Posts für Suchanfrage hummus werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage hummus werden nach Datum sortiert angezeigt. Nach Relevanz sortieren Alle Posts anzeigen

das Böse 3/4 - All you need-Stew

Donnerstag, 3. Februar 2022

 

Jeden Winter wurde im Kleinen Haus im Badischen Staatstheater ein Stück extra für Kinder inszeniert. Besonders in Erinnerung blieb mir das klassische Kasperle-Theater - mit Schauspielern anstelle von Handpuppen. Die Aufführung drückte sich deshalb nachhaltig ins Gedächtnis, weil sich das Kleine Haus ganz in der Nähe meiner Werkstatt, die der Theaterplastiker, befand. Während wir am Arbeiten waren, dröhnte das Gebrüll der Kinder bis zu uns vor: *KASPER!!! PASS AUF!* Für viele Kinder ist es unerträglich, wenn das Böse über das Ahnungslose siegt. Dieses ausgewachsene Unrechtsempfinden, verwächst sich als Erwachsener seltsamerweise wieder. 

Ganz leicht wird man abgelenkt von der aktuellen Lebensphase (Karriere, Kinder, Umzug, Probleme...), und redet sich raus à la man muss schließlich auch von was leben, der Alltag frißt schon alle Energie, probieren kann mans ja mal, hat doch keiner mitbekommen...  die Anzahl der Ausflüchte geht gegen unendlich - aber dabei verliert sich gleichzeitig die Aufmerksamkeit für sich und für das Trau-Schau-Wem. Nun, zum irdischen Spiel gehört, dass jeder von uns gesehen und wahrgenommen werden will. Dann macht man sich schon mal wuchtiger und wichtiger und rückt die Dinge zu seinen Gunsten zurecht, beschönigt, vergrößert Erfolge, wirft sich in die Brust, hetzt gegen andere... - wer kennt das nicht. Jeder durchläuft akut immer wieder solche Phasen - dann dient es der Bewußtwerdung, chronisch aber führt es in unheilbare (geistige und körperliche) Krankheiten. 

Und Tricksen und Betrügen ist gar nicht mal so schwer (bereits ganz ohne raffinierte Manipulationstechniken). Und halt sowas von verführerisch: Lügen machen (erstmal) das Leben leichter, bequemer, vorteilhafter, gefälliger... - zumindest dem äußeren Anschein nach. Also warum den steinigen Weg der Wahrhaftigkeit wählen, wenn man die Rutschbahn nehmen kann? So zieht doch eine überragende Mehrheit eine schöne Lüge einer unbequemen Wahrheit vor (Tell my lies, tell me sweet little lies).

Das gilt es bei den anderen zunächst einmal zu akzeptieren - deshalb darf man sich Missionieren aus den Haaren kämmen. Die Welt ist wie sie ist: sie entstand durch Geist und läßt sich nur über Geist nachhaltig verändern. Änderung des Geistes beginnt individuell bei jedem selbst - über die Suche nach Wahrheit.

*Die Wahrheit ist ein simpel Ding, die jeder leicht begreifen kann. Allein, sie scheint euch zu gering und sie befriedigt nicht den Wundermann.* (Goethe)

Ja, die Wahrheit kommt oft völlig glanzlos daher, leise, ohne Pathos. Ganz im Gegenteil zum üppigen, ausufernden, lärmenden Schmierentheater, dessen Unterhaltungswert die untersten wie obersten Ränge zum Johlen bringt. Nichts einfacher als zu blenden, solange der Entertainment-Faktor stimmt. Ein gewaltiger Schlag Hysterie, viel Effekthascherei, ordentlich Rabatz, gemischt mit dem Triggern tiefster Ängste - funktioniert immer. Wie soll man dann noch in Ruhe über sich oder das Wesentliche nachdenken? Hinzu kommt: die den Menschen treibende Kraft seht ihm ja nicht auf die Stirn geschrieben. *Eine eigentlich ganz nette Person, eher unauffällig, hat immer freundlich gegrüßt*, heißt es dann in Nachhinein vom Nachbarn, der seine Tochter jahrelang im Keller einbetoniert und missbraucht hatte.

Auf Wahrheitssuche dreht sich der Verstand schnell um sich selbst wie eine kleine Katze, die ihren eigenen Schwanz jagd. *Durch Überlegung wird so etwas nicht geendet; vor dem Verstande sind alle Rechte gleich, und auf die steigende Waagschale läßt sich immer wieder ein Gegengewicht legen.*(Goethe) Its all about perspective! Auf mentaler Ebene gibt es keine Lösung, keine Erklärung, kein besseres oder schlechteres Argument. Hier gibt es für jede Wahrheit einen Gegenwahrheit, egal wie eine These lautet, so findet sich doch eine entsprechende Antithese - etwas, das sich üben läßt (s. Goehte das Hexen Einmaleins). Genau darum ist die Empfindungsebene so entscheidend.

Und um wieder zurückzukehren zu meinem Ausgangspunkt, Madagaskar: von dort brachten wir ein madegassisches Sprichwort mit, das lehrt, wie mit dem Bösen umzugehen ist: *Zeige niemals mit dem ausgestreckten Finger auf das, was sich hinter der Tarnung versteckt - es wird dir großes Unglück bringen*. Das Chamäleon ist Meister und Muttertier der Tarnung und Täuschung. Das doppelt einäugige Reptil passt sich seiner Umgebung an, suggeriert so Sicherheit, um dann mit der Zunge zu töten. Wiederholt beobachteten wir Madegassen, die sich bei dem Anblick eines Chamäleons zu Tode erschreckt haben - im Gegensatz zu den Touris, die begeistert und fasziniert mit der Kamera anrückten. Der Habib entdeckte im Chamäleon den Repästentant für die 3. Verdrehung des Geistes, auch genannt die Lustseuche (Syphilinum).

Sich dem Bösen im Außen den Weg zu stellen macht keinen Sinn. Es sei denn man glaubt, man müsse den Drachenkämpfer spielen. Bitte schön! Siehe Julian Assange: zero Lebensqualität aber dafür Heldenstatus. Wer will tauschen? Und, was hats gebracht? Man verliert Energie, die man für anderes, für sich selbst bräuchte.

Tja, es gibt nunmal nichts zu retten! Das Böse ist böse, weil es böse ist (ich erinne auch an Trude Simonsohn). Geistig nix zu holen für das Marvel-Universum. Stattdessen schluckt das Böse jene, die ihm zu nahe kommen - das funktioniert auf die gleiche Weise wie Co-Abhängigkeit bei Alkoholsüchtigen und deren Umfeld. Das Ungleichgewicht der Welt - so läufts nun mal. *Wer sich unter die Kleie mischt, wird von den Säuen gefressen!*, sagte die Omi gerne. Mehr als Abstand halten, bleibt nicht - zumindst für die, denen an Freiheit und Mündigkeit gelegen ist. Das wird nur in Partnerschaften und Familien schwierig.

