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Montag, 16. September 2019

Erstes Mal: Feigen-Scones-Kekse


Vor 15 Jahren begann Zorra mit ihrem *Kochtopf*, dabei hatte sie eigentlich schon ein Jahr zuvor mit dem Bloggen gestartet. Als echte Pionierin! Wie es ihr wohl zumute war, als sie zum ersten Mal auf den *Veröffentlichen*-Button drückte? Saß sie wie ich vorm PC wie eine Katze vor dem Mauseloch, als müßte anschließend jede Sekunde etwas passieren? Alles neu, alles noch nie dagewesen, alles aufregend!

Zu ihrem Jubiläum wünscht sich Zorra, das Flaggschiff und Aushängeschild der deutschsprachigen Foodbloggerei, Gebäck zum Afternoon-Tea. Die Zucchini-Brownie bringe ich bereits mit zur Party. Aber als ich ihr Motto las, wußte ich sofort, was ich ihr exakt und extra dafür kredenzen will: Scones - für mich DIE englische Teeknabberei schlechthin. 

Ach, die ersten Male, die vergißt man doch nicht! Ich weiß noch genau, wann ich zum ersten Mal Scones gegessen habe. Nämlich als ich zum allerersten Mal geflogen bin. Mit 17 Jahren verbrachte ich mit einer Freundin (Coucou Molly) bei deren Austauschpartnerin 2 Wochen in England. Ich war irre aufgeregt vor meinem ersten Flug, hatte aber schon recht klare Bilder vor Augen, wie ich mir das vorstellte.

Und zwar würde ich eine riiiiiieeesige Gangway hochlaufen und dann (Achtung Kalauer) haargenau so wie in der DreiWetterTaft-Werbung (nich, *Rom - die Sonne brennt! Perfekter Sitz - DreiWetterTaft*) aus dem Flugzeug aussteigen. Und so kam es auch. Nur ohne perfekten Haarschutz und ohne meine Giganto-Flugzeugtreppe, die ich mir so gewünscht hatte. Im Gegenteil stiegen wir mittels ausklappbarer Zwei-Stufen-Stiege in die kleine Propellermaschine. Was war ich enttäuscht: ein Popel-Flugzeug! Tja, aber nie wieder bin ich mit so einem exklusiven Flugzeug mit nur etwa 30 Sitzen geflogen. Was wußte ich denn? Mir fehlte ja der Vergleich! Und British Airways servierte in der Luft sensationelle Häppchen. Eben unter anderem die berühmten Scones. Wir ließen keine Krümel übrig.

Ansonsten erinnere ich mich an vierzehn Tage Dauerregen, unseren Ausflug im Mini-Cooper an die raue, englische Küste über verwinkelte, enge Landstrassen entlang an Natursteinmauern und Cottages, Tostbrot, das man mit der Zunge am Gaumen zerdrücken konnte, Majo-Salate, Essig-Chips, 3-Kilo-Plus auf den Hüften als Souvenir sowie ein Paar Schuhe, die ich mir in London kaufte (sogar eine Nummer zu groß), die ich UNBEDINGT haben musste, weil das echte Anne-of-Green-Gables-Schuhe waren. Wäre ich auf Insta, würde ich euch ein Foto dazu stellen - und ihr könntet mich auslachen. Ich besitze sie nämlich noch immer, obwohl ich sie nicht mehr trage.

Ach (ein weiteres ach), wo doch Anne of Green Gables für mich Inbegriff ist für das junge Mädchen, das stets emotional leicht drüber auf all die ersten Male reagiert, wenn das große Leben überwältigend auf unbeschriebene Fläche trifft.



Um den Bogen wieder zu Zorra und dem Foodbloggen zu ziehen, so weiß ich, dass ich zum ersten Mal von Foodblogs hörte über Nicky aka Delicious Days, die große Schwester des Foodbloggens, deren Rezepte bis heute an Präzision nicht zu überbieten sind. Und von ihr war es nur ein Wimpernschlag weiter um zu Zorra zu finden, der Schweizer großen Schwester des Foodbloggens. An Zorra gefällt mir ihre ungekünstelte, natürliche Art, die sie sich in all den Jahren - 15!!! - bewahrte und unbeirrt ihr Ding macht. Die Trends kamen und gingen, die Foodie-Kollegen ebenso, aber Zorra blieb sich treu. Auch erinnere ich mich SEHR gut, wie neugierig ich war, als Zorra zum ersten Mal ein Bild von sich zeigte (wobei ich glaube, dass ich sie gar zum ersten Mal im Video sah) - Kooperationen sei Dank. Wer weiß, ob Zorra sonst nicht deutlich länger hinter einer andalusischen Hecke versteckt geblieben wäre...

