Joyeux Noël 2020

Freitag, 25. Dezember 2020


Spiritualität bedeutet für mich zu suchen.

Und ein Suchender ist voller Fragen.

Meine Suche begann mit den Zweifeln an der Institution, an dem Verwaltungsapparat katholischen Kirche - samt all ihren Widersprüchen und Unerklärbarkeiten.

Niemand wird je virtuoser das Kerngeschäft des katholischen Klerus zusammenfassen als Dostojewski in *Der Großinquisitor*. Dabei - das ist der Geniestreich - verteidigt Dostojewski ihre Machenschaften als Hilfestellung für die Schwachen. Denn er erklärt, dass die wenigsten Menschen dafür gemacht sind, mit der Himmelsbotschaft von Jesu umzugehen: mit der Freiheit.

Echte, gelebte Spiritualität als Umgang mit Freiheit - das ist doch faszinierend, oder? 

Und wir sind mittendrin im philosophischen Diskurs! Ja, warum ist Selbstbestimmung und freiwillige Eigenverantwortung so schwierig? Welche Auswirkungen hat die Grundvoraussetzung, die Polarität, damit freie, menschliche Entwicklung überhaupt möglich ist, für den Einzelnen? Wie passen Konsequenz und Freiheit zusammen?  Wenn *Geist* konsequent weiter gedacht wird, warum ist dann die Reinkarnation unverzichtbar? Warum widerspricht sich *die Erlösung aus dem Rad der Inkarnation* nicht mit der Idee Jesu? Und warum sagt Goethe *Nur wer stetig strebend sich bemüht, den können wir erlösen.* Also nicht alle werden erlöst, sondern nur ein Teil. Was passiert mit dem anderen Teil? Was trennt echte Spiritualität von Esoterik?

Fragen über Fragen! Aber so geht nun mal suchen. Aufgabe der Kirche wäre es, dabei wahrhaftige Hilfestellung zu leisten. Ansonsten übernehmen diese Lücken andere Mächte oder Institutionen.

Doch die größte aller Fragen, die Frage aller Fragen ist doch die, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Würde die Antwort darauf nicht ALLES verändern? Vielleicht ist das der Grund, warum sie nie gestellt wird. Vielleicht ist das der Grund, warum es niemand wissen will, selbst wenn jemand Antworten darauf geben könnte.

 

An dieser Stelle leite ich euch weiter zu  **** dem Weihnachtstext des Habibs ****  ,denn er schenkt allen Suchenden Licht und Zuversicht - was diese Weihnachten besonders von Nöten ist!

 

Joyeux Noël euch allen!

der Stern von Bethlehem: Hasel-Petersilien-Spätzle mit Orangen-Karotten

Sonntag, 20. Dezember 2020

 

In einem der ältesten Bücher der Welt, der Bibel, wird zu Weihnachten von einem außergewöhnlichen Himmelsphänomen berichtet.

Bekennenderweise gliedere ich mich ins Team der Kulturpessimisten ein. Jetzt nicht wegen unsere Pandemie (die noch lange nicht rum ist und auch nicht die letzte ihrer Art sein wird). Viel mehr frage ich mich, WIE man glauben kann, das irgendwann alles wieder gut werden könnte (gen Amazonas oder Lesbos, Börse oder Aufrüstung darf man dann nicht blicken - als kleine Beispiele).

Überhaupt hat es für mich mein russischer Philosoph auf den Punkt gebracht: indem wir uns von der Natur entfernen, entfernen wir uns gleichzeitig von Gott. In diesem Artikel hatte ich es darüber, wie dank der Arbeit des *Jugendreport Natur* die hahnebüchenden Auswüchse der Naturentfremdung anschaulich wird! Und wenn es um das elementare Grundwissen der Religion geht, die über zwei Tausend Jahre das Abendland geprägt hat, wird es wohl nicht besser aussehen. Da bringt doch am Schluß für die Mehrheit der Kinder der Cola-Laster die Geschenke. Man könnte leicht dagegen wirken, indem an Heiligabend wie traditionell die Weihnachtsgeschichte vorgelesen wird - mais bon...

Die Frage, die sich mir stellt, ist: was bleibt an Innerlichkeit ohne Naturbezug und die Werte einer Religion (oder besser: gelebter Spiritulität)? Anscheinend viel Dunkelheit, Chaos und Willkür.

Das spiegelt sich hervorragend in dem Lebensgefühl der Jugend wieder, die das Wort *lost* zum Jugendwort 2020 wählte. Woran soll sich die Jugend orientieren? Was kann ihnen Halt in unsicheren Zeiten geben? Was erfüllt, wenn nur noch Maß und Zahl (Gewicht, Follower, Alter, Bankguthaben...) übrig bleibt? Woran seinen Himmel aufhängen?

Die Zeit der selbstbestimmten Freiheit hat begonnen: Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht! (Goethe) oder  das schöne Theodor Fontane Gedicht:

  Es kann die Ehre dieser Welt 
  dir keine Ehre geben.
  Was dich in Wahrheit hebt und hält 
  muss in dir selber leben

  Wenn's deinem Innersten gebricht
  an echten Stolzes Stütze
  Ob dann die Welt die Beifall spricht
  ist all dir wenig nütze.

  Das flücht'ge Lob, des Tages Ruhm,
  magst du den Eitlen gönnen.
  Das aber sei den Heiligtum:
  vor dir selbst bestehen können.

