min durchbacken.

Zusammen mit dem Dressing servieren.

Anmerkung m: Mit den Gewürzen bitte ich euch zu spielen. Petersilie statt Thai-Basilium etwa. Oder statt der Zitronengraspaste, ich extra geschickt bekam (nochmals Coucou Kersin) passt auch eine Curry-Paste, die Zitronengras enthält als Alternative. Sesam kann mit hinein - muss nicht. Wichtig ist, dass die Grund-Tofu-Masse funktioniert - und das tut sie!

Inspiration: Avantgardevegan

 

 

Gemüselastiges Boule-Spielen und für jeden was dabei. Bitte schön, bitte bedienen Sie sich reichlich!

 

       

       

       

       

Spezie: wildes Pflanzerl

Mittwoch, 31. März 2021


Seitdem ich gerne koche, habe ich schon so manche Gerichte durchdekliniert. Gnocchi etwa. Oder Serviettenknödel. Oder nach wie vor vegetarische Buletten. Gemüse-Puffer sind endlos spannend, vielseitig und wandelbar - und pimpen jeden Vegi-Teller (da steht echt mal ein Spezial-Board mit Lieblingen aus). Dabei kommt es nicht nur auf den Geschmack an, sondern dass sie gut zusammenhalten. Letzteres stellt sich spätestens in der Pfanne heraus, wenn sie sich gut wenden lassen - oder auf der Zielgerade zerbröseln. Worüber ich mich ja scheckig ärgern kann, wenn auf ein Rezept in der Hinsicht kein Verlaß ist. Das sollte euch bei mir nicht passieren - hoffe ich!!

Jetzt versuche ich gerade zwei Passionen miteinander zu verbinden: meine Spezies die Pflanzerl mit den Wildkräutern. Was denkbar einfach ist. Man tausche einfach in den Rezepten Spinat mit dem grünen Wildfang seiner Wahl.

Hier stelle ich ein schönes, grünes Pflanzerl vor, in das ich hauptsächlich Brennnessel verbastelt habe. Aber auch Bärlauch-Pesto kam zum Einsatz, das ich durch etwas Minze, Petersilie, Pimpinelle und Melisse erweitert habe. Warum sich in der Fülle beschränken? Zum ersten Spargel an diesen atemberaubenden Frühlingstagen auf der Terrasse ein Gedicht! Es geht halt nichts über Selberkochen!

 



Zutaten 2P - 5/6 Stück:

120 Quinoa
150g Erbsen (m: tiefgekühlte, eigene)
eine handvoll Brennnessel (ca. 40-50g)
1-2 TL Bärlauch-Pesto
40g Haferflocken
1 EL Semmelbrösel
40g geriebener Käse (m: Comté)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl

 

Zubereitung:

Quinoa in 250ml Gemüsebrühe geben, ca. 12min köcheln lassen, dabei gelegentlich umrühren - dann bei geschlossenem Deckel etwa 10min weiter quellen lassen.

Erbsen in kochendem Wasser kurz gar ziehen lassen, abschütten, abschrecken und gut abtropfen lassen. 

Brennnessel in wenig kochendem Wasser zusammenfallen lassen, dann abschütten, etwas auskühlen lassen, gut ausdrücken und zusammen mit den Erbsen pürieren.

Alle Zutaten miteinand vermengen und daraus 5 oder 6 Buletten formen und im heißen Olivenöl von beiden Seiten golden braten.

Anmerkung m: wie ich beim Linksetzen feststellte, machte ich sonst gerne das Pesto recht puristisch - hier habe ich noch einige Nüsse (Mandeln - aber Pinienkerne oder Haselnüsse gehen ebenfalls prima) und Parmesan dazu gegeben!