Nun, um diesem Event den letzten runden Schliff zu geben, ließ ich mich für dieses Scones-Rezept von Nicky inspirieren. Meine Variante wurden jedoch eher Kekse denn Scones (oder aber breitgelaufene dafür sehr lufitge Scones) mit den kleinen 2-Euro-großen süßen Feigen. Ich mache mir große Hoffnung, mit dieser Süßbäckerei bei Zorra Eindruck zu schinden... selbst wenn die Haare nicht sitzen (#Landmädchen). Herzlichen Glückwunsch nochmals, liebe Zorra!

Zutaten - 8 Stück:

200g Dinkelmehl
1 1/2 TL Weinstein-Backpulver
1/2 TL Salz
60g kalte Butter
140g Kefir
100g kleine Feigen*
30g brauner Zucker*

zum Bepinseln etwas Sahne

Zubereitung:

Mehl, Salz, Zucker und Backpulver mischen. Butter in kleinen Flöckchen in den Teig schneiden und zwischen den Fingern zusätzlich etwas verreiben.

Die Feigen in kleine Stücke (etwa 1/2 cm große und noch etwas kleinere Stücke) schneiden. Ebenfalls unter den Teig mischen.

Zuletzt den Kefir zufügen und rasch zu einem Teig kneten, der zusammenhält - auf jeden Fall vermeiden, den Teig zu lange zu bearbeiten. Je ausgiebiger man knetet, umso weniger luftig werden die Kekse. (Ich habe den Teig hier für 1-2 Stunden kalt gestellt - ist aber nicht zwingend nötig).

Ofen auf 220°C (O/U-Hitze) vorheizen.

Auch beim Ausrollen auf der bemehlten Arbeitsfläche zügig vorgehen. Etwa 2,5cm dick ausrollen und mit einem Ausstecher von 6cm Durchmesser Scones ausstechen. Dazwischen den Ausstecher mit Mehl bestäuben, damit der Teig nicht hängenbleibt. Den Teig wieder rasch verkneten und die restlichen Scones ausstechen.

Die Scones mit Abstand auf ein Backpapier setzen - sie laufen ziemlich auseinander -, mit Sahne, die mit einer Prise Salz vermengt ist, bepinseln und ca. 15min backen bis sich erste goldende Stellen zeigen.

*Anmerkung m: die Feigen lassen sich gut durch 50g getrockneten Früchte ersetzen. Oder durch 70g Brombeeren. Wer sie nicht klassisch wie Scones ißt - also mit Clotted Creme und Marmelade - sollte den Zucker auf 50g erhöhen.


zugegeben: die ersten Scones sind diese nicht - Geschwister im Blog-Universum sind diese Scones mit Erdbeeren, Mohn und Ziegenkäse

Donnerstag, 12. September 2019

12 von 12 - September 2019













Ein Von-hinten-wie-von-vorne-Tag: er endet mit dem gleichen lupenreinen Himmel mit dem er begonnen hat. Also rolle ich ihn bildertechnisch rückwärts auf. Erzählen werde ich aber im Uhrzeigersinn:

Ich habe watteweiche 9 Stunden durchgeschlafen - wie meist. Obwohl wir uns abends zuvor mit Feriengästen verquatscht haben. Schnell wird mit Blick ins Tal klar, dass wir heute einen waschechten Urlaubstag einlegen. Ritueller Start in den Morgen: eine Runde Hula-Hoopsen, Vogeltränke auffüllen und ein besser-geht-unmöglich-Porridge mit Pfirsichen, Mirabellen, Zwetschgen, Trauben, Äpfeln und Feigen aus dem Garten, lediglich die Erdbeeren sind vom Markt von unserem Standart-Dealer.

Weiter geht es mit Gießen des Gewächshauses. Ach, der ganze Garten, pfffhhh, die ganze Natur dürstet. Die Regenwolken meiden uns hartnäckig. Die Kirsch-Tomaten lasse ich im Spätsommer wuchern - sie tragen bis zum Schluß am allerfleißigsten von allen Tomatensorten. Dieses Jahr hält sich das Treibhaus erfreulich gesund. Die Tagetes, die sich nun selbst aussäen, helfen dabei mit. Beim Gießen scheuche ich ein Fröschlein auf...

