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Montag, 15. Juli 2019

Kosenamen: mediterrane Reis-Puffer mit sahniger Tomaten-Estragonsauce


Kosenamen gehören ohne jede Diskussion in den Sektor des Privaten. Da darf sich jeder austoben, wie er will. Die einzige Meinung, die ich seither dazu hatte, ist, dass man die ganz abgedroschenen meidet (exakt wie den inflationären, amerikanischen Gebrauch von *I love you*-Liebesbeteuerungen). Da für mich une relation amoureuse das Exklusivste der Welt ist, bestehe ich auf *meinen eigenen Namen* und ich will nicht wie hunderttausend andere genannt werden. Nich, ihr versteht vielleicht, so wie *Mondenkind* in *Die unendliche Geschichte*: Bastian Balthasar Bux hats schließlich auch hinbekommen  - soviel Kreativität setzte ich seither einfach mal voraus.

Aber das habe ich jetzt über den Haufen geworfen. Zumindest für den Kosenamen *Spatz*. Ich glaube, ich habe es hier schon mal erwähnt (ja, genau hier), aber was haben wir Freude bei unserem Café-Trinken mit den Spatzen. Unser liebster Ort dazu könnte nicht malerischer gelegen sein: dem Resto gegenüber befindet sich ein gut erhaltenes Waschhaus, die eigentliche Terrasse ist zugleich Vorplatz einer schlichten, romanischen Kirche, der von alten Platanen beschattet wird und unter dem die Tische stehen - der Abschluß an der Dorfkreuzung macht eine prächtige Linde. Die Spatzen wissen bereits, dass wir unser Croissant redlich mit ihnen teilen und sind auch schon auf dem Tisch gelandet, um zu zweit das Hörnchen aus der Tüte zu ziehen. Dabei verbreiten sie eine Fröhlichkeit und Heiterkeit, was den Habib und mich regelmäßig dazu veranlaßt grenzdebil zu grinsen, sobald sie um uns hüpfen: die sind so dermaßen oberübermegaultimativ niedlich - ich kriege mich gar nicht ein! Selbst dem größten Bämul entlocken sie - quasi reflexartig - ein freundliches Zucken um die Mundwinkel. 

Doch *Spatz* wie *hunderttausend andere* genannt zu werden, das geht völlig in Ordnung. So in Ordnung, dass ich mir sicher war, dass es den Kosenamen *Spatz* überall auf diesem Planeten geben muss - schließlich ist der Sperling ein echter Allerweltsvogel, ein Weltenbürger. Meine Recherche spuckte mir allerdings nur die Italiener als Verbündete aus, die mit *passerotta/ passerotto* sich dem Charme des Spatzes ebenfalls nicht entziehen können. Die Fränzis jedenfalls ziehen die Ente (mon canard) und das Huhn (ma poule - Henne/ mein Küken - mon poussin) unerklärlicherweise dem Spatz vor.

Wie etwa der *Habib* zu seinem Namen gefunden hat, das bleibt unser Geheimnis. Dass ich ihn hier öffentlich machte, hatte schon als lustige Auswirkung, dass eine Feriengästin hier ankam und bei dem Anblick des Habibs zutiefst überrascht ausrief: *Aber du bist ja gar kein Araber*. Sei das somit auch verraten.


Nach acht Jahren des Bloggens habe ich mehr und mehr Lust, mit meinem eigenen Rezepten zu spielen. Also mache ich das einfach, um mich in der Spur der Kür zu halten. Die Tomatensauce ist angelehnt an dieses Rezept und die Puffer wiederum sind stark artverwandt mit diesen. Jedes für sich genommen - die super-knusprigen Puffer sowie die cremige Sauce - haben es mehr als verdient in die Dauer-Wiederholung zu kommen wenn nicht sogar in die Hall-of-DUBBs aufgenommen zu werden

Zutaten - 2P:

ca.12 kleine Puffer
100g Reis (m: Halb-Vollkorn)
35g Kürbiskerne, gehackt
40g grüne Tapenade
1 kleine grüne Paprika (m: eigene)
Salz, Pfeffer
2 Eier
30ml Sahne
35g Mehl (m: Dinkel-VK)
Öl zum Backen

100ml Sahne
4 Stengel Estragon
weißer Portwein
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
Piment d'Espelette
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Olivenöl 

Zubereitung:

Reis - je nach Sorte - in Salzwasser garen . Kürbiskerne fein hacken, die grüne Paprika entkernen und ebenfalls klein schneiden. Eier mit Sahne verquirlen und mit dem Mehl klümpchenfrei verrühren. Zusammen mit den Kürbiskernen und der Paprika unter den Reis mischen und würzig abschmecken mit Salz, Pfeffer und grüner Tapenade. Daraus 12 Puffer formen und in Öl von beiden Seiten goldbraun braten.

Für die Sauce die Zwiebeln und den Knoblauch fein würfeln. In Olivenöl anschwitzen, Ofentomaten zufügen sowie Dreiviertel des feingehackten Estragon, Sahne und den Schuß Port angießen und bei kleiner Flamme und zugedecktem Deckel ca. 10min köcheln lassen. Salzen, pfeffern und mit der Prise Zucker und dem Piment würzen.

Puffer zusammen mit der Sauce servieren und mit dem verbliebenem Estragon bestreuen.

Anmerkung m: man kann die Ofentomaten ersetzen durch frische, gehäutete, gewürfelten - die Sauce muss entsprechend länger reduzieren.


Freitag, 12. Juli 2019

12 von 12 - juli 2019













Ein traumhafter Sommertag, der startet mit einem frischen, klaren Morgen - ideal zum Baden - was ich nachmittags auch mache. 

Rituelles Aufstehen: Blick ins Tal, De-Luxe-Porridge mit Himbeeren, Erdbeeren, Aprikosen, Blaubeeren und Pfirsichen (der Olymp: besser wird es nicht mehr) sowie hulahubsen während ich wie immer den Tag versuche für mich zu ordnen.

