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Sonntag, 19. Mai 2019

Soweit so gut: Parmesan-Gnocchi mit grünem Spargel und Brokkoli aus dem Ofen


Weil Brokkoli doch so gesund sein soll und ich ihn zudem gerne esse, vergeht keine Woche, in der ich ihn nicht auf den Tisch bringe. Vielleicht sollte ich mal ein Brokkoli-Spezial veranstalten. In der Warteschleife stapeln sich die Brokkoli-Rezepte nur so und das Blog bietet bereits einiges zum Stichwort.

Für meinen Geschmack passen grüner Spargel (Blog-Empfehlungen über den Lind) und Brokkoli hervorragend zusammen - und die zwei lassen sich im Ofen ganz unkompliziert und lecker garen.

Ich habe mich ein Mal mehr an begleitenden Kartoffel-Parmesan-Gnocchi probiert. Der Hartweizengrieß gibt einen schönen Biss und lässt sie in der Pfanne besonders knusprig werden. Mal wieder mit mehr Zeit für Kür werde ich an dem Rezept noch etwas feilen und sie dann mit Lust zum Ziselieren über mein Gnocchi-Brett (coucou Hannah) rollen! Bis dahin bin ich schon mal schwer begeistert von dem Stand der Dinge bis hierhin - so weit ohne falsche Bescheidenheit!


Zutaten 2P:

350-400g Kartoffeln (m: Mona Lisa)
1 Eigelb
60g Hartweizengrieß (fein)
40g Mehl
40g Parmesan, gerieben
Salz
1 EL Öl 

250g grüner Spargel
1 kleiner Brokkoli
1 TL Thymian
Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer
1/2 TL Vanillezucker

Sonnenblumenöl zum Braten
Parmesan zur Deko

Zubereitung:

Die Kartoffeln in der Schale garen, etwas ausdampfen lassen, pellen und noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Mit allen Zutaten vermengen und zu einem homogenen Teig verkneten. Reichlich Salzwasser zum Sieden bringen. Zu zwei Rollen von etwa 2cm Dicke ausrollen, Stücke von etwa 1cm Länge abschneiden und die Gnocchi nach Wunsch formen. In das siedende Wasser geben, so lange garen, bis die Gnocchi an die Wasseroberfläche steigen, dann abschöpfen und gut abtropfen lassen.

Den grünen Spargel richten: Enden abschneiden und das untere Drittel schälen. In mundgerechte Stücke schneiden. Brokkoli in mittelgroße Röschen teilen. Alles in eine ofenfeste Form geben, etwas Öl zufügen und gut mischen, salzen, pfeffern, zuckern und mit Thymian würzen.

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. 

Das  Gemüse für knapp 20 Minuten auf der mittleren Ebene in den Ofen schieben, bis es gar ist.

Parallel die Gnocchi in etwas Öl knusprig braten.

Gemüse mit Gnocchi auf einem Teller anrichten und mit etwas Parmesan bestreuen.

*Anmerkung m: Die Mona-Lisa-Kartoffel ist eine halb-feste Sorte/ ob Gnocchi in der Pfann anhängen oder knusprig braten, hängt von der Pfanne ab!

Geier-Päuschen mit Ausblick

Donnerstag, 16. Mai 2019

Ludwigs Bauernbrot mit Chia


Ein Mal im Monat darf ich lamentieren, einverstanden? Hat von euch jemand zufällig den ARD-Film *Papa hat keinen Plan* angeschaut? Ich dachte, endlich mal nicht immer die gleichen deutschen Schauspieler und das schöne Italien als Kulisse... also mal gucken.  Aber ähhhh..., welche Botschaft bitte will dieser Film transportieren? Gut, die pupertierende Tochter ist bei der alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und der Vater hat sie in dieser Zeit vernachlässigt. Aber das soll dann diesem unerzogenen Balg das Recht geben, ihren Vater wie Rotz am Ärmel zu behandeln? Überhaupt! Wie kann sich ein ausgewachsener Mann so ein Verhalten bieten lassen? Was ist das bitte für ein Umgang miteinander? Will man so Nachwuchs für SM ranziehen?

Ehrlich - alles Geisterfahrer!

Denn ein weiteres Ereignis, was sich an diese Gedanken anschließt, das war eine beobachtete Geschichte als wir sonntags - mal wieder - im Café in der Sonne saßen (für was lebt man in Südfrankreich? Eben!). Ich sehe also einen Vater mit seinen zwei Töchtern am Café vorbeilaufen, wobei die jüngere Tochter von etwa drei Jahren auf den ersten Blick ein echtes Zuckerpüppchen ist: asiatische Gesichtszüge dazu umringt von einer großen Wolke schwarzer, krauser Haare. Kurz darauf setzte sich die Dreiergruppe direkt neben uns an einen Tisch. Und der Vorhang ging auf. Zu einer echten Gruselvorstellung!

Exakt mein Zuckerpüppchen drischt mit all ihr zur Verfügung stehender Kraft auf ihren Vater ein und schreit ihn zusammen, was ihre Lungen hergeben. Zuerst registriert der ein oder andere Café-Besucher die Szene lächelnd. Nachdem sich das Theater aber zieht und zieht, schlägt die allgemeine Stimmung um. Der einzige, der dazu eine Meinung kundtat, war der Habib, der den Herrn Papa darauf hinwieß, dass ein Vater nicht so mit sich umgehen lassen dürfe. Prompt entschuldigte sich dieser bei uns, nahm seine Tocher erklärend in Schutz, er hätte ihr nunmal ein Spielzeug verweigert zu kaufen, das sie sich gewünscht hätte. Zuguterletzt verließ die mutterlose Familie das Café: der Vater unter Tritten und Verwünschungen seiner jüngsten Tochter. Und unter missfälligen Blicken des ungewollten Publikums. Bis zu dem Moment hielt ich Diskussionen, ob mit oder ohne Kinder nur bestimmte Restaurants oder Cafés besucht werden können, für ein Kuriosum - in Frankreich auf dem Land laufen die Kinder üblicherweise nebenher mit. Kinder, die Terror-Rambazamba veranstalten, sieht man selten.