 

Vielleicht bieten die Sterne gerade Schützenhilfe an. Die Astronomie kann man als älteste Wissenschaft dieses Planeten bezeichnen - die Sternenkunde entstand schon in der Steinzeit. Von jeher blickte der Mensch hoch zu den Sternen in das mächtige Himmelsgewölbe. Astrologen sind von einem Zusammenhang zwischen himmlischen Phänomenen und irdischen Ereignissen überzeugt.

Morgen, am 21. Dezember um 19.21 Uhr genau am Tag der Wintersonnenwende findet ein seltenes Spektakel am Abendhimmel statt: die große Konjunktion. Die beiden größten Wandelsterne unseres Sonnensystems Saturn und Jupiter kommen sich so nahe wie zuletzt vor 400 Jahren (zuletzt wurde diese *Planetennähe*1623 erreicht - genaueres ist hier zu finden) und wirken von der Erde aus wie ein einziger großer Stern

Tatsächlich wird auch ein Rendez-vous von Jupiter und Saturn, das im Jahre 7 vor Beginn unserer christlichen Zeitrechnung stattfand, als plausible Erklärung für das Phänomen des *Sterns von Bethlehem* in Betracht gezogen. Es kündigte den Wissenden nicht nur große Ereignisse an, sondern wieß damals den Weisen aus dem Morgenland den Weg zu dem Geburtsort Jesu.

Meine Überlegung ist, wenn schon ein Mal bei einer ähnlichen Sternen-Konstellation ein Ereignis geschah, das die Menschheitsgeschichte verändern sollte, vielleicht bietet ein derart heller Stern am dunkelsten Tag des Jahres auch 2020 die Möglichkeit, sich individuell auf den Weg zu machen und das eigene Leben neu auszurichten? So eine Art *last call* oder so? Vielleicht fällt euch ja etwas dazu ein - eine derart günstige (astrologische) Gelegenheit kommt jedenfalls so schnell nicht wieder!
 


 

Bis dahin könnte man sich die Zeit vertreiben mit... sagen wir selbstgemachten Nudeln? Handgeschabte Spätzle  erinnern mich immer an meine süddeutsche Heimat. Und wenig verankert den Menschen so sehr in seinen eigenen Wurzeln wie die Gerichte der Kindheit...

 

Zutaten 2P:

150g Dinkel 1050
40g Haselnuss, geröstet, gemahlen
2 Eier
1 Bund Petersilie
Salz
etwas Wasser
 
400g Karotten (m: orange und gelb)
2 TL Koriander
1/2 TL Kreuzkümmel
1 Orange, Abrieb und Saft
50ml Gemüsebrühe
Butter
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette 
geröstete, gehackte Haselnüsse als Topping

Zubereitung:

Die Zutaten für den Spätzelteig klassisch mit dem Holzlöffel vermengen, einen zähen Teig herstellen und den Teig anschließen solange mit dem Löffel gegen den Schüsselrand schlagen, bis er Blasen wirft (alternativ: Knethacken Rührgerät). Den Teig abgedeckt eine halbe Stunde ruhen lassen.

In einem Topf reichlich Salzwasser zum Kochen bringen, Brett und Messer in das kochende Wasser geben, damit der Teig nicht daran kleben bleibt und die Spätzle portionsweise ins Wasser schaben. Mit einer Schaumkelle aus dem Topf heben, stets ein paar Butterflöckchen darauf setzen und warm stellen. Etwas von der Kochwasser aufheben.
 
Die Karotten schrubben und stiften. Die Butter in einer Pfanne schmelzen lassen, Karotten darin zusammen mit dem Kreuzkümmel und dem Koriander kurz anrösten, mit Orangensaft und Brühe ablöschen und ca. 5min einreduzieren lassen. Salzen, pfeffern, mit und mit Piment und der Orangenschale würzen. 
Die Spätzle unterziehen, gegebenenfalls noch einen Stich Butter zufügen und für mehr Cremigkeit etwas Kochwasser zufügen.

Auf zwei Teller verteilen und mit einem Löffel gehackter Haselnüsse garnieren.

Adventskalender: Financiers de Pierre Hermé

Freitag, 18. Dezember 2020


Meist stand die Omi am Fenster vom Treppenaufgang mit Blick auf unsere Dorfhauptstrasse. Meist war es schon dunkel und die Straßenlaternen leuchteten. Immer war es Adventszeit. *Ohhh*, rief die Omi hell und hoch, *da sehe ich das Christkind laufen!* Wir Kinder stürmten zu ihr: *Wo, Omi, wo?!* *Ach*, sagte sie dann bedauernd den Kopf schüttelnd, kaum dass wir sie erreicht hatten, *jetzt ists gerade um die Ecke gebogen.* 

Es waren auch die Sternstunden der Omi (eher Sternminuten), denn wie selten bot ihr das Leben Gelegenheit für ihre eigentliche Berufung - die der Schauspielerin. Und dann diese denkbar dankbare Rolle! Der Treppenabsatz war eine ideale Bühne (gut erhöht), das Publikum (ihre Enkel) in diesem Sujet (Weihnachten) leicht zu begeistern und etwas vom glitzernden Sternenstaub des Christkinds färbt auch auf jene ab, die mit dem Finger auf es zeigen (die Omi). Nie war ich enttäuscht, keinen Blick auf das Christkind erhascht zu haben. Im Gegenteil. Hey, das Christkind war schließlich im Dorf, *ums Eck* - alles in bester Ordnung! Und die Vorfreude auf Heilig Abend steigerte sich noch mehr! Die Omi sah verlässlich jeden Advent das Christkind durchs Dorf huschen.

