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Sonntag, 25. September 2022

der große Wurf: Schoko-Mandel-Tarte mit Feigen/ Birnen/ Quitten/ Physalis

 

Wie Gedächntis oder Erinnerung funktioniert ist ja nachwievor eines dieser großen Mysterien, die bis heute unerklärt sind (ich komme immer wieder darauf zurück). Apropo Mysterium: den neuesten Kornkreis in England mitbekommen? Meine Meinung dazu kennt ihr. Lächelnd machte mich, dass eine Mehrheit der Presse dieses Phänomen als Vandalismus bezeichnet, als illegale Kornkreise. Tsss, hat doch keiner die Erlaubnis dafür erteilt. Ah, so ist das, stelle ich fest: Staunen und Wundern voll verlernt dafür aber Recht und Ordnung sowie Obrigkeitshörigkeit verinnerlicht. Wie unterschiedlich kann Wahrnehmung funktionierten - samt den daraus resultierenden Schlüssen. Nächstes Mysterium!

Zurück zum Thema Erinnerung. Mein Elefantengedächtnis funktioniert besonders gut im Hinblick auf den Umgang mit mir. War jemand freundlich zu mir, dann erinnere ich mich daran und belohne mit meinem hauseigenen Treuebonus. Hat mich jemand schlecht behandelt, dann bleibt mir das ebenfalls. Gott sei Dank gibt es aber noch Faktor Zeit und der läßt doch Gras über vieles wachsen. Das Üble sollte man irgendwann begraben können - sonst trägt man nur gewichtig daran. Und rum ist schließlich rum, oder? Aber je älter ich werde, umso mehr halte ich mich an das uralte *Trau-schau-wem*. Das hat mich meine Erfahrung gelehrt.

Mit guten Rezepten geht es mir ähnlich. Die kleben fest in meinem Poesie-Album der Erinnerung und auf die guten greife ich immer wieder zurück. Das heutige Rezept ist genau genommen eine Mariage aus zwei Rezepten, die das beste aus beiden zusammenbringt. Konnte somit eigentlich nur ein Treffer werden, denn beide sind bereits jedes für sich super. Doch es gelang mir die Tarte mit Birne und Kardamom und die Tarte mit Feigen und Schokolade zu einer kosmischen Verbindung zu vereinen.

Zumindest wenn ich den Reaktionen auf diese Tarte Glauben schenke, die waren nämlich regelrecht euphorisch à la beste Tarte ever und so... Aber wir wissen ja alle, wie schnell der Magen vergißt. In puncto süßen Schleckereien sind alle polyamor veranlagt. Trotzdem schwebte ich ein kleines Weilchen in einer schwer selbstverliebten Blase, dass mir mit dieser Tarte der ganz große Wurf geglückt ist. Und wißt ihr was: ausschließen will ich es nicht. Probiert selbst.

 


Mit Feigen sind wir in Südfrankreich üppig versorgt. Ihr könnt die Tarte gleichfalls mit Birne backen oder aber etwa auch mit Quitten, die vorher kurz gegart wurden wie für die schöne Apfel-Quitten-Tarte mit Salzbutter-Karamell. Physalis stelle ich mir ebenfalls toll darin vor... Oder mit Aprikose... Mir bleibt das Grundgerüst dieser Tarte definitiv im Ultralangzeitgedächtnis haften!


Zutaten:

Tarteboden:
200g Mehl (m: davon 50g Dinkel-VK)
100g Butter
1 Pr Salz
30g brauner Zucker
1 EL Crème fraîche
1 TL Kardamom, gemahlen
etwas kaltes Wasser

Füllung:
60g Schokolade, schwarz, gehackt
2 Eier
90g Butter, weich
120g Mandeln (nicht zu feinst gemahlen)
1/2 TL Piment
1 Orange, Zesten davon
2 TL Thymian
ca. 600g Feigen

 


 

Zubereitung

Den Tarteboden wie gewohnt zügig zu einem homogenen Teig verarbeiten und kühl stellen.

Ofen auf 200°C vorheizen.

Eine Tarteform (m: 26cm Durchmesser) buttern, den Teig ausrollen und den Boden auslegen, dabei einen Rand hochziehen, Boden mit einer Gabel einstechen. (: 15min in die Tiefkühle gestellt - soll verhindern, dass sich Boden wellt).  Mit Hülsenfrüchte 20 Minuten blind backen.

Währenddessen die Schoko-Mandel-Füllung herstellen. Zuerst die Schokolade klein hacken. Dann aus Eiern, Mandeln, Butter, Kakao, Tonka-Bohne, Piment und Orangenschalenabrieb mit dem Handrührgerät eine Paste verrühren - zuletzt die Schokolade untermischen. Die Masse gleichmäßig auf dem Tarteboden verteilen.

Den Ofen auf 180° runterschalten.

Feigen halbieren und auf der Mandel-Schoko-Paste verteilen.  Zuletzt den Thymian darüber streuen. Für weitere 30 Minuten backen. Entweder noch warm oder abgekühlt servieren. Ich finde, es tut dieser Tarte gut, einen Tag durchzuziehen, damit sich die Aromen entfalten können.

Anmerkung m: skeptisch wegen dem Thymian? Ich ermutige euch neugierig zu sein: das macht das Tüpfelchen auf dem i.


Sonntag, 18. September 2022

Finals: Pasta mit Paprika-Tomaten-Sugo und Zucchini-Bällchen


Wer sich von unbedeutendem Tingeltangel nicht blenden, ablenken oder abziehen lassen will, der sollte nach der übergeordneten Ebene suchen: der Wesensebene. IMMER die optimale Perspektive. Dort findet sich die Erklärung nach dem *Wozu das Ganze*. Heute wirds inhaltlich etwas schwergewichtiger - mal gucken, wenn ich dabei nicht abgehängt bekomme...

Man kann Menschen spinnert finden, die Claus Schwabs Great Reset-Gedanken folgen wollen. Aber die vierte industrielle Revolution wird man schwer verneinen können, sie ist im vollen Gange. Industrie 4.0 bezeichnet die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Industrie mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie. Oder aus dem DF-Artikel: Die Fabrik der Zukunft ist geprägt durch die vierte industrielle Revolution. Die erste ersetzte Handarbeit durch die Dampfmaschine. Die zweite ging mit Fließband und Massenproduktion einher. Die dritte war die digitale Revolution. Und in der vierten kommunizieren nicht mehr Menschen, sondern die Dinge miteinander über das Internet.

Was mich dabei interessiert, ist die Rückkopplung auf den Menschen sowie die zukünftigen Aussichten in diesem Hinblick auf menschliches Dasein. Womit wir bei dem Begriff Transhumanismus gelandet wären - den meisten mehr oder weniger bereits geläufig.

Zu diesem Thema habe ich nun mehrfach Prof. Dr. Paul Cullen zugehört - Humanmedizinier, Facharzt für innere Medizin und Labormedizin, Schwerpunkte in Biochemie/ Molekularbiologie/ Epidemologie, Laborleiter in Münster, geboren in Dublin und daher mit einem sehr charmanten Aktzent in seinem hervorragenden Deutsch - alles unterlegt von seinem Interesse an den ethischen Aspekten der Biomedizin.

Ich schicke das voraus, weil ich jemandem mit einer solchen Reverenz lieber zuhöre als irgendeinem Grafvonwichtig-Sience Fiction-Fan. Ich finde es spannend, wenn ein Mediziner sich dieses Thema zur *Marotte* macht (wie er es selbst bezeichnet) - zudem ist mir Prof. Cullen einfach sympathisch, der steht auf dem Boden, ist klar und glaubwürdig. Das kann man ja nicht von jedem sagen...

Ich mag nur ein paar Aspekte herausgreifen zur Idee der Verschmelzung Menschen-Maschine. Obwohl es sich lohnt, Cullens Ausführungen ganz zu folgen (Referenz s. unten), denn er bettet den Transhumanismus geschichtlich und medizinisch ein, benennt Stufen und Methodik. Letztere liegen nach Cullen vier Kerntechnologien zugrunde: Gentechnologie, Robotik, Künstliche Intelligenz (KI-) Computertechnologie, Nanotechnologie - (interessanterweise gleichzeitig ebenso Kerntechnologien des Militärs). Wie weit man es für möglich hält, die Grenzen des Menschsein zu sprengen, hängt eng damit zusammen, wie man *Mensch* definiert, welche Auffassung man von *Mensch* hat. Und zunehmend auch, in welchen Dienst die Wissenschaft gestellt wird. Bezogen auf den Transhumanismus wird nach Cullen das Vokabular der Wissenschaft missbraucht, um ideologische oder neo-religiöse Impulse zu transportieren.

Für mich zeigt sich wieder die zunehmende grundsätzliche Zweiteilung - worauf ich zuletzt bei dem Artikel zu James French  hinwieß (bon, oder bei den Gedanken zum analogem Leben). Für die einen ist Bewußtsein nichts anderes als Datenauswertung (s. etwa auch *Maschinen wie ich* von Ian McEwan, der der Künstlichen Intelligenz Willkür und Irrationalität als Beweggründe menschlichen Handelns gegenüberstellt). Für die anderen hingegen stellen Bewußtheit oder Gedächtnis rein geistige Phänomene dar, die sich wissenschaftlichen Untersuchungen entziehen (wie etwa der Dalai Lama s. die Gedanken hier dazu). Ja, letztlich kommt man hier auf die entscheidende Basis zurück, meinen Artikel zur Polarität: Geist und Materie - wie von Magneten zieht es die unterschiedlichen Menschen entweder mehr zu dem einen oder dem anderen Pol.

Für #TeamEsprit möchte ich einen weiteren Begriff ins Feld führen, die Eschatologie, einen recht jungen Begriff für eine uralte Vorstellung, nämlich dass alle Dinge nach Vollendung streben; dass ein Sinn hinter allem Verborgen steckt; dass die Erde mit einem konkreten Ziel vor Augen erdacht wurde. Oder dass einem bestimmten Beginn ein entsprechendes Ende zugrunde liegt. Was ihr euch aus dieser Vorstellung rauszieht oder mitnehmt, das will ich eurem Geist, eurer Imaginationskraft, eurem Wünschen, eurem Streben offen lassen... Aber ich sag mal so: Maschinenmenschen, die andere Planeten auf die gleiche Weise wie die Erde ausschlachten, schließe ich für #TeamEsprit als höchste Entwicklungsstufe aus.


Allen gehört, was du denkst, dein eigen ist nur, was du fühlst. (Friedrich Schiller)

 

Quelle: Wer mag, kann sich das Inverview auf Odysee anhören oder einer Zusammenfassung davon lesen in diesem Artikel im Katheon-Magazin.

 

 

Zigfach habe ich die Zucchini-Kugeln gerollt. Jedes Jahr habe ich scheinbar ein anderes, kulinarisches Thema, an dem ich mich abarbeite. Gerade sind es Gemüse-Bällchen (s. Roule ta boule). An diesen Zucchini-Bällchen hat mich von Anfang an ihre Einfachheit fasziniert. Gestört aber hat mich, dass das Kichererbsenmehl sie recht trocken macht. Meine Version braucht nicht zwingend viel Sauce, um sie genießbar zu machen, dafür werden sie beim Braten aber nicht mehr ganz kugelrund. Pi mal Daumen kann man sagen: je fester die Grundmasse umso fester das Bällchen - aber auch umso trockener.

Hier werden euch die Bällchen noch öfters begegnen - die lassen sich gewürztechnisch ja wirklich wie ein Ball vor sich herspielen. Und mit Herbst-Kollege Kürbis wird außerdem noch experimentiert.

Für heute also eine Idee, die mit wildem Fenchel angereichert und mit Pasta serviert wurde.


Zutaten 2P:

Bällchen:
125g Zucchini, grob geraspelt
75g Kichererbsenmehl
2 EL Öl
1 TL Tahini
Kräutersalz
Pfeffer
1 EL wilder Fenchel, feinst gewiegt
Piment d'Espelette
Olivenöl

200g Pasta (m: selbstgemachte Orcchiette/ Farfalle )
350g Tomaten (m: 1 coeur de boeuf-Tomate)
1 kleine, rote Paprika
1 kleine rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
Harissa
1/4 TL Pimenton de la vera
1/2 TL Paprika-Pulver 
1/2- 1 TL Harissa
1 Pr Zucker
1 EL weißer Balsamico
2 EL Kokos-Crème 
Koksfett 

 


Zubereitung:

Für die Sauce die Tomate(n) mit kochendem Wasser übergießen und dann häuten. Zwiebel und Knofi fein würfeln. Die Paprika mit dem Sparschäler von der Haut befreien und in Würfel schneiden.

Zwiebeln und Knofi im Kokosfett glasig dünsten. Dann Paprika-Pulver und Pimenton und mitrösten. Tomaten und Paprika zufügen, außerdem die Kokoscrème und bei aufgelegtem Deckel und sanfter Hitze etwa 15min weich köcheln lassen. Pürieren, salzen, pfeffern. Und abschmecken mit etwas Zucker (je nach Qualität der Tomaten), Harissa ( je nach gewünschter Schärfe) und dem weißen Balsamico. Pürieren.

Parallel die Bällchen herstellen. Dafür die Zucchini grob raspeln. In einer Schüssel mit den Gewürzen, Öl, Tahini und dem Kichererbsenmehl mischen, nochmals abschmecken und mit feuchten Händen zu 10 Kugeln formen. In heißem Olivenöl rundherum goldbraun braten.

Währenddessen die Pasta in reichlich Salzwasser al dente kochen, abschütten, abtropfen lassen und mit der Sauce vermengen. Anrichten mit den Zucchini-Bällchen und servieren.

Wer mag, reicht noch Parmesan dazu.

Inspiration: mal wieder Susanne von Magentratzerl


blühender, wilder Fenchel

Montag, 12. September 2022

12 von 12 - September 2022


 


Spätsommer: das bedeutet maximale Fülle noch an Früchten, die Mara de Bois so lange hindurch gar echter Luxus - etwas, dem man im Winter hinterher trauert. Gibt es einen besseren Start in den Tag als mit solchem Obst (#Landvorteil, #das kann Südfrankreich)!?

Es ist absolutes Kaiserwetter. Nach dem Frühstück also erste Garten-Session. Die Mariendistel lasse ich in Ruhe, die steht eh auf unserer Wiese und nicht auf einem der Felder. Ich rechne meine Zeit im Garten ja nicht in Stunden sondern in Grünabfall-Sack-Einheiten. Mit 4 Sack war ich heute sehr gut dabei. Keine Ahnung wieviel Liter meiner hat, aber wenn er gefüllt ist, bekomme ich ihn gerade noch so auf dem Rücken getragen.

Als Freiberufler entscheiden wir, dass heute ein perfekter Moment ist, um auswärts zu essen. Boxenstopp im Baumarkt, dann weiter durch die Drôme um in einem malerischen Ort zum Mittagessen einzukehren. Leider traurige Nachrichten kurz davor erhalten: einer Freundin geht es gesundheitlich gar nicht gut.

Wieder zurück gehts weiter mit Renovierungsarbeiten und für mich erneut mit Gartenarbeit. Nach wie vor in kurzen Hosen und die rechte Hand wie verwachsen mit der Gartenschere. Immerhin sprießt wieder Unkraut - ich will gar nicht jammern. Wir hatten Anfang des Monats spektakuläre Gewitternächte mit ausgiebigem Regen. Immer noch nicht genug, und doch lebt die Natur auf und das Tal ergrünt wieder. Der Zucchini hat noch nicht fertig... wie zu sehen. Barfußlaufen, ach, wie schön ist Hornhaut an den Fersen, nur abends braucht es dann wieder eine Jacke.

Typisch Spätsommer auch die vielen Gottesanbeterinnen, die mir jetzt während der Gartenarbeit begegnen. Diese hier scheint doch über irgendetwas zu grübeln, oder?

Eine Runde Yoga mit Nicole Wild und diesem launigen Flow, der mir viel Spaß macht und sehr gut demonstriert, dass nicht jede Yogastunde aus dehnen und atmen besteht...

Die viele frische Luft macht müde. Jetzt noch schnell den Link bei Caro *Von draußen nur Kännchen* setzen, die jeden Monat die 12 initiiert und dann bin ich bereit fürs Bett!

Freitag, 9. September 2022

la beauté - Auberginen-Türmchen mit Kartoffel-Pü


Je nach Jahreszeit bieten sich die unterschiedlichsten Aktivitäten an. Die Drôme ist malerisch - jedes Tal hat seinen eigenen Reiz, Möglichkeiten über Möglichkeiten. Nie zuvor wurde die Drôme von mehr Touristen frequentiert als 2022 - ob ich das gut finden soll, weiß ich noch nicht. Im Frühling gibt es besonders viel für Botaniker und Ornithologen zu entdecken, im Sommer wird viel gebadet und allerorts gefeiert (jetzt nach 2 Jahren Pause endlich wieder - wir Mädels vom Land tanzen doch so gerne) und der Herbst lockt mit seinen üppigen Markttischen und ist für mich die schönste Zeit zum Wandern.

Etwas, das man aber immer machen könnte - definitiv eine der TOP-Qualitäten, die diese Landschaft hier zu bieten hat - , wird viel zu wenig umgesetzt. Also zumindest wenn es nach mir geht. Irgendwie kriegen das die allerwenigsten hin (coucou Monique und Ruben). Nämlich sich einfach in eine Wiese zu legen, alle Viere wie Tentakeln von sich zu strecken und Fühlung aufnehmen. Auf einem Grashalm kauen, in den Himmel schauen, im Grünen vor sich hinbummeln. Ich habe dafür meine speziellen Plätze, viele davon haben eine weite Sicht - das liebe ich - und gerade wenn ich merke, dass ich innerlich nicht rund laufe, tut mir das besonders gut. Anschließend bin ich immer geerdeter, klarer, einfacher. Es ist die wirkungsvollste, schnellste und simpelste Therapie, die es gibt: man ist wieder Erdenkind im Jetzt und hier, eingebunden in große, uneinsehbare Zusammenhänge als kleines Geschöpf unter so vielen...

Aber wenn unsere Feriengäste zu uns kommen, dann sind sie zumeist extra nach Südfrankreich gefahren, dann wollen sie ja auch was sehen von der Gegend, dann haben sie einen ganze Liste mit Dingen, die auf jeden Fall mitgenommen werden wollen. Und bevor sie sich versehen, ist die Woche vergangen, aber der Moment fürs Nixtun in der Wiese - ganz so, als wäre man ein Ziegenhirte, der es sich erlauben kann, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen - der Moment hat sich nicht gefunden als Programmpunkt.

Vielleicht braucht es dafür bereits schon eine gewisse Grundruhe, eine Art Basisgechilltheit, um dann noch ein Stückchen weiter runterzufahren. Dabei ist genau diese Stimmung der Ausgangspunkt um sich selbst näher zu rücken und von dort aus Brücken schlagen zu können von einem Herz zum anderen - s. James French.

 


Ideal passt dazu das freundliche Sommerlied *Vois la beauté en moi* (s. unten), das mir zugeschickt wurde (coucou Monique), welches auffordert, die Schönheit in dem anderen zu finden, die manchmal versteckt ist. Vom guten Trupp (nein, ebent kein Ritterschlag für alle, man kann wahrlich nicht alle in einen Topf werfen) blitzt dann die eigentlich wahre Natur hervor: das Beste und Besondere im Inneren. Sehr gut gefällt mir in dem kleinen Musikfilm, dass ausgerechnet die, die sich selbst gar nicht hübsch findet, die hübscheste Austrahlung hat. Und ganz nebenbei kommt hervorragend zur Geltung, dass die Autos der französischen Campagne mit besonders viel Charme vermüllt sind - ich hatte es davon, ihr erinnert euch vielleicht.

Also, heute eine Aufforderung, das Schöne nicht an sich vorbeiziehen zu  lassen, sondern sich genau dafür Zeit zu nehmen, ruhig, langsam, achtsam... für das Schöne in sich und um sich herum... Lächeln garantiert!

 

 

Gefühlt gab es jeden Tag diesen Sommer entweder Zucchini, Aubergine, Tomate oder die drei irgendwie kombiniert miteinander. Und wenn ich auch wirklich bereit für den Herbst bin, das Sommergemüse habe ich noch nicht satt.

 

 Zutaten 2P:

2 mittlere Augerginen
2 Knoblauchzehen
1/2 TL Paprika-Pulver (edelsüß ;)
Salz, Pfeffer
Thymian
ca. 5 EL Olivenöl
2 Eier-Tomaten, in dünne Scheiben geschnitten
etwas Ofentomaten (oder gewürzte Tomaten-Passata)
1 Mozzarella, in dünne Scheiben geschnitten
etwas Comté


Zutereitung:

Auberginen in Scheiben von 1/2cm Dicke schneiden.

Eine Marinade aus dem Knofi (durch die Presse gedrückt), Paprika-Pu, Thymian mischen - salzen und pfeffern.

Backofen auf 180°C vorheizen.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen, mit Olivenöl bepinseln, die Auberginen-Scheiben nebeneinander darauf auslegen und dann mit der Marinade einpinseln. Für 20 min in den heißen Ofen schieben.

Nun die Stapel richten: Auf die unterste Auberginen-Scheibe etwas Ofentomaten, Mozzarella, wieder eine Aubergine, Ofentomaten, Mozzarella und die dritte Schicht dann beenden mit etwas Comté. Mit etwas Olivenöl besprenkeln. Für weitere 15-20 min im Ofen backen.

Anmerkung m: bei uns gabs dazu Kartoffel-Pü, klassisch mit Butter und Sahne - ich kann aber auch die Variante mit Olivenöl sehr empfehlen oder die mit Pinienkernen, Basilikum und getrockneten Tomaten - den Oldie-Blog-Buster. Einen bunten Tomatensalat gabs außerdem.


 

Dienstag, 6. September 2022

analoges Leben - Annikas Fenchelsalat


Nach einem Vortrag zum Thema *Wie wollen wir leben in Europa*, den ich mir online anschaute, schloß sich eine Podiumsdiskussion an zu der Frage, wie realistisch es ist, das Recht auf analoges Leben einzufordern.

Pfffhhhtsssss... oder? Alleine die Fragestellung *Recht auf analoges Leben* - wie skurril ist das?!? Schließlich gehöre ich selbst zu den Dinos, die genau so aufgewachsen sind. Da gabs den Begriff *analoges Leben* noch nicht einmal - es war das einzige Leben, das wir hatten. Und schwups, auf einmal stecke ich mittendrin in einer Welt, in der dir ohne Smartphone keine Existenz zugebilligt wird. Keine Handynummer - kein Bankkonto. Keine Homepage - keine berufliche Selbstständigkeit. Ob ich will oder nicht, werde ich hineingezwungen in die künstliche Welt.

Und zur Hölle: wirklich nix beschissener, als wenn die Technik - Apparte irgendwie spinnen. Das kostet mich Nerven - ich kann euch das Ausmaß gar nicht beschreiben. Schon bequem - aber halt nur so lange, wie das Dingenskirchen funktioniert. Ich als Technik-Honk makiere das Ende der digitalen Nahrungskette. Komplett ausgeliefert. Und freiraus zugegeben: lieber jäte ich stundenlang Unkraut, ruiniere mir dabei Rücken und Fingernägel, als mich eine Viertelstunde in Technikkram einzudenken. Das macht mir in Sekundenbruchteilen schlechte Laune. Anscheinend ist mein Raumschiff für andere Aufgaben ausgerüstet...

Ey, und wißt ihr was: mir hat vor dem digitalen Zeitalter nix gefehlt. Ich bin - für die seltenen, notwendigen Fälle - sehr gut zurecht gekommen mit Telefonzellen. Oder damit das Telefon vom Flur an einem heillos verzwirbelten Telefonkabel in mein WG-Zimmer zu ziehen. Ja, und der Habib gar, der hat wieder und wieder die endlose, algerische Wüste durchpflügt ganz ohne GPS... mit Hilfe von Sonne, Mond und Sterne. Und mit gesundem Menschenverstand.

Ja, ganz ehrlich gesagt bin ich bereits in dem Alter, in dem mir nur zu bewußt ist, dass jeder sog. Fortschritt immer gleichzeitig einhergeht mit dem Verlust von Fähigkeiten. Tolle Apps wurden mir dieses Jahr vorgeführt. Wanderrouten, die man aufzeichnen kann, Vogelstimmen, die man aufnimmt und auf diese Weise bestimmt, Pflanzen, die man fotographiert und benennt bekommt, Bergnamen, Schmetterlinge uswusf. Tolltolltoll. Aber ist das nicht etwas völlig anderes, wenn man diese Namen - *par coeur* wie der Fränzi so schön sagt - auswendig weiß. Das Kopfwissen und das Herzwissen. "Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“ (Goethe)

Ist ein bißchen so wie bei unserer China-Rundreise: hunderttausend Fotos blieben uns und keinerlei nachhaltigen Erinnerungen. Geistig der gleiche Mehrwert wie ein Hotdog.

Klar, verteufeln darf man die neue Technik nicht - damit würde man sich dem Zeitgeist verweigern. Man muss ja notabene brav realistisch bleiben, um nicht komplett aussortiert zu werden. Aber es fühlt sich an, als würde man zum zweiten Mal aus dem Paradies vertrieben.

 


Ich für meinen Teil weiß genau, auf welcher Seite dieser nun zweigeteilten Welt ich zuhause bin. Lieber gehe ich rückwärts als nach vorne zu stürmen. *Verzicht* heißt eines der Zauberwörter, Verzicht auf die ein oder andere Errungenschaft der neuen Techniken. Man kann nun mal nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

Ja, bestimmt sogar muß man sich die *analogen* Momente zunehmend immer bewußter suchen. Nicht ganz so schwierig für all jene, die mitten in der Natur leben.

Wenn ich Heilkräuter sammle und durch die Wiesen streunere etwa - eine Außzeit, die ich dieses Jahr besonders schätze, da die Trockenheit unserer vielfältigen Flora extrem zusetzte. Oder man verbringt Urlaubstage bei uns und kocht Marmelade ein (coucou Mariel und David) oder übt Akkordeon (coucou Anja). Oder aber man verbringt den Sommer auf der Alm (coucou Annika). Von letzterer Annika bekam ich das definitiv schönste Rezept ever (s. Foto) zum Abschied, nachdem ich den Salat bereits habe verkosten dürfen. Mit der Kombi aus Herzhaftem und Obst landet Annikas Fenchelsalat einen echten Volltreffer bei mir: ein anständiges Aromen-Spektakel, das selbst Fenchel-Skeptiker vom Gegenteil überzeugen sollte! Probiert selbst! Winzigkeiten habe ich verändert nach Vorrat und Laune, aber so geht nun mal individuelles Kochen - ihr könnt es mit dem Original abgleichen...

 


Zutaten:

2 kleine Fenchelknollen
1 rote Zwiebel 
Orangenzesten
1 Stück Honigmelone
grüne Oliven (m: mit Knoblauch)
Weintrauben
Thymian
Olivenöl
Apfelessig 
Gemüsebrühe
geröstete Brot-Croûtons
Feta
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

 

Zubereitung:

Den Fenchel rüsten, halbieren und in feine Streifen schneiden. Ebenso mit der halbierten Zwiebel verfahren und beides zusammen in reichlich Olivenöl auf kleiner Flamme garen - etwa 10 - 15min. Dabei mit Thymian, etwas Gemüsebrühe, Apfelessig und Piment abschmecken. Salzen und pfeffern. Kurz vor Ende die Orangenzesten zufügen.

Trauben je nach Größe halbieren. Melone in Stückchen schneiden. Früchte sowie Oliven unter das gedünstete Gemüse mischen. 

Kurz vor dem Servieren die krachig-gebratenen Brot-Croûtons sowie den in Würfel geschnittenen Feta unterheben. Mit Freude und Genuß verkosten!

 

Sonntag, 28. August 2022

Sommerlektüre - Spätsommer-Kuchen mit Feige, Zwetschgen, Brombeeren und Trauben

 

Die Auswahl dreier Bücher, die mich durch den Hochsommer begleiteten, kann ich nicht als Treffer bezeichnen. Obwohl ich im Nachhinein festellen muss, dass selbst verdrießliche Lektüre manchmal einen Mehrwert haben kann. 

Die Idee, dass der leibhaftige Teufel die Stadt Moskau aufmischt, fand ich reizvoll. *Der Meister und Margarita* von Michael Bulgakow hatte ich bereits zum zweiten Mal in Angriff genommen. Schon allein aus dem Grund, weil ich mir das Buch ausnahmsweise neu in der Buchhandlung gekauft hatte. Normalerweise tausche ich Bücher unterwegs gerne oder aber ich lege sie mir gebraucht zu. Welcher Wert behält ein bereits gelesenes Buch? Eben - ich hatte es davon.... Zur Motivationshilfe, als es bereits wieder nach wenigen Seiten klemmte, zog ich gar eine Rezension bei Amazon dazu, die meinte, es gelte die ersten hundert schwierigen Seiten zu schaffen, und dann... Dann ich steckte es schließlich auf Seite 193. Allein dieser unzumutbare Sprachstil - schlimm (liegts an der Übersetzung?). Aber nach dem Auftritt des diabolischen Magiers im Varieté-Theater erreichte mein Interesse seinen Tiefpunkt. Man kann den Teufel unmöglich konventioneller, blutleerer, platter, ideenloser, klischeehafter, einfältiger, geistloser darstellen. Ein paar Taschenspielertricks, die zum Wunder stilisiert werden und sich die menschliche Habgier zu nutzen machen... hmmm, langweilig. Überhaupt, schon die Szene bei Pilatus (in den ersten hundert Seiten) erregte mein Missfallen: mein Jesus hätte sich ganz anders gebärdet. Bref: das Buch wurde nicht für mich geschrieben. Jetzt stellt sich die Frage: stelle ich es noch in eines der Ferienappartements oder werfe ich es weg.

Deutlich leichter fand ich in das Buch *Verlockung* von János Székely hinein, dass ich mir gewünscht hatte (coucou Maria und Arthur). Das las sich um Welten flüssiger. Aber nach 600 Seiten Armutsschilderung eines ungarischen Bauernjungen vor dem 2. Weltkrieg, las ich die restlichen 380 Seiten mehr quer. Irgendwann erschlug mich das endlose Elende. Der Satz von Victor Hugo kam mir in den Sinn, den mir das schöne Buch *Am Äquator* schenkte: *Natürlich wird es immer Unglückselige geben, aber es ist doch möglich, dass es keine Elenden mehr gibt*. Das ganze Kaleidoskop der Not legt Székely dar, der Kampf ums Existenzielle, aus dem trotz aller Anstrengung kein Entrinnen ist: unten bleibt unten und oben oben. Offensichtlich wird, dass man sich im unerbittlich kapitalistischen System Würde, Moral und Mitmenschlichkeit erst leisten können muss. Immer deutlicher wird mir, dass nur innerhalb eines recht kleinen Fensters des materiellen Wohlstand ein anständiges Leben möglich ist. Wie in dem orthodoxen Gebet (hier gehört und sehr gerne wieder darauf zurückverwiesen): Herr, schütze mich vor großer Armut, denn sie führt mich von dir weg. Und Herr, schütze mich vor Reichtum, den er führt mich von dir weg.* Beides lenkt von geistigem Streben ab. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Und eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.

Das letzte Buch dieser meiner Triologie machte dann *Sophia* von Rafik Schami. Es beleuchtet die christliche Minderheit in Syrien aus der Sicht eines nach Europa geflohenen Syrers, der auf einen Besuch nach Damaskus zurückkehrt. Es geht um Sex, syrische Geschichte und Essen. In etwa dieser Reihenfolge. Meine Empathie konnte die Hauptperson nicht gewinnen. Aber die seichte Geschichte machte mir hervorragend den Hochmut der Christen gegenüber anderen Relegionen deutlich: sie verwechseln Freizügigkeit mit Freiheit. Und wie auf der ganzen Welt zu beobachten ist: mit dem Alkohol geht die Sittenlosigkeit einher. Gleichzeitig legt man sich den Verlust der Moral in schönen (und damit auf einen Schlag banalen) Worten zurecht - ich bin ja Team *Kalendersprüche*, aber nicht um mittels Poesie die eigene Verdorbenheit zu rechtfertigen. (von wem habe ich nur dieses Buch? Ich hoffe, niemandem jetzt auf den Zehen zu stehen...)



Viel Obst schenkt die Trockenheit nicht. Aber Feigen haben wir in Südfrankreich eigentlich immer. Zuckersüß wie die Trauben dieses Jahr. Und Brombeeren sind sowieso unverwüstlich. Der Zwetschgenbaum schenkt ein paar Zwetschgen dazu - voilà, schon bastelt sich ein Sommerkuchen wie von alleine direkt aus dem Garten.

 

Zutaten - eine Kuchenform 26cm:

125g Butter, weich
90g Zucker (m: Rohrzucker)
150g Mehl (m: D630)
50g gemahlene Mandeln
1/2 Päckchen Back-Pulver (ca. 8g)
100g Schmand (oder Crème fraîche)
2 Eier
1kg - 1,25kg Frucht
(eventuell: 2-3 EL Milch)
1 Pr Salz
1-2 TL Sugar Spice
(optional 1-2 EL Rum)

 


 

Zubereitung:

Ofen auf 180° (O/U-Hitze) vorheizen.

Butter mit dem Zucker schaumig schlagen. Gewürze unterrühren. Nacheinander die Eier unterschlagen. Dann abwechselnd das mit dem Backpulver gemischen Mehl und den Schmand unter die Masse rühren - gegebenenfalls ebenso Milch und Rum.

Je nach dem wie saftig die Früchte sind, ist besser keine Milch mehr zuzufügen - dann hat der Boden die Möglichkeit den Fruchtsaft aufzusaugen während dem Backen. Meine Früchte waren eher fester (die Trockenheit) und der Teig brauchte noch etwas mehr Flüssigkeit.

Die Backform buttern und mit Mehl bestäuben (m: ich habe den Boden mit Backpapier ausgelegt) und den Teig glatt streichen.

Die Pflaumen entsteinen, in Schnitze schneiden, die Feigen je nach Größe halbieren und dicht an dicht auf den Teig setzen. Trauben und Brombeeren darüber verteilen, etwas in den Teig drücken und für ca. 60 min in den heißen Backofen schieben (Stäbchenprobe). Auskühlen lassen. Zum Servieren mit etwas Puderzucker bestäuben.

 

Sonntag, 21. August 2022

DUBB: Maries *gâteau de pauvre*


Marie hört man auf dem Markt schon von Weitem lachen. Sie lacht viel und oft, ist eigentlich immer fröhlich und heiter. Und das, obwohl sie viel arbeitet und sehr fleißig sein muss. Manchmal sieht man ihr an, dass sie müde ist. Viele bleiben an ihrem Markttisch stehen, auch ohne etwas zu kaufen. Man will nur ein paar Worte mit ihr wechseln und dabei - ganz unbewußt - ein wenig die Seele an ihr wärmen wie klamm gewordene Finger an einem Holzofen. Bei Marie kann man *good energy to go* mitnehmen: ein gemeinsames Lachen ist immer drin.

Wenn man wie Marie auf Madagaskar geboren ist, dann haben fast alle den gleichen Traum: man will eine Existenz, ein Auskommen. Denn damit erst gelangt man zu Freiheit und Wahl. Armut nimmt die Würde. Und Marie hat ihre Chance ergriffen, als sich ein Franzose in sie verliebte und sie mitnahm auf seinen Bauernhof in die weitentfernte Drôme. Der Anfang war nicht leicht und wenig romantisch. Ganz wie ihre Kindheit - nur auf andere Art und Weise: das Getuschel hinter ihrem Rücken, sie hörte es wohl, die Blicke, die Ausgrenzungen, Herabsetzungen - die Bösartigkeit der anderen verletzte sie tief. Ihre Schwiegermutter aber hielt zu ihnen und stüzte ihren Sohn: *Lass sie reden! Was zählt ist, dass ihr beide euch versteht.* Und das taten sie, treu einander verbunden, durch die Widrigkeiten im Außen umso mehr. Ihre zwei Buben - gerade im besten Frischlingsalter - legen bestes Zeugnis ab, beide absolut wohl geraten. Was rührte mich die kleine Anekdote über ihren Schwiegervater, der sich viele Jahre später an Marie wenden sollte: *Marie*, meinte er, *ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich hatte zu Beginn Vorurteile und weiß jetzt, ich habe dir Unrecht getan. Du hast ein gutes Herz.* Mir trieb diese Geschichte Tränen der Rührung in die Augen. Selten, oder, dass Menschen Fehler einsehen, diese bekennen und um Vergebung bitten. Marie war nicht nachtragend ihm gegenüber. Aber über den Charakter mancher Menschen läßt sie sich trotzdem nicht mehr blenden - dafür hat sie zuviel erlebt.

Nein, Marie hat zwar wie als Gabe ein ungewöhnlich sonniges Gemüt. Aber sie ist nicht eine Frohnatur, weil alles easy bei ihr läuft, sondern weil sie das Gegenteil nur zu gut kennt. Ich finde sie wunderhübsch!

Gute Gelegenheit auf den Blogartikel zu *Fremdelei* zurückzuverlinken!

 


 

Dieses Rezept stammt also aus Madagaskar *le gâteau de pauvre* (der Kuchen der Armen) und wurde mir von Marie weitergeben. Alles fing damit an, dass sie uns diese Kekse zum ersten Mal schenkte und der Habib ganz verrückt danach war. Es ist ihre Schlichtheit, die sie so gefällig machen. Man kann sich an ihnen einfach nicht satt essen. Zudem sind sie nicht zu süß, angenehm mürb und werden mit der Zeit nur besser. Sie sind einfach die perfekte Alltagsbegleitung zu Kaffee oder Tee.

Insgesamt 5 Mal habe ich sie schon zubereitet. Das Formen hat mir Probleme bereitet, weil ich zu kompiziert dachte. Weniger ist mehr, dann klappts auch mit den madegassischen Keksen.

Marie meinte, man könne das Rezept leicht variieren: einen Teil des Mehls mit Kokosflocken ersetzen, ebenso spielen mit dem Verhältnis von Orangensaft und Kokosfett, Orangenschalen-Abrieb untermischen... Mein Habib aber findet, man solle an perfekten Keksen nicht rumdoktern. Und so verschwinden die *Kekse der Armen* immer nach dem gleichen Rezept aus der Keksdose wie von alleine. Ein DUBB-Rezept also.

Ich bekam die Zutaten von Marie als Tassen-Rezept, für euch (und für mich) habe ich sie in Zahlen übersetzt.

 

Zutaten - ein Blech/ ca. 30 Stück:

150ml Orangensaft (frisch gepresst)
150ml Kokosfett, flüssig
75g Rohrzucker
300g Mehl (m: T65/ D630)
1TL Backpulver
 

Zubereitung:

Orangensaft und Kokosfett in eine große Schüssel geben. Ebenso den Zucker. Mehl mit Backpulver mischen und mit einem Holzlöffel so lange vermengen, bis der Teig homogen wird (dauert nicht lange).

Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Herd auf 180° (Umluft) vorheizen.

Dann mit einem Eßlöffel je eine Portion abnehmen und zwischen den Händen länglich rollen (eher von einer Hand in die andere - das bekommt ihr schon raus), bis die Oberfläche dadurch glatter wird und dann die Kekse mit ein wenig Abstand auf das Backblech setzen.

Im heißen Ofen ca. 25-30min goldbraun backen. Auskühlen lassen, danach in einer Keksdose aufbewahren.


derart geflochtene Schachteln ist Kunsthandwerk aus Madagaskar

Mittwoch, 17. August 2022

zu Tisch mit #13... : JF


 

Von all meinen Menschen, die ich innerhalb der Serie *zu Tisch mit #... * hier seither vorgestellt habe, halte ich euch heute mit Abstand meinen absoluten Liebling hoch: James French! Was ein Mensch! Was glitzernde Augen! Welch Innerlichkeit!

James French nennt seinen Beruf (besser Berufung) *Tierkommunikator*. Aber eigentlich ist er viel, viel mehr als das! Er offenbart in großer Einfachheit tiefe Wahrheit: nichts ist so existentiell wie unsere eigene Empfindung, unser Fühlen - wie oft hatte ich es zu diesem Thema bereits hier auf dem Blog. Sehr gerne ziehe ich die poetische Aussage meines Habib wieder dazu: *Der Kopf kennt nur die Emotionen, den Schaum auf den Wellen, das Gefühl aber ist die Tiefe des Ozeans.*

Seit über 20 Jahren arbeitet James nun mit Tieren. Alles begann in seiner Kindheit, als ein brutaler Stiefvater in sein Leben trat und er Zuflucht suchte bei den vielen, ihn umgebenden Tieren, den Hunden, Pferden, Schafen. *Der tragische Anfang meines Lebens war ein Glück, weil ich so meine Erkenntnisse über die Beziehungen zu Tieren gewann*, stellt er rückblickend fest, *die Tiere kümmerten sich immer um mich*. Und jetzt kümmert sich James um die Tiere.

Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Erkenntnis, dass Tiere wie Menschen fühlende und denkende Wesen sind. *Zwei friedliche Geister können einander zuhören und es fällt beiden leicht, die Gefühle des anderen intuitiv wahrzunehmen - ein ruhiger Geist erfaßt Gefühle jenseits der Worte*.

Auf seiner Homepage formuliert James seine Arbeitsmethode so: *Die Trust Technique vermittelt ein friedliches Gefühl der Veränderung. Es ist eine Methode, die durch minimierte Denkaktivität eine vertrauensvolle Beziehung schafft, die beim Überwinden von Verhaltensproblemen hilft und den Kooperationsgeist lehrt.*  Aber mehr als alle Theorie hilft die direkte Anschauung. So wie James sagt: *Wir Menschen müssen manchmal etwas sehen, um es zu fühlen*. Oder um es zu glauben. Daher kann ich nur mehr als empfehlen, sich selbst einen eigenen Eindruck zu machen, und sich die viertel Stunde für das erste Video zum Anschauen zu nehmen. Um dann die läppischen 7 Euro zu investieren, damit man sich in den fortführenden Videos (auch mit deutschem Untertitel verfügbar) tiefer einführen lassen kann.

Allein daran trennt sich übrigens schnell Spreu von Weizen: wer Größerem, Wahrhaftigem und der Wahrheit dient, wird daraus nie Profit schlagen. Die Einnahmen kommen wiederum der Arbeit mit Tieren auf Gnadenhöfen und Tierheimen zugute.

*In Wahrheit ist Vertrauen alles* sagt James. Wiederholt den Satz mehrfach. In Wahrheit ist Vertrauen alles. Versteht ihr, was er damit meint? Wirklich meint? Das ist seine Basis!

James wird demonstrieren können, wie man Vertrauen herstellt. Es ist phänomenal ihm zuzusehen, wie er mit Tieren meditiert, wie die Tiere darauf reagieren und wie groß die Bereitschaft zur Kooperation ist, wenn das Wesentliche stimmt. Guckt es euch an! Dabei zeigt sich, dass alles miteinander verwoben ist: Friede, Stille, Mitgefühl, Klarheit, Achtsamkeit, Geduld, Ehrlichkeit, Freiheit, Vertrauen, Respekt, Güte, Aufmerksamkeit, Präsenz, Selbstachtung, Heilung... - man kann das eine nicht ohne das andere haben. 

Ruhe ist das Jetzt.

Geduld ist das Vermögen, ein Wesen sich selbst sein zu lassen.

Ein Mensch, der bewußt nichts denkt - das ist pures Sein.

Jedes fühlende Wesen sehnt sich nach Verbindung  (James French).

In unserer Gesellschaft ist die Angst-Motivation derart verwurzelt, dass wir fast alle überzeugt sind, dass einer nun mal der Boss sein muss, beobachtet James. Das bedeutet, einer zwingt den anderen und übt so lange Druck auf ihn aus, bis jener nachgibt - dann erst wird der Druck weggenommen. In Frieden braucht es niemanden, der bestimmt und anführt, sondern man vertraut sich einander freiwillig an: feeling peacefull/ having peace of mind is the closest thing to unconditional love, that you can have

Das Problem sind nicht verhaltensauffällige Tiere, das Problem sind die Menschen. Daher zielt James Arbeit darauf, Menschen Anleitungen zu geben, wie man mindfullness (das schönere, englische Wort) herstellen kann - der Beginn um beziehungsfähig zu werden. James French: *Unsere Wahrnehmung hängt davon ab, wie wir uns fühlen. Ändern wir das Gefühl, dann ändern wir auch die Wahrnehmung. Erst wenn der Mensch in sich ruht, kann er agieren - statt reagieren. Erst wenn der Mensch im Frieden verankert ist, kann er schöpferisch werden.

*Je mehr man sich mit ruhigem Geist und der Arbeit mit Tieren auseinandersetzt, desto mehr realisiert man, wie weit weg der Mensch von sich selbst ist und wie wenig er zuzuhören vermag. Wir haben uns von der Tierwelt abgetrennt, weil wir die Fähigkeit zu fühlen verloren und angefangen haben, alles zu intellektualisieren. Wir gingen vom Herz in den Kopf (James zeigte dabei mit den Fingern auf beides), es ist nicht weit, aber die Reise zurück ist lange.*

Für manche aber ist diese Reise ein way of no return. Das ist meine Meinung. Ganz so wie es abgebildet ist auf dem Prophecy Mountain der Hopi-Indianer. Manche Menschen haben sich von der Natur, ihren Empfindungen und den anderen Geschöpfen bereits so weit entfernt, dass sie einen Weg eingeschlagen haben, der nicht mehr umkehrbar ist, sie wegführt von der Einheit und damit die Entscheidung endgültig gefallen ist. Wieder und wieder gilt: Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdets nicht erjagen!!!




Trust Technique - Homepage von James French und seiner Partnerin Shelley Slingo

Mit Tieren sprechen - SWISS TV - über diese Sendung habe ich James entdeckt

Blindes Verstehen - Homepage von Erdmuthe Podloch und ihre blinde Stute Samara, die nach der Trust Technique arbeitet

Cavallo - Pferde-Zeitschrift über die Trust Technique

Freitag, 12. August 2022

12 von 12 - August 2022









Starten wir heute mit unserem zweiten Frühstück: einem café bei Gusto, bei dem jeden zweiten Tag das alte Manu Chao-Album im Hintergrund läuft, samt Spitzen-Croissant von Jérémie! Davor haben wir den Tag längst rituell begonnen: mit Porridge und Brennnesseltee. Das Richten eines der Appartements für den Wechsel am kommenden Tag, habe ich schon bei anderen 12ern gezeigt, nix Neues also. So geht vermieten während der momentanen Hauptsaison... die Tätigkeit bleibt sich gleich, die Gäste ändern sich...

Mittagessen wird bestimmt verbloggt, aber ich kann bereits verraten, dass die Idee für die Kartoffel-Blinis von Susanne ausging - selbst wenn ich mich dann doch nicht ans Rezept gehalten habe.

Es ist weiterhin heißheißheiß und erstaunt dabei regelrecht, dass überhaupt noch Schmetterlinge fliegen. Ob der Wetterbericht endlich mal Recht behält und ein Wetterwechsel am Sonntag tatsächlich eintritt? Die Mittagshitze läßt sich nur im Schatten aushalten - für mich ist das meine Zeit, meine Nase in ein Buch zu stecken. Die Geschichte von Tolstoi lese ich gerade direkt ein zweites Mal hintereinander.

Nach der Lektüre 3er völlig unerquicklicher Bücher (vielleicht komme ich darauf zurück) endlich-endlich  wieder ein echter Volltreffer und sowas von völlig zurecht unvergängliche Weltliteratur! In *Der Tod des Iwan Iljitsch* von Leo Tolstoi wird nichts Geringers behandelt als die Wahrhaftigkeit als solches und wie die Lüge ganz unbemerkt vom guten Weg wegführt. Ganz groß! Grandios beschreibt Tolstoi, wie man äußerlich betrachtet alles richtig macht aber dabei geistigen Selbstmord betreibt. Oder wie man aus einem Hang zur Bequemlichkeit immer oberflächlicher wird. Er beschreibt, wie man sich als Bürger/ Beamter an der Obrigkeit orientiert, sich der (höheren) Gesellschaft anpasst sowie an deren allgemeine Richtlinien, Vorgaben, Schicklichkeiten, ein bestimmtes Amt bekleidet, dabei die entsprechende Rolle ausfüllt mit dem dazugehörigen Gebaren, dienstfertig, unauffällig, rechtschaffen ist, selbstgerecht, ja, selbstherrlich darüber wird, und schleichend, leise, unbewußt: sich selbst verrät. Parallel schildert Tolstoi ebenfalls das private Gefälle, wie eine Beziehung, die vor allem auf Abhängigkeit, Anspruchsdenken und Selbstbezogenheit beruht - im Gegensatz zu Freiheit, Einfühlungsvermögen und Vertrauen - in Machtrangelei umschlägt und im gegenseitigen Hass endet. Ich bin schwer beeindruckt! *Der Tod des Iwan Iljitsch* kommt auf jeden Fall in die nächste Edition von *12 Monate12 Bücher*  - und 1AGelegenheit für mich, wieder auf diese Gedanken zurückzuverlinken.

Nachmittags koche ich noch Kompott ein (nicht im Bild), plaudere angeregt mit ausgesprochen freundlichen Feriengästen. Anschließend drehen der Habib eine gemeinsame Runde durch die Gemeinde für den Kunst-Spaziergang im Nachbarort *Parcours d'arts - Lozeron*. Nachdem ich gestern schon dort war und einen heiteren Moment mit Sam und Nina verbrachte, aber dummerweise ohne die Speicherkarte vom Foto, ging ich erneut vorbei, um ein paar Eindrücke festzuhalten. Sam Schlosser nennt eines der schönsten Ateliers dieses Planeten sein eigen, welches er von seinem Vater übernommen hat, dem bekannten französischen Maler Gérard Schlosser. Am besten von den vielfältigen Arbeiten von Sam Schlosser, die er uns vor Ort zeigte, gefallen mit seine Lampen und Möbel aus Stahl, die oft an die Zeit des Jugendstils erinnern sowie seine ganz alten Ton-Köpfe. Die junge Künsterlin Nina Maller studierte in Brüssel Malerei und präsentiert ebenfalls im Atelier von Sam ihre zarten, blauen Litographien, die sie in Serien zusammenstellt und wirken, als wären sie intuitiv entstanden. Kurz ging ich außerdem bei der Keramik-Künstlerin  Agnès Robert vorbei. Die Nachbarn inspirieren! Ich sollte auch mal wieder!

Der Abend ging mit  einer  Partie Yoga und einer unerwarteten Wendung, die sich hoffentlich ins Gute dreht, zu Ende. Bleibt nur noch auf den Mondaufgang zu warten - was würde *unser Spezialist* für anspruchsvolle Fotographie (coucou Wolfram) da wieder schöne Fotos zaubern. Mein Apparat macht nur milchige Eindrücke...

Was andere heute am 12 getrieben haben, werde ich wohl erst morgen bei Caro von *Draußen nur Kännchen* schauen gehen, jetzt bin ich zu müde und habe genug erlebt!

 

Goodies zum Boostern - ein paar I-net-Fundstück:

**** der Wünsche-Booster Sternschnuppe: Meteorstrom der Perseiden - ein Großteil wird jedoch vom Licht des heutigen Vollmonds geschluckt

**** der Booster für Pazifisten - aus der hörenswerten Reihe *Friedensnoten* von Radio München: der wirkliche Feind - Hannes Wader präsentiert von Robert Rottenfußer 

****ein Booster für Prepper: Marc Friedrich spricht mit Blackout- und Krisenvorsorgeexperte Herbert Saurugg/ s. dazu auch: Wassermangel in Norwegen - nächstes Problem für Europas Stromnetz

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