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Samstag, 30. Mai 2020

From nose to tail: Hirse-Puffer mit jungen Mairübchen


Das erste frische Gemüse des Jahres liegt in knackigen Bündeln auf den Markttischen: Radieschen machen den Anfang, gefolgt von Spargeln, Navets (Kohl- oder Mairübchen), Rote Bete, Kohlrabi und Karotten. Und wie man das als leidenschaftlicher Vegie so macht, versucht man das Grün nicht verkommen zu lassen. Im Zweifelsfall wird es in einen der wöchentlichen Eintöpfe mit reingeschnippelt. Das Karottengrün kann man zu Pesto verwandeln - wie eigentlich alles ungiftige, frische BioGrün mit Geschmack. Und für die Navets habe ich heute einen Vorschlag, womit ihr einen solchen Bund mit Haut und Haaren verspeisen könnt.

Die jungen Mairübchen sind so zart, dass die Versuchung groß ist, sie einfach so zu verdrücken. Sie erinnern an Kohlrabi, nur dass sie etwas schärfer sind, insbesondere dann, wenn man sie nicht schält. Was absolut nicht notwendig ist - sitzen doch die meisten Vitamine immer dicht hinter der Schale. Und die hobelt man ja schließlich nicht einfach runter, wenn man nicht zwingend muss.

Ansonsten heißt es mal wieder *Keep it simple* - ein weiteres Motto dieses Blogs - nicht nur, was die Alltagsküche betrifft. Dieses Essen war gar nicht geplant fürs Verbloggen. Dann hatte es mir aber - in seiner Einfachheit - so gut geschmeckt, dass ich es direkt zwei Mal hintereinander zubereitet habe. Und beim zweiten Mal habe ich es dann auch fotographiert, damit ich das Rezept hier festhalten kann. Ein wunderbares Gericht gerade für alljene, die täglich kochen...

... und apropo Puffer: da gäbs hier noch ein paar hauseigene Ideen... 


Zutaten 2P:

1 Schalotte
100 g Hirse
250 ml Gemüsebrühe
2-3 EL Mehl (m: Einkorn-Vollkorn)
Mairübchen-Grün*
2 junge Knoblauchzehen 
1 Ei
1/2 -1 TL Ras el Hanout*
1/2 Salzzitrone
(optional ca. 100g gewürfelter Käse)*

4 Mairübchen
2 Karotten
1 Stich Butter
Salz, Pfeffer
eine Prise Rohrzucker 

Zubereitung:

Das Grün von den Mairübchen abreißen (oder wegschneiden). Mairübchen schrubben, Grün waschen und trocken schleudern.

Das Grün fein schneiden und in etwas Öl kurz andünsten, bis es etwas zusammengefallen ist. Den Knoblauch fein hacken. Die Salzzitrone vom Fleisch befreien, das entsorgen und die Schale in feinste, kleine Streifen schneiden.

Die ebenfalls fein gewürfelte Schalotte in etwas Olivenöl anschwitzen, die Hirse zufügen und mit der Brühe übergießen, aufkochen und ca. 20 Min. bei schwacher bis mittlerer Hitze zugedeckt köcheln lassen, bis die Hirse weich und die Brühe eingekocht ist (aufpassen und nachschauen, dass zwischendurch nichts anhängt - gegebenenfalls etwas Brühe nachschütten). Haferflocken und Mehl unterrühren und alles auf der ausgeschalteten Herdplatte zugedeckt noch 10 Min. quellen lassen.
 
Mairübchen-Grün, Hirse, Ei, Knofi, Salzzitrone und Käse unter die Hirsemasse mischen. Diese salzen und pfeffern. Öl in einer Pfanne erhitzen. Aus der Hirsemasse mit feuchten Händen acht flache Bratlinge formen und in zwei Portionen im heißen Öl in je 5 Min. von beiden Seiten knusprig golden braten.

Parallel Mairübchen und Karotten sauber schrubben, in dünne Scheiben schneiden und so lange in einer Pfanne mit Butter dünsten, bis das Gemüse weich ist, aber nicht zerfält. Leicht würzen mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker.

*Anmerkung m: man kann das Ras el Hanout auch durch Curry austauschen. Wer nicht an solches frische Mairübchen mit Grün kommt, kann das Grün etwa durch 2-3 Frühlingszwiebeln ersetzen und die Schalotte dann aber rauskürzen. Die Käsewürfel sind eine prima Gelegenheit um Käserestchen aus dem Kühlschrank zu verarbeiten...


Hummelschwärmer an roter Spornblume

Mittwoch, 27. Mai 2020

Pro Centum III


Nach bald 9 Jahren Bloggerei haben sich über 1600 Posts angehäuft. Da kann man wohl den Überblick verlieren. Oder aus dem Vollen schöpfen. In unregelmäßigen Abständen werde ich euch aus dieser Fülle von Archiv 10 Posts herausfischeln, die ich besonders mag - wegen Rezept, Bild oder Text. In Anbetracht der zur Verfügung stehenden Gesamtmenge macht das einen kleinen Bruchteil aus - grob ein Hunderstel von dem, was dieses Blog zu bieten hat und daher als neue Ruprik *Pro Centum* genannt.



    °°°1  Kuhglück - ich kann nicht genug davon haben

    °°°2  weils einfach eine gute Idee ist: Rhabarber-Tarte-Tatin
 
    °°°3  an alle Zwergnasen und Wasserköpfe - einer meiner Lieblingstexte

    °°°4  ich denke gerne zurück an die Farben der Frauen

    °°°5  Holunderblütentarte mit Erdbeeren - wer kann sollte...
 
    °°°6  Pasta und Pesto gehen immer mit Daniel-Düsentrieb-Ei sowieso

    °°°7  Mai-Rübchen - so zart sind sie nie wieder

    °°°8  Yippie-Ya-Yeah: Erdbeerzeit

    °°°9  Rote-Beete-Risotto... voller Ausschlag meinerseits

    °°10  mein persönlicher Rubens-Karottensalat mit VIEL lila Knofi der Drôme





               ----------    Pro Centum I    ---------- 
               ----------    Pro Centum II   ----------



Samstag, 23. Mai 2020

Fasten: Fellah Köftesi


Eigentlich hatten der Habib und ich vorgehabt, den letzten Winter in einem moslemischen Land zu verbringen. Doch dann kam das Leben dazwischen und hatte andere Pläne mit uns. Inchallah - wie es Gott beliebt! Die Sehnsucht ist uns allerdings geblieben, weil kaum betritt man moslemische oder buddhistische Gegenden, sind die Menschen durch und durch freundlich und hilfsbereit!

