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Samstag, 4. April 2020

Madame Atwood: Harissa-Tempeh-Würstchen


Warum ich mir die Doku über Margaret Atwood in der Arte-Mediathek anschaute, kann ich gar nicht richtig erklären. Denn ich habe seither keines ihrer (immerhin 60 an der Zahl) Bücher gelesen. Genauer gesagt, habe ich gar eines abgebrochen und weggelegt. Die Sprache ergab mir keinen Fluss und mit Sience Ficiton aller Art tue ich mich allgemein schwer.

Wobei ich nach dem Gucken der Doku feststellen muss, dass dies ein Genre ist, welches wohl sehr gut dazu dient, gesellschafts- und systemkritische Gedanken zu äußern. Dadurch dass eine Erzählung in eine andere Zeit transportiert wird, erhält sie - ähnlich wie die Fabel durch die Vermenschlichung von Tieren - einen Verfremdungseffekt. Und mit etwas Distanz sind viele Menschen eher bereit, sich unbequemen Inhalten zu stellen, als wenn man ihnen damit auf den Füßen rumsteht. Und genau diese Art von Geschichten scheint Margaret Atwood geschrieben zu haben. Wie gerne wüßte ich ihre Meinung zu den momentanten, totalitären Eingriffen vieler Staaten. Ich muss ihrem schriftstellerischem Werk definitiv eine zweite Chance geben werde.

Ich fand Margaret Atwood in dieser Doku nämlich ganz und gar bezaubernd. Überhaupt sieht sie -  bereits in jungen Jahren - sehr eigenwillig aus. Auf eine gute Art eigenwillig. Und dazu diese in sich ruhende, spitzbübische und doch nüchterne Ausstrahlung, burschikos und dennoch nicht maskulin, dieses geerdete und bescheidende Auftreten und dass obwohl sie von Anfang an eine erfolgsverwöhnte Autorin war und direkt für ihren ersten Lyrik-Band Preise einheimste. Echt, ganz toll!

Gut, ich mag Biographien prinzipiell gerne, und die entfalten ihren Reiz dann besonders, wenn man sie rückwärts betrachtet. Magaret ist zum Zeitpunkt, als die Doku gedreht wurde, 80 Jahre alt. Nun sind - bien sûr - nicht alle Biographien gleich interessant für mich. Für sich eingenommen hat mich Margaret in den ersten Minuten der Doku, als sie in einem Museum stehend ein Rembrandt-Bild kommentiert mit den Worten: *Wer hängt sich sowas ins Wohnzimmer - zwei tote Pfauen.* Original mein erstes Kunst-Kriterium! 

Dass mich der Rückblick auf Margaret Atwoods Leben aber richtig gepackt hat, liegt gleich an vier Faktoren:

 * an ihrer Naturverbundenheit - ihr Vater war Insektenforscher, demensprechend fand ihre Kindheit in Kanada vorallem draußen statt
 * an ihrem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit - wie schwer hatte es diese Generation von Frauen, sich beruflich einen Platz zu erkämpfen. Doch mehr als um Feminismus, zu dessen Stellvertreterin sie gerne gemacht wird, sagt ihre Lektorin, ginge es Margaret darum, *seine eigene Stärke zu akzeptieren und die sich nicht von anderen wegnehmen zu lassen: Dies vorallem, sich weigern Opfer zu sein. Wenn ich das nicht kann, kann ich nichts.* Ein SO kluger Satz! Wie wichtig ist es - wenn denn möglich - sich denen zu verwehren, die einem nicht gut wollen!
 * an ihrem Umgang mit ihrem Mann - ich behaupte ja, dass sich Paare, die sich wirklich zugewandt sind, untereinander erkennen
 * an ihrem Faible für Vögel - mit ihrem Mann, einem Ornithologen, und ihrer Tochter reiste sie für Vogelbeobachtungen um die Welt. Ach, und die Ornithologen, das sind die Guten! Ich habe noch keinen Ornithologen kennengelernt, den ich nicht mochte. Und mein Habib, der als Jungspund Vögel beringte und für sie ein ganzes Gebiet unter Naturschutz brachte, gehört auch zu ihnen.

Sehr beeindruckt hat mich außerdem, dass sie über den Schaffensprozess ihrer Dystopie *Der Report der Magd* sagte, dass er sie ängstige: *ich hatte es mir für diese Buch zur Regel gemacht, nichts zu schreiben, was nicht irgendwo irgendwann wirklich passiert war. Deswegen habe ich so viel recherchiert. Ich wollte Vorwürfe entgegentreten, ich hätte eine abartige Phantasie und mir diese Bösartigkeiten ausgedacht*.

Genug geschwärmt - ich mag Menschen einfach, die ihren ganz eigenen Weg gehen.


Wie heißt es so hübsch: *Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom*. Gerade stürzen sich viele auf die gleichen Lebensmittel. Bestimmt aber findet man - in den einschlägigen Geschäften - ohne weitere Probleme Tempeh. Damit und einer ordentlichen Portion Sonnenblumenkerne werden Bratlinge in Würstenform gebastelt. Ich habe gleich meine kompletten 200g Tempeh verarbeitet - und die restlichen Würstchen eingefroren. Eine besondere Überraschung war für mich der Apfel-Curry-Ketchup, der sich ausgesprochen gut als Begleitung dazu gemacht hat.

