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Donnerstag, 12. Juli 2018

12 von 12 - Juli 2018









1. ---- Ein gutes Leben besteht für mich aus guten Ritualen. Heute als erstes Stannum genommen (Homöopathie), dann wie immer zwei Humben Wasser getrunken und gehullahubst (nachdem ich das nun seit Jahren sehr regelmäßig mache, kann ich bestätigen, dass das zur Taillenformung durchaus hilft). Logo, startet dann der Morgen weiter durch mit dem Porridge - in der de luxe Variante mit Aprikosen, Pfirsichen, Erdbeeren, Himbeeren und Banane. Nicht zu vergessen samt dem Weißtannenhonig aus dem Schwarzwald (coucou, liebe Hannah!). Frühstück zu hause kann ich mir gar nicht mehr anders vorstellen. Porridge noch verlinken? Nee, oder? Auf Wunsch natürlich doch: Porridge - der Morgen macht den Tag

2. und 3. ---- Danach Brot geknetet und während der Teigruhe den Kühlschrank und die Speiß aufgeräumt. Während der Saison putze ich viel - da muß ich aufpassen, dass *unser Haushalt* nicht hinten runter kippt (aus Motivationsmangel, weil mehr als sämtliche Putzambitionen bereits ausgelebt sind).

4. und 5. ----  Das Brot ist versorgt und geht brav vor sich hin - prima Gelegenheit, kurz nach Beaufort zu Daniel zu gehen, und einen café zu trinken samt Croissant. Über uns an späten Blüten der Glyzinie ein Beobachter. Wir reden darüber, wie wichtig der Funkkontakt nach drüben ist (Standleitung) und wie gerne *Erfahrung* mit *lernen* verwechselt wird und dass der Unterschied zwischen beiden nicht leicht zu erklären ist (haben dann aber formuliert, dass Erfahrung eine Erkenntnis in sich birgt mit unausweichlicher Konsequenz und lernen eben nur das Abrufen und Abspulen von Mustern ist). Nach fast 13 Jahren Beziehung ist mein Habib nach wie vor für mich der mit Abstand spannendste und interessanteste Mensch,  ich höre niemanden lieber zu und habe niemanden lieber um mich !!

6.  ---- Wieder zurück zuhause führt der erste Weg in den Garten - das Brot kann in den Ofen...

7. und 8. ---- Ich ernte zum dritten Mal Kamille zum Trocknen (woher hat Kamillen-Tee nur seinen schlechten Ruf - Kamille ist toll!), pflücke die erste Gurke und sammle Tomaten, Zucchini, Basilikum und Rosmarin zum Kochen ein. Marias Buchweizen-Zucchini-Laibchen schmecken zu dem bunten Salat prima (klappt tatsächlich und erstaunlicherweise mit ungekochtem Buchweiezn) - allerdings hat mir das Rezept nicht verziehen, dass ich an den Mengenangaben etwas geschraubt habe, denn sie waren beim Braten nicht sehr formstabil.

9. und 10. ---- Pause während der Mittagshitze unter der Eiche mit dem Dalai Lama. Auch wenn ich mich nicht als Buddhistin bezeichnen würde, spricht mich vieles, was mir dazu begegnet, an. Die Beschäftigung damit tut mir gut (good energy!): *Wie kann eine Welt voller Hass und Wut dauerhaft Frieden erreichen? Äußerer Friede ist ohne inneren Frieden unmöglich. Es ist ehrenhaft, an äußeren Lösungen zu arbeiten. Diese können aber nicht erfolgreich umgesetzt werden, solange Hass und Ärger im Herzen der Menschen wohnt. Das ist der Punkt, an dem tiefgreifender Wandel einzusetzen hat. Auf individueller Ebene müssen wir an der Veränderung der grundlegenen Perspektiven arbeiten, von denen unsere Gefühle abhängen.* Eben. - Und wer errät, was Bild 10 sein will, der bekommt ein goldenes Nixi ;-)

11. ---- *Jeden Tag ein bißchen* lautet meine Unkraut-Devise. Gerade blühen etwa die Scheiß-Kletten. Auf die reagiert meine Haut leicht allergisch - und ich verstehe völlig warum (seither zählt *Du Klette* für mich zu den übelsten Beschimpfungen). Und die Feldulme schießt ins Kraut. Und auch die Winden, die alles verhäkeln und verschrauben, strecken überall ihre weißen Köpfe.  Ach, und der Superscheiß-Efeu, der wächst irgendwie immer... Konzentriert habe ich mich dann natürlich auf das Schöne, man will sich ja nicht reinsteigern: Lavendelblüten mit Kaisermantel zum Zweiten...