Doch selbst im Inneren lauern Fallstricke. *Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert* besagt ein altes Sprichwort. Greife ich dafür in den Anamnese-Fundus des Habib. Gudrun (Name geändert) lag nachts neben ihrem Mann im Bett. Sie mußte dringend aufs Klo. Ihre Blase schien zu explodieren. Aber sie regte sich nicht: sie wollte den Schlaf ihres Mannes nicht stören. Sie glaubte, das wäre Rücksichtnahme. Demut. Eine Opfergabe. Liebe. So kann der Mensch sich selbst in die Irre führen: man meint es (vermeintlich) gut im Hinblick auf andere, hält sich für dienstbar, freundlich und hilfsbereit, betrügt und hintergeht sich aber in diesem Moment selbst.

Über allen anderen Werten steht die Eigenverantwortung: sündige nicht gegen dich selbst! 

*So bleibt die eigentliche Religion ein Inneres, ja Individuelles, denn sie hat ganz allein mit dem Gewissen zu tun* (Goethe)



Im Vergleich zu den eigentlichen irdischen Herausforderungen ist es ein Kinderspiel, sich mit Gemüse glücklich zu kochen. Mit diesem Stew steht geschwind und unkompliziert ein abwechslungsreiches Essen auf dem Tisch, das ein wohliges Bäuchlein zaubert. Wie man abwechselt, habe ich euch unten im Rezept beschrieben.

Und gepimpt ist diese Grütze auch schnell, wenn man sie als Sättigungsbeilage (häßliches Wort) verwendet - s. die All you can eat- Teller, die ich euch auch fotographiert habe. Holt euch etwas fermentiertes Gemüse dazu (stehen hier gerade mehrere Gläser herum - ich muß euch mal etwas zeigen), oder süß-sauer eingelegtes Gemüse (machte ich letztens Herbst einige), ofengeröstetes Gemüse (immer eine gute Idee), einfach ein bißchen Rohkost (oder einen Salat), Pesto dazu, streut ein paar Nüsse darüber oder greift in die Roule ta Boule-Ideen, Puffer, Gemüse-Confit, Ofentomaten, Ajvar (ebenfalls neu bei mir in den Konserven), Hummus, Chutney.... Ihr seht: tobt euch aus. Das Stew ist wirklich eine tolle Grundlage, eine super Basic, im Sommer wie im Winter - nicht von ungefähr bereite ich es uns wirklich häufig zu. Es hat auch Vorteile, dass ich weniger blogge: die meisten Rezepte, die ich euch nun zeige, sind besonders geschätzt.

 

 

 

Zutaten 2P:

70g Quinoa (m: bunt)
50g rote Linsen
50g Buchweizen
70g Couscous (m: Vollwert)*
2 Lorbeerblätter
2 Knoblauchzehen
1 Stück Kombu-Alge
1 Stück Stangen-Sellerie, fein gewürfelt
1 TL Thymian
1 TL weißes Miso
Gemüsebrühe
Zitronensaft (oder weißer Balsamico)
Frühlingszwiebel/ Petersilie

 

Zubereitung:

Knoblauch schälen und andrücken. Alle Zutaten in einen Topf geben und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig).

Lorbeerblätter und Kombu-Alge rausfischeln. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft. Mit frischen Kräutern dekorieren (verwende ich Petersilie, dann koche ich die Stiele im Stew mit).

Möglichkeiten zu pimpen sind endlos: s.o./ Zutatenmenge reicht für 2 Personen - ohne zusätzliche Extras - also insgesamt an Körnern etwa 250g - dann wißt ihr, wie ihr wechseln könnt s.u.

 

Anmerkung m: es gibt ganz viele Varianten, allein schon wenn man die Verhältnisse der Zutaten verändert. Oder die Zutaten: grüne Linsen untermischen und/ oder Hirse und/ oder  Perlgraupen und/ oder Bulgur - wer mag, kann noch einen Löffel Nussmuss unterziehen, um es noch cremiger zu machen.


KIS - Keeper: Linsen-Pfannkuchen

Mittwoch, 17. November 2021


Ein beliebter (und sehr abgedroschener) Kalauer meines Mathelehrers - sich dabei betont umständlich mit der linken Hand über dem Kopf lagend -, war: *Man kann sich auch so am rechten Ohr kratzen!* (triumphierender Blick in den Raum gen ihm anvertraute Zöglinge).

Tatsächlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Mathelehrer oft beliebt sind. Zahlen sind klar und verlässlich und im Zweifelsfall kann man den Weg der Beweise zum richtigen oder falschen Ergebnis folgen. Das spricht somit ebenso für seinen Stellvertreter aka den Mathelehrer. Also Mathematik eben bis zu einem gewissen Grad und gemäß der hauseigenen Intelligenz. Aus der Kiste meiner Biographie ziehe ich gerne folgende Anekdote, die völlig unbeschönigt das Resultat meines Matheunterrichts veranschaulicht.

In meinem Jahrgang wurde in der Oberstufe ein Taschenrechner-Computer eingeführt - zeitgleich mit dem ersten zarten Informatikunterricht bei mit völliger Ahnungslosigkeit gesegneten Lehrern. Um mit dem neuen Taschenrechner zurechtzukommen, benötigten wir ein halbes Jahr der Mathematikstunden - wir waren schließlich die Generation, die noch ohne jeden Tech-Kram groß geworden war - , was uns später dann in der Kurvenberechnung hilfreich zugute kommen sollte.

Eingebrannt in mein Gedächtnis hat sich dann erst wieder, wie ich nach dem Abi meine Schneiderlehre begann samt begleitenden Berufsschulunterricht. In dem allerersten (unangekündigten) Mathetest dort, schrieb ich eine fulminante 5. Ich sollte doch allen Ernstes wieder schriftlich multiplizieren und dividieren - etwas das seit Jahren mein Taschenrechner für mich erledigt hatte. (Und bei Aufgaben wie 0,0002387 x 0,0947 half auch grobes Überschlagen nicht um weiterzukommen). Blamagen dieses Ausmaßes hauen Kerben in die Erinnerung. 