Direkt fiel uns eine Bekannschaft auf Madagaskar ein. Rolf, der Leiter des Jugendamtes einer Schweizer Großstadt erzählte uns, dass sich Fälle häufen würden, in denen das Amt einschreiten müsse, weil Eltern von ihren Kindern misshandelt würden. Wir lachten ihn damals ungläubig aus.

Dort - auf Madagaskar - nahmen wir übrigens an der Christmette teil: die Kirche so voll, dass viele stehen mussen. Und zwar mischten sich unter viele Frauen und wirklich unzählige Kinder sowie Babys nur ein paar vereinzelte Männer.  Ein einziger Säugling fing während des Gottesdienstes an zu weinen und die Mutter ging mit ihm kurz nach draußen, ansonsten hätte man nicht gehört, dass überhaupt Kinder anwesend sind.

Aber traurig, nicht als Lehrerin zu arbeiten - so, wie ich es studiert habe - bin ich ehrlich gesagt nicht. Gerade wenn ich solche Artikel lese wie von dieser Lehrerin in der Zeit... und  der Autorin glaube. Grenzen zu vermitteln und Grundsatz-Benimm gehört nun mal ins Elternhaus - das kann Schule nicht leisten. Mich würde eine solche Tätigkeit auf Dauer zu sehr aufreiben.

Gibt es in unserer Gesellschaft tatsächlich einen derartigen Drift? Nehmt ihr das anders wahr? Ich frage mich oft, woran sich die heutige Jugend hochzieht - vergleichend etwa mit Gerhard Hauptmann - oder in Anbetracht der Klima-Veränderung und der wegsterbenden Natur. Da braucht es vielleicht rauhere Sitten, wer weiß?!


Ich freue mich, dass die Brotrezepte auf dem Blog so eifrig aufgerufen werden. Sollte der nächste, längere (und heiß ersehnte) Landregen mich nach innen verbannen, dann habe ich mir fest vorgenommen, zumindest und als allererstes mein *Brot-Board* wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Heute zeige ich euch ein rustikales Brot mit Rotkorn-Weizen, dunklem Starkbier und Chia.

Zutaten 2 Laiber:

Sauerteig - 12 Stunden:
150g Roggen-Vollkornmehl
150g Wasser
30g Roggen-ASG

Vorteig:
100g Purpur-Vollkornmehl
100g Wasser
1,5g Hefe

70g Chia-Samen
200ml Bier (m: König Ludwig)

Brotteig:
Sauerteig
Vorteig
Chia-Samen
300g Purpur-Vollkornmehl
200g Weizen 1050 (m: T110)
150g Weizen 550 (m: T65)
18g Salz
2 EL Rübensirup
3-4g Hefe
300ml Bier 
ca. 60ml Wasser

Zubereitung:

Sauerteig-ASG rechtzeitig auffrischen (Hefe-Führung) und den Sauerteig ansetzen. Zeitgleich ebenfalls den Vorteig auf den Weg bringen: 1 Stunde bei Raumtemperatur anspringen lassen, dann in den Kühlschrank verfrachten. Chia-Samen-Quellstück direkt ebenfalls anrühren, und gleichfalls abgedeckt im Kühlschrank lagern.

Für den Brotteig alle Zutaten (außer dem Wasser) miteinander vermengen und ca. 10 Minuten kneten - das Wasser während des Knetvorgangs schluckweise anschütten.

Den Teig in eine geölte Schüssel umverfrachten, direkt 1x falten, 20 min Teigruhe, ein weiteres Mal falten, 20 min Teigruhe. Dann den Teig teilen, zu zwei runden Laibern wirken, mit dem Schluß nach unten in die vorbereiteten Gärkörbe legen, 15 min entspannen lassen, dann für etwa 5 Stunden in den Kühlschrank.

Backofen mit Backstein aufheizen. Bei 250° mit Dampf einschießen, nach 10 min dem Dampf ablassen, fallend auf 200° ca. 50 min backen (Klopfprobe).

Anmerkung m: Das Brot hat - wie immer dank Chia - eine tolle Frischhalte-Qualität. Wer das Brot nicht zur Gare in den Kühlschrank stellen möchte, gibt einfach etwas mehr Hefe an den Brotteig. 
 

Sonntag, 12. Mai 2019

Überwintern in Thailand


















Warum an den gleichen Ort nochmals?

Wir hatten letztes Jahr für uns einen nahezu idealen Ort entdeckt: spektakulär unspektakulär. An einem noch weitestgehend unbebauten, kilometerlangen, menschenleeren Strand in der Nähe eines kleinen Dorfes, wo wir unter Thais mit vereinzelten Touristen lebten. Dazu kam der nahezu ideale Bungalow in Strandnähe, der mitten in dem großen Garten einer Thai-Familie stand, die drei unterschiedliche Häuschen vermieten. Aircon nutzen wir nicht, weil wir alle Türen offen stehen lassen konnten. Und die Umgebung ließ es sogar zu, dass wir unser Heim verlassen konnten, ohne abschließen zu müssen. Mopedfahren brachte Spaß und Beweglichkeit, war sicher und easy. Bref: Ruhe, Friede, Freiheit, Natur! Außerdem waren wir viel umhergereist die letzten Winter. Einfach nur maxicosy schien auch mal verführerisch...

Also? Wie wars?

Für uns war das Premiere: zum zweiten Mal an den gleichen Ort zurückzukehren und zudem einfach drei Monate dort zu verweilen - das gabs noch nie. Also eine komplett neue Erfahrung.

Gut eingelebt?

In vier Phasen würde ich unsere Zeit dort unterteilen.