 


 

Mindestens genauso verlässlich ist der kulinarischen Adventskalender von Zorra, den es seit gefühlt IMMER gibt - wie eben auch ihren Foodblog Ein Mal umrühren - Kochtopf. Gerade dieses Jahr tun derlei Rituale besonders gut. Irgendwie scheint der gewohnte Boden nicht mehr so tragbar, alles schwimmt, wackelt, alles wird in Frage gestellt - umso schöner sind feste Gewohnheiten wie Zorras Adventskalender, der einen kleinen Halt in unsicheren Zeiten gibt. Und umso mehr freue ich mich, dieses Jahr wieder mitzumachen! 

Seit jeher geben sich die Teilnehmer für ihr Türchen viel Mühe! Gar nicht mal wegen all der Preise, die es dort zu gewinnen gibt, vielmehr weil Kult einfach verpflichetet. Und da will man schließlich nicht verkacken. Es lohnt also, auch alte Kalender durchzublättern.  



 

Ich habe mir ebenfalls ein besonderes Rezept für mein Türchen aufgehoben. Und zwar financiers. Financiers habe ich erst vor kurzem so richtig für mich entdeckt und zwar mit diesen Schokolastigen  hier mit starker Schlagseite zu Brownies. Dabei stellte sich für mich fest, dass ich die Konsistenz von diesen Dingern absolut hinreissend finde. Ja, ich muss sagen, mit dem ersten Bissen offenbarte sich für mich der Erfolg dieses typischen, französischen petit four (kleines französisches Feingebäck). Dazu sind sie noch sensationell easy nebenher aus dem Handgelenk zu schütteln! Bref: genau mein Fall Zuckerbäckerei!  

Traditionell werden sie in der Form kleiner Goldbarren gebacken in speziellen financiers-Backformen. Für den Hausgebrauch funktionieren Mini-Muffinsformen ebenso wie eine klassische Muffinsform, wie ich sie benutzt habe. So werden sie eher kleine Kuchen, die sich perfekt als Dessert eignen. Dabei lässt sich nicht nur durch die unterschiedliche Größe ihr Charakter verändern - sie sind auch sonst sehr variabel.

 


 

Das Grundrezept dieser heutigen financiers ist von Pierre Hermé. Pierre Hermé schrieb in deutschsprachigen Blogistan-Foodie-Kreisen bereits Geschichte mit seinen Sablés au Chocolat et fleur de sel - ein Blog-Buster-Rezept!  Ein Mann mit sehr guter Reputation also - nicht nur in Frankreich! Soll heißen, voilà, voilà ihr bekommt ein supi Basis-Rezept an die Hand, das ihr ganz nach euren Vorlieben abwandeln könnt. 

Mit Orangenschale und Cointreaux, Walnüssen und Bittermandel-Aroma, mit Kardamom und Cranberries... tobt euch aus! Ich habe eine Schwäche für kandierten Ingwer - dieser in Verbindung mit etwas kandierter Orange, Schokolade, gehackten Nüssen und fleur de sel ergibt eine Kombination, der ich schwer widerstehen kann...

 

Zutaten 8 Stück (in einer regulären Muffinsform):  

 

4 Eiweiß (ca. 120g)
90g Zucker (m: Rohrzucker)
40g Mehl
1 Msp Backpulver
20g Haselnuss, geröstet, gemahlen
50g Mandeln, geschält, gemahlen
100g Nussbutter (gebräunte Butter)
50g kandierter Ingwer
20g kandierte Orangenschale
 
50g Schoko-Drops
50g Pistazien, gehackt
fleur de sel

 

Zubereitung:

Die Butter bei niedriger Temperatur schmelzen und unter Beobachtung zu Nussbutter bräunen. Abkühlen lassen.

Die Haselnüsse ohne Fett in einer Pfanne duftend anrösten und fein mahlen. Kandierten Ingwer wie Orangenschale fein schneiden. Mehl mit gemahlenen Nüssen und Backpulver mischen.

Die Eiweisse und den Zucker mit dem Handmixer auf kleinster Stufe 1-2 Minuten anschlagen. Mehl-Nuss-Mischung sowie kandierte Früchte hinzugeben und verrühren. Ebenso die geschmolzene Butter unterrühren.

Abgedeckt etwa eine halbe Stunde kühl stellen - der Teig wird dadurch etwas fester..

Ofen auf 180°C (O/U-Hitze) vorheizen.

8 Mulden einer Muffinsform mit Backpapier auskleiden (m: nur den Boden mit Backpapier ausgelegt und die Ränder gefettet). 

Den Teig in die Vertiefungen verteilen. Mit einem kleinen Löffe in der Mitte ein Loch formen und darin die Schoko-Drops reinfüllen. Pistazien mittelfein hacken und mit jeweils einer Prise fleur de sel auf die acht Muffins verteilen. In den vorgeheizten Ofen schieben und ca. 30 Minuten backen (m: etwas kürzer)

 

*Anmerkung m: Die Teigmenge ergibt ca. 24 Stück, wenn ihr die financiers wie in der Mini-Muffin-Form (∅ 50 mm) backt - welche ich nicht besitze. 

Sie financiers schmecken am zweiten und dritten Tag - wenn sie etwas durchgezogen sind - nur noch besser!
 