Tja, womit ich ein Exemple statuiert hatte: mit Abi zu doof um Grundsätzliches zu errechnen - Bildungsziel trotz Abschlusszertifikat grob verfehlt, oder? Unnötig anzumerken, dass dieser Taschen-Computer nur einen Wimpernschlag später von anderer Technik überholt wurde, es heute Stift und Papier aber immer noch gibt und ich selbstverständlich auch keinen blassen Dunst mehr von Dreisatz hatte, dafür ein Smartphone heute alles und noch viel mehr kann...

Nun ja, Zahlen scheinen Gesetzmäßigkeiten zu folgen, bieten dem Verstand den sicheren Tritt der Logik an, scheinen verlässlich und unbestechlich. Leider nur bis zu einem gewissen Grad! Sehr leider! Denn wer zieht schon die Willkür vor, wenn er stattdessen eine Orientierungshilfe von Gesetzen geboten bekommt!?! Doch sind wir nicht in soetwas gelandet? Denn - wieder leider - hat sich das sog. Informationszeitalter zwischenzeitlich verwandelt in einen Glaubenskrieg. Dabei dachte die Zivilisation, das hätte sie hinter sich. 

Wie sehr pflichte ich der geschätzen (s. hier) Martina Schwarzmann bei, sich wenn möglich an dem Wahnsinn nicht zu beteiligen: *Momentan ist so, dass ich den Glauben an die Politik so verloren habe, dass ich mich damit überhaupt nicht beschäftigen will, denn sonst könnte man nach kurzer Zeit direkt verzweifeln [...] Und es ist schwierig, sich eine Meinung zu bilden, weil du heute im Internet für jede Meinung Argumente findest.* So rum oder andersherum. Wie wahr. Hier, als kleine Kostprobe: *Die Pandemie in Rohdaten* (Youtube). Wenn man will, kann man gerade alles anzweifeln. Oder halt einfach nur mitschwimmen. Oder den Kopf in den Sand stecken...

 

 

Dabei wollte ich wo ganz anders heraus mit meiner Überschrift KIS - keep it simple. Quasi im glatten Gegenteil. Aber ist halt grad nicht so einfach, wenn alles um einen herum schwurbelt, oder?

 

Beim Kochen kann man es zumindest unkompliziert gestalten. Und ich liebe es, wenn meine Alltagsküche einfach daher kommt. Eigentlich könnte ich jeden Tag ofengeröstetes Gemüse essen. Das variiert ja von alleine mit der Saison. Heute stelle ich euch eine - aus einer kleinen Serie kommender  - neu entdeckter Beilagen vor. Definitiv ein Keeper. Diese Linsenpfannkuchen sind völlig einfach zuzubereiten und ich habe sie nun schon oft auf den Tisch gebracht. Zumal ich ja wirklich gerne mit den Fingern esse. Sie funktionieren als Wrap oder klassisch - comme vous voulez!

Die Zubereitung ist idiotensicher einziger Stolperstein könnte die Konsistenz sein, da die benötigte Menge Wasser seltsamerweise bisher sehr unterschiedlich war (ich kann noch nicht sagen, an welchen Paramtern das hängt - Alter der Linsen?) Genau aus diesem Grund hier der Link: ein Blick genügt, um einen Anhaltspunkt zu haben für den dicklichen Linsenbrei, der sich später in der Pfanne nicht von alleine ausbreitet, sondern mit dem Löffelrücken verteilt werden muss.

 

 

Zutaten 8Pfannkuchen (2-4P):

200g rote Linsen
1/2 TL Salz
Pfeffer
50-100ml Wasser
optional: Thymian/ Kreuzkümmel/ Koriander...
Öl (m: Sonnenblumen)

Zubereitung:

Die roten Linsen mit Wasser übergießen und mindestens 2 Stunden einweichen lassen (wenn es etwas länger wird, ist auch nicht schlimm). Abtropfen lassen. In einen Blender geben, salzen, pfeffern und nach Belieben noch Gewürze zufügen (oder auch nicht). Wasser nach und nach anschütten (nicht alles auf ein Mal - s.o.) und fein blenden. Die Konsistenz sollte ein zähflüssiger Brei sein.

Nacheinander in ein wenig Öl in einer erhitzen Pfanne 8 Pfannkuchen backen.

Anmerkung m: für wieviel Personen ausreichend ist, hängt davon ab, was man zu diesen Pfannkuchen serviert/ bei uns gabs zu ofengeröstetem Gemüse und etwas Salat auch Avocado, Blumenkohl-Ras-el-Hanout-Pü mit Mandelmus/ Ajvar (dieses Jahr selbstgemacht)/ Auberginen-Aufstrich/ Gemüse-Confit/ Rote Bete-Hummus...)

 

Geschwister im Blog-Universum: galettes de sarrasin

 


Fräse: grüner Spargel mit neuen Kartoffeln und Bärlauch-Hummus

Mittwoch, 5. Mai 2021


Alle, die einen Garten ihr eigenen nennen, wissen wie das NACH eines richtigen Landregens aussieht: man möchte wie ein Fräse durch den Garten kurbeln, man wünschte sich mehrere Arme wie die Göttin Shiva, man hätte gerne eine Armada an Wichteln und Zwerge als Verbündete, auf die man GENAU JETZT zurückgreifen könnte.

Alles will gleichzeitig gemacht werden: GENAU JETZT, wenn sich das Unkraut butterweich aus dem Boden ziehen lässt und die vorgezogenen Pflänzchen in krümmeligen Boden gesetzt werden wollen und die Aussaat die richtige, anhaltende Feuchtigkeit hat. Ich rechne dann meine Gartenarbeit gar nicht in Stunden sondern in *Grünabfall-Säcken*. Meine Hände sind noch weniger als sonst vorzeigbar und schon überhaupt (und sowieso nie) etwas für künstliche Fingernägel. 

Obendrein ist GENAU JETZT die Zeit, in der das Trocknen von Heilpflanzen wieder beginnt (Anfang machten u.a. Melisse, Rotklee und Borretsch). Echt, man möchte sich vierteilen können! Abends liegt man dann im Bett und gerne dürfte ein könnender Physio die erdverbogenen Glieder an ihren ursprünglichen Platz in der Horizontalen erinnern. Und doch fühlt man sich gebraucht, nützlich, als Teil vom Ganzen und sieht das Tageswerk befriedigend vor Augen. Tsss, das bißchen Muskelkatze - je m'en fou!