Termin im Nachbarort durch enge Gässchen: Arztbesuch und kurzer Einkauf in der épicerie. Apropo Arzt: woher kommt nur diese emotional aufgeputschte Diskussion gegen Homöopathie - wegen 0,03 Prozent der Gesamtausgaben für Medikamente?! Muss ich das verstehen? Würde man auf die Barrikaden gehen wegen der Leichtfertigkeit mit der operiert wird (im Vergleich zu Holland in Deutschland fünf mal so häufig), wegen der mangelhaften Hygiene in Krankenhäusern (Stichwort: multi-resistente Keime) oder dem Einsatz von Notfall-Antibiotika für die Tiermast - dann würde ich den Aufschrei verstehen. Aber 0,03 Prozent?! Gut, mittlerweile ist mir zumindest das klar: die Mehrheit meiner Mitbürger füllt das Wort *Geist* entweder mit kroteskem oder überhaupt keinem Inhalt und das Thema *Polarität* braucht man gar nicht erst anschneiden... so ist das halt. Damit kann ich leben. Muss ich...

... Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum oben auf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist. (Goethe)

Mittagessen gab es die Süßkartoffel-Puffer von Ottolenghi - reloaded. Dank Melissa haben sie eine zweite Chance bekommen. Und siehe da: ich muss edieren, denn ich brauchte wenig Öl zum Braten, nachdem ich sie lange ausdämpfen ließ und sie schmeckten zum nächsten Tomatensalat ganz wunderbar!

Endlich ab an den Bach - vorbei an blühenden Lavendel-Feldern (Klischées wollen schließlich auch bedient werden, oder? Hallo Südfrankreich!). Den Weg dorthin muß ich mich an einer Wespenspinne vorbeischlängeln - ihr Netz kann ich dabei leider nicht ganz lassen. Und Schmetterlinge störe ich auch - ansonsten bin ich wie gewünscht und erhofft für mich...

Strandlektüre. Mein mittlerweile drittes Buch von Remarque - und er wird immer mehr einer meiner liebsten Schriftsteller. Nie leichte Kost, aber er schafft es, dass ich mich ihm und seinen Figuren ganz nah fühle.

Zurück wird der Nachmittag versüßt mit Beeren-Törtchen von gestern - Rezept folgt demnächst in diesem Kino.

Morgen ist Großkampftag - alle gîtes wechseln: der Berg Bettwäsche steht gerichtet bereit. Wochenende war dafür heute schon für mich. Ach, Yoga ist auch erledigt für heute: mit Mady und diesem Flow.

Und wenn wir uns beeilen, dann schaffen wir es noch auf das kleine Spektakel im Nachbarort. Ich glaube, das könnte witzig werden:





... andere Eindrücke vom 12ten des Monats wie sonst auch bei Mme Kännchen


Mittwoch, 10. Juli 2019

Salat Plus: mediterranes Semmelknödelbrot mit Rosmarin und Oliven


Nachts hört man in der Ferne unaufhörlich den Mähdrescher durch die Felder kreuzen, morgens fährt man dann abwechselnd an gold-riechendem Stroh vorbei und durch den Knoblauch-Duftnebel der frisch abgeernteten Felder. Ungewöhnlich fand ich die bunten, fröhlichen Platterbsen - die sah ich so noch nie in der Drôme, im Gegensatz zu den vielen Lavendelwiesen, die aus Südfrankreich nicht wegzudenken sind. Dabei auffällig wenig Flugverkehr allerortens. Auch im Garten wo zwischen dem üppigen Lavendel die Cosmeen, die Zinien und die Malven blühen - drei Schritte entfernt von unseren ersten, roten Tomaten.

Und wie verzehrt man die ersten, langersehnten Tomaten der Saison? Immer? Genau! Völlig langweilig als Tomaten-Salat. Oder eben als den langweiligsten aller Klassiker: als Tomate-Mozarella-Salat. Aber ich liebe Tomate-Mozarella-Salat mit VIEL Basilikum. Wir haben schließlich mehrere Monate dafür Anlauf genommen, um Altbekanntes wiederholen zu können mit den Tomaten aus unserem Garten.

Ideale Sommeressen sind für mich Salat-Plus-Gerichte. Alte Blog-Weggefährten/innen kennen diese Vorliebe. Hier wird der Salat begleitet durch einen Semmelknödel, der in der Brotform im Ofen gegart wird. Ich habe ihn bereits am Tag zuvor abends gebacken, so dass ich während der Mittagshitze die Scheiben nur noch Anbraten mußte. Mir gefiel die Zubereitungsweise sehr: einfacher und unkomplizierter wie sonst meine geschätzten Serviettenknödel - aber genauso köstlich.

Voilà, womit ich mal wieder den Einstieg eines typischen Food-Blogs hingelegt hätte - bißchen Jahreszeit, bißchen Warenkunde - seht ihr: bekomme ich auch hin. Manchmal frage ich mich, ob euch das lieber wäre... Nur, ich fürchte, dann würde ich mich beginnen zu langweilen....


Zutaten 4P:

380g Brot vom Vortag (m: Mischung Baguette/ eigenes Brot)
250ml Milch
2 Eier
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
50g schwarze Oliven-Tapenade
4 Zweige Rosmarin
(ca. großzügigen EL feingehackt)
1/2 Bund Petersilie
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl



Zubereitung:

Eine Brotbackform von 30cm Länge gründlich buttern.

Das Brot in Würfel schneiden und in eine große Schüssel geben. Die Zwiebel fein schneiden, ebenso die Knoblauchzehen. Rosmarin und Petersilie fein hacken.

Die Zwiebel zusammen mit dem Knoblauch in etwas Olivenöl glasig dünsten. Die Milch anschütten und alles vorsichtig aufkochen lassen. Über das gewürfelte Brot geben, durchmischen und 10min ziehen lassen.

Den Ofen auf 180° (O/U-Hitze) vorheizen.

Nun unter die Semmelknödelmasse die Eier, die Tapenade und die gehackten Kräuter untermischen, würzen mit Salz, Pfeffer und Piment (würzig abschmecken, aber bedenken, dass die Tapenade schon viel Aroma mitbringt). Am besten mischt man die Masse per Hand - ohne allerdings dabei alles zusammenzumatschen.