 

die Grazie Feldhyazinthe

Altbrot-Spezial - Kaspress-Knödel

Sonntag, 26. Juli 2020


Neben dem morgendlichen Porridge reduziert nun das Heil-Fasten unseren einstigen Brotkonsum nochmals mehr. Obwohl ich sehr gerne Brot esse und auch immernoch sehr gerne backe. Nur deutlich seltener. Es hat etwas gebraucht, bis ich mich darauf eingestellt hatte, wieviel Brot zur Verfügung stehen muss. Anfangs wurde mir Brot trocken - weil abends die Mahlzeit jetzt gestrichen ist. Glücklicherweise aber gibt es ja derart viele Möglichkeiten,  Brot vom Vortag oder noch älteres Brot zu verwerten. Und nehme man nur die guten alten Semmelbrösel zum Panieren als Knusper-Panade oder die sehr geschätzte Pangratatto als (veganer) Arme-Leute-Parmesan-Ersatz. Oder als Croûtons. Oder alleine meine beachtliche Sammlung an unterschiedlichen Servietten-Knödel!

Gute Gelegenheit, euch mal ein paar Ideen dazu als Board aufzutischen. Ein andere Board, worauf ihr euch freuen könnt, wartet in der Vorbereitungsschleife auf euch. Nämlich habe ich mir Gedanken gemacht, was meine Lieblingsbrote und -brötchen sind. Und nach all den Jahren Backerei schälen sich doch Favoriten raus, die ich besonders gerne und häufig in den Ofen schiebe. Aber ihr werdet ja sehen... Zukunftsmusik.

Die Kaspress-Knödel werden alle jene von sich überzeugen, die auf geschmolzenen Käse stehen, unkomplizierte Salat-Plus-Essen, eine gute Portion frischer Kräuter und/ oder richtig knusrige Puffer - bei uns sind sie sehr gut angekommen und werden definitiv ins Dauerrepertoire übernommen!


Zutaten 2-3P:

150g Brot (m: Bauernbrot vom Vorvortag)
1/2 Bund Frühlingszwiebeln (m: rote)*
100ml Milch (m: 130ml)*
20g Buchweizenmehl
20g Einkornmehl
2 Eier
100g Käse (m: Meule de Vercors)*
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
1 TL getrockneter Oregano
etwas Butter

Zubereitung:

Brot in Würfel schneiden. Die Milch erhitzen (nicht kochend) und über die Brotwürfel gießen - 10min ziehen lassen.

Das Weiße vom Grün der Frühlingszwiebeln trennen. Und beides - getrennt voneinander - in feine Ringe schneiden (das Weiße je nach Größe würfeln), dann in Butter glasig dünsten.

Das Vollkornmehl, den gewürfelten Käse, die verquirlten Eier zufügen, ebenso das Zwiebelgrün, würzig abschmecken, durchkneten (am besten von Hand) und nochmals 10min ruhen lassen. Dann je nach Belieben 8 oder 10 Kugeln formen und diese zu Buletten flach drücken. Alle Knödel von beiden Seiten knusprig und golden braten.

*Anmerkung m: anstelle von Frühlingszwiebeln kann man auch prima ein Bund Petersilie verwenden. Je nach verwendetes Brot braucht es etwas mehr oder weniger Milch: bei Weißbrot reichen ca. 100ml/ die Puffer eigenen sich zudem sehr gut, um Käse-Reste zu verarbeiten


Rezepte, um Brot zu verwerten, sind nicht nur praktisch, sondern ich mag diese Gerichte sehr - nicht von ungefähr haben sich so viele unterschiedliche Serviettenknödel hier angesammelt:



Salat Plus: mediterranes Semmelknödelbrot mit Rosmarin und Oliven

Mittwoch, 10. Juli 2019


Nachts hört man in der Ferne unaufhörlich den Mähdrescher durch die Felder kreuzen, morgens fährt man dann abwechselnd an gold-riechendem Stroh vorbei und durch den Knoblauch-Duftnebel der frisch abgeernteten Felder. Ungewöhnlich fand ich die bunten, fröhlichen Platterbsen - die sah ich so noch nie in der Drôme, im Gegensatz zu den vielen Lavendelwiesen, die aus Südfrankreich nicht wegzudenken sind. Dabei auffällig wenig Flugverkehr allerortens. Auch im Garten wo zwischen dem üppigen Lavendel die Cosmeen, die Zinien und die Malven blühen - drei Schritte entfernt von unseren ersten, roten Tomaten.