Ich liebe die Gartenarbeit im Mai. Unser Garten ist nie schöner, ein Stück Paradies, ein Baden in Fruchtbarkeit, Düften, Farben, Blumen und Kräutern. Wer GENAU JETZT durch unseren Garten läuft und nix Schönes entdeckt, dem fällt auch sonst nichts auf, was sein Wohlgefallen findet. Ja, logo, bin ich selbstverliebt, wenn ich von unserem Garten rede. *Der Hass ist parteiisch, aber die Liebe ist es noch mehr!* (Goethe)

 



Daher könnt ihr bestimmt nachvollziehen, dass dem Garten gerade jetzt meine ganze Aufmerksamkeit gewidmet ist. Aber gekocht wird ja doch. Teils aber in Waldfeen-Tempo - wie bei diesem Gericht, bei dem ich auf Vorräte in der Tiefkühle zurückgreifen konnte. Dann ist das Essen *husch-husch* und unkompliziert auf den Tisch gebracht. 

Grünen Spargel im Ofen zu garen, ist sowieso meine liebste Zubereitung für grünen Spargel. Den Hummus mache ich nur großportionsweise - Hummus bereichert viele Gerichte. Und die confierten Kirschtomaten zählen schon lange zu meinen Einmach-Standarts - sie sind auf diesem Teller schwer verzichtbar, da sie einen ausgesprochen feinen Kontrapunkt kreiieren! Die fermentierte Bärlauch-Sauce schmeckt, finde ich, etwas edler als Pesto - aber ganz wie ihr wollt, ganz wie ihr könnt.


Zutaten 2P:

500g grüner Spargel
Olivenöl 
1 Pr Zucker
1 Pr Salz

400g kleine, junge Kartöffelchen (m: délicatesse)
Rosmarin
fleur de sel
Olivenöl
1/4 TL Paprika-Pulver

Hummus*
300g Kichererbsen, getrocknet
ca 3 EL fermentierte Bärlauchsauce
Piment d'Espelette
Zitronensaft
1 EL Tahini
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer

250g confierte Kirschtomaten (m: eigene, Froster)

Zubereitung: 

Kichererbsen am Abend zuvor mit ausreichend Wasser bedecken und quellen lassen. 

Quellwasser der Kichererbsen abschütten, mit neuem Wasser aufsetzen und weich garen - dauert ca. 45min (m: mit einem Stück Kombu-Alge). Kochwasser auffangen und aufbewahren - Kichererbsen häuten (dafür diese zwischen den Handflächen hin-und herrollen - dabei löst sich die Schale - nun zurück in eine Schale mit Wasser geben, dabei schwimmt die Schale oben an der Wasseroberfläche und die Kichererbsen sinken nach unten).
 
Alle Zutaten in einem Mixer geben und so cremig und glatt wie möglich pürieren. Mit den restlichen Zutaten würzig abschmecken - mit dem aufgefangenen Kochwasser zur gewünschten Konsistenz bringen.

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. 

Kartöffelchen waschen, trocken tupfen, Rosmarin fein hacken, alles in einer Schüssel mit 2 EL Olivenöl, Paprika-Pulver und fleur de sel mischen, in eine ofenfeste Form geben und - je nach Größe - für etwa 25-30min in Ofen geben.

Das Ende des Spargels abschneiden und das untere Drittel schälen, mit Olivenöl bestreichen und salzen, pfeffern, sowie mit einer Prise Zucker würzen. Für insgesamt ca. 15-17 Minuten im Ofen garen - entsprechend nach den Kartoffeln in den Ofenschieben, damit beides gleichzeitig fertig wird. Die Kirschtomaten auf die schnelle Variante (ebenfalls mariniert in Olivenöl, einer fein gehackten Knoblauchzehe, gesalzen und gezuckert) mit den Spargel zusammen im Ofen rösten.

Hummus auf einen Teller anrichten, Kartoffeln und Spargel darauf verteilen und die Kirschtomaten zuletzt dazwischen setzen. Servieren.

*Anmerkung m: üblicherweise confiere ich unsere Kirschtomaten für den Froster länger bei weniger Hitze (man kann für dieses Gericht aber auch den Turbo einlegen)/ für das Hummus gleich mehr Kichererbsen einweichen und eine größere Menge machen - Rest einfrieren

 

Geschwister im Blog-Universum: grüner Ofenspargel mit Zitrünen-Pü 

 

sonnen und zur Schau stellen gleichzeitig - Smaragdeidechse-Männer-Leben

12 von 12 - März 2021

Freitag, 12. März 2021

 


 

 

Eine Freundin, die ebenfalls Team #Kalendersprüche angehört, und ich schicken uns gerne Fundstücke hin und her. Den von Foto 1 bekam sie heute. Und ihr dürft gerne raten, welche Emojis ihn beim Austauschen begleiten... Wieder mal zusammen tanzen gehen - davon haben wir geträumt. Und uns direkt ein Lied dazu herausgesucht - was ich euch unten eingestellt habe. Wie intensiv das werden wird, sehnsüchtelte sie...

Den Tag aber habe ich begonnen wie immer: einen halben Liter Wasser auf nüchternen Magen beim ersten Blick ins Web, hulagehupst und anschließendes Porridge. Aber ich dachte mir, ich steige mit einem anderen Bild als dem Porridge ein - das Porridge ist dank des 12er Events das am häuigsten fotographierte Gericht dieses Blogs. 

Außerdem habe ich mir gerade erzählen lassen, wir seien eine Gesellschaft, die infinziert wäre von dem Virus des Immerzu Neuen. Jahrtausendelang lebten wir in Gemeinschaften, in denen sich die Dinge wiederholten: Menschen aßen, tanzten, arbeiteten und kleideten sich exakt so wie ihre Eltern. Und vor ihnen deren Eltern. Die Leute lebten völlig problemlos mit der Wiederholung, aber wir heute würden das nicht mehr ertragen. So zumindest lautet eine Erklärung für Fast Fashion und wie der Gründer von der Modekette Zara zum 6 reichsten Mann der Welt werden konnte (s. Arte-Doku *Fast Fashion*). Mögen andere das ewig gleiche Frühstück für langweilig halten, wir können uns keinen anderen Start als mit Porridge vorstellen - zumal das Obst ja mit der Jahreszeit und dem Angebot wechselt.

Jeder Tag im Frühling, an dem es nicht regnet, ist ein Gartentag - also gibt es neben viel Beschäftigungsmöglichkeiten auch haufenweise Impressionen aus dem Garten. Wie das Taubenschwänzchen. Ebenso ein Blick ins Treibhaus auf die Zöglinge des Habib. Ohne Garten kann ich mir eine Existenz ebenfalls nicht mehr vorstellen. Ich brauche Erde unter den Füßen und unter den Fingernägeln!