Eigentlich hatte ich vor gesalzene Erdnüsse zu verwenden, aber ich hatte noch Pistazien offen, daher griff ich wieder nach denen plus dem fleur de sel.

 

Originalzutaten nach Pierre Hermé:  

115 g de beurre (Nussbutter)
20 g de noisettes en poudre (geröstete, gemahlene Haselnüsse)
150 g de sucre glace (Puderzucker)
50 g de farine (Mehl)
2 g de levure chimique (Backpulver)
60 g d’amandes en poudre (gemahlene Mandeln)
140 g de blancs d’œufs (Eiweiß)

Original werden sie bei 200°C für 8-10min (in der financiers-Form) gebacken, 3 min in der Form gelassen bevor man sie zum völligen Auskühlen auf ein Küchengitter setzt.

Menu-Vorschläge 2020

Mittwoch, 16. Dezember 2020


 

 
















   
Same procedure as every year - die Menu-Vorschläge (als Label zusammengefasst) und einzeln gelistet. Letztes Jahr musste die Zusammenstellung aus privaten Gründen ausfallen, daher etwas mehr Bilder, die mit einem Rezept verlinkt sind als sonst.




Der saisonalen Aspekt bedingt, dass Frühlings- oder Sommerrezepte außen vor bleiben müssen. Habe ich einen Liebling von euch vergessen, den ihr auf jeden Fall hier aufgenommen hättet - dann schreibt mir das sehr gerne! Oder wisst ihr bereits, wie ihr euch diesen Dezember besonders lecker gestalten wollt? Nur her mit euren Anregungen - ich würde mich freuen! Es ist kein Geheimnis: kulinarische Inspirationen gehen hier ja immer!

der bunte Zoo - Schokoladenplätzchen mit Erdnusscreme

Sonntag, 13. Dezember 2020

 

Es heißt, Spiritualität hilft besser durch Krisen aller Art. Kurzfristig keine Info, die jedem nützt, denn so schnell lässt sich diese nicht aus dem Boden stampfen - alle haltbaren Beziehungen sind gewachsene. Das gilt ebenso für einen Draht, den man versucht zu spannen zu einer höheren Instanz. Die Zeder etwa, der Baum der alten Weisheit, wächst jahrelang erst in den Boden, um Wurzeln zu schlagen, bevor sie sich in die Höhe streckt. Während 2020 unsere Freiheiten auf kümmerlichste Reste zusammenschrumpfen, tritt um so deutlicher zu Tage, dass einzig die Gedanken hinwegfliegen können über alle Beschränkungen.

Ganz egal wie die innere Haltung des einzelnen vorzustellen ist, jedwede Art von Einstellung ist nichts anderes wie ein individuelles Zurechtrücken von äußeren Eindrücken, ein Einsortieren von Erlebtem nach eigenem Maßstab und Erfahrungshorizont, ja letztlich nichts anderes wie ein Glaube, wohl an unterschiedlichen Fäden aufgehängt, aber doch stets der menschliche Eiertanz um einen Pudelskern oder aber der Willkür zu ehren - bewußt wie unbewußt. Während die Wissenschaft vom Materiellen her dem Planeten Gesetzesmäßigkeiten abtrotzen will, müht sich die Spiritualität vom Geistigen her, Wahrheit zu entdecken.

*Die Natur ist wie ein Beil. Gerade und einfach geht sie hindurch, und nur die unendliche Modifikation des einzelnen macht es so schwer, sie zu verstehen.* (Goehte). Die vielen unterschiedlichen, menschlichen Perspektiven ändern an der Wahrheit nichts. Oder anders gesagt: das irdische Bühnenbild bleibt, nur die Darsteller werden immer wieder ausgetauscht.

In Michael Endes *Die unendliche Geschichte* ringt der Hauptprotagonist Bastian Balthasar Bux darum, das sterbene Traumreich Phantásien zu retten. Erst dadurch, dass Dinge und Figuren von Bastian in seinem Inneren mit Bedeutung aufgeladen und entsprechend benannt werden, erst dadurch werden sie lebendig. 

Für mein erstes und einziges Blog-Event habe ich das Spiel umgedreht: das Wort *Weihnachten* steht allseits bekannt fest, die Frage war, wie dieser Begriff von meinen Teilnehmerinnen mit Inhalt gefüllt wird. Dieses Event veranschaulicht wie ein bunter Plätzchen-Teller - der nebenher auch zustandekommt, denn die Mädels veröffentlichten dazu ein Rezept - eben diese menschliche Artenvielfalt. Ja, für mich ist es eines der größten Wunder der Erde, dass die Menschen, die sich äußerlich doch so ähnlich sehen, von innen betrachtet kaum der gleichen Spezies zugeordnet werden können. So halte ich das Event von 2017 diese Weihnachten wieder hoch: es lebe die Möglichkeit, unterschiedliche Wege zu gehen, sich unterschiedlich auszurichten, zu unterschiedlichen Schlüssen zu kommen, unterschiedlich zu gewichten. Es lebe die Freiheit! 

Hier findet ihr die Gedanken samt Plätzchen zu der Überlegung wie sinnhaft Weihnachten meinen mitspielenden Mädels scheint:

 * Fee von *Fee ist mein Name*  
 * Christina von *New Kitch on the Blog*  
 * Juliane von *Schöner Tag noch* 
 * Miss Boulette* 
 * Julia von *Chestnut & Sage*
 * Maret von *Buddenbohm & Söhne*
 * Christina von *Feines Gemüse*
 * Stephanie von *Stepanini*

 


Auf unserem Plätzchenteller fehlte mir noch etwas Süß-Salzig-Knusprig-Schokoladiges, neben den Hildas, den Bohrern, dem Buttergebäck und dem Hutzelbrot. Meine Gelüste wollten Schokoladenplätzchen mit Erdnusscreme - eine sehr gute Wahl!