Für alle, die mitdenken, bedeutet das im Umkehrschluß, dass es in christlich geprägten Gemeinschaften mehrere Grade kühler zugeht. Wie formulierte es der unersetzbare Volker Pispers: *Würden die Christen ihren Gott ernst nehmen, dann wären es Moslems*. Besonders gut ist der Unterschied von christlicher und islamischer Kultur in Afrika zu beobachten, wo diese beiden Religionen von Dorf zu Dorf wechseln können. Der Habib hat viele anschauliche Geschichten in petto -  nicht nur weil er aus privatem Interesse viel durch Afrika gereist ist, auch weil er als Architekt lange in moslemischen Ländern gelebt und gearbeitet hat.

Mich hat, wenn ich mich in Ländern des Islams aufgehalten habe, immer besonders die Mildtätigkeit und Spendenbereitschaft beeindruckt: sehr viele geben sehr oft ein bißchen. Und ich mag, wie der Tag vom Muezzin getaktet wird (wenngleich mancherorts die Lautsprecheranlagen gerne etwas leiser eingestellt sein dürften). Außerdem ist es für den Habib und mich einfach angenehm, wenn sich die Verhältnisse insofern drehen, als dass nicht die, die keinen Alk trinken am Rande der Gesellschaft stehen sondern umgekehrt. Dort sitzten wir fröhlich und ganz selbstverständlich zwischen allen anderen mit unserem Pfefferminztee.

In der Arte-Doku *Alkohol - der globale Rausch* (die ich ja gerade am 12. Mai angeschaut hatte), wird am Beispiel von Island verdeutlich, dass *wie bei jeder Droge vieles in unserem Umgang mit Alkohol gesellschaftlich bedingt ist*.  Island löste sich vom gängigen Euphemismus des Genußmittels und definiert Alkohol als Droge.  Geschlossen alle Parteien stellten sich hinter den Wunsch der Veränderung und so rieß die isländische Regierung vor 20 Jahren das Ruder radikal um, nachdem 42% der Jugendlichen angaben regelmäßig Alkohol zu trinken. Sie starteten ein Präventionsprogramm, mit dem Ziel die Trinkgewohnheiten eines ganzen Landes langfristig zu verändern - angesetzt bei den Jugendlichen. In der Uni Reykjavik suchen Forscher, Entscheidungsträger sowie sämtliche Fachkräfte nach einem gemeinsamen neuen Weg - etwa mittels regelmäßigen Volksbefragungen über detaillierte Fragebögen, die flächendeckend ausgeteilt werden.

Et voilà, es gelang: nur noch 5% der Jugendlichen trinkt auf Island heute regelmäßig und sie zählen damit zu den *cleansten* in ganz Europa. Nicht, dass manche den Eindruck gewinnen, ich könne nur über Politik schimpfen. Gar nicht! Ich kann ganz begeistert sein, was der politische Wille für das Allgemeinwohl alles vermag. Alle 10 Sekunden stirbt auf der Welt ein Mensch an den Folgen seines Alkoholkonsums - an diesen Zahlen schieben sich nicht viele Todesursachen vorbei.

Doch es gilt wie stets das individuelle Credo: jeder wie er meint.

Heute wird das Ende des Ramadan gefeiert. Vom Ramadan wissen Außenstehende wie ich hauptsächlich, dass tagsüber gefastet wird. Wobei Fasten wiederum Bestandteil aller Religionen und alten Kulturen ist. Buddhistische Mönche nehmen lediglich zwei Mahlzeiten am Tag zu sich, im Hinduismus kann Fasten bis zur Askese betrieben werden, im Judentum sind es einzelne Tage und das Christentum hat(te) seine Fastenzeit vor Ostern. Wir ließen uns vom Ramadan inspirieren und begannen mit dem Intervallfasten. Das heißt 8 Stunden essen wir (von 8-16 Uhr), den Rest nehmen wir keine Mahlzeiten mehr zu uns. Was natürlich deutlich easier ist, als von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang enthaltsam zu sein wie während des Ramadan, weil erstens kürzer und wir zweitens die hautsächliche Zeit verschlafen.

Zum Thema Intervallfasten habe ich mich von Professor Michalsen virtuell beraten lassen, der mir zu der seltenen Spezies Mensch zu zählen scheint, die selbst leben, was sie propagieren. Faszinierend fand ich seine Aussage, dass gutartige Zellen besser mit Mangel und Beschränkung zurecht kommen wie bösartige Zellen (hier füge ich - weils so gut passt - Links ein zur ZU-Friedenheit oder zur Genüglichkeit). Aufgemerkt: auf zellulärer Ebene wird noch unterschieden zwischen gut und böse, gesund und krank, nomal und entzündlich - könnte man drüber nachsinnen...

Nach heutigem Stand der Forschung löst das Intervallfasten die gleichen Prozesse aus wie die des Heilfastens nämlich die der sogenannten Autophagie: die Zelle wird zur Selbstreinigung angestoßen. Vereinfacht erklärt heisst das, dass sich die Zelle während des Fastens von innen ernährt. Gibt es keinen Nachschub mehr, verdaut sie alles, was nicht unbedingt notwendig ist. Bildlich gesprochen wird der ganze Müll des Körpers in einen Sack gepackt und als Nahrungsquelle der Zelle verwendet. Dazu gehören auch schädliche Zellen, Entzündungsherde und ähnliches. Sie werden sprichwörtlich aufgefressen und verdaut ... und damit unschädlich gemacht.