Dazwischen wird zu Mittag gegessen - gegessen muss nun mal werden. Und mal schauen, ob ich dazu komme, auch dieses zu verbloggen. Es stapeln sich gerade so viele Teller in der Warteschleife. Falls nicht, dann sei die Inspiration dazu aber verraten: gebratener Rosenkohl auf Kürbis-Hummus

Die erste blühende Orchidee des Jahres, das Reisenknabenkraut, habe ich euch bereits gezeigt. Für mich ist ihre Anwesenheit in unserem Garten ein kleines Wunder. Zum ersten Mal gesehen hatte ich sie einst weit entfernt auf dem Weg zu einem Resto-Besuch. Und jetzt stehen welche auf rätselhafte Weise im Rasen hinterm Haus. Für mich unerklärlich. Der Habib verglich dieses Mysterium mit einem Baggersee, der irgendwo ausgehoben wird, und auf ein Mal schwimmen dort Fische drin, einfach so, die dort keiner reingesetzt hat und das obwohl das nächste Gewässer Kilometer entfernt ist...

Die Fische in unserem Gartenteich haben wir aber höchstpersönlich bei uns heimisch gemacht - zumindest die ersten. 

Frisch ausgewildert im Garten ist die Brennnessel, die ich vergangenes Jahr überall gesucht habe. Lieber hätte ich sie wild ums Eck geernet. Aber auf Brennnessel als Heilkraut will ich nicht verzichten und um damit Dünger-Jauche anzusetzen ebensowenig. Ich bin gespannt, wie ungezähmt-anständig sie sich ausbreitet...

Nachmittagsarbeit ist den Holzunterstand vorzubereiten - morgen bekommen wir nochmals Holz geliefert. Was ungewöhnliche Abendwolken!

Vor dem Bloggen gibts wie allabendlich eine Yoga-Einheit. Wie sich zeigt, scheine ich ein Berlin-Yoga-Mädel zu sein. Neu entdeckt habe ich seit den letzten 12 von 12 Mascha Trietsch und Verena Leuze, beides Berliner Yoga-Lehrerinnen, mit denen ich jetzt besonders häufig auf der Matte stand. Heute allerdings ließ ich mich anleiten von dem Weltenbummlerpaar Bre and Flow - und zwar mit diesem Vinyasa-Flow von Flo. Flos Englisch verstehe ich dank seinem deutschen Akzent (er ist gebürtiger Stuttgarter) ausgesprochen gut, musste aber ob der ungewöhnlichen Übergänge trotzdem ab und an gucken (die L-Sits hebe ich mir für die Zukunft auf - oder auch nicht)

Und zuletzt eine Runde Wohnzimmer-Tanzen mit Chaka Khan, um locker in der Hüfte zu bleiben, bis irgendwann... Aber vorher wird geschaut, wer außerdem mitspielt bei Mme Kännchen und ihrem monatlichen 12 von 12 - Event!

Keeper - Gemüse-Beilagen II

Montag, 19. Oktober 2020

 

Vergesse niemals die Kernaufgabe eines Foodblogs! Und diese ist für mich die Inspiration und Animation zum Kochen.

Mittlerweile habe ich über die Jahre schon einige Labels hier etabliert. Von Blog-Bustern über DUBBs - ihr wisst Bescheid: Rezepte, die von Blogs zu Blogs springen, weil sie so super sind und an denen wenig rumgedoktort wird (=Blog-Buster), plus die anderen, bei denen man höchstpersönlich zutiefst überzeugt ist, dass diese eigene Rezepte eine solche Karriere ebenfalls mehr als verdient hätten (=DUBBs). Dann habe ich *Pro Centum* eingeführt, nachdem sich hier nun schon über 1500 Posts stapeln, um den Fokus wieder zurückzulenken auf Vergangenes wegen Text, Bild oder Rezept.

Die letzte Neuerung war die des Keepers. Da ich ja nun vegetarisch koche, bedeutet das für meine Küche, dass ich Gemüse mit Gemüse kombiniere. Womit wir geraden Weges bei den Beilagen herausgekommen wären. Dabei klingt *Beilage* doch richtig mies. Fast schon wie ne Beleidigung (*ey, du Beilage!*) . Noch fieser: *Sättigungsbeilage*. Das würdigt nicht ansatzweise die schönen Rezepte, die sich dahinter verbergen. Und logischerweise greife ich immer wieder auf solche *Keeper* zurück - nur dass ich sie dann gerne neu kombiniere. Schließlich bin ich selbst ja auch Fan meiner Rezepte. Wenn man schon kocht, sollte doch zuerst einem selbst gut schmecken, was man auf den Teller bringt, oder etwa nicht?!

Heute lenke ich eure Aufmerksamkeit also auf vier solcher Klassiker. 

Auf dem untersten Foto oben seht ihr die Buchweizen-Pfannkuchen. Die galettes de sarrasin sind einfach spitze! Die Pfanne muss gut heiß sein - das ist entscheidend, dass sie schön luftig werden! Dazu das selbstgemachte Hummus (superlecker) sowie ofengeröstetes Gemüse, das ja IMMER geht!



Mit dem zweiten Foto habe ich die Ottolenghi-Polenta aus frischem Mais wieder zubereitet (mit Pilz-Gulasch) und dabei festgestellt, dass die beigefügte Flüssigkeitsmenge wohl sehr von der verwendeten Mais-Sorte abhängt. Dieses Mal benötigte ich deutlich mehr. Jo, und etwas größer könnte die Portion für zwei durchaus sein.


Von einem Rezept habe ich kein neues Foto gemacht, deshalb ziehe ich das bereits vorhandene von den Süßkartoffel-Gnocchi zum Neubewerben wieder heran. Sie sind wirklich völlig unkompliziert zu machen - selbst für Gnocchi-Skeptiker. Man muss lediglich die Arbeitsplatte gut bemehlen. Und ich erinnere mich gut: mit Süßkartoffel-Gnocchi hatte ich als Kochanfängerin schon richtig schlechte Erfahrung gemacht. Tja, es liegt halt nur an einem guten Rezept, welches mir auch besser gefällt als das andere, ältere, das bei mir zu finden ist. Wobei braune Butter, Salbei und Balsamico hervorragend dazu passen!


 

Zu guter letzt bereitete ich uns den Fränzi-Klassiker gratin dauphinois nach Anne-Sophie Pic zu - siehe erstes Foto. Kartoffel-Gratin ist eigentlich immer unwiderstehlich. Die Art und Weise wie die Sterneköchin das Gratin zubereitet, gefällt mir wirklich gut. Aber ich spiele mit dem Gedanken, es doch mal original nachzukochen - also mit tüchtig viel Sahne. Nich, so wie bei Crème brûlée - manchmal macht Kaloriensparen einfach keinen Sinn. Außerdem haben wir ein Kartoffel-Gratin im Kopf, welches wir einst in einem urigen Dorf-Resto aßen, das von zwei Omis geführt wurde und welches es so schon lange nicht mehr gibt. Das ist nach wie vor ungeschlagen. Ich habe den Verdacht, dass das Gratin am besten schmeckt, wenn man es wieder aufwärmt. Bref: volle 10 von 10 Punkte bekommet das Pic-Gratin nicht. Zumindest nicht in meiner entschlankten Version. Aber es ist bis jetzt das beste Rezept, das ich kenne.