Nun in die Form füllen, glatt streichen und für 40min im Ofen backen. 5Minuten abkühlen lassen, dann mit Hilfe eines Messers am Rand entlangschneiden, (ich habe das Brot in der Form auskühlen lassen und abgedeckt in den Kühlschrank gestellt). Stürzen, in Scheiben schneiden und wer mag brät die Scheiben von beiden goldbraun an.


Sonntag, 7. Juli 2019

Base-Jumper: die Tarte für alle Fälle


Die Überschrift klingt zweideutig fies, oder? Nun, Extremsport und ich.... das gibt kein Match. Ich verstehe die Kameraden einfach nicht. Ich kann's nicht nachvollziehen. Für mich sind das Gefühlskrüppel, die den ultimativen Adrenalinkick brauchen, um überhaupt noch etwas zu spüren. Tote Hose total... innerlich. Man muss alles, was man hat, in die Waagschale legen - bref: das eigene Leben - damit es irgendwo noch ein wenig kitzelt. Nicht wirklich die Type, auf die ich abfahre. In diesem Interview mit einem Ex-Jumper kann man gut nachlesen, dass da eindeutig emotional ordentlich was hakt - daraus resultiert dann ein Suchtverhalten...

Und diesem Draufgängertum für ein Stück Fame auf den Social Media kann ich sowieso nichts abgewinnen. Was soll das? Man kann wohl auch mit einer anderen Haltung an ein solches Hobby rangehen (Pauschalurteile funktionieren halt nie): das zeigt die verunglückte Susanne - an der Gefahr ändert das nichts. Tja, aber echt jetzt? Für Sport, Fun, Rausch oder Adrenalin soviel Risiko eingehen? Das steht dann dafür, wenn man daran krepiert?

Also wenn das eigene Leben schon aufs Spiel setzen (was ich absichtlich - wie ja nun ausgeführt - sowieso für äußerst fragwürdig halte - das Leben ist schließlich lebensgefährlich genug - aber halt *wenn*), dann schon eher aus tiefster Neugier. Genauer gesagt, wenn alles auf Rot sezten, dann für die Ultima-Ratio-Frage schlechthin: *Was kommt nach dem Tod*. Eine Frage, die sich unter anderem die Logen gestellt haben. So soll einst unter den Freimaurern ein Einweihungsriten vollzogen worden sein (Goethe wird dies nachgesagt), bei denen man bei lebendigem Leib begraben wurde. Entweder man ging dabei drauf, oder wurde verrückt oder es ging einem ein Licht auf. Viel mehr Möglichkeiten gab es nicht. Waghalsig. Sehr waghalsig. Aber die Motivation leuchtet mir mehr ein.

Womit wir bei einem Pudelskern gelandet wären (s. wie weiter oben bei Susanne): die Motivation. Was treibt wen zu was?! Bon, auch dem Habib mit seinen vielen Wüstendurchquerungen (ohne Piste, ohne GPS) wurde gerne nachgesagt, dass man die Gefahr ja nicht extra suchen muss - ein solcher darf sich dann nicht wundern, wenn er darin untergeht. Der pure Leichtsinn also, wer das Glück so herausfordert.

Ja, tatsächlich spielen bei Gelingen oder Misslingen solcher *hochkarätiger Unternehmungen* definitiv mehrere Faktoren mit. Ein günstiger Moment. Gute Vorbereitung. Gottesfurcht. Gesunde Selbsteinschätzung... Alles kein Garant. Aber eine super Gelegenheit, mal wieder einen Liebling unter meinen Kalendersprüchen abzusetzen: *Mut besteht nicht darin, die Gefahr blind zu übersehen, sondern sehend zu überwinden.* Ja, Baby! Überwindung und Bewußtsein. Immer gute Stichwörter!

 
Als echter Garant für eine Basic-Tarte stellte sich dieses Modell heraus. Kardamom scheint mir ein Schätzchen zu sein, bei der alle *Hurra* rufen. Und welches immernoch ein leichtes Erstaunen in unseren Breitengraten hervorruft (ohhh,  ist da Kardamom drinne?) - was heutzutage in unserer abgebrühten *Habe-schon-alles-gesehen-und-alles-erlebt-Gesellschaft* SEHR viel ist. Auch die leicht marzipanige Mandelcrème finde ich ganz ausgezeichnet - ebenfalls zu sämtlichem Obst. Für mich sosehr ein Keeper wie ein echter Allrounder, diese Tarte! Und die Aprikose als Tartebelag fasziniert mich eh: egal ob Thymian, Rosmarin oder Lavendel - zu Aprikose gesellen sich alle herbes de provence gerne!
 
Zutaten - 1 Tarte:

240g Mehl*
120g Butter
30g Rohrzucker
1 Ei
wenig kaltes Wasser
(je nach Wunsch/ Obst:
Tonkabohnen-Abrieb
Limettenschalen-Abrieb
Vanille...)*

140g gemahlene Mandeln*
80g Butter, weich
75g Rohrzucker*
2 Eier
7 grüne Kardamomkapseln*

+/-500g Obst (entsteinte Kirschen, Aprikosen...)
 


Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Tarteboden einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde kühl stellen. Tarteform buttern, Teig auswellen, Tarteform mit einem Rand auskleiden, mit einer Gabel mehrfach einstechen, in eine Tüte packen und etwa 30min in die Tiefkühle stellen (m: gerne über Nacht)

Ofen auf 200° (Umluft) vorheizen. Tarteboden mit Backpapier auskleiden und mit Hülsenfrüchte beschweren und 10 min in den Ofen schieben. Backpapier und Hülsenfrüchte entfernen und bei 190° weitere 10min backen.

Währenddessen die Kardamomkapseln öffnen, die schwarzen Kerne daraus entfernen und mit 1 EL Zucker fein mörsern. Eier, Mandeln, Zucker und Kardamom mit Hilfe eines Handrührers verrühren (braucht nicht weiter ausführlich sein), die Crème auf dem Boden verstreichen, das entkernte/ entsteinte/ vorbereitete Obst darauf verteilen und für weitere 30min bei 180° backen. Abkühlen lassen und dann: genießen.