Ich kann mir vorstellen, dass man dieses Essen auch prima mit Kindern zubereiten kann, denn die Masse lässt sich wirklich leicht formen. Das sollten auch kleine Hände hinbekommen. Und gerade sollte doch Zeit genügend vorhanden sein, nicht *huschhusch* fertig sein zu müssen mit den Essensvorbereitungen.

Zutaten - 15 Würstchen:

200g Tempeh
125g Sonnenblumenkerne
1/2 TL Harissa (evt. plus)
1/2 TL Kreuzkümmel
2 TL Schwarzkümmelsamen
2 TL Pimenton de la vera
100g Kichererbsenmehl
60g Pflanzenmilch (m: Hafer)
4 EL Sojasauce (m: Tamari)
5 Zweige Thymian 
Salz, Pfeffer

Ketchup
3 Äpfel
1 große Zwiebel
3 EL Tomatenmark
1 TL Curry
Salz
2-3 EL Weißwein-Essig
1 Pr Zimt
250ml Wasser

Zubereitung:

Für die Würstchen die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Öl bei mittlerer Hitze goldbraun anrösten. Chili grob hacken, den Tempeh mit den Händen grob zerbröseln. Die abgekühlten Kerne, Chili und Tempeh mit den Gewürzen in der Küchenmaschine oder dem Blitzhacker mit der Pulse-Taste zu einer groben Masse verarbeiten. (Oder alles mit einem scharfen Messer hacken, dann die Gewürze untermischen.)

Die Masse in eine Schüssel geben, Kichererbsenmehl, Sojasauce und Pflanzenmilch dazugeben und alles gut mischen. Den Thymian waschen, trocken schütteln, die Blätter vom Stiel streifen und fein hacken. Den Thymian zur Tempehmasse geben und alles mit den Händen zu einer klebrigen, homogenen Masse kneten.

Von der Masse 1 gehäuften EL abstechen und mittig auf ein Stück Frischhaltefolie (25 cm lang) legen. Mit feuchten Händen grob zu einem 7 cm langen Rolle (ca. 1 1/2 cm Ø) formen. Die Folie wie einen Bonbon fest einrollen und an den Seiten verzwirbeln, sodass ein Würstchen entsteht. Auf diese Weise 15 Würstchen herstellen (m: liesen sich problemos + besser so auf dem Brettchen rollen - liegt vermutlich daran, dass meine etwas weniger feucht waren). Die Würstchen 40 Min. zugedeckt über Wasserdampf (im Dampfgarer oder im Topf mit Dämpfeinsatz) garen, abkühlen lassen und aus der Folie wickeln.

Inzwischen für den Ketchup die Äpfel waschen, das Kerngehäuse entfernen und das Fruchtfleisch grob würfeln. Die Zwiebel schälen und fein würfeln.

In einem Topf 1 EL Öl erhitzen, die Zwiebel darin bei starker Hitze ca. 1 Min. andünsten. Tomatenmark und Currypaste dazugeben und unter Rühren 1 Min. mitdünsten. Die Äpfel, 2 TL Salz und 250 ml Wasser dazugeben und zugedeckt bei ganz schwacher Hitze ca. 30 Min. köcheln lassen, dabei ab und zu umrühren. Dann alles pürieren und mit Essig und 1 Prise Zimtpulver abschmecken. Den Ketchup in das Glas füllen.

Kurz vor dem Servieren 2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen und die Würstchen darin rundherum 3 - 4 Min. bei mittlerer Hitze anbraten. Die Würstchen mit dem Ketchup servieren.    

*Anmerkung m: Original werden 12 Würstchen aus 120g Tempeh hergestellt, mit 80g Kichererbsenmehl und 50ml Pflanzenmilch

Quelle: La Veganista 
 
ein Schlangenadler und ein Gänsegeier auf einem Bild - wenns jetzt noch richtig scharf wäre, könnte ich richtig mit angeben

Mittwoch, 1. April 2020

Eskapismus: Wildkräuter-Kartoffel-Pflanzerl


Wenn wir Menschen etwas naturgemäß richtig gut können, ja allesamt schon fast am Genie vorbei schrappen, dann ist es verdrängen. Den Turbo dafür kann man mit Alk oder Drogen aller Art reinhauen. Aber eigentlich ist das gar nicht nötig. Eigentlich ist die bereits angeborene Ausstattung komplett ausreichend. Kennt ihr die Fabel vom Tausendfüßler? Würde er drüber nachdenken, wie er einen Fuß vor den anderen setzen muss, käme er nicht vom Fleck. Für die Pros (#Team Bewußtheit) ist das jetzt DIE Gelegenheit, sich in Gelassenheit zu üben. Die stellt sich nämlich leider nicht zwingend von alleine ein - zumindest nicht bei mir.

Nun, während der Ausnahmezustand herrscht, will ich mich heute dem Thema *Flausch* intensiver annehmen. Etwas Eskapismus können wir doch alle gerade gebrauchen, oder?