Wir sind nun in der dritten Woche und es läuft gut. Man verliert auch etwas Gewicht - aber das war für mich kein Anstoß. Ich fange in den letzten Tagen verstärkt zu schwitzen an (ähnlich wie während unser Mangosteen-Kur in Thailand). Und mein Schweiß riecht, was er bei Anstrengung und Belastung normal nicht tut. Mich interessiert die Wirkung auf den Körper - und anscheinend setzt die nun langsam ein. Aber um ein endgültiges Urteil darüber zu fällen, werde ich den Rhythmus noch länger durchziehen. Da für uns das Fasten nicht einhergeht mit einer Ernährungsumstellung, fällt es uns recht einfach dabeizubleiben.

Gefeiert wird heute mit den Moslems: mit dem  türkischen Gericht Fellah Köftesi, Bulgur-Bällchen mit Tomatensauce und Joghurt. Das Rezept für die Bällchen habe ich bei Duygu entdeckt, die wirklich super beschreibt, wie die Teigkonsistenz sein sollte. Für die Tomatensauce habe ich jedoch auf meine berühmten Ofen-Tomaten zurückgegriffen. Wer die nicht hat, kann wie Duygu die Tomatensauce mit Tomatenmark herstellen. Hat uns sehr gut geschmeckt - mal wirklich was anderes. Ach, einmal in der türkischen Provinz überwintern... ein schöner Traum, denn seit dem ersten, kurzen Aufenthalt in der Türkei habe ich mich in Land und Leute verknallt!


Zutaten 3-4P*:

Für die Bulgurbällchen:
200 g feinen Bulgur (Köftelik Bulgur)
200 g Grieß
350 ml heißes Wasser (evt. plus)
1 EL Tomatenmark oder Paprikamark
ein Ei
1 TL Salz

Für die Tomatensauce:
200ml Ofen-Tomaten
2 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer
1 Pr Zucker

Für die Joghurtsauce:
1 Joghurt (m: Schafsjoghurt)
2 junge Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer

zur Deko: fein geschnittener Basilikum

Zubereitung:

Für die Bulgur-Bällchen den Teig zubereiten: dafür Bulgur, Grieß sowie Tomatenmark, Salz und Wasser miteinander vermischen. Die Schüssel abdecken und für 10 min ruhen lassen.

Mithilfe einer Küchenmaschine (m: Knethaken des Handrührers) den Teig gründlich kneten (m: ca. 6min). Dann nochmals 5min ruhen lassen, das Ei zufügen und weitere 4min kneten. Der Teig sollte schön homogen sein, zäh, klebrig und an Kaugummi erinnern - ich brauchte noch etwas zusätzliches, heißes Wasser dafür, das ich schlückchenweise zugefügt habe. Wenn man die Bällchen formt, dann müssen sie zusammenhalten ohne dass sich Risse zeigen. Von dem Teig werden etwa Murmel große Stücke entnommen, rund geformt und mit dem Zeigefinger etwas eingedrückt. Wenn der Teig dabei kleben sollte, die Hände immer wieder leicht anfeuchten.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Bulgurbällchen darin so lange garen, bis sie an die Wasseroberfläche schwimmen - dazu benötigen sie ca. 10-15min.

Die Ofentomaten in einer größeren Pfanne erhitzen und etwas mit den Bällchen mischen - eventuell  etwas strecken mit Kochwasser von den Bällchen.

Die Bulgurbällchen auf euren Servierteller geben und mit Knoblauch Joghurt überdecken.

*Anmerkung m: ich hatte für uns beide die Hälfte mit einem Eigelb zubereitet - auch anteilig etwas mehr Bulgur verwendet dafür. Mengenmäßig sieht die Hälfte nicht nach einer großen Portion aus - die Bulgurbällchen machen aber gut satt.

Inspiration: Cookbakery


Mittwoch, 20. Mai 2020

Reisen bildet: Thymian-Pici in geschmorten, bunten Zwiebeln mit Salbei und Ziegenkäse


Nichts hat in den letzten Jahren so sehr meine Persönlichkeit geformt wie das Reisen. Wie so oft unterscheide ich sehr fein - etwas, dass manchen möglicherweise einiges abverlangt. Zwischentöne, Baby, das setze ich hier einfach voraus! Reisen ist nun mal nicht gleich Reisen. Ich habe unterwegs genügend Menschen gesehen, deren Hauptmotiv zu reisen die sog. Schönwetter-Garantie, das Sun-Downer-Getränk am Strand, das Insta-Bild am Hotspot oder das Häkchen auf der Weltkarte ausmachten. Von denen grenze ich mich ab. Wenn ich vom Reisen rede, dann unter folgenden Prämissen:

* individuell und selbst-organisiert und zwar abseits unter Einheimischen - weil geführte Gruppenreisen einfach das glatte Gegenteil sind
* mit Zeit und nicht für 2-3 Wochen - weil nur auf längere Dauer ein Alltagsleben stattfindet
*  Nüchternheit - weil viele im Urlaub noch mehr trinken als sowieso schon
* Harmonie - weil wer von Stress und Streit abgelenkt ist keine Sinneskapazitäten frei hat für andere Wahrnehmungen

*Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, muss man um die Welt nicht reisen* (Goethe). Eben. Für mich ist Reisen die einzig wahre Schule des Lebens - nichts, rein gar nichts kann das ersetzen. Reisen ist der Antipode  von schnöder Theorie. Etwas über Mallorca zu lesen und tatsächlich dort gewesen zu sein, ist ein himmelweiter Unterschied! Nicht von ungefähr sagte ein Journalist wie Peter Scholl-Latour: *Ich bilde mir meine Meinung stets erst vor Ort!* Ja, lesen mag ebenfalls bilden, aber im Vergleich zum Reisen nur um ein winziges Bruchstück. Wie sagt mein Habib so gerne: *Der Erfahrung zuliebe muss man bereit sein, sich die Hände schmutzig zu machen.* Der Name dieses Planeten ist Programm: *Erde*.

Dann hilft das Fremde, das Andere, das Ungewisse, das Unbekannte nicht nur Neues kennenzulernen, es hilft vor allem seine eigene Kultur besser zu verstehen. *Distanz schafft klare Gedanken* - und ohne diesen Abstand zur eigenen Herkunft wird man sein Heimatland nie richtig einschätzen können, sondern macht den Frosch, der im Brunnen lebt, und das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand beurteilen muss... 

