Gastbeitrag von Hannah: Tomaten mit Kräuterfüllung

Dienstag, 15. September 2020


Anfang Juli – zum Glück vor der großen Hitzewelle - verbrachten wir eine Woche bei Micha und Fried / „Sonne und Lavendel“. Als kleine Ergänzung zu Michas „Herbergsmutterreihe“ möchte ich hier von der anderen Seite aus berichten, zumal das Wetter hierzulande jetzt glücklicherweise etwas auf „goldenen Spätsommer“ umgeschlagen hat, und ich gestimmt bin den Sommer Revue passieren zu lassen.
 
Und jaa, und was bringt man so aus dem Urlaub mit - neben Urlaubsbräune, Entspannung und vielen Eindrücken? Souvenirs. Quasi auf der Hand liegt ja, dass „Souvenir“ dem Französischen entlehnt ist, wörtlich übersetzt ein Erinnerungsstück. Etymologisch noch weiter gegraben hat se souvenir seine Wurzeln im Lateinischen und ist da eine Zusammensetzung aus den Wörtern sub (=von unten) und venire (=kommen).  Ein Souvenir „zieht“ also Erinnerungen von unten herauf.

Dabei können Souvenirs unterschiedlicher Art sein: Es kann sich dabei um Gegenstände handeln, die man mitgebracht hat, oder es können im übertragenen Sinne auch Eindrücke sein, die sich fest im Gedächnis verankert haben und untrennbar mit dem Ort des Erlebens verknüpft sind. Bilder, Gerüche und – für die meisten Leser hier – sicher auch Geschmäcker.

Logisch – und Micha erinnert auch nochmal daran - nimmt man aus einem Urlaub im Dep. Drome ganz handfeste Souvenirs wie Lavendelhonig, Einkorn, lila Knoblauch und natürlich guten Käse mit, schließlich werden alle diese Naturprodukte hier angebaut beziehungsweise produziert. Und wenn noch Platz im Auto ist, packt man noch sonnenverwöhnte Tomaten, Melonen und Pfirsiche dazu. Daheim angekommen tafelt man mit diesen Köstlichkeiten und erinnert sich.

Als weitere schöne Souvenirs brachten wir Lorbeer aus Micha und Frieds reichhaltigem Kräutergarten mit und Lavendel, abends auf der Terrasse zu festen duftenden „Knüppeln“ gebunden, ein sommerliches Kleidchen für unsere Tochter, das Lieblingskleid dieses Sommers, benannt nach dem Namen der Stadt, wo wir es kauften: „Das Die Kleid“, einen schönen Sonnenhut für meinen Mann, dem ersten Sonnenbrand am Kopf geschuldet und eine neue Lieblingssommerhose für mich – meiner Vorliebe für Second Hand Läden / Dinge mit Geschichte geschuldet, genauso wie drei kleine Tässchen für die Spielküche aus dem „Mitnahme-nicht-nur-Bücher-Häuschen“ im malerischen Piégros-la-Clastre.

Was ich noch mitnahm war das Vorhaben ein Rezept für gefüllte Tomaten zu entwickeln. Micha und ich hatten einen Versuch unternommen, der zwar durchaus gut schmeckte, aber noch nicht in Gänze „blogwürdig“ erschien. Daheim angekommen unternahm ich einen nächsten, der mir allein, weil er etwas ganz Anderes ist, auf jeden Fall mal zu notieren wert ist. Die Fotos sind leider nicht so toll geworden, aber das machen die Souvenir Fotos hoffentlich wieder wett. Ich servierte die gefüllten Tomaten – genauso wie Micha - mit dieser Zucchini-Tarte  - auch diese schöne Kombi war mir in guter Erinnerung geblieben. Als das Essen so auf dem Tisch stand, fragte unsere Tochter: „Hat das die Micha gekocht?“. So funktionieren Souvenirs.

Zutaten 4P:

6 mittelgroße Fleischtomaten
100 g frische Brennesselblätter
5 Zweige Basilikum
5 Zweige glatte Petersilie
30 g Frühlingszwiebeln
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
1 Ei
6 eingelegte Kirschpepperoni
2-3 EL Semmelbrösel
60 g kräftiger Hartkäse – z.B. Comté / Ziegen- oder Schafskäse ist ebenso eine gute Alternative!
20 g Zedernnüsse oder Pinienkerne
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 200° C Umluft vorheizen.
Brennnesseln waschen und gut abtropfen

Tomaten waschen, waagerecht halbieren und das Fruchtfleisch aushöhlen. (Dieses wird hier nicht weiter verwendet, natürlich schmeißen wir es aber nicht weg, sondern verwenden es anderweitig – z.B. im Gazpacho, in einer Tomatensoße oder auch einfach gewürzt und mit Basilikum und Parmesan und einigen weiteren Tomaten kalt zu Pasta.)

Zedernnüsse in einer Pfanne ohne Fett leicht bräunen. Beiseite stellen
Nun etwas Olivenöl in die Pfanne und darin die feingewürfelte Schalotte und den ebenso fein gewürfelten Knoblauch sowie die Frühlingszwiebeln in Ringen andünsten.

Derweil die Brennnesseln, Basilikum und Petersilie fein hacken. Kirschpepperoni klein schneiden.

Käse reiben. 20 g davon beiseite stellen

Nun alle Zutaten für die Füllung mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Füllung in die Tomatenhälften geben. In eine Auflaufform stellen und mit dem restlichen Käse bestreuen und mit etwas Olivenöl beträufeln. Im Ofen ca. 25 Minuten backen.


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.
 
 

12 von 12 - September 2020

Samstag, 12. September 2020











Samstag ist Markttag in Crest - und den lasse ich wenn möglich nie sausen. Grund, zeitig aufzustehen und spätestens die Mara des Bois, die Königin unter den Erdbeeren, sind Motivation und Belohnung in einem für die frühen Vögel. Wobei ich meine südfranzösischen Märkte liebe - das nutzt sich nie ab. Der Weg über den Markt führt an meinen Lieblingsbaguettes vorbei: wenn Baguette, dann aus dieser Bäckerei. Wir kehren zu einem petit crème im John-Irving-Café ein. Der Habib kennt zu gut meine Freude über Spatzen-Gesellschaft dabei. So überraschte er mich mit einem kleinen, aufziehbaren Blechvogel, damit ich nie wieder ohne meinen Kaffee trinken muss. Ganz wird der kleine Hüpfer seiner Kindheitserinnerung (vor allem was die Bewegung angeht) nicht gerecht - ich habe mich natürlich trotzdem sehr gefreut!

In der letzten Zeit musste der Marktbesuch schnell von statten gehen, denn Samstag ist gleichzeitig der Tag an dem Gäste abreisen und neue Ferienlustige ankommen. Nun hat die aus der Luft gegriffene, deutsche Willkür letzteren alle Pläne zunichte gemacht. An dieser unvorhersehbaren-vorhersehbaren Ungerechtigkeit hatte ich die letzten beiden Tage zu knabbern. Wie man eben an Lügen immer zu beißen hat  (Lüge, der grundsätzliche Stoff aus dem alle Unruhe, aller Unfrieden besteht). Ich hatte mich auf die *Baby-Fraktion* gefreut, mal wieder meinen Hütetrieb ausleben zu können und außerdem hatte ich im Gefühl, dass sich die Neuankömmlinge untereinander prima verstehen würden - was ich besonders mag, wenn das unter den Gästen auch noch matched. Mais bon, ärgerlich, aber es gibt Schlimmeres. Krieg, Vertreibung, Hunger, Elend uswusf. DAS ist schlimm!

Ansonsten fing der Tag wie immer an. Alleine das Porridge ist für mich die einfachste Erklärung, warum ich lebe, wo ich lebe. Ein Morgen kann für mich nicht besser beginnen als so.

Außerdem wollte ich dringend mal demonstrieren, wie sehr ich mit Büchern verwöhnt wurde (das Buch mit dem Milchsauer eingelegten Gemüse schmuggelte sich aus dem Stapel - wohl um auf sich aufmerksam zu machen). Und wie schön war der Austausch mit euch dadurch! Viele, viele bises nochmals durch den Äther an euch *knutschknutsch*!!! Das vertreibt doch gleich alle Wolken! Und dank meiner neuen Lektüre entdeckte ich im eigenen Garten die Goldrute, von der ich bis dahin gar nicht wußte, dass sie bei uns wohnt...

Ansonsten habe ich mir den Tag erfolgreich schöner kochen können - eigentlich backen und zwar mit Pizza Magherita de luxe mit dem bewährten und stets gelingendem Wild-Yeast-Teig. Alles andere ist natürlich auch faite-maison!

Was mir sonst noch an letzten Restbeständen schräg in der Luft hing, konnte ich mit entspannendem Feigen- und Brombeerpflücken auflösen. Tatsächlich koche ich mittlerweile hauptsächlich Marmelade für unsere Gäste. Früher haben der Habib und ich uns immer über eine Nachbarin lustig gemacht, die ihre Marmelade nur für andere zubereitete und selbst nichts davon anrührte... tssss, aber ja, unsere Urlauber lieben nun mal Feigenmarmelade. Und einen Teil Schlecksel geht auch an mich. Mit verbliebenen Gästen habe ich die Feigenernte redlich geteilt - sie kocht gerade ebenfalls Marmelade samt Verveine-Kitzel als Mitbringsel für zuhause.

Für die Yoginis und Yogis habe ich eine neue Entdeckung: Travis Eliot - heute mit diesem Flow. Mit ihm stand ich die letzten Tage in unterscherschiedlichen Unterrichtseinheiten fast ausschließlich auf der Matte, denn ich mag seine Art, Yoga zu lehren sehr. Und das passiert mir bekennenderweise ja nicht oft. Aber dieser Mix aus Cardio, Wiederholungen, Ruhe und Flow läuft mir total rein. Und endlich mal längere Yoga-Einheiten und nicht immer nur diese 15 Minuten-Dinger....

... so, und jetzt ist Shavasana total angesagt. Letzter Akt heute Blog bespielen und die 12er für Mme Kännchens Event zusammenzurichten. Schönes Wochenende!

das neue Anders: Karamell-Zwetschgen-Eis mit Lavendel

Donnerstag, 10. September 2020


*Bevor das hier Hotspot wird, war die ganze Welt vorher Risikogebiet*, lachte ein Feriengast in die Weite unseres Tals . Er lachte erleichtert. Denn was alle eint, bevor sie zu uns aufbrechen - egal ob von Deutschland, Österreich oder der Schweiz - sind Bedenken. Ja, was wenn diese Region zum Risikogebiet erklärt wird oder gar das ganze Land in Sippenhaft genommen wird und man vielleicht anschließend in Quarantäne muss. Keiner kann das vorher sagen, keiner kann eine Garantie geben - und wenn es nur für eine Woche im voraus ist: nichts Genaues weiß man nicht.

Manche rufen vorher an und hätten gerne, dass jemand anstelle von ihnen die Verantwortung übernimmt. Denen gibt der Habib stets die gleiche Antwort: *Wenn ihr Angst habt, dann müsst ihr zuhause bleiben.* Die Entscheidung, ihren Urlaub anzutreten oder nicht, können wir niemandem abnehmen. Auch wir wissen nicht, was das Virus und/ oder die Politik spielen. Zeit der Unsicherheit. Zeit der Willkür. Zeit der selbständigen Entschlüsse.

Keiner jedoch hatte seither Angst, ausgerechnet hier an dem Virus zu erkranken. *Also wenn du dich hier irgendwo ansteckst, dann sollst du diesem Virus nicht entkommen, dann war das Karma* sagte ein anderer Feriengast. Denn was allen - bereits durch die Homepage - klar ist: mitten im Naturschutzgebiet gibt es deutlich mehr Natur als Menschen. Wir wissen ja schon lange, warum wir das Verhältnis Mehr-Natur-als-Menschen schätzen. Doch dieses Jahr können wir wie eine Art allgemeiner Rückbesinnung miterleben. Noch nie habe ich unsere Feriengäste so dankbar in der Natur alle Viere von sich strecken sehen wie dieses Jahr. Als würde sich mancher selbst wieder neu in der Natur entdecken, eine neue Wertschätzung, weil 2020 irgendwie nichts mehr normal, nichts mehr selbstverständlich ist und Anker neu gesetzt werden. In der Natur DARF und KANN man gerade durchatmen. Unisono erzählen sie: ich vergesse bei euch zwischendurch tatsächlich immer wieder Covid. Selbst an die Maske müssen wir uns erinnern, wenn wir aus dem Auto aussteigen. Das scheint hier alles so weit weg. Am liebsten würde ich das Smartphone ganz auslassen. Als wäre es noch nie so wichtig wie dieses Jahr gewesen, diese Momente der Unbeschwertheit und Losgeslöstheit - selbst wenn sich die dunkle Wolke Corona nicht in Luft auflöst.

In meinen Augen ist mit einer solchen Renaissance in all dem Durcheinander, in all der Unsicherheit etwas gewonnen: man setzt gerade wieder bewußt auf die heilende Kraft der Natur. Hinterwäldlertum wird wieder en vogue - wer hätte das gedacht. Gut, aber das gilt ja auch für Schrebergärten. Doch, mir gefällts, ist ja nie alles schlecht. 

UPDATE: wie ich gerade erfahren habe, wurden neue Tatsachen geschaffen und die Region *Auvergne-Rhone-Alpes*, zu der wir auch gehören, ist seit gestern abend zum Risiko-Gebiet erklärt worden. Das neue Anders: ein Blogartikel kann am gleichen Tag des Erscheinens zur eigenen Persiflage mutieren und prophetisch klingen. Die Weite unseres Tals touchiert das alles nicht. Ins Fach der Zahlenspielerei übersetzt bedeutet das: für das gesamte Département Drôme insgesamt 42 Personen, die positiv auf Covid getestet wurden. Es bleibt dabei: das Virus ist das eine - die Politik das andere...

 

So lange ich barfuß laufen kann, ist für mich Sommer. Die Karamell-Zwetschgen gehen noch auf Mme Ziii zurück, die ich sehr gerne zubereite (auch einmache), so bald unser Baum voller Zwetschgen hängt. Aber man kann ebenso ganz wunderbar ein Eis daraus herstellen. Von mir bekam es zusätzlich noch eine Lavendel-Note verpasst - einfach weil ich diesen Geschmack sehr mag. Die Skeptiker dürfen diesen südfranzösischen Dreh rauskürzen.

Zutaten:

400g Karamell-Zwetschgen (Version mit Zimt und Grand Manier)
200g Crème fraiche
100ml Sahne
2 Eigelb 
2 TL Lavendel, feinst geschnitten
(optional 25g LavendelHonig)*

Zubereitung:

Die Karamell-Zwetschgen pürieren - wer mag streicht sie noch durch ein Sieb (habe ich nicht gemacht).

Die Sahne mit den Eigelben, dem Lavendel (und dem Honig) über Wasserbad zur Rose aufschlagen, dann in Eiswasser weiterrühren (m: Schüssel mit sehr kaltem Wasser genügt normal auch).

Nun alle Zutaten mittels eines Zauberstabs miteinander vermengen und in einer Eismaschine zu Eis gefrieren lassen. Vor dem Portionieren etwas vorher aus der Tiefkühle holen.

*Anmerkung m: Ich finde, die Karamell-Zwetschgen bringen bereits genügend Süße für das Eis mit - die Süßschnäbel dürfen aber noch zusätzlich mit Honig süßen/ die Karamell-Zwetschgen bereite ich mittlerweile mit weniger Zucker zu - ca. 50g pro Pfund

Zum Eis passen warme Karamell-Zwetschgen selbstverständlich hervorragend...

Je ne suis pas... - Parmigiani-Lasagne

Samstag, 5. September 2020


Non, je ne suis pas Charlie Hebdo! Zum zweiten Mal in diesem Jahr kriselt es zwischen meiner Wahlheimat und mir. Was soll das? Erneut diesen Müll zu drucken, der für so viel Entrüstung gesorgt hatte? Und ein Staatspräsident, der hinsteht und verkündet: *Blasphemie ist Teil unserer Freiheit!* Das ist ja interessant (alamierend): Respektlosigkeit wird neuerdings also unter Freiheit einsortiert?! Vergessen wir Europäer mit der Lust an der Gotteslästerung im gleichen Moment auch unseren Humanismus?

Versteht mich nicht falsch. Selbstverständlich rechtfertigen geschmacklose Karikaturen keine Morde! Aber das zu beleidigen, was anderen lieb und teuer, ja gar heilig ist, entspricht nicht meinem Wertekanon! Ganz im Gegenteil: da schäme ich mich für meine Kultur in Grund und Boden! Religionen eint, dass sie versuchen Wege aufzuzeigen, wie friedliches Miteinander möglich ist. Und ja, Religion kann missbraucht werden. Zweifellos. Das hat die Geschichte mehrfach gezeigt. So, wie alles verdreht und missbraucht werden kann. Für mich sind diese Karrikaturen Missbrauch der Freiheit. Und Missbrauch der Kunst. 

Mit Freiheit muss man umgehen können. Freiheit unterliegt nämlich unbedingt Regeln und Gesetzen - das ist kein heiloses Durcheinander, keine Willkür und hat nichts gemein mit Anarchie. So wie sich in meinem Kunstverständnis ebenfalls die Kunst bestimmten Werten zu unterwerfen hat. *Takt ist der Verstand des Herzens* trifft es Karl Ferdinand Kutzkow so schön. Sind wir dazu nicht mehr fähig? Sind wir so sehr abgestumpft? Sind uns die verletzten Gefühle anderer einfach egal? Haben wir unsere Empathiefähigkeit verloren, eingebüßt, verkauft?

Was ist das überhaupt für eine Doppelmoral? Gegen Hass und Hetze im Internet will man gesetzlich vorgehen, aber in der Politik gehört es zum alltäglichen Geschäftsgebaren? Die eigentliche Absicht hinter dieser erneuten Schmähung ist doch nur zu offensichtlich: ein Mal mehr wird der arabischen Welt von uns Weißen der Mittelfinger gezeigt. Wir sind die Moderne, der Fortschritt, die Leitkultur, bref: *wir sind richtig - ihr seid falsch.* Dass man die Eitelkeit eines Volkes so tumb am nationalistischen Bauch kraulen kann. Ach, diese blinde, dumme, eingefleischte Hybris schmerzt mich umso mehr, als dass ich gerade (zutiefst beeindruckt) *Americanah* lese (FETTE Empfehlung!). Und man fragt sich automatisch, wieviel weitere Jahrhunderte diese Gattung Mensch braucht, um sich dort einzuordnen, wo sie hingehört.

Ich bin und bleibe Micha. Weltenbürgerin. Pazifistin.


Zuerst schleckte ich mir alle 10 Finger nach dieser Lasagne, dann habe ich den Klassiker *Parmigiani di Melanzane* auf den Tisch gebracht. Die Vorzeichen mehren sich, dass die Aubergine mein Lieblingssommergemüse 2020 wird! Und mit frisch zubereiteter Pasta aller Art kann ich mich bekanntermaßen ja stets kulinarisch verwöhnen.

Zutaten 2P:

50g Einkorn-Vollkorn
50g Dinkel 630
1 Eigelb
1 EL grüne Oliven-Tapenade
etwas Olivenöl

1kg Tomate
3 Knoblauchzehen
Thymian
1 Aubergine (ca. 400g)
2 EL grüne Oliven-Tapenade
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
2 TL Oregano
1 Mozzarella
80g Tomme de Chevre
Olivenöl

Zubereitung:
 
Die Tomaten überbrühen, häuten, halbieren, in eine ofenfeste Form setzen, mit Olivenöl beträufeln, mit kleingewürfeltem Knofi, Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und Thymian würzen und bei 220° (Umluft) ca. 45min in den Ofen schieben (quasi Ofentomaten - nur ein wenig kürzer und unpüriert ;)
 
Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 5 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Die Aubergine der Länge nach in Scheiben hoben (m: Börner - zweitdünnste Stufe), nebeneinaner auf ein mit Olivenöl bestrichenes Backpapier auf einem Backblech auslegen. Mit Olivenöl bepinseln und etwas getrocknetem Oregano bestreuen. Ebenfalls für 20min in den Ofen schieben. Alternativ kann man die Auberginen-Scheiben auch in der Pfanne braten.

Mozzarella in kleine Würfel schneiden.

Die Kastenform buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von den Ofen-Tomaten, Lasagneblatt mit etwas Tapenade besteichen, ein Viertel von den Auberginen-Scheiben, ein wenig Mozzarella, Tomatensauce, Lasagneblatt... das 3x wiederholen - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas Ofentomaten, dem geriebenem Tomme-Käse, getrocknetem Oregano und etwas Olivenöl. Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.
 

Hautbeschwerden - Vierkorn-Kasten

Mittwoch, 2. September 2020


*Leider ist er bei mir nicht hochgeworden, erinnert eher an eine Tarte* kommentierte ein anynomer Leser bei einem meiner Lieblinge, dem Schokolade-Kirsch-Nuss-Kuchen - ein Kuchen, auf den ich immer wieder zurückgreife, weil er schnell und unkompliziert gemacht ist und allen schmeckt. Keine Ahnung, welche Vorstellung dieser Leser von dem Kuchen im Kopf hatte - offensichtlich wohl aber eine falsche. Weil eigentlich sind die Fotos aussagekräftig. Und besser als *ein grundsolider Rührkuchen, der auf dem Weg ist, Brownie sein zu wollen* kann ich den Kuchen nicht beschreiben.

Wenn ich online Second-Hand-Klamotte kaufe, bin ich manchmal auch enttäuscht. Der Zustand kann anders (schlechter) als angeben sein. Oder der Schnitt sitzt an mir halt doch nicht so, wie ich dachte. Das kommt vor - allerdings muss man bei dieser Art des Kleidereinkaufs eben mit einer kleinen Fehlquote rechnen. Den Ausschuß bringe ich stets weiter zur Second-Hand-Boutique im Kleinstädtchen. Ein routierender Kreislauf.

Blöder wird es, wenn man in anderen Bereichen eine Vorstellung vor die Realität schiebt. Beispielsweise wenn Ferien vor einem liegen und die zwei Wochen minutiös durchgetaktet werden, bevor man den Urlaub überhaupt angetreten hat. Also wenn vorab organisiert ist, was man an Tag 6 der Reise um 17 Uhr machen wird. Und wehe, es kommt alles anders! Kann man sich dann darauf einlassen, sich umstellen? Schwer, oder, wenn der Kopf schon lange zuvor einen genauen Plan dafür erstellte. Da steckt doch der Gedankenkarren fest.

Ach, ich kenne das von mir auch. Wenn man aus seiner Haut nicht rauskommt, weil es im Kopf klemmt. Stress und Gereiztheit sind dafür ein toller Beschleuniger. Sehr gerne passiert mir das, wenn ich am Richten der Appartements bin. Ich will, dass alles fertig und schön ist, BEVOR die Gäste kommen. Da kann ich richtig gestresst sein, ja, das mag man sich bei mir sonst schlecht vorstellen können, aber da kann ich richtig an der Decke kleben. Selbst wenn mir zu bewußt ist, wie wir Deutschen uns an reibungslosen Abläufen abwetzen und wie viel hilfreicher es gerade in solchen Momenten wäre, da ein bißchen französisches Laissez-Faire walten und fünfe gerade sein zu lassen. Weiß ich doch alles - soweit die Theorie. Manche kulturellen Eigenheiten scheinen Widerhaken im Knochenmark zu besitzen.

Schlimmer noch als selbst nicht mehr flexibel auf eine Situation reagieren zu können, finde ich, dass man dann andere mit seinem Drang *Alles muss auf Schienen rutschen* ansteckt und in die ganze Schoße mit hineinzieht. Hat ja ebenfalls was von *bad energy* - und solche Vibes kontaminieren das Umfeld, ohne dass es sich wehren könnte. Dann addiert sich zu dem eigenen Klemmi-Verhalten eine Art Domino-Effekt, der den ganzen Blödsinn noch potenziert. Zumal festgeschraubte Vorstellungen nicht selten auf ein Gegenüber treffen, das wiederum seinerseits mit eigenem Filter vor der Realität unterwegs ist. Jeder sieht nur seins, jeder ist verfangen im eigenen Film. Da kann Mensch hervorragend aneinander vorbeirauschen: eine Form der Verblendung, die jede echte Offenheit fürs Leben, jede Begegnung unmöglich macht. Es ist wirklich zum aus der Haut fahren!

Wie katastrophal das enden kann, dafür lebt eine Bekannte von uns Beispiel, die als junge Frau in guten Händen war. Man konnte sehen: die zwei mögen sich, die verstehen sich. Doch dann versteifte sie sich auf ihren Kinderwunsch, obwohl sie wußte, dass er wiederum einfach keine wollte. Es kam deshalb zur Trennung. Heute ist sie grottenunglücklich verheiratet mit einem anderen, kinderlos, denn schwanger sollte sie trotzdem nicht werden. Sie opferte ihr liebevolle Beziehung für eine fixe Idee. Ist doch Horror, oder? Ach, wenn man sich mal umschaut, gibts viele solcher Geschichten...

Merke: immer anständig locker bleiben, besser ergebnisoffen als zu voreingenommen oder festgefahren, und es bestenfalls so nehmen, wie es einem zugespielt wird (wenn der Ball nicht schräg angeschnitten ins Feld rollt - so viel Differenzierung muss sein). Ach, es ist kompliziert. Wie meinte meine Fahrschullehrerin Frau Anders: *Kupplung langsam kommen lassen!*  Lasst euch das gesagt sein, von jemand der mittendrin steckt im Trainingslager Leben...

coucou Petra
 

Von Petra lasse ich mich immer gerne zum Kochen und Backen anstiften - umso lieber, als dass es sich bei diesem Brot um eine schöne Feuerwehrleiter handelt, denn das Ursprungsrezept geht von Stefanie aus, deren Blog ich ebenfalls sehr schätze. Natürlich konnte ich es nicht lassen, wiederum meine kleine Abwandlung daran vorzunehmen - ohne aber die Grundidee zu verändern. Ich liebe Vollkornbrote (was mir umso mehr auffällt, seit ich weniger und weniger Brot esse) und dieses ist ganz genau nach meinem Geschmack!

Und wenn wir schon beim Thema *Brotbacken* sind, dann will ich euch noch darauf hinweisen, dass mein Brotback-Buddy Günther ein neues Buch am Start hat - leider hatte ich noch keine Gelegenheit einen Blick hineinzuwerfen, aber vielleicht ja ihr...

 

Zutaten - 2 kleine Kastenformen à 25cm Länge

Sauerteig:
225g Lichtkornroggen-VK
225 Wasser
20g R-ASG (aufgefrischt)

Brühstück:
90g Sonnenblumenkerne, geröstet
90g Gold-Leinsaat
75g Rotkornweizen-VK
75g Dinkel-VK
500ml Buttermilch, kochend (m: lait fermenté)
18g Salz

Hauptteig:
ST
Brühstück
150g Dinkel-VK
175g Emmer-VK
12g Hefe*
180g Wasser

Zubereitung:

Für den Sauerteig am Voraband Mehl, Wasser und Sauerteig zu einem homogenen Teig verrühren und 14-16 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen.

Für das Brühstück die Buttermilch erhitzen (flockt dabei aus - egal) und alle Zutaten vermischen, abkühlen lassen und in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tages alle Zutaten in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und den Teig erst 5 Minuten auf Stufe 1 kneten, dann etwa 5-8 Minuten auf Stufe 2.

Den Teig in eine saubere Schüssel füllen und abgedeckt 90 Minuten gehen lassen.

2 Kastenformen (25 cm Länge) buttern.

Jeweils die Hälfte des Teiges (etwa 970 g) in die Kastenformen geben - da der Teig sehr weich ist, löffelt man ihn einfach in die Formen (Löffel dafür nass machen, dann bleibt der Teig daran kaum haften) und glatt strichen.

Die Teiglinge abgedeckt nochmal 90 Minuten gehen lassen. Sie sollten die obere Kante der Form knapp erreichen.

Den Ofen in der Zwischenzeit mit einem Backstein auf mittlerer Schiene auf 250°C aufheizen. Die Brote in den Ofen schieben und 10 Minuten mit Dampf backen. Nun die Temperatur auf 200°C reduzieren und weitere 40 Minuten backen.

*Anmerkung m: ich habe an einem sehr warmen Tag gebacken, mein Teig ging in Akkordtempo, so dass ich die Zeiten deutlich verkürzen musste - dementsprechend würde ich an solchen Tagen die Hefemenge reduzieren.


Als Ausgleich zum kopflastigen Artikel das musikalische Fundstück der Woche. Ich habe mir das Vater-Tochter-Gespann direkt mehrere Male hintereinander angeschaut, weil... seht selbst:
 

 

 

Vorgezogener Herbst - Coco Rouge Eintopf

Sonntag, 30. August 2020


Es war in dem Jahr, in dem wir in der schönen Altbau-Wohnung mit Loggia wohnten. Und besonders die Loggia liebte ich sehr - gut geschützt vor fremden Blicken, wie eine konkave, eckige Laube, umgekehrt schaute man in die Krone eines großen Baums, überall Töpfe mit Pflanzen, ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen passte darauf: ein viertes, grünes Zimmer draußen. Wir waren noch gar nicht lange zuvor eingezogen, aber es passte alles. Der Preis! Die Holzdielen! Der Grundriß! Bereits wenn man die Wohnung betrat, verströmte der rautenförmigen Flur, von dem alle Zimmer abgingen, eine wohlige Athmo. Was die Innengestaltung anging, hatte ich mich richtig ausgetobt - da konnte ich noch aus dem Vollen schöpfen und mich in den großen Töpfen der Theater-Werkstätten bedienen. Die Schlafzimmerwand, an der das Bett stand, hatte ich zur Hälfte mit Dschungel bemalt, das schmale Badezimmer mit vielen Muscheln beklebt und gut, ja, die Küche war mir im Nachhinein beurteilt etwas puppenstubig geraten, aber das bügelte der alte Spülstein und der Terrazzo-Boden wieder aus. Überhaupt: Terrazzoboden! Wie schmuck und pflegeleicht ist bitte ein Terrazzoboden? Wie konnte der nur aus der Mode kommen?? Ich hatte es mir dort prima nestig gemacht, ich mochte diese Wohnung. 

Ich mochte auch die Wochenend-Ausflüge aufs Land in das Ferienhaus der Eltern meines Freundes, die Pferde, die dort direkt vor der Haustür standen, die Ausritte, die Abende vor dem Kaminfeuer, mit den nackten Füßen wieder im Gras zu stehen, das Gefühl, in dieser Familie aufgenommen worden zu sein und geschätzt zu werden - etwas, das eine tiefe (wenngleich auch illusionäre - wie sich später rausstellte) Sehnsucht stillte, weil es mir in meiner Kindheit daran so sehr gemangelt hatte.

*Schön und gut*, wandte mein bester Freund ein, *aber wir hatten es doch von dir und deinem Freund. Jetzt lass doch mal den ganzen Tingeltangel drumherum weg. Darum kanns ja nicht gehen. Wie sieht es denn aus, wie stehts um euch? Wie sind deine Gefühle für ihn?*  

Es war der Sommer, in dem der Alkohol auch wieder besonders gut schmeckte. Ich erinnere mich an eine Feier mit Freunden, bei der ich die Zermonienmeisterin des Ausschanks machte mit dem guten selbstgebrannten Obstler aus dem Dorf meiner Großmutter: *L'eau de vie, allein das Wort, lasst es euch auf der Zunge zergehen und die Wärme die Kehle runterfließen. Klare Getränke - klare Gedanken!* Auch da hatte ich mich getäuscht; das Aufwachen am nächsten Morgen war fürchterlich.

Es war, als hätte mein bester Freund mit seiner direkten Frage wie mit einer spitzen Nadel in die Seifenblase meines schillernden Konstrukts gestochen. Über die Antwort musste ich nicht nachdenken, die wußte ich augenblicklich: *Es ist schon lange vorbei. Vielleicht hatte es nie richtig begonnen.* Der Anfang vom Ende. Welke Blätter. Vorgezogener Herbst.

Es war in dem Sommer, in dem die Stadtbäume ihr Laub schon im August abwarfen, weil es derart lange anhaltend trocken und heiß im Süden Deutschlands war. Ganz so, wie jetzt hier in unserem Tal die alten Eichen beginnen, ihre braun gefärbten Blätter zu verlieren und es beim Spazierengehen manchmal raschelt wie im Herbst. Dabei ist erst August. Jetzt fiel endlich erlösender Regen, der zumindest wieder unsere Zisternen füllte, aber der die verdorrten Blätter in den Baumkronen nicht mehr grün färben kann.

Zu dicken, grauen Nebelschwaden voller Luftfeuchtigkeit passen Eintöpfe zeitlos gut. Dieser hier wurde dafür gedacht, um die schönste aller Bohnen, die coco rouge, darin zu baden. Ihr könnt aber ebenso auf andere, getrocknete Bohnenarten ausweichen.


Zutaten 2P:

150g Coco Rouge*
1 Stück Kombu-Alge 
3 Kartoffeln (m: Charlotte)
1 rote Paprika, geröstet, gehäutet*
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
100g Soja-Geschnetzeltes
150g Ofentomaten
1 EL Ajvar
1/2 TL Koriander, geschrotet
1/2 TL Kreuzkümmel 
1/2 TL Paprika-Pulver
1 Msp Pimenton de la verra
100ml Kokoscrème
etwas Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
Harissa
Balsamico-Reduktion
Olivenöl

Zubereitung:

Die Bohnen - falls bereits ganz getrocknet - am Abend zuvor in Wasser einweichen. Mit neuem Wasser aufsetzen und einem Stück Kombu-Alge gar kochen. Das dauert etwa 45min. Abschütten und etwas vom Kochwasser auffangen. Alge entsorgen.

Das Soja-Geschnetzelte mit der gleichen Menge kochendem Wasser übergießen und etwa 10 min ziehen lassen. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. Die Paprika ebenfalls in in kleine Würfel schneiden.

Die Zwiebel in dem Olivenöl glasig dünsten, Knoblauch, Kreuzkümmel, Koriander, Paprika-Pulver und Pimenton zufügen und ebenfals kurz mitrösten. Die Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden. In etwa 250ml Kochwasser der Bohnen etwas Gemüsebrühe zufügen (mit der Brühe steuert man die gewünschte Sämigkeit des Eintopfs - also dementsprechend später noch etwas Flüssigkeit zufügen oder zurückhalten). Paprika mitbraten. 

Nun Ofentomaten, Kokoscreme und Brühe anschütten, Ajvar, Soja-Hack, Bohnen und Kartoffeln untermischen und bei geschlossenem Deckel sanft köcheln lassen.

Abschmecken mit Balsamico-Reduktion und garnieren mit etwas Petersilie und Koriander.

*Anmerkung m: ich ziehe meine Paprika üblicherweise bereits geröstet und gehäutet aus dem Froster, weil ich beim Kochen mir diesen Arbeitsschritt gerne erspare. Zur besseren Bekömmlichkeit kann man die Paprika auch mit dem Sparschäler dünn von ihrer Haut befreien. 

Die Kombu-Alge in den Bohnen gibt man übrigens ebenfalls der besseren Verträglichkeit ins Kochwasser. Man kann die Coco-Rouge für diesen Eintopf auch durch andere getrocknete Bohnen austauschen - soweil weiße wie rote wie schwarze.

Da Petersilie derart viele gute Inhaltsstoffe besitzt, koche ich die Stängel von ihnen bei Möglichkeit stets mit - vor dem Servieren entferne ich sie dann wieder.

 

****    Lust auf Eintopf? Dann weiter zum EINTOPF-SPEZIAL   ****



Herbergsmutter Pro und Contra 2 - Schokoladentarte mit Feigen und Brombeeren

Mittwoch, 26. August 2020


Zum Abschluß meiner kleinen Festwoche zur Homepage-Einweihung und im Anschluß an diese vorausgegangenen Gedanken hole ich ein Mal mehr das Goethezitat hervor: *Das wahre Studium der Menschheit ist der Mensch* - die Neugier und das Interesse an der menschlichen Artenvielfalt wird sich für mich nie abnutzen. Ausgesprochen gut gefällt mir also, dass man beim Vermieten von Ferienwohnungen Menschen sehr schnell sehr gut kennenlernt, denn: sie sind privat hier. Soll heißen, natürlich sind Feriengäste *Kunden* von uns und alles fängt mit einer Geschäftsbeziehung an, aber man geht ja normalerweise als Privatperson in Ferien. Der Satz *Privat bin ich ganz anders* funktioniert also nur mäßig. Als Touri trägt man Freizeit-Klamotte, es steht Kür und keine Pflicht an, Terminstress war möglicherweise vorher und solche Dinge wie Beruf, Bildung, Eigentum ectpp spielen keine bis eine bedeutungslose Rolle. Bref: in kurzen Hosen und FlipFlops sehen wir alle gleich aus. Womit der Mensch im Vordergrund steht und nicht die Verpackung. 
 
Hinzu kommt, dass wir an einem Ort leben, der von sich aus sehr pur ist, sehr ungeschminkt und deshalb viel von einem Menschen preis gibt: das Bühnenbild lenkt die Aufmerksamkeit auf den Charakter. Man lernt Menschen auf diese Weise wie in Zeitraffer kennen. Das ist abwechslungsreich, das ist unvorhersehbar, das ist eine große Bereicherung. Es könnte allerdings auch eine Ernüchterung sein: wer über das Blog kommt, wird feststellen müssen, dass ich wie alle anderen ebenfalls nur mit Wasser koche - lediglich an einem besonders schönen Ort.

    Das Minus hängt mit diesem Plus eng zusammen. Wenn andere sensibel auf Elektro-Smog reagieren, dann schlagen wir seismographisch auf mitgebrachte 'bad energy' aus. Wir sind hier ausgewildert und ausgenüchtert, verwurzelt und verwoben. Wenn ein Windhauch von hinten schräg durchs Gebüsch zauselt, dann bekommen wir das mit. Ein Misston, ein schiefer Blick, eine merkwürdige Betonung - das geht hier nicht einfach unter, das fällt uns auf. Würde es helfen, dann würden wir anmerken: *Miesepeter, Dauernörgler, Bämuls, Stinkstiefel und Querschläger müssen leider draußen bleiben*. Alleine man kann sich vor derlei nicht schützen. Mitgehangen mitgefangen. Und schlechte Energie breitet sich ähnlich aus,  wie wenn man einen flachen Stein übers ruhige Wasser springen lässt. Wie Mehltau, der sich über ein ganzes Feld legt. Der einzige Trost ist in solchen Fällen: Feriengäste reisen früher oder später wieder ab. Und: unsere Gäste sind sowas von überwiegend nette Exemplare - man muss halt auch mal Glück haben!

Womit wir direkt bei dem besten Plus überhaupt rausgekommen wären: Stammgäste. Eine Entwicklung, die immer ähnlich abläuft. Es matched direkt. Und zwar nicht nur auf zwischenmenschlicher Ebene, sondern die Qualität dieses besonderen Ortes wird erspürt ebenso wie die Schönheit und der Reichtum der umgebenden Natur wahrgenommen wird. Die Begeisterung ist bleibend und nachhaltig und die Gäste kommen wieder und wieder... irgendwann im Gepäck eine Pflanze mit Wurzeln. Mir ihr *fußen* sie dauerhaft direkt im Anschluß an unsere Terrasse, verweben sich fest in unsere Gedanken und mir-nix-dir-nix begleiten wir Paare und Familien manchmal über Generationen. So entstehen enge, freundschaftliche Beziehung, so entsteht ein Tribe. 
 
Und ein überbordender Garten, durch den ich nicht laufen kann, ohne Sträuche, Beeren, Rosen, Trauben, Tomaten selbst Bäume zu streifen, die alle von Gästen stammen - und eher vergesse ich einen botanischen Namen als den Namen der Überbringer; diese Verbindungen bleiben mir ewig. Genau diese Menschen sind für mich le top du top des Vermieten! An alle, die vom Stamm hier mitlesen - aber das wißt ihr ja: Wiedersehen macht Freude!
 
 

Diese Saison zeigt sich wieder: komplett alle unsere Feriengäste lieben Feigen. Hier in der Drôme sind Feigen völlig gewöhnlich - quasi jeder hat einen Feigenbaum im Garten. Ich finde Feigen vor allem wunderschön, aber ansonsten einfach nur süß. Reine Feigenmarmelade ist mein Fall nicht. Wieso ich sie nur für Gäste koche, weil die sich danach so die Finger schlecken. Ausnahme macht jedoch mein Schlecksel, aber da erhält diese Zuckerfrucht auch einen Gegenpart. Genau wie in dieser Tarte:  die Lieblichkeit der Feige wird wunderbar ausgeglichen und aufgefangen durch die Zartbitterschokolade und die Brombeeren. Also diese Tarte ist mir richtig gut geglückt: die geliebte Kardamom-Note, eine Nuance Piment und ein wenig Thymian. Superlecker!

Was die Mengen der Feigen angeht, könnt ihr spielen - da unsere Baum reichlich trägt, war ich großzügig mit diesen kleine, Tischtennisball großen Früchte. Bei einer größeren Art könnt ihr die Feigen auch in Scheiben schneiden. Wer noch nie Vollwert-Rohrzucker verwendet hat, dem rate ich hier ihn unbedingt mal auszuprobieren - ich finde, er passt hier optimal.

Zutaten - Tarteform 26cm:

150g Mehl
50g gemahlene Mandeln
60g Zucker (m: Vollrohr)
1 Pr Salz
30g Kakao-Pulver
1 Eigelb (m: kleines Ei)
110g Butter
(evt. etwas kaltes Wasser) 

125 Schokolade
100ml Sahne
200g Crème fraîche
1 Ei
20g Mehl

20g Zucker (m: Vollrohr)*
3 Kardamom-Kapseln, die Kerne davon
1/4 TL Piment, gemahlen

150g Brombeeren
Feigen
1 TL Thymian-Blättchen 

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Tarteboden einen homogenen Teig kneten und mindestens eine halbe Stunde eingewickelt kühl ruhen lassen. Tarteform buttern, Teig auswellen und die Form damit auskleiden. Mehrfach mit einer Gabel einstechen und für ca. 15min in die Tiefkühle stellen. 

Ofen auf 200° vorheizen und den Boden blind backen: ein Backpapier passgenau darüber leben, mit Hülsenfrüchte beschweren und 15min.  Backpapier mit Hülsenfrüchte entfernen und weitere 10min bei 180° weiterbacken.

Ein Eßlöffel Zucker mit den Kardamomkernen fein zerstoßen. Schokolade bei geringer Hitze in Sahne und zusammen mit den Gewürzen und dem Zucker schmelzen. Vom Herd ziehen und restliche Zutaten mit Schneebesen homogen untermischen - ohne die Masse dabei aufzuschlagen.

Ich habe die Brombeeren unter die Schoko-Creme gezogen - wer mag kann die Brombeeren aber auch mit den Feigen auf der Crème verteilen. Beides gut. Mit etwas Thymian bestreuen und ca. 20 min bei 160° (O/U-Hitze) fertig backen.

Am besten schmeckt die Tarte am nächsten Tag etwas gekühlt.

*Anmerkung m: sind die Feigen nicht so vollreif und zuckersüß wie meine, dann kann man die Zuckermenge in der Schokocreme auf 30 oder 40g Zucker insgesamt erhöhen.

 

Geschwister im Blog-Universum: 

 

die Feigentarte mit Ziegenkäsequark sowie diese Variante
 
 


Genug - Trofie mit Basilikumsauce und Bohnen

Sonntag, 23. August 2020

Der Habib war gerade von der Terrasse nach drinne gegangen um etwas zu trinken für uns zu holen, da durchbohrte mich der Blick unserer Bekannten, eine Apothekerin, die zu Besuch war: *Jetzt komm', Micha, jetzt gib' es doch zu. Das kann dir doch nicht reichen. Dafür hast du doch nicht studiert. Bitte! Um jetzt hier ein bißchen Garten und ein bißchen Haushalt zu machen. Was soll das?* Ich lächelte amüsiert und blieb dann mit meiner Beobachtung an ihrem verkniffenen Mund hängen. *Doch*, sagte ich, *das reicht mir sogar üppig. Schau mal, was ich seither kann!* Und ich strich mit meinem Zeigefinger immer wieder über meine entspannte, weiche, nachgiebige Unterlippe und mache dazu *Bäbebäbebäbebäbe*. Ihr Gesichtsausdruck - unbezahlbar! Der Habib kam mit den Getränken und sie wechselte das Thema.

Selbst wenn ich mehr Worte verwendet hätte, um mich zu erklären, sie hätte mich nicht verstanden. Unterwegs auf Reisen seufzten junge Backpacker ehrfürchtig auf: *Wow, was? Ihr vermietet Ferienwohnungen! Ach, toll!* So unterschiedlich ist die Welt. Jetzt stand auf unserem Parkplatz der Porsche der Apothekerin und er machte das Symbol für die unterschiedlichen Werte, für die sie und ich brennen. *Ost ist Ost und West ist West, und niemals treffen sich die beiden* sagt Kipling. Ich brauche ihren Status nicht - da kann man doch direkt mal wieder ZAZ einspielen - und sie hat keine Ahnung davon, dass in einer bestimmten Form der Bescheidenheit die Zufriedenheit verborgen liegt. Brauchts auch nicht: dafür fährt sie Porsche.

Bestimmt glauben die meisten Porschefahrer, dass die Welt sie um ihren schnittigen Flitzer beneiden muss. Zumindest stelle ich mir dass so vor. Dass die Porschefahrerinnen sich hinterm Steuer wie eine der Kardashians fühlen. Und alleine diese Kopfkino hebt dann wieder ihre eigene Stimmung. Aber was schreibe ich da - ich habe keine Ahnung. Man sollte nicht fabulieren über Dinge, die nichts mit einem zu tun haben. Vielleicht versuchte sie mich herabzusetzen, weil sie selbst mal mit dem Habib anbandeln wollte. Und allen älteren Frauen, für die Äußerlichkeiten eine große Rolle spielen, ist ein Paar mit unserem Altersunterschied ein Dorn im Auge. Aber egal, ich weiß es nicht und ihr Diss hat mich nicht getroffen.

Zu Zufriedenheit fällt mir mehr ein. Zufrieden sein ist wie satt sein, habe ich vor kurzem geschrieben. Genug ist genug. Keine Kirsche auf dem Sahnehäubchen nötig. Kein Platz für mehr. Eigentlich sollte einem Porschefahrer das einleuchten - zumindest im Bezug auf seinen Kofferraum und das mitnehmbare Gepäck darin.

Ben, ihr versteht vielleicht, ich meine das übertragen auf die innere Einstellung zur eigenen Biosphäre. Meine Welt ist komplett, ausgefüllt, reich, schlicht, bunt, frei - voller Qualitäten, die ich gegen nichts eintauschen, voller Erfahrungen und Erlebnisse, die ich nicht mehr hergeben wollte. Mein kleines, intimes, sehr privates, höchstpersönliches Reich erhält seinen Wert einzig und allein über die Bedeutung, die ich ihm verleihe. Niemand sonst. Da kann weder Materie noch können andere mit. Moi j'veux crever la main sur le coeur. Und ich will eben bestimmt nicht in einem Porsche verrecken. Aber das kann ein Ostler einem Westler nicht erklären. Und umgekehrt. 

 

Außerdem kann ich euch nicht erklären, wie Rosetta ihre Trofies macht. Offensichtlich anders als ich. Das wunderbare Buch *Pasta-Grannies*, das mir eine liebe Blogleserin UND Feriengästin als Goodie obendrauf zu *Die Mangelbaumgasse* von meiner Wunschliste packte (coucou Stephanie) macht mir riesig Freude! Heute habe ich das dritte Rezept daraus nachgekocht. Ein Ende ist nicht in Sicht. Mit Rosettas Trofies bin ich eingestiegen. Schaut hier auf Youtube mit welcher Lässigkeit Rosetta kleine Torpedos dreht: ein Mal nach vorne rollen, dann schräg nach hinten, wegwedeln, die nächste. Für mich war es eine Lektion in Demut, was die Herstellung von frischer Pasta angeht. Bis zum letzten Fitzelchen Stück Teig habe ich es nicht herausgefunden, wie sie es macht. Obwohl ich viele (wirklich viele) Trofies mehrfach gerollt habe. *Trofie* wurde bei mir irgendwann barmherzig alles genannt, was den Willen zur Schraube zeigte. Mehr war nicht rauszuholen. Nicht eine einzige Nudel gelang so perfekt wie Rosettas. Und jede ein Unikat - im Gegensatz zu Rosetta, bei der eine Trofie der anderen gleicht.

Egal. Ich bleib dran. Und alleine die Sauce ist es wert nachzuziehen!

 

Zubereitung 4P*:

400g Mehl (Type 00 oder 450)*
180ml kochendes Wasser (evt. plus)

Sauce
2 EL Pinienkerne
2 Knofi
75ml Olivenöl
150g frische Basilikumblätter
4 EL Prescinsêua-Käse (ersatzweise griech. Joghurt)
80g Parmesan, gerieben
20g Pecorino Sardo, gerieben
1/2 TL Salz 
 
150g grüne Bohnen 

Zubereitung:

Besser erklären als Rosetta es vormacht, kann ich es nicht: s. hier . Das Buch bescrheibt es so: ein erbsengroßes Stück Teig abknipsen und auf dem Brett mit der Handfläche spindelförmig ausrollen. Die Handfläche vorsichtig diagonal darüberziehen, aber mit der Außenkante der Hand fest auf die Nudel drücken. 

Alle Zutaten für die Sauce in einen Mixer geben und fein pürieren.

Pasta in reichlich Salzwasser al dente kochen (dauert je nach Größe und ob frisch oder getrocknet länger oder kürzer - probieren). Parallel dazu die gegipfelten Bohnen ebenfalls garen, so dass beides - Bohnen und Nudeln - gleichzeitig fertig sind. Beids abschütten und mit der Sauce vermengen. Sofort servieren.

*Anmerkung m: ich habe die Hälfe für uns beide zubereitet - außer die Buschbohnen, da habe ich die komplette Menge für uns zwei gemacht, für die Pasta halb D1050er halb D630er Mehl verwendet - und auch zweidrei Schluck mehr Wasser für den geschmeidigen, glänzenden Teig benötigt. An die Mengenangabe für die Sauce habe ich mich nur grob orientiert - kann man ja nix mit falsch machen - griech. Ziegenkäse-Joghurt verwendet, etwas Schafskäse, etwas Parmesan, etwas tomme de brebis. Zum Reinsetzen!