12. ---- Ansonsten gabs schon härtere Zeiten an der Unkraut-Bekämpfungsfront. Es ist anhaltend heißt und die Sonne hat das Tal in den letzten Wochen sichtbar verbrannt. Mehr Zeit kostet gerade das Gießen. Anschließend eine Runde Yoga - wie fast täglich - dann mit dem Habib und vielleicht dem ein oder anderen Feriengast auf ein Bierchen (für uns ohne Umdrehung)  - Treffpunkt Terrasse...


Ausgehend von Caro aka Mme Kännchen finden sich heute wieder viele ein, die am 12. des Monats 12 Bilder aus ihrem Tag und Leben mit anderen teilen - die musste allerdings plötzlich ins Krankenhaut: Gute Besserung also!

Dienstag, 10. Juli 2018

Ich bin ich: Reisnudel-Pfanne mit Gemüse und Erdnuss-Sauce


Eines der Kinderbücher, das ich mit am meisten vorgelesen habe, ist das Kinderbuch der jüdischen Autorin Mira Lobe mit dem Titel *Das kleine Ich bin Ich* (hier sogar ganz lesbar allerdings ohne Bilder). Das Buch ist nicht nur älter als ich, nein es akutallisiert ein weitaus älteres Thema des Menschseins, ja vielleicht eines der größten Mysterien des Lebens, die philosophischste aller Fragen, die relevanteste für das Individuum auf alle Fälle, das uralte *Gnoethi seauton* (*Erkenne dich selbst! Werde, der du bist!*), bref: die Suche nach sich selbst.

So macht sich das *Kleine Ich bin Ich* auf den Weg unter die Tiere und versucht herauszufinden, zu wem es gehören könnte, welche Rasse ihm gleicht, welches Blut in seinen Adern fließt. Die große Erkenntnis seiner Wanderschaft ist: Ich bin ich! Die Geschichte liest sich nicht nur wegen des zeitlosen Inhalts gut, für alle Vorleser macht der ausgesprochen schöne Erzählrhythmus besonders viel Freude. Als Beispiel eine besonders geschätzte Stelle, der Moment, in dem Das Kleine Ich bin Ich auf eine Hundeschar trifft:
*Alle sind kurz angebunden,
alle zerren an der Leine, dicke, dünne, große, kleine, ruppige und struppige,
seidige, geschmeidige, gut dressierte, schön frisierte,
schmale, breite, Seit an Seite, dumme Hunde und gescheite.*

Wenn man nun als Erwachsener gefragt wird: *Wer bist du?* Was antwortet man wohl. Mit seinem Namen vielleicht. Seinem Beruf. Seiner Nationalität. Aber sind das treffende Beschreibungen eines/deines Wessens. Für was stehst du ein? Was ist dir wichtig? Was willst du für dich und dein Leben und was schließt du aus? Welche Werte vertrittst du? Mit wieviel Überzeugung und vor allem mit welcher Konsequenz? Worüber denkst du nach und worüber sprichst du? Was aber lebst du davon? Wie sehr hast du dir dein Leben nach deiner Vorstellung eingerichtet? Bist du mit dir im Einklang? Bist du wirklich du? Ist dein Leben wirklich dein Leben?

*No one ist you and that is your power* - singt Foofighter-Sänger Dave Grohl. Nur so kann man andere ganz lässig anders sein lassen. Was hats mit mir zu tun? Zu schade auch, dass sich die Bewußtheit samt der damit gewonnenen Kraft, welche Zutat ich höchstpersönlich der Erdensuppe zufüge, nicht von ganz alleine einstellt.