Um sich in flauschige Stimmung zu grooven, ist mein erster Vorschlag, sich einfach eine Weile in Dauerschleife das Intro der einstigen, harmlosen Vorabendserie *Ein Heim für Tiere* anzuhören. Und? Wirkt es schon? Also ich werde direkt in einen Heile-Welt-Modus zurückgebeamt, in der zuguterletzt alle Probleme gelöst, alle Tiere geheilt und sämtliche Missverständnisse geglättet werden.

Ein Lieblingsfilm, der mich jedes Mal erneut erheitert ist *Mein Sohn der Klugscheißer* - genau mein Humor! Eine Empfehlung, die ich schon ausgesprochen habe. Ebenso wie meinen wiederholten Verweis auf das Buch *Zuammen ist man weniger allein* - wem bei der Lektüre nicht warm ums Herz wird, der muss es dem Holländermichel verkauft haben.

Doch bevor ich nun durch treue Begeisterung den Blog-Papagei mache, habe ich euch einfach mal 10 Posts zusammengestellt, die mir zuverlässig gute Laune machen:

wie Boy George's Hare Krishna oder  Real-Love-Movie Overboard (*tiefer Seufzer!*) oder Kartoffel-Käse-Glück oder meine 10 Lieblings-Schoko-Rezepte oder die Dosis Romantik, die ich brauche oder meine Nüchternheit oder die bewußte Wertschätzung dessen, was gut ist oder die Orientierung am Licht oder das Glück der Begegnungen oder die Erinnerung an diese haarige Angelegenheit...

...  ich hoffe, ich kann bei euch auf diese Weise ebenfalls ein paar Endorphine aktivieren.

Charlottes Schwester hatte übrigens ein ähnliches Bedürfnis - weshalb das Milchmädchen nicht zögerte, bei sich nach Aufheiterung zu suchen...


Mein größtes Therapiezentrum ist die Natur. Ohne sie komme ich ganz leicht aus meinem inneren Gleichgewicht. Dieses Rezept richtet sich besonders an die, die naturnah oder mit einem Garten leben. Mit dem Frühling sprießt und treibt es. Und wie ein junges Reh/ alte Gemse/ mittelalte Ziege zieht es mich zum frischen Grün. In der Warteschleife stapeln sich die Rezepte mit Wildkräuter. Ihr verwendet einfach die Kräuter, die eure Umgebung hergibt. Die Stadtkinder können diese durch Mangold, Spinat oder Bärlauch ersetzen.

Zutaten 2P -  8 Stück

350g Kartoffeln
90g Wildkräuter
(Borretsch, Pimpinelle, Löwenzahn, Estragon, Giersch, Gänseblümchen, Rauke, Brennessel, junger Knoblauch...)
1 Schalotte
2 EL Sesam, geröstet
Salz, Pfeffer
Oliven-Öl

250g Ofentomaten
100g Soja-Geschnetzeltes
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen 
(oder wer hat junge Knoblauchstangen)
100ml Gemüsebrühe
1 kleine Karotte
1 kleine Stange Lauch
1 kleine Stange Sellerie
Harissa 
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
Tamari-Sauce (Soja)
Oliven-Öl

Zubereitung:

Kartoffeln gar kochen, gut ausdämpfen lassen, schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Die Wildkräuter klein schneiden und zusammen mit der in feine Würfel geschnittenen Schalotte in heißem Olivenöl etwas zusammenfallen lassen - dann mit geröstetem Sesam den Kartoffeln zufügen. Alles gut vermengen, mit Salz und Pfeffer würzen und von der Masse Pflanzerl (Frikadellen) formen. 

Für die Sauce das Soja-Geschnetzeltes mit der gleichen Menge kochendem Wasser übergießen und quellen lassen. 

Schalotte und Knoblauch fein würfeln. Ebenso das Gemüse (Karotte/ Lauch/ Sellerie) in feine Würfel schneiden.

In dem Oliven-Öl zuerst die Schalotte glasig dünsten, dann das Gemüse und den Knoblauch sowie das Soja-Geschnetzeltes untermischen und ebenfalls mitbraten. Ofentomaten und Gemüsebrühe anschütten, Deckel auflegen und sanft ca. 15min simmern lassen. Salzen, pfeffern und mit Harissa und Tamari-Sauce würzen.

Parallel die Pflanzerl in heißem Öl von beiden Seiten golden braten. Zusammen mit der Sauce servieren.

Inspiration: ZDF

die erste Wildorchidee des Jahres - Himmantoglossum robertianum
... und weiter aufgeblüht - auch genannt: das Riesenknabenkraut oder Roberts Mastorchis

Von langer Hand - also weiter oben - bereits angekündigt: 10 Dinge, die Hubel-Trubel-Heiterkeit auslösen sollen. Bon, oder zumindest etwas in diese Richtung schubsen...





https://salzkorn.blogspot.com/2015/10/eine-haarige-angelegenheit-karottenflan.html       https://salzkorn.blogspot.com/2015/11/begegnungen-husarenkrapferln.html

Als Goodie obendrauf lege ich das Wohnzimmerkonzert der Backstreet Boys (mittlerweile leider nicht mehr ganz zu sehen - deshalb jetzt das Original - wobei ersteres NOCH alberner war). Weil jetzt VÖLLIG bin ich nun (als Kind dieser Zeit) auch nicht an Boygroups vorbeigekommen - ich war halt kein Fan-Girl. Aber eine CD einer Boygroup hatte ich dann doch, eben die von den Backstreet Boys. Und weil ich zu der gerne geputzt habe, lag sie lange Zeit in einer der gîtes... bis sie irgendwann irgendjemand hat mitgehen lassen... So, jetzt wißt ihr das auch.