Die erste Phase nenne ich die Murmeltier-Phase. Anfang Dezember kamen wir an - mitten in der schönsten Regenzeit. Die Vorweihnachtszeit hätte für uns keine größere innere Einkehr sein können. Durch die ergiebigen Regengüsse war unser Bewegungsradius beschränkt, wir mummelten uns vorallem im Bungalow ein, wir schliefen viel, redeten viel, ich las viel oder dattelte im Netz (und das Thai-Wlan ist speedy total) oder machte bei kurzen Regenpausen Strandspaziergänge. Die Yogamatte konnte ich auf der überdachten Terrasse bei der Outdoor-Küche ausrollen (wenn der pefekte Ort wegen Nässe ausfiel = Bild 14) - so lange, bis ich mit den Flipflops in einer Pfütze ausrutschte, mir den Ellenbogen verstauchte und auch in der Hinsicht etwas Ruhe geben musste. Raus aus den Gewohnheiten hieß es zudem, was das Fotographieren anging: die Kamera ging kaputt. Bref: Es tat uns super gut, wir erholten uns spitze, die ersten Wochen vergingen (wider Erwarten) im Flug.

Drei Monate am gleichen Ort: wurde das nicht langeweilig?

Zu den Unterbrechungen (Phase 2 und 3) komme ich noch extra, lande ich bei Phase 4. Die nenne ich ebenfalls Murmeltiertage - jetzt aber anders gemeint. Kennt ihr den Film *Und täglich grüßt das Murmeltier*? Ein SUPER Film! Mir kams gen Ende schon so vor, als würde die Platte hängen. Als würde man alles in-und auswendig kennen, hätte alles gesehen und abgefrühstückt. Aber gerade rückblickend brachte genau diese Ereignislosigkeit eine besondere Intensität. Eintönigkeit birgt viele Möglichkeiten - wenn man sie ertragen kann. Das Erleben verlegt sich nämlich dadurch sehr ins Innere. Ein Mal mehr halte ich die Nüchternheit als DIE große Qualität hoch, um zu Erkenntnis zu gelangen. Je länger ich mich von allem Rausch fern halte, umso mehr staune ich, wie ich immer noch mehr und noch tiefer ausnüchtere. Einem Level folgt immer noch eines. Ich fühlte mich an meine Vipassana-Meditationszeit in Burma erinnert. Irgendwie geht Erkenntnis über sich selbst damit einher, dass man das Sand im Getriebe erst richtig lokalisiert/ formuliert bekommt. Bref: irgendwie unangenehm, aber extrem bereichernd!

kurz und knackige Beobachtungen (wie beim letzten Mal):

 ° viele Unfälle passieren in thailändischen Badezimmern: nass sind die typischen Bodenfliesen spiegelglatt
 ° Thais schätzen traditionell Nachthemden und Pyjamas - trotz der Temperaturen auch in Flanell
 ° thailändischer Klamotten-Second-Hand-Flohmärkte sind ein Eldorado für mich: superbillig, frisch gewaschen und gebügelt (Gegenteil = Madagaskar)
 ° die Thais legen großen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild
 ° Trinkgeld ist nicht zwingend eine gute Idee: je näher man sich steht, umso heftiger wird Trinkgeld abgelehnt (gilt nicht für Touri-Hochburgen)
 ° Thailand gilt als Land des Lächelns - ich finde total zurecht. Eine Lieblingssituation: ich lächle auf dem Heimweg eine Frau an, die in einem Straßenresto sitzt, und ihr Antwort-Strahlen waren volle hundert Watt - selten so jemand aus dem Stand lächelnd aufleuchten sehen...
 ° die thailändische Mäßigung ist super angenehm im Umgang - so lässt sich selbst Suff ertragen
 ° thailändische Schlager laufen überall und sind angenehme Herzschmerz-Schmacht-Mucke - I like!
 ° nicht zierend aber wahr: je verwestlichter das Thai-Food war, umso lieber habe ich es gegessen (die Schärfe!). Ansonsten habe ich bereits viel zu Märkten und Essen gesagt
 ° Unser Lieblingsessen: Kæng k̄heīywh̄wān p̄hạk (Grünes Gemüse-Curry) - wie meist mussten wir das kị̀ (huhn) gegen p̄hạk (Gemüse) austauschen.
 ° ein bißchen Thai kann ich jetzt auch sprechen (keine Touri-Hochburg = wenig englisch)
 ° wir machten wochenlange eine Mangostan-Kur - einer Frucht, der Wunderkräfte nachgesagt wird. Und mein Eindruck war: sie entgiftet wirklich! 
 ° ich stehe einfach auf die Tropen-Geräuschkulisse: die Frösche, die Grillen, die Vögel!
 ° tosendes Meer kann sich ähnlich anhören wie direkt neben einer Autobahn zu wohnen
 ° mit Insektengiften hat es mein Körper nicht so (ich reagiere leicht allergisch) und hatte manchmal krasse Flacken an Armen und Beinen - keine Ahnung, was dort alles sticht (Moskitos waren das jedenfalls keine)
 ° die schamlose Hemungslosigkeit mit der sich eine Großzahl der weißen Touristen auslebt, kennt man hierzulande nur als Ausnahmezustand verkleidet an Karneval - oder nicht einmal dann. Leider bleiben diese Menschen dennoch Botschafter ihrer Heimatländer, denn den meisten Thais wiederum bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich selbst einen Eindruck von dieser Kultur vor Ort zu machen. Man schämt sich bis zur Buckligkeit fremd!
° keine nennenswerte Ungeziefer zu vermelden: 2 kleine Skorpione, ein giftiger Tausendfüßler, eine dicke Spinne nachts unter der Klobrille - die vielen Schlangen sahen wir nur überfahren entlang der Straße.
 ° nachwievor hat jedes Land immernoch seine Knechte: in Thailand sind es die Burmesen 
 ° Katzen sind nicht gleich Katzen - in Thailand sind sie VIEL dichter am Mensch! 
 ° schlimm: die Verschmutzung des Meeres!

TIPP

 ° Bettbezüge mitnehmen - Kleidung und Bettwäsche ist in Thailand mit viel Polyester-Anteil - durch die hohe Luftfeuchtigkeit schimmeln reine Baumwollsachen (oder Ledersachen) sehr schnell. Wir haben unsere Kissen also mit unseren eigenen bezogen und den Bettbezug nutzten wir wie einen Schlafsack (oder als Decke).

Fazit

 ° Jede Reise spiegelt den aktuellen Beziehungsstand -   Habib, am liebsten bin ich zu zweit *mit dir*!