Aber aktiv auf die Suche nach sich selbst zu gehen, scheint mir ein ähnlich ergebnisloses Unterfangen wie einem Gral hinterher zu jagen. Ich schließe definitiv aus, dass selbst die zierlichsten Kreise um sich selbst gleich einer Porzellanballerina auf einer aufgezogenen Zuckerdose zielführend sind. Fasse ich zusammen: Nabelschau ist keine Lösung. Raus ins Leben in den großen Dschungel der Erfahrungen heißt die Devise: das Leben will gelebt werden - mal wieder ganz mit Grandseigneur Goethe:

*Man hat zu allen Zeiten gesagt und wiederholt, man solle trachten, sich selber zu kennen. Dies ist eine seltsame Forderung, der bis jetzt niemand genügt hat und der eigentlich auch niemand genügen soll.. Von sich selber weiß er bloß, wenn er genießt oder leidet, und so wird er auch bloß durch Leiden und Freuden über sich belehrt, was er zu suchen oder zu meiden hat.*

Viele Menschen, viele Wege. Nur bin ich mir ebenfalls gewiß, dass ein zu hochtaktiges, hektisches, reißendes Umfeld dabei nicht hilfreich ist. Ist das Leben zu schnell, dann kommt das Bewußtsein nicht mit - wie in einem Film mit zu schneller Bildabfolge die Wahrnehmung nicht hinterher kommt und das Auge die Bilder nicht sortieren kann. Eine unbewußte Botschaft gilt nicht. Also ohne bewußte Erfahrung keine Erkenntnis.

Ich werbe hiermit für eine geschärfte Wahrnehmung, offene Sinne, eine frische Wachsamkeit und eine blitzgescheite Aufmerksamkeit, sowie genügend Ruhe und Stille zum Verdauen, um Vertrauen in die drei großen Buchstaben ICH zu erlangen. Und zwar ohne dabei auf die falsche, die andere Seite zu kippen, die Seite, die nur die gegensätzlichen drei Buchstaben EGO füllen will. Versucht man aber nicht, sich selbst näher zu kommen und seiner inneren Stimme Gehör zu schenken, dann wird man automatisch von außen und von anderen in willkürliche Form gepresst. Eine Crux... , mais bon, immerhin bin ich nur für mich selbst verantwortlich...

Genug der Gardinenpredigt, zurück zum einfachen Leben am Herd und zu bester, vegetarischer Küche. Ein weiteres Gericht, das ich nun wiederholt zubereitet habe. Beibehalten habe ich dabei stets die Erdnuss-Sauce. Reisnudeln können gut gegen Sobanudeln ausgetauscht werden, das Gemüse läßt sich nach Lust variieren. Darüber immer VIEL vietnamesicher Basilikum, der sich im Treibhaus herrlich macht und ein unvergessliches Gastgeschenk war (Merci!!). So einfach, so lecker! Aber ich will eurem eigenen Urteil nicht vorweg greifen - probiert selbst! 



Zutaten 2P:

1 EL geröstete Erdnüsse
1 rote Zwiebel
1 kleine, rote Paprika
1 kleiner Brokkoli
1 Karotte
3 EL Gemüsebrühe
150g Glasnudeln
Erdnussöl
frischer, vietnamesischer Basilikum

Sauce:
1 cm Ingwer
1 Zehe Knoblauch
2 kleine EL Erdnussmus
1 TL Misopaste (alternativ 90 ml Gemüsebrühe)
1 Zehe Knoblauch
Sojasauce
Limettensaft
1 Prise Chiliflocken

Zubereitung 

Die Erdnüsse grob hacken und ohne Fett in einer Pfanne rösten.

Die rote Zwiebel schälen, vierteln und in dünne Scheiben schneiden. Die Paprika mit dem Sparschäler schälen und ebenfalls in feine Streifchen schneiden. Die Karotte in Julienne schneiden (m: Börnerreibe).Brokkoli in kleine Röschen teilen.

Die Nudeln in kochendem Wasser nach Packungsanleitung bissfest garen. In ein Sieb gießen, mit warmem Wasser abspülen und zurück in den Topf geben. 