Zutaten - 40 Stück:

200g weiche Butter
110g Rohrzucker
220g Mehl
1 TL Backpulver
50g Kakao
1/2 TL Vanille-Extrakt-Pulver*
1 TL fleur de sel

Rohrzucker
stückige Erdnusscreme 

 Zubereitung:

Mehl, Kakao, Salz und Backpulver mischen. Die Butter mit den 110g Rohrzucker und der Vanille cremig aufschlagen . Dann die trockenen Zutaten unterrühren. Auf dem Teig drei Rollen von etwa 4cm formen und diese in Rohrzucker wälzen. In Frischhaltefolie wickeln und für eine halbe Stunde ins Tiefkühlfach legen.

Den Backofen auf 160°C (Umluft) vorheizen.

Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen.

Von den Rollen Scheiben von ca. 0,5cm abschneiden, mit etwas Abstand auf die Bleche legen und ca. 12-14min backen.

Abkühlen lassen. Jeweils ein Schokoplätzchen mit einem kleinen Löffel weicher Erdnussbutter bestreichen und ein zweites Plätzchen vorsichtig darauf setzen. In einer Keksdose aufbewahren.

*Anmerkung m: die Schokoplätzchen mit ihrem süß-salzig Kontrast schmecken bereits ohne Erdnussbutter - die gibt aber zusätzlich einen schönen schmelzigen Crunch!/ Anstelle meines verwendeten Vanillepulvers kann man auch das Mark einer Vanilleschote verwenden; oder den Abrieb einer halben Tonkabohne...

 

gut-achten: Cavatelli mit Fenchel, Tomatensugo und Pastis

Freitag, 11. Dezember 2020


Statistiken und Gutachten wollen festgestellt haben, dass sich die Mehrheit von uns im AZ mehr und mehr frustriert, antriebslos, gereizt, deprimiert und bleiern fühlt und dabei vereinsamt, verfettet und verarmt. Erschwerend komme die Dunkelheit und die Kälte hinzu, sowie die wiederholten Einschränkungen und das nicht absehbare Ende.

Kann das die Möglichkeit sein? Und das soll man jetzt glauben? Also bitte, man  kann sich ja nun alles einreden lassen - es muss nur oft genug wiederholt werden... Tsss, selbst in den Medien allerortens ähnliches. Die Zeit etwa tut mit ihren *Kopf hoch*-Seiten so, als würde die Welt aus lauter Hängeohrhasen bestehen, die ohne Nackenstütze mit dem Kinn auf der Brust hängen. Die Damen und Herren Journalisten hantieren anscheinend zu viel mit warmen Waschlappen. Also man kanns auch übertreiben! Zumal Kultur und Tradition eh überbewertet sind - wir leben schließlich in einem neuen Jahrtausend! Leute, als würden wir uns so leicht runterziehen lassen, oder?!

Hier darf nun wirklich (dringend) - und das erwarte ich von meiner Leserschaft auch - mal ein Funken Rebellion aufblitzen! Hey, mal mit eigener Haltung dagegen halten! Eigeninitiative ist gefragt - und nicht immer erwarten, dass das Gute von alleine vom Himmel fällt. Eigenes Köpfchen anschalten! Und nicht auf verweichlichtes Akademiker-Kind machen! Pandemie hin, Pandemie her - wie sagte der bayrische Großvater einer Freundin von mir: *Im Krieg is mehr hi ganga!*

Eben. Dabei liegen die einfachen Antworten ja so nahe. Für all jene die im Frühjahr bereits genug Möbel gerückt haben, schlage ich vor: kocht euch was schönes! HAHH - wenn das mal nicht DIE Lösung für alles ist. Und zwar exakt in dem Moment, in dem nur noch der Lebensmittelhandel offen hat?! Kinners, man muss auch mal zur richtigen Zeit mit dem thematisch richtigen Blog am Start sein, oder?! Bitte - sowas von gerne!

Wer jetzt befürchtet, 2021 direkt mit Extrakilos zu starten, den darf ich darauf hinweisen, dass ja für alle Überlebenden weiterhin Abstand halten angesagt sein wird. Soll heißen: man wird ja wohl noch eine Weile gut zwei Stühle in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Kinos, in Veranstalltungshallen uswusf. zur Verfügung haben für die gewonnene Zusatzbreite (#lifehack). Oder wie schrieb mir eine liebe Blogleserin in einer Doppeldeutigkeit, die man erst mit der Testgenauigkeit von 2020 richtig versteht: immer schön negativ bleiben! Nie war Satire einfacher...



Wer bis heute noch keine frische Pasta zubereitet hat, dem ist von mir quasi kurz vor knapp noch zu helfen. Dafür braucht es nicht zwingend das Maschinchen, das ich zur Verfügung habe. Die Cavatelli lassen sich prima durch  Orcchiette ersetzen und den Bogen hat man im Nu raus, wie die kleinen Öhrchen von Hand zu formen sind! Wer weiß, vielleicht stellen sich dabei sogar die eigenen Ohren wieder steif nach oben auf. Also ich könnte mir das vorstellen, denn mit frischer Pasta ist erstaunlich viel zu bewirken - lasst euch das von jemanden mit Erfahrung gesagt sein...