Nach Verabschieden von Feriengästen, die uns verlassen, brechen wir zum *Feiertag* auf ins wunderschöne Saoû. Allerdings fängt das Dorf an sich mit Zunahme der Touristen zu verändern: es wird aufgehübschter, künstlicher und teurer. Trotzdem sitzt es sich natürlich äußerst pittoresk am Platz im Herzen des Dorfes... deshalb sind wir ja da. Und die Croissants aus der ortsansäßigen Bäckerei schmecken sogar top - der café liegt gefühlt in ähnlichem Preissegment wie im Yachthafen von Saint-Tropez...

Wir schlendern gemütlich durch die Gassen weiter in ein Resto, dass treue Leser kennen, denn ich habe es hier schon vorgestellt: Cérise et Vinaigrette. Die Athmo ist luftig und angenehm, das Essen wieder sehr gut.

Nach unserem Kurzurlaub putzt es sich wie von alleine: die einen sind gegangen - die nächsten Feriengäste kommen. 

Der Garten ist meine stetige Freude - immer läßt sich etwas Schönes entdecken: und wenn es nur ein Bläuling auf einer Sommeraster ist.

Letzter Akt des Tages: Schlecksel einkochen - mit weniger Zucker und etwas flüssiger.. für mich die ideale Begleitung für meinen geliebten Grießbrei im Winter!

Seit 2 Monaten bin ich mal wieder bei YogaEasy angemeldet und gehe mit einem Yogalehrer dort auf die Matte. Gerade mag ich die *Berliner Schule* gerne. Heute suchte ich mir diesen Flow mit Valentin Alex heraus.

Dann habe ich noch von Sommer-Bettdecke auf Winterbettdecke gewechselt  - die Nächte werden kühler. Zeitgleich habe ich wieder begonnen, uns abends eine Goldene Milch zuzubereiten. Zuguterletzt schoppe ich noch eine Second-Hand-Herbstjacke... 

... voilà, voilà - so war mein Altweiber-Septembertag in der Drôme mit dem Habib...


weitere Eindrücke vom 12.September sammelt wie jeden Monat *Draußen nur Kännchen* ...

Mittwoch, 11. September 2019

Torte, die: Mirabellen-Hasel-Mohn-Kuchen


Vermutlich muss ich wieder 10 Jahre warten bis wir erneut eine solche Mirabellen-Ernte haben, unke ich gen Habib. Wir mussten die Zweige der Mirabellenbäume teilweise stützen, damit sie an ihrer Last nicht zerbrachen. So schwer trugen sie, dass sie mich an die Apfelbäume in Frau Holle erinnerten. Auf meiner Schallplatte mit grimmschen Märchen wandte sich der Apfelbaum in jämmerlichster Stimme an Goldmarie wie Pechmarie. Ein Herz aus Stein musste man haben, wenn es einen da nicht direkt erbarmte: der Baum brauchte umgehend Hilfe!

Ja, wir hatten soviele Mirabellen, wir hätten jemanden damit überschütten können. Exakt wie in Asterix & Obelix bei Cleopatra als der Architekt seinen versprochenen Lohn erhählt. Ich habe die Szene deutlich vor Augen, nämlich als der Architekt sich vor seiner Herrscherin - aka Cleopatra - verbeugt nach erfolgreicher Vollendung der Pyramiden. Zwei Diener kommen hinzu, jeweils eine große Amphore voller Gold tragend, die sie über Numerobis (habe ich extra nachgeguckt) ausleeren. Obelix weist dann darauf hin, dass da noch was rausgucken würde (der Po). Doch sie waren noch nicht fertig, denn eine zweite Ladung marschiert an. Würden wir locker mit unseren Mirabellen genauso hinkriegen. Numerobis dürfte sogar etwas größer sein.

Bis auf ein paar Mirabellen für Bienen, Wespen, Ameisen und Konsorten haben wir die Bäume komplett abgeräumt. Darauf bin ich stolz. Wieviele Bäume auf dem Land hängen mittlerweile voll und die Früchte fallen einfach auf den Boden.

Ich sage euch (*prophetischer Ton an*): die Obstbäume in Gärten von Ferienhäusern hier abzuräumen, das wir mal noch eine (kleine) Geschäftsidee...