Anmerkung m: Je nach Obstsorte kann man den Tarteboden parfümieren (bei Kirschen nahm ich Limette, bei Aprikose Tonka... als Bsp)/ eine weitere dicke Empfehlung: ruhig mal anteilig oder ganz Vollkornmehl verwenden. 

Für die Crème finde ich ungeschälte, gemahlene Mandeln (im Vergleich mit den geschälten) die bessere Wahl. Zuckermäuler können den Zucker auf 100g erhöhen. Für die Aprikosen-Tarte nahm ich zusätzlich 1 EL fein geschnittene Lavendelblätter. Außerdem gab ich noch 1 EL Amaretto dazu - optional, versteht sich! Obst kann man mengenmäßig dem anpassen, was man hat - die Tarte verträgt mehr oder weniger Obst gut. Ach und: am nächsten Tag, wenn die Gewürze durchgezogen sind und die Tarte gut gekühlt ist, entwickelt sie erst richtig ihren Reiz!



Geschwister im hauseigenen Blog-Universum (u.a.):






Donnerstag, 4. Juli 2019

Locus amoenus - Blitz-Erdbeereistörtchen


Ich bin umgetopft und ausgewildert, sage ich über mich selbst gerne. Und das ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ohne Natur um mich kann ich nicht atmen. Zumal ich das Glück habe, an einem Kraftort zu leben, einem locus amoneus quasi, einem Ort voller guter, klarer Energie. Im Sommer gibt es obendrein noch locus amoneus II (ich berichtete... mehrfach und wiederholt) wo ich immer wieder hautnah erlebe, wieviel Kraft in purer Natur steckt und wie alleine das Verweilen an solchen Orten wie eine kleine Therapie wirken kann. Man kann das Einfühlen und damit Erkennen solcher Orte üben. Der Habib und ich machen uns einen Spaß daraus, uns gegenseitig auf solche Orte hinzuweisen. Umgekehrt - mit viel bad energy - die gibt es ebenfalls massig. So arbeitet man sich von großen Unterschieden zu immer feineren Nuancen vor.

Bei Menschen bin ich mittlerweile auch gut darin zu erkennen, wer welche Ausdünstung um sich verteilt, wie sie wirken, aufspielen, blenden, antäuschen (Mimikry halt). Die Mechanismen gleichen sich verblüffend. Da verdanke ich der Homöopathie viel, beziehungsweise dem tiefen Verständis meines Habibs davon.

Was kann man sich nicht alles draufschaffen - so lange es keine Gabe ist! Gut, was die Sinneswahrnehmung angeht scheidet der Mensch im Vergleich mit Tieren äußerst bescheiden ab. Jede Fledermaus orieniert sich besser, jeder Hund riecht mehr, jeder Elefant hat ein besseres Gedächtnis uswusf. Nur mit Maß und Zahl können Tiere nichts anfangen. Immerhin lassen sich die Sinne bei manchen Menschen zumindest schärfen - bei stumpfen Rettichen ist wohl nichts mehr zu machen (*Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen*). Aber nehmen wir etwa Musiker: die besitzen oft ein deutlich besseres Gehör als andere. Oder ein ganz banales Beispiel: als ich aufs Land zurückgezogen bin, musste ich das Riechen erst wieder üben. In der Stadt hatte ich es mir nahezu abgewöhnt, weil der Gestank einfach überwog.

Oder eine Geschichte, die mich sehr faszinierte, erzählte uns unserer Osteopath. Ein guter. Sein Können machte eine Operation - die mehrere Ärzte angeraten hatten - unnötig. Während seiner Ausbildung lernte er mit seiner Hand Blockaden aufzuspüren. Er trainierte diese Fähigkeit, in dem er unter ein Blatt Papier ein Haar legte und die Lage nur mit der Hand, die er darüber gleiten ließ, aufspürte. Als er das konnte, wurde von seiner Lehrerin ein zweites Blatt Papier darübergelegt und das Üben ging weiter. Ist das toll?! Was alles erlernbar ist - wenn man es will, wenn man sich übt, wenn man dranbleibt. Schon echt toll, was Mensch alles an Können entwickeln kann!


Mit dieser kleinen Süßspeise habe ich es mir einfach gemacht - einfach, weil die Mara du bois, die Königin unter den Erdbeeren, keinen großen Hofstaat braucht. Hier gilt es lediglich den richtigen Moment abwarten, den das Törtchen zum Antauen braucht (bei uns in der Wärme etwa 5min - dann geht ein Messer ganz leicht durch). Etwas Schlagsahne dazu.... njami!

Natürlich könntet ihr das Törtchen auch leicht (im Sinne von vorhandenen Rezepten - jedoch nicht was den Zeitaufwand angeht) raffinierter machen: ihr füllt das ultimative Erdbeer-Eis in die Förmchen oder sucht euch etwas aus dem reichhaltigen Erdbeer-Fundus zu den Beeren aus ...


Zutaten - 4 Förmchen à 125ml Füllmenge:

250g Erdbeeren
125g Sahne
150g Quark (m: Faiselle) 
50ml Holunderblüten-Sirup
10g Vanillezucker (m: eigener)

150g Sahne

Zubereitung:

125g der Erdbeeren fein pürieren, mit Quark, Zucker und Sirup mischen. 125g Sahne schlagen und untermischen. Die Masse auf die vier Förmchen verteilen und kalt stellen - am besten über Nacht.

Zum Servieren weitere 150g Sahne schlagen, die restlichen 125g Erdbeeren klein schneiden, ebenfalls mit Holunderblüten-Sirup marinieren. Zusammen auf einem Teller anrichten. Die Törchten vor dem Servieren unbedingt (!) etwas antauen lassen (sonst sind sie nämlich durch die Eiskristalle zu fest gefroren zum Verzehr).