Und wie verzehrt man die ersten, langersehnten Tomaten der Saison? Immer? Genau! Völlig langweilig als Tomaten-Salat. Oder eben als den langweiligsten aller Klassiker: als Tomate-Mozarella-Salat. Aber ich liebe Tomate-Mozarella-Salat mit VIEL Basilikum. Wir haben schließlich mehrere Monate dafür Anlauf genommen, um Altbekanntes wiederholen zu können mit den Tomaten aus unserem Garten.

Ideale Sommeressen sind für mich Salat-Plus-Gerichte. Alte Blog-Weggefährten/innen kennen diese Vorliebe. Hier wird der Salat begleitet durch einen Semmelknödel, der in der Brotform im Ofen gegart wird. Ich habe ihn bereits am Tag zuvor abends gebacken, so dass ich während der Mittagshitze die Scheiben nur noch Anbraten mußte. Mir gefiel die Zubereitungsweise sehr: einfacher und unkomplizierter wie sonst meine geschätzten Serviettenknödel - aber genauso köstlich.

Voilà, womit ich mal wieder den Einstieg eines typischen Food-Blogs hingelegt hätte - bißchen Jahreszeit, bißchen Warenkunde - seht ihr: bekomme ich auch hin. Manchmal frage ich mich, ob euch das lieber wäre... Nur, ich fürchte, dann würde ich mich beginnen zu langweilen....


Zutaten 4P:

380g Brot vom Vortag (m: Mischung Baguette/ eigenes Brot)
250ml Milch
2 Eier
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
50g schwarze Oliven-Tapenade
4 Zweige Rosmarin
(ca. großzügigen EL feingehackt)
1/2 Bund Petersilie
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl



Zubereitung:

Eine Brotbackform von 25cm Länge gründlich buttern.

Das Brot in Würfel schneiden und in eine große Schüssel geben. Die Zwiebel fein schneiden, ebenso die Knoblauchzehen. Rosmarin und Petersilie fein hacken.

Die Zwiebel zusammen mit dem Knoblauch in etwas Olivenöl glasig dünsten. Die Milch anschütten und alles vorsichtig aufkochen lassen. Über das gewürfelte Brot geben, durchmischen und 10min ziehen lassen.

Den Ofen auf 180° (O/U-Hitze) vorheizen.

Nun unter die Semmelknödelmasse die Eier, die Tapenade und die gehackten Kräuter untermischen, würzen mit Salz, Pfeffer und Piment (würzig abschmecken, aber bedenken, dass die Tapenade schon viel Aroma mitbringt). Am besten mischt man die Masse per Hand - ohne allerdings dabei alles zusammenzumatschen.

Nun in die Form füllen, glatt streichen und für 40min im Ofen backen. 5Minuten abkühlen lassen, dann mit Hilfe eines Messers am Rand entlangschneiden, (ich habe das Brot in der Form auskühlen lassen und abgedeckt in den Kühlschrank gestellt). Stürzen, in Scheiben schneiden und wer mag brät die Scheiben von beiden goldbraun an.


Jamais deux: Kürbis-Serviettenknödel

Sonntag, 21. Oktober 2018


Über unseren Mechaniker lasse ich nichts kommen. Im französischen Outback ist eine gute Werkstatt fast ebenso wichtig wie ein fähiger Hausarzt. Ohne Auto ist man im wilden Frankreich völlig aufgeschmissen. Ja, eigentlich braucht man zwei Autos, sollte eines mal ausfallen. So siehts aus.