Wir haben die Mirabellen großzügig in alle Richtungen verschenkt und ich habe Marmelade und Kompott gekocht und Tartes gebacken. Würde ich noch Alk trinken, hätte ich möglicherweise das Schnaps brennen begonnen. Tue ich aber nicht. Daher ging ein weiterer Großteil an einen Jungbauern der Lebensgemeinschaft unseres Dorfes, der zwei Mal die Woche auf dem Markt seine Waren feil bietet. Er hat sich riesig gefreut. Denn Bio-Obst aus Kleinstanbau ist seltener zu erhalten als Gemüse - dementsprechend konnte er alles blitzartig verkaufen.

Und so haben wir es dann auch mit unserer Ernte der Reine Claude und Zwetschgen gehandhabt: wir haben Menschen mit Obst überschüttet von erleichterten Bäumen.


Dieser Kuchen entstand, weil ich mich wieder mal nicht entscheiden konnte, was ich eigentlich will. Es sollte keine schlichte Tarte werden, was saftiges, aber schon mit Streuseln. Herausgekommen ist für meine Begriffe DIE Obsttorte. Ich fand sie allerköstlichst! Und der Aufwand, sie herzustellen, ist völlig überschaubar. Ein idealer Sonntagnachmittagskuchen um ihn auf die Kaffee-Tafel zu stellen (was eine schöne, deutsche Gewohnheit eigentlich, sich das Wochenende zu versüßen) und er kann der jeweiligen Obst-Saison wunderbar angepaßt werden. Egal ob mit Pflaumen, Birnen, Brombeeren, Himbeeren, Weinberg-Pfirsiche oder Äpfeln - der Kuchen wird immer ein Kracher!

Zutaten - 1 Springform à 26cm Durchmesser:

200g Butter
200g Mehl*
100g gemahlene Haselnüsse
1/2 Päckchen Back-Pulver
120g Zucker
1 Ei
1 TL Sugar-Spice*

100g Mohn, gemahlen
30g Butter
40g Zucker
70ml Milch

400g Quark
30g Vanille-Zucker (m: eigener)
30g Speisestärke
2 Eier

ca. 700g entsteinte Mirabellen
(optional mariniert mit 2 EL Calvados) 


Zubereitung:

Mit dem selbstgemachten Mohnback beginnen: dafür Butter, Milch, Mohn und Zucker aufkochen und etwa 30min quellen lassen. Anschließend Quark, Speisestärke, Eier und Zucker klümpchenfrei verrühren. Den verquollenen Mohn gut untermischen.  

Den Backofen auf 190° OU-Hitze vorheizen.  

Die ganzen Haselnüsse ohne Fett in der Pfanne rösten und dann derart mahlen, dass noch etwas größere-kleiner Stückchen übrig bleiben (kleiner als Krokant-Größe und größer als typisches gemahlene Nüsse). Butter zusammen mit dem Zucker, dem Gewürz und dem Ei weißcremig aufschlagen. Das Mehl mit dem Backpulver mischen und unter den Teig rühren. Zuletzt die gemahlenen Nüsse dazugeben. Alles gut vermischen.

Eine Springform einfetten und leicht bemehlen. Dann 3/4 des Teiges mit den Fingern in die Springform drücken und als Boden 15min vorbacken - den Rest des Teiges, der als Streusel verwendet wird, habe ich in der Zwischenzeit in der Tiefkühltruhe gekühlt.

Quark-Mohnmasse auf dem vorgebackenen Boden verteilen, Mirabellen darüber verteilen ebenso die Streusel drüber krümeln

Für weitere ca. 35min in den Ofen schieben und fertig backen.

Anmerkung m: wer bereits gemahlene Haselnüsse verwendet, nimmt sich um den Clou: die leicht gröberen Haselnüsse zwischendrin geben einen tollen Crunch! Wagt euch gerne an Vollkornmehl - paßt hier wunderbar!