Sonntag, 30. Juni 2019

Flausen - cremiger Salat aus Saubohnen und weißen Bohnen


Eine der größten hauseigenen Sabotage-Funktionen des Menschen ist sein Hochmut beziehungsweise sein Egoismus. Alle griechischen Sagen legen darüber Zeugnis ab - und während sich die Erde samt ihre Kulisse verändert hat, blieb sich des Menschen Welt gleich.

In einem von mir sehr geschätzten Buch wird geschildert, wie ein westlicher Mensch aufgenommen wird in eine spirituelle Schule im Himalaya. Seine allererste Lektion wird sich über viele Monate strecken und enden mit der einfachsten der folgenden abzulegenden Prüfungen. Und zwar hat er am Anfang zu begreifen, dass er überflüssig ist, niemand auf ihn gewartet hat, er nicht gebraucht wird und es auf ihn nicht ankommt - à la * Wenn du es nicht machst, dann macht es ein anderer*.

Eine Unterflause des Hochmuts ist das Streben nach Anerkennung. Viele werden ein ganzes Leben lang ihr Gegenüber nur als Publikum missbrauchen, um sich endlich die (versagte) Bestätigung einzuholen, auf die sie - wie sie meinen - auch ein Anrecht haben. Immer zu kurz gekommen, nie richtig wertgeschätzt worden, keiner, der sieht, was man leistet. Den Deutschen wird die Überwindung dieser Hürde besonders schwer gemacht: zum einen hapert es in dieser Nation mit der Großzügigkeit im Allgemeinen (worauf auch der sehr karge Einsatz von Lob zurückzuführen ist), zum anderen wird die Geld-Erwerbstätigkeit zusehr überbewertet. 

Ich behaupte, dass kein anderes Land in Europa den Beruf derart hoch aufhängt wie die Deutschen. Bei jedem Smalltalk, bei sämtlichen Kennenlern-Unterhaltungen ist die Starter-Frage (direkt nach *Aus welcher Gegend kommst du?*) diejenige nach der Arbeit (und damit möglicherweise dem Status). In anderen Ländern gilt das sogar als No-Go. Darüber erkundigt man sich wohl in Frankreich auch irgendwann einmal - aber es ist einfach zweitrangig, denn das Privatleben nimmt den zentralen Platz ein (wir reden von der Landbevölkerung). Da die Fränzis mindestens eine Generation länger schon das Patchwork-Modell leben, haben sie dementsprechend auch mehr Familie um sich.

Ein Tagebuch-Blog, das ich ebenfalls sehr schätze, führt mir deutlich vor Augen, welchen Stellenwert die Erwerbstätigkeit einnehmen kann. Sie saugt nahezu alle Kapazitäten - zeitlich, körperlich und geistig - auf und für den Alltag daneben bleibt kaum noch etwas übrig. Man setzt sein Leben ein, um (beispielsweise) die Betriebsabläufe irgendeiner Firma zu optimieren. Das füllt den Geldbeutel aber auch das Denken. Man kann sich eine Putzfrau leisten, doch die hat während ihrer Tätigkeit zumindest den Kopf für ihr eigenes Leben frei. Und trotz aller Hingabe wird man im Rentenalter einfach entsorgt und von jemand anderem ersetzt.

Wie heißt es so hübsch: *Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht*. Oder: *Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert*. Oder: *Gut meinen macht Herzen weinen.*

Um den Bogen zu den Flausen zurückzuspannen, kehre ich an die Wortwurzel zurück. Und zwar beobachteten wir eine Frau, die einen Babyvogel aufgesammelt hat, um ihn großzuziehen. Offensichtlich nicht wissend, dass die Vogeleltern ihre Küken auch noch außerhalb des Nestes weiterversorgen. Es kann irritieren, dass die kleinen Flausen tatsächlich noch sehr grün hinter den Ohren aussehen (quasi null flugfähig), aber sie hat ihm keinen Gefallen getan, indem sie die Fütterung nun übernehmen will.

Für die Piepmätze sind die ersten Tage außerhalb des Nestes (wie sich bestätigte) die gefährlichste Zeit (in etwa wie für Schildkröten nach dem Schlüpfen der Run Richtung Wasser) -  sie müssen schnell flügge werden. Diese Woche haben unsere kleinen Rotschwänze (die nach den Kohlmeisen unter der Dachterrasse nisteten) das Nest verlassen. Eines hat sich dabei das Genick gebrochen. Die anderen wären um ein Haar Futter für eine schöne, ausgewachsene Äskulap geworden - hätten wir nicht eingegriffen und die Schlange zwangsumgesiedelt. Ein paar Bilder werden euch von uneren Flausen erzählen...


Zu Saison und Temperatur passt dieser cremige Salat mit vielen frischen Kräutern und Bohnen:

Zutaten 2-4P*:

150g fêves (Saubohnen), bereits gepuhlt, blanchiert*
150g weiße Bohnen, gekocht* 
1/2 Bund Frühlingszwiebeln
1 kleine Stangensellerie
2 EL fein geschnittene Petersilie
eingige Blätter fein geschnittene Minze
3 EL Reisessig
4 EL Sesamöl
2 EL helle Soja-Sauce
etwas Zitronensaft
30g Soja-Geschnetzteltes
100g frischer Ziegenkäse
ca. 100ml Kochwasser der Bohnen
(alternativ:  Gemüsebrühe)
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Alle frischen Kräuter fein schneiden - das Grün der Frühlingszwiebeln kann rühig etwas breiter geschnitten sein. Auch die Stangensellerie fein schneiden.

Das Sojageschnetzeltes mit der gleichen Menge an kochendem Wasser übergießen und quellen lassen.

Den Ziegenkäse würfeln und mit Reisessig, Sesamöl, Soja-Sauce und Zitronensaft sowie dem Weiß der Frühlingszwiebel mischen und eine Salatsauce herstellen. Salzen und pfeffern. Je nach dem mit Kochwasser der Bohnen oder Gemüsebrühe auffüllen und die Bohnen darin direkt marinieren. Dann das frische Grün untermengen. Den Salat nochmals abschmecken und mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen. Nochmals abschmecken (Bohnen *fressen* Gewürze).