Sonntag, 29. März 2020

Ungeheuer - Apfelkuchen oder Apfel mit Kuchen


Ich gebe es zu: auch ich bin über die Frage der Verhältnissmäßigkeit der Maßnahmen gestolpert. Das hat zum einen damit zu tun, dass in Deutschland Erkältung und Grippe schnell in einen Topf geworfen werden und man deshalb beide Begriffe gerne miteinander vertauscht - was zwangsläufig die anfängliche, mediale Verharmlosung verstärkte. (Im Gegensatz zu Frankreich, wo begrifflich deutlich zwischen beiden Krankheiten unterschieden wird -  entsprechend der unterschiedlichen Krankheitsverläufe). Zum anderen leuchten mir viele der Einschränkungen schlicht nicht ein. Keiner konnte mir bisher schlüssig erklären, warum im Falle einer Pandemie nationalen Grenzen dicht gemacht werden. Warum konzentriert man sich nicht grenzüberschreitend mit vereinten Kräften auf erkannte Krisenherde - das wäre doch viel sinnvoller, viel solidarischer und vorallem VIEL effektiver. Und zwar für die Weltgesundheit!

Wie sehr dieser Virus wüten kann, sieht die Welt in Italien. Und doch revidiere ich meinen Verdacht nicht, dass die Enteignung sowie der finanzielle Ruin der Kleinen zugunsten internationaler Monopolisten (s. etwa hier und hier) ein verdecktes Motiv für die außergewöhnlichen Maßnahmen sind. Ein Reset unseres Finanzsystems steht schon lange an (Stichwort *Jubeljahr*). Es deutet gar darauf hin, dass es noch viel ungeheuerlicher sein könnte. Doch um bereit zu sein, sich mit derlei Skrupellosigkeit auseinanderzusetzen, muss man es mit dem Anspruch des Regisseurs Kurosawa halten: *Ein Künstler schaut niemals weg*, denn man blickt tief in die Bösartigkeit der Menschen. Wahrlich, die Hölle muss niemand mehr erfinden, die Erde ist bereits die Potenz davon.

Eigentlich kann man sich gar nicht hindenken wie perfide höhere Interessen umgesetzt werden, hätte Arte nicht hilfreich und parallel zur momentanen Krise die Dokumentation *Bloß keine Tochter* ausgestrahlt. Der Film zeigt, dass der gravierende Frauenmangel kein nationales, selbst verschuldetes Phänomen einzelner (asiaischer) Länder ist, sondern Folge gezielter Bevölkerungspolitik von Industrienationen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie deren Angst vor einer Bevölkerungsexplosion. Hilfspakete wurden an die Auflage von Geburtenkontrolle gekoppelt. Das Thema der indischen Massen-Zwangskastrationen und -sterilisationen der untersten Kaste beschreibt ebenso der von mir kürzlich gelesene Roman *Das Gleichgewicht der Welt*, der mich fassungslos zurücklies.

Warum soll die Angst vor dem Bevölkerungswachstum der führenden Riegen mit dem Klimawandel weniger geworden sein? Ein Virus wie dieser könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: während man Kapital umschichtet, wird gleichzeitig die Bevölkerung dezimiert. Ja, ich weiß, eine wahrlich ungeheuerliche Vermutung.

Nun wird eine Diskussion angestoßen, in der man Volksgesundheit gegen Wirtschaftskraft gegeneinander abwägen will. Zwei Prinzipien, die sich aus ethischen Gesichtspunkten noch nicht einmal berühren dürften (ein guter Moment, um sich den kaputt gesparten Gesundheitssektor - nicht nur in Deutschland - in Erinnerung zu rufen). Müsste man sich in Entweder-Oder-Manier für einen Wert von beiden entscheiden, kreiert man eine klassische Zwickmühle. Bref: das Covid-Virus ist das eine, was die Politik daraus macht das andere.


Über einen Gedankengang, der mehr und mehr gestreut wird, geriet mein Blut derart in Wallung, dass es mir den Schlaf raubte. Denn um die obige Überlegungen auf die Spitze zu treiben, wird nun auf beispiellose Weise versucht, Alt und Jung gegeneinander auszuspielen: Es könne nicht sein, sagte der Vize-Gouverneur von Texas in einem Fernsehinterview auf Fox News, dass die Wirtschaft der Coronakrise geopfert werde. Man müsse wenigstens diskutieren, ob nicht die älteren Bürger geopfert werden sollten. Unter der Rubrik: *Die Alten sterben sowieso*. Eine Idee, die wohl mehrere für nachdenkenswert halten: *Retten wir Leben oder verlängern wir das Sterben?*. Oder: *Altenheime sind wahre Zeitbomben*. Oder manche Länder wie Malta isolieren nun Menschen über 65...