Unser Garagiste ist ein richtiger Old-School-Schrauber, einer, der einem zur Begrüßung den Ellenbogen hinhält, weil die Hände stets schwarz verfärbt sind, in dessen Werkstatt - wie meine Großmutter so hübsch zu sagen pflegte -  sieben Katzen keine Maus finden würden, der aber selbst das klapprigste Vehikel wieder zum Laufen bringt. Bref: einen Mann, den man brauchen kann.

In kurzem Abstand standen wir nun vor seiner Tür. Der Habib lachte und meinte, tja, erst sieht man sich monatelang gar nicht und dann in kürzester Zeit gleich zwei Mal hintereinander - immer mit einem Reifen unterm Arm, der Luft verliert. Verschmitzt antwortete Monsieur A. mit einem tiefgründigen Schnauber, ben, c'est la série de loi, jamais deux toujours trois!

Wir staunten ihn mit offenem Mund an. Wohl kannten wir den Spruch *Was ein Mal passiert, kann auch ein zweites Mal passieren. Was aber zwei Mal passieren, WIRD ein drittes Mal passieren.* In Frankreich war er uns seither noch nicht begegnet. Im Netz machte ich mich sofort an eine kleine Recherche und stieß auf diese Seite:  jamais deux sans trois. Da schau' her: diese Redewendung gibt es weltweit!

Was eine schöne Gemengelage, in der die Phänomenologie der Erfahrung auf fehlende, wissenschaftliche Beweise stößt. Und nun? Wie bewerten? Handelt es sich hierbei um eine globale Einbildung? Verblendung mit enormem territorialem Ausmaß? 

Eindeutig liegt für eine solche Triple-Serie von gleichen Ereignissen keine wissenschaftliche Absicherung inklusive methodischer Erhebung vor. Reicht dann die Überprüfbarkeit durch eigenes Erleben? Ganz vom Tisch kann man eine derart gängiges Sprichwort wohl nicht wischen, aber mit welchen Normen, Tests und Gutachten will man den Wahrheitsgehalt eines solche Redewendung absichern? Sollte es soetwas wie ein geistiges Gesetze geben, müsste es derer dann nicht noch viel mehr geben? Muß man - weitergedacht - also von einer ganz großen Ordnung ausgehen oder ist am Schluß doch alles nur Willkür? Hach, es ist schwierig mit der Wahrheitsfindung... vorallem, wenn man mit Werkzeugen für Maß und Zahl versucht an Qualität zu schrauben.

Nachdem sich rausstellte, dass es sich bei dem Kürbisknödel-Wunsch nicht um eine kartoffelige sondern eine brotlastige Version handelte, machte ich mich umgehend ans Werk. Nicht rund geformt, sondern als Serviettenknödel - damit kenne ich mich schließlich aus. Sowieso schmecken diese Knödel in Scheiben geschnitten und von beiden Seiten angebraten am allerbesten! Ist mir ausgesprochen gut gelungen, der Kürbis-Serviettenknödel, nicht zu fest, nicht zu weich mit schöner Kürbisnote - die kommen in meinen Standart! 


Zutaten

250g Baguette, klein gewürfelt
250g Kürbis (m: Butternut)
2 Eier
160ml Milch
Salz, Pfeffer
1/4 TL Kurkuma
1 Schalotte
2 EL Petersilie, fein gehackt
1 Stück Butter, walnussgroß
Butterschmalz, einige Blätter Salbei

1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
150g Spitzkohl
200g Kürbis (m: Butternut)
200g Mangold
1 Schuß Rotwein
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 EL Crème fraîche
Olivenöl/ Butterschmalz

Zubereitung:

Schalotte fein würfeln. In Butter glasig dünsten - kurz vor Ende die fein gehackte Petersilie zufügen. In die Schüssel mit dem gewürfelten Baguette geben. Eier verquirlen.

