Posts für Suchanfrage stew werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage stew werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Akzeptanz: All-I-Need-Stew mit marinierter Aubergine

Sonntag, 20. November 2022


Ihre beiden Vorgänger habe ich mit Begeisterung gelesen, nun veröffentlichte Dörte Hansen  ihr drittes Buch *Zur See*. Im Zuge dessen schaute ich mir das Interview mit ihr darüber an auf der Frankfurter Buchmesse. Könnte ich mir eine Freundin backen, dann wäre sie wie Dörte. Ich mag ihr Gespür sehr für Brüche und Umbrüche, sowohl in der Gesellschaft, in Familien, im Individuellen, in geschichtlichen Abläufen. Mit viel Mitgefühl aber auch Humor legt sie den Finger ihrer Betrachtungen auf diese offenen Stellen.

Vielleicht sprechen mich ihre Beobachtungen deshalb so sehr an, weil sie eine Auseinandersetzung mit dem sind, was ich als Thema selbst in mir drehe und wende, seit mich letztes Jahr die Stromschnellen zerdellten. Meine Solbruchstellen kamen zum Vorschein und brachten mich und mein Selbstbild sehr ins Wanken. Ich dachte, ich würde stabiler stehen, schon mehr in mir ruhen, gefestiger sein. Dann kam der Sturm und ich zitterte in ihm wie Espenlaub.

*Die Wunde ist der Ort, an dem das Licht in dich eindringt* sagt Rumi. Ein Satz, der 2021 für mich Epoche machte. Und seither suche ich für mich nach einer tieferen Heilung. Neu im Notfallset sind für mich seither die Atemübungen des Dalai Lama. Die Atmung gilt in sämtlichen Meditationstechniken als zentrales Instrument, um in den Augenblick zu finden, um sich zu zentrieren, um zur inneren Ruhe einzukehren. Auch das übergeordnete Ziel von Yoga - für all jene, die es nicht zur reinen körperlichen Ertüchtigung praktizieren - versucht über bewußtes Ein-und Ausatmen, Achtsamkeit zu lehren.

Die letzten Jahre waren für viele von uns anstrengend. Das Außen tönte laut wie nie: ständig neue Katastrophen, Veränderungen, Bedrängungen, Anmaßungen, Unzumutbarkeiten. Manchmal kam ich mir vor wie in einer Gegenstromanlage. Nur irgendwie den Kopf hochhalten. Das benötigte bereits derart viel Kraft, dass wenig Energie für anderes übrig blieb. Sogar das Wichtigste von allem: sich um den Frieden in sich selbst zu kümmern, sich auf sich selbst zu besinnen - Selbstverantwortung.

Irgendwie war ich oft abgelenkt. Wohlwissend: die Wirklichkeit findet nur im Jetzt und Hier statt. Einzig und allein im Zusammentreffen von Zeit und Raum eröffnen sich Möglichkeiten. Wer zweifelt, darf James French demonstrieren lassen, wieviel Kraft steckt in a present mind and mindfullness. Leider, sehr leider stellt sich Aufmerksamkeit und Präsenz nicht automatisch ein. Automatisch degeneriert man - wie das Wort schon sagt - zum Automaten. Zum Zombie. 

In diesem Zusammenhang stieß ich auf Thich Nhat Hanh, den bekannten buddhistische Mönch aus Vietnam, der Anfang des Jahres gestorben ist. Ganz simpel erklärt er, dass wir zuallerst in uns selbst ankommen müssen, dass jeder einzelne eine Verbindung zu sich selbst herstellen muss. Es gibt kein anderes Zuhause als in uns selbst, in unserem Körper und Geist. Darin haben wir es uns einzurichten wie auf einer Insel. Ohne dass wir das nicht geschafft haben, brauchen wir uns überhaupt um gar nichts weiterzubemühen.

Und schon erreichen wir das große Wort *Akzeptanz*. Nur in Frieden und Ruhe kann ich mir Dinge, Geschehnisse, Erlebnisse, mich selbst anschauen. Wenn ich nicht in der Lage bin, alles so anzunehmen, wie es ist, dann verflüchtigen sich Frieden und Ruhe. Alles hängt zusammen.



Es bedarf bestimmt keiner tieferen Weisheit, um einzusehen, dass man den Lauf der Welt nicht ändern kann. Wirklich ändern kann ich nur mich selbst. Und vor sich selbst rennen wir am meisten weg. Wir kommen doch kaum mehr zum Nachdenken, wie soll man da noch Gelegenheit finden, sich selbst zu begegnen. Doch manchmal sind die Zusammenstöße mit sich selbst unausweichlich. Etwa, wenn man in Situationen gerät, in denen alles in einem *Nein* schreit. Weit, weit weg ist alle Akzeptanz, alle Einwillung, aller Friede.

Das sind die Momente, in denen wir eigene Solbruchstellen berühren. Was in mir will wahrgenommen und angenommen werden. Vor was in mir will ich denn eigentlich den Blick abwenden? Dunkelheit sei deine Kerze - halte die Kerze ins Dunkle, sagt Rumi. *Wie kann ich im gegenwärtigen Moment bleiben, wenn er sich unerträglich anfühlt?* - auf eben diese Frage antwortet Thich Nhat Hanh (unten für euch und mich zum Erhalt eingestellt).

Um den Kreis heute zu schließen, zu dem *All-You-Need-Stew*, das ich mit der Reihe zu *Das Böse* kombiniert habe, lenke ich mit dem *All-I-Need-Stew* den Blick auf *das Böse* in mir selbst: Hochmut und Angst und all dem Unglück oder gar Verdrehungen, das daraus resultiert als Konsequenz. Wie kann ich mich dem stellen? Und wie kann ich das Unannehmliche in mir transformieren und erlösen? Denn ganz mit der Bibel: Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? (Matthäus). Mag spirituelles Streben Privatvergnügen sein, so kenne ich doch keinen anderen Schlüssel (s. Schiller) zur Selbsterkenntnis, der gleichzeitig hilft, sich abzugrenzen vor der Verlogenheit anderer.

 

Das All-You-Need-Stew bereite ich nahezu wöchentlich zu - das ist ja so super abzuwandeln. Diese Lieblingsvariante kombiniert das nussige Quinoa mit diesem Karotten-Pü der Extraklasse, das nichts anderes ist als ein noch geheimgehaltenes DUBB. Damit ich euch aber auch noch zu etwas gänzlich Neuem inspirieren kann, zeige ich euch außerdem die marinierten Auberginen - eine Idee für die letzten ihrer Art für diese Saison.