Merken wir eigentlich noch, wie verkommen wir sind? Wie sehr wir von jedem guten Weg abgekommen sind. Wie sehr ohne Werte und Moral? Jeder Mensch durchläuft den gleichen, biologischen Zyklus - wie kann in der Bewertung eines Menschenleben unterschiedlich gewichtet werden, an welcher Stelle der einzelne in diesem Zyklus steht? Sollte man vielleicht Waffen an die Jugend verteilen, um dem Elend der Alten ein schnelleres Ende zu bereiten? Ersticken soll ja ein sehr qualvoller Tod sein. Und im Falle von Covid zudem ein einsamer. Wohlangemerkt sei: Covid verschont die Jungen nicht, auch sie können daran sterben - nur im Vergleich weniger häufig.

Sämtliche indigenen Völker zeichnen sich darin aus, dass sie ihre Alten besonders ehren. Gut, sie leben auch im Einklang mit der Natur - eine Harmonie, von der der moderne Mensch sich schon längst abgewandt hat. Die degenerierte Industriegesellschaft verdreht diesen Respekt in die andere Richtung: Kinder laufen nicht mehr selbstverständlich mit sondern werden helikoptert - was sich widerspiegelt in einem angezogenen und ausgeprägen Eigensinn und Starrsinn, wie Heidi Keller, Professorin für Psychologie, darlegt: *Wenn Kinder bei uns sich malen, füllen sie das ganze Blatt, Kinder in kamerunischen Dörfern malen sich winzig klein. Sie sehen sich dort als Teil eines sozialen Gefüges, wir sind sehr raumgreifend.*
  
Mir ist, als hätten die Industrienationen die amerikanische Konsum-Kultur so verinnerlicht, dass uns gar nicht bewußt wird, dass wir das *America-first*-Prinzip bereits individualisiert haben: *Ich zuerst - nach mir die Sinnflut.*

Doch - um wieder etwas Licht ins Dunkel fallen zu lassen - jede Krise beinhaltet auch eine Chance, wie Frau Novemberregen so trefflich schreibt: Es sind merkwürdige Zeiten, in denen alles unglaublich beschleunigt passiert, aber gleichzeitig auch alles in einer unglaublichen Klarheit reduziert ist, alle Sterne brillieren, alle Sollbruchstellen brechen, es gibt sehr wenig "dazwischen" im Moment.* Der Putz brökelt - jeder kann nun zeigen, was darunter zum Vorschein kommt. Für Wahrheitssuchende gibt es viel zu entdecken...


Wie heißt es so schön: Poesie ummantelt die bittere Pille der Wahrheit mit Zucker. Es gibt Kuchen zum heutigen Text. Mit der Symbolfrucht der Erkenntnis: einen Apfelkuchen mit extra viel Apfel. Man könnte auch sagen Apfel mit etwas Teig...

Zutaten - eine Springform:

125 Butter
90g Rohrzucker
3 Eier
1/2 P Backpulver
200g Mehl (m: D630)
50g geröstete, gemahlene Haselnüsse
1 1/2 kg Äpfel (m: ca. 1 1/4 kg)
(Saft 1/2 Zitrone) 
1/2 Tonka-Bohne, Abrieb davon

40g Butter
2 EL Rohrzucker  mit Zimt
(oder Sugar-Spice)

Zubereitung:

Eine Springform buttern und mit Mehl bestäuben.

Äpfel schälen und in große Stücke schneiden (je nach Größe der Äpfel in Achtelstücke) und mit dem Zitronensaft beträufeln.

Butter mit dem Zucker cremig aufschlagen und dann nacheinander die Eier umrühren. Zuletzt Mehl zusammen mit dem gesiebten Backpulver unterrühren (m: 2 EL Ofen-Apfelmus untergemischt).

Äpfel unter den Teig mischen und dann in die vorbereitete Springform feben und etwas glätten (so gut das eben geht).

Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C Ober-/Unterhitze auf der unteren Schiene ca. 50 bis 55 Minuten backen. Nach 45 Minuten mit viel flüssiger Butter bestreichen (m: Butterflöckchen darauf verteilt) und mit Zucker samt Gewürz der Wahl (Zimt oder Sugar-Spice) bestreuen. 


Sollte der Kuchen zu dunkel werden mit etwas Backpapier abdecken.

Anmerkung vom Original-Rezept: Es scheint zwar, dass es zu viele Äpfel sind im Verhältnis zum Teig, aber keine Angst. Der Teig sucht sich seinen Weg durch die Äpfel und dient eigentlich nur als zusammenhaltende Form für die Äpfel.  


Anmerkung m: Ich hatte das Back-Pu vergessen - hat trotzdem funktioniert, doch empfehlenswerter ist es, den Teig damit etwas aufzulockern. Ein wirklich safiger Kuchen, der sich ganz prima mit Schlagsahne essen lässt. Ach, und auf dem einen Bild mit den Wildtulpen ganz links: da wohnen wir...