Geschwister im Blog-Universum:





Sonntag, 8. September 2019

natürliches Biotop: eine Art Herbst-Kartoffel-Calzone


Als ich dieser Tage am Parkplatz pralle, vollreife Brombeeren pflückte, lief eine kleine, französische Wandergruppe an mir vorbei bestehend aus zwei Familien mit mehreren Kinder im schulpflichtigen Alter. Einer der Jungs blieb einige Schritte entfernt von mir stehen und fragte - auf meine Brombeeren zeigend - : *Sind das da Johannisbeeren?* Ich drehte mich belustigt um in sicherer Annahme, dass er nun ausgelacht werden würde. Alles lief weiter, lediglich die Mutter antwortete in nebulös-gedehnten Worten: *Nein, Johannisbeeren sind das nicht.* Punkt. Mehr konnte sie an dieser Stelle nicht beitragen und stapfte den anderen hinterher.

Zurück blieb eine offene Frage, süße Brombeeren und eine staunende Foodbloggerin.

Mir bietet diese kurze Begebenheit eine Steilvorlage, um auf ein Thema hinzuweisen, wofür ich die Links bereits gespeichert hatte. Vielen (da bin ich mir sicher) kommt es nämlich bestimmt überzeichnet vor, wenn ich behaupte, dass wir die Verbindung zur Natur verlieren. Aber die Fakten spielen mir zu: Kinder verbringen heute einen großen Teil ihrer Zeit in Innenräumen und kommen mit Natur kaum noch in Berührung. Zwangsläufig führt dieser Trend dazu, dass wir uns von der Natur entfremden. Und Ängste entwickeln. Bei allem Respekt vor der Friday-for-Future-Bewegung, aber unbestritten bleibt gleichfalls: Naturschützern und selbst Biologen fehlt der Nachwuchs.

Wie weit die Naturentfremdung fortgeschritten ist, zeigt der *Jugendreport Natur*, der seit 20 Jahren das Verhältnis von jungen Menschen zur Natur untersucht. *Kein Kindlein steht im Walde* titelt der Deutschlandfunk, der auf die gleiche Studie zurückgreift. Den Kids wurde nicht etwa auf den Zahn gefühlt, ob sie Fuchsien von Fresien unterscheiden können oder gar eine blühende wilde Möhre von Giersch. Nein, abgefragt wurde elementare Basic. Und erschreckend dabei ist, in welchem Umfang absolutes Grundwissen verloren geht. So konnte nur ein kleiner Prozentsatz der Jugendlichen Fragen beantworten wie: *In welcher Himmelrichtung geht die Sonne auf?* (schafften nur noch 35 Prozent - WHAT?!!!)  Oder: *Nenne drei essbare Früchte, die bei uns im Wald oder am Waldrand wachsen* (lösten 12 Prozent richtig - unter den Vorschlägen: Banane, Ananas, Mango...).

Wie sagte der Verhaltensforscher Konrad Lorenz: *Man liebt nur, was man kennt, und man schützt nur, was man liebt.*

Doch das Interesse für unser arteigenes Biotop schwindet schrittweise und die abnehmende Zugewandtheit wurzelt schon in der Elterngeneration. Man kehrt sich von *Altem* (der Natur) ab und wendet sich *Neuem*(der Technik)  zu - ganz so, als gäbe es kein Nebeneinander sondern nur ein *Entweder-Oder*.

Die Allensbach-Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtierstiftung von 2016 untermauert diesen Eindruck. Auf die Frage: "Wo sollte man sich auskennen?" rangieren Rechtschreibung (81 Prozent), Gesundheitsvorsorge (52 Prozent) und der Umgang mit Computern (46 Prozent) weit vor Kenntnissen der Natur (25 Prozent). 

Wo soll das hinführen? Wie seht ihr das? Was sagt ihr zu dieser Entwicklung? 

Mag ja sein, dass wir irgendwann auf dem Mars oder wherever leben können, aber NOCH spielt hier die Musik. 

Und ich bitte euch: um eine Brombeere und eine Johannisbeere auseinanderhalten zu können, braucht es doch hoffentlich kein schulisches Biologie-Bildungswissen, oder doch? Hey, ich bin definitiv zu jung, um mich als lebendes Fossil zu fühlen! Lakonisch gesehen hat diese raumgreifende Unkenntnis für unseren natürlichen Lebensraum ein Gutes: immer weniger Menschen wird das Artensterben überhaupt auffallen...


Zwei Mal schon habe ich diese gefüllten Kartoffel-Taler zubereitet. Genau: ein Salat-Plus-Essen! Logo, dass mich das begeistert! Aber angetan hat es mir  bei diesem Gericht der Kartoffelteig mit Reismehl und etwas Speisestärke. Ohne dass man sonderlich viel Fett benötigt, werden sie in der Pfanne wirklich schön knusprig.