Zutaten 2P:

100g Hartweizenmehl
70g Dinkel
90ml Wasser
 
1 Fenchel
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 TL Fenchelsaat, geschrotet
1/2 TL Anis, geschrotet
500g Tomanten-Sugo*
Pastis
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
Harissa
1 EL Crème fraîche (od. vegane Variante)
 Olivenöl

Zubereitung:

Für die Pasta das Mehl in eine Schüssel geben. Eine Mulde in die Mitte machen und das Wasser angießen.  Langsam Mehl und Wasser vermischen, und den Teig gut kneten: er soll nicht kleben und schön elastisch sein. Wenn nötig, nach etwas mehr Wasser einarbeiten. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und bei Zimmertemperatur mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen (m: meinen Teig im Kühlschrank 2 Stunden ruhen lassen).

Dann die Pasta zu Teigsträngen von ca. 1,5cm Durchmesser rollen und durch die Demetra-Walze kurbeln. Auf einem sauberen Küchenhandtuch auslegen.

Zwiebel vierteln und in feine Streifen schneiden. Fenchel gegebenenfalls von äußeren holzigen Stellen befreien (wenn überhaupt nötig, reicht normal ein Sparschäler) vierteln, Strunk entfernen und in feine Streifen schneiden. Knoblauch fein hacken.

Die Zwiebel in Olivenöl glasig dünsten. Fenchel zufügen und weitere 5min braten. Dann geschrotete Fenchelsaat und Anis kurz mitrösten und mit einem guten Schluck Pastis ablöschen. Würzen mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker. Tomatensugo unterrühren, Deckel auflegen und bei sanfter Hitze etwa 15 Minuten köcheln lassen. Mit Harissa abschmecken und einen Löffel Crème unterziehen. 

Die Nudeln in reichlich Salzwasser al dente garen, abschütten und unter das Sugo mischen. Wer mag serviert die Pasta mit frisch geriebenem Parmesan. 


Knecht Ruprecht: Gnocchi mit Gorgonzola-Sauce

Sonntag, 6. Dezember 2020


Dieses Jahr - im Dezember kommt man ja so langsam in den Rückschau-Modus - saß ich mit einem Mann am Tisch, der mir erzählte, schon mit Michael Schanze Musik gemacht zu haben. Und mir saß ein anderer Mann gegenüber, der mir totally unverfroren in den Ausschnitt starrte - was deswegen schon befremdlich ist, weil meine Tittengröße das nicht hergibt und mir dergleichen dementsprechen selten bis nie widerfährt (und was ich übrigens seither auch nicht vermisst habe). Und dann war da noch dieser Moment an unserem Tisch, als ein Mann seine Frau (die neben ihm saß) als manisch-notorische Besserwisserin offenlegte. Alles strange Situationen in einem ohnehin seltsamen 2020.

Kennt überhaupt noch jemand Michael Schanze? Der, der die Quizshow für Kinder im Zweiten moderierte, hier extra rausgesucht: 1,2 oder 3 - sieht nicht nur aus wie aus einem anderen Jahrhundert IST auch aus einem anderen Jahrtausend. Die Ratekids sprangen dabei auf drei aufblinkenden Feldern hin und her, die für die Antwortmöglichkeit standen, bis der Moderator  *1, 2 oder 3, letzte Chance… vorbei!* rief. Aufgelöst wurde dann mit: *Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht*

Kinners, was ist das symbolisch, oder? Bis halt das Licht angeht. Doch mittlerweile (man wird ja älter und erfahrener) denke ich: *Oder auch nicht!* Dieses so oft gehörte *Ach, das wußte ich ja gar nicht?!* ist doch in den allerallermeisten Fällen Getue, Gemache, Scheinheiligkeit, Schmierentheater, Laienkasparei, simpelster aller Vertuschungsversuche, mit denen man sogar erfolgreich durchgewunken wird.

Die Wahrheit aber ist, dass wir meistens wissen, wenn etwas schwer schräg läuft. Die Frage ist: WILL man das wissen! 

Heute drückt in Frankreich wie in Deutschland die Gesellschaft niemanden mehr religiöse Muster auf. Jeder hat die Freiheit, sich freiwillig daraus etwas mitzunehmen - oder nicht. Die 10-Gebote etwa stehen für nichts anderes wie praktische Lebenshilfe: wer sich an diesen Geboten orientiert, wendet Unglück von seinem Leben ab. Dafür braucht es keinen Raketentechniker, keine längere Meditationssitzungen oder den Geistesblitz tieferer Erleuchtung - der gesunde Menschenverstand sollte zu dem gleichen Ergebnis finden: sowas kommt von sowas. Oder ganz schlicht zusammengefasst: *Was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.* So kompliziert ist es gar nicht.