Zutaten 2P:

Stew:
140g Quinoa*
Kokosfett
250g Gemüsebrühe
1 Lorbeerblatt
1 Zweig Thymian 
1 Knoblauchzehe, gequetscht

300g Karotten 
Kokosfett
Salz
Ahornsirup
1/2 TL Koriander, geschrotet
1/4 TL Zimt
1/4 TL Kreuzkümmel
Piment d'Espelette
1/2 Orange, Abrieb davon und Saft
Pfeffer
2 EL Kokoscrème (oder Mandelmus)
etwas Zitronensaft (oder weißer Balsamico)
Salz, Pfeffer 

3 kleine Auberginen
Olivenöl
fleur de sel
Pfeffer 
2 Knoblauchzehen
4 Zweige Minze
einige Stiele Petersilie
Piment d'Espelette
Rohrzucker
Zitronensaft 

 

Zubereitung:

Quinoa waschen, gut spülen, dann in Kokosfett kurz anrösten. Gemüsebrühe anschütten, Gewürze zufügen, Deckel auflegen und bei kleiner Hitze in ca. 20 min weich garen. Dann Lorbeerblatt, Thymianzweig und Knofi entfernen.

Für das Karottenpü die Karotten bürsten und in feine Scheiben schneiden. Mit Salz marinieren und stehen lassen, bis sie etwas Wasser gezogen haben. Die Gewürze in etwas Kokosfett rösten, Karotten zufügen und bei kleiner Hitze und geschlossenem Topfdeckel weich dünsten. Zuletzt abschmecken mit Orangenschale und -saft, Zitronensaft, Kokoscrème und Ahornsirup. Mit dem Zauberstab pürieren und das Quinoa unterziehen - nochmals abschmecken.

 
Auberginen der Länge nach halbieren und in Spalten von etwa 2cm schneiden.
Den Backofen auf 220° (Umluft 200°) vorheizen. Auberginenspalten in einer Schüssel in reichlich Öl wenden, mit Fleur de Sel und Pfeffer würzen. Dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und im Ofen (oben) in 15-20 Min. goldbraun und weich garen.
 
Währenddessen den Knoblauch fein würfeln, Kräuter ebenfalls fein hacken. Alles mit Zitronensaft, Fleur de Sel, Pfeffer, Zucker und Olivenöl mischen. Die Auberginen aus dem Ofen nehmen und gut mit der Marinade durchmischen - idealerweise 3 Stunden marinieren lassen.
 
*Anmerkung m: Man könnte die Karotten auch direkt in dem Quinoa garen, aber ich mag die pürierte (musige) Konsistenz lieber. Je nach Hunger und Beilagen kann man die Menge des Quinoa ruhig auf 180g erhöhen, die der Karotten auf 500g.
 
Daneben erkennt ihr Altbekanntes: der Super-Tofu oder die Zucchini-Bällchen
 
 

lebendiges Grün - Ras-el-Hanout-Stew mit Frühlingsgemüse

Montag, 1. Mai 2023

 

Wir kehren zurück von einem kurzen Aufenthalt aus drei deutschen Städten. Und jetzt, mit dem Übergang zum Mai, könnte der Kontrast dazu mit Blick ins Tal nicht größer sein. Während unserer Abwesenheit hat der Trieb der Pflanzen, der Vegetation, der Schub des Frühlings an Fahrt aufgenommen. Das Auge wird überspült von Grün in all seinen Nuancen, ein Grün, das unbändig, wild, maßlos, verschwenderisch, überwältigend ist. Alles strotzt nur so vor Kraft, vor Regeneration, vor Üppigkeit. Nachts singt die Nachtigall wieder, morgens die ganze Vogelschar und mittags zwitschern aus den Brutkästen die ersten kleinen Meisen, unterbrochen von einzelnen Kuckuck-Rufen oder einem besuchenden Wiedehopf. Überall wächst und gedeiht es, alles ist am Werden.

Wenn ich im Garten bin, verfliegen die Stunden. Was riecht das gut! Wie wohltuend ist es, die Luft tief einatmen zu können. Ja, wie wohltuend ist es, wieder zurück auf unserem Fleckchen Erde, in unserem kleinen Garten Eden zu sein, in unserer freiheitsliebenden Drôme. Das ist mein Biotop, das ist mein Ort, an dem ich sein und wachsen kann, das ist mein Therapie-Zentrum, das mir Raum schenkt, mich zu entspannen, mich wahrzunehmen, mich auszuweiten. Und ich könnte alles einzeln benennen, vom Spazieren gehen, über Blumenstrauß binden, Unkraut jäten, Waldwaten, Setzlinge in die Erde drücken, über Wiesen kugeln... das alles beschreibt nur hinlänglich, wie gut mir diese natürliche Umgebung tut, wie alles in mir mit diesem satten Grün mitauflebt, wieviel Energie ich mir aus *Grün* ziehe.

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass ich nun wieder den Vergleich zum Stadtleben habe und selbst staune, in welchem Maße ich ausgewildert bin, wie sehr mir Leben in der Stadt fremd wurde.

Georg Simmels berühmtes Essay (bereits vor 100 Jahren geschrieben) kommt mir in den Sinn *Die Großstädte und das Geistesleben*. Und er beschreibt darin doch auch nichts anderes, als die Spaltung der Menschheit in zwei Gruppen - ganz so, wie es der Habib benennt. Die einen werden zu reinen Kopffüßlern, die anderen bewahren sich noch ein intaktes Gemüt - jeweils eine Adaption an ihre Umgebung.

Beides gleichzeitig geht nicht. Man hat immer die Wahl - gerade individuell. So ist Erde angelegt. Man hat sich zu entscheiden. Der Kopf jedoch (das darf man nicht vergessen) rückt die Dinge so lange hin und her, bis alles wieder passt. Und der Verstand glaubt, Vorteile gegen Nachteile gegeneinander abwiegen zu können - das Gefühl aber erhält keine Stimme. Ich habe eine schöne, kleine Beispielgeschichte dazu. Ich bin wieder mit der Mitfahrzentrale gefahren und unterhielt mich bei der Gelegenheit mit einem Studenten. Er wohnt in einem Studenten-Wohnheim, dessen Miete absolut unschlagbar ist, ein Mal die Woche kommt gar eine Putzfrau, ein Tiefgaragen-Parkplatz gibt es gratis obendrauf und zentrumsnah liegt es ebenfalls. Ein 6er im Stadt-Wohn-Lotto. Vermeintlich. Denn die Wände sind sehr dünn, das Wohnheim laut und das erste halbe Jahr konnte er trotz Ohrstöpsel kaum schlafen. Mein Student fühlt sich nicht wohl, jetzt wohnt er schon 2 Jahre dort, ein Zuhause ist es nicht, aber er hat sich damit arrangiert. Eine andere Wohnung mit ähnlichem Preis-Leistungsverhältnis ist nicht aufzutreiben. Was will man also machen. So bleibt er halt dort wohnen. Kurz: Verstand toppt Gefühl. Nicht, dass ich die Argumente nicht nachvollziehen kann. Und für eine bestimmte Phase kann man viel machen. Das Kunststück dabei ist, nicht abzustumpfen, taub zu werden, ledern...

Ich fühle gerade mit all denen, die von Beton eingesperrt und eingezwängt sind, *hinter tausend Wänden keine Welt*, während auf dem Land Kraftprotz Natur in seiner ganzen Lebendigkeit tobt. Ich wollte nicht tauschen, ich brauche den Mai mitten im Grün.




Und leichterdings kann man das Grün gerade ins Mittagessen integrieren. Das ist eine der unzähligen Varianten meines geliebten Stews, das es nahezu wöchentlich gibt. Das Stew ist ja so leicht abzuändern. Ich schaue immer, dass meine Mischungen insgesamt etwa 120g -130 g ergeben. Und los gehts mit dem Spielen...

Das Gemüse dazu ist Schwelgen in den ersten frischen Früchten, die die Erde wieder hergibt: Zuckerschoten, junge Mairübchen, grüner Spargel... Gutes Essen ist eigentlich immer unkompliziert!

 

Zutaten 2P:

40g Couscous
30g rote Linsen
30g Quinoa
30g Hirse
1 1/2 TL Ras el Hanout
1/2 TL Kurkuma
Kokosfett 
1 Lorbeer-Blatt
1 Stange junger Knoblauch (oder etwas Bärlauch)
Gemüsebrühe
eine handvoll frische Erbsen
1 EL Mandelmus
...
4 junge Mairübchen mit Grün (oder Butterrüben)
100g Zuckerschoten
200g grüner Spargel
1 Salz-Zitrone
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1/2 Bund Bärlauch (oder Kerbel/ oder Estragon)
ein Schuß Noilly
Saft einer halben Orange
1-2 TL Ahorn-Sirup
 Olivenöl

 

Zubereitung:

Knoblauchstange fein hacken und zusammen mit dem Ras el Hanout und dem Kurkuma in Kokosfett kurz anbraten. Restlichen Zutaten zufügen und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig). Kurz vor Ende der Garzeit die Erbsen sowie das Mandelmus untermischen und im heißen Stew gar ziehen lassen 

Mairübchen von Grün trennen, bürsten und je nach Größe halbieren und in dünne Scheiben schneiden. Das Grün in einer extra Schüssel ebenfalls klein machen - ca 2cm Breite. Zuckerschoten gipfeln und vom Faden befreien und in Streifen schneiden. Das untere Drittel des Spargel schälen und dieses Drittel längs in Stücke von etwa 1cm schneiden. Die Salzzitrone vierteln, das Fruchtfleisch herauslösen und entsorgen und die Schale in feinste Stücke schneiden.

Olivenöl in einer breiten Pfanne erhitzen und die Mairübchen sowie die Spargelenden-Stücke darin 4-5min wenden. Salzen und pfeffern. Die Salzzitrone zufügen. Mit Noilly ablöschen. Spargel-Spitzen zufügen. Bei kleiner Hitze Deckel kurz auflegen (ca. 5min) und garen lassen. Nun Mairübchen-Grün und Zuckerschoten untermengen, ebenso die frischen Kräuter der Wahl, den gepressten Orangensaft anschütten, Deckel nochmals auflegen und weitere 3 min kochen. Mit Piment würzen und mit Ahorn-Sirup abrunden. Zusammen mit dem Stew servieren.


das Böse 3/4 - All you need-Stew

Donnerstag, 3. Februar 2022

 

Jeden Winter wurde im Kleinen Haus im Badischen Staatstheater ein Stück extra für Kinder inszeniert. Besonders in Erinnerung blieb mir das klassische Kasperle-Theater - mit Schauspielern anstelle von Handpuppen. Die Aufführung drückte sich deshalb nachhaltig ins Gedächtnis, weil sich das Kleine Haus ganz in der Nähe meiner Werkstatt, die der Theaterplastiker, befand. Während wir am Arbeiten waren, dröhnte das Gebrüll der Kinder bis zu uns vor: *KASPER!!! PASS AUF!* Für viele Kinder ist es unerträglich, wenn das Böse über das Ahnungslose siegt. Dieses ausgewachsene Unrechtsempfinden, verwächst sich als Erwachsener seltsamerweise wieder. 

Ganz leicht wird man abgelenkt von der aktuellen Lebensphase (Karriere, Kinder, Umzug, Probleme...), und redet sich raus à la man muss schließlich auch von was leben, der Alltag frißt schon alle Energie, probieren kann mans ja mal, hat doch keiner mitbekommen...  die Anzahl der Ausflüchte geht gegen unendlich - aber dabei verliert sich gleichzeitig die Aufmerksamkeit für sich und für das Trau-Schau-Wem. Nun, zum irdischen Spiel gehört, dass jeder von uns gesehen und wahrgenommen werden will. Dann macht man sich schon mal wuchtiger und wichtiger und rückt die Dinge zu seinen Gunsten zurecht, beschönigt, vergrößert Erfolge, wirft sich in die Brust, hetzt gegen andere... - wer kennt das nicht. Jeder durchläuft akut immer wieder solche Phasen - dann dient es der Bewußtwerdung, chronisch aber führt es in unheilbare (geistige und körperliche) Krankheiten. 

Und Tricksen und Betrügen ist gar nicht mal so schwer (bereits ganz ohne raffinierte Manipulationstechniken). Und halt sowas von verführerisch: Lügen machen (erstmal) das Leben leichter, bequemer, vorteilhafter, gefälliger... - zumindest dem äußeren Anschein nach. Also warum den steinigen Weg der Wahrhaftigkeit wählen, wenn man die Rutschbahn nehmen kann? So zieht doch eine überragende Mehrheit eine schöne Lüge einer unbequemen Wahrheit vor (Tell my lies, tell me sweet little lies).

Das gilt es bei den anderen zunächst einmal zu akzeptieren - deshalb darf man sich Missionieren aus den Haaren kämmen. Die Welt ist wie sie ist: sie entstand durch Geist und läßt sich nur über Geist nachhaltig verändern. Änderung des Geistes beginnt individuell bei jedem selbst - über die Suche nach Wahrheit.

*Die Wahrheit ist ein simpel Ding, die jeder leicht begreifen kann. Allein, sie scheint euch zu gering und sie befriedigt nicht den Wundermann.* (Goethe)

Ja, die Wahrheit kommt oft völlig glanzlos daher, leise, ohne Pathos. Ganz im Gegenteil zum üppigen, ausufernden, lärmenden Schmierentheater, dessen Unterhaltungswert die untersten wie obersten Ränge zum Johlen bringt. Nichts einfacher als zu blenden, solange der Entertainment-Faktor stimmt. Ein gewaltiger Schlag Hysterie, viel Effekthascherei, ordentlich Rabatz, gemischt mit dem Triggern tiefster Ängste - funktioniert immer. Wie soll man dann noch in Ruhe über sich oder das Wesentliche nachdenken? Hinzu kommt: die den Menschen treibende Kraft seht ihm ja nicht auf die Stirn geschrieben. *Eine eigentlich ganz nette Person, eher unauffällig, hat immer freundlich gegrüßt*, heißt es dann in Nachhinein vom Nachbarn, der seine Tochter jahrelang im Keller einbetoniert und missbraucht hatte.

Auf Wahrheitssuche dreht sich der Verstand schnell um sich selbst wie eine kleine Katze, die ihren eigenen Schwanz jagd. *Durch Überlegung wird so etwas nicht geendet; vor dem Verstande sind alle Rechte gleich, und auf die steigende Waagschale läßt sich immer wieder ein Gegengewicht legen.*(Goethe) Its all about perspective! Auf mentaler Ebene gibt es keine Lösung, keine Erklärung, kein besseres oder schlechteres Argument. Hier gibt es für jede Wahrheit einen Gegenwahrheit, egal wie eine These lautet, so findet sich doch eine entsprechende Antithese - etwas, das sich üben läßt (s. Goehte das Hexen Einmaleins). Genau darum ist die Empfindungsebene so entscheidend.

Und um wieder zurückzukehren zu meinem Ausgangspunkt, Madagaskar: von dort brachten wir ein madegassisches Sprichwort mit, das lehrt, wie mit dem Bösen umzugehen ist: *Zeige niemals mit dem ausgestreckten Finger auf das, was sich hinter der Tarnung versteckt - es wird dir großes Unglück bringen*. Das Chamäleon ist Meister und Muttertier der Tarnung und Täuschung. Das doppelt einäugige Reptil passt sich seiner Umgebung an, suggeriert so Sicherheit, um dann mit der Zunge zu töten. Wiederholt beobachteten wir Madegassen, die sich bei dem Anblick eines Chamäleons zu Tode erschreckt haben - im Gegensatz zu den Touris, die begeistert und fasziniert mit der Kamera anrückten. Der Habib entdeckte im Chamäleon den Repästentant für die 3. Verdrehung des Geistes, auch genannt die Lustseuche (Syphilinum).

Sich dem Bösen im Außen den Weg zu stellen macht keinen Sinn. Es sei denn man glaubt, man müsse den Drachenkämpfer spielen. Bitte schön! Siehe Julian Assange: zero Lebensqualität aber dafür Heldenstatus. Wer will tauschen? Und, was hats gebracht? Man verliert Energie, die man für anderes, für sich selbst bräuchte.

Tja, es gibt nunmal nichts zu retten! Das Böse ist böse, weil es böse ist (ich erinne auch an Trude Simonsohn). Geistig nix zu holen für das Marvel-Universum. Stattdessen schluckt das Böse jene, die ihm zu nahe kommen - das funktioniert auf die gleiche Weise wie Co-Abhängigkeit bei Alkoholsüchtigen und deren Umfeld. Das Ungleichgewicht der Welt - so läufts nun mal. *Wer sich unter die Kleie mischt, wird von den Säuen gefressen!*, sagte die Omi gerne. Mehr als Abstand halten, bleibt nicht - zumindst für die, denen an Freiheit und Mündigkeit gelegen ist. Das wird nur in Partnerschaften und Familien schwierig.

Doch selbst im Inneren lauern Fallstricke. *Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert* besagt ein altes Sprichwort. Greife ich dafür in den Anamnese-Fundus des Habib. Gudrun (Name geändert) lag nachts neben ihrem Mann im Bett. Sie mußte dringend aufs Klo. Ihre Blase schien zu explodieren. Aber sie regte sich nicht: sie wollte den Schlaf ihres Mannes nicht stören. Sie glaubte, das wäre Rücksichtnahme. Demut. Eine Opfergabe. Liebe. So kann der Mensch sich selbst in die Irre führen: man meint es (vermeintlich) gut im Hinblick auf andere, hält sich für dienstbar, freundlich und hilfsbereit, betrügt und hintergeht sich aber in diesem Moment selbst.

Über allen anderen Werten steht die Eigenverantwortung: sündige nicht gegen dich selbst! 

*So bleibt die eigentliche Religion ein Inneres, ja Individuelles, denn sie hat ganz allein mit dem Gewissen zu tun* (Goethe)



Im Vergleich zu den eigentlichen irdischen Herausforderungen ist es ein Kinderspiel, sich mit Gemüse glücklich zu kochen. Mit diesem Stew steht geschwind und unkompliziert ein abwechslungsreiches Essen auf dem Tisch, das ein wohliges Bäuchlein zaubert. Wie man abwechselt, habe ich euch unten im Rezept beschrieben.

Und gepimpt ist diese Grütze auch schnell, wenn man sie als Sättigungsbeilage (häßliches Wort) verwendet - s. die All you can eat- Teller, die ich euch auch fotographiert habe. Holt euch etwas fermentiertes Gemüse dazu (stehen hier gerade mehrere Gläser herum - ich muß euch mal etwas zeigen), oder süß-sauer eingelegtes Gemüse (machte ich letztens Herbst einige), ofengeröstetes Gemüse (immer eine gute Idee), einfach ein bißchen Rohkost (oder einen Salat), Pesto dazu, streut ein paar Nüsse darüber oder greift in die Roule ta Boule-Ideen, Puffer, Gemüse-Confit, Ofentomaten, Ajvar (ebenfalls neu bei mir in den Konserven), Hummus, Chutney.... Ihr seht: tobt euch aus. Das Stew ist wirklich eine tolle Grundlage, eine super Basic, im Sommer wie im Winter - nicht von ungefähr bereite ich es uns wirklich häufig zu. Es hat auch Vorteile, dass ich weniger blogge: die meisten Rezepte, die ich euch nun zeige, sind besonders geschätzt.

 

 

 

Zutaten 2P:

70g Quinoa (m: bunt)
50g rote Linsen
50g Buchweizen
70g Couscous (m: Vollwert)*
2 Lorbeerblätter
2 Knoblauchzehen
1 Stück Kombu-Alge
1 Stück Stangen-Sellerie, fein gewürfelt
1 TL Thymian
1 TL weißes Miso
Gemüsebrühe
Zitronensaft (oder weißer Balsamico)
Frühlingszwiebel/ Petersilie

 

Zubereitung:

Knoblauch schälen und andrücken. Alle Zutaten in einen Topf geben und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig).

Lorbeerblätter und Kombu-Alge rausfischeln. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft. Mit frischen Kräutern dekorieren (verwende ich Petersilie, dann koche ich die Stiele im Stew mit).

Möglichkeiten zu pimpen sind endlos: s.o./ Zutatenmenge reicht für 2 Personen - ohne zusätzliche Extras - also insgesamt an Körnern etwa 250g - dann wißt ihr, wie ihr wechseln könnt s.u.

 

Anmerkung m: es gibt ganz viele Varianten, allein schon wenn man die Verhältnisse der Zutaten verändert. Oder die Zutaten: grüne Linsen untermischen und/ oder Hirse und/ oder  Perlgraupen und/ oder Bulgur - wer mag, kann noch einen Löffel Nussmuss unterziehen, um es noch cremiger zu machen.


Knuspriger Gochujang Ofen-Karfiol

Dienstag, 3. Februar 2026

 

Ein Veggie-Teller besteht aus Gemüse mit Gemüse. Voilà - jetzt wißt ihr Bescheid. Über die Jahre hat sich dabei die Erfahrung manifestiert, dass es kulinarisch beglückend ist, wenn sich die Konsistenz des Gemüses dabei unterscheidet. Womit wir - wieder einmal - bei meinem Lieblingsessensthema angelangt wären: den Puffern, Bratlingen, Gemüse-Laibchen, Pflanzerln und Konsorten. Die spielen einfach immer bereichernd auf in doppelter und dreifacher Gemüse-Konstellation. Dabei wollen sie nicht zwingend in der Pfanne zubereiten werden. Ofen gilt auch, oder?

Gut, ich will jetzt nicht mit vehementester Überzeugung behaupten, dass dieser Blumenkohl so richtig in die Puffer-Kategorie passt. Im engeren Sinn. Aber labeln tue ich das Rezept auf jeden Fall so. Auch damit ich es leicht wiederfinde.

Ich fand die Dingerchen nämlich spitze. Zuerst werden sie durch eine Art Tempura-Teig gezogen, gegart und dann mit einer zweiten Glasur lackiert. Ganz easy zuzubereiten und richtig köstlich.

Dabei wird auf einen beliebten Kniff der veganen Küche zurückgegriffen: auf Fertigsaucen. Was wäre die vegane Küche beispielsweise ohne Soja-Sauce? Undenkbar. Aber zur Mutter der Fertigsaucen sind mittlerweile unzählige andere hinzugekommen - worldwide Bereicherung quasi. Von Chrispy Chili oderoder... Da muss ich nix aufzählen, da fällt euch bestimmt ohne mich genug ein.

Für den heutigen Blumenkohl habe ich Red Thai Curry - Paste verwendet. Gesehen habe ich das Rezept unterwegs bei Insta aber mit Gochujang. Euer Geschmack entscheidet.



Begleitend gabs dazu bei uns in etwa dieses Stew (mit Quinoa, Amaranth und Hirse) sowie eine kräuterige, zitrone Joghurt-Sauce. Ich kann mich nur wiederholen: der Blumenkohl darf auf diese Weise wieder auf den Tisch.

Als Geschwister im Blog-Universum benenne ich den

      **** den Orangen-Blumenkohl


Hier wird allgemein gerne Blumenkohl gegessen. Das trifft sich gut zur Kohlzeit - zwei Monate wird uns Kohl bestimmt noch viel durch die Woche bringen..


Zutaten 2P:

1/2 Blumenkohl 
....
Tempura-Teig:
74 Mehl (m: D1050)
100ml Milch (Soja oder Mandel)
1 TL Paprika-Pulver
1 TL Knoblauch-Pulver
Kräutersalz
....
2. Glasur:
1 EL Red Thai Curry/ Gochujang
1 EL Soja-Sauce
1 EL Ahorn-Sirup
1 EL Reis-Essig
2 EL Sesam-Öl


Zubereitung:

Ofen auf 200° (Umluft) vorheizen.

Blumenkohl in Röschen (m: teilweise mit dem Messer halbiert) . Die Zutaten für die Tempura zu einem glatten, homogenen Teig verrühren, der eher etwas zu dick als zu dünn ist. 

Dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen und  in ca. 25 min golden backen. 

Währenddessen etwa das Stew und die Joghurtsauce zubereiten - sowie die zweite Glasur. Für letztere einfach alle Zutaten miteinander in einer Schüssel verquirlen. Den gegarten Blumenkohl nacheinander durch die Marinade ziehen, wieder zurück aufs Backblech setzen und dann weitere 5 min in Ofen fertig backen.


Erntedank: Quinoa-Pfannkuchen

Sonntag, 5. Oktober 2025



Zu den elementarsten Bedürfnissen aller Lebewesen gehört die Energiezufuhr durch Essen. Klar, ich bin Foodie. Aber mehr als um Genuß geht es mir beim Essen um Gesundheit. Die Hardliner formulieren überspitzt: *Erst machen sie uns krank mit ihrer Ernährung und dann mit ihren Medikamenten*. Eine Aussage, zu der sich jeder stellen mag, wie er will.

Gerne wird die Ernährungsindustrie mit ihren Machenschaften von ihren Verteidigern in Schutz genommen. Und zwar mit dem Todschlagargument sie würde schließlich dafür Sorge tragen, einen Großteil der Menschheit zu ernähren. Gut gefallen hat mir die spitzfindige Unterscheidung aus dem Mund eines Feriengastes dieses Jahr: es gibt Nahrungsmittel und es gibt Lebensmittel. Und wieder mal muß jeder für sich alleine entscheiden, von wem er sich ernähren lassen will: von der Natur oder der Ernährungsindustrie. Eine grundsätzliche Frage. Nicht nur heute zu Erntedank.

Wobei ich entschuldigend feststelle, dass viele Menschen abgelenkt sind vom Ranschaffen des täglich notwendigen Geldes im Galeeren-System des Kapitalismus. Weniger nachvollziehen als Landmädchen kann ich, dass sie sich abziehen lassen von all dem oberflächlichem Tand, der überall lärmt. Es muss jeden Tag gegessen werden. Und eine anständige Ernährung bleibt eine zwingende Basis für ein gutes, gesundes Leben.

In diesem Zusammenhang will ich euch einen wertvollen Link weitergeben. Ihr erinnert euch vielleicht, wie nachhaltig mich die Arte-Doku *Insektenkiller - wie Agrakonzerne unser Ökosystem zerstören* beindruckte. Die Organisation EWG testet jedes Jahr die *dirty dozen*, die 12 Obst- und Gemüsesorten, die in Europa am meisten mit Pestiziden belastet sind. Dank deren Testergebnisse erhält man eine gute, unabhängige Info, welche Lebensmittel man besser nicht von *konventioneller Landwirtschaft* kauft. Selbst wenn man sich Bio nicht immer leisten kann, sollte man sich bei den *dirty dozen* doch überlegen, ob man diese dann entweder seltener oder aber nur in Bio-Qualität verzehrt. Dem eigenen Körper zuliebe. Und da alles mit allem zusammenhängt - auch zuliebe der Umwelt.

Umgekehrt gibt es aber auch die *clean 15*, Obst- und Gemüsesorte, die oft bereits auf natürliche Weise bereits gut geschützt sind, so dass Pestizide selten eingesetzt werden. Die wiederum kann man daher überall gut kaufen. Nützliche Infos, oder?



Mindestens ein Mal die Woche bereite ich uns einen *bunten Teller* zu. Eine Art Entlastungstag. Rohkost begleitet oft von einem geliebten Puffer. Oder aber einem Pfannkuchen etwa aus Quinoa. So einfach, dass es fast kein Rezept ist. Und Quinoa esse ich eh so gerne mit seinem nussigen Geschmack - ich verweise euch gerne nochmals auf mein Stew. 

Geschwister im Blog-Universum sind:



Zutaten 2P:

  • Quinoa-Pfannkuchen:
  • 200g Quinoa
  • ca. 300 ml Wasser
  • 1Pr Salz
Zubereitung:

Quinoa gründlich unter fließendem Wasser waschen und abtropfen lassen. Anschließend mit 1l frischem Wasser bei Raumtemperatur mindestens 6 Stunden (oder über Nacht) einweichen. Mit 1 EL Zitronensaft kann man die Fermentation weiter anstoßen. Längere Einweichzeiten bis zu 24 Stunden sind auch kein Problem.

Dann das Einweichwasser wegschütten, Quinoa sorgfältig spülen, wieder gut abtropfen lassen und jetzt den gequollenen Quinoa mit ca. 300 ml frischem Wasser und 1 Pr Salz fein pürieren. So 10 min ruhen lassen - in dieser Zeit dickt der Teig etwas an. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Pfannkuchen bei mittlerer Hitze goldbraun backen. 

Anmerkung m. werden in meienr kleinen Pfanne ca. 6-8 Pfannkuchen

Inspi: Insta: feinstekleinigkeiten




Ofen-karamellisierter Kohlrabi

Freitag, 7. November 2025


Für Einsteiger in die vegane Küche habe ich eine Faustregel: man nehme Soja-Sauce, Ahornsirup und Chili-Crisp und los gehts. Gefühlt benötigt man für die Mehrheit der Rezepte nicht sehr viel mehr als diese drei Gewürze. Zumindest auf Insta. Und dann gehört OBLIGATORISCH noch dieses Leute-ihr-könnt-euch-nicht-vorstellen-wie-köstlich-das-schmeckt-deshalb-mache-ich-noch-mein-Leckerlecker-Gesicht dazu. Et voilà: schon ist ein Reel für ein veganes Rezept fertig.

So, und ganz ohne Spott: man füge außerdem noch etwas Ingwer und Erdnussbutter hinzu und wirklich jeder kann easy vegan kochen. Stimmt ja soweit. Und diese im Ofen karamellisierte Kohlrabi finde ich richtig sensationell. Eines der besten Ideen für Kohlrabi. Und dabei eigentlich gar nichts Außergewöhnliches, alles irgendwie so ähnlich schon mal da gewesen und herrlich unkompliziert! Hier, der Miso-Sellerie etwa ist ein Blog-Geschwisterchen. Und in der Warteschleife erscheint hier ein weiterer Verwandter nämlich mit roter Bete. Und auf dem Foto habe ich dem Kohlrabi ebenfalls schon Butterrübchen an die Seite gestellt. Auch prima.

Als Begleitung hat mir Kürbis-Pü gut gefallen. Dann kann man noch ein schnelles Sößchen dazu machen. Oder aber ein Quinoa-Stew - wie ihr auf einem der Fotos seht - in welches das Kohlrabi-Grün und noch zwei Karotten reingewandert sind. Voilà! Schon habt ihr wieder schnell und gut gekocht!




Zutaten 2 P:

2 mittlere Kohlrabi 
....
Marinade:
2-3 EL Olivenöl
2 EL Tamari
1 EL Honig mit Chili (m: Kramer-Honig)
Salz, Pfeffer
1/2 TL Paprika-Pulver
1/4 TL Pimenton de la vera
....
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1 TL Miso, dunkel
150ml Gemüsebrühe
1 TL Thymian
1 Spritzer Balsamico-Reduktion
1 TL Rübensirup
Olivenöl


Zubereitung:

Ofen auf 200° (Umluft) vorheizen.

Die Zutaten für die Marinade mischen und rühren, bis alles homogen verbunden ist. Großes Extra hier ist der Honig mit Chili - eine tolle Kombi, auf die ich beim Kochen gerne zurückgreife! Grüße gehen hiermit raus an Astrid und Andy von Kramer-Honig!

Ein Backblech mit Backpapier auslegen.

Die Kohlrabi schälen und in etwa 1,5cm - 2cm Scheiben schneiden - je dünner umso schneller sind sie fertig. Aber 1,5cm finde ich von der Dicke schon das Minimum. Die Scheiben von beiden Seiten mit der Marinade bepinseln.

Dann für ca. 20 min bei 200° in den Ofen schieben. Nach der Hälfte der Zeit die Scheiben drehen - wenn noch Marinade übrig ist, die bei der Gelegenheit darauf verteilen. Mit dem Messer eine Stichprobe machen, ob der Kohlrabi auch durch ist.

Nicht nötig - je nach weiterer Begleitung - macht während der Kohlrabi im Ofen ist, noch ein kleines begleitendes Sößchen. Dafür Schalotte und Knofi fein würfeln und in Olivenöl anschwitzen, abloschen mit Gemüsebrühe, Miso zufügen, Rübensirup und Thymian. Bei sanfter Hitze ca. 10min köcheln lassen. Zuletzt abschmecken mit Balsamico-Reduktion und Pfeffer.


12 von 12 - Juni 2022

Sonntag, 12. Juni 2022










Das Tal sieht aus wie Mitte August. Gestern auf dem Markt war die Trockenheit und die Angst vor Gewitter mit Hagel dominantes Thema. Aber ich habe auch - einfach so - eine Kennenlerngeschichte erzählt bekommen, die ich ja horte, weil... ihr wißt Bescheid... Und gelacht mit jemand habe ich auch, dem ich auf den Kopf zusagte, dass sie verliebt sei und sie staunte, dass ich nun schon die Zweite bin in einer Woche, die ihr das unterstelle. Selbst wenn es (noch) nicht so ist, scheint es sie für andere wahrnehmbar bereits zu umkreisen. Gefiel mir sehr, dieser Gedanke!

Ein Grund auf dem Land zu leben, ist unser Frühstück. Erdbeeren und Himbeeren aus dem Garten. Eben noch am Strauch - dann zu oberst auf dem Porridge. Priceless, oder?!

Ein Appartement - das Heimchen - will noch für Nachzügler, die heute erst anreisen, fertig gerichtet werden. Ein guter Moment, um darin Urlaub zu machen, denn auf der Terrasse davor blüht gerade üppig die Kerzen-Palmlilie. Und auf der anderen Seite öffnen sich die Blüten des Sommerflieders.

Anschließend gehen wir Café trinken. Nein, keine Lust auf Markt heute, das hatten wir gestern. Und waren sehr umrundet von vielen Menschen. Heute lieber ruhiger im Grünen. Dazu gabs selbstgebackene Brownies, die ich wohl verbloggen werde. Tags zuvor hatte mich das rosarote Waldvöglein zu sich in den Wald gerufen - eine der letzten Wildorchideen und einer meiner Lieblinge. Rings um das Waldvöglein rankten sich herrlich reife Walderdbeerchen. Das Sammeln der kleinen Beeren war ein wunderschöner, idyllischer Moment - ganz allein im Wald, das Rascheln der Blätter, der GERUCH (!) - den ich sehr genossen habe. Mal wieder ganz bei Goethe: *Sammler sind glückliche Menschen*.

Zurück wieder vorbei an der Drôme - mit Wasserstand wie (s.o.) Mitte August. Wir werden wirklich gegrillt. Die Wettervorhersagen stempeln uns im Südosten Frankreichs weiterhin zu einer der heißesten Regionen von Europa und lassen uns Woche für Woche Wetteraufzeichnungsrekorde brechen. Diese anhaltende Hitze im Frühjahr wird uns Drômois im kollektive Gedächntis bleiben.

Das Mittagessen fällt entsprechend leicht aus - eine Variante des Stew, das es gefühlt ein Mal pro Woche gibt, weil so gut und so leicht zu verändern.

Im Garten tummeln sich die Schmetterlinge an den Blumen, die der Hitze trotzen.

Ich mühe mich weiter ab, endlich *Maschinen wie ich* abzuschließen. Danach werde ich Schluß machen mit  Ian McEwan. Was ist das für ein erbärmliches Menschenbild, in dem Intelligenz, Mathematik und Juristerei sowie Begehren über Herzensbildung, echten Werten und Demut stehen. Oder andersherum gedreht schafft McEwan ein gutes Stimmungsbild, was übrig bleibt in einer gottlosen Welt. Gefühle sind nicht programmierbar, Individualität kein automatischer Prozess, Wahrhaftigkeit kein Zahlenspiel und Bewußtsein unendlich viel mehr als Datenauswertung. Wir finden nicht zusammen, dieses Buch und ich. Aber die letzten Seiten rutsche ich jetzt halt noch runter.

Eine Runde Yoga. Stetigkeit gibt mir Halt in einer Welt, die sich in ständiger Bewegung dreht (s. ebenso das Frühstücksriutal). Ja, ich glaube, in Stetigkeit liegt eine Offenbarung verborgen, die wiederum auf das große Mysterium Zeit zurückzuführen ist. *Ich bin mehr als jemals überzeug, dass man durch den Begriff der Stetigkeit den organischen Naturen trefflich beikommen kann* (Goethe).

Tja, und dann halt wieder Gießen - ein Glück haben wir wenigstens noch Zisternenwasser zur Verfügung!

Ein Sommersonntag im Juni, den andere ganz anders erlebt haben. Geknipste Eindrücke davon bündelt wie jeden Monat Caro von *Draußen nur Kännchen*.

12 von 12 - April 2022

Dienstag, 12. April 2022









Bevor wir vorbei an Wildtulpen und Wahlplakaten zum kleinen Dienstagsmarkt fahren, startet der Morgen mit Porridge und Ingwertee. Kein April ohne dass ich nicht die pittoreske Wildtulpen fotographiere. Der Zustand der Wahlplakate wiederum hat etwas Tendenziöses: Crest und Gigors haben mehrheitlich Jean Luc Mélanchon gewählt.

Auf dem Markt wurde nicht nur Obst fürs Frühstück gekauft, sondern auch u.a. der Spinat (köstlich: nur mit etwas Kokosfett und jungem Knoblauch!) und der Spargel fürs Mittagessen: das All-you-need-Stew macht die Grundlage. An Ziegenkäse-Produkten ist in der Drôme kein Vorbeikommen. Und ich bleibe mit den Augen stets hängen an dem neu eröffneten, kleinen Blumenladen: *Die kleinen Aufmerksamkeiten*.

Blumen aber haben wir im Garten genug. Der Pulsatilla, der Küchenschelle, habe ich einst einen eigenen Post gewidmet. Eigentlich drängt die Unkraut-Front, aber ehrlich gesagt mangelts heute an Motivation, sich ins Getümmel zu werfen. Nur Drücken wird nix bringen - allerortens ruft es zum Einsatz... Einzige Ausrede ist, dass nach einigen Erledigungen im Städchen und dem obligaten Café bei *John Irving* - mit für Fränzi-Verhältnisse erstaunlich viel politischen Diskussionen um uns - wir spät zurückkehrten.

Eine Nachbarin besucht uns und hat fürs baldige Osterfest für uns gebacken: un Suisse, ein Schweizer (eine spécialité de Valence)  - sehr ähnlich einem Butter-Pätzchenteig allerdings mit dem typischen südfranzösischen parfum *fleur d'orange* (Orangenblüte). Doch, die Pandemie hat diesem Dorf gut getan!

Hach, überhaupt Frühling und es schmetterlingt wieder (eine Auswahl unserer Schmetterlinge kann man sich auf unserer Homepage *Sonne und Lavendel* anschauen). Nous sommes prêts - wir sind wirklich bereit!

Und ja, ich kanns bestätigen: Yoga macht flexibel. Heute aufwärmen mit meiner aktuellen Lieblings-Yogi Kaylie und anschließendes Dehnen mit Silvio (im Tempo allerdings stark gestrafft), der mich in meinen Anfängen begleitete und der mich nach wie vor mit seiner Art amüsiert.

voilà, voilà - jetzt noch schauen, was die anderen so festgehalten haben von ihrem 12. des Monats bei Caro von *Draußen nur Kännchen* und dieser leise, grau-himmelige, friedliche 12. April 2022 ist nahezu fertig erlebt.

Bruchstück: Pilz-Patties oder Champignons-Pufferchen

Sonntag, 19. März 2023


Hier bei mir stößt man ja immer wieder auf Wissenschaftskritik. Das bedeutet nicht, dass ich per se der Wissenschaft skeptisch gegenüber eingestellt bin. Gar nicht - der Forschungsdrang liegt in der menschlichen Natur. Für nichts anderes sollte Wissenschaft stehen. Meine Kritik bezieht sich vielmehr darauf, dass die Grenzen der Wissenschaft heute gerne außer Acht gelassen werden (ganz mit dem Dalai Lama in diesem Post).

Damit ziele ich vor allem auf das anvisierte Detailwissen, bei dem mir das Interdisziplinäre entschieden zu kurz kommt (um nur einen Post zu verlinken, der das aufgreift: zur Trauma-Forschung). Die unterschiedlichsten Bereiche von Wissenschaften müssten untereinander deutlich mehr im Austausch stehen. Bruchstückhaftes und zusammenhangloses Wissen ist prinzipiell Fehler anfällig. Das ist auch der Grund, weshalb realistisch betrachtet ein Großteil wissenschaftlicher Erkenntnisse auf tönernen Füße steht - man sollte immer damit rechnen, dass neuere Forschung alte Übereinkünfte hinfällig machen könnte. Außerdem gehe ich mit Einstein: *Die Wissenschaft dient der Menschheit am besten, wenn sie sich vorbehält, alle Thesen anzuzweifeln.* Nur auf diese Weise, mit der größtmöglichen hauseigenen Sekpsis, schürft der Forschende tiefer und tiefer. Das gilt im Individuellen wie Allgemeinen (s. Post zum James Webb- Teleskop... ich wiederhole mich)

Selbst den sog. Experten kann die Sicht leichterdings verstellt sein durch fehlende Unabhängigkeit - sei es was die Forschungsgelder angeht, die Parteienzugehörigkeit, der eigene Status... Mache ich es wie so gerne über das pars pro toto - nichts geht über ein anschauliches Beispiel! Hier aus meinem nächsten Umfeld.

Einer Freundin, nennen wir sie Nathalie, setzten schweren Herzrhythmusstörungen zu. Aber in so ausgeprägter Form, dass sie nachts kaum noch zu Schlaf fand. Das wiederum wirkte sich auf ihr Berufsleben aus: sie war nicht mehr in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen, musste krank geschrieben werden. Ebenso litt ihr Alltag als Familie mit drei Kindern sehr darunter, weil sie sich ständig schwach und matt fühlte. *Ich sah mich schon den Rest meines Lebens damit beschäftigt, mein Herz beim Stolpern zu beobachten*, seufzte sie. Drei unterschiedliche Kardiologen suchte sie auf - Termine, auf die zu warten waren - und keiner konnte ihr wirklich weiterhelfen. Der letzte Herz-Spezialist riet ihr trotz Ungereimtheiten dennoch zu einer Operation am Herzen.

Nathalie verfolgte in ihrer Not das Prinzip der Streuung: sie redete in alle Richtungen über ihre Probleme. Im Telefonat mit einer Freundin erwiderte diese, Momentchen, sie lese gerade die Biographie von Orphray Winter (das ist immer die Stelle, an der ich beim Erzählen kurz mal fassungslos den Kopf schütteln muss - WER bitte, liest denn die Biographie von Orphray Winter, dieser amerikanischen Talkshow-Moderatorin und Multi-Millionärin????? Vermutlich die gleichen, die nach der Biographie von Michelle Obama greifen.... tsss, andere sind anders, echt!). 

Nun, also um den Faden wieder aufzugreifen, in dieser Lebensgeschichte werden ähnliche Symptome mit einer ähnlichen Odysee beschrieben. Kurz und gut: wenige Tage später maschierte Nathalie mit exakt diesem Buch zu ihrer Gynäkologin mit den Worten:*Auf Seite 154 finden Sie die Ursache für meine Beschwerden* (Seitenzahl erfunden) - ein hormonelles Problem, das auf die Menopause zurückzuführen ist.

Jetzt machen rund die Hälfte der Weltbevölkerung Frauen aus und eben diese 50 Prozent durchlaufen in der Mitte ihrer Lebensjahre auch diese hormonelle Umstellung, genannt Menopause. Nix riesig Seltenes. Oder anders gesagt: man steht auf einem Wissens-Gulli. Stand 2023. Einen Schuldigen hat man bereits gefunden: es liegt am männlich geprägten Blick der Wissenschaft. Immer gut, einen zum draufhauen zu haben - das lerne ich ja gerade. Aber vielleicht liegts auch an mangelnden Forschungsgeldern. Ist es nicht so, dass Medizin heute vor allem Money bringen muss. Oder aber wie erkläre ich mir sonst *den Megatrend in Health-Care-Aktien zu investieren*? Im Falle meiner Freundin Nathalie entkam sie nur knapp und auf wundersame Weise (Orphray sei Dank) einer Herz-OP. Und mit ein paar Tabletten, die ihre hormonellen Schwankungen ausgleichen, steht sie wieder voll im Leben. Helden-in-Weiss-Geschichten gehen anders.

 


Thematisch passen die Pilz-Pufferchen sehr gut dazu, denn soetwas wie *ein Spezialgebiet* kennt ein Pilz nicht. Ganz in Gegenteil, die unterirdische Vernetzung der Pilze untereinander sucht seinesgleichen, so dass auch gerne von Wood-Wide-Web als Vergleich gesprochen wird. Und nicht nur dass Pilze unter sich stehen auf große Entfernungen in Kontakt, nein, sie tauschen sich ebenso mit ihren umgebenden Pflanzen aus - ein sehr spannendes Thema (sehr schön dazu *Spektrum - Die vernetzte Welt der Pflanzen*)

Kulinarisch bieten Pilze eine schöne Abwechslung zum Kohl. Diese Pufferchen habe ich nun wiederholt gemacht, weil sie einfach ausgesprochen lecker sind bei prima Konsistenz. Sie sind gar so gut, dass sie unter den Patties gut unter die Top 5 gelangen. Ich stelle euch demnächst hier mal ein Ranking zusammen. 

Hier an diesem Teller seht ihr, wie ich mindestens ein Mal pro Woche gerne koche: ein Stew (immer ein bißchen anders), Gemüse-Pufferchen dazu, Salat, Gemüse - fertig. Bon, das hier ist jetzt die Sonntagsaussagabe.


Zutaten 4 Stück/2P:

250g Champignons
1 kleine, rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
20g Sonnenblumenkerne
20g Haferflocken
30g Semmelbrösel
2 EL Petersilie
2 EL Tamari
1-2 TL Harissa
(oder wahlweise: 1 TL Dijon-Senf)
Salz, Pfeffer
(optional: Workshister-Sauce)

 

Zubereitung:

Pilze putzen, klein schneiden und in einer heißen Pfanne einige Minuten ohne Öl braten - zur Seite Stellen und abkühlen lassen. Zwiebeln und Knofi fein würfeln und in Öl glasig dünsten.

Petersilie etwas kleiner hacken, dann sämtliche Zutaten in einen Hexler geben und solange mixen, bis die Masse bindet - als nicht zu Mus pürieren, sondern darf noch etwas Struktur haben, soll aber eine homogene Masse bilden. Gut würzig abschmecken.

Mit feuchten Händen Puffer formen, auf Backpapier setzen und im Kühlschrank ca. 20-25min ruhen lassen.

Die Pufferchen lassen sich gut in Öl in der Pfanne braten, für größere Patties kann man auch den Ofen anschalten:  bei 200°C ca. 20-25min braten - davor diese von beiden Seiten mit Öl bepinseln.

Inspiration: Elephantastic Vegan

Anmerkung m: Für Patties in einen Burger würde ich sie deutlich größer formen - wohl doppelt so groß (die Zutatenmenge reicht dann in diesem Fall für 2 Patties) und dann auch eher im Backofen zubereiten. Bisher immer als Puffer zubereitet.