 ° Thailand wäre für uns ein Land zum Auswandern. Klar das Klima ist eine große Umstellung, die Essensgewohnheiten eine kleinere, aber die Freundlichkeit und Entspanntheit der Menschheit ist ein RIESEN Plus dieses Landes!



Freitag, 10. Mai 2019

Gastbeitrag: Rhabarberkuchen von Hannah


Für mich hat alles als Gast-Bloggerin begonnen, so freue ich mich sehr, wenn ich nun umgekehrt mal Gelegenheit zum Bäumchen-Wechsel-dich-Spiel bieten kann - umso mehr, da es sich um meine treue Leserin Hannah handelt. Der Tarteboden - so ungewöhlich er daherkommt - ist eine Entdeckung! Und das weiß ich aus erster Hand:


Fügung: Rhabarberkuchen für Micha und Fried

Manchmal passieren Dinge im Leben schneller als gedacht. Dann greift ein Rädchen ins andere, die Dinge passen und fügen sich, und so saßen unverhofft bald Micha und Fried bei uns am Tisch.

Neben der Freude über den Besuch, das Kennenlernen im „Echtleben“ war bei mir – ich gebe es zu – auch ein wenig Aufregung dabei: Was backe ich, wenn Micha, meine erklärte Küchenmuse, zu Besuch kommt? Auf ein erprobtes Micha Rezept zurückzugreifen wäre natürlich die „sichere Bank“ gewesen, aber irgendwie schien das mir in diesem Falle doch etwas zu bequem. Micha was aus ihrem Blog vorbacken? – Nee…  Nun ist der April ferner obsttechnisch ja nicht gerade der üppigste Monat, jedoch beginnt die Rhabarbersaison – strenggenommen ist das Knöterichgewächs ja ein Gemüse, aber bei mir doch eher in der „Obstecke“ einsortiert und unmittelbar mit dem Gedanken an Rhabarberkuchen verbunden. Für den Rhabarberkuchen anlässlich des Besuchs von Micha und Fried fügt sich eine ordentliche Schicht fruchtig säuerlicher, dezent gesüßter Rhabarber zwischen einen klassischer Eier-Schmand-Guss, wie ihn meine Oma schon machte, und einen „Freestyle Teigboden“. Letzterer entstand ursprünglich mal in dem Bestreben mein Mehlsammelsurium zu dezimieren (deswegen das Reismehl) und einem spontanbackbedingten Buttermangel (deswegen Kokosöl und Quark). Das Ergebnis wurde damals schon für gut befunden und noch etwas weiterentwickelt und ist vielseitig verwendbar, so auch diesmal. 

Gelobt wurde er der Kuchen. Große Erleichterung und Freude auf meiner Seite. Freude aber besonders darüber mit diesen beiden Menschen Zeit verbringen zu dürfen, sich auszutauschen, zu hören, zu sehen und zu fühlen. Manchmal fügt es sich einfach.

Danke auch, Micha, für deine Einladung hier auf deinem wunderschönen Blog einen Gastbeitrag leisten zu dürfen.

Ich habe den Kuchen ursprünglich in einer 26er Springform gebacken. Nachdem ich der Gastblogeinladung gefolgt bin, habe ich zum 1. Mai für uns und die Fotos kleine Tartes in einem Muffinblech gebacken. Geht auch wunderbar. Die angegebenen Zutaten und Backzeiten beziehen sich aber auf die 26er Springform. 

Während die Rhabarbertartes im Ofen buken, wurden im Sandkasten eifrig weitere Kuchen fabriziert. Das Rezept dazu ist selbsterklärend.


Zutaten - Tarteform 26cm

Teig:
90 g Vollkornreismehl
90 g Haferflocken, gemahlen
60 g Mandeln, gemahlen
35 g Kokosblütenzucker
knapp ½ Zitrone, Abrieb
1 kleines Ei
80 g Quark
70 g Kokosöl, flüssig erwärmt

Belag:
Ca. 700 g Rhabarber, geschält und geputzt gewogen, entspricht ca. 1 kg ungeschältem Rhabarber (ohne Blätter)
3 EL Rohrzucker

Guss:
2 Eigelb
1 EL Speisestärke
200 g Crème fraîche (Schmand oder Saure Sahne gehen sicher auch)
1 Msp. Vanille
2 Eiweiß, mit 1 Pr. Salz zu steifem Schnee geschlagen

Zubereitung:

Für den Boden alle trockenen Zutaten vermengen. Dann Ei, Quark und flüssiges Kokosöl schnell unterkneten. Einen flachen Fladen formen und in Frischhaltefolie mindestens eine halbe Stunde, gerne auch über Nacht, kühl stellen.

Den Rhabarber putzen und schälen und in ca. 2 cm lange Stücke schneiden. Sehr dicke Stengel der Länge nach halbieren. Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen, ein Sieb einhängen und hierdrin je eine Handvoll Rhabarber in dem kochendem Wasser 40-60 Sekunden (nicht länger) blanchieren. Die Stücke müssen noch fest und roh sein. In einem großen Sieb mindestens eine halbe Stunde abtropfen lassen. Wer auf Nummer sicher gehen will (wie ich diesmal) lässt ihn über Nacht abtropfen, denn gerade der frühe Rhabarber ist sehr saftig und schnell ist ein Teigboden dadurch durchweicht. Alternativ könnte man auch Zwiebackbrösel oder gemahlene Mandeln auf den Teigboden legen. Wollte ich aber nicht. Also eben gut abtropfen lassen. 

Ofen auf 190 Grad (O/U Hitze) vorheizen.

Boden einer Springform mit Backpapier auslegen, Ränder fetten.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche auf etwas mehr als 26 cm auswellen und in die Form einlegen. Wem das nicht gelingt (mir), halbiert den Kreis, legt zwei Halbkreise ein und fügt die Nahtstelle liebevoll zusammen.

Rand auf ca. 2-3 cm Höhe begradigen.

Rhabarberstücke auf den rohen Kuchenteig verteilen.