*Anmerkung m: die Menge reicht für 2-4 Personen - wie haben uns ihn geteilt zu Bratkartoffeln. Die weißen Bohnen habe ich selbst gekocht: am Vorabend mit reichlich Wasser quellen lassen, dann spülen, mit neuem Wasser und einem Stück Kombu-Alge aufsetzen und ca. 45-60min köcheln lassen - das Kochwasser eignet sich gut, um die Salatsauce damit zu strecken, außerdem marinieren die weißen Bohnen besser, wenn man sie noch heiß mit der Vinaigrette mischt. Die fêves stammen aus dem Garten und die puhle ich stets abends - wenn ich koche, habe ich meist Hunger und dann dauert es mir zu lange...





Donnerstag, 27. Juni 2019

Schnuffi: Ziegenkäse-Ravioli mit Artischocken und Zucchini


HÄHHHH - wohin sollen meine Garten-Turnschuhe verschwunden sein???? Die stehen IMMER am gleichen Platz. Nämlich vor der Terrassentür. Ich ziehe sie (logo) aus, bevor ich nach drinnen gehe (schließlich bin ich auch diejenige, die putzt). Ich tigere strümpfig noch ein paar Mal ziellos im Kreis. Wo sollen die Scheiß-Schuhe sein? Man zweifelt ja an seinem Verstand, wenn man etwas sucht. 

Bis ich ihn entdecke. Schnuffi liegt zwischen den Holzstühlen und der Wand der überdachten Terrasse. *Was machst du denn hier?*. Schwanzwedeln. *Komm, gib' es zu - du hast meine Schuhe entführt!* Schwanzwedeln.

Schnuffi wird ordentlich durchgekrault. Drei Mal wechselt er den Platz auf der Terrasse, wo er den kompletten Tag verbringt, bis wir zu Bett gehen. Ich weiß genau, wo er hingehört. Alle vom Dorf wissen das. Und für die, die es nicht wissen sollten, trägt er ein dickes, neongelbfarbendes Band um den Hals mit der Telefonnummer drauf. Schnuffi ist nämlich ein wertvoller Hund. Für seine Besitzer äußerst leider nicht im Sinne von Qualität (die sind nicht gerade berühmt für ihre Tierliebe), sondern weil ein ausgebildeter anatolischer Hirtenhund mehrere Tausend Euro kostet. Schnuffi arbeitet für seine Besitzer als sogenannter Herdenschutzhund. Heute hat er sich wohl frei genommen und ist stiften gegangen. Letztes Wochenende war hier transhumance, der Almauftrieb der Schafe - das hat er anscheinend zu nutzen gewußt. Ich bin total verknall in ihn. Wir nennen ihn auch gerne Mahatma, weil man sich unmöglich einen Hund vorstellen kann, der tiefenentspannter, liebenswürdiger und gutmütiger ist wie er. Da braucht es schon einen Wolf, um ihn zu provozieren. Er ist ungeheuer süß.

Allerdings ist er auch ungeheuer groß. Stehend erreicht er mindestens die Größe eines Kalbs und pro Woche kann er bestimmt locker einen Frolic-Sack vernichten. Für alle Menschen, die Angst vor Hunden haben, ist er der Endgegner. Und so richtig kompatibel mit Feriengästen ist der deshalb eigentlich nicht. Ich würde ihn trotzdem am liebsten behalten. Er ist ungeheuer süß.

Ich habe ihn selbstverständlich vom Scheitel bis zur Sohle durchgebürstet - hingebungsvolle Fellpflege muss sein - und unter Aufbringen all meiner Vernunft nix zu fressen gegeben. Was soll das schließlich werden? Eine Affaire? Wenn es die nicht schon ist...

Der reichste Bauer im Dorf, der mit den Schafen, hat nämlich viele Herden und mehrere Hirtenhunde. Schnuffi stand auch schon öfters mit Kollegen vor der Tür. Er besucht uns immer wieder. Ach, ehrlich, trotzdem - Schnuffi mag uns halt einfach genauso. Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit.

Es ist schon ein großer Preis, den wir für das Reisen jeden Winter bezahlen, eben deshalb darauf zu verzichten, mit Tieren - also domestizierten - zu leben. *Gell, Habibi* sage ich gerne zum Habib, *wenn wir irgendwann mal nicht mehr verreisen, dann halten wir uns einen ganzen Zoo!* So, jetzt kennt ihr meine Zukunftspläne. Die Schuhe habe ich übrigens (zusammen mit meinen Arbeitshandschuhen) später im Garten wiedergefunden - es war tatsächlich Schnuffi, der sie verschleppt hatte.


Zum Trost gabs für uns Pasta. Ich wißt: einen Grund für frische Pasta brauche ich nicht wirklich. Wenn ich uns etwas besonders Hübsches kochen will, dann gibt es eben selbstgemachte Nudeln. Dieses Mal eine Kreuzung aus Maultaschen und Ravioli - also für geübtere Hände eine schnellere Nummer.

Zutaten 2P:

16 Ravioli
Pastateig
100g Dinkel 639
100g Hartweizenmehl
2 Eier
Salz
Olivenöl

Füllung
160g Ziegenkäse (de caractère/ m: Picolin
40g Crème fraîche
1/2 Bund Basilikum
25g Semmelbrösel
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

6 kleine Artischocken
1 mittel-kleine Zucchini
3 Knoblauchzehen
Noilly Prat
Salz, Pfeffer
Olivenöl 

3 EL Pinienkerne, geröstet

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Pastateig einen homogenen Teig verkneten (nicht zu weich, nicht zu fest) und in Folie gewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Für die Füllung das Basilikum fein schneiden und dann mit allen anderen Zutaten vermengen und würzig abschmecken (leicht überwürzen - als Fülle verliert die Menge später sonst an Bums)

Den Teig vierteln, durch die Marcato wellen (bis Stufe 6 von 7), von Hand noch etwas breiter wellen (auf ca. 15cm) und Quatrate von 15cm schneiden. Einen Teelöffel Füllung in eine Ecke setzen, die Kanten dieser Ecke mit Hilfe eines Pinsels anfeuchten und die Ecke umklappen - und zwar derart, dass die umgeklappte Ecke etwa 1cm breit die Füllung umschließt. Mit Hilfe einer Gabel die Ränder gut andrücken. Ravioles auf ein mit Hartweizenmehl (oder -grieß) bestreuchtes Küchentuch auslegen und mit einem weiteren Tuch abdecken. So fortfahren, bis alle Ravioles gefüllt sind.