Reisen hat mir geholfen, mir bewußt zu machen, was der Unterschied zwischen Bedürfnis und Anspruch ist. Und die menschlichen Grundbedürfnisse gleichen sich weltweit, weil sie existenziell sind. Erst wenn diese ELEMENTAR bedroht sind, verlassen Menschen ihre Heimat. Vorher nicht. SO einfach, wie gerne getan wird, flüchtet niemand.

Gleichzeitig ist Reisen der beste Anstoß zur Selbstschuulung. Etwa ganz mit dem Schiller-Gedicht *Blick in dein eignes Herz* - aber diese Räume und Gelegenheiten muss man erst einmal haben. Nach meinem Erleben kann man lediglich auf diese Weise Weltenbürger werden, ankommen und heimisch werden auf diesem Planeten - und dabei gleichzeitig in sich selbst. Denn erst unterwegs wird einem zutiefst bewußt, wie sehr man auf seinen gesunden Menschenverstand angewiesen ist. Man muss die Verantwortung ganz alleine für sich selbst tragen. Und wenn du dann deiner eigenen Wahrnehmung nicht vertrauten kannst... dann wirds Scheiße! So bekommt man Boden unter den Füßen, so erhält man Rückgrat, so entwickelt man Individualität, so wird man Freigeist.

Neben höchstpersönlichen Eindrücken gibt es gemeinsame Schnittmengen unter den Beobachtungen von Individualreisenden - und die kann man Außenstehenden nur schwer erklären. Für Jenny und Peter - auf deren Blog *Glaarkshouse* ich im Unimog durch die Welt mitgenommen wurde - müsste ich diese Aussage nicht näher erläutern. Ebensowenig wie mir ihre Andeutungen ausreichen, dass man als Deutscher weltweit den *Hilter* triggert. Oder ich mich nicht über Punkt 28 wundere. Oder wie sehr man sich für das hochgelobte Europa krumm und bucklig schämt in der Welt ob seinem Umgang mit den Flüchtlingen. By the way: der Reisedepeschen-Verlag hat ihr Buch *Roadtrip mit Jennifer und Peter Glas*  herausgebraucht - voller schöner Bilder und Geschichten für all jene, in derem Grundgefühl das Fernweh pocht und die noch vorhaben, davon etwas auszuleben!

Reisen verändert. Das ist der Preis und das ist okay. Nein, das ist mehr als okay: das ist der Zugewinn, der mit Gold nicht aufzuwiegen ist. Man verändert sich sogar so sehr, dass man anders wird als die anderen, die die vielbemühte *Komfort-Zone* nie verlassen haben. Und letztere zählen zu einer Gruppe, mit denen ich über viele Themen nicht mehr diskutiere. Kategorisch. Weil es keinen Sinn macht. Weil sie gar nicht wissen, wovon ich rede. Sie können es gar nicht wissen, weil ihnen die nötige Erfahrung dazu fehlt. Das macht dann einschlägige Gespräche nicht nur hochgradig sinnlos, die Gefahr ist enorm, dass man in diese freudlosen Rechthabereien gerät, auf die ich wirklich keinen Bock habe. Derlei Spiele müssen ohne mich gespielt werden. Weder bin ich gewillt, den Missionar zu machen und Blinden von Farben erzählen zu wollen, noch lasse ich mich kaputtquatschen von Leuten, die offensichtlich keine Ahnung haben und überhaupt nicht mitreden können. Ich kann gut damit leben, dass andere anders sind als ich. Und mich wiederum muss auch nicht jeder verstehen.

Anhand der Links (und es ist lediglich eine kleine handvoll ausgewählter) erkennt man, dass sich diese Themen und Werte wie ein roter Faden auf diesem Blog seit fast 9 Jahren durchziehen. Viele einschlägige Geschichten reihen sich wie Perlen auf eine Schnur. Dafür mache ich hier den Stellvertreter, davon möchte ich eine Prise zurück in die Welt schicken. Wer damit nichts anfangen kann oder sich gar provoziert fühlt, muss sich ein anderes Wohnzimmer im WorldWideWeb suchen. Denn dieses hier ist meines! (soviel zu dem entstandenen Shitstorm auch per Mail)

Um zurück auf die Zukunft des Reisens zu kommen (denn Jugendliche gehören in die Welt geschickt) verlinke ich euch zu Flocutus (via Buddenbohm), wo sich Lesenswertes findet, wie Covid sehr wahrscheinlich das Reisen verändern wird. Und wie sich das gerade neugewonnene Bewußtsein, welch ein großes Privileg das Reisen darstellt, auf die Motivation des Reisens auswirken könnte, darüber macht sich auf dem Reisedepeschen-Blog Philipp kluge Gedanken. 


Dieser Teller ist wieder einmal Blog-Spielerei. Die Kartoffel-Pici habe ich lediglich mengenmäßig etwas gestreckt, dass zwei appetitliche Esser wie wir es sind, auch gut davon satt werden. Dann muss man allerdings auf die Konsistenz des Teiges achten - ich benötigte einen Eßlöffel mehr an Öl, damit der Teig geschmeidig wird. Aber das solltet ihr dann beim Zusammenkneten erkennen.

Dazu gabs köstlich geschmorte Zwiebeln, wozu mich Susanne erneut inspirierte. In vergleichbarer Art oder so ähnlich alles schon hier gewesen. Die Unterschiede mögen nicht riesig sein, aber genau das macht ja die Lust am Kochen. Eine kleine Veränderung und schon steht ein anderer Teller auf dem Tisch. Kulinarische Vielfalt - nichts einfacher als das!

Zutaten 2P: 

Kartoffel-Pici
80 g Kartoffeln, mehlig kochend
120g Mehl (m: Dinkel 630)
70g Hartweizenmehl
1 Ei (Größe L)
1 EL Öl
½ TL Salz

2-3 EL Parmesan, frisch gerieben 
2 TL Thymian, getrocknet, fein gehackt 

500g Zwiebeln (m: gemischt)
weißer Port
2 Scheiben der Schale einer Bio-Zitrone
Olivenöl, großzügig
9 Salbei-Blätter 
1/2 TL Lavendel-Honig
Salz, Pfeffer 
etwas Zitronensaft

1 Ziegenfrischkäse (ca. 120g)

Zubereitung:

Die Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen, ausdämpfen lassen, schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Sie sollen noch lauwarm sein. Mit den restlichen Zutaten zu einem Teig verarbeiten. Der ist etwas weicher als ein herkömmlicher Nudelteig. Falls zu weich noch etwas Mehl, andernfalls etwas Wasser zugeben.