Im vorgeheizten Ofen im unteren Drittel 25-30 Minuten backen. Gegen Ende dieser Backzeit den Guss vorbereiten: Eigelb mit Stärke, Crème fraîche und Vanille gut verrühren. Eischnee unterziehen.

Nach der ersten Backzeit 3 EL Rohrzucker über den ¾ gebackenen Rhabarberkuchen verteilen und dann sofort den Guss drübergießen. Auf mittlerer Schiene, diesmal bei 175 Grad weitere 15-20 Minuten backen, bis der Guss ganz zart bräunt.

In der Form eine Stunde abkühlen lassen. Erst dann öffnen.

Erdbeereis passt sehr gut dazu.


Sonntag, 5. Mai 2019

Engelsgymnastik: Paprika-Kartoffel-Eintopf


*Was habt ihr da in diesem Wochenend-Seminar gelernt? Engelsgymnastik? Was soll das sein? Wie soll das gehen?* Der Habib hatte Mühe, seine undurchdringliche Minie beizubehalten. Aber nur so kam er zu einer Kostprobe. Die zwei initiierten Probandinnen standen vor ihm, ruderten mit den Armen und machten vor, was sie neu erlernten hatten. Die Arme weit zu beiden Seiten gen Himmel ausgestreckt und dann wieder eng um sich selbst geschlungen, riefen sie begleitend in leicht theatralischem Tonfall dazu: Ich gebe, was ich nehme, ich nehme, was ich gebe... Esoterik... es kann nicht blöd genug sein. Und ja, teuer war das Wochenend-Seminar auch. Kann schließlich nicht jeder vermitteln, Engelsgymnastik.

Für den Habib und mich ist das mittlerweile ein geflügeltes Wort: *Engelsgymnastik*. Bringt uns zuverlässig zum Lachen. Schön blöd, wer auf so einen Quatsch reinfällt. Aber wenn ich eines verstanden habe, dann dass jeder die Erfahrungen macht, die er für seinen Lebensweg braucht. Und für erklärungsbedürftig halte ich den Humbug *Engelsgymnastik* nicht. Wer bei dem Wort schon keine Zweifel hat, dem ist leider nicht zu helfen. Ich fühle mich in solchen Momenten nicht angesprochen, hier etwas graderücken zu müssen. Irgendwann sollte der gesunde Menschenverstand von alleine einsetzen. Und wenn nicht, ist Hopfen und Malz verloren. Dann besteht die Gefahr, aus dem Wald nicht mehr herauszufinden. Da kann man Gretel fragen...

Ganz andere Maximen hat da die Foodbloggerei. Glasklare, überprüfbare quasi. Wie hat die große Schwester des Foodbloggens, Nicki, es einst für alle in Stein gehauen: You get, what you see! So zumindest  ging es mal los. Und für mich ist das nachwievor der unumstößliche Maßstab. Da können mir die schönsten, ausgeleuchtesten Fotos samt überwältigt dekorierten Teller gestohlen bleiben, wenn nachher mein Essen keine Ähnlichkeit damit hat. Dann stimmt entweder etwas am Rezept oder an der Foodfotographie oder an beidem nicht. Genau diese Verlässlichkeit hatte mich als Kochanfängerin überhaupt erst auf Foodblogs gebracht: normale Menschen kochen normales Essen in normalen Küchen. Einfach erklärt.

Bei Kochbüchern konnte ich nicht darauf gehen, dass die Rezepte immer einwandfrei funktionieren. Oft genug ist mir passiert, dass Zeiten oder Mengenangaben nicht stimmten. Oder aber die Abbildung mit meiner eigen Küchenwerkelei rein gar nicht gemein hatte. Mit diesem Eintopf, aufgegriffen aus dem SZ-Quartett, ist mir das mal wieder passiert. Mein Kartoffel-Gulasch sah - nachdem ich mich fast brav an die Zubereitung gehalten habe - ganz anders aus. Bereits ein Blick auf die Zutatenliste hätte mit einem dreiviertel Liter Gemüsebrühe (wie im Original) angezeigt, dass der Eintopf zwangsläufig flüssiger werden muss als das Foto verspricht. Die B-Note stimmt zumindest: den Bauch hat er gewärmt und geschmeckt hat er sehr gut!


Zutaten 2P:

2 rote Paprika, unter dem Grill geröstet, gehäutet*
2 EL Olivenöl
400ml Gemüsebrühe
500g Kartoffeln (festkochend)
2 kleinere Zwiebel, fein gehackt
Rapsöl
1 TL Paprikapulver (edelsüß)
1 Spritzer weißer Balsamicoessig
2 Knoblauchzehen

1 Lorbeer-Blatt
Kreuzkümmel (gemahlen)
Majoran
Salz, Pfeffer

Piment d'Espelette
2 EL Sauerrahm

(m: ersetzt durch 1 EL Mandelmus)
1/2 Bund Schnittlauch

Zubereitungszeit: 

Die gegrillte Paprika häuten und kleinschneiden. In einem Topf mit Gemüsebrühe bedecken (etwa 100ml) und dem Lorbeerblatt und weich garen. Lorbeerblatt entfernen, 1 EL Mandelmus zufügen und fein pürieren - zur Seite stellen. Kartoffeln schälen und in 3–4 cm große Stücke schneiden. Knoblauch und Zwiebeln fein hacken.

Die geschnittene Zwiebel in Rapsöl goldbraun rösten. Das Paprikapulver dazugeben ebenso den Knoblauch, das Ganze durchrühren und mit dem Essig ablöschen. Die Kartoffeln, Kümmel und Majoran dazugeben. Öfter umrühren, bis der Saft durch die Kartoffelstärke sämig und die Kartoffeln weich sind – das dauert ca. 20 Minuten. Jetzt die Paprikasauce untermischen. Mit Salz, Pfeffer und Piment abschmecken und nochmals ein wenig köcheln lassen. (Zum Anrichten den Sauerrahm glatt rühren und ein Nockerl auf das Gulasch geben.) Mit geschnittenem Schnittlauch bestreuen.

Inspiration: SZ-Kochquartett

Libellen-Schmetterlingshaft

Donnerstag, 2. Mai 2019

Zufallstreffer: Spargel-Suppe


Als erstes Spargel-Rezept der Saison komme ich mit einem Suppen-Vorschlag um die Ecke. *Gmpfhh*, rümpft der ein oder andere bereits die Nase, *Suppe*. Aber M-o-m-e-n-t!

Die Suppe entstand als Resteessen und war vorneweg nicht zum Vebloggen gedacht. Dann aber waren wir uns am Tisch einig, dass das die beste Spargel-Suppe ist, die ich gekocht habe, sowie wir beide je gegessen haben - also wird sie aus diesen ja wohl bestechenden Gründen archiviert. Zumal ich vom Suppenkasper zum heißen Suppenfan mutiert bin. Vielleicht ziehe ich euch auf meine Seite...

Komischerweise erinnert mich die Spargelsuppe ein bißchen an die typische Tütensuppe. Nich? Das soll eine gute Assoziation sein? Das ist einigermaßen komisch. Vielleicht kennt der ein oder andere gar keine Tütensuppe von euch?! Aber ich gehörte lange Zeit dem Team *Wer sich nicht wehrt, kommt an Herd* an. Meine Mutter war beim Kochen rasend schlecht gelaunt und mörder-genervt. Nichts schlimmer, als als Hausfrau zu enden - das habe ich schnell gelernt. Ich wußte also, was es zu vermeiden galt: die Küche als Beschäftigungsraum.

In klassischen Rollenbildern zu denken, lag mir eh fern, dübeln kann ich selbst, also ließ ich mich bekochen. Wobei: meistens war Essen einfach unumgängliche und leidige Notwendigkeit. Ich war guter Kunde in den Bäckereien (Brezel, belegtes Brötchen), oder griff nach Fertigprodukten. Wie auch mal eine Tütensuppe. Etwas, das ich heute, wenn ich durch den Supermarkt laufe, überhaupt nicht mehr wahrnehme. Habe ich die Wahl (sprich: meine Küche und Garten um mich), dann ignoriere ich alle Tütensuppe dieser Welt schnippist. Aber ausschließen, in der Zukunft mal wieder danach zu greifen, würde ich nicht. Etwa zum Campen: wiegt nix und bekommt man im Rucksack lässig unter.

Werbung für Tütensuppe wird das hier trotzdem nicht. Im Leben nicht kommt ein Pulver an den Geschmack dieses cremig-zartschmelzenden, daunig-weichen Spargel-Süppchen ran! Ihr werdet ja sehen...


Zutaten 2P:

300g Spargel
2 Kartoffeln (ca. 250g)
Gemüsebrühe
1 Schuß Rosé (oder Weißwein)
50-100ml Sahne
Salz, Pfeffer
Muskatnuss-Abrieb
2 Lorbeer-Blätter
1 EL Butter
1 EL Mehl

Zubereitung:

Spargel schälen und die Enden etwas großzügiger als sonst abschneiden. Mit einem guten 1/2 l Wasser aufsetzen, 1 Teelöffel Zucker zufügen, ebenso einen Schuß Essig und die Spargelschalen etwa 20min köcheln lassen. Kochflüssigkeit abschütten, Sud auffangen, Schalen wegwerfen. Den Spargel darin in mundgerechten Stücke bissfest garen. Dann die Spargel als Einlage zur Seite stellen.

Die Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Knapp mit etwas weniger als der Hälfe des Spargelsudes bedecken, Gemüsebrühe-Pulver (etwa 1 TL) und die Lorbeerblätter mit in den Topf geben und gut weich garen.

Die Butter in einem Topf schmelzen lassen, das Mehl einrühren und etwas braten ohne dass das Mehl Farbe annimmt. Mit Spargelsud ablöschen, gut und zügig dabei rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Nicht allen Sud angießen (damit steuern wir am Ende die cremige Konsistenz). Nun mit dem guten Schuß Wein abschmecken. Die Lorbeerblätter aus den Kartoffeln entfernen und ebenfalls in diesen Topf umfüllen. Sehr fein pürieren. Sahne (je nach Wunsch mehr oder weniger) unterrühren und nun mit dem restlichen Sud die Suppe noch eventuell etwas dünner machen. Mit Salz und Muskatnuss würzen.

Spargel in der Suppe warmziehen lassen, in Teller füllen und mit Schnittlauch dekorieren.

*Anmerkung m: das nächste Mal koche ich die Spargelschalen nicht lange aus, sondern ziehe einen Fond auf die Weise, wie es Robert empfiehlt!


Sonntag, 28. April 2019

Angemalt: Blumenkohl-Puffer


In der nächsten Kleinstadt im Hyper(nicht Super - jawohl)marchée steht neuerdings ein Pappaufsteller, der für eine Crème als Tattoo-Pflege wirbt. Nicht, dass wir es nicht mittlerweile alle mitbekommen hätten, aber Tattoos sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Als ich mich damals - als Autofahren noch Spaß gemacht hat, man sich in WGs einen Festanschluß teilte und in den Dissen Techno lief - tätowieren ließ, war das ein Zeichen der Rebellion. Ein Akt gegen das Etablishment: haltet ihr euch nur an das Äußere als oberstes Kriterium, aber ich erwarte von euch als Gegenüber, dass ihr etwas genauer hinschaut. Und wenn nicht, dann gehöre ich lieber zu der kleinen Randgruppe der Matrosen, LKW-Fahrer, Outlaws und Kriminellen. Jawohl! Jugend halt. Alles ein großes Statement.

Wenn ich damals gefragt wurde, ob ich mir sicher bin, dass mir das in zwanzig Jahren auch noch gefallen wird, dann zuckte ich entschieden die Achseln: bestimmt. Man hat ja mit Zwanzig ÜBERHAUPT keine Vorstellung, wie sein eigenes Leben ein bis mehrere Jahrzehnte später aussehen könnte. Wie auch? (GANZ großes Mysterium, die Zeit). Aber bestenfalls hat sich vieles verändert, so wie sich alles Lebendige stets in Veränderung befindet. Und wenn nicht, dann liegt der Verdacht nahe, dass man sich hinter künstlichen, toten Mechanismen verschanzt hat.

Bon, jetzt ist also bald jeder fünfte sowohl in Deutschland wie Frankreich tätowiert. Und Tattoos stehen für die Verherrlichung eines ausgeprägten Körperkultes - das absolute Gegenteil, für das ich mal angetreten bin. Allerspätestens als wir während unserer vorletzten Reise in der Assi-Hochburg Khau Lak Station machten, dem thailändischen Touri-Eldorado der geschmacklos tätowierten Menschen, hätte ich mir meine Tätowierungen am liebsten weglasern lassen - wäre ich denn wirklich eitel. Wer heute auffallen will, ist überhaupt nicht angemalt. Oder schreckt selbst vor den Extremen nicht zurück und lässt sich sogar Hals und Hände zutackern - na, wer weiß, mit welchen zukünftigen Methoden man das alles wieder auf Null drehen kann. Kundentechnisch bestimmt ein wachsender Markt...

Allerdings finde ich, dass solche Körperbilder durchaus als Zusatzinformation dienen können. Wie die Totenköpfe von Fässern mit giftigen Chemikalien etwa. Kennzeichnungspflicht erleichtert das schnelle Erkennen: Achtung: toxisch/ psychopathisch/ gehirnamputiert... Da helfen Tattoos oftmals ganz praktisch weiter. Manchmal auch im positiven oder ästhetischem Sinn. Und manchmal geben sie einfach Rätsel auf. Vorgestern lief ein Mann - etwa Anfang fünfzig - vor mir her mit einem offensichtlich frisch gestochenem Tattoo auf seiner rechten Wade. Zu sehen war ein auf Moos und Blättern posierlich sitzendes Eichhörnchen mit zwei Haselnüssen vor sich in pastelligen Farben. Was nur kann einen ausgewachsenen Mann zu dieser Motivwahl bewegen?

Den Habib erinnert dieser Trend an die aufkommende Mode der Pilzköpfe durch die Beatels seinerzeits, sowie das Phänomen seiner Jugend, in der die Rebellen sich einen Bart wachsen ließen als haariges Symbol dafür, nicht zu den Lemmingen zu gehören. Nicht allzu lange später trugen die Bullen eben diese Bärte. Der gesellschaftliche Konformismus drückte einst mit ganz anderem Schub... Schon komisch, oder, dass ob *für* oder *gegen* etwas zu sein, am Ende der Tanz um einunddasselbe Thema ist - nur aus gegensätzlichen Perspektiven. Mein Lieblingsbeispiel dafür sind Punks und Spießer. Man arbeitet sich am gleichen Thema ab bei der felsenfesten Überzeugung, es trennen einen Welten. Dabei  reagiert man mit größtmöglicher Ressonanz aufeinander. Und doch bleiben die zwei Kehrseiten zugehörig zu einer einzigen Medaille...

Für ein Salat-Plus-Essen sollte es schnurzegal sein, wie das eigene Hautbild aussieht. Zusammen mit einem Kartoffelsalat und einem grünen Salat fand ich die Blumenkohl-Puffer hochgradig unwiderstehlich!


Zutaten 9 Stück:

500g Blumenkohl
1 Ei
2 Knoblauchstangen
1 EL Schnittlauch/ Petersilie
Salz, Pfeffer
40g Parmesan, gerieben
2 EL Semmelbrösel
2 EL Mehl (m: Dinkel)
Sonnenblumenöl

Zubereitung:

Blumenkohl in Röschen teilen und und über Wasserdampf bissfest (nicht zu weich!) garen. Klein hacken (oder mit dem Blitzhacker nicht zu fein schreddern) - alternativ etwas gröber von Hand in ca. 1/2cm Stückchen (funktioniert ebenfalls). Knoblauchstange kleinschneiden, ebenso den Schnittlauch in feine Röllchen und die Petersilie fein schneiden. Alle Zutaten miteinander vermengen. Mit leicht feuchten Händen 9 Golfbälle formen.

Das Sonnenblumenöl in einer Pfanne erhitzen. Die Masse nacheinander in Desserring von 7cm Durchmesser geben und mit einem kleinen Löffel fest drücken. Dann von beiden Seiten etwa 4min goldbraun braten. Auf einem Küchencrepp abropfen lassen und warm stellen, bis die restlichen Puffer fertig braten sind.

Inspiration: Cahama


Freitag, 19. April 2019

Basic: Polarität


Eine Tendenz nehme ich zunehmend wahr. Etwas, das ich das große Einerlei nenne. Man verweigert sich der Auseinandersetzung, bezieht keine Stellung, zeigt keine Haltung. Man vermeidet alle Wertung und nimmt stattdessen einfach alles gleichwertig. Ob so herum oder andersherum - schietegal! Großes Achselzucken. Mein Name ist Hase. Ein gutes Beispiel etwa ist die Kunst. Kaum einer erlaubt sich eine Meinung dazu. Als könnte man sich die Zunge verbrennen, standrechtlich erschossen oder schlicht für dumm erklärt werden. Als gäbe es dafür nur zertifizierte Expertenmeinungen, die richtig von falsch scheiden. Roger Willemsen wieß in seiner für mich legendären und bereits zigfach verlinkten Rede zur abhanden gekommenen Streitkultur auf diese Problematik hin.

Ob real oder gut gefakt - so lange es funktioniert, ist alles paletti. Tsss, Wahrheit - völlig überbewertet, wenn eine ausgedachte Geschichte ebenfalls trägt... who cares. Faken ist das neue Schwarz. Geht immer. Passt immer. Zumindest im Internet. Und Instagram ist nicht die Wahrheit - damit haben wir uns doch gut arrangiert. Hauptsache der Unterhaltungswert stimmt. Darauf kommt es an.

Umso wichtiger sind funktionierende Sinne in einer komplexen Welt. Ihr seht an den Links, das ist eine echte Herzensangelegenheit, auf die ich wieder und wieder zurückkomme. Manchmal kommt mir dieses Verweigerungsgebaren vor, wie diese eine Werbung: ich lebe einfach - sollen sich doch andere um die Details kümmern.

Alles könnte man als Syntome einunddesselben Debakels zusammenfassen, weil es meiner Beobachtung nach an der absoluten Basic hängt: *Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande*, sagt Goethe. So siehts aus!



Für Meister Goethes Weltanschauung, sowie seine wissenschaftlichen Studien ist die Polarität DER Schlüssel zu allem ist! Das ist die Ausgangsbasis. Sei es in der Elektrizität Plus und Minus, in der Chemie Säure und Basen oder die Pole im Magnetismus...

Womit wir auch beim kleinen Einmaleins der Philosophie gelandet sind: Ohne Polarität macht überhaupt nichts Sinn. Vorneweg die Entwicklungsmöglichkeit des Menschen. Wie soll der Mensch sich in Freiheit entscheiden, wenn er nicht die Wahl hat zwischen zwei völlig unvereinbaren (!) Gegensätzen, die ihm zur Auswahl stehen. *Ost ist Ost, und West ist West. Und niemals treffen sich die beiden* (Kippling). In eine solche Spanne von Körper und Geist ist der Mensch gestellt, so entsteht Moral, Gewissen.  Am Erleben dieser Dualität und Kraft der so entstandenen Erfahrung kann sich ein menschlicher Wesenskern schleifen. Dafür braucht es allerdings eine innere Instanz, die noch gut von böse scheiden kann. Sind wir dabei, das zu verlieren? Wurzelt darin das große Einerlei?


Exakt in die Zusammenhang von Körper und Geist, von Form und Inhalt hakt die Homöopathie ein, womit sie als wunderbarer Brückenstein zwischen Wissenschaft und dem rein Imateriellen dienen kann. Bei einer Arzneimittelprüfung kann man Zeuge werden, dass subjektive Eindrücke und Erlebnisse durch Globolis reproduzierbar sind. Die Ausgangsprämisse der Homöopathie ist uraltes, einst gängiges Wissen, nämlich dass aller Materie ein Inneres innewohnt, eine Wirkweise, ein Feld, ein Kern. Oder nochmals anders gesagt: zu einer ganz bestimmten Form gehört der ihr entsprechende Prozess (siehe auch: der Post zum Thema Salz). Ganz à la *Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar*. Oder ganz schlicht: die beseelte Natur. 

Hey, das war früher großer Standart. Tja, das ist das Kuriose, dass man das heute betonen muss. Und wie schräg eigentlich, derlei überhaupt zum Thema erheben zu müssen. Als müßte man rechts und links, oben und unten, hell und dunkel, kalt und warm wirklich noch erklären. Das SELBSTVERSTÄNDLICHE, das nicht mehr verstanden wird. Schlimm!

Alle Weltreligionen suchen einen Weg, um mit seinem geistigen Inneren in Kontakt zu treten: *Was der Mensch als 'Gott' verehrt, ist sein eigenstes Inneres nach außen gekehrt.* (Goethe) Sämtliche indigenen Völker waren verwoben mit dieser im materiellen versteckten Geisterwelt. In Afrika wurde man mediterend von einen Baum gesetzt (s. Vom Geist Afrikas), die Schamanenkulte hatten ähnliche Praktiken, um mit der Geisterwelt in Kontakt zu kommen, oder als weiteres Beispiel: die Einweihungskammern in Ägypten oder Angkor Wat.  Tssss, wilde Spinner, sagen die einen. Bitte schön. Prinzip der Freiheit. Das dürfen sie. Ich bleibe dabei, dass die Seele eine Heimat hat. Und ich kenne zudem jemand, der das bestädigen kann.


Gerne betone ich, dass ich mit der Kritik an Homöopathie sehr oft einverstanden bin. Was einzelne Menschen daraus machen, hineininterpretieren oder wie damit umgegangen wird, ist wirklich oft hanebüchend. Das unterliegt der Vergewaltigung individueller (Nicht-)Könnerschaft. Auch ziehe ich entschieden ein Mal mehr die Grenze zur Esoterik, die professionell Halbwahrheiten mit Bullshit mischt und dann teuer verkauft. Wenn man Wahrheit mit Geld kaufen könnte, wäre es um die Wahrheit schlecht bestellt. Am richtigen Grundprinzip der Homoöpathie ändert das jedoch nichts.

Langsam, sehr langsam öffnet sich die westliche Medizin einer ganzheitlichen Vorstellung von Heilung. Etwas, das im Ostteil dieser Erde weit mehr verbreitet ist, beziehungsweise (da ist es wieder, das Wort:) SELBSTVERSTÄNDLICH.


*Es ist offenkundig, dass unser Geist eine entscheidende Rolle spielt, wenn es darum geht, unser Leben glücklicher zu gestalten und mit mehr Sinn zu erfüllen. Das hat nichts mit dem Vollbringen spiritueller Meisterleistungen zu tun, es ist eine Frage des elementaren, gesunden Menschenverstandes*, sagt der Dalai Lama (ebenfalls bereits schon mal zitiert).



Nun hat selbst und endlich die Wissenschaft festgestellt, dass (traraaahhh)  Körper und Geist zusammenhängen: Meditation verändert die Enden der Chromosomen, die sogenannten Telomere. Die Nobelpreisträgerin für Medizin, Elisabeth Backburn, erklärt das sehr verständlich. Für tieferes Interesse kann ich euch die Arte Doku ans Herz legen, die euch unten einbaue und die zu faszinieren weiß mit ihren wissenschaftlichen Studien rund um den Einfluß des Geistes auf den Körper.

Extrem spannend finde ich den Umkehrschluß, also die Überlegung, wenn Gedanken zur Heilung beitragen können, inwieweit können Gedanken krank machen. Oder: wie geht ein gesunder Geist und wie ein kranker? Was beeinflußt unsere Gedanken und in welcher Weise? Wie sehr bin ich Herr meiner Gedanken und wann laufe ich vollautomatisch? Wobei... eigentlich alles ein alter Hut, oder? Kennen wir nicht alle das Sprüchlein von Talmut: 

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.




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