Für das begleitende Gemüse die Artischocken putzen, je nach Größe halbieren oder vierteln und in Zitronenwasser zwischenlagern. Die Zucchini (ebenfalls je nach Größe) halbieren oder vierteln und in dünne Streifen schneiden. Den Knoblauch fein hacken.

Die Artischocken in etwas Olivenöl anbraten, ca. 5min, dann den Zucchini und den Knoblauch zufügen und weitere 4min braten. Mit Noilly ablöschen, Deckel auflegen, Flamme verkleinern und weitere 2min garen. Salzen, pfeffern

In reichlich siedendem Salzwasser die Ravioles parallel garen (ca. 2min), gut abtropfen lassen und zusammen mit dem Gemüse und großzügig Olivenöl servieren. Wer mag pfeffert und salzt nochmals leicht. Zuletzt mit den Pinienkernen toppen.


Sonntag, 23. Juni 2019

Prinzessin Erbse: Tomaten-Hirse mit Erbsen-Rührei


Wer noch nie eine Erbsenschote mit einem Ploppp aufgedrückt hat, wer noch nie Himbeeren direkt vom Strauch in den Mund geschoben hat, wer noch nie Tomaten gekostet hat, die eben noch in der Sonne hingen, tja, der hat nicht nur etwas verpasst, der kann heute auch nicht mitreden. 

Andre können damit möglicherweise überhaupt nichts anfangen, pffhhhhh schnauben die: banaler Landklimbim. Die finden, dass man mindestens ein Mal im Leben Achterbahn gefahren sein muss, oder Swinger-Erlebnisse braucht oder den Bungee-Jump-Kick oder mindestens eine Flasche Grand Cru vernichtet haben sollte oderoder... aber deshalb sind andere ja anders.

Heute ist das Blog genau 8 Jahre und 4 Tage (und exakt gefüllt mit 1500 Posts). Eigentlich hätte ich mein Blog auch: Mein Leben mit Johann Wolfgang nennen können. Goethe passt immer, hat zu allem etwas Brauchbares beizutragen und ist einfach ein zeitloser Weltenbürger - was man bestimmt nicht über viele sagen kann.

*Es gibt, sagt man, für den Kammerdiener keinen Helden. Das kommt aber bloß daher, dass der Held nur vom Helden anerkannt werden kann. Der Kammerdiener wird aber wahrscheinlich seinesgleichen zu schätzen wissen.* 

Womit ich sagen will, dass mein heutiges Rezept wohl nur diejenigen richtig nachvollziehen können, die ebenfalls aus dem Garten naschen. Alle anderen werden nicht ganz wissen, worüber ich schreibe. Allen anderen fehlt zudem der Vergleich. Es ist ein ganz einfaches Gericht - so simpel, dass die Erbse der Star auf dem Teller bleibt. Genau wie ich es wollte. Nie schmecken junge Erbsen besser wie frisch und roh - und die gilt es zu feiern: Prinzessin Erbse quasi, die über allem thront. 

Oder eine andere Geschichte fällt mir als Vergleich ein. Mit dem Habib bin ich über einen der vielen Töpfermärkte geschlendert (jedes Dorf hat hier mindestens eine Töpferei) und wir liefen von einem gezierten Teller, zum nächsten außergewöhnlichen, zu einem weiteren verkünstelten - alle wie gemacht, um an der Wand zu brillieren. Aber kein einziger darunter, der ein Essen darauf hätte wirken lassen.

Bref: die Hirse macht der Erbse hier einen wunderbaren Sockel. Und schnell gekocht ist auch... Sollten die Erbsen bereits gepuhlt sein.


Zutaten 2P:

200g Erbsen
4 Eier
100g Hirse
200ml Gemüsebrühe
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehe
70g délice de tomate
1/2 TL Ras el Hanout
1 Zweig frische Minze
Thymian
1/2 Salzzitrone
Schnittlauch
Salz, Pfeffer
Olivenöl

Zubereitung:

Die Hirse mit 220ml kaltem Wasser aufsetzen, salzen und 20 min leicht köcheln lassen.

Die Zwiebel und den Knoblauch fein würfeln. In etwas Olivenöl mit dem Thymian glasig dünsten. Dann zusammen mit dem Délice unter die Hirse mischen. Mit Ras el hanout würzen. Die Minzblätter fein schneiden ebenso wie die Schale der Salzzitrone. Beides unter die Hirse ziehen und mit Salz, Pfeffer und Piment d'Espelette würzen. Warm stellen.

Die Erbsen kurz blanchieren: in kochendem Wasser 1 min kochen und mit kaltem Wasser abschrecken.

Die Eier verquirlen, salzen, pfeffern und sie in einer heißen Pfanne zu Rühreier braten - wenn die Eier halb/ dreiviertel gar sind die Erbsen darüber verteilen, Deckel auflegen und die Eier in etwa 5min fertig stocken lassen.

Die Hirse auf zwei Teller verteilen, das Ei halbieren, über der Hirse anrichten und mit in Röllchen geschnittenem Schnittlauch garnieren.