Und auch meine Bedenken, dass sie sich in der Pfanne öffnen könnten, löste sich in Luft auf: sie halten prima zusammen - und das, obwohl mein Teig beim Formen recht *bröckelig* war. Alle Löcher kann man aber gut mit Teig kitten. Was mögliche Füllungen angeht, darf man der Phantasie Flügel wachsen lassen. Beim ersten Mal mischte ich Paprika mit Champigons und Käse-Resten, beim zweiten Mal machte ich eine De-Luxe-Variante, die ich euch heute vorstelle. Ein paar Johannisbeeren mengte ich unter den Begleit-Salat. Oder sind es Brombeeren...?

Zutaten 2P:

500-600g Kartoffeln (m: Charlotte)
40g Reismehl*
20g Speisestärke
Salz, Pfeffer, Muskat
etwas Kreuzkümmel

Füllung:
100g Pfifferlinge
1 kleine Stange Lauch
ca. 60g Raclette-Käse
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1 EL Petersilie
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
Olivenöl


Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen, klein schneiden und in Salzwasser gar kochen. Abschütten, gut ausdämpfen lassen, würzen und mit einem Kartoffelstampfer schön fein stampfen (ein Mal habe ich den Teig gut auskühlen lassen, das andere Mal war er noch lauwarm - ergab keinen nennenswerten Unterschied).

Für die Füllung die Pilze putzen und klein schneiden. Schalotte und Knoblauchzehe fein würfeln, Lauchstange der Länge nach vierteln und ebenfalls fein schneiden. Petersilie fein hacken. In etwas Olivenöl die Schalotte glasig braten, Pilze zufügen, ebenso den Knoblauch und weitere 5 min dünsten. Petersilie untermischen und gut würzig abschmecken.

Den Kartoffelteig vierteln und 4 Kugeln formen. In der linken Hand halten, patt drücken, eine Mulde formen und ein Viertel der Füllung reingeben. Die Kugeln schön schließen und anschließend etwas platt drücken (habe ich auf meinem großen Plastik-Spachtel die Kartoffel-Taler nochmals von beiden Seiten platt gedrückt... auf dem Holzbrett hingen sie leicht an - dann werden sie nachher in der Pfanne schön und gleichmäßig knusprig). So verfahren, bis alle vier Kartoffel-Taler gefüllt und geformt sind.

In einer Pfanne etwas Sonnenblumenöl erhitzen und die Taler von beiden Seiten golden und knusprig braten!

Dazu gab es einen bunten, gemischten Salat mit allem, was der Garten gerade hergibt...

*Anmerkung m: Ich habe dafür meinen Halbvollkorn-Reis einfach durch die Getreidemühle gelassen/ bedenke: alle Füllungen - egal ob für Pasta oder in diesem Fall Kartoffelteig - etwas überwürzen!

Inspiration: Elavegan

Feld-Mannstreu mit Kaisermantel


Geschwister im Blog-Universum:






Mittwoch, 4. September 2019

Stich: Tarte flambée à la manière de bucheronne


Manchmal gerate ich in Gespräche, die mich ans Quartett-Spielen erinnern. Kennt ihr noch diese ozzz-überober-langweiligen Autoquartett-Spielkarten? Wie ich gerade ergoogelt habe auch *Supertrumpf* genannt. Man versucht mit den besten, technischen Daten seiner aktuellen Spielkarte (Höchstgeschwindigkeit/ Motorleistung/ Anzahl der Zylinder...) die Werte der obersten Spielkarte der anderen zu übertrumpfen. Gelingt das, macht man einen Stich und darf in dieser Runde diese Karten seiner Mitspieler einkassieren.  

Oft habe ich das nicht gespielt. Spätestens nach vier Runden sackt einem doch das Kinn gen Brust ob des Stumpfsinns und der Eintönigkeit. Wo soll da der Gag sein? Hat man halt mal jemand übertrumpft... und?

Derlei Spielerei kommen mir immer mal wieder in Unterhaltungen unter. Solche lassen sich erkennen etwa durch Überleitungen zur eigenen Wortmeldung wie: *Das ist ja noch gar nichts. Also I-C-H... * Halt ganz so, als würde man Quartett spielen aber inkognito jedoch mit vergleichbaren Spielregeln. Nich,  à la: *ich weiß halt noch ein bißchen mehr Schlaumeisterei, habe das deutlich bessere Dingenskirchen, die oppulentere Fitzlibutzli-Referenz, das gewaltigere Todschlag-Argument... BÄM! TRUMPF! Spiel-Satz-Sieg!