Mind. 30 min. ruhen lassen
.


Mit der Nudelmaschine mit der gröbsten Einstellung zu Bahnen ausrollen und in schmale Streifen schneiden. Diese Streifen werden mit der Hand zu einer Art dünnen Schupfnudel gerollt und dürfen ruhig etwas rustikal werden. Die Nudeln auf ein mit doppelgriffigem Mehl oder Hartweizengrieß bestreuten Brett verteilen.
 


Zwiebeln in dünne streifen schneiden, mit etwas Salz in einer Schüssel vermischen und ca. 10 min stehen lassen.

Olivenöl in einer Pfanne, für die es einen Deckel gibt, erhitzen. Die Zwiebeln zugeben, kurz braten und durchrühren. Zitronenschale und Salbeiblätter zu den Zwiebeln geben. Mit Port ablöschen. Den Deckel auflegen und alles bei milder Hitze schmoren, ca. 10 min. Es sollte immer etwas Flüssigkeit auf dem Pfannenboden sein.

Den Honig zugeben, alles verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen. Salbei-Blätter entfernen.

Parallel einen Topf mit reichlich Salzwasser aufsetzen.und die Pasta - je nach Dicke - etwa 3min kochen lassen. Probieren. Beim Abschütten etwas von dem Kochwasser auffangen.

Pasta mit Zwiebeln mischen - mit Kochwasser und etwas Olivenöl zu einer cremigen Konsistenz verhelfen. Pasta auf zwei Teller verteilen und den Ziegenkäse als Topping darüber zerbröckeln. Servieren.



Sonntag, 17. Mai 2020

Yoga - Chakalaka-Salat


Tatsächlich habe ich zum allersten Mal Yoga in Indien gemacht. 

Hört sich schick an, war aber gar nicht mal so super. Südlich von Goa überredeten mich ein paar Mädels, die für ein Jahr in unterschiedlichen Hilfsorganisationen arbeiteten (Riesen-Thema in Indien), doch mitzukommen. Mit Sonnenaufgang - zur schönsten Stechmückenzeit - trafen wir uns bei bereits schwül-warmen Temperaturen auf der Dachterrasse eines kleinen Hotels. Immerhin war selbst der Yoga-Lehrer indisch. Klingt aber auch besser, als es in echt war. Der spulte sein Programm nämlich stoisch-kraftlos runter. Ich konnte echt nicht erkennen, warum die anderen Mädels den hot fanden. War vielleicht auch besser so, denn ich war damit beschäftigt den Flachwitz zu performen: *Wie nennt man einen Bumerang, der nicht zurückkommt? --- Stock.* Da braucht mein keinen Hottie vor der Nase (by the way: hottie-hottie ruft man auf Sansibar, wenn man vor einer Hütte steht - anstelle zu klingen).

So im Vergleich war ich mit Abstand (etwa zu meinen Zehen) die Ungelenkigste von allen. Ich habe ja von anderen gelesen, für die war das erste Mal Yogamachen ein regelrechtes Erweckungserlebnis -  eine Art Adhoc-Umpolung der Selbstwahrnehmung: *Hey, ich bin genug*! Oder dieses Yogurette-Dingens *ich bin gut, so wie ich bin* oder so... Also mein Danach-Gefühl wurde von einem schwitzig-klebrig-steifen Gesamteindruck dominiert. Es war sehr leider keine zufällige Inselbegabung im Yoga bei mir zu entdecken...

Dass ich trotzdem noch eine handvoll Mal mitmachte, kann ich mir im Nachhinein nur so erklären, dass ich es für eine gute Geschichte für zuhause hielt. Hatte ja keiner zugeguckt. Ich könnte also getrost meinen *Tatsächlich-Satz* rauszuhauen, und mir - während ich den wirken lasse - , betont lässig eine Haarsträhne (neuerdings Pony) aus der Stirn streichen.

Dann vergaß ich Yoga für einige Jahre (Yoga war mir eh allgemein viel zu gehypt), bis im Nachbardorf Carole wöchentlich Yoga im salle polyvalente lehrte - und das auch ganz ordentlich aufzog. Bis zu ihrer Trennung und sie wegzog. Danach aber hatte ich doch Blut geleckt - der Ehrgeiz war geweckt. Ich kaufte mir eine Yoga-CD und hampelte nach der für einige Zeit.

Die Yogamatte zum ersten Mal mitgenommen auf unsere Winterreise - weil ich entschied, meine Yoga-Praxis nicht für ein Viertel-Jahr unterbrechen zu wollen - habe ich ausgerechnet nach Madagaskar. Und es gibt wenig, was dem madegassischen Lebensalltag ferner liegt wie Yoga. Mit Gym aller Art macht man sich dort zum Affen.

Mittlerweile ist für mich Yoga der umgesetzte Satz aus Desiderata (vorneweg auf körperlicher Ebene): *Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit dir selbst*. Und für Yoga gilt, was für alle anderen Disziplinen auch gilt: der Spaß beginnt, wenn man erst einmal die leidige Anfängerphase überwunden hat. Meine tägliche Praxis lasse ich selten ausfallen. Und habe ich die Möglichkeit, schließe ich mich immer wieder gerne einer Gruppe an. Auf Koh Phangan sogar für länger - bei Sunny (Muskelkatze garantiert - Sunny nimmt ihre Schüler tüchtig ran, dicke Empfehlung, wenn wieder... irgendwann...).