Parallel das Gemüse dünsten. Die Zwiebel in wenig Erdnussöl anschwitzen, Brokkoli und Paprika zufügen, ebenso die Gemüsebrühe und für 6-7min den Deckel auflegen. Für 2 zusätzliche weitere Minuten die Karotten untermischen.

Für die Sauce die Knoblauchzehe ganz fein hacken. Den Ingwer schälen und reiben. 60ml Wasser in einen kleinen Topf geben, Knoblauch, Ingwer, Erdnussmus, Misopaste, 3 EL Sojasauce und Chiliflocken dazu geben, mit dem Schneebesen verrühren und dann langsam erhitzen, bis die Sauce andickt. Mit etwas Limettensaft abschmecken

Nudeln, Gemüse und Sauce miteinander vermengen. Mit gehacktem Basilikum und den Erdnüssen garnieren.

*Anmerkung m: schmeckt ebenfalls auch sehr gut mit Zucchini - so wie Melissa es in ihrem Rezept vorgeschlagen hat

Inspiration: Melissa von Gourmandises vegetariennes


Samstag, 7. Juli 2018

in the mood for Zucchini


Ein *Mood-Board* für alle, die Zucchini genau so gerne mit Haut und Haaren essen: von der Blüte bis zur Keule, von der Vorspeise bis zum Dessert (Zucchini-Kuchen steht in den Startlöchern), vom Gratin über Pasta oder Quiche, typisch südfranzösisch oder orientalisch... wer hier nicht fündig wird, ist selber schuld. Meine 19 (die schöne Zahl) liebsten Gerichte mit Zucchini - darunter in mehrfacher Variante das Blog-Buster-Rezept von Robert aka Lamiacucina: das Wunder von Basel. Jetzt ist es an euch, Zucchini Geschmack einzuhauchen...








https://salzkorn.blogspot.com/2018/07/zucchini-kutter.html

... noch nicht voll in Stimmung? Dann vielleicht mit diesem Board vor 4 Jahren...


Freitag, 6. Juli 2018

Zucchini-Kutter


Keiner, der im eigenen Garten Zucchini anbaut, wird dieses Gemüse wohl die Kronjuwelen der heimischen Aufzucht nennen. Ganz im Gegenteil - um uns rum genügend, die sehr gerne und sehr großzügig Zucchini nach rechts und links verschenken. Irgendwann ballert die Pflanze mit ihren Früchten wie Schrot um sich und man weiß nicht wohin damit. Ja, nicht wenig Kinder von eben solchen Gärtnern, die sich genau in dieser Zeit eine Überdosis eingeholt haben. Denen kann man im ausgewachsenen Alter mit Zucchini vor der Nase wedeln und die fliehen wie Vampire vor Knoblauch.

Tja, das kann mir nicht passieren. Ich freue mich tierisch (vachement sagt der Franzi und zieht dabei die Kuh der Sau vor) über unseren ersten Zucchini. Das ist der große Vorteil der saisonalen Ernährung. Wir haben schon ewig keine Zucchini mehr gegessen, denn wenn, dann essen wir sie nur aus dem eigenen Garten. Und genießen jede Mahlzeit sehr. Für den allerweltersten Zucchini 2018 habe ich frische Bandnudeln zubereitet - wer hier länger mitliest, weiß, dass dies ein typischer Grain-de-sel-Festakt ist.

Euch kommt nun zugute, dass ich weniger blogge. Fast alle Gerichte, die ich nun veröffentliche, habe ich zumeist zwei Mal zubereitet. Diese Zucchini-Schiffchen entstanden eigentlich als Reste-Essen, denn ich hatte noch zwei Kartoffeln vom Vortag übrig. Weil es aber so gut geschmeckt hat und die Füllung sich auch in ihrer leichten Klebrigkeit wirklich als ideal heraus gestellt hat, wird das nun als Rezept verschriftlicht. Auch für mich bis zur nächsten Wiederholung: Zucchini-Kutter at its best und zwar als Verwertung von mittelgroßen Zucchini! Dazu gab es übrigens in etwa diesen Karottensalat.