Aber Kinners: das bringt doch null Spaß. Außer dass eben einer den anderen mit irgendeiner Wichtigtuerei übertrumpft. *Was du schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen* - aber doch nicht andere Leute damit belästigen. Wer sich an das Individuelle hält, der geht von der Andersartigkeit der anderen aus und misst sich nie, überhaupt gar nie mit seinem Gegenüber. Welchen Sinn soll das auch ergeben? Ehrlich, das ist das glatte Gegenteil von einem erquicklichen Gespräch! 

Ja, ich weiß, in dieser Hinsicht bin ich versaut. Nicht von ungefähr steht in meiner *über mich* Seite, wie gerne ich mit dem Habib rede. Nach all den Jahren höre ich unverändert niemandem lieber zu als ihm, bin immer noch gespannt, was der Habib wahrnimmt, auf seine Eindrücke, seine Beobachtungen und neugierig auf seine Einschätzungen. Das ist SO bereichernd. Und SO horizonterweiternd. Zwei Paar Augen sehen mehr als eines... wenn beide gerne Welt und Menschen gucken. Das ist ein großes Geschenk und keine Selbstverständlichkeit, das wird mir mehr und mehr bewußt.

Ich habe auf diese Weise - als wunderbare Begleiterscheinung - meine Sinne deutlich gewetzt. Schließlich will ich nicht erleben, dass dem Habib im Gespräch mit mir der Kopf auf die Seite kippt vor Ermüdung...


Um ein Haar hätte ich diese Tarte *Salami-Pizza... nicht* getauft -  war optisch meine erste Assoziation. Außerdem kitzle ich bekanntermaßen gerne. Nun ist es ein *Flammkuchen nach Art der Holzfällerin* geworden - in Anlehnung an diese Bratkartoffeln. Für die hat der Habib damals eine Bratpfanne gewonnen (von Heike, die leider nicht mehr bloggt), eine Geschichte, die er bis heute sehr gerne erzählt. 

Preisverdächtig finde ich genauso diesen Flammkuchen. Superlecker! Sehr gut ließe dieser sich variieren mit gebratenen Pilzen, die man unter die Zwiebeln mischt. Oder man kürzt die Tapenade raus und bereichert die Zwiebeln durch mitgedünstete Apfelschnitze - ebenfalls bestimmt köstlich!

Zutaten 2P:

Flammkuchenteig:
160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 EL Öl
Salz
1 TL Koriander, frisch geschrotet
1/2 TL Kreuzkümmel
120ml Wasser 

ca. 2 EL Crème fraîche
2 TL grüne Tapenade
Salz, Pfeffer  


1 Gemüsezwiebel
etwas Öl
2 TL Thymian
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker

100g Käse (m: Tomme de Montagne)

200g neue Kartoffeln (m: Vitelotte) 
3 TL Thymian
Salz, Pfeffer
Olivenöl 

Deko: Basilikum

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Koriander und das Öl mit 120ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Backofen mit einem Pizzastein auf 220° C vorheizen.

Die Kartoffeln schrubben und so fein wie möglich (m: ca. 2mm)  in eine Schüssel hobeln. 1 1/2 El Olivenöl sowie den Thymian zugeben, salzen und pfeffern. Alles gut durchmischen.

Ein Backblech mit Backpapier belegen und die Kartoffelscheibchen möglichst einlagig darauf verteilen. Das Blech für etwa 10 Minuten in den Ofen schieben, bis die Kartoffeln anfangen, braun zu werden.

Den Ofen mit einem Pizzastein auf 250°C hochfahren. 

Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der Tapenade-Crème bestreichen. Dann jeweils hälftig mit Zwiebeln, Käse und Kartoffelscheiben belegen. Nochmals leicht pfeffern und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Anmerkung m: Flammkuchenteig nach Juliane - der mich in seiner Schnelligkeit, Luftigkeit und prima Handhabe absolut überzeugt. Außerdem sollte - für mein Dafürhalten - Falmmkuchen ein Blitz-Essen sein!

 
Geschwister im Blog-Universum:


russischer Bär an Kugeldistel

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