Etwas aber habe ich mir vom Anfang bewahrt. Es können mir nur ganz wenig Yoga-Lehrer recht machen. Immer wieder bin ich als Mitglied bei YogaEasy dabei - und sageundschreibe nur drei Lehrer unter dieser großen Auswahl fanden seither Gnade unter meinen Augen. Ich finde die Unterschiede zwischen den Lehrern echt gewaltig! Die Mehrzahl könnte mir Yoga verleiden statt mich zu motivieren! Keine Ahnung ob andere auch so krittelig sind - nicht umsonst habe ich hier Mady schon gefeiert (wobei mir ihre Videos leider meist zu kurz sind und stückeln eben keinen Flow erzeugt).

Für mich selbst halte ich heute meine drei aktuellen Lieblingsstunden fest - für später:

  * dieser Flow von Sjanaelise

   * die Kombi aus diesem Flow von Valentin Alex und diesem Mady-Flow

   * oder diesen Flow und diesen von BohoBeautiful hintereinander weg...

Praktisch gerade, dass ich Yoga prinzipiell gerne zuhause für mich selbst übe. Hat ja nicht alles immer nur Nachteile...


Beim Durchblättern des Buches *So kocht Afrika* bin ich bei diesem Rezept hängengeblieben - wegen (klaro) Chakalaka. Wobei der Buchtitel ja völliger Blödsinn ist. Man stelle sich nur das Buch *So kocht Europa* vor. Was sollte dabei rauskommen? Paella für Spanien, Sauerkraut für Deutschland, Coq au vin für Frankreich, Spaghetti für Italien.... tsss, ich bräuchte es nicht. Aber für Afrika?! WIE groß ist schließlich Afrika!!!

Afrika ist größer als die USA, China, Indien, Japan und Europa zusammen. Allein die Sahara ist so groß wie die Vereinigten Staaten von Amerika! Addiert man zur Fläche der USA die von China, Indien, Mexiko, Peru, Frankreich, Spanien, Papua Neuguinea, Schweden, Japan, Deutschland, Norwegen, Italien, Neuseeland, Großbritannien, Nepal, Bangladesch und Griechenland, dann schließlich hat man die Größe Afrikas erreicht. Wenigstens fast.

Mais bon, schauen wir großzügig darüber weg. Ich bin froh, dem Rezept trotzdem eine Chance gegeben zu haben. Der Salat macht nämlich wirklich Lust und bereichert jedes Grillen um eine Abwechslung neben den Klassikern.

Zutaten 6P:

3 EL Öl
1 Zwiebel, gerieben (m: fein gewürfelt)
2 Knoblauchzehen, zerdrückt (m: fein gewürfelt)
2 EL frischer Ingwer, zerdrückt (m: gerieben)
1 grüne Paprika-Schote, fein gewürfelt (m: gelbe)
3 grüne Chili-Schoten, gehackt (m: Harissa)
2 TL Currypulver
3 mittelgroße Möhren, geraspelt
1 mittelgroßer Blumenkohl, in Röschen geteilt
1 Dose baked beans (400g)
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Öl in einer großen Pfanne erhitzen und darin die Zwiebel glasig braten. Kurz vor Ende Ingwer, Knoblauch, Paprika, Chili und PCurry unterrühren und weitere 5min mitbraten.

Die geraspelten Möhren zufügen, ebenso den Blumenkohl untermischen und bei kleiner Hitze weitere 10-15min das Gemüse weich garen.

Die Bohnen unter Wasser spülen, gut abtropfen lassen und ebenfalls in der Pfanne miterhitzen. Nochmals abbschmecken. Dann abkühlen lassen und kalt servieren.

Quelle: *So kocht Afrika* - ah, gerade entdeckt: Susanne von Magentratzerl hat dazu eine Rezension geschrieben. Die sind ja immer lesenswert!


Freitag, 15. Mai 2020

Vertrauensfrage: Frühlingsrisotto mit Knusperspargel


Immer wenn zu sehr mit dem *Begriff* Vertrauen jongliert wird, werde ich hellhörig. Nichts, wirklich gar nichts auf dieser Welt ist derart exklusiv wie Vertrauen. *Trau schau wem* sagt der Volksmund. Haben wir nicht alle schon mal auf das falsche Pferd gesetzt?!

Oder wie formuliert es der grandiose Wilhelm Busch:
*Wer andern gar zu wenig traut,
hat Angst an allen Ecken;
wer gar zu viel auf andre baut,
erwacht mit Schrecken.
Es trennt sie nur ein leichter Zaun,
die beiden Sorgengründer;
zu wenig und zu viel Vertraun
sind Nachbarskinder.*

Es brodelt und kippelt momentan. In vielen Nationen trennt sich die Bevölkerung in zwei Lager: in das, welches ihrer Regierung vertraut und das, welches ihrer Führung misstraut. *Mangelndes Vertrauen ist nichts als das Ergebnis von Schwierigkeiten. Schwierigkeiten haben ihren Ursprung in mangelndem Vertrauen* sagt Seneca. Womit beide Parteien zu verstehen sind. Zumal man Hauptmedien nicht vorwerfen kann, Propaganda zu machen und Politikern nicht, die Masse bewegen zu wollen. So geht das Geschäft. Man kann aber durchaus dem Einzelnen vorwerfen, wenn er nicht kritisch Abstand hält und hinterfragt.

Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich das Aussetzen von Grundrechten als heikles Unterfangen bewerte. Und das weniger aus der aktuellen Situation heraus wie historisch betrachtet: Grundrechte sind Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat!

Bestimmt schließe ich mich deshalb nicht Protesten gegen eine *Corona-Diktatur* an (ich halte solche Formen des Widerstandes schlicht für Energieverschwendung). Dass es sich bei diesen Versammlungen um lauter Extremos und Verschwörungstheoretiker handelt, kann ich jedoch nicht erkennen. Skepsis ist nicht ungerechtfertigt, es geht schließlich um das elementare Fundament (!), auf das unsere Gesellschaft gebaut wurde. Zumal selbst in politischen Reigen immer wieder Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen laut werden - siehe etwa jüngst an der Analyse eines hohen Mitarbeiters des Innenministeriums.