 

Krisenfeste Brotlinge

Mittwoch, 18. März 2020


Als wir am Montag über nahezu leere französische Autobahnen fuhren unter digitalen Schildern hindurch, auf denen üblicherweise Staus, Umleitungen oder Pausen-Vorschläge angezeigt werden, war nun beharrlich der gleiche Text zu lesen:
       Covid-19
       Evitez des contacts sociales
Es war so unwirklich, ich fühlte mich wie in mitten in einem Sience-Fiction. Ehrlich, ein landendes Ufo auf dem Seitenstreifen hätte mich kaum noch erstaunen können.

Dank den vielen Reisen der letzten Winter an der Seite meines abenteuerlustigen Habibs komme ich ganz gut damit zurecht, mich an neue Umstände anzupassen und klebe nicht manisch an Gewohnheiten. Wenn alles mal ganz anders läuft, das erschüttert mich nicht. Eine Erfahrung, die eigentlich prinzipiell allen gut tut. Wobei gerade die Zügel schon mit aller Kraft herumgerissen werden. Dieser Frühling 2020 wird in das weltweite Gedächntis eingehen als das Frühjahr, in dem der Corona-Virus ausbrach. Alle Bürger aller Nationen werden sich erinnern. Der Beginn des weltersten, weltweiten Ausnahmezustands: auf gesundheitlicher Ebene, auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene.

Reden wir mit andern, dann begegenen uns überall zutiefst verunsicherte Menschen. Man ist bereit, alle Restriktionen hinzunehmen, so umwälzend sie auch sind. Keiner hätte es für möglich gehalten, dass derartige Maßnahmen wie Reise-, Bewegungs- und Versammlungsbeschränkungen in einer Demokratie je umsetzbar sind. Nun erleben wir ungeheuerliche Auflagen - unsererm eigenen Schutz zuliebe und dem anderer.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass mit der Argumentation der Sicherheit schon vieles umgesetzt wurde. Nun hat Macron gar den Krieg ausgerufen. Sofort fällt mir das bekannte Kypling-Zitat ein: *Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges.* Denn ich vergesse nicht, dass es in der Politik IMMER zwei Handlungsräume gibt: den vor dem Vorhang und den hinter dem Vorhang.

Zusammen mit dem Wunsch selbst zu denken, lehrte mich das Unterwegssein: je unruhiger, je undurchsichtiger eine Situation, umso wichtig ist es zu versuchen eine Meta-Ebene einzunehmen. Denn sich im Detail zu verlieren, bringt im Zweifelsfall nicht weiter. Zwei Fragen helfen dabei zuverlässig und bringen Licht ins Dunkel. Die eine Frage richtet sich nach innen: *Was hat das mit mir zu tun?* Und die andere Frage dreht sich nach außen: *Wem dient das Ganze? Wer profitiert?*

Christian Drostens Ratschlag vor dem Wochenende, nämlich sich nicht immer nur von denselben Leuten beraten zu lassen sondern ebenso von anderen Fachdisziplinen, nahm ich an. Ich zog - ein Mal mehr - meinen *zu Tisch mit...*- Gast den Investmentbanker Dirk Müller hinzu. Und nachdem ich mir seine Zusammenfassung nach Börsenschluß letzter Woche angehört hatte, wäre mir lieber gewesen, ich müßte mich lediglich mit einem neuartigen Grippe-Virus auseinandersetzen und nicht zusätzlich mit brodelnden Finanzmärkte, die von ganz oben eine Umstrukturierung der Besitz-, Macht- und Lebensverhältnisse nach sich ziehen werden: alles wird in Frage gestellt. Tiefgreifende Veränderungen stehen ins Haus - Ausgang offen.

 

Wie wohl tut mir die Natur um mich, der Garten, der duftenden Frühling, die zwitschernden Vögel. Wir schauen in unser Tal und atmen die ganz große Beständigkeit ein. *Und diese Kulisse wird genauso bleiben - mit oder ohne uns* sagt der Habib.

Das heutige Gericht kann man verwenden als Reste-Küche, für misslungene Katastrophen-Brote, als vegane-Burger-Bulette oder als multi-abwandelbarer Puffer. Ich finde, dass dieses vegane Rezept den Fleisch-Frikadellen von allen meinen seither ausprobierten am nächsten kommt. Drei Mal habe ich sie bereits zubereitet, mit unterschiedlich altem Brot, zwei-drei Tage alt, ganz trocken und 4 bis 5 Tage alt (also noch nicht völlig rösch) - für ideal für die Konsistenz hat sich letzteres gezeigt. Ein glasklarer Keeper - definitiv krisenfest.


Zutaten 2P:

200 g altbackenes Brot in Scheiben oder Würfeln
1 mittelgroße Zwiebel oder 3–4 Frühlingszwiebeln
optional eine Handvoll Spinat, Rucola, Petersilie
Kapern, getrocknete Tomaten, Pilze, Oliven...
(m: 150g gekochte, rote Beete, fein gerieben oder püriert)
3–4 EL Semmelbrösel
Salz
Pfeffer

Zubereitung:

Brot in einer Schüssel mit kochendem Wasser übergießen, so dass es bedeckt ist -fünf bis zehn Minuten einweichen lassen. (bei völlig trockenem Brot - en plus teils sehr vollkornlastigem - musste ich es zwei Mal übergießen, damit es ganz aufweicht/ zu frisches Brot wiederum suppt zusehr).

Das eingeweichtes Brot in einem Sieb abgießen und so gut es geht ausdrücken. Zwiebeln beziehungsweise Frühlingszwiebeln fein würfeln. Zusammen mit Semmelbröseln unter die Brotstücke kneten. Mit Salz, Pfeffer und beliebigen weiteren Gewürzen pikant abschmecken. Wichtig ist, dass die Masse nicht zu feucht ist und gut formbar. Nach Bedarf mehr Semmelbrösel dazugeben. Zu Brotlingen formen und in einer Pfanne mit reichlich Öl von beiden Seiten knusprig braten.