*Anmerkung m: wer mag, hobelt noch etwas Parmesan über alles


Sonntag, 16. Juni 2019

Drückeberger-Brot im Mohnfeld


*Wir fürchten den Tod, weil wir das Leben nicht verstehen* - ein Satz, der mir direkt beim Lesen quer steckte. Ich kaute auf ihm herum, bis ich mich schließlich beim Habib über ihn beschwerte. Er verstand mich sofort (ach, gibt es etwas Süßeres als echtes Verständnis?).  Hey, der Satz ist eine feiste, faule Ausrede! Direkt fiel mir Rilke ein: *Du musst die Welt nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.* Rilke wird den Bogen dann in eine andere Richtung weiterziehen, aber nimmt man den Zweizeiler für sich heraus, dann untermauert er meinen Einstiegssatz für alle Bewußtseinsverweigerer. Vogelstrauß-Methode. Mein Name ist Hase. Augen zu und durch. Ins Blaue hinein. Irgendwie wird das Kind schon geschaukelt. Das ganz große Spiel der Willkür.

Denn zweifelsohne: *Lebt man mit der Schlichtheit einer Amöbe, dann angelt man sich von Feierlichkeit zu Feierlichkeit. Was ist ein Leben ohne Pausen? Hoch die Tassen und *Santé, Bonheur!* Woran soll man sich auch sonst halten. Verkatert macht sich sowieso kein Mensch gerne einen Kopf über irgendetwas.

Meine Großmutter meinte einst zu mir, als ich gerade in die Pupertät rutschte: *Du musst aufpassen, dass du deine Stirn nicht so oft in Falten wirfst. Männer mögen keine Frauen, die die Stirn runzeln.* Tja, und die Oma behielt zumindest insofern recht, alsdass das Leben nicht hübscher davon wird, wenn man darüber grübelt. Aber den Habib schreckten meine Stirnfalten nicht.

Bref, dass sich viele keine Gedanken machen wollen über den Sinn des Lebens und tiefere Zusammenhänge, habe ich lange entschuldigt. Der Mensch ist zu abgelenkt/ zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt/ zu überfordert/ zu eitel/ zu hochmütig/ zu unentschlossen/ zu rauschhaft, egozentrisch, ängstlich, sprunghaft...  Kann ja mal passieren - aber ein ganzes Leben lang? Warum all die schalen Ausflüchte durchrutschen lassen? *Alle Menschen auf Erden sind der Unendlichkeit und der Ewigkeit bewußt. Der Unterschied zwischen ihnen besteht nur darin, in welchem Grad den einzelnen dieses Bewußtsein erschüttert* (Arthur Schnitzler). Heißt mit anderen Worten: Wenn wir in den Sternenhimmel schauen, dann wissen wir alle, dass es noch viel mehr gibt, als das, was heute für erwiesen gilt. Die Frage ist: wie sehr sind wir fähig, uns zu Größe in Beziehung zu setzen. Und hier trennt sich Spreu von Weizen: der eine stellt sich, der andere weicht aus.

Und ja, je mehr man sich auf die Suche, also wirklich auf die Suche nach Antworten macht, umso mehr Konsequenzen werden sich auftun. Dadurch wird das Leben ernster. VIEL ernster. Und unbequemer. Doch man erhält mehr und mehr eine Vorstellung davon, wie die Dinge miteinander zusammenhängen. Und so ergibt dann eins das andere: man wird aufmerksamer, achtsamer, bewußter. Gerade das Bewußtsein macht den großen Unterschied! Ohne Bewußtsein gilt alles überhaupt nichts.

*Was nicht Bewußtsein wird, ist nicht gelebt* (Friedrich Löchner).

Aber warum nur scheut der Mensch das Bewußtsein derart und zieht es vor, sich weiter und weiter zu verstricken - in Geschichten, die wie sonambul gehäkelt werden? Wie heißt es so hübsch: *Die Evolution ist verschwenderisch*. Vielleicht reicht es der Evolution, wenn lediglich ein paar Qualquappen zu Fröschen werden? Und wer will das überhaupt wissen?


Zurück zum Tagesgeschäft. Zurück zu den kleinen Brötchen, beziehungsweise dem Brot des Tages, welches nur den heutigen Gedanken zuliebe zum Drückeberger-Brot gemacht wurde. Vielmehr handelt es sich um ein Bauernbrot, das an meine Vorlieben angepaßt ist. Üblicherweise essen wir an einem halben dieser Laiber etwa 3 bis 4 Tage. So schaue ich, dass ich eine gute Frischhaltequalität erhalte.  Und die bekomme ich durch die Beigabe von etwas Einkorn-Vollkorn und Kartoffeln sowie dem Parken in Kühlschrank für 4-5 Stunden - eine Zubereitung, auf die ich mich eingeschossen habe ob der zufriedenstellenden Ergebnisse.

Zutaten - 2 Laiber:

Sauerteig:
140g Ruchmehl
140g Wasser
14g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Brühstück:
80g Einkorn-Vollkorn
200g Wasser, kochend

Hauptteig:
Sauerteig
Brühstück
180g Einkorn-Vollkorn
330g Ruchmehl
300g Weizen 550 (m: T65)
100g Kartoffeln, gekocht
19g Salz
4g Hefe
300ml Wasser (+50ml)

Zubereitung:

Sauerteig rechtzeitig (morgens) durch Hefeführung schicken, Sauerteig ansetzen, Brühstück ansetzen. Sauerteig abgedeckt warm stellen, Brüstück abgedeckt kühl.

Alle Zutaten des Brotteiges miteinander vermengen (Kartoffeln fein gerieben) und den Teig etwa 8-10min kneten - die 50ml Wasser je nach dem wie der Teig die Flüssigkeit aufnimmt schlückchenweise zugeben.  In eine geölte Schüssel umfüllen, direkt 1x falten und 20min ruhen lassen, 2.Mal falten und weitere 20min ruhen lassen.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche rund wirken und mit dem Schluß nach oben in ein rundes vorbereitetes Gärkörbchen verfrachten. Abdecken und 10-15 min entspannen lassen, dann für ca.5 Stunden in den Kühlschrank stellen zur langen Gare. Ofen mit Backstein gut vorheizen. Einschneiden, auf einen Schieber stürzen und in den Ofen schieben.

Mit Schwaden einschießen: 10min bei 250°, 15min bei 225°, 25min bei 200°, 15min bei 190°, 5min bei Umluft und leicht offener Ofentür.








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