Was mir aber in diesem Zusammenhang einfällt, ist das Buch *Die Welle*, welches wir (wenn ich es richtig im Gedächtnis habe) in der Schule gelesen haben. Die Mechanismen von autoritären Systemen werden wirklich toll (auch schon für Jugendliche) herausgestellt. Zentrales Motiv ist: *wir sind richtig, die anderen sind falsch* - anstellte der Akzeptanz von vielfältigen Haltungen zu einem Thema (à la *andere dürfen anders sein*) wie es für eine demokratisch pluralistische Gesellschaft selbstverständlich sein sollte:  sprich gelebte Meinungsfreiheit. Und das wiederum beobachte ich gerade in der öffentlichen Meinungsdebatte sehr: überall gegenseitiges Kopfschütteln - alles Idioten. Und wo Emotionen hochkochen, macht sich Sachlichkeit sowieso rar. Prima Gelegenheit zum xten Mal auf den zeitlosen Auftritt von Roger Willemsen zu verweisen: *Die Kunst des Streitens in der Mediengesellschaft*.

Außerdem finde ich, sind gerade wir als Deutsche ganz besonders verpflichtet unsere Obrigkeit streng zu beobachten und zu bewerten. Sonst hätten wir aus unserer Vergangenheit nichts gelernt.

Einer unserer ältesten Freunde (alt im Sinne seiner Lebensjahre - er ist 92) schickte uns vor kurzem Bilder der *Großen Depression*, an die er sich als Halb-Amerikaner-Halb Franzose noch gut erinnern kann - ein großes Ereignis mit ebenfalls weltweiten Auswirkungen. Er merkte dazu an, wie schnell die Dynamik derlei Geschehnisse von statten gehen können: ein Dominostein fällt und mit ihm alle anderen. Eines dieser Bilder beeindruckte mich nachhaltig: *Aus Angst, alles zu verlieren, fordern die Menschen von den Banken ihr letztes Guthaben zurück - wie hier 1931 vor dem Berliner Postscheckamt* - eine unüberschaubare Traube an Menschen, die die Zeichen der Zeit zu spät erkannt hatte. Das ist tragisch, oder? Aber ist es das nicht immer, wenn man enttäuscht wurde, wenn eine Täuschung auffliegt. Daher stellt sich mir die Frage: ist nicht jedes entgegengebrachte Vertrauen letztlich eine Glaubensangelegenheit?

Und weil dieser Freund mein Telefonjoker für Geschichte UND Kino ist, verlinkte er uns noch auf diesen charmanten Stummfilm *The Crazy Ray* - wenngleich von nicht umwerfender Bildqualität, so ähnle das durch *seltsame Strahlen* in einen Dornröschen-Schlaf versetzt Paris doch sehr dem Paris, das im confinement verharrt. Wie schön Paris ist! Was ein Cast der Eifelturm! Und wie ruhig und langsam früher Geschichten erzählt wurden... j'adore!


Bei uns werden bereits die Kirschen rot. Alle Spargelliebhaber kennen das Sprichwort: Kirsche rot - Spargel tot. Also stelle ich euch ein letztes Rezept mit Spargel für diesen Frühling vor. Pate stand mir der gleichnamigen Rezepte-Titel - aber umgesetzt habe ich es dann ganz anders. Die Kräuter für das Frühlingsrisotto könnt ihr eurem Geschmack anpassen - ich habe gerade eine ausgesprochene Estragonphase und es würzt mir daher dieses Risotto besonders köstlich!

Zutaten 2P:

500g Spargel (m: grün/ weiß)
1- 2 EL Estragon, feinst geschnitten
4-5 EL Semmelbrösel*
etwas Mehl
1 Ei
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
170g Risotto-Reis (m: Halb-Vollkorn)
1 Lorbeer-Blatt
2 Blätter Liebstöckel
4-5 Blätter Melisse
2 TL Thymian
2 TL Estragon
Weißwein
(oder Noilly Prat)
Spargel-Fond*
3 EL Parmesan, frisch gerieben
1 EL Crème fraîche
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft
Olivenöl

Zubereitung:

Spargel schälen, die Enden kappen und je nach Größe der Stangen dritteln. Das oberen zwei Drittel über Wasserdampf garen und zur Seite stellen. Das untere Ende in dünne Scheiben schneiden.

Die Zwiebel un den Knoblauch fein hacken und in Olivenöl andünsten. Den Reis zufügen und die klein geschnittenen Spargel-Enden und ebenfalls kurz mitbraten. Die fein gehackten Kräuter sowie das Lorbeer-Blatt zufügen und mit einem großzügigen Schuß Weißwein ( oder Noilly) ablöschen. Dann nach und  nach den Fond unter Rühren anschütten - so lange, bis das Risotto gar und schlonzig ist.

Parallel den Knusperspargel zubereiten. Dafür das mittlere Stück Spargel wie ein Schnitzel panieren. Ei verquirlen und mit Salz und Pfeffer würzen. Semmelbrösel mit dem fein gehackten Estragon mischen (m: auch 2 EL Parmesan dazugegeben). Außerdem ein Tellerchen mit Mehl richten. Die mittleren Stücke erst im Mehl wenden, dann durch das Ei ziehen und schließlich in den Semmelbrösel drehen. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und die panierten Stücke knusprig braten. Kurz vor Ende auch die Spitzen mit in der Pfanne warm ziehen lassen, diese dabei mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen.

Nun noch das Risotto final abschmecken. Lorbeerblatt entfernen. Salzen, pfeffern. Mit Zitronensaft abschmecken. Die Crème und den Parmesan unterziehen und nochmals darauf achten, dass die Konsistenz schön schlonzig ist. Zusammen mit dem Spargel servieren.

*Anmerkung m: die Semmelbrösel kann man sehr gut mischen mit Panko oder auch anteilig mit gemahlenen Nüssen oder mit geriebenem Parmesan
den Spargelfond koche ich mir stets aus Spargel-Schalen, einer Prise Zucker und etwas Apfelessig, hier zusätzlich angereichert mit Gemüsebrühe
Der Halb-Vollkorn-Reis braucht eine halbe Stunde um gar zu sein - daher habe ich die kleingeschnittenen Spargelenden erst nach der Hälfte der Garzeit zugefügt

der wilde Thymian färbt ganze Felder lila

Dienstag, 12. Mai 2020

12 von 12 - Mai 2020













Wer im Mai nicht liebt, der liebt auch im Dezember nicht. Der Mai ist ein Rausch, ein Fest, eine Labsal in Grün. Dieses Jahr blüht alles früher, gedrängter, dichter beieinander - es war endloser Frühsommer. Gut hier zu sehen im Vergleich - der Garten im Mai und Juni ist pure Freude. Doch die Akelei sind schon fast wieder am Verblühen. Ach, und die hüfthohen Löwenmäulchen - eine Augenweide! Endlich erhalten wir ein bißchen Regen. Mit dem fruchtbaren Nass kann man das Gras wachsen hören. Der Heiratsmonat Mai. Wann, wenn nicht jetzt. Ich finde, das macht Sinn. 

Der Morgen beginnt mit Porridge (ich verlinke nicht mehr, oder?), nachdem ich eine Runde gehulahupst habe. Das tut den inneren Organen gut, der Verdauung sowieso, ich groove mich ein in den Tag und sortiere dabei etwas meinen Tagesablauf. Die Rotschwanzkinder in unmittelbarer Nähe zum Esstisch sind nicht zu überhören - lange geht es nicht mehr und sie sind flügge.

Der Dienstagsmarkt findet mit Ende des confinement wieder statt. Man darf sich nun wie gewohnt selbst bedienen, aber er befindet sich noch nicht an seinem angestammten Platz. Weiterhin unter Polizei-Beobachtung. Fast alle tragen Mundschutzmasken - viele selbstgenähte. Gestern hat die Gemeinde welche in unseren Briefkasten geworfen. Die Figur am Denkmal steht mahnendes Beispiel. Aber wieviele von den kleinen Läden, die so sehr das Bild des ländlichen Frankreichs prägten, werden diese Zeit überstehen?

Zuhause setzen wir uns mit Caro und Croissant zusammen. Der Habib hatte eine Doku gesehen über Paare, die schon lange zusammen waren. Er erzählte mir davon, weil ihm eine Antwort besonders gefallen hatte und zwar auf die Frage nach den schönsten Momenten ihrer Beziehung. Einer der Befragten überlegte sehr lang, blickte seine Frau an, und antwortete dann: *Der tägliche, gemeinsame Kaffee, während dem wir uns stets Zeit für ein echtes Gespräch genommen haben.* Klingt zunächst unspektakulär: ein gemeinsamer Kaffee. Aber ich liebe diesen Moment mit dem Habib auch sehr. Dabei geht es nie um Organisation (wer macht wann was ect....), sondern es ist die Gelegenheit für interessierten, zugewandten Austausch. Ein Ritual, auf das ich nicht verzichten wollte! Dann eben nicht auswärts im Café sondern zuhause. Hauptsache mit dem Habib!

Mittagessen. Auf Insta würde das wohl #Buddha-Bowl heißen. Egal wie man es nennen mag: ich habe diesen Teller mit viel Appetit gegessen: Couscous mit fêves, Erbsen, ein paar confierten Tomaten, etwas Avjar, grüner Spargel, Frühlingszwiebeln... lecker!

Danach mache ich mich auf die Suche nach Weißdorn. Bisher habe ich in unserer näheren Umgebung nur eingriffeligen entdeckt. Ich will aber zweigriffeligen Weißdorn. Praktisch ist es, wenn man in hügeliger Landschaft lebt. Ein paar Höhenmeter weiter ist die Natur noch hinterher. Dort finde ich auch endlich meinen Strauch... vorbei an den vielen Feldern voller Wildorchideen für die die Drôme so bekannt ist.

Außerdem sind wir dabei ein Beet mit Wildkräuter und Wildblumen anzulegen. Heute sind mit eingezogen: Esparsette, wilde Petersilie, Siegwurz und echtes Labkraut. Unser eigentlicher Kräutergarten lässt wirklich keine Wünsche offen: Oregano, Salbei, Rosmarin, Lorbeer, Beifuß, Estragon, Wermut, Majoran, Fenchel, Thymian, Zitronentyhmian, Zitronen-Verbene, Liebstöckel, Schnittlauch, Petersilie, Zitronengras, Meerrettich, Kerbel, Ysop, Bohnenkraut, Melisse, Minze, Borretsch, Sauerampfer, Rauke. Jetzt wollen wir unseren blühenden Garten um Heilkräuter erweitern. Das macht mir viel Freude und es ist spannend, sich in dieses Gebiet mehr einzufuchsen.

Draußen werden die Beete mit Habib-Zöglinge voller und voller. Es gedeiht diesen Frühling besonders gut unter seinen Händen. Und jedes Jahr lernt man wieder etwas dazu. Es ist zweifellos sehr viel Arbeit. Aber eine die dem Kopf, dem Gemüt gut tut. Wie hatte Maret so schön geschrieben: *ein Rettungsschirm* selbst in trüben Zeiten. Oder Shakespeare der so klug meint: *Unser Körper ist unser Garten und unser Wille der Gärtner.* Im Garten hat man Zeit über solche Dinge nachzudenken.

Süße Pause mit den ersten Mara de Bois, mariniert in dem gerade erst angesetzten Holunderblüten-Sirup, getoppt mit einer Portion schmusiger, geschlagener Sahne. Geniesen kann so einfach sein!

Der Abend war gefüllt mit dem Einwecken des Holunderblüten-Sirups, Yoga (mit dem Geruch von sanfter Heringslake in der Nase = Weißdorn, der zum Trocknen ausliegt) und nun Bilder soritieren fürs Blog. Nebenher schauen wir die Arte-Sendung zum Thema Alkohol... voilà, voilà...

Ach, und als Spezial: ein Pony-Selfie - wobei der Wind und der Garten... eigentlich sieht er sonst *gerade* und nicht *selbst* geschnitten aus - das müsst ihr mir halt einfach glauben... Edit: war gedacht als goodie für treue Stammleser/innen - nun ausgetauscht mit dem eingeweckten Holunderblütensirup.

Mehr Einblicke in ihren Tag am 12. des Monats zeigen andere Blogs bei Mme Kännchen, die mit großer Beharrlichkeit dieses Event seit Jahren ausrichtet.


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