Mehr und mehr schlußfolgere ich, dass viele (die Mehrheit), die wider diese natürlichen Gesetze handeln, das absichtlich tun. Ganz mit Trude Simonsohn: *Die Leute, die Unrecht tun, wissen, dass sie Unrecht tun. Sie tun es trotzdem.*

Riesig beeindruckend finde ich in diesem Zusammenhang, wie Papst Franziskus manches in der katholischen Kirche versucht gerade zu rücken. Ich wüßte nicht, dass sich vor ihm schon ein anderer Papst im gleichen Maßstab bemühte. In seiner ersten Umwelt-Enzyklika "Laudato Si'" wirft er gar ein Dogma um. So weist Papst Franzikus darauf hin, dass es sich bei dem biblischen Auftrag *Macht euch die Erde untertan* um einen Übersetzungsfehler handelt, denn es müsse heißen:

Macht euch der Erde untertan

So gehen doch Sensationen! Da wundere ich mich sehr, dass eine derart wuchtige Aussagen nicht mehr mediale Aufmerksamkeit erhalten hat (gerade in Zeiten von Klimakrise, fridays for future oder greenwashing.... )

Weiter heißt es in seiner Enzyklika: "Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir ihre [der Erde] Eigentümer und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern." Zwei kleine Buchstaben, die ausgetauscht den Sinn komplett drehen: der Mensch, der sich nicht über die Erde zu erheben hat, sondern sich selbst zum Untertan der Erde machen soll. Aber auch hier gilt doch wieder gleiches: haben wir doch eigentlich gewußt, dass man sich als Mensch nur einzureihen hat wie alle anderen Lebewesen. Sämtliche indigenen Völker haben uns vorgemacht, wie man im Einklang mit der Natur lebt - um die Probleme zu verhindern, die wir heute im großen Stil haben.

Und - Hand aufs Herz - liegt die Ursache von all dem Übel tatsächlich an zwei falschen Buchstaben?

Hierzu passt wunderbar das Zitat von Gus Speth, der als Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Yale-Universität und Chefberater der Nationalen Umweltkommission gegen Ende seiner langen Karriere diese resignierte Bilanz zieht (via *Nachdenkseiten*):

Früher dachte ich, dass die größten Umweltprobleme der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel wären. Ich dachte, 30 Jahre gute Wissenschaft könnte diese Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit, und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel. Und wir Wissenschaftler wissen nicht, wie man das macht.”

 

 

Da habe ich leider ebenfalls keine Idee. Aber ich weiß, wie man nun schöne, haltbare Rillen dank Gnocchi-Brett (cocuou Hannah) in Gnocchi erhält! Juchhu! Eine würdige Veröffentlichung zum 2.Advent! Für mich nämlich ein echter Durchbruch an der Gnocchi-Front - und ich liebe Gnocchi! Ich bin so begeistert von dem neuen - wieder von den Pasta-Grannies inspirierten - Rezept, dass es bei uns ein Gnocchi-Gericht nach dem anderen gibt mit diesen Zier-Kartoffel-Gnocchi. Und mit ein Grund, wieso ihr hier direkt ein zwei- in-einem Rezept vorgestellt bekommt. Wichtig ist die verwendete Kartoffelsorte: unbedingt mehlig kochend - oder wie die Fränzis (hübscher) sagen: fondante (schmelzend).

 

Zutaten 2-4P*:

für die Gnocchi (4P):
500g Kartoffeln (mehlig kochend/ m: Agria)
200-220g feiner Hartweizengrieß (Semolina) oder Hartweizemehl
Salz
50g Ziegenfrischkäse
1 Eigelb
2 TL Thymian-Blättchen, getrocknet 

für die Sauce (2P):
100g Gorgonzola (m: Bleu de Brebis)
100ml Milch
50ml Sahne
50ml Gemüsebrühe
ein guter Schuß Weißwein (m: Rosé)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Walnüsse, geröstet, gehackt
Salbeiblätter, frittiert
300g Brokkoli, über Wasserdampf gegart (oder Spinat)*

Zubereitung:

Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen und noch warm durch die Presse drücken, zuerst mit dem Mehl (oder dem Hartweizengrieß) mischen, dann mit restlichen Zutaten. Den Teig nur so lange kneten, bis er homogen und nicht mehr klebend ist. 

WICHTIG: nicht überkneten, sonst wird der Teig speckig und immer schön mit Hartweizenmehl (oder Grieß) bestreuen, damit die ausgelegten Gnocchi sowie später die kochenden Gnocchi nicht aneinander kleben!

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Aus dem Kartoffelteig nacheinander Würste von etwa Fingerdicke rollen, 1cm-Stück abschneiden und diese über das Gnocchibrett rollen. Nebeneinander auf ein Küchentuch auslegen und abdecken bis alle fertig gestellt sind. Die Hälfte (für 2Personen) so lange kochen, bis sie nach oben steigen, dann sofort in kaltem Wasser abschrecken (soll helfen, dass Rillenmuster zu bewahren), gut abtropfen lassen und warm stellen.

Brokkoli über Dampf bissfest garen (oder Spinat waschen, hacken und in ein wenig Butter zusammenfallen lassen).

Ein Viertel des Gorgonzolas für die spätere Deko zur Seite legen. Ansonsten alle Zutaten für die Sauce miteinander erhitzen und glatt rühren - mit Mehlschwitze (roux) binden.

Den Brokkoli (oder Spinat) in die Sauce geben, nochmals abschmecken, Gnocchi unterrühren, mit frittierten Salbei-Blättern (auf dem Foto vergessen), restlichem Blauschimmel-Käse und etwas geriebenen Parmesan dekoriert servieren (bei Spinat anstelle des Salbeis geröstete Walnüsse verwenden).


*Anmerkung m: In meinem aufgegriffenen Rezept der Pasta-Grannies wird der Teig nur mit Kartoffeln und Hartweizenmehl zubereitet (ein Versuch wert). 

Die Menge an Gnocchi reicht für 4 Personen: ich habe daher die Hälfte nebeneinander liegend eingefroren und dann in eine Tüte umgefüllt. Die geforenen Gnocchi habe ich geforen in das kochende Wasser geworfen (sie brauchen deutlich länger bis sie gar sind - und verlieren daher auch etwas von ihrem Rillenmuster). Ich habe sie ebenfalls in kaltem Wasser abgeschreckt, warm gestellt, aber beim 2. Mal (mit Spinat) kurz in einer Pfanne angebraten bevor ich sie unter die Sauce gemischt habe. Saulecker!

Inspiration: Pasta Grannies


mein bestes, unvergleichbares Mapo Tofu

Donnerstag, 3. Dezember 2020


Während unserer Rundreise durch China habe ich gefühlt eine Billion Fotos gemacht. Jeden Tag eine andere Sehenswürdigkeit, eine andere Attraktion: die verbotene Stadt, der Platz des himmlichen Friedens, die Terrakotta-Armee, die chinesische Mauer...

Aber im Gedächtnis ist mir davon kaum etwas geblieben, beinahe so als hätte ich es gar nicht erlebt. Fast-Food-Tourismus konsumiert halt nur und hakt ab. Aber um eine Verbindung zu etwas aufzubauen, braucht es auch den entsprechenden Raum und die Zeit dafür.

Ernüchtert stellte ich damals fest, dass vor allem Rekonstruktionen an Stelle der Jahrtausenden alten chinesischen Kulturartefakte gerückt sind. Der Großteil wurde während der Kulturrevolution zerstört, fiel Feuer oder Erdbeben zu Opfer. Und so kann man überwiegend Nachbauten bewundern, denen aber die Patina der Zeit und vor allem der damit einhergehende Esprit fehlt. Ein Imitat kommt selten ans Original. Auf mich wirken solche Bauten bedauerlicherweise eher nach Walt Disney.

Am beeindruckensten war - vor über 10 Jahren - zu erleben, wie eine schöne Seite des Komunismus noch überdauerte und in allen Parks, in denen wir zu Besuch waren, sich Menschen versammelten um miteinander ihre Hobbys auszuleben: von Brettspielen aller Art, Tanz jeden Rhythmus, Gesang mit und ohne Instrumente, Tai Chi oder - für mich besonders schön zu beobachten -  die aussterbende Kunst der Kaligraphie übend...

Ansonsten bot sich kaum Möglichkeit nach rechts und links zu schauen. Über die regionale Küche Chinas kann ich keinen Satz verlieren - schlicht, weil ich davon nichts kennenlernten durfte und mir daher die Erfahrung fehlt. Alles Erklärungen, warum derart organisierte Reisen einfache nicht unserer Art entspricht, andere Länder zu entdecken...

Ob dieses Mapo Tofu nun ein typisches, traditionelles Mapo Tofu ist, im Vergleich mit anderen ein besonders gutes oder weniger feines - das vermag ich alles nicht zu beurteilen. Aber ich kann sagen, dass es eines der leckersten Tofu-Gerichte ist, die ich je gegessen habe. 

Dabei musste ich improvisieren: an doubanjiang (chinesische, braune Bohnen-Chili-Paste) komme ich hier im französischen Outback nicht - ich ersetzte also durch Miso. Das wird vermutlich geschmacklich deutlich in dieses Rezept eingreifen. Aber was schmeckt bekommt recht - so wird es in dieser Fassung in meinem Blog aufgenommen und bestimmt genauso wieder auf den Tisch gebracht.

 


 Zutaten 2P:

250g Kichererbsen, gekocht
4 Shitake-Pilze, getrocknet (m: ca. 15g)
500ml Wasser
3 Knoblauchzehen
1 Ingwer, 4cm
1 TL Rohrzucker
1 EL Soja-Sauce
2 TL doubanjiang (m:1 TL Miso, braun)
400g Tofu (m: Natur)
2-3 Frühlingsszwiebeln
Chili-Öl*
1 TL Chil, gemahlen (m: Harissa) *
ein Spritzer Reis-Essig
1 TL Sichuan Pfefferkörner (m: schwarzer), geröstet, gemörsert
1 TL Kartoffelstärke

Zubereitung:

Pilze in dem Wasser aufsetzen, sobald es kocht, diese 10 Minuten köcheln lassen. Kochwasser auffangen. Pilze spülen, ausdrücken, kompletter Stiel entfernen und entsorgen, den Rest fein würfeln.

Kichererbsen mit einer Gabel anquetschen (m: selbst gekochte mit Zauberstab kurz anpüriert - sollen aber teils noch stückig sein - ganz weit entfernt von cremig).

Knofi schälen und fein hacken, Ingwer ebenso schälen und fein hacken. Pfeffer ohne Fett rösten und fein mörsern.

Chili-Öl erhitzen (Sesamöl mit Harissa), Kichererbsen und Pilze anrösten. Dann Ingwer und Knofi zufügen. Ebenfalls mitrösten. Dann Gewürze wie Pfeffer und Chili zufügen. Kochwasser anschütten. Mit Miso und Soja-Sauce sowie Zucker und Reis-Essig würzen. Kartoffelstärke in kaltem Wasser verwqurilen und die Sauce damit binden. Tofu in Würfel schneiden und in der Mischung wenden und erhitzen. Servieren mit in Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln.

Anmerkung m: Harissa bevorzuge ich vor Chili-Pulver, weil es mir damit leichter fällt, die Schärfe zu regulieren.

Inspiration: youtube aka Wil Yeuing