*Anmerkung m: dazu passt Salat aller Art, ofengeröstetes Gemüse oder Hummus - wie dieser mit roter Bete

Inspiration: Zeit


Totally Gemüseliebe

Mittwoch, 24. Juli 2019


Jeder, der Gemüse liebt, liebt ofengeröstetes Gemüse. Erstes Gemüse-Groupie-Gesetz. Wer das nicht tut, der ist leider nicht normal. Der muss an einem sehr komischen Defekt leiden (kein Geschmackssinn?) oder eben nur vortäuschen, Gemüse zu lieben.

ADORE - hatte ich mir in der Jugend mal mit großen Buchstaben als Shirt-Aufdruck gebastelt, um mit dem schönen, englische Wort (welches es genau so auch in Frankreich gibt) als wandelnde Litfass-Säule Werbung zu laufen. Weil ich fand, dass dieses Verb in meiner Geburtsnation zu wenig im aktiven (!) Gebrauch ist - verbal wie tätig. J'adore... sagen die Fränzis häufig: die himmlen an, vergötteren, schwärmen,  brennen, mögen einfach vieles furchtbar gerne... Das hebt definitiv die Lebensqualität.

Exakt wie ein Ofenaufenthalt die Qualität von Gemüse zu heben vermag. Ich hatte wirklich schon sämtliches Gemüse im Ofen: Blumenkohl, Aubergine, Kürbis, grüner Spargel, Wirsing, Zucchini quasi bald nur noch, ohne die Ofen-Tomaten geht eh nix - das macht gar keinen Sinn, alles auflisten und verlinken zu wollen. Es sind einfach zu viele Gerichte, die ich so schon zubereitet habe. Und alle werden eigentlich zu DUBBs. Selbst Obst kann man auf diese Weise um mehr Geschmack bereichern wie Erdbeeren, Rhabarber, Äpfel....

Ich glaube, das wäre auch der Titel für ein Kochbuch von mir: *Rezepte mit ofengerösteten Gartenfrüchten* (jetzt nur mal so als Blaupause-Titel/ Skizze/ als grobes Konzept, ihr versteht) - aber das Thema gäbe lockerlecker ein ganzes Buch für mich her! Und sollte je ein derartiges Buch erscheinen, das nicht von mir ist, dann wurde die Idee von mir geklaut (ich wollte es nur rechtzeitig angemerkt haben)!

*Was gibt es denn heute*, fragte der Habib mich. Ich erklärte ausführlich. *Gemüse mit Gemüse also*, fasste der Habib zusammen. Und so kam es dann.

In dieses Gericht hätte ich mich ohne jede Untertreibung reinsetzen können. *Ohhh*, stöhnte ich am Mittagstisch gen Habib, *das könnte ich jeden Tag essen! Das wird ein waschechter Lieblingsteller!* Ich mochte einfach alles: die unterschiedlichen Temperaturen, Gewürze, Aromen, Texturen und dann noch gebettet auf einem eh absolut DUBB würdigen Karotten-Pü... franchement, je l'adore totalement! 
 

Zutaten 2P:

(plus ca. 4 EL Kokosmilch - dadurch etwas flüssiger)

5 kleine Kartoffeln, festkochend (m: Charlotte)
5 Artischocken
Rosmarin, Paprika-Pulver

1 rote Zwiebel
1/2 Fenchelknolle
1 Rote Beete
1 1/2 TL Sumach
1/2 TL Kreuzkümmel
1 TL Koriander

1 kleine, grüne Zucchini
Rosmarin, Thymian
eine handvoll Kirschtomaten 
Vanillezucker
Thymian
Rohrzucker

Sonnenblumenöl
fleur de sel, Pfeffer

1 griech. Schafsjoghurt
3 Knoblauchzehen
1/2 Gurke
einige Blätter Minze


Zubereitung:

Alles Gemüse putzen und rüsten. Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen.

Das Gemüse in der Reihenfolge wie in der Zutatenliste in einer Schüssel würzen. Zu genannten Gewürzen kommt bei sämtlichem Gemüse noch Öl, Salz und Pfeffer an die Marinade.

Die Kartoffeln achteln, Artischocken vierteln und gut mit den aufgezählten Gewürzen marinieren - vorne als Streifen auf dem Backblech ausbreiten und in den Ofen schieben (insgesamt für 25min - zwischendrin mal wenden)

Als nächstes den entstrunkten und in Streifen geschnittenen Fenschel mit der ebenfalls halbierten und in Streifen geschnittenen Zwiebel mischen. Außerdem unter die Gewürzmischung unterziehen die geschälte rote Bete, die ich in feine Schnitze geschnitten habe - neben dem ersten Gemüse als Streifen auf das Backblech setzen und in den Ofen geben (insgesamt für 20-25min)

Die Zucchini vierteln, in Streifen schneiden und durch die Marinade schwenken, wieder neben das andere Gemüse auf das Backblech - nach 10 Minuten Garzeit des anderen Gemüses für 10 Minuten in den Ofen schieben.

Die Kirschtomaten halbieren, würzen und für die letzten 5 Minuten mit in den Ofen geben.

Parallel das Karotten-Pü auf den Weg bringen. Außerdem das minzige Zaziki zubereiten. Gürke fein reiben, in einem Sieb gut ausdrücken, mit dem Joghurt, der fein geschnittenen Minze und dem durch die Knofi-Presse gequetschen Knoblauch mischen. Kalt stellen.

Zum Servieren das lauwarme Pü auf den Tellern verteilen, das heiße Gemüse darauf anrichten und den Zaziki zur Seite stellen.


 Geschwister im Blog-Universum (u.a.):




Schlagworte: Hummus-Teller

Mittwoch, 22. Mai 2019


Der reinrassige, eingefleischte, orthodoxe Vollblut-Pazifist wird bereits bei dem Begriff *Schagwort* zusammenzucken. Zu aggressiv. Zu angriffslustig. Doch niemand arbeitet lieber damit wie Werbung und Politik. Das fällt gerade jetzt wieder zur Europa-Wahl auf. Einfach, klebrige, eingängige Versprechungen - mehr Inhalt braucht es nicht.  Oder mehr passt halt nicht auf das Plakat. Das muss man verstehen. Und alles klingt irgendwie ähnlich reisserisch: *Just do it* oder *Yes wie can*, *Das schaffen wir* oder *Wenn's gut werden soll* - als wären sämtliche Slogan von der gleichen Agentur entworfen worden. SameSame but different!