Inspiration: CK
 
die Wild-Tulpe - jedes Frühjahr eine Erscheinung

Freitag, 27. März 2020

Gastbeitrag von Hannah: rosarote Gnocchi


Kann man heute in der aktuellen Situation, in der unser Leben so stark von den Gedanken, Nachrichten und Sorgen um, von und vor dem Corona Virus bestimmt ist, einen Blogpost schreiben, ohne darauf Bezug zu nehmen? Zumindest als Gast hier, die ich ja nur hin und wieder etwas schreibe, käme es mir ignorant vor, auch wenn uns hier im kleinstädtisch, ländlichen Bereich die Auswirkungen später und zuerst abgepuffert erreicht haben, als in Ballungszentren. Wir leben in einer Kleinstadt im südwestdeutschen Raum, nördlich von Freiburg und bis vor zwei Wochen schienen die Nachrichten von Covid-19 sich in einer anderen Welt abzuspielen. Dann wurden hier die ersten Schulen geschlossen, es folgten die Kindergärten und nun sind die Auswirkungen der Krise auch hier angekommen - allen voran die Angst und die Unsicherheit aber auch leere Toilettenpapierregale und ausverkauftes Desinfektionsmittel, abmontierte Türklinken, Zugangsbeschränkungen und der Sicherheitsabstand. Das öffentliche Leben ist gen Null gefahren, die Straßen leer. Hier in der Kleinstadt fällt das natürlich nicht so auf, wie wenn in Paris die Champs-Elysées wie leer gefegt ist, aber doch herrscht auch hier der Ausnahmezustand.

Wie gerne würde ich versuchen dem Ganzen etwas Positives abgewinnen zu können, zum Beispiel, dass Familien jetzt mehr Zeit füreinander haben, alle Menschen sich auf das Wesentliche besinnen, anfangen auf ihre Mitmenschen zu achten, ihre Gärten herauszuputzen, zu säen, den unwahrscheinlich blauen Himmel genießen, vielleicht tatsächlich ein schönes Hobby pflegen, für das sonst keine Zeit blieb. Jetzt haben wir die Zeit! Nachdenklich stimmt mich dabei jedoch was der Auslöser für diese krasse Verhaltensänderung ist. Bestätigt das doch wieder einmal, dass wir Menschen unser Verhalten wirklich erst ändern, wenn der Leidensdruck bzw. die Angst immens sind. Warum ist das so? Und schaffen wir es aus dieser Krise – so wir sie denn hoffentlich bald wieder gesund überstanden haben – zu lernen und nicht direkt wieder in alte Muster zu verfallen? Wie gerne würde ich die rosarote Brille aufsetzen und hoffnungsvoll sein. 

Nun, wenn schon nicht rosarote Brille, dann rosarote Gnocchi. Auf Michas Blog als Gast ein Gnocchirezept zu veröffentlichen, grenzt fast an Wagemut, schließlich ist sie so was wie die „Gnocchi-Queen“  - man klicke nur mal auf „Gnocchi“!

So kommt es auch dazu, dass es kurz hintereinander zwei Gnocchi Rezepte hier zum Nachkochen gibt – wir hatten uns nicht abgesprochen. Micha war es natürlich auch, die mich überhaupt dazu animiert hat Gnocchi selber zu machen, und noch besser – die Scheu davor à la „das ist kompliziert“ zu verlieren. Einzig das Rezept muss zuverlässlich sein. Das sind Michas Rezepte bekanntermaßen und auch dieses hier darf ich euch als erprobt anpreisen. Genauso wie Micha verwende ich Ziegenfrischkäse und zwar einen recht festen, den es bei uns gibt. Beim Mehl lässt mich meine Experimentierfreude gerne zu verschiedenen Getreidesorten greifen. Unten gebe ich euch meine Variante mit Buchweizen- und Dinkelvollkornmehl an. Da Buchweizenmehl kein Gluten enthält, gebe ich zur Sicherheit 1 TL Stärke dazu. Natürlich kann man auch einfach nur Dinkel- oder Weizenmehl nehmen. Beim Formen der Gnocchi können ganz Ambitionierte noch mit der Gabel ein Rillenmuster reindrücken. Das spar ich mir meistens, schmeckt auch so. Muss ich ferner noch erwähnen, dass „rosa Klößchen“ natürlich ein Lieblingsessen unserer dreijährigen Tochter sind? Eh, klar.


Zutaten - 4 Personen:

ca. 700 g Rote Bete (davon kommen 150 g in den Gnocchi Teig)
75 g Parmesan
400 g Ziegenfrischkäse
1 Ei
90 g Buchweizenmehl
85 g Dinkelvollkornmehl
1 TL Stärke
Salz
Pfeffer
etwas Mehl zum Bearbeiten

Für das Rote Bete Gemüse:
Olivenöl
etwas Butter
1 Handvoll frische Kräuter
Balsamicoreduktion, ein alter Balsamico oder Apfelbalsamico
Salz, Pfeffer

Zum Servieren:
Walnüsse, geröstet und gehackt, Menge nach Wunsch – ich sag mal: ‘ne Handvoll
geriebener Parmesan

Zubereitung:

Rote Beten in einen Topf mit Wasser geben und gar kochen. Abschrecken, ausdampfen lassen und pellen. Gerne dies auch schon am Vortag erledigen. Auf jeden Fall sollten sie vorm Weiterverarbeiten vollständig abgekühlt sein.