Zutaten - 2P:

1 mittlere Zucchini
2 Kartoffeln, vom Vortag (ca. 200g)
50g Couscous
(100ml kochendes Wasser)
100g Ziegenfrischkäse
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1/2 Salzzitrone
1 EL Tomaten-Confit*
2 EL frische Kräuter (m: Oregano/ Thymian/ Rosmarin)
je 6 grüne und schwarze Oliven
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl
2 Scheiben Käse

Zubereitung:

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen.

Die Zucchini halbieren und derart entkernen, dass etwa 1cm dicke Schicht als Kutter übrig bleibt. Etwa die Hälfte (und zwar die mit mehr Zucchini-Kernen) entsorgen, den Rest klein schneiden.

Couscous mit kochendem Wasser übergießen, salzen, 5min leicht köcheln lassen und weitere 5min quellen lassen. Mit dem Tomaten-Confit vermengen. Salzzitrone vom Fruchtfleisch befreien und die Schale in feine, kurze Streifen schneiden. Ebenfalls unter das Couscous mischen.

Schalotte und Knoblauch fein hacken. Kartoffen schälen und in etwa 1/2cm breite Würfel schneiden. Die Kräuter ebenfalls fein hacken. Alles zusammen im Olivenöl garen und rösten. Dabei salzen und pfeffern.

Entkernte und gehackten Oliven, sowie gewürfelten Ziegenkäse sowohl mit Couscous wie Kartoffeln und Zucchini vermengen und würzig abschmecken (leicht überwürzen - Zucchini schluckt bekanntermaßen Gewürze).

Die Füllung auf die zwei Zucchinihälften verteilen (schön frachtig-bauchig darauf verteilen - geht am besten von Hand). Mit Olivenöl besprenkeln und ca. 17min in den Ofen geben. Dann den Scheibenkäse auf die Zucchini legen und für weitere 5min überbacken.

*Anmerkung m: In Ermangelung von Tomatenconfit kann es mit Pesto-Rosso ersetzt werden...

Schachbrettfalter an blühendem Oregano

Montag, 2. Juli 2018

Sommerkruste


Wie alles, das man über längere Zeit macht, finden sich Rituale ein. In unserem doch sehr freien Leben zumeist selbstausgesuchte, selbstinszenierte Rituale.

So bereitet mir eine Wiederholungstat soviel Freude, dass ich nicht müde werde, sie auf unserer Terrasse aufzuführen und wieder aufzuführen und nochmals aufzuführen: das kleine Pflanzen-Kind-Rendez-vous. Dafür zupfe ich in einem unbemerkten Moment ein Blatt von einer Pflanze ab, die auch ganz nahe in einem Beet bei unserem Tisch steht, und streichle einem Kind damit über die Wange. *Schön, oder?* sage ich dann und dabei blicke ich in leuchtende Augen. Alle kleinen Zwuggelköpfe nickten seither dazu.

*Was meinst du,* frage ich, *wie könnte die Pflanze heißen?* *Hmmm*, stehen sie dann vor mir und es rattert sichtbar im Klein- sowie Großhirn. Zauberhafte Vorschläge sind schon zusammengekommen und ich sammle eifrig weiter. Obwohl vor uns andere ebenfalls gute Ideen hatten. Darunter habe ich mir *Eselsohr* oder *Hasenohr* ausgesucht. Und das Lustige bei der Auflösung ist - gleichfalls für die Kinder - dass es bei der Namensgebung durchaus Überschneidungen gibt mit dem Französischen (*Hasenohr*) sowie weitere Assoziationen wie *oreille d'ours* = *Bärenohr*. Wie einig sind wir uns stets, dass das ebenso gut passt wie *Teddy-Pflanze* oder *Kuschel-Pflanze*. Ein Blatt vom Wollziest ist an Weichheit und Zartheit kaum zu Überbieten. Und es scheint wie einen Übergang zum Tierreich zu markieren, so als *Fell-Pflanze* (unter den vorgeschlagenen Namen). Ja, sie erinnert daran, dass alles irgendwie zusammengehört, miteinander verwandt ist und auseinander hervorgeht auf diesem Planeten vom Stein über die Pfanze, den Tieren und den Menschen.

Gleichzeitig gibt nun der Zeitgeist vor, dass sich alles miteinander vermengt und vermischt. Nicht nur ein vereinzelter Tourismus verteilt Samen in fremde Regionen, nein, in großen Windböen verbreiten sich die Arten in allen Himmelsrichtungen über die gesamte Erde. Neben einem Artensterben vermischt sich das Übriggebliebene unter einem sich wandelnden Klima. Das kann man gut finden oder nicht: es ist so. Das ist der jetzige, geschichtliche Ablauf.

Solche großen, tiefgreifenden Veränderungen können Ängste wecken, aber sie gehören zum Leben untrennbar dazu. Und sie bahnen sich ihren Weg - im Großen wie im Kleinen. In Europa kann man beobachten, was Politik zu derartigen Entwicklungen einfällt: Schüren und Vermehren von Ängsten, Abgrenzung, Zäune, Mauern, Abweisung. Und vor allem höre ich immer nur *Lager* - ganz mit Maximilian. Neuerdings nun euphemisiert mit *Zentren*.  Untertitelt mit: *Wir brauchen humanistische Lösungen*. Ja? Tatsäschlich? So geht heute Menschlichkeit? Empathie? Miteinander? *Eine-Welt*? Politik über die Staatsgrenzen hinweg? Indem man festlegt, dass in Bereichen, in denen Menschen mit mehr Geld leben, Menschen mit weniger Geld nichts zu suchen haben?

Damit will ich nichts zu tun haben. Wo ist mein felliges Pflanzenblatt zum Trösten? Und wo sind die anderen Weltenbürger?

Nebenher habe ich Brot gebacken. Ihr merkt vielleicht, dass wir deutlich weniger Brot essen durch unseren Porridge-Start in den Tag. Mittlerweile backe ich nur noch etwa alle 10 Tage. Dieses Brot habe ich gleich zwei Mal gebacken: es entspricht ganz meinem Sommergeschmack. Es ist etwas heller, luftig und hat trotz der Trockenheit der Sonnentage eine gute Frischhaltequalität dank Kartoffeln, Kefir und langer, kalten Führung.


Zutaten:

Sauerteig: angestetzt ca. 12-14 Stunden vorher bei ca. 24°:
200g Dinkel-Vollkorn
220g Wasser
20g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Hauptteig:
Sauerteig
350g Weizen T110
400g Weizen T65
200g Kartoffeln, gekocht
200g Kefir
16g Salz
+/- 170ml Wasser


Zubereitung:

Sauerteig auffrischen (m: mittags, s.o.), Sauerteig ansetzen (m: abends).

Kartoffeln fein reiben. Die Zutaten des Hauptteiges kurz miteinander vermengen (ohne Salz und mit 140ml Wasser)  und ca. 45 Minuten zur Autolyse stellen - dabei abdecken.

Salz zufügen und schlückchenweise rantastend das restliche Wasser (um die 30 ml, sollte von der Konsistenz beim Falten wieder genügend Stand bekommen/ Konsistenz wie hier) und 12 Minuten kneten. Dann Teigruhe von etwa 1 1/2 - 2 Stunden. Direkt 1 x Falten nach Umfüllen in geölte Schüssel. Dann weitere 2 Mal nach je 30/40 Minuten.

Den Teig zu zwei runden Teiglingen formen und mit dem Schluß nach unten in ein vorbereitetes Gärkörbchen verfrachten. Für mehrere Stunden in den Kühlschrank stellen - nach Hamelman ist folgende Gare möglich: 12-15 Std. bei 5-7° im Kühlschrank oder ca. 2-2,5 Std. bei 20-25° (m: dieses Mal 5 Stunden im Kühlschrank gelassen und 30min bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen). Meinen Zeitfahrplan für die lange kalte Führung seht ihr hier.

Ofen mit Pizzastein auf 240° vorheizen. Mit Dampf einschießen und fallend 45-50 Minuten backen - für eine knusprige Kruste noch einige Minuten bei Umluft mit geöffneter Tür.