*Wir lieben Europa, deshalb wollen wir es verändern* las ich gerade. Merkwürdige Liebeserklärung: ich mag dich, deshalb gefällst du mir nicht, wie du bist. Für mich muss man anders Süßholz raspeln. Komisch auch, dass diese Versprechungen durchaus unerfüllbar bleiben dürfen. Ist ja nur der Aufhänger. Das sollten wir kapiert haben. Im Kleingedruckten steht das Wesentliche. *Quand l'Europe veut, l'Europe peut* - *Carglass répare, Carglass remplace!*  

Aber wenn wir schon dabei sind, dann hätte ich ebenfalls ein paar Vorschläge anzubieten. Wie gesagt: *Vorschläge*. Meine Ethik-Professorin an der Uni brachte mir bereits bei, dass selbst die Menschenrechtscharta lediglich Vorschläge sind. Unverblindliche Richtlinien. Wenngleich auch sehr schön klingende. Voilà, also los gehts aus meiner Schreibwerkstatt:


*Leben Sie einfach - wir kümmern uns um Ihre Datensicherheit*

*Weltfrieden - macht Kinder froh!*

*Europäische Atomkraft - DER Garant für sichere Endlager!*

*Wenns einmal läuft: europäischer Warenverkehr auf Schienen!*

*Für europäisches Handwerk - die Bürokratie übernimmt ab sofort der Staat!

*Jetzt mal echter Mehrweg: 
Jeder Produzent haftet für das Recycling seines Produktes*

*Die Natur und du: Artenvielfalt gleich Lebensvielfalt*

*Zufriedenheitsgarantie: Embargo aller Ländern, die Waffen exportieren!*

*Dicke Autos - fette Steuer!* 
 
 
Ach, ich könnte endlos weitermachen. Irgendwie erwartet ja keiner mehr groß Ergebnisse. Oder doch? Eigentlich sind es doch vielmehr verwunschene Zielvorstellungen, die angestrebt werden wollen. Irgendwann. Und erstmal theoretisch. Fristen sind sowieso was für Kleindenker. Und die Welt ist zu komplex für echte Hauruck-Aktionen. Global Playing wenn es um das Klima oder das Recht von Lebewesen geht - zu große Brötchen. Gut, ja, vielleicht sollte ich etwas besser über Politik denken. Die Poltikschaffenden machen mir es leider nicht einfach, da mein Maßstab der uralte Spruch bleibt: *An den Taten werdet ihr gemessen*. Wären vielleicht mehr wie die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern - deren Gebaren fand ich in der Attentat-Situation ganz toll - dann, vielleicht dann... 

Ihr habt auch noch mehr Vorschläge? Bitte her damit, nur raus damit! Ich verspreche auch, ganz bestimmt nicht in die Politik zu gehen. Lieber koche ich uns etwas Leckeres. Und zwar einen Hummus-Teller, den ich genau so in einem kleinen türkischen (eigentlich kurdischen) Resto in Freiburg gegessen hatte. Ich hätte mich wirklich reinsetzen können: die seidige Kichererbsen-Crème, die knusprigen Falafel dazu. Ganz nachbasteln konnte ich es zuhause nicht. Für uns zwei hatte ich keine Lust die Friteuse anzuwerfen und ersetzte Falafel durch Mais-Küchlein. Und wie sich rausstellte, bräuchte ich für die gleiche Cremigkeit des Hummus wohl einen besseren Mixer (vielleicht seid ihr besser ausgestattet wie ich). Nichtsedestotrotz: ein oberköstlicher Teller!


Zubereitung:

Maisküchlein:
100g Maisgrieß/ Instantpolenta*
400ml Gemüsebrühe
2 TL Rosmarin, fein gehackt
Harissa
2 TL Tomante-Confit
3 EL frische Kräuter
1 TL Mandelmus

Salz, Pfeffer

Grill-Gemüse
Paprika, Brokkoli, Karotten, grüner Spargel, rote Zwiebel
Marinade
3 TL Koriander
1 TL Kreuzkümmel
1/2 TL Sumac
1/2 TL Paprika
Salz, Pfeffer
Sonnenblumenöl

Hummus
300g Kichererbsen, gekocht, geschält*
1 Zitrone, der Saft davon
1 EL Tahini
2 Knoblauchzehen
Kochwasser der Kichererbsen
(ansonsten einfach etwas Wasser)
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

am Abend zuvor:

Kichererbsen am Abend zuvor mit ausreichend Wasser bedecken und quellen lassen. 

Für die Mais-Küchlein die Brühe mit dem Rosmarin aufkochen. Die Instantpolenta einstreuen und etwa 3min unter Rühren köcheln lassen bis die Polenta anzieht. Dann die restlichen Zutaten untermischen und sehr würzig abschmecken. Eine Kasten- oder Gratinform mit Frischhaltefolie auslegen und die Masse darin glatt einstreichen, so dass sie etwa 1cm Höhe hat. Abkühlen lassen, abdecken und in den Kühlschrank stellen.

Quellwasser der Kichererbsen abschütten, mit neuem Wasser aufsetzen und weich garen (m: mit einem Stück Kombu-Alge). Kochwasser auffangen und aufbewahren - Kichererbsen häuten s.u. bei *Tipp*

Alle Zutaten in einem Mixer geben und so cremig und glatt wie möglich pürieren (mir gefiel am Original, dass die Konsistenz eher eine Sauce als ein Püree war, also flüssiger als ich es sonst gegessen habe).

Den Ofen auf 200° vorheizen. Gemüse putzen: Brokkoli in Röschen teilen, Paprika und rote Zwiebel in Streifen ebenfalls Karotten in nicht zu dicke Streifen schneiden, Spargel in mundgerechts Stücke richten. Die Zutaten der Marinade mischen. Ich habe nur einen Teil des Gemüses damit mariniert, nämlich Karotte und Brokkoli und den Rest pur vorgezogen, also auf die andere Seite der Gratinform gegeben, nur mit etwas Öl beträufelt und gesalzen und gepfeffert. Für ca. 20 min im Ofen garen. Für ein paar wenige Minuten habe ich noch den Grill abschließend angeworfen.

Während das Gemüse im Ofen schmorrt, aus der Polenta kreisförmige Küchlein ausstechen und in Öl von beiden Seiten knusprig braten.

Die Hummus-Crème auf den Tellern verteilen, Gemüse und Mais-Küchlein darüber und los gehts...

TIPP: In diesem Fall ist Instant-Polenta die bessere Wahl, weil die Küchlein dadurch mehr Halt erhalten. Nimmt man - wie ich sonst - bevorzugt richtigen Maisgrieß, muss man die Küchlein beim Wenden mit mehr Vorsicht behandeln.

um Kichererbsen zu häuten, die zwischen den Handflächen hin-und herrollen - dabei löst sich die Schale - nun zurück in eine Schale mit Wasser geben, dabei schwimmt die Schale oben an der Wasseroberfläche und die Kichererbsen sinken nach unten.