Parmesan reiben. Mit Ziegenfrischkäse, Ei, gut 1 TL Salz und frisch gemahlenem Pfeffer mischen. 

150 g der Roten Bete fein pürieren und ebenfalls unter die Masse mischen.
Mehle und Stärke sieben, dann gründlich in die Rote Bete Masse einarbeiten. ½ Stunde kühl stellen.


Wasser zum Kochen bringen.

Währenddessen das Topping und das Rote Bete Gemüse vorbereiten.
Walnüsse grob hacken. In einer beschichteten Pfanne ohne Fett sanft anrösten. Beiseite stellen.


Die restlichen Rote Beten klein würfeln. Ordentlich Olivenöl plus ein Stich Butter in einer großen Pfanne erwärmen, Rote Beten darin anschmoren, mit Salz, Pfeffer und Balsamicoreduktion abschmecken.

Nun aus der Gnocchimasse kleine Klößchen formen. Ich mache dies mit leicht bemehlten Händen. Die fertigen Kugeln am besten auf einem geölten Blech zwischenlagern (Trick hab ich mal von Petra übernommen). Dann in siedendem (nicht kochendem!) Wasser auf zwei Mal gar ziehen lassen. Sobald sie nach oben gestiegen sind, noch 1-2 Minuten ziehen lassen, dann mit der Schaumkelle abschöpfen und gut abtropfen lassen. 

Frische Kräuter unter das Rote Bete Gemüse mischen und nun die Gnocchi vorsichtig unter das Rote Bete Gemüse heben und nochmal kurz anbraten.
Mit den gerösteten Walnüssen und gerieben Parmesan servieren.

Inspiration: „Gemüse als Hauptgericht“ von Anne-Katrin Weber (BJV Verlag)



©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.
 

Dienstag, 24. März 2020

Unbegrenzt: Cremiger Wirsing mit Orcchiette


Das allzu menschliche Sankt Florian-Prinzip weht durch die Gassen. Möge dieser Kelch an einem vorüber gehen. Wer kann, versucht sich klein zu machen und wegzuducken. 

Ganz im Gegenteil zur Politik, die genau in dem Moment, in dem ein Großteil der Bevölkerung schwer mit existentiellen Sorgen abgelenkt ist, jeden Bezug zu Maß und Zahl verliert. Es wird mit fulminaten Worten und Zahlen hantiert. All die uferlosen Zusagen scheinen Geld in Papier und Worte in Seifenblasen zu verwandeln. *Unbegrenzt* ist das neue, viel gebrauchte Lieblingswort. 

Unbegrenzt im Sinne von *grenzenlos*? Oder gibt es noch andere Bedeutungen für dieses Adjektiv?

Es sei die umfassendste und wirksamste Hilfestellung und Garantie, die es in Deutschland je gegeben habe, so Wirtschaftsminister Altmaier, samt einer unbegrenzten Zusage für Liquiditätshilfen: an fehlendem Geld solle es nicht scheitern.

Finanzminister Scholz betont zeitgleich, das Kreditvolumen sei unbegrenzt. Wenn die jetzt zur Verfügung gestellte Summe nicht ausreiche, werde man nachlegen. Das jetzt wäre * die Bazooka* [...] und was wir an Kleinwaffen brauchen, sehen wir später.*

Die EU legt mit einem einzigartigen Schritt nach und setzt erstmals Schulden- und Defizitregeln vorübergehend aus. Parallel will die Fed (US-Notenbank) unbegrenzt Anleihen kaufen.

Ihr habt bei diesem vollmundigen Fachchinesisch böhmische Dörfer vor Augen?

Voilà, nichts ist anschaulicher wie abstrakte Inhalte in Bilder zu verwandeln. Und in derlei Zusammenhängen zückt der Habib gerne eine kleine Schätzfrage, die da lautet: Wie groß muss ein Koffer sein, in den eine Million Euro passt? Eine Idee? Fast jeder lag seither mit seinem Tipp daneben. Für dieses Spielchen muss man wissen, wie hoch ein Stapel von einer Million im größten Euroschein von 500 Euro überhaupt ist. Und wenn schon dabei, hat der Habib die Höhe bzw. Länge von 500er Stapeln mal gelistet - anhand der Größe der Stapel wird der Unterschied etwa von Million zu Billion erst richtig deutlich, beeindruckend (!) deutlich:

1.000.000 - eine Million - (in 500 Euroscheinen):     (pupsige) 22cm
10.000.000 - zehn Millionen - (in 500 Euroscheinen):     220 cm
100.000.000 - hundert Millionen - (in 500 Euroscheinen):     2200 cm= 22m
1.000.000.000 - eine Milliarde - (in 500 Euroscheinen):     22.000 cm
10.000.000.000 - zehn Milliarden - (in 500 Euroscheinen):     220.000 cm
100.000.000.000 - hundert Milliarden - (in 500 Euroscheinen) 2.200.000 cm = 22 km
1.000.000.000.000 - 1 Billion - (in 500 Euroscheinen):    22.000.000 cm  = 220 km

4.000.000.000.000 - vier Billionen - (in 500 Euroscheinen):    88.000.000 cm 
10.000.000.000.000 - zehn Billionen - (in 500 Euroscheinen):     220.000.000 cm = 2.200km

Soweit die Basics, was die Nullen betrifft.

Bedeutet für Amerika, dessen Staatsschulden sich im Moment auf ca. 24.000.000.000.000 USD belaufen - wir reden von einer Strecke von über 5.000 km gestapelter 500 Euro Scheinen (etwa von Berlin nach Novosibirsk)... Oder: die deutschen Staatsschulden liegen bei: 2.032.000.000.000 Euro - wobei der gesammte Staatshaushalt, über den Deutschland für das Jahr 2019 verfügte, 343.000.000.000 Euro betrug. Und von diesen Zahlen wird ständig mit der sogenannten "schwarzen Null" abgelenkt - der Vertuschung zuliebe.

Ist das fancy? Und jetzt also ein Hilfspaket in Billionenhöhe. Wer ist im Kopf noch dabei? Wer rechnet noch mit? Rechenschieber raus, jetzt kommen wir ans Eingemachte: wo soll das hinführen? Wo kommt das Geld her? Wie soll das je zurückbezahlt werden?...


Zum dritten Mal habe ich nun schon diese Orcchiette zubereitet, seitdem ich sie bei Susanne entdeckte. Man hat den Bogen - im wahrsten Sinne - schnell raus, wie man die kleinen Öhrchen fertigt. Nebenher dient die Zubereitung dieser frischen Pasta obendrein ganz wunderbar der Entspannung in diesen unruhigen Zeiten, da bin ich ganz bei Susanne: *das Formen von Orecchiette macht mir nicht nur Spaß, sondern wirkt auch nervenberuhigend.* Ausprobieren - so ist es wirklich!

Zutaten 2P:

140g Hartweizenmehl
30g Einkorn-Vollkorn
ca 85ml Wasser

1 Wirsing
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 TL Kümmel, fein geschrotet
1 TL Thymian
1 EL Mascarpone
1 Stich Butter
1 EL Mehl
200ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
1 Zitrone, Abrieb davon
1 Schuß Noilly Prat
Öl

Deko: Parmesan, frisch gerieben
Chili-Öl

Zubereitung:

Für die Pasta das Mehl in eine Schüssel geben. Eine Mulde in die Mitte machen und das Wasser angießen.  Langsam Mehl und Wasser vermischen, und den Teig gut kneten: er soll nicht kleben und schön elastisch sein. Wenn nötig, nach etwas mehr Wasser einarbeiten. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und bei Zimmertemperatur mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen.

Den Ofen auf 210° vorheizen. Wirsing halbieren, vom Strunk befreien, äußere Blätter wenn nötig entfernen, und den Wirsing in kleine Streifen und dann in kleine Rauten schneiden. In eine große Auflaufform (tiefes Backblech...) mit dem Öl vermengen und ca. 15min in den heißen Ofen schieben - zwischendurch wenden. Es sollten sich dunkle Spitzen zeigen (Röstaromen).

Für das Fertigen der Orcchiette (s. diesen kleinen Film) oder den Teig zu fingerdicken Würsten beliebiger Länge rollen. Dabei die Arbeitsfläche nicht bemehlen. Die Würste im rechten Winkel zum eigenen Körper legen. Mit einem simplen, zart geraffelten Tafelmesser ca. 1 cm dicke Scheiben abschneiden. Sobald das Messer auf der Unterlage ankommt, es Richtung Körper kippen und auf den Körper zu über den Teig ziehen. Mit der freien Hand das Öhrchen festhalten, wenn es hinter dem Messer hervor kommt, dann über einen Finger umstülpen. So entsteht die typische Öhrchen-Form und die Pasta bekommt die typische angeraute Oberfläche auf der Innenseite. Die fertigen Orecchiette jeweils mit etwas Mehl bestäuben, damit sie nicht zusammenkleben.

Für den Wirsing die Zwiebel fein würfeln, ebenso den Knoblauch und in etwas Öl anschwitzen. Zuletzt den Kümmel kurz mitrösen. Wirsing und Thymian zufügen, die Brühe anschütten und bei geschlossenem Deckel weich garen (etwa 10min). Dann abschütten und Sud auffangen. Butter schmelzen und zusammen mit dem Mehl zu einer Roux verrühren. Sud anschütten, dabei mit einem Schneebesen rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Wirsing wieder zurück in den Topf geben. Mit einem Schuß Noilly würzen. Mascarpone und Zitronenschale unterrühren, salzen und pfeffern.

Orcchiette in reichlich Salzwasser al dente garen - dauert frisch etwa 3-4min, abschütten. Wirsing in zwei Teller verteilen, Orcchiette darauf setzen, mit Parmesan betreuen und mit etwas Chili-Öl besprenkeln. Servieren.

*Anmerkung m: Ich habe die Orcchiette auch schon völlig getrocknet - dann braucht sie zum Garen deutlich länger etwa 12-15min

Inspiration: Susanne von Magentratzerl


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