Butternut schälen, in ca. 0,5-1cm große Würfel schneiden und in 2-3 EL Gemüsebrühe weichkochen - gen Ende sollte der Kürbis leicht anhängen ohne Farbe anzunehmen, die Flüssigkeit sollte gut verdampft sein. Den Kürbis nicht zerdrücken, sondern einfach die Milch dazu schütten samt Kurkuma und aufkochen lassen. Mischung über das Baguette geben, mischen, zufügen und ebenfalls untermischen - am besten mit Hilfe eines Löffels ohne die Masse zu sehr zu zermatschen. Ca. 15min ziehen lassen.

2 Bahnen vorbereiten von je einer großen Alufolie über die Klarsichtfolie gebreitet ist. Die Hälfte der Masse auf die Klarsichtfolie geben und zu einer Rolle formen. Enden zuzwirbeln wie ein Bonbon. Mit der Alufolie zusätzlich umwickeln. (Anstelle der Kombi Folie-Alu geht natürlich das klassische feuchte - allerdings gut ausgewrungene Geschirrtuch -hier müssen die Enden mit Küchengarn zusätzlich geschlossen werden/ zum Einfrieren ist ersteres aber idealer).

In einen großen Topf (m: Bräter) reichlich Wasser zum Kochen bringen, die Rollen hineinlegen und in dem leicht siedenden Wasser 30min (gut) köcheln lassen. Abkühlen lassen, in 1cm-breite Scheiben schneiden und in einer Pfanne in etwas Butterschmalz zusammen mit einigen Blättern Salbei goldbraun braten.

Die rote Zwiebel sowie den Knoblauch fein hacken. Mangoldgrün von Stielen trennen - Stiele je nach Größe von Fäden befreien. Spitzkohl ebenso wie Mangoldgrün in dünne Streifen schneiden, die Stiele fein würfeln. Kürbis zu kleinen Würfeln von ca. 1cm schneiden. 

Zwiebeln mit Knoblauch und Mangoldstielen in Olivenöl anbraten. Spitzkohl und Kürbiswürfel zufügen, kurz mitbraten, dann Ofentomaten und den Schuß Rotwein anschütten, Deckel auflegen und bei kleiner Flamme ca. 10 min köcheln lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Zucker und Piment. Mangoldgrün untermischen und weitere 3-4min köcheln lassen - je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Gemüsebrühe zugeben. Die Crème einrühren und nochmals abschmecken. Zusammen mit den Serviettenknödel servieren.


Verlust - mediterrane Serviettenknödel mit Spinat und pochiertem Ei

Freitag, 30. März 2018


Mir fällt nichts ein, was mehr formt und prägt wie Verlust. Das Schmerzhafte brennt sich tiefer ein als das Lustvolle. Blödes Ungleichgewicht auf Erden. Niemand wird über seine persönlichen Geschichten zum Thema Verlust nachdenken müssen. Bang - und sie sind mit dem Stichwort wieder da.

Wie ich schon mal erwähnte, hatte ich als Kind eine besonders enge Bindung zu unserer Katze. Ein typischer Dorf-Kater, getigert, weiße Socken, weiße Brust, unkastriert und damit hauptberuflich Streuner also auswärts tätig. Zum Fressen kam er, ein kurzes Ausruhen, aber sehr anhänglich war er nicht. Eine seiner Eigenheiten entsprach ganz seinem herrschaftlichen Namen Sultan. Wurde er beschmust, konnte er hingebungsvoll schnurren. Doch das letzte Glied seines gestreiften Katzenschwanzes wippte dabei dezent missgelaunt, so, als wäre er nie ganz zufrieden. Und ich kraulte mir einen Wolf an diesem Kater, um die 100 Prozent zu erlangen. Suli war einfach mein Augapfel.

Jeden Morgen, bevor wir zur Schule gingen, machte ich die Katzentür, zog ich den Rollladen zur Terrassentür hoch und da stand er schon, bereit an sein Fressnapf zu stürmen. Und eines Tages stand er dort nicht. Auch am nächsten und übernächsten Tag nicht. Es vergingen Wochen, Monate bis ich mich als Kind damit abfinden sollte, dass Suli nie wieder dort stehen würde.

Und ich verstand die Welt nicht mehr. Warum? In mein abendliches Gebet hatte ich Gott gebeten, auf alle aufzupassen, die mir lieb waren - inklusive dem namentlich aufgeführten Suli. Man hatte mir erklärt, dass man mit Gott handeln könne: bin ich brav, ist Gott brav. Gott jedoch schien diese Abmachung nicht zu kennen. Mehr als merkwürdig. Und mir dämmerte: Irgendetwas stimmte hier vorne und hinten nicht, irgendetwas stimmte hier grundsätzlich nicht an dem, was man mir als Gott verkauft hat. Mit dem Verschwinden von Suli starb auch mein Vertrauen in den römisch-katholischen Gott. Dieser Bruch war für mich Auslöser, mich auf die Suche nach dem zu machen, was mich heute im Inneren zusammenhält.


Serviettenknödel esse ich sehr gerne - Zeit, die Fränzis dafür zu erwärmen. Selbst wenn es wenig Essen gibt, die unfranzösischer tönen wie Knödel aller Art. Oder bereits die Optik! Da hüpft ein Fränzi nicht so einfach drüber. Den Geschmack habe ich aber defitiniv Richtung Frankreich gezogen. Zweierlei Varianten habe ich mir hierfür erdacht:


Zutaten 4P:

250g Weißbrot (vom Vortag)
1 kleine Zwiebel
1 EL Petersilienblätter, fein gehackt
1 EL Butterschmalz
180ml Milch
2 Eier
Salz, Pfeffer
Muskat
1 1/2 TL Thymian-Blättchen
Piment d'Espelette
je 50g Oliven-Tapenade
je 50g Tomaten-Confit 

Rahmspinat
pochierte Eier nach Daniel Düsentrieb

Zubereitung:

Das Weißbrot fein würfeln. Zwiebeln und Knoblauch schälen und ebenfalls fein würfeln. Zwiebeln und Knoblauch in 20g Butter  zusammen mit dem Thymian anschwitzen. Die Milch dazugeben und 2 min köcheln lassen. Die heiße Milchmischung über die Brötchenwürfel gießen. Die Eier beifügen und mit Salz, Pfeffer, Piment und frisch geriebenem Muskat würzen.

Alles sehr gut mischen und 10 Min durchziehen lassen. Die Masse teilen und eine Hälfte mit der Tapenade, die andere mit dem Tomaten-Confit vermengen. Ein nasses, aber gut ausgewrungenes Geschirrtuch auf der Arbeitsfläche ausbreiten. Die Brötchenmasse darauf geben, dabei aber rechts und links einen guten Rand von etwa 5cm lassen, damit man das Bonbon sich gut zubinden läßt.

Die Masse zu einer Rolle formen und locker in das Tuch wickeln. Die Seiten mit einem Küchengarn (Bonbon) zubinden. In einem ausreichend großen Topf reichlich Wasser zum Kochen bringen. Den Knödel hineingeben und in dem leicht siedendem Wasser 30 Minuten ziehen lassen. Dann auswickeln und mit einem scharfen, dünnen Messer in dünne Scheiben schneiden. 

Etwas abkühlen lassen und von beiden Seiten in einer Pfanne in etwas Butter knusprig braten.

Anmerkung m: ich friere die gekochten und ausgekühlten Serviettenknödel gerne ein - angebraten schmecken mir sie am besten.

Dazu gab es Rahm-Spinat: kleingehackter Knoblauch, cremig einköchelte Sahne und frischer Spinat, entstielt, und in Streifen geschnitten, schlicht gewürzt mit Salz und Pfeffer.


Evergreen als Vorspeise: Salat mit Spinat-Serviettenknödel und Pilzen

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Bei meinen Menu-Zusammenstellungen die letzten Jahre werdet ihr immer wieder auf eine Beilage stoßen: den Servietten-Knödel. Aus dem einfachen Grund weil mir wirklich nur Vorteile einfallen: mir ist noch niemand begegnet, der keine Servietten-Knödel mag, sie sind unglaublich variantenreich und sie sind einfach perfekt vorzubereiten, wenn man Gäste erwartet. Nicht zu vergessen: sie machen ordentlich was her, dabei sind sie ganz leicht herzustellen - wenn man ein anständiges Rezept hat.


Nun komme ich ins Spiel - als Servietten-Knödel-Mittlerin. Oder so. Ich habe euch heute meinen Evergreen, den Servietten-Knödel als Special zusammen gestellt: mit Brezeln, Lachs, Rote Bete, Käse oder Grieß - alle sind sie köstlich! Ausgangspunkt für viele meiner Spielereien damit ist das Lafer Rezept - ein Kochbuch, für das ich nach wie vor schwärme (weswegen ich es ja verlost hatte). Tolle Rezepte, tolle Fotos - dicke Empfehlung (Fernsehkoch hin oder her...).

Wenn ich Gäste erwarte, dann bereite ich die Servietten-Knödel stets im vorraus zu. Dann packe ich sie anstelle in ein Geschirrtuch in Klarsichtfolie und Alu - so kann ich sie abgekühlt später einfach einfrieren. Zumal ich die Knödelscheiben angebraten eh am leckersten finde. Voilà, ein weiterer Vorschlag für eine Vorspeise, die einen nicht behindern soll, zusammen mit seinen Gästen eine entspannte Zeit am Tisch zu verbringen. Etwas, das ich euch wünsche, wenn ihr vorhabt, für eure Lieben an den Festtagen zu kochen.
Zutaten 4-6P:

250g altbackene Brötchen, in kleine Würfel
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
200g Spinat
170ml Milch
2 Eier
20g Butter
Salz, Pfeffer
Muskat

250g Champignons
1 Salatkopf
Dressing

Zubereitung:

Den Spinat waschen, von den Stielen befreien und in kochendem Wasser zusammenfallen lassen. Mit kaltem Wasser blanchieren, gut ausdrücken. Zusammen mit den Eiern fein pürieren.

Zwiebel und Knoblauch fein würfeln und in der geschmolzenen Butter glasig dünsten. Mit der Milch ablöschen, 2min köcheln lassen und über die Brötchenwürfel gießen. Die Eier-Spinatmischung ebenfalls untermischen, mit Salz, Peffer und Muskat würzen und 15min ziehen lassen.

2 Bahnen vorbereiten von je einer großen Alufolie über die Klarsichtfolie gebreitet ist. Die Hälfte der Masse auf die Klarsichtfolie geben und zu einer Rolle formen. Enden zuzwirbeln wie ein Bonbon. Mit der Alufolie zusätzlich umwickeln. (Anstelle der Kombi Folie-Alu geht natürlich das klassische feuchte - allerdings gut ausgewrungene Geschirrtuch -hier müssen die Enden mit Küchengarn zusätzlich geschlossen werden/ zum Einfrieren ist ersteres aber idealer).

In einen großen Topf (m: Bräter) reichlich Wasser zum Kochen bringen, die Rollen hineinlegen und in dem leicht siedenden Wasser 30min (gut) köcheln lassen. 

Für den Salat reicht die Hälfte für 4 Personen. Die Rolle abkühlen lassen, in 1cm dicke Scheiben schneiden und vor dem Servieren in etwas Butter anbraten. Parallel dazu die Pilze in Scheiben schneiden und in einer Pfanne ohne Fett bei starker Hitze anbraten. Kurz vor Ende ein kleinen Stich Butter zufügen. Salat putzen, waschen, schleudern, in mundgerechte Stücke zupfen und mit dem Dressing der Wahl marinieren (m: Dressing aus 1 Schalotte, Weißweinessig, Olivenöl, wenig Dijonsenf, Salz, Pfeffer, Pr Zucker). Teller anrichten: beginnend mit dem Salat, dann die Servietten-Knödel und zum Schluß die Pilze